Studie: Kaloriengeschichten – Nahrungstiming & Aktivität bestimmen Zunahme

Studie: Kaloriengeschichten – Nahrungstiming & Aktivität bestimmen Zunahme

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Wir wären hier nicht bei Aesir Sports, wenn ich eine solche Studie links liegen und nicht in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken würde. Bereits an anderer Stelle habe ich mich schon bezüglich eines allseits beliebten Mythos, nämlich der Annahme dass eine Kalorie grundsätzlich eine Kalorie sei, gewidmet. (etwa “Die Waage lügt: Über Kalorien, EPs und neuste Studien” oder “…wenn die Logik nicht greift – Teil III: Eine Kalorie ist eine Kalorie”). Und auch wenn es eigentlich keiner weiteren Ausführungen bedarf, so ist es doch schön zu sehen, dass weitere (nötige!) Forschung in diesem Gebiet geleistet wird, um unser Puzzle “der Körper” allmählich weiter zu lösen und das Verständnis für die Funktionalität der biologischen Maschine  “Mensch” zu erweitern. 
 
Ein jüngster Artikel des ScienceDaily beleuchtet in diesem Zusammenhang eine interessante Präsentation, die auf dem Annual Meeting of the Society for Study of Ingestive Behaviour (SSIB) erörtert wurde. Worum gehts also? Um Kalorien! Und um die Gewichtszunahme in Abhängigkeit des Aktivitätsgrades: 
 

“New research […] suggests that, not only the amount and type of food eaten but the time of day it is eaten is important in contributing to obesity.” [1] 

 
Ich muss ja nicht weiter erwähnen, dass ich ein starker Befürworter dieser Annahme bin, oder? Spätestens seit meiner intensive(re)n Beschäftigung mit dem Thema “Nutrient Timing” ist mir das wahre Ausmaß der ganzen Geschichte bewußt geworden. Die alte Annahme, es komme lediglich auf die Kalorienbilanz an, könne im Zuge dieser Ergebnisse nicht weiter aufrechterhalten werden. Nein, das Gegenteil ist sogar der Fall und man müsste dieser Behauptung sogar vehment widersprechen. Das hormonelle Millieu, welches durch unseren Lebensstil, also die Dinge die wir tun und wie wir sie tun, wie lange wir sie tun, wie oft wir sie tun und was wir essen drücken unserer phänotypschen Erscheinung ihren Stempel auf. Was aber noch wichtiger, und vielleicht für den Großteil der Leser entscheidender ist, besteht in der Tatsache, dass auch interne Prozesse stark davon beeinflusst werden. Die Aktivität unserer Gene – und damit auch von unserem Stoffwechsel – ist eng mit der Art, wie wir leben, verwoben und schon im Kindesalter prägend (siehe “IF, Stress, Lebensqualität/-quantität & (Epi)-Genetik” & “Eine Sache der Ernährung: Genetische Disposition Vs. sozio-kultereller Habitus”) 
 
Mittlerweile bestätigen sich die Theorien, die besagen, dass es schließlich nicht nur darauf ankommt in welcher Menge und welche Lebensmittel wir in uns hineinstopfen. Eine weitere, dritte Komponente fasst damit nicht nur in der Ernährungs- und Fitnessindustrie neuen Fuß, sondern im allgemeinen Kanon des menschlichen Stoffwechsels: das richtige Timing der Nährstoffzufuhr.

Studie: Kaloriengeschichten – Nahrungstiming & Aktivität bestimmen Zunahme

Ich esse mir die Welt, wie sie mir gefällt 

10h Arbeitstag? Wayne? Tough times don’t last, tough
people du – also pack die Tasche und geh trainieren.
Szenario I: Du stehst morgens auf, quälst dich müde und niedergeschlagen – vielleicht mit Frühstück, vielleicht auch ohne – an den Arbeitsplatz. Nach anfänglichen Startschwierigkeit kommst du langsam in Fahrt, die Arbeit fällt dir ein stückweit leichter von der Hand. Die Mittagspause ist nicht mehr fern: Zeit, die angeschlagenen Energiereserven mit einem üppigen Mahl zu regenerieren. Am frühenNachmittag macht sich eine drückende Müdigkeit bemerkbar – verdammt, Schnitzel/Pommes fordern ihren Tribut, sodass du dich am liebsten irgendwo in eine stille Ecke verziehen und ein Nickerchen abhalten wollen würdest. Aber leider hast du die Rechnung ohne den Chef gemacht, also holst du dir eine weitere Tasse Kaffee, kneifst die Pobacken zusammen und machst dich bis zum späten Feierabend ans Werk. Nachher – oder genauer gesagt daheim – bist du so müde, dass du dir nur noch eine Pizza in den Ofen schiebst, ‘n Pott Nudeln kochst oder dir einfach nur ein paar Brote schmierst. Viel Bewegung ist da nicht mehr drin, auch wenn du dir eigentlich vorgenommen hattest ins Studio zu fahren. Egal! Morgen ist auch noch ein Tag! 
 
In einem ähnlichen Szenario unter ähnlichem Ernährungsverhalten, könnte genau der letzte Punkt das Zünglein an der Waage sein, der über eine Gewichtszu- oder -abnahme entscheidet. 
 
Szenario II: Du stehst auf, gehst zur Arbeit und erledigst dein Tagewerk, doch mit der einzigen Ausnahme, dass du danach noch zum Training fährst und dein Workout absolvierst
 
Abseits der Tatsache, dass man durch den Sport am Abend zusätzlich Energie verbrennen würde, wodurch eine Gewichtszunahme verhindert werden kölnnte, möchte ich den Fokus auf folgendes lenken
 
In beiden Fällen wird eine identische Anzahl an Kalorien im Verhältnis zum Verbrauch konsumiert, doch während in Szenario I eine Gewichtszunahme erfolgt, bleibt diese bei Szenario II aus. Are you a wizard? Ist das Magie? Irsinn? Sparta? 
 
Weder noch, aber genau das zeigen die Forschungsergebnisse dieser Untersuchungen: 

“Previous studies have shown that when mice consumed all of their calories during their inactive period they gained more weight than when they consumed the same amount of calories during their active period.” [2] 

 
In Experimenten an Ratten stellten die Wissenschaftler fest, dass die Ratten, die ihre Kalorien in einem Zeitraum zu sich nahmen, wo nur wenig Bewegung erfolgte, mehr zunahmen, als Ratten, die in einer aktiven Phase des Tages aßen. Man wollte die Auswirkungen einer zucker- bzw. fettreichen Ernährung auf die Gewichtszunahme hin untersuchen. Entweder erhielten die Nager nun eine standardisierte Kost oder aber eine Kost die mit gesättigten Fetten oder einer Zuckerlösung angereichert wurde. Die Kontrollgruppe der Ratten durfte frei entscheiden, wann sie essen wollte, während die restlichen Gruppen die Zucker- bzw. Fettmahlzeiten nur in einer Phase der Inaktivität (also wenig Bewegung) essen durften. 
 

Studienergebnisse 

“They found that rats consuming all of their sugar solution in the inactive period gained more weight than rats consuming all their sugar solution during the active period, even though their total caloric intake was the same. They also gained more weight than rats consuming the saturated fat solely during the inactive period. The greater body weight gain in rats consuming sugar in the inactive period was associated with less heat production.” [2]

 
Es stellte sich heraus, dass diejenigen Ratten, die im inaktiven Zeitfenster eine zuckerreiche Mahlzeit aßen, eine höhere Gewichtszunahme erzielten, als Ratten, die in der aktiven Phase essen durften – und das trotz identischer Kalorienzufuhr. Wie war das nochmal Mister? Eine Kalorie ist eine Kalorie? Bullshit. Hinzu kommt noch die schwerwiegende Tatsache, dass die Zuckergruppe mehr Gewicht zulegte, als die Ratten die sich fettreich ernährten. Dies führten die Forscher auf eine geringere Thermogenese während im inaktiven Zeitraum zurück. Meine Damen und Herren: die Suche nach einer Kongruenz im Brennwert, wird zu einer Nadel im Heuhaufen. 
 

Takeaway 

Auf der Zunge zergehen lassen sollte man sich das Statement des beteiligten Wissenschaftlers, Dr. Oosterman: 

“In today’s society where snacks containing saturated fat and beverages containing lots of sugar are readily available to people, it is important to understand the impact these food components have on energy balance. Although there is a lot of attention for the content of the food people consume, little attention is been given to the best or worst timing for certain foods to be consumed.” [2] 

 
Dies mag für einen Großteil meiner Leser bereits alter Wein sein, doch angesichts der Tatsache, dass sich die Leute quasi überall und zu jeder Tageszeit ihre Snacks reindrücken, bleibt mir nichts anderes weiter übrig, als genau dieses Statement zu betonen und hervorzuheben. Ist der menschliche Verdauungsapparat dafür gemacht die ganze Zeit zu arbeiten? Vermutlich nicht. Ist er in der Lage? Vermutlich schon. Doch wir reden hier nicht von Gurken und Tomaten, die allenthalben konsumiert werden, sondern zu großen Teilen von hochindustriellverarbeiteter, zucker- und fettreicher Kost die den Insulinspiegel auf Berg- und Talfahrt schickt. Der Mensch dürfte mitunter das einzige Lebewesen sein, das sich derartig verarbeitete Nahrung in derartigen Mengen bei einem rückläufigen Aktivitätslevel (Dienstleistungsgesellschaft) einverleibt – und zu einem gewissen Teil auch die armen Haustiere, die wir dergestalt mit uns leiden lassen.

Kontext IF/CBL/WD 

…mit einem Homegym wäre das nicht passiert.
Natürlich wirft die hier präsentierte Erkenntnis weitere Fragen auf, inbesondere wenn man sich mit dem Thema IF und CBL beschäftigt, wo stellenweise abnorm hohe Mengen an Nährstoffen in einer Phase der “Inaktivität” zugeführt werden (und seriously: die meisten von uns rollen sich nach dem großen Abendmahl ein und schlafen wie ein Bär in seiner Winterhöhle, stimmts oder hab ich Recht?) Dennoch sollte man an dieser Stelle kritisch bleiben. Kiefer selbst gibt zu bedenken, dass man an trainingsfreien Tagen bzw. an darauffolgenden Tagen niemals mit Kohlenhydraten backloaden sollte. Berkhan, Erfinder des Leangains, betont den Cycling-Charakter mit HighFat/LowCarb-Tagen, wenn man nicht trainiert und vice versa im Falle eines Trainingstages. Ori Hofmekler, Veteran und Verfechter der Warrior Diet, setzt ballaststoffreiche, niedrig-glykämische Kost in Form von Gemüse an erste Stelle und verbannt raffinierte, kohlenhydratlastige Lebensmittel ans Ende der Overeating-Phase. 
 
Wie man es auch dreht und wendet, so bleibt noch ein weiterer, hochgradig signifikanter, Punkt zu erwähnen, das die Phase der Inaktivität bei einem solchen Ernährungsverhalten nicht 1 zu 1 auf unser Szenario I übertragbar ist, denn in sämtlichen Formen steht die Prämisse: 

Erst das Training, dann die Schlacht am Buffet. 

Fazit

Die hier geschilderten Ergebnisse sind damit ein weiterer Sargnagel in der doch recht brüchigen Theorie, die einem weißmachen will, dass es letzendlich doch nur auf die schnöde Kalorienanzahl in Sachen Gewichtsmanagement und Körperkomposition ankommt. 
 
 

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Quellenangaben (draufklicken)

[1] ScienceDaily (2012): Greater Diet-Induced Obesity in Rats Consuming Sugar Solution During the Inactive Period. URL: http://www.sciencedaily.com/releases/2012/07/120710093808.htm . (abgerufen am 12.07.2012) 

 
[2] Eurek Alert (2012): Greater diet-induced obesity in rats consuming sugar solution during the inactive period. Society for the Study of Ingestive Behavior. URL: http://www.eurekalert.org/pub_releases/2012-07/sfts-gdo070612.php 
 
[3] Oosterman, J. / Foppen, E. / van der Spek, R. / Fliers, E. / Kalsbeek, A. / la Fleur, SE. (2012): Greater diet-induced obesity in rats consuming sugar solution during the inactive period. Dept. Of Endocrinology & Metabolism. University of Amsterdam: Netherlands.
Bildquelle Titelbild: Pixaby ; Publics Domain Lizenz

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