Intermittent Fasting: Verbesserter Blutzuckerspiegel mit geringerer Mahlzeitenhäufigkeit

Intermittent Fasting: Verbesserter Blutzuckerspiegel mit geringerer Mahlzeitenhäufigkeit

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Intermittent Fasting: Verbesserter Blutzuckerspiegel mit geringerer Mahlzeitenhäufigkeit

Eine neu erschienene Studie mit dem Titel „Die Mahlzeitenhäufigkeit, die Auswirkung auf den Blutzucker unddie damit verbundende Beinflussung des Insulinspiegels“ stellt die recht populäre Empfehlung der vielen kleinen Mahlzeiten, um den Blutzucker auf einem konstanten Niveau zu halten, in Frage. 
 
Im Gegenteil: die Studie zeigt sogar, dass diese Methode sogar kontraproduktiv sein kann, da der Blutzuckerspiegel bei vielen Mahlzeiten höher ausfällt, als bei einigen Wenigen. 
 
Richtig gehört: die Mär von vielen kleinen Mahlzeiten, die es im Abstand von 2-3 Stunden einzunehmen gilt nur um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten ist nicht nur Unfug, sondern obendrein ein Mythos, der im Begriff ist aus dem gängigen Ernährungskanon eliminiert zu werden.
 

Die Welt steht Kopf

Eigentlich ist es recht amüsant mit anzusehen, wie eine so ein Ratschlag im Mainstremsegment hinsichtlich der Diät und Mahlzeitenhäufigkeit so kräftig durcheinander gewirbelt wird und einer neuen, weitaus genaueren Untersuchung weichen muss. Gerade 2010 erfuhren wir, dass sich drei Mahlzeiten am Tag viel besser auf die Appetitkontrolle auswirken. Desweiteren gibt es mehr als genug Beweise, dass eine häufigere Mahlzeiteneinnahme nicht wie einstmals angenommen den Stoffwechsel auf Trab hält – ja noch nicht einmal zu einem verbesserten Fettverlust führt.
 
Glücklichweise gibt es einige wenige Mainstream Medien die aus dieser Scheinwelt so langsam aufwachen und über genügend Menschenverstand verfügen, die Leute dahingehend auch aufzuklären. So entlarvte beispielsweise die New York Times erst in einem jüngsten Bericht den Mythos der häufigen Mahlzeiten im Bezug auf einen verbesserten Fettstoffwechsel. Das Traurige an der ganzen Geschichte ist nur, dass die Times stellenweise um bis zu ein Jahrzehnt zu spät mit dieser Meldung dran ist. Aber das ist in Ordnung, denn auch ich bin relativ spät über diese Sache gestolpert und habe mir den Mund noch bis 2005 mit diesem Unsinn fusselig geredet.
 
Weiterhin interessant war der Bericht der New York Times über die Vorteile des Fastentrainings. Auch hier zählt die Zeitung zu den späten Nachzüglern – die Studie dazu wurde bereits im vergangenen September zusammengefasst. (Außerdem trainieren meine Klienten und ich bereits seit 2006 im Fastenzustand aufgrund unserer Diätleitlinien. Checkt einfach mal das „Fasted-Training“-Tag.)
 
Im Grunde genommen sollten wir dankbar dafür sein, dass eine so große und einflußreiche Tageszeitung diese Nachricht an die breite Öffentlichkeit weiterträgt. Klar, soweit es die Mainstream Medien betrifft, kann man stets behaupten, dass sich diese auf dem aktuellsten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnissen befinden…
 
…aber wenn ihr wirklich stets auf dem Laufenden bleiben wollt, dann stellt ihr lieber sicher, das ihr die Leangains-Blogseite gebookmarked habt :D Oder noch besser: tragt euch im Reader oder bei den e-Mails ein.
 
Ich erinnere mich noch an die Tage, wo ich gerade damit anfing über die Häufigkeit der Mahlzeiten, das Fasten und das Fastentraining in diversen Blogs und Foren zu sprechen und zu schreiben. Jeder dachte ich hätte einen Schaden. Tja, ratet mal wer jetzt zu Lachen hat. Aber ich weiche vom Thema ab – zurück zum Topic.
 
 
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Der Mythos der Mahlzeitenhäufigkeit

 
Wie ihr vielleicht schon gehört und vielfach darüber gelesen habt – in Form von Tipps und Tricks zum Fettabbau, die von vielen Gesundheitsfanatikern und Ernährungsberatern gleichermaßen gepredigt werden – sollen viele, kleine Mahlzeiten im Abstand von zwei bis drei Stunden den Blutzuckerspiegel auf einem konstanten Niveau halten. Dies ist der angebliche Bonus nebst Vorteilen, wie zum Beispiel einen besseren Stoffwechsel, einer verbesserten Appetitkontrolle, Vorbeugung von Muskelverlusten und so weiter.
 
Wenn ihr zu den Stammlesern dieser Seite gehört, dann werdet ihr mittlerweile wissen, dass dies Unfug ist. Ja, eigentlich ist es sogar das exakte Gegenteil zu dem, was in Wirklichkeit geschieht. Ich habe diese Lügengeschichten bereits in meinem Artikel der „Top Ten der Fasten-Mythen: entlarvt!“ (unter uns: ein Must-Read, sofern ihr es noch nicht gelesen habt). 
 

Blutglukose und Gesundheit

 

Es ist von entscheidender Bedeutung den Blutzuckerspiegel auf einem gesunden Niveau zu halten, da ein zu hoher Blutzucker nur allzu häufig zur Insulinresistenz und Glukosintoleranz  führt. Zusätzlich zu anderen Krankheiten, wie beispielsweise Atheriosklerose und Alzheimer. Es wurde auch lange darüber spekuliert, ob ein hoher Blutzuckerspiegel (Blutglukosespiegel) den Alterungsprozess beschleunigen könnte.
 
Hierbei sollte man jedoch anmerken, dass die Hypothese mit dem beschleunigten Alterungsprozess in Verbindung mit Blutzucker und Alzheimer auf Tierexperimenten und Zellklultur-Studien basiert. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, lässt sich daraus nur schwer eine direkte Verbindung zwischen der Blutzucker, dem Alter und andereren Krankheitenbei frei-lebenden Menschen herstellen.
 
Dennoch ist es nicht weit hergeholt, dass die Adaption für unseren Körper hinsichtlich der modernen Ernährungsweise mit ihrer hohen Kalorienzufuhr und den stark verarbeiteten Kohlenhydratquellen noch lange nicht erfolgt ist. 
 
Das reichliche Angebot an Junk Food und hochkonzentrierten Kohlenhydratquellen gibt reichlich Möglichkeiten für Blutzuckerspitzen, für die wir nicht in ausreichendem Maße gewappnet sind. Es mag also keine reine Spekulation sein, dass jene Leute, die mit einem ständig erhöhten Blutzuckerpiegel herumlaufen, eine Art Rückkopplung erfahren.
 
Zusammengefasst kann man also durchaus sagen, dass das Halten des Blutzuckerspiegels in einem gesunden Rahmen mehr als nur wichtig für alle jene Personen ist, die mit einer niedrigen Glukosetoleranz und Insulinsensivität (Prediabetes) zu kämpfen haben. Wie dem auch sei: es mag aber auch durchaus für alle jene von Interesse sein, die auch an einem langen und beschwerdefreien Leben interessiert sind.

 

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Blutglukose und Mahlzeitenhäufigkeit

 
Während es relativ einfach gewesen ist, die Mythen bezüglich der Mahlzeitenhäufigkeit und des Stoffwechsels zu entlarven, gestaltet es sich unlängst schwieriger die wissenschaftliche Literatur bezüglich der Mahlzeitenhäufigkeit und des Blutzuckerspiegels zu durchforsten und gleichzeitig eine signifikante Erkenntnis daraus zu ziehen. Ein wichtiger Apekt besteht zum Beispiel in der Problematik der Blutprobenentnahme zum richtigen Zeitpunkt, um eine gerechtfertigte und faire Bewertung der Ergebnisse durchzuführen.
 
Nehmen wir an, wir wollen den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel im Laufe einesTages messen. Einmal für 3 Mahlzeiten und einmal für 6 Mahlzeiten. Die Kalorien teilen wir dementsprechend auf die Mahlzeiten auf (z.B. 3x 800 kcal vs. 6x 400 kcal). Nun messen wir den Blutzuckerpiegel zu verschiedenen Zeitpunkten des Tages. Das erste Mal erfolgt die Messung eine Stunde nach Einnahme der ersten Mahlzeit. Ich muss wohl nicht unbedingt erwähnen, dass die erste Variante nach einer 800-kcal reichen Mahlzeit den größeren Wert auswirft (3-Mahlzeiten/Tag-Gruppe). 
 
Andererseits wird aber genau jene Gruppe in der dritten und vierten Stunde des Experiments einen niedrigeren Blutglukosespiegel aufweisen – gerade dann, wenn die 6-Mahlzeiten-Gruppe am Essen ist oder ihre zweite Mahlzeit gerade beendet.
 
Das oben erwähnte Beispiel zeigt die Problematik deutlich auf. Das richtige Timing bei der Probenentnahme ist ein großer Schlüsselfaktor – und genau dieser Faktor wurde in vielen vergangenen Studien nur unzureichend gehandhabt im Bezug auf die Mahlzeitenhäufigkeit, den Blutzucker und Insulin. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, braucht es ein präzises Timing durch die Forscher in Relation zu den Mahlzeiten – gleiches gilt bei der Blutprobenentnahme. In jedem anderen Fall werden die Ergebnisse mitunter stark verfälscht.
 
Ein weiterer, monumentaler Faktor besteht in der unterschiedlichen Zusammensetzung der Mahlzeiten. Eine nicht standardisierte Kalorien- und Makronährstoffzusammenstellung macht jedwedes Ergebnis, welches sich aus dem Kontext der Messungen ergibt, nahezu nutzlos. Jeder Makronährstoff hat individuelle Auswirkungen auf den Blutzucker und das Insulin. Kohlenhydrate erhöhen den Blutzucker, sowie das zirkulierende Insulin am stärksten, Protein weniger und Fett am wenigsten.
 
Die neue Studie versucht sich daran, all die Defizite vergangener Studien zu umgehen. Ein kurzer Auszug: 

„Im Gegensatz zu vorherigen Forschungen, nutzte diese Studie eine kontinuierlich entnommene Blutprobe, um den Blutzucker- und Insulinspiegel bei drei bzw. sechs aufeinanderfolgenden Nährstoffaufnahmen im Auge zu behalten.“

Alles klar – lasst uns also sehen, wie diese Studie aufgebaut ist, was für Ergebnisse sie geliefert hat und was für Schlüsse wir daraus für uns ziehen können.
 

Methodik

 
Die Studienteilnehmer trafen alle im Fastenzustand im Laboratorium ein. Kurze Zeit später wurden Basis-Blutproben entnommen. Bei drei verschiedenen Situationen wurde jeder Proband mit einer Diät versorgt, die 1500-kcal umfasste.
 
6 Cho: 65 % Kohlenhydrate, 15 % Protein, 20 % Fett, aufgeteilt in 250 kcal x 6.
3 Cho: 65 % Kohlenhydrate. 15 % Protein, 20 % Fett, aufgeteilt in 500 kcal x 3.
6 Pro:  35 % Kohlenhydrate, 45 % Protein, 20 % Fett, aufgeteilt in 250 kcal x 6.
 
Die Mahlzeiten waren stets in flüssiger Form verabreicht worden; die Kohlenhydrate bestanden aus einer Form von Sucrose und Corn Syrup, als Proteinquelle diente Sojaprotein. Das Fett kam zusammen mit dem Protein daher. Zwar nicht ideal, aber bei solchen Experimenten kommt nunmal Flüssignahrung zum Einsatz.
 
Alle zwei Stunden wurde eine Mahlzeit eingenommen, beginnend bei 7 Uhr morgens für die 6-Mahlzeiten-Gruppen (6 CHO und 6 PRO) und alle vier Stunden, beginnend bei 7 Uhr morgens, bei der 3-Mahlzeiten Gruppe (3 CHO). Die Blutproben wurden alle 15 Minuten während der Studienperiode entnommen (7 Uhr morgens – 7 Uhr abends). Die Ergebnisse wurden zusammengezählt und der Wert für den Blutzuckerspiegel, sowie den Insulinspiegel wurden anschließend aufaddiert, um einen Durchschnittswert für jede Ernährungsform zu ermitteln.
 
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Die Ergebnisse

 
Die Basiswerte (Fastenzustand) für Glukose und Insulin waren an allen drei Studientagen nahezu identisch. Aber lasst uns einmal einen genaueren Blick auf die durchschnittlichen Blutzuckerwerte für jede Ernährungsvariante betrachten. 
 
6 CHO: 710.0 +-251.0 mmol/L*min
3 CHO: 522.7 +-99.3 mmol/L*min
6 PRO:  442 +-121 mmol/L*min
 
Die 6 CHO-Gruppe ist mit erheblich höheren Blutzuckerwerten konfrontiert im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen. Trotz identischer Kohlenhydratmenge und Kalorienzufuhr weist die Gruppe mit den 6 Mahlzeiten stellenweise bis zu 30 % höhere Blutzuckerwerte auf, als die Gruppe mit den drei Mahlzeiten. Dies ist ein deutlicher Unterschied wenn man die standardisierten Energie- und  Nährstoffzusammensetzungen berücksichtigt.
 
Der Unterschied zwischen der 6 CHO-Gruppe und jener mit dem höheren Proteinanteil (6 PRO) war sogar noch durchschlagender (60 % höher), aber das ist nicht allzu überraschend, wenn man die Auswirkungen von Protein auf den Blutzuckerspiegel berücksichtigt.
 
Die Insulinwerte wiesen keine großen Unterschiede zwischen den CHO-Gruppen und die PRO-Gruppe hatte hierbei den niedrigsten Wert. Und wieder: nicht allzu überraschend, wenn man im Vorfeld weiß, dass Kohlenhydrate weitaus insulin-sensitivere Auswirkungen zeigen als Protein.

Zusammenfassung

Die Autoren des Studienpapier fassen die Ergebnisse wie folgt zusammen:

„Die aktuelle Studie ist eine der Ersten, die die Glukose- und Insulinreaktionen bei variierten Mahlzeitenhäufigkeiten und einer genauen Makronährstoffzusammensetzung in gesunden, jungen Erwachsenen im Zeitrahmen einer 12-Stunden Periode untersucht. Unsere erste Feststellung beschränkt sich auf die Tatsache, dass 6 regelmäßige Mahlzeiten innerhalb von 12 Stunden in einem höheren Blutzuckerspiegel im Verlauf des Tages resultiert, als es bei nur 3 Mahlzeiten der Fall ist, und das obwohl keine nennenswerten Unterschiede in der Insulinreaktion zwischen diesen beiden Gruppen zu verzeichnen waren.“

Dies impliziert, dass das Insulin allem Anschein nach in der Lage war, seine Aufgabe – die Senkung des Blutzuckers – bei einer niedrigen Mahlzeitenfrequenz besser zu erfüllen.

„Es gab zahlreiche Stimmen – durch medizinische Communities sowie der Laienpresse – die die Variante mit 6 Mahlzeiten hinsichtlich Gewichtsverlust und glykämische Kontrolle favorisierten, konträr zu unseren Ergebnissen, in denen die Glukose AUC während des gesamten Tages bei einer kohlenhydratreichen Ernährung 30 % höher lagen, als bei einer Einnahme von 3 Mahlzeiten pro Tag.“

Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine blumig-verpackte Nachricht, die eigentlich aussagt: bei den Mainstream-Ratschlägen handelt es sich um reinen Bullshit.

„Diese Ergebnisse könnten wichtige Implikationen für Individuen liefern, die an Glukoseintoleranz oder Typ 2 Diabetes leiden. Weitere Studien in der Bevölkerung sind daher wünschenswert.“

Es mag also nicht nur Bullshit sein, sondern obendrein auch nachteilige Auswirkungen für einzelne Individuen mit sich bringen.
 

Meine Gedanken zum Thema


1. Die Studienteilnehmer waren durch die Bank weg dünn, gesund und jung;  18-35 Jahre alt, männlich und weiblich mit einem durchschnittlichen Körperfettanteil von 12 und 30 %. Das heißt gleichzeitig, dass sie stoffwechseltechnisch gesund und repräsentativ für die gesundheitsbewußte Masse waren. Wenn also diese Studienteilnehmer schon negative Auswirkungen durch eine erhöhte Nahrungsaufnahmefrequenz in Kauf nehmen mussten, kann man nur darüber spekulieren, welche Nachteile Personen in Kauf nehmen müssen, die mit einem noch schlechteren Stoffwechsel ausgestattet sind, beispielsweise jene mit einer erniedrigten Glukosetoleranz oder einer Insulinresistenz.

2. Ironischerweise herrscht “das Dogma der 6 Mahlzeiten am Tag” gerade in der Schicht der Fitnessorientierten Masse vor – teilweise durch die damit verbundene Annahme, dass man damit den Blutzuckerspiegel in Schach halten kann – und das, obwohl es genau den gegenteiligen Effekt bewirkt.

3. Obwohl die Studie exzellent aufgebaut war, kann man bemängeln, dass die Versuchsreihe relativ klein gehalten war (8 Probanden). Dies lässt die Ergebnisse weniger eindeutig erscheinen, als es vielleicht bei einer größeren Versuchsreihe der Fall gewesen wäre. Dennoch ist die Versuchsreihe dieser Studie mitunter immernoch größer, als in zahlreichen anderen Studien, die allenthalben als Quellen zitiert werden und fragwürdige Behauptungen hinsichtlich einer höheren Mahlzeitenfrequenz aufweisen (z.B. die weit verbreitete und zitierte Studie von Speechlym, et al mit 7 Probanden). Eine Versuchsreihe mit 7-10 Probanden ist in diesem Bereich recht typisch.

4. Es gab eine nennenswerte Varianz beim durchschnittlichen Blutzuckerspiegel in den Probanden der 6 CHO-Gruppe; wahnsinnige +-251 mmol/L*min im Vergleich zu den +-99 mmol/L*min bei der 3 CHO-Gruppe. Das lässt vermuten, dass einige Probanden weitaus schlechter mit der höheren Mahlzeitenfrequenz von 6 Mahlzeiten zurecht kamen, während die andere Gruppe mit drei Mahlzeiten relativ gut fertig wurde.

5. Leider, leider kamen wir nicht in den Genuss eines Vergleichs zwischen 6 High-Protein Mahlzeiten zu 3 High-Protein Mahlzeiten und einer zusätzlichen 3 PRO-Experiment Gruppe in der Studie. Es würde mich dennoch überraschen, wenn die Ergebnisse sich arg von den hier festgestellten Resultaten, wie sie in diesem 6 CHO vs. 3 CHO-Experiment ermittelt wurden, unterscheiden würden.

6. Eine weitere Erkenntnis der Autoren – oder lasst es uns vielmehr als eine Bestätigung ausdrücken – besteht in der Tatsache, das eine Erhöhung der Proteinzufuhr zu Ungunsten einer Kohlenhydrateinnahme sich vorteilhaft und vor allem präventiv hinsichtlich des metabolischen Syndroms und Diabetes Typ-2 auswirkt. Ich habe bereits in der Vergangeneit von den Vorteilen einer proteinbetonten Ernährungsweise berichtet, aber dies erfolgte meist mit dem Hintergrundgedanken einen niedrigen KFA zu halten und einen eventuellen Fettzuwachs bedingt durch Overfeeding zu minimieren.

Abgesehen von dem überwältigenden, wissenschaftlichen Zuspruch bezüglich der positiven Effekte einer proteinbetonten Ernährungsweise bei der Fettreduktion, dem Gewichtsmanagement und den Gesundheitsparametern, hadern noch immer viele medizinische Spezialisten und Ernährungsberater mit einer Empfehlung für eine High-Protein Ernährungsweise. In der bizarren Welt der Gesundheitsspezialisten dominiert noch immer die Vorstellung einer High Carb (45-65 %), Low Protein (15-20 %) Ernährung. Erst vor kurzem wurde so eine Empfehlung in einer beschämenden Publikation ausgesprochen: Die diätischen Richtlinien für Amerikaner für das Jahr 2010.

Solch eine Ignoranz ist befremdend, bedenkt man die immer größer werdenden Hüftumfänge der amerikanischen Bevölkerung (und auch andernortes). Wann immer der wissenschaftliche Beweis erbracht wird, dass eine proteinbetone Ernährungsweise sinnvoll ist, wird lapidar festgestellt, dass diesbezüglich noch weitere Forschung von Nöten ist, um Sicherheit zu geben – aber genau das wird seit zirka 30-40 Jahren gebetsmühlenartig gepredigt und das seit dem die Vorteile einer solchen proteinbetonten Diät bekannt wurden.

Das alles ist sehr stark mit den Erkenntnissen der ernährungsbedingten Epidemiologie verbunden, die einen Eckpfeiler der öffentlichen Ernährungs- und Gesundheitsrichtlinien darstellt. Aber das alles ist komplett wertlos. Man kann mit Leichtigkeit beweisen, dass eine hohe Proteinzufuhr und ein hoher Fleischkonsum zu einer Gewichtszunahme führt. Aber wie ich bereits in der vergangenen Zeit nur allzu oft gesagt habe: Korrelation impliziert keine kausalen Zusammenhänge.

Empfehlungen für die öffentliche Gesundheit sollten stets aufgrund von kontrollierten Studien erfolgen. Studien, in denen die Ernährung standardisiert ist und die man gegeneinander vergleichen kann und das in einer kontrollieren und methodisch durchstrukturierten Umgebung (eine, wie sie in diesem Artikel besprochen wird). Dann, und nur dann können wir Schlüsse aus dem damit gesammelten Material ziehen.

Für eine gründlichere Erläuterung, warum gerade die Ergebnisse der ernährungsbedingten Epidemiologie höchst irreführend sein können, lest den Artikel „Top Ten Fastenmythen: entzaubert!“, wo ich bereits die Mahlzeitenhäufigkeit im Zusammenhang mit dem Frühstück erkläre. Wie ihr vielleicht feststellen werdet, widersprechen sich die Ergebnisse von interventionalen Studien mit den Ergebnissen, die in der ernährungsbedingten Epidemiologie zu Tage gefördert wurden.

7. Zum Abschluss ein Disclaimer: Wie bei  jeder neuen Erkenntnis im Ernährungsbereich sind auch hier weitere Studien für die Bestätigung der Ergebnisse nötig. Auch wenn diese Studie eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu älteren Studien darstellt (bedingt durch eine bessere Methodologie und bessere Genauigkeit), kann auch hier nichts mit eindeutiger Sicherheit gesagt werden, sofern die Ergebnisse nicht repliziert werden können (z.B. durch eine größere Versuchsreihe).

Es gibt immer eine gewisse Möglichkeit, wenn auch eine sehr geringe, dass einige Probanden sich signifikant von dem Durchschnittsbürger mit identischen Charakteristika unterscheiden. So dies tatsächlich der Fall war, wären deren Ergebnisse – seien sie genetisch bedingt (bezüglich der besseren Toleranz von drei Mahlzeiten) oder einfach nur nicht dafür geschaffen häufigere Mahlzeiten zu sich zu nehmen (oder eine Kombination aus beidem), verfälscht und würden gleichzeitig eine falsche statistische Siginifikanz aufzeigen, obwohl es eigentlich gar keine gibt.

Das heißt natürlich nicht, dass eine zukünftige Studie in die total entgegengesetzte Richtung gehen würde, wie es hier der Fall ist. Aber bis dahin können wir den Mythos mit dem Blutzucker getrost beerdigen und uns mit den aktuellsten und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufrieden geben, die eine niedrigere Mahlzeitenfrequenz eindeutig im Vorteil sehen, was die Sache mit dem Blutzucker betrifft.

Falsche Diät-Gurus

 
Nehmt euch von den Diät-Gurus und „Ernährungs-Experten“ in Acht, die immernoch behaupten, dass eine hohe Mahlzeitenfrequenz sich vorteilhaft auf die Gesundheit, den Stoffwechsel oder die Fettreduktion auswirkt. Dieser Ratschlag war schon immer – von einem physiologischen Standpunkt aus – fragwürdig. Aber die wahren Hintergründe sind stets vor der Öffentlichkeit unbeachtet oder verheimlicht worden. Tief vergraben in wissenschaftlichen Dokumenten, die für den Laien unerreichbar oder aber schwer zu entziffern sind für jemanden, der nicht mit der Materie vertraut ist (und damit meine ich nicht die Materie der sogenannten Experten). 
 
Denkt stets daran: es gab keinen nennenswerten Anreiz über den Mythos mit der Mahlzeitenhäufigkeit zu sprechen, aber es gab – und es gibt sie immernoch – diverse finanzielle Anreize, den Leuten glauben zu machen, dass viele kleine Mahlzeiten und ein regelmäßiges Ernährungsmuster von entscheidender Wichtigkeit ist. Die Supplemente-Industrie verdient sich eine goldene Nase an all jenen Leuten, die literweise Protein Shakes trinken, ihre Riegel und Mahlzeitersatzprodukte kaufen, die davon ausgehen, dass es sich für sie vorteilhaft auswirkt.
 
Wie dem auch sei – wir alle waren einmal an diesem Punkt und haben diesen Mythen glauben geschenkt. Frühstücken, Whey-Shakes trinken, die Uhr haargenau beobachten um ja nicht die nächste Mahlzeit zu verpassen, Angst vor dem allseits bekannten katabolen Loch etc. Laut sind all jene, die etwas durch all die Mythen zu gewinnen haben und sie sind hartnäckig darum bemüht, diese Mythen am Leben zu halten – und sie sind lauter, als diejenigen, die die richtigen Informationen unter die Leute zu bringen versuchen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass wir den Sachen glauben schenken, die jeder nachplappert. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass genau diese Mythen in letzter Zeit vermehrt entzaubert wurden – von Anderen und mir.
 
Die Beweise, die gegen eine hohe Mahlzeitenfrequenz sprechen, verdichten sich mehr und mehr, während sich allmählich die Erkenntis durchsetzt, dass eine weitaus weniger häufige Mahlzeiteneinnahme durchaus vorteilhafter ist. Die Informationen diesbezüglich wurden präsentiert – sie sind frei erhältlich. Und ihr werdet sicherlich keinen freien Elfmeter kriegen, wenn ihr denselben Unsinn – bezüglich der Häufigkeit der Mahlzeiten und dem damit verbundenen und beschleunigten Stoffwechsel – immer und immer wieder herunterbetet, wie auch all den anderen Kram.
 
Wer auch immer heutzutage von sich selbst behauptet, ein Gesundheits- und Ernährungsexperte zu sein und diese Mythen immernoch rezitiert, glänzt im Grunde genommen nur durch Inkompetenz. Gebt acht auf diesen Typ Mensch. Sie sind immernoch unterwegs und ihre Anzahl ist Legion. Konfrontiert sie, wenn ihr könnt und beobachtet sie genau, wenn ihr im gleichen Atemzug von ihnen fordert, ihre Behauptungen mit wissenschaftlichen Beweisen zu untermauern. Ignoranz ist heutzutage unverzeihlich, ganz besonders wenn man von sich selbst behauptet ein Experte zu sein.
 
Das soll es für heute gewesen sein Leute.

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Über Martin Berkhan

Urheber von Leangains.com, Personal Trainer und Pionier auf dem Gebiet des kraftsportorientierten Intermittent Fastings zum Zwecke der Optimierung der Körperkomposition. Sein pragmatisches Ernährungskonzept, das „Leangains“-System erfreut sich weltweiter Beliebtheit innerhalb der Fitness Szene.

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