Road to GNBF 2012 – Ein hautnaher Erfahrungsbericht von Aramis M. Scherer

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Ihr wollt wissen, wie sich die erstmalige Teilnahme an einem solchen Bodybuilding-Wettkampf anfühlt? Aramis kann es euch sagen!

Nachdem wir bereits einen kleinen Einblick in das turbulente Leben von Aramis erhalten haben, folgt nun das, was ich auch schon im Urbanathlon-Erfahrungsbericht vergesprochen habe und was ich dem guten Aramis auch sehr zu Gute halte: sein persönlicher Erfahrungsbericht bei der erstmaligen Teilnahme beim GNBF (German Natural Bodybuilding & Fitness Federation), wo er in der Juniorenklasse gestartet ist.

Gerade für all jene, die noch niemals an einem solchen Event dabei waren aber doch mit dem Gedanken spielen, es einmal zu versuchen, bietet der Hautnah-Bericht einen ganzen Fundus an interessanten Dingen, so dass es einfach nur Spaß macht sich die ganze Geschichte anzuhören. Okay, zugegeben: Aramis ist auch ein echt guter Geschichtenerzähler was das betrifft, aber genau das kommt auch dem Text zu gute.

Der Erfahrungsbericht beginnt mit dem Tag der Anreise, erstreckt sich über die erste (nicht sehr eholsame Nacht) in Neu-Ulm und endet mit dem eigentlichen Showdown + Nachgeplänkel. Aber er erzählt auch darüber, was einen Amateur im Natural Bodybuilding tatsächlich erwartet, wenn er sich dazu bereit erklärt an einem traditionellen Wettkampf teilzunehmen.

Long stoy, made short: Aramis, dank dir für diesen erfrischenden Einblick in deine Gedankenwelt – ich hab das Lesen sehr genossen und konnte mir auch das eine oder andere Grinsen bei diversen Stellen nicht verkneifen. Stichwort: Best Posing. Und natürlich freue mich mich bereits jetzt schon darauf mehr von dir zu lesen und vor allen Dingen den Aesir Sports Lesern weitere Erlebnisse zu deiner Entwicklung präsentieren zu dürfen!

An dieser Stelle also nocheinmal meinen tiefsten Respekt an dich und Gratulation zu den Preisen!

Road to GNBF 2012 – Ein hautnaher Erfahrungsbericht von Aramis M. Scherer

Road to GNBF 2012: Freitag, 19.10.2012

Let the good times roll. Die Jungs machen sich auf den Weg nach Neu-Ulm zur diesjährigen Meisterschaft des GNBF.

9:30 Uhr – An unexpected Journey

Ich sitze im Zug Richtung München. Endlich.

In diesem Moment des Schreibens werden Erinnerungen wach gerufen.

Vier Monate … Vier Monate Diät, vier Monate Verzicht, Einschränkungen im Privatleben, Angst davor, sich zu verletzen, krank zu werden, Kraftlosigkeit…

Morgen soll all dies sein Ende finden.

Vier Monate … die mir in diesem Moment erscheinen, als wären sie nur ein kurzer Augenblick gewesen.

Hallo!

Entschuldigt mich, ich habe ganz vergessen mich vorzustellen: Ich heiße Aramis Merlin Scherer, bin 21 Jahre alt und Gesangs-/Schauspielstudent aus Hamburg. Aber die letzten paar Wochen, besonders die letzten 2-3, war ich nur eins: Natural Bodybuilder.

Anfang des Jahres habe ich mich dazu entschlossen, dieses Jahr bei der Deutschen Meisterschaft der GNBF (German Natural Bodybuilding and Fitness Federation) in der Juniorenklassen zu starten. Leider verlief nicht gleich alles nach Plan – bei wem ist das schon so – denn Ende März zog ich mir einen komplexen Bruch im Mittelhandknochen der linken Hand zu. Sofort dachte ich: „Das war‘s dann wohl mit dem Wettkampf…“

aber das durfte nicht das Ende sein … Wäre es doch meine letzte Chance, noch einmal bei den Junioren zu starten. Jetzt oder nie! Ende Mai fing ich also wieder an richtig zu trainieren. Natürlich hatte ich einige Verluste in Kauf nehmen müssen, aber das war mir egal. Und es hielt sich zum Glück in Grenzen. Einen Monat später ging es dann auch schon in die Diät: 81kg, etwa 14-15%KFA (grob geschätzt) bei einer Größe von 1,73. Zwar nicht der Höchststand meiner Laufbahn, aber ich war zufrieden.

Nun sitze ich hier. Hier im Zug, dem Zug zum Wettkampf. Ich sehe die Narbe an meiner linken Hand und habe das Gefühl, es sei erst gestern passiert. Aber wieso? Wieso kommt mir diese Zeit so kurz… so unwirklich vor. Ich glaube die Antwort zu wissen, denn auf eine gewisse Art und Weise war sie tatsächlich unwirklich, fern vom normalen Leben.

Der Alltag … die Gedanken … alles auf ein Ziel, auf einen Tag gerichtet. Über Wochen, Monate hinweg. Je länger die Vorbereitung andauerte, je strenger die Diät wurde, also je niedriger die Kcal wurden, je wichtiger die Trainingseinheiten wurden (Die sind natürlich immer wichtig..), je begrenzter die Kraft wurde, während nebenher noch andere Dinge zu tun waren, desto mehr veränderte sich mein Leben… zusammen mit meinem Kopf und meinen Gedanken.

Es war, nein, es IST eine wahnsinnige Erfahrung! Und alle Einschränkungen, die man in Kauf nehmen muss, sind es wert. Natürlich waren nicht die ganzen vier Monate so, aber besonders in den letzten 3-4 Wochen wurde der Alltag fast nur noch von diesem Sport bestimmt. Glücklicherweise hatte ich die letzten drei Wochen frei – mein Studium hätte ich so nur sehr, sehr schwer ordentlich durchführen können.  Ich frage mich gerade, wie es bei den anderen ausgesehen hat. Es gibt ja Athleten, die noch wesentlich härter diäten als ich. Schon witzig was man so alles tut – nur für sich selber, um zu sehen was man schafft und wozu man mental und körperlich in der Lage ist. Denn um Geld oder Ruhm geht es hier nicht. Mir zumindest nicht.

Nun, ich freue mich. Freue mich so sehr auf diesen Tag – morgen auf der Bühne zu stehen und zeigen zu können, was ich geschafft habe. Aufgeregt? Come on! Zum Glück kann ich Bühnenerfahrungen aus meinem Beruf mitnehmen und mich einfach nur darauf konzentrieren, mich bestmöglichst zu zeigen und vorallem: Spaß zu haben und glücklich zu sein.

Mein Ziel ist es unter die Top 5 zu kommen, sprich: ins Finale. Für einen Pokal? Eine Medaillie? Wäre auf jedenfall nett, aber nein. Wovon ich träume ist vorallem, meine Kür zu zeigen! Meine selbstgeschriebene Musik aus den Lautsprechern zu hören, meine eigene Choreographie zu präsentieren und alles rauszulassen. All die Emotionen! Ich glaube, all die Last der letzten Wochen wird von mir abfallen, wenn der letzte Trommelschlag des Stückes ertönt und ich in meiner Endpose auf dem Boden kauern werde. Ich hoffe dieser Wunsch wird mir erfüllt.

Hannover – Eat… eat.. eat.. repeat!

14:05 Baby, Baby, es gibt Reis!

Die Unterkunft: Spartanisch. Aber gut schlafen tut man einen Tag vor dem Wettkampf sowieso kaum.

Reis! Das beschreibt so in etwa, was die letzten drei Stunden so passiert ist. Gegessen, klassische Musik gehört – Entspannt, zumindest soweit es in einem randvollem Zug möglich ist. Zwischendurch war ich mal im WC und habe etwas geposed – ich war zufrieden! Wie das schon wieder klingt, jedenfalls für jemanden, dem dieser Lebensstil fremd ist. Der Sport erscheint manchmal schon echt merkwürdig.

Ich habe noch etwas Zeit bis wir in Augsburg noch einmal Umsteigen müssen. Also weiter im Programm: Wie sahen meine letzten vier Monate aus?

Mein Training war in etwa so, dass ich fast jeden Tag ein bis zwei Mal trainierte – natürlich nicht nur mit Gewichten, das wäre etwas viel gewesen. Ich habe vom Studium aus Boxen, Gymnastik, Tanzen und Bühnenkampf, dazu kommen 1-2 Kampfsporteinheiten die Woche und schlussendlich vier Krafttrainings-Einheiten. Genaueres über mein Traning kann und werde ich nicht verraten, außer, dass ich sehr intuitiv trainiere, je nachdem wie meine anderen Sportarten mich beanspruchen.

Ich bin ein Fan des Ganzkörpertrainings bzw. da ich Beine nur 1-2 Mal innerhalb von zwei Wochen trainiere des Ganz-Oberkörpertrainings. Warum trainiere ich Beine so selten? Nunja, weil ich der Meinung bin das (für mich) nicht mehr nötig ist. Sie würden sonst nicht mehr zum Rest passen (siehe Bilder). Im Laufe der vier Monate hat sich mein Training sehr verändert. Andere Sportarten fielen mehr und mehr weg, insbesondere in den letzten drei Wochen (glücklicherweise auch mein Uni-Sportprogramm). Hinzu kamen einfache Cardioeinheiten von 15-30 Minuten Länge, meist anschließend an das Krafttraining.

Zu meiner Ernährung: Hier möchte ich auch keine Details bekannt geben. Da es meine erste Meisterschaft ist, habe ich natürlich einwenig herumprobiert. Ich habe mich an einer low-fat Pendeldiät probiert, bei der ich bis zum Tag X die Kalorien immer weiter heruntergefahren habe (wie es jeder andere auch tut). Es hat auf jeden Fall gut funktioniert und ich habe einiges über meinen Körper herausgefunden, sodass ich weiß, was ich nächstes Mal anders machen sollte und auch werde.

Die letzte Woche war echt hart und ich bin schon ein wenig froh, wenn das ganze vorbei ist – der Gedanke daran ist aber irgendwie komisch…

Heute morgen sind wir um fünf Uhr hoch und haben die erste Schicht des Tans aufgetragen. Das macht ganz schön was aus! Ich fahre mit zwei anderen Athleten und deren Betreurin plus Ehemann. Ihre Betreuerin hat mir auch sehr viele hilfreiche Tipps wärend der Vorbereitung gegeben und kümmert sich ebenfalls wärend der Wettkampfphase verstärkt um mich. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar… alleine wäre es echt schwer, fast unmöglich, und würde nur halb so viel Spaß machen. Wenn ich an die Backstagephase morgen denke, wüsste ich wirklich nicht, wie ich das alleine machen sollte.

21:50 – Zeit für‘s Bett

Locked and (re)-loaded: Am Tag vor dem Wettkampf läd Aramis mit … Reis. Surprise, surprise.

Puh! Anstrengender Tag. Sitze nun im Hotelzimmer, zwar nicht das Schönste, aber ich muss hier ja nur schlafen! Heute um 18 Uhr war im Veranstaltungsgebäude. Wiegen, Startunterlagen abholen und der Lügendetektortest. Das Wiegen fiel für mich weg, da ich in der Juniorenklasse starte. Der Lügendetektortest verlief natürlich positiv…äh also negativ! Auch wenn Fragen dabei waren, die es schon etwas in sich hatten. Ob ich einen Freund durch eine Lüge meinerseits einmal in eine missliche Lage gebracht oder bei einem wichtigen Test betrogen habe. Mein „Nein“ schien die Wahrheit zu sein. Auf solche Fragen zu antworten kann echt schwer sein, wenn man sich selber gar nicht sicher ist, jedenfalls konnte ich mich zumindest an keine solche Situation erinnern.

Habe ein paar nette Athleten (wieder-)getroffen und nette Gespräche gehabt. Leider war niemanden aus meiner Klasse anwesend – ich hätte doch gern mal jemanden gesehen. Es bleibt spannend!

Mit meiner Form war ich eben nur halbwegs zufrieden. Mal gucken wie ich morgen aufwache – um 6:30 geht‘s weiter! Jetzt noch ein wenig gegen die Verspannungen im Rücken ankämpfen und dann ist Schlafenszeit – das Bett ist frisch, schwarz bezogen!

Gute Nacht wünscht: Startnummer 137.

Samstag, 20.10.2012

7:10 – Guten Morgen..?

Heute ist der große Tag! Ich bin nur halbwegs zufrieden mit meiner Form und die Nacht war eher mittelmäßig, um nicht zu sagen: grauenhaft. Ich will keine Hotelkritik schreiben, aber das Hotel-Zimmer in dem ich gerade sitze:

Ein Zimmer, quasi 50cm vom Fahrstuhl entfernt, mit einer Holztür/wand, die nicht dicker als 3cm zu sein scheint und absolut nicht Schalldicht ist. Das bedeutete im Klartext: Die ganze Nacht über „Schrit Schritt Schritt – piepiepiep – DONG – zisch – EEY WAS GEHT-Gerufe…“ Das gleiche galt für das Fenster. Ich hätte gleich mit offenem Fenster schlafen können, so gut isoliert ist es – naja Mütze auf und durch, dachte ich mir. Das Ergebnis: 3-4 Stunden Schlaf.

Bin trotzdem sehr fit und freue mich schon auf den Tag. Sachen packen und los geht‘s!

7:45 – Go, go, go! Es kann losgehen

Die anderen Athleten/Betreuer und wir haben uns im Saal versammelt und Berend Breitenstein ist am Mikro zwecks Ablaufplan, Juryvorstellung etc. usw. und sofort. Nunja! Nach kurzer Zeit geht es hinter die Bühne. Der Herren-Backstagebereich befindet sich in einem großen Raum, in dem wirklich jeder seinen Platz findet. Gut! Bisher scheint es mir so, als hätten sich die Organisatoren echt viel Mühe gegeben. Mal sehen wie sich der Tag noch entwickelt.

Wir suchen uns einen Platz in der Mitte und schlagen unser Lager auf. Und schon geht es los: Die dritte Schicht Tan drauf, anfangen mit dem Aufladen, mit etwas Süßem – Alkohol trinke ich grundsätzlich nicht – in diesem Falle muss ich zum ersten Mal fast sagen: Leider, denn ich sehe was es bei anderen bewirkt!  Etwas schade, aber bei dem Alkoholkonsum hier komme ich mir fast wie auf meiner Abi-Reise in Lloret de Mar vor. „Drugfree…?“ Irgendwie traurig. Naja.

9:00  – Round one – Bitte lächeln!

Die Teenageklasse ist an der Reihe und wir dürfen hinter die Bühne zum warm-pumpen. Leider sind es nur fünf Teilnehmer, das bedeutet: Stress für uns! Gerade mal zehn Minuten und wir sind an der Reihe. Ein komisches Gefühl. Es ist komisch, weil es nicht komisch ist, denn es ist der Moment auf den ich gut vier Monate hingearbeitet habe und jetzt sind es nur noch wenige Sekunden – aber irgendwie ist nicht mehr als Freude da. Kein „Ja, bald darf ich wieder essen, bald ist alles vorbei, hurra!“ Volle Konzentration.

Es geht auf die Bühne: Grundaufstellung – alle Athleten reihen sich auf. Symmetrierunde: Viertel Drehung rechts, wieder und wieder. Dann alle nach hinten. Erster Callout: fünf Athleten werden nach vorne gerufen. Man kann sagen, dass diese auch die sind die im Finale stehen werden. Eins…Zwei…Drei…Vier… nur noch ein Athlet. „Startnummer 137“, das bin ich! Auch wenn ich es in diesem Moment noch gar nicht realisiert habe, scheint die Chance, dass ich im Finale zumindest um einen 4. oder 5. Platz kämpfen werde, ziemlich hoch.

Aber jetzt heißt es erst einmal: Vergleichsposing, die sieben Pflichtposen durchführen, alles geben, dann nach hinten und Spannung halten, wärend die nächsten Callouts stattfinden. Auch wenn es sehr anstrengend ist, fällt das Lächeln gar nicht so schwer, denn es macht wirklich Spaß.

Nach etwa 20-30Minuten ist es vorbei und wir dürfen die Bühne verlassen. Mit dem letzten Schritt von der Bühne zieht es plötzlich wie ein Blitz durch meinen linken Unterarm – Krampf! Ich habe wohl die ganze Zeit vergessen, die Faust auch nur ein einziges Mal zu lösen und den rechten Unterarm zu entspannen. Naja – dagegenarbeiten, Magnesium, das wird schon wieder.

Jetzt erst einmal hinlegen, Beine hochlegen und abwarten. Um 16 Uhr geht es weiter.

15:00 – Die Spannung steigt

In dem Moment zwischen der Vorrunde und jetzt habe ich die Zeit damit verbracht, 1-2 Mal die Stände im Vorraum anzuschauen, ein paar Gratisprodukte zu ergattern (3-4 Supplemente-Hersteller stellen dort aus) und ein wenig mit anderen Athleten zu plaudern.

Jetzt gerade versammeln sich alle erneut im großen Saal, um von Berend Breitenstein über den Ablauf des Finales aufgeklärt zu werden.

Das Ganze dauert wieder nicht lange und es geht ruck zuck wieder Backstage… noch kurz Ruhen bis es weitergeht.

Das Finale wird folgendermaßen Ablaufen: Die Reihenfolge der Klassen ist die selbe, wie in der Vorrunde. Die Junioren kommen also als zweites. Alle Teilnehmer jeder Klasse werden erst einmal auf die Bühne gebeten, jeder wird beim Namen genannt und darf nochmal seine zwei besten Posen zeigen. Das dient eher dem Sportsgeist und Spaß, denn wer im Finale ist, steht zu dem Zeitpunkt natürlich schon lange fest. Danach wird endlich angesagt, welche fünf Athleten im Finale stehen. Alle verlassen die Bühne und die fünf Finalisten zeigen nacheinander ihre Kür. Danach kommen noch einmal alle fünf auf die Bühne zum kurzen Vergleichsposing und Posedown und im Anschluss daran werden direkt die Platzierungen bekanntgegeben.

16:00 – Final Round!

Die Teenage-Klasse wird auf die Bühne gerufen. Das bedeutet für mich und meine Mitstreiter: Es geht hinter die Bühne zum aufpumpen!

Es wurde bereits eine neue Schicht Farbe auf meine Haut aufgetragen – in der Vorrunde schien ich zu hell gewesen zu sein – und es gab wieder etwas Süßes. Dieses Mal habe ich  etwas anderes ausprobiert und es scheint jetzt auch besser zu funktioneren.

Leider bin ich mit meiner Vaskularität immernoch nicht zu friede. Ich mache mir wohl zu viel Gedanken darum, denn jetzt kommt mir sogar meine Form schlechter vor. Psychospiel! Was soll‘s! Mir geht es gut und ich bin kurz davor mein sportliches Ziel für dieses Jahr zu erreichen: Das Finale…meine Kür.

Ich stehe nun mit meinem Begleiter hinter der Bühne und wärme mich auf. Die Küren der Teenage-Teilnehmer laufen schon. Es könnte nicht besser sein! Fast jeder verwendet epische Filmmusik á la „Two steps from hell.“ Wie stark die Auswirkung solcher Musik auf Körper und Geist sein kann. Ich fühle mich, als würde ich mich gerade für die letzte Schlacht meines Lebens bereit machen und kann gar nicht aufhören zu grinsen. Motivation pur!

Das Posing in der Juniorenklasse: Aramis (zu Beginn des Videos der 2. von links)

Die Teenage-Klasse ist fertig. Es geht auf die Bühne. Ich stehe links außen als Vorletzter…schon wieder neben dem einzigen Schwarzen in unserer Klasse. Na das trägt nicht gerade dazu bei, dass ich dunkler wirke, als in der Vorrunde. Berend geht durch die Reihe und jeder macht seine 2-3 Posen (es stellt sich heraus, dass sich der ein oder andere nicht ganz im Klaren darüber ist, was „ZWEI BIS DREI Posen“ bedeutet).

„Startnummer 137, Aramis Merlin Scherer,“ ich bin an der Reihe. Zack…Übergang…Zack… fertig. „Und nun die Athleten, die sich für‘s Finale qualifiziert haben!“ Jetzt wird es spannend. Was für ein „Feeling!“ Die Situation erinnert mich etwas an Castingshows des Privatfernsehens…Eins…Zwei…Drei…Vier…Ja?…Ich hoffe…

„und als letztes, Startnummer 137! Bitte geht hinter die Bühne und macht euch für eure Kür bereit!“ Wieder als letzter aufgerufen. Ich stelle mich also quasi schon auf einen fünften Platz ein – WEN INTERESSIERT‘S – ich bin dabei!!!!! Die Freude ist jetzt schon so riesig, dass ich schon fast vergesse, dass es immernoch um eine Platzierung gehen kann.

Ich muss zugeben, ich bin etwas verwundert über die Finalisten-Entscheidungen, hätte ich doch den einen oder anderen eher ins Finale gelassen. Es zeigt also jeder seine Kür. Als letzter bin ich an der Reihe. Ich gehe auf die Bühne – hatte mir vorher schon ausgemalt, wie ich rausgehe. Hatte mich dazu entschieden zu winken und in die Runde zu gucken, aber irgendwie ist auch das gerade vergessen und ich positioniere mich einfach nur lächelnd in der Mitte und nehme meine Startposition ein. Wobei, ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, was ich getan habe, während ich auf die Mitte zugegangen bin – ich werde es dann auf der DVD sehen.

Meine Musik erklingt aus den Lautsprechern: Es ist soweit. In einer Pose schaue ich nach oben und blicke direkt ins Scheinwerferlicht. Geblendet kann ich nur erahnen wie viel Leute mich gerade beobachten. Ich bin es zwar gewohnt vor vielen Menschen auf der Bühne zu stehen und kenne das Gefühl…aber das Gefühl, das ich gerade habe ist irgendwie trotzdem besonders…unbeschreiblich! Wunderschön! Spaß und Glück. Die letzten drei Trommelschläge erklingen. Endpose.

Applaus. Ich muss grinsen, verbeuge mich, winke kurz und verlasse die Bühne. Hinter der Bühne sind die, die zugeschaut haben, begeistert von meiner Kür. Das freut mich wahnsinnig! Jetzt nochmal raus zum letzten Vergleichsposen und Posedown. Das Ganze läuft ab wie zuvor. Es folgt der Moment der Wahrheit:

„Die Platzierungen: Auf dem fünften Platz…“ Startnummer 137, denke ich.  Nein! Cool, das Finale hat mich doch noch einen Platz nach vorne geschoben! „Auf dem vierten Platz…“ Nun aber, Startnummer 137, denke ich. Nein!… „Auf dem dritten Platz…Startnummer 137, Aramis Merlin Scherer.“

Freude.

Ich grinse und nehme erfreut meinen Pokal entgegen.

Nach den letzten beiden Platzierungen geht es von der Bühne und ich werde schon bald herzlichst von meinen Begleitern in Empfang genommen werden. Da ich aber unter den ersten drei bin, muss ich vorher noch eine Urinprobe abgeben – eine sehr gute Neuerung, wie ich finde. Allerdings etwas unpassend gerade, denn das Unterfangen gestaltet sich, nachdem man eine Weile fast gar nichts getrunken hat, allerdings etwas schwer. Vorallem, wenn man etwas Probleme damit hat, unter Druck zu…

Also müssen erst einmal 2-3 Liter Wasser und zwei Brennesselkapseln, die ich mir erschnorren konnte, runter. Nach einer gefühlten Stunde ist es dann aber auch erledigt.

Puh, jetzt aber!! „Es ist vorbei“, müsste ich denken, aber daran denke ich momentan gar nicht. Ich bin einfach zufrieden. Zufrieden darüber, dass alles so gut gelaufen ist, obwohl ich eigentlich so unzufrieden war. Klingt komisch, ist aber so. Jetzt heißt es: Trinken…essen…warten bis Mario dran ist und den Tag genießen.

Es geht also erst einmal wieder in den Vorraum und ich kaufe mir etwas Schönes zu Essen. Zwei Haferflockenriegel und Kartoffelsalat mit einer Frikadelle sollen es erst einmal sein. Dinge, die ich normalerweise eigentlich gar nicht essen würde, aber die Attraktivität von Lebensmitteln scheint zu steigen, wenn sie lange verboten gewesen sind. Außerdem ist die Auswahl auch nicht gerade riesig. Nunja, es schmeckt auf alle Fälle! Die nächsten Stunden sind nicht unbedingt wert genau dokumentiert zu werden: Essen, nette Gespräche, die Show genießen…

~21:00 – Überraschung!

Es wird wieder spannend. Gleich soll endlich das große Gesamtsiegerstechen stattfinden. Mario ist als Sieger im Leichtgewicht hervorgegangen und wird nun auch daran teilnehmen. Also ist Daumen drücken und Anfeuern angesagt. Vorallem da einer seiner Konkurrenten Fabian Buchert heißt, dessen Form mich schon heute Nachmittag wieder einmal sehr beeindruckt hat.

Es ist also etwa 21Uhr. Ich sitze in der ersten Reihe und warte. Berend meldet sich am Mikrofon. Bevor es zum Gesamtsiegerstechen kommt, gäbe es noch den Pokal für‘s „Best Posing“ zu vergeben. Ich habe mich schon gewundert, warum noch zwei große Pokale auf dem Tisch stehen. Der Sieger wird bekannt gegeben:

„Für das Best Posing bitten ich, sofern er noch anwesend ist, den Athleten mit der Startnummer 137 auf die Bühne zu kommen.“ Ich brauche einen Moment um zu realisieren: „Das bin ja ich.“ Ich springe auf und laufe an den Jurytisch, etwas verwirrt und verplant. „Ist der Athlet noch da? Möge der Athlet mit der Startnummer 137 bitte auf die Bühne kommen und noch einmal seine Kür präsentieren.“

„Ja, hier, ich,“ rufe ich. „Der Athlet scheint scheinbar schon gegangen zu sein,“ sagt Berend. Ich mache noch einmal deutlicher auf mich aufmerksam. Aber langsam holt mich die Realität ein und Gedanken breiten sich langsam in meinem Kopf aus: „Ach du Sch**… nachdem ich 5 Stunden nur rumsaß, mich vollgefressen und etwa 4 Liter Wasser im Bauch habe, soll ich meine Kür inklusive Spagat und Seitwärtssalto präsentieren? Na das kann ja was werden! Zum Glück habe ich zumindest meinen Posingslip noch unten drunter.

Am Ende ist die Ausbeute der Athleten echt beachtlich! Respekt Jungs!

Ich renne auf die Bühne und Berend sagt mir, dass ich mich schnell hinter der Bühne umziehen und dann auf die Bühne soll. Ich stürme also hinter die Bühne, zieh mich aus und renne zurück. Ich kann es immernoch nicht ganz fassen, da heute Nachmittag so viele echt klasse Küren dabei waren. Kaum zu glauben! Ich hoffe nur, dass meine Form sich nicht all zu sehr verschlimmert hat, wird doch alles per Video und Foto dokumentiert… Nunja, ich gehe wieder auf die Bühne und nehme meine Position ein. Aber meine Musik startet nicht. Berend meldet sich zu Wort. Es heißt, dass meine Musik nicht gefunden werden könne und er schlägt vor, dass ich es ohne probieren solle.

„Oh je… Kür ohne Musik? Das wird doch… naja, besser als zu verneinen und gar nichts zu tun!“, denke ich und beginne. Doch ich merke schnell, dass im Publikum getuschelt und etwas gekichert wird – ich muss gestehen: Die Situation ist mir ziemlich unangenehm. Die Kür wirkt ohne Musik eher etwas albern, denke ich mir. Doch dann der Befreiungsschlag. Nach ein paar Sekunden hat der Techniker die Musik gefunden und ich kann meine Kür noch einmal richtig von vorne beginnen. Ein Glück!

Noch einmal der Blick ins Scheinwerferlicht bei meiner Frank Zane Gedächtnis-Pose. Ein schönes Gefühl. Dass die Musik zwei Takte zu spät eingesetzt hat und ich mir 2-3 Patzer erlaubt habe, erscheint jetzt unwichtig…es war einfach toll, noch einmal die Kür zeigen zu können. Applaus, Pokal entgegen nehmen – vorbei. Neben meinen kleinen Pokal gesellt sich jetzt noch ein zweiter, viel größerer, über den ich mich irgendwie noch mehr freue. Es stecken eben doch zum großen Teil Künstler und Darsteller in mir, deswegen ist der Titel für mich eine besondere Ehre und Freude.

Jetzt aber: Gesamtsiegerstechen. Was soll ich dazu noch groß schreiben außer: Spannung, Spannung, Spannung. Mario im ersten dreier-Callout. Spannung. Mario unter den letzten zwei. Noch mehr Spannung. Mario holt den Gesamtsieg. Freude, Freude, Freude. Unglaublicher Abend.

Ende.

2:00 – The End…?

Puh! Endlich zurück. Satt von Burger und Pommes, die wir noch zu später Stund‘ in einem Restaurant bekommen konnten. Natürlich war es lecker, aber irgendwie auch etwas enttäuschend. Die letzten Wochen habe ich mich sogar noch darüber gefreut, endlich mal wieder einen Apfel essen zu kp style=”text-align: justify;”önnen und jetzt…jetzt scheint es so normal, da ich es wieder darf, und – Round one – Bitte lächeln! selbst ein Burger ist somit nix Besonderes mehr. Schwer nachzuvollziehen, aber ich könnte jetzt auch schon wieder mit Reis, Broccoli und Pute weitermachen.

Jetzt endlich duschen! Der Tan geht nicht wirklich runter – das wird wohl noch ein paar Tage dauern. Ich schaue in den Spiegel…die Form ist jetzt schon besser als heute morgen und gestern, finde ich…etwas tragisch. Dieses Aufladen und Entwässern ist mir ein Rätsel – wenn ich mir das jetzt so anschaue, nachdem ich 3-4 Liter Wasser getrunken und diversen Müll gefressen habe. Es kommt wohl einfach in erster Linie darauf an, wirklich wenig Fett zu haben. Und da war bei mir einfach noch 2Kg zu viel dieses Mal! Nevermind, ich glaube ich kann doch zufrieden sein.

Ich habe erst den Plan gehabt, den Bodybuilding Wettkampf als einmaliges Event, als Erfahrung, noch einmal für mich und mein Leben zu gewinnen. Aber jetzt…

Es hat sich etwas verändert. Ich kann einfach kaum abwarten, dass das Jahr rum ist, um wieder auf der GNBF-Bühne zu stehen. Dann im Leichtgewicht und mit einer noch viel trockeneren Form! Ich freue mich jetzt schon tierisch darauf und hoffe, dass „Karriere“ und Privatleben nächstes Jahr mitspielen, sodass der Teilnahme nichts im Wege steht.

Sportlich heißt es für die nächste Zeit:

  • Aufbau (Vorallem das, was durch den Bruch verloren ging)
  • Schwarzen Gurt in Karate nachholen und Soft Form Martial Arts Wettkampf im nächsten Jahr
  • Mit Glück einen Sponsoren finden (für einen Studenten ist das alles natürlich auch eine finanzielle Angelegenheit)

Und dann endlich:

  • GNBF Deutsche Meisterschaft 2013
  • WFF Wettkämpfe 2013

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei meinen Eltern, die mich bei allem was ich tue unterstützen, danken. Vorallem meiner Mutter, die mir während der Vorbereitung große Lasten abgenommen hat! Auch eine sehr großes Dankeschön ein Sabine und Christian Streubel, für ihre sehr herzliche Betreuung während des Wettkampfes.

Aramis Merlin Scherer

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    Was fĂĽr ein packender Bericht, Aramis!
    Danke und herzlichen GlĂĽckwunsch zu Deiner grandiosen Leistung!