Eine Sache der Ernährung: Genetische Disposition Vs. sozio-kultereller Habitus

Eine Sache der Ernährung: Genetische Disposition Vs. sozio-kultereller Habitus

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Der heutige Post hat einen Zacken weniger mit (Kraft)-Sport im Speziellen zu tun, dreht sich aber dennoch um körperliche Fitness – oder vielmehr um die wachsenden Problematik der Abwesenheit der Sportlichkeit infolge von Übergewicht und Bewegungsmangel.

In seinem wissenschaftlich-kritischen Machwerk “Die Steinzeit steckt uns in den Knochen” arbeitet Detlev Ganten die drei wesentlichen Aspekte der menschlichen Ernährungsweise heraus, die im Bezug auf dem homo sapiens als revolutionär bezeichnet werden können:

“Dreimal haben sich unsere Essgewohnheiten nicht nur als Anpassung an regionale Nahrungsangebote, sondern im globalen Maßstab stark verändert. […] Die erste war die Nutzung des Feuers, um Pflanzen und Fleisch zu garen. [und das immerhin schon vor mindestens 300.000 – 800.000 Jahren!]. Die zweite große Innovation war der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht vor rund 10.000 Jahren. In der Folge ist Getreide, das vorher in der Ernährung nicht vorkam, zum Hauptlebensmittel [eigene Hervorhebung] geworden. Die dritte große Veränderung erfolgte im 20. Jahrhundert und ist charakterisiert durch den stark wachsenden Anteil konzentrierter Kohlenhydrate in Form von Zucker, weißem Mehl und geschältem Reis. [Eigene Hervorhebung]” [1]

Die westliche Zivilisation jüngster Tage lebt in einem Zeitalter der Prosperität und des Wohlstandes. Während die Zahl der hungernden Menschen dank des exponenziellen Wachstums des menschlichen Geschlechts vermutlich über den langfristigen Zeithorizont nicht weniger, sondern eher mehr wurde, geht es dagegen einem geringen Teil der Bevölkerung im Okzident – was die Nahrungsmittelsituation (=! gesunde Ernährung)  betrifft, blendend. Wenn man will, kann man hierzu auch die Analogie von der Made im Speck  zur bildlichen Darstellung anführen.


Unser Körper hat sich dank des evolutorischen Prozesses in nunmehr vielen Millionen Jahren an die sich stets wandelnden hiesigen Umweltbedingungen angepasst. Der Mensch versteht sich als eines der flexibelsten Lebewesen, die das Gestirn der Erde hervorgebracht hat, denn nur so ist es plausibel zu erklären, dass wir dort Erfolg hatten, wo unsere Brüder und Schwestern gescheitert sind.  (immerhin sind die meisten anderen Unterarten der Gattung “homo” im Laufe der Jahrtausende/Millionen irgendwann in einer Sackgasse gelandet).
Im Bezug auf die Anpassung wird es nun aber heikel. Nüchtern betrachtet erfolgte der Übergang zu einer kohlenhydratlastigen, auf Getreide basierenden, Ernährung vor ungefähr 10.000 Jahren. Die Industrialisierung mit der Errungenschaft raffinierter und hochgradig verarbeiteter Nahrungsmittel stieg dagegen vor ungefähr 100 Jahren explosiv an. (und hat ihren Zenit anscheinend noch heute nicht erreicht, wenn man mit erstaunen die neusten “state-of-the-art” Lebensmittel/Produkte betrachtet).Genetisch betrachtet befindet sich unser Körper daher in einer ähnlichen Situation, wie auch das sprichwörtliche Kind im Süßigkeitenladen: überwältigt vom Angebot, überwältigt von den Reizen (optisch wie gustatorisch) und … überwältigt von den Nahrungskalorien! Wo man noch vor wenigen Jahren ordentlich spachteln musste, um seinen Tagesbedarf an Energie in Form von Kalorien zu decken, ist es heutzutage möglich, dank konzentrierter Nahrung, innerhalb von wenigen Minuten (!) signifikant mehr als den Tageskaloriensatz zu sich zu nehmen – und das sogar bei ausbleibender Sättigung. Und dabei Rede ich nicht einmal von medizinischer Sondennahrung oder sowas in der Richtung.(erst gestern bin ich über den Artikel vom “Heart-Attack Grill” gestolpert[2] – Triple Bypass Burger mit 6.000 kcal + Gratis-Trip ins Krankehaus).Man muss nicht unbedingt Ernährungswissenschaften studiert haben, um zu sehen, weshalb die Menschen in der westlichen Welt zunehmend verfetten. Wer nun anmerken möchte: “Na, so schlimm ist es doch noch gar nicht. Wenn ich rausgehe, so laufen mir gar nicht soviele dicke Leute über den Weg. Das Thema wird mal wieder viel zu übertrieben aufgezogen.” Nun, vielleicht stimmt diese Aussage in gewisser Hinsicht ja, doch sobald diese Leute einmal ihre Kleidung ablegen oder sich gar körperlich betätigen müssen, wird man der “Unfitness” dieser Menschen gewahr. Begriffe wie “skinny-fat” beschreiben einen Körperzustand, der jeglicher Natur des Menschen spottet und auch hier lassen sich viele von dem unaussagekräftigen BMI-Index blenden (aber das ist eine andere Geschichte).

Ankerpunkt: Body Mass Index im sozialen Netzwerk

Interessanterweise berichtet der ScienceDaily von einer Studie, die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte und die in meinen Augen auch vielfach für die steigende Akzeptanz der Situationsverschlechterung im Bezug auf die eigene körperliche Fitness ausschlaggebend ist. Natürlich hat sich der Mensch in all den Jahrtausenden nicht nur genetisch, sondern auch vielfach kulturell verändert. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass die kulturelle Anpassung in den letzten Jahrhunderten (lass es die 10.000 Jahre seit dem Übergang zum Ackerbau und der Viehzucht sein), einen weitaus größeren Faktor in der Moderne darstellt, als die schiere genetische Vernlagung.

Hierzu stellten sich Hruschka et al. die Frage, inwiefern übergewichtbegünstigende Faktoren mit der persönlichen Umwelt, der Familie und den Freunden, korrelieren und sich gegenseitig beeinflussen/verstärken können:

“When you see that something like obesity spreads among close friends and family members, this raises important questions about how it’s spreading. Is it because we learn ideas about acceptable body size from our friends and family members, or that we hike together, watch TV together or go out to eat together?”[3]

Das ASU-Team um Hruschka interviewte im Hinblick auf vergangene Studie rund 101 Frauen und 812 ihrer engsten Angehörigen und Bekannten. Verglichen wurden die Body-Mass-Indizes der Frauen mit denen des sozialen Millieus . Verblüffenderweise (oder eher nicht?) kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass die interviewte Frau übergewichtigt war, korrelierte positiv wenn ihr soziales Netzwerk ebenfalls zum Übergewicht neigte (oder anders ausgedrückt: wenn Freunde & Familie dick waren, dann stieg die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Frau dick war/wurde an). Die Wissenschaftler arbeiteten ferner drei mögliche Pfade heraus, die das Verständnis eines akzeptablen BMIs modulieren und beeinflussen würden (”Welcher BMI ist gesellschaftlich noch vertretbar, ohne großartig aus der Norm zu fallen oder sich daran zu stoßen.”). Diese drei Pfade wären:

1. Einschätzung des akzeptablen BMI über Freunde und Bekannte mit anschließender Anpassung der  eigenen Ernährungs-/Sportgewohnheiten.

2. Über einen Druckausgleichsmechanismus: Unterschiedliche Ansichten eines akzeptablen BMI der eigenen Person und Freunden/Bekannten/Familienangehörigen mit der Bestrebung/dem Druck einen bestimmten, “idealen Körperumfang” zu erreichen.

3. Über eigene Beobachtung: Körper von Freunden/Bekannten/Familienangehörigen als Richtpunkt mit eigenem Verständnis, welche Körperfülle angemessen ist und anschließende Modifikation der Ernährungs-/Sportgewohnheiten.

Während sich die ersten beiden Theorien als nicht signifikant genug herausstellten, gab es bei der Nummer 3 geringe Übereinstimmungen. Interessanterweise stellte man den Studienteilnehmer auch die hypothetische Frage, ob diese lieber das Übergewicht oder eine andere, von der Gesellschaft stigmatisierte, Eigenschaft (z.B. Alkoholismus oder Herpes) bevorzugen würden. Guess what? Ganze 25,4 % der Frauen würden lieber eine ernstzunehmende Depression oder gar in 14,5 % der Fälle eine vollständige Erblindung (!) in Kauf nehmen, als dick zu sein. (sic!)Die Korrelation aus sozialem Umfeld und Übergewicht konnte von den Wissenschaftlern um Hruschka nur marginal nachgewiesen werden. Anders sieht es bei einer Untersuchung an der Universität von Harvard und der University of California aus, die sich mit der Frage “Are your friends making you fat. Or keeping you slender.” beschäftigt. [4]

Durch Dick und Dünn: Der Einfluss des Freundeskreises

Nicholas Christakis von der Harvard Medical School und James Fowler vom UC San Diego sprechen von der Ausbreitung von Übergewicht in einer ähnlichen Analogie wie bei einem viralen Infekt eines Systems, nämlich “spreading from person to person in a social network.” [4] Die Theorie: wer sich mit übergewichtigen Menschen umgibt, für den steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst übergewichtig wird um mehr als 50% (!). Aber das nicht im Bezug auf den eigenen Haushalt, sondern vielmehr unter Berücksichtigung des Freundeskreises:

If a person you consider a friend becomes obese, the researchers found, your own chances of becoming obese go up 57 percent. Among mutual friends, the effect is even stronger, with chances increasing 171 percent.”[4]

Unter Geschwistern steigt die Wahrscheinlichkeit dagegen um knapp 40%. Ist der eigene Ehepartner im kritischen Bereich, so sind es immerhin noch ganze 37%. Dennoch dürfen wir aufatmen, denn: bei Nachbarn scheint es keine positive Korrelation zu geben, sofern diese nicht gerade zum Freundeskreis zählen (puh! Schwein gehabt!). Aber um euch mal einen Eindruck zu vermitteln, wie umfangreich die Auswertung der Ergebnisse war, beleuchten wir einmal ein paar Zahlen:Die Analyse von Christakis/Fowler erstreckte sich auf Datenmateral, welches in 32 Jahren angesammelt wurde und immerhin 12.067 Erwachsene beinhaltete. Berücksichtigt wurden nicht nur Familienangehörige, sondern auch ein großer Teil des Freundeskreises (sog. “Network Map”). Bei der Auswertung der Daten konnten die beiden Wissenschaftler die sich abzeichnende “Welle der Verfettung” in der USA schon ablesen. (”the whole network grew heavier over time”) [4]. Als weiteres zeichneten sich stets “Clusterformationen” von dünnen und dicken Menschen ab. (fühlt sich noch jemand an den Ausspruch “Gleich und gleich gesellt sich gern.” erinnert?) Doch es ist nicht so, dass dicke Leute sich automatisch einen dicken Freundeskreis aussuchen. Vielmehr sieht Christakis einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Clustern:

“Further analysis also suggested that people’s influence on each other’s obesity status could not be put down just to similarities in lifestyle and environment, to, for example, people eating the same foods together or engaging in the same physical activities. Not only do siblings and spouses have less influence than friends, but also geography doesn’t play a role. The striking impact of friends seems to be independent of whether or not the friends live in the same region.” [4]

Kurios: Nicht die Nähe zu den Freunden ist ausschlaggebend, denn nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist der Einfluss eines Freundes, der – sagen wir einmal – 500 Meilen weit weg wohnt, genauso groß wie der eines Freundes, der gleich nebenan lebt. Für die eigene Introspektion der Menschen ist das persönliche Umfeld ausschlaggebend, was akzeptabel ist und was nicht:

“What appears to be happening is that a person becoming obese most likely causes a change of norms about what counts as an appropriate body size. People come to think that it is okay to be bigger since those around them are bigger, and this sensibility spreads,” said Christakis.

“This is about people’s ideas about their bodies and their health,” Fowler said. “Consciously or unconsciously, people look to others when they are deciding how much to eat, how much to exercise and how much weight is too much.”[4]

Mehr als nur Gene: Ein Spiegel der Gesellschaft

Spricht man von der grassierenden Fett-Epidemie und dem Vormarsch der übergewichtigen Gesellschaft, so kommt man nicht umhin auf die genetische Disposition zu sprechen zu kommen. Während eine Vielzahl von Menschen nur allzu häufig ihre genetische Veranlagung für das Übergewicht verantwortlich machen, so bleibt mir anzumerken, dass die Zahl derer, die wirklich aufgrund hormoneller und krankheitsbedingter Stoffwechselstörungen in diesen Teufelskreis hineingeraten, bei nicht weniger als vielleicht 2% der angeblichen Leidtragenden die tatsächlichen Gründe darstellen.

Bereits oben habe ich die evolutorischen und kulturellen Bedingungen aufgeführt, nach denen sich unser Körper und auch unser Metabolismus ausgerichtet hat. Die Errungenschaft des Feuers machte es unseren Ahnen möglich, Pflanzen und Fleisch dergestalt zu manipulieren, dass faserige Bestandteile, natürliche pflanzliche Giftstoffe und totes Protein (die Proteinstruktur von totem Fleisch wandelt sich von L-Protein (”Vivo”) in sogenanntes D-Protein (”Devo”), welches für den Menschen ohne den Garvorgang nicht absorbierbar ist) für den menschlichen Verdauungsapparat keinerlei Probleme mehr darstellten und die Anpassung noch weiter beschleunigten.

Der Übergang von der Jäger-&-Sammler-Kultur zum Ackerbau und zur Viehwirtschaft stellt eine weitere kulturelle Errungenschaft dar, die es der menschlichen Rasse schlussendlich erlaubte, von einer einfachen Subsistenzwirtschaft zu einer prosperierenden Agrarkultur überzuwechseln. Damit einher ging auch die Kultivation von Nahrungsmitteln, die bis dato nicht in diesem Ausmaße auf dem menschlichen Speiseplan standen. Es ist zwar richtig, dass der menschliche Körper überwiegend Kohlenhydrate und Fett als effektiven Treibstoff nutzt, aber noch nie war beides (und das gleichzeitig) in einer derartig konzentrierten und von natürlichen Barrieren (Ballaststoffen) befreiten Menge verfügbar, wie es seit der Industrialisierung der Fall ist.

Während in Asien der polierte (und von vitaminen beraubte) Reis in naher Vergangenheit zur einer Epidemie der Beri-Beri Krankheit führte (Mangel an Vitamin B1), ist es heutzutage im Westen eher das weiße Mehl und die großzügige Gabe von Zucker, welche den menschlichen Körper aus dem Gleichgewicht bringen – wer früher ein guter Futtverwerwerter war, hatte einen Überlebensvorteil. Aus heutiger Sicht findet eine Kehrtwende dieses Vorteils statt, dass die Fettdepots nahezu ins Unendliche “explodieren” lässt. Über den ansteigenden Zuckerkonsum in der westlichen Zivilisation berichtet Ganten eindrucksvoll:

“Zucker wurde sogar erst in den letzten 200 Jahren allmählich zu einem wichtigen Nahrungsbestandteil und brachte einen weiteren Qualitätsverlust [eigene Hervorhebng] mit sich. In Großbritannien lag der Jahresverbrauch pro Kopf im Jahr 1815 bei 6,8 Kilogramm und stieg bis zum Jahr 1970 auf 54,5 Kilogramm – in den USA liegt er heute bei durchschnittlich fast 70 Kilogramm. So wurde die Ernährung mehr und mehr durch billige Kohlenhydrate geprägt.” [1] S. 144.

Meine Frage an den geneigten und kritischen Leser: Wie bitte sollte sich der menschliche Stoffwechsel, der bis ins 1900 Jahrhundert niemals über eine stetige und ausreichende Versorgung an Nahrungsenergie und schon gar nicht an derart konzentrierte Kohlenhydratbomben gewöhnt war und ist, sich innerhalb der wenigen Jahre derart anpassen, dass er mit dieser Situation fertig wird? Ist es da noch ein Wunder, dass wir immer dicker werden? Die Industrialisierung, gekoppelt mit dem technologischen Fortschritt und dem Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft  sind signifkante Einflussfaktoren auf die Körperkomposition. Freilich, da muss man nur 1 und 1 zusammenzählen um zu merken, dass die Rechnung hier nicht aufgeht.

Meine Formel: Weniger Bewegung + höhere Energiezufuhr = Willkommen in Fatworld

Während das alles Stellschrauben sind, die vielfach aufgrund unserer genetischen Voraussetzung in einer Katastrophe münden müssen, kommt man ferner nicht umhin auch die soziale und kulturelle Komponente zu betrachten. Die Arbeiten von Hruschka und Christakis zeigen eindrucksvoll, dass auch wir ein Abbildung unseres sozialen Millieus sind. Wir definieren uns über Eindrücke unserer Familie, unserer Freunde und unserer Bekannten. Wenn alle anderen dick und beleibt werden, warum sollte man selbst dann nicht auch aus “vollen Trögen” schöpfen und es sich gut gehen lassen? Ist doch nichts dabei, oder?!

Noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es soviele verschiedene Diäten und Konzepte, um das Körpergewicht zu reduzieren. Kurioserweise muss man nur ein Hochglanzmagazin aufschlagen oder den Ferneher anstellen, um ein völlig konträres Bild der Gesellschaft vor Augen geführt zu bekommen: steinharte Abs von Hugo Boss und vollschlanke (gephotosoppped’de) Cover-Models des Playboy auf der einen Seite. Der Average Joe, seine Familie und Freunde auf der Anderen. Absurdistan, ich komme!

Das Takewaway

Das die Gesellschaft gewichtsmäßig noch weiter zulegen wird, ist für mich ein Faktum, welches aufgrund des Nicht-Sehen-Wollens der einzelnen Individuen und nicht zuletzt wegen des Lobbyings (und der daran hängenden Industrie, z.B. das Frühstück) außer Zweifel steht. Manche Menschen wollen oder können es nicht sehen, obwohl die präsentierten Daten eine eindeutige Nachricht vermitteln und – was noch wichtiger ist – auch einen Lösungsansatz darstellen.

Wir sind alle Produkte unserer Gene, doch auch hier zeigt der Bereich der Epigenetik, dass unser Schicksal nicht in Stein gemeißelt ist. Ferner hat das sozio-kulturelle Umfeld einen massiven Impact auf unsere Sichtweise – Welches Körpergewicht ist vertretbar? Bin ich (relativ) zu dick/zu dünn? Ernähre ich mich gesund? Das alles sind Fragen, die jeder für sich selbst beantworten kann aber vor allem sind das auch die kleinen Dinge im Leben, die man beeinflussen kann.

Ich will nicht leugnen, dass es vielleicht schwerer ist aus dem “Sumpf” herauszukommen, wenn man selbst in einem Millieu von Übergewichtigen Menschen aufwächst: Wenn Mutti gut kocht oder Oma mal wieder einen fetten Kuchen gebacken hat, ist es schwierig “Nein” zu sagen. Wenn der Büromitarbeiter Geburtstag feiert und die ganze Abteilung mit Berlinern verköstigt oder wenn die gesamte Clique nach einer Zechtour noch beim Dönerman einkehrt, ist es schwer immer eine rationale Entscheidung zu treffen.

 
KEY-FACT
Doch was ich damit sagen will: Man sollte tunlichst vermeiden, immer darauf zu schauen, was die anderen machen. Denn nur weil “jeder” es macht, muss das Ganze noch lange nicht a.) gesund und b.) förderlich für die eigene Entwicklung sein. Es ist daher auch unweigerlich notwendig, auch mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und DO NOT WANT Nein – zu sagen, denn wer (täglich) zuviele Kompromisse eingeht, der wird niemals seine Träume in die Tat umsetzten können.Die Mitläufer-Mentalität hat sich nicht nur im 2. Weltkrieg nicht mit Ruhm beckleckert, sondern sie stellt auch einen ersten Schritt in die Abgabe der eigenen Verantwortlichkeit sich selbst und seinem Körper gegenüber dar.
Wer kennt sie nicht – die Story von der besten Freundin/des Freundes oder der Geschwister, die einem versuchen aufgrund von Neid und mangelnder Selbstdisziplin etwaige Steine in den Weg zu legen und ein schlechtes Gewissen einzureden (”Du übertreibst doch mit dem Sport”, “Du hast die Diät doch gar nicht nötig, komm – lass es doch” “Ach komm, das kleine Tortenstück”), dürfte eigentlich relativ vielen bekannt sein, die sich auf den Weg in ein besseres Leben gemacht haben, in dem sie was verändern wollten.Es ist nun einmal so, dass es sich wesentlich angenehmer in Fat-World lebt, wenn die nahestehenden Menschen eine ähnliche Körperzusammensetzung haben, wie man selbst. Niemand sieht es gerne, wenn der beste Freund oder die beste Freundin sich dazu entschließt eine längst überfällige Entscheidung zu treffen und überschüssige Pfunde loszuwerden. Es gibt für diese Situation eine recht komisch anmutende Analogie mit einem Fass voller Krebse: Diejenigen Krabbler, die versuchen aus dem Fass zu krabbeln und so gegebenenfalls ihrem kulinarischen Schicksal zu entgehen, werden wohlweislich von den dadrunterliegenden Krebsen immer wieder ins Fass zurückgezogen. Der Ausbruchsversuch schlägt fehl und am Ende landen alle im Kochtopf. True Story – das Phänomen wird in der englischen Sprache auch als “Crabs in a barrel”-Syndrome bezeichnet:

“A syndrome where a group of like situated people hurt those in their community attempting to get ahead. 

Often this is applied to people in an impoverished community where one person is starting to get ahead. The collective community becomes jealous or filled with a sense of self-loathing, so they find a way to pull that person back down to the community’s level.” [5]

Klar, es ist weitaus leichter in der eigenen Comfort-Zone zu bleiben und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Aber andererseits: wo wären wir heute, wenn alle Menschen in der Vergangenheit so gedacht hätten? Nun, vermutlich hätten wir das Problem mit dem Übergewicht aufgrund mangelnden technischen Fortschritts dann nie durchmachen müssen, aber dann gäbs wohl auch keine Videospiele, kein Internet und keine Grundrechte.

Bellum omnium contra omnes


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Flickr / Dr. Abdullah Naser ; CC Lizenz


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  • Anonymous

    Saustark, bin schon länger fleissiger Leser deines Blogs und wollte nur sagen: Weiter so! Kleine feine Sacheam Ende: es heißt Nellum omnium contra omnes, du hast nur nen Buchstaben ergessen (hehe). Bin hald ehemaliger Latein-lk-ler…Sorry ;)
    Gruß Wade

  • adnan91

    Wieder ganz große Klasse, deine Schreibart gefällt mir sehr!
    Ich kenne das auch mit den "Neidern", egal ob Familie oder Freundeskreis, die einem Steine in den Weg legen wollen.
    Diese Sache hat mich auch eine lange Zeit beschäftigt und ich wusste nie wie ich das handhaben sollte.

    LG

  • Aesir Sports

    Ahoi ihr beiden – danke fürs Feedback ;) Ich bin noch einmal über den Artikel gegangen und habe noch einige kosmetische Veränderungen durchgeführt (waren doch noch viele Typos drin). Gleichzeitig habe ich den letzten Abschnitts des Artikels noch einmal erweitert um die, wie ich finde, schöne Story "Crabs in a Barrel" – die leider Gottes direkt aus dem Leben gegriffen zu sein scheint.

    In diesem Artikel spreche ich einige Themen an, die mir sehr am Herzen liegen, insofern hoffe ich auch, dass es einige Leute zum nachdenken anregt und – was noch wichtiger ist – in ihrem Unterfangen bestärkt. Das zu tun, was die Masse tut, ist zwar bequem, aber bringt einen selbst oftmals nicht weiter. Sad but true.

    greetz
    Furor Germanicus