Buchrezension: Manthropology. The Science Of Why The Modern Male Is Not The Man He Used To Be.

Buchrezension: Manthropology. The Science Of Why The Modern Male Is Not The Man He Used To Be.

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Ein Buch, auf dessen Existenz ich erst kürzlich aufmerksam gemacht wurde (danke an Schaumkrone!) und das ich seit dem in meinen Händen halten wollte, ist das kürzlich erschienene Manthropology von Peter McAllister, einem Anthrophologen, Archeologen und Autor. Und was macht man, wenn man etwas unbedingt haben möchte? Klar: man bestellt es sich.

Da die interessante Lektüre also auf der anderen Seite des großen Sees eingetütet und verschifft werden musste, habe ich mir zunächst die Zeit mit ein wenig Recherche vertrieben. Immerhin habe ich in letzter Zeit verstärkt festgestellt, dass sich mein Interesse nicht in eine pro-, sondern eher in eine retrospektive Richtung hin entwickelt hat, dessen Fokus auf der Art und Lebensweise unserer nahen Verwandten und Vorfahren liegt. Die Konzepte des Intermitent Fastings und der Steinzeiternährung („Paleo“) übten schon länger eine faszinierende Anziehungskraft auf mich aus, auch wenn ich mir der Tatsache bewußt bin, dass sie nicht für jedermann geeignet sind (ich sehe die vielen Ernährungskonzepte mittlerweile nicht als in Stein gemeisselte Fakten (eine sog. „Holy Grail“-Mentalität), sondern eher als alternative Optionen gegeben der individuellen Umstände und Ziele.

Dennoch muss ich zugeben, dass mich die jüngsten gelesenen Werke – Voleks & PhinneysThe Art And Science of Low Carbohydrate Living“ und „The Art And Science of Low Carbohydrate Performance“ sehr schwer begeistert haben. Einige interessante Implikationen, die ich an dieser Stelle aber nicht ausführen möchte, sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf die körperliche Leistungsfähigkeit, die sich infolge eine sogenannten „Keto-Adaption“ ergeben. Nüchtern gesprochen kann man sagen, dass ein Großteil der bisherigen wissenschaftlichen Literatur neu geschrieben werden müsste, wenn man viele der zahlreichen Experimente im Sport- und Ernährungsbereich an Probanden durchführen würde, die nicht nur eine kurzfristige Phase der low-carb-Ernährung durchlaufen,  sondern eine gegebene Zeit (üblicherweise 2-4 Wochen) der Anpassung absolvieren würden. Der Zustand der Keto-Adaption verändert die Ergebnisse fundamental. [1][2][3][4][5][6]

Doch geschenkt – darum geht es heute nicht. Die Faszination des menschlichen Körpers hat mich schon länger darüber sinnieren lassen, wozu wir – die Spezies homo sapiens sapiens – tatsächlich in der Lage sind. Halt, nein – das stimmt so nicht, daher lasst mich die Frage präzisieren: Wozu wir in der Lage sind und wozu wir in der Lage waren. (Faktoid: Das Leben heutzutage ist angenehmer geworden. Die natürliche Selektion wurde zurückgedrängt, Kriege kennt das moderne Europa schon seit mehr etwas mehr als zwei Generation nicht mehr und auch die Ernährungslage hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte drastisch gewandelt. Konnte es sein, dass diese Entwicklungen spurlos an uns vorbeigegangen sind? Ich denke nicht.)

Hier kommt das Buch von McAllister ins Spiel, von dem ich mir eine Antwort auf diese tiefgründigen Fragen erhofft habe. Und hey, der Untertitel hätte nicht interessanter formuliert sein könnten: „The science of why the modern male is not the man he used to be.“ – BAM, mitten ins Gesicht. Als die Postsendung schließlich im Briefkasten lag, freute ich mich wie ein (unpaniertes) Schnitzel. Doch konnte McAllister meine Fragen tatsächlich adäquat beantworten? Hielt das Buch, was es versprach?

Schauen wir doch mal…

Buchrezension: Manthropology. The Science Of Why The Modern Male Is Not The Man He Used To Be

Über den Autor: Peter McAllister

PMcAlWer ist Peter McAllister? Und wie kommt er überhaupt dazu ein solches Buch zu schreiben, welches sich darüber anmaßt, eine umfassende Bestandsaufnahme über die derzeitige Situation der menschlichen Spezies zu tätigen? Ist er überhaupt credible? Verfügt er über eine ausreichende Reputation oder handelt es sich hier nur um einen Wannabe-Journalisten, der um die Gunst seiner Leser buhlt, in dem er Aussagen tätigt, die kaum haltbar sind?

Genau diese Fragen lagen mir auf der Zunge. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass sich McAllister in der Tat bereits als Autor versucht hat (aus seiner Feder stammt z.B. der Sci-Fi-Thriller „Cosmonaut“). Doch Peter McAllister ist auch Autor wissenschaftlicher Lektüre und ein bekannter australischer (Paleo)-Anthropologe sowie Archeologe. [7] Einige seiner anderen Werke sind u.a. „Pygmonia: In Search of the Secret Land of the Pygmies“ (2010) und (zugegeben, etwas fadenscheiniger  Titel) „Rohes Fleisch und Dosenbier.“ (2010)

Eine interessante Aussage im Vorwort, die McAllistervom Stapel lässt, besteht darin, dass sein ursprüngliches Ziel eigentlich gar nicht darin bestanden habe, den modernen Mann (er nennt ihn „Homo masculinus modernus“) zu denunzieren, sondern zu zeigen dass wir die Cremé de la cremé unserer Spezies sind.

„I discovered, to my horror, that it’s impossible to write a book about the superior achievements of modern males, because we haven’t made any. From battling to boozing, babes and bravado, there’s nothing we can do that ancient men, and sometimes women, haven’t already done better, faster, stronger, and usually smarter.” [8]

Als er festgestellt habe, dass ihm dies nicht möglich sei, hat er sich für den gegensätzlichen Pfad entschieden. Das genaue Gegenteil:

“It was then that I crossed over to the dark side. If I couldn’t write about the virtues of Homo masculinus modernus, I would instead record his failures. I would document in meticulous and humiliating detail every modern male weakness, inadequacy, or vice. I would lay Homo masculinus modernus bare to the world in all his feeble, cowardly, and unlovely lack of glory.” [8]

Cool story, bro – Ich war so hot auf das Buch, wie es nur überhaupt möglich sein konnte.

Das Buch – Manthropology

Die erste Feststellung: Das Buch gibt es anscheinend mit unterschiedlichen Covern. Eine simple schwarz-weiß Version, die in vereinfachter Form die „Evolution“ des Menschen – vom Caveman bis hin zum Gentleman – stilisiert und eine abgewandelte Form, die mit einem organgenen Schriftzug aufwartet und lediglich einen, mit einem Speer bewaffeneten, Höhlenmenschen zeigt, der einen Mann im Smoking ins Auge gefasst hat. Das erste Cover (welches mein Buch nicht hat) hätte mich eher angesprochen (dort sind Kugelhanteln abgebildet, verdammt!).

Okay, dafür habe ich auf der Rückseite einen Wikinger mit Zweihandaxt entdecken können – noch mal Glück gehabt, McAllister!

„Manthropology“ kommt in einem handlichen Taschenbuchformat daher und lässt sich folglich auch wunderbar unterwegs lesen. Mit 326 Seiten bei einem derzeitigen Preis von 4,81 € (regulär: 11,99 € (neu) bzw. 8,18 € Kindle) ist das Buch eigentlich im üblichen Rahmen – weder besonders günstig noch ausgesprochen teuer (gebraucht kommt man sogar noch günstiger heran).

An dieser Stelle gibt es eigentlich nichts zu meckern. Was ich an dieser Stelle schon sagen kann: Für das gebotene Geld wird man auch sehr gut unterhalten, was u.a. auf dem interessanten und guten Schreibstil des Autors liegt. (Er weiß, wie man Geschichten erzählt!)

Der Inhalt – Manthropology

Bei rund 326 Seiten bietet Manthropology ein relativ übersichtliches  – jedoch wenig aussagendes – Inhaltsverzeichnis. Die Schriftart ist angenehm gewählt, also weder zu klein (dass man eine Lupe braucht), noch besonders groß (um auf Biegen und Brechen die Seiten zu füllen). Die Kapitel sind so ausgearbeitet, dass McAllister einzelne Teildisziplinen erörtert, in denen der moderne Mann hätte dominieren können – zum Leidwesen meiner Zunft  schienen wir jedoch für den meisten Kram jedoch zu degeneriert, zu fett, zu verweichlicht, zu dumm, zu tolpatschig oder zu häßlich zu sein – oder wahlweise eine Kombi aus alledem.

Welche Herausforderungen stellt McAllister uns also entgegen?

Inhaltsverzeichnis – Manthropology

Acknowledgments

Prologue

The Worst Man In History

  • BRAWN
  • BRAVADO
  • BATTLE
  • BALLS
  • BARDS
  • BEAUTY
  • BABIES
  • BABES

Epilogue: We can be Heroes

Endnotes

Bibliography

Index

Damit ist das Themenfeld abgesteckt. Die ersten Kapitel sind meiner Meinung nach die fesselnsten. Warum? Weil es zu großen Teilen um die Dinge ging, die ich wirklich wissen wollte: Wie schneiden wir in körperlichen Disziplinen gegenüber unseren nahen Verwandten und Vorfahren ab? Wer ist stärker, wer ist schneller, wer springt höher und wer kann mehr einstecken? Das Problem war der Einstieg ins Buch, denn wie man aus den obigen Zitaten entnehmen kann, hat McAllister jedwedes Ende quasi schon vorweg gespoilert und mir war klar: Das wird nix mehr. Demzufolge hatte ich auch bei vielen Passagen das Gefühl, dass er kampfhaft nach Be- und Hinweisen gesucht hat, die sämtliche Fails des heutigen männlichen Geschlechts aufzeigen. Er hat „uns“ gegen die Besten der Besten antreten lassen: Armdrücken gegen Neanderthaler, Arenakämpfe gegen Pankratiasten, indigene Völker, die sich massiv selbst verstümmeln, gegenüber moderner westlicher Körperkultur (Piercings, Tätowierungen), moderne Terroristen gegen die mongolischen Heere von Dschings Khan, Olympioniken – z.B. im Bogenschießen gegen die mongolischen Schützen und japanischen Tōshiya, deren Hauptaufgaben nach McAllister darin bestanden, permanent zu trainieren.

Vieles davon war durchaus interessant, entlockte mir aber eine gewisse Skeptik weil es u.a. verdammt unfair war. Die Kraftwerte vom Armwrestling ermittelte der Anthropologe aufgrund physikalischer und mathematischer Formeln anhand von Knochenfunden (Drehmoment;  Kraftentfaltung). Kurios: Selbst eine Neanderthaler-Frau hätte nach seinen Berechnungen – dank ihres Hebels und der Körperanatomie – den Russen Alexey Voyevoda (2004 World Arm Wrestling Federeation Champion) alt aussehen lassen. Die männliche Version des Neanderthalers hätte demnach den Arm des Champs zu Staub zermahlen:

„Homo neanderthalensis males and females were comparable to us in brain size (in fact, some Neanderthal brains were much larger), but their bodies were far more muscular. Neanderthal males, for example, though they averaged mere 5’5” in height (around four inches smaller than modern male Homo sapiens) are thought to have carried 20 percent more muscle than modern men. One possible is their cold environment – a thermoregulatory principle known as Bergmann’s law predicts that people who live in arctic environments, such as modern Inuits, or Eskimos, will have greater mass and more spherical body shapes to reduce surface area and retain heat.

Another possibility, however, is that hypermusculature was an adaption to the violent lives Neanderthals lived. Thirty percent of all male Neanderthal skeletons found, for example, have traumatic head and neck injuries, a level reached only by rodeo riders among modern populations. It’s probable the Neanderthal men received their injuries from the same source the riders did – close encounters with enraged bulls and beasts – since the archeological evidence shows, incredibly, that the hunted prey as big as woolly rhinos by ambushing them up close with thrusting spears.” [8] S. 12.

Die erste Hälfte des Buches war insofern der spannendste Teil, weil sie gleichzeitig von der Physis her am relevantesten war. Ein späterer Vergleich beinhaltete z.B. die Welt des MMA mit der antiken Arena und dem Helden-/Ikonenstatus der Athleten. Wer glaubt, dass heutige Sportler dekadent und in Saus und Braus leben, der hätte bei den Gebaren in der griechischen und römischen Antike vermutlich mit den Ohren gewackelt (einige der damaligen Sportler wurden sogar aufgrund ihrer Verehrung in den göttlichen oder halbgöttlichen Stand erhoben (z.B Theogenes von Thasos).

Nicht zu leugnen: Viele Infos – insbesondere aus der Antike – sind sehr, sehr interessant. Leider muss man sagen, dass sich dieses Interesse nicht durch das ganze Buch zieht. Wie bereits erwähnt sind einige Paarungen schlicht und ergreifend unfair, andere „Fakten“ beruhen auf vagen und nicht nachprüfbaren Aussagen mit fragwürdigem Hintergrund (z.B. Inschriften, Augenzeugenberichten), die den geneigten Leser mit der Stirn runzeln lassen. Theoretisch könnte ich auch in einen 1000 kg schweren Stein den Satz „Furor Germanicus hat diesen Stein 5x gesquatted“ eingravieren – wahr wird die Story deswegen noch lange nicht. (Da ich meine männlichen Kollegen aber kenne und auch allzu oft die stellenweise gewagten Kraftwerte nach 3 Monaten Training zu lesen bekomme, weiß ich, dass diese Praktik auch in der Moderne leider sehr häufig zum Einsatz kommt: schiere Behauptungen und Prahlerei ist auch heute noch ein Phänomen, welches in der männlichen, testosterongeschwängerten Zunft zum Einsatz kommt.)

Hierbei beziehe ich mich auf folgendes Passage aus dem Buch, die ich zwar beeindruckend finde, die aber eben schwer zu beweisen ist:

The Rock of Ages

The ground shook figuratively, as well as literally, when Iranian weightlifter, Hossein Rezazadeh, slammed down the 580-pound barbell after winning gold in the clean-and-jerk event at the 2004 Olympics. Not only was it an Olympic record, Rezazadeh also won, by popular acclaim, the title of “Strongest Man in the World.” A little history, however, shows the title to be too late – twenty-six hundred years too late, to be precise. Nineteenth-century archaeological excavations on the Greek island of Thera uncovered a 1.058-pound boulder, dated to be sixth century BCE, bearing the inscription “Eumastas, the son of Critobulus, lifted me from the ground.” This is classified as a deadlift, in which event Rezazadeh has recorded a lift of 836 pounds (the world-record deadlift, 1.006,5 pounds, is held by powerlifter Andy Bolton).

True, Eustemas probably didn’t lift the boulder up to groin height, as modern deadlifters do, but weightlifting historian, David Willoughby points out that the difficult grip of a boulder, compared to the ease of a barbell, renders the feat probaby unattainabe by almost any modern weightlifter. Nor is that the only superior ancient weighlifting feat. Another sixth century BCE boulder, this time a 315-pound stone found at Olympia, bears and inscription to the effect that an athlete called Bybon lifted it overhead, one-handed, and threw it.

No modern weightlifter has been able to even lift this weight overhead one-handed since the German strongman, Arthur Saxon, in the late nineteenth century – and not even Saxon managed to throw it.” – [8] S.10.

Absurd wird es zum Ende hin, wenn McAllister den guten 50 Cent gegen Homer ins Rennen schickt, der seine Illias nicht nur einfach geschrieben (er war Analphabet), sondern diese angeblich gerapped haben soll. Homer in da house, yo!

Ich fasse mich an dieser Stelle einwenig kürzer und liefere euch einen kleinen Überblick über die Kapitel:

Pankratiasts fighting under the eyes of a trai...

Pankration – ein tödlicher Wettkampfsport in der Antike, der für seine Brutalität und Tödlichkeit bekannt war. Zwei Männer betreten die Arena – doch nur allzu oft kam nur einer wieder lebend heraus. (Photo: Wikipedia)

Brawn: Hier geht es um den Kräftevergleich des modernen Menschen mit anderen Artvertretern (siehe oben). McAllister diskutiert die Physis der Hominiden und zeigt auch anhand indigender Völker, in welche Richtung sich unser Genpool entwickelt (hat).

Bravado: Der Begiff bravado beschreibt grob die (fadenscheinigen) Mutproben, die nur allzu häufig beim männlichen Geschlecht vorkommen – auch bekannt als „false display of courage“ oder salopp ausgedrückt: Schwanzvergleiche. Bei „Bravado“ es geht aber nicht darum, die holde Weiblichkeit zu beeindrucken (was man annehmen könnte), sondern vielmehr darum den männlichen Geschlechtsgenossen zu imponieren. Alles für die ultimative Frage: Wer ist hier der Alpha?! Thema: Kuriose Verstümmungsrituale und Initiationsriten bis zu waghalsigen Mutproben (train surfing Vs. Elephantenjagd).

Battle: Now we’re talkin’! Mit Abstand das beste Kapitel. Hier stellt de Autor die moderne männliche Kriegerkaste der westlichen Zivilisation – MMA-Fighter – in den direkten Vergleich zum Leben in der antiken Arena. Es dürfte niemanden erstaunen, dass unsere Käfighelden in Anbetracht der Tatsache, dass Verletzungen beim Kampf selten schwer oder gar tödlich ausgehen, keine Chance gegen die griechischen Pankratiasten (siehe oben) haben.

Wer ein Interesse dara hat die feats der damaligen Helden, etwa den Kampf von Cleomedes gegen Iccus, beizuwohnen, dem kann ich inbesondere die folgenden Seiten ans Herz legen. Glaubhaft: MMA-Kämpfer dürften gegen ihre antike Version im Kampf  – mano a mano – relativ alt ausgesehen haben.

Ein weiterer Aspekt der aufgegriffen wird, ist der des modernen Hooligantums. Unsere glatzköpfigen Fußballfreunde dürften auch hier keinen Blumentopf gewinnen, wenn McAllister von den venezianischen Massenschlachten berichtet, in denen sich zwei italienische Fraktionen (Castellani Vs. Nicolotti) im Verlauf von mehreren hundert Jahren (1369-1710 !) regelmäßig auf den Brücken der Stadt getroffen haben, um sich gepflegt die Schnauze zu polieren. Eine weitere Fraktion stellen unsere rothaarigen Freunde, die Iren,  dar, die am Rande erwähnt werden und dafür bekannt waren (sind?), sich auch mal ganz gerne aus Spaß gegenseitig die Kauleisten zu massieren.

Balls: In diesem Part untersucht McAllister den modernen Sport und zieht Vergleiche zu weitaus brutaleren Partien aus vergangenen Tagen, etwa bei den Azteken, die eine Art Fußball spielten, wo der Ball (?) bis zu 10 Kilo gewogen hat. Nicht wenige der Spieler haben den Platz in der Waagerechten verlassen, wenn sie dem Rund mit einer Kopfnuss begegnet sind. Prellungen und Knochenbrüche waren an der Tagesordnung. Moderner Fußball? Ein Spiel für Kinder.

Weitere Disziplinen, die aufgegriffen werden, beinhalten jene der olympischen Spiele. Bogenschießen, Hochsprung, Wrestling – in allem schneiden wir, die modernen Männer, leider nicht sehr vorteilhaft ab. Auch im Bezug auf den Verdienst von „Superathleten“ sehen die Dinge nicht so rosig für uns aus. (Herausragende Helden wurden damals z.T. mit einer Prämie entlohnt, die dem Sold eines Soldaten von 100 Jahren entsprach, yuck!). Andere Vorzeigehelden wurden sogar auf Kosten ihrer Heimatstadt lebenslang mit Speis und Trank versorgt.

Auch in der Fanmeile können sich heutige Sportenthusiasten eine Scheibe abschneiden: in dem Zeitraum von 491 bis 532 n. Chr. zum Beispiel, hat der Mob in Konstantinopel den Hippodrome (Fassungsvermögen: 250.000 Menschen) rund vier mal niedergebrannt (soviel zu unseren Hooligans).

Kruševac monument to the soldiers of the Battl...

Slawische Barden: Die “Guslar” konnten nicht nur hervorragende Geschichten vergangener Tage erzählen, sondern waren obendrein auch Meister der Memorisirung (Photo: Wikipedia)

Bards: Das fulminante „battle“  von 50 Cent gegen Homer wird in diesem Kapitel behandelt. McAllister rettet diesen Abschnitt nur dadurch, dass er bestimmte Leistungen (etwa die Memorisierung der Texte, die Spontanität der Reime und Wortgewandheit, sowie die Obszönität und Detaillierheit der Verse) gegenüberstellt. Interessant: slawische Guslars (sowas wie moderne Barden) sind sogar in der Lage Texte mit bis zu 2.294 Zeilen zu rezitieren, die sie nur einmal zuvor gehört haben. (kein Märchen sondern eine tatsächliche wissenschaftliche Untersuchung).

Muss ich erwähnen, dass – nach McAllister – der gute Homer den 50 abgezogen hätte?

Beauty: Ab hier fing es dann an absurd zu werden. McAllister führt hier den aufkommenden Trend der Metrosexualität (Vorzeigekandidat: Beckham) gegen diverse Verhaltensweisen indigender Völker ins Rennen, bei denen komischerweise nicht die Frauen, sondern die Männer, dem eitlen Schönheitstick erlegen sind (angefangen bei den noch heute lebenden Wodaabe, bis hin zu den Tuareg und über Maccaronis zu den Dandies vergangener Tage). „Leider“ sind dieses Kapitel (und die nachfolgenden im Gegensatz zu den davor (von denen ich gerne viel mehr gelesen hätte) viel länger, folglich habe ich mich durch diese Passagen eigentlich eher durchgequält.

Babies: Vielleicht nicht ganz so uninteressant, geht es hier um die Fähigkeit des modernen Mannes im Umgang mit dem Nachwuchs und der elementaren Fragen: Sind wir gute Väter? Die ernüchterne Antwort: Nein, sind wir nicht (das indigene Volk der Aka, dessen Männer quasi jede freie Minute mit den Kindern verbringen und die nicht nach Geschlecht differenzieren, laufen uns hier nach McAl den Rang ab).

Babes: Die Befriedigung der Frau – sind wir noch dazu in der Lage? Nun. Schon, jedoch gibt es auf der Welt einige männliche Pendants, die es wohl besser drauf haben. Die PickUp-Szene wird in anbetracht der Inuits und anderer indigender Völker, in denen jeder mit jedem ins Bett hüpft und wo sich ganze Stämme (federführend: die Arioi und Hawaiianer) in regemäßigen zu orgiastischen Spektakeln treffen, in den Schatten gestellt.

Fazit

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Lesenswert: Manthropology von McAllister

Manthropology ist trotz einiger schlechter Parts sein Geld wert. Zugegeben, man muss stets skeptisch bleiben wenn McAllister mittels Formeln versucht, die Stärke moderner Champions mit ausgestorbenen Verwandten unserer Spezies zu vergleichen oder wenn er anhand von Inschriften ermittelt, dass irgendwann und irgendwo jemand mal einen Brocken hochgehoben hat, den nach heutigen Maßstäben nicht einmal Rekordhalter im Powerlifting vom Fleck bekommen hätten. Die letzten Kapitel waren in meinen Augen einwenig befremdlich und unnötig (srsly: Metrosexualität?), doch ich kann nicht sagen, dass ich nach dem Weglegen des Buches nichts gelernt hätte.

In seinem Schlussplädoyer „We can be heroes,“ führt McAllister die Degeneration der männlichen Zunft auf drei wesentlice Faktoren zurück: Culture, Ontogenetics, and Genetics. Womit er in meinen Augen leider richtig liegt, denn es ist offenkundig dass der Selektionsdruck in der heutigen westlichen Welt stark abgenommen hat. Fähigkeiten, die damals zum Überleben notwendig waren (z.B. eine scharfe Weitsicht – der legendäre „stare of a thousand mile“*), sind heutzutage für ein erfolgreiches Leben nicht länger von Belang. Der moderne Mensch arbeitet heutzutage weniger oft weniger. Wen wundert es also, dass unsere Knochen weniger stabil sind, als die unsere nahen Verwandten, z.B. die des Homo erectus?

(*australische Aboriginies sehen z.B. Wale auf offener See, noch bevor sie der Kapitän mit einem Fernrohr (!) erspähen kann)

„We are doubly traitorous because our sloth betrays not just our own genetic potential, but that of our sons, too. Recall that the male body is most responsive to the mechanical stresses that stimulate growth between the ages of eight and fourteen. By inducing our sons to follow in our own less-than-glorious footsteps we are sentencing them to a lifetime of brittle bones, weak tendons, and softened bodies and brains.” [8] – S. 288.

Wie können wir gute Väter sein wenn die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen, auf ein Minimum reduziert wird, weil wir wichtige Angelegenheiten in der Firma erledigen müssen, 24/7 abrufbereit sind und in sklavischer Manier – wie willenlose Zombies – jede freie Minute im Job verbringen? Tun wir unseren Kindern und unserer Familie damit etwas Gutes? Wahr: In dieser Beziehung haben uns die indigenen Völker, von denen McAllister zu Hauf spricht, einiges voraus.

“We do our children a real disservice by imagining them as incapable as we ourselves are; without such negativity who knows what heights they might reach? They might even, God forbid, stand a shot at realizing the potential that ought to be their birthright – the promise in their twenty-three pairs of chromosomes.” [8] – S. 288.

Dieser Epilog, der meiner Meinung nach auf wieder viel zu kurz ausfällt, bringt einen über die Art und Weise, wie wir heutzutage unser Leben verbringen, zum Nachdenken. Von den drei Faktoren (Kultur, Ontogenetik und Genetik) können wir freilich nicht alle beeinflussen, doch – und diesen Satz möchte ich hier insbesondere festhalten – trifft McAllister den Sachverhalt in einem seiner letzten Sätze sehr gut:

„We never give our bodies or minds the stimulation – be it mechanical or intellectual – they need to fully realize the potential encoded in our genotypes, though opportunities to do so surround us every day.

In diesem Sinne möchte ich auch das Buchreview beenden: Die Gelegenheiten für ein besseres Leben sind da – man muss sie nur zu nutzen wissen und die eigene Komfort-Zone verlassen.

Furor Germanicus


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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