Gastartikel: Iron body, iron mind – Die psychischen Effekte des Kraftsports

Gastartikel: Iron body, iron mind – Die psychischen Effekte des Kraftsports

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 “Mastering others is strength. Mastering yourself is true power.” — Lao Tzu

Vorab: mein Dank gilt an dieser Stelle Flesh, aus dem “Der Wille zur Kraft”-Forum, der sich die erste Ausarbeitung dieses Artikels angesehen hat und mir mit einigen konstruktiven Hinweisen dabei behilflich war, die Quintessenz des Artikels zu bewahren, ohne das ich mich in weiteren Nebenkriegsschauplätzen verzettelt habe (und falls ich es an mancher Stelle doch tue, so ist der Fehler nur bei mir zu suchen. ;-) ). Danke Flesh!

[EDIT 21.01.2012]: Es handelt sich hierbei um die Einleitung zu einem Gast-Artikel, der in den ersten Januarwochen auf Team-Andro.com erschienen ist.

Gastartikel: Iron body, iron mind – Die psychischen Effekte des Kraftsports

Vorwort

Wir leben in einer hektischen Zeit in der vielleicht nicht unbedingt der physisch Stärkere regiert (jedenfalls nicht außerhalb der Kneipe). Zu wissen wer man ist, was die eigenen Ziele sind und wohin man möchte, ist neben einer gesunden Portion Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen und der Fähigkeit auch einmal Nein sagen zu können, von unschätzbarem Wert. Kraftsport ist vielmehr als das Herumspielen am Abend mit Gewichten – auch wenn es für die meisten zu Beginn der Karriere eben genau das ist: ein Zeitvertreib mit halbgaren (meist unrealistischen) Zielen. Doch je tiefer man in die Welt der körperlichen Ertüchtigung abtaucht und je hungriger man wird, desto mehr und mehr wird diese Formel zu einer Art „Lebenskonzept“ – einer Philosophie.

Another one bites the dust

Die ersten Stunden im Studio sind ähnlich der Erfahrung eines Kindes, welches zum ersten Mal einen Spielzeugladen betritt: Alles ist neu, alles ist aufregend und jedes Spielzeug (jede Übung) erfordert die hundertprozentige Aufmerksamkeitsspanne. Das erste Erlebnis im Gym gestaltet sich relativ ähnlich, die Sessions sind ein regelrechter Spaß – auch wenn man noch nicht viel auf die Reihe bekommt und sich tolpatschig anstellt. Ein Beispiel:

Ihr meldet euch im örtlichen Studio an. Vielleicht habt ihr sogar ein paar euer besten Freunde im Schlepptau, allesamt jung und unbedarft, hochmotiviert und entschlossen. Die Wochen vergehen und werden schon bald zu Monaten. Vielleicht wart ihr zu Beginn zu fünft gewesen, doch nun seid ihr nur noch zu dritt. Was ist passiert?

Eine kleine Bestandsaufnahme: Ehemals-enthusiastischer-Kumpel No. 5 kam die ersten Wochen regelmäßig mit zum Training, doch schon bald hattet ihr arge Probleme ihn überhaupt am Telefon zu erreichen. An anderen Tagen servierte er euch eine brühwarme Ausrede, weshalb er gerade heute nicht trainieren könne. In der Schule versuchte er stets vom Thema abzulenken oder reagierte patzig, wenn ihr ihn darauf angesprochen habt. Es dauerte nicht lange, bis ihr kein Bock mehr auf das Gelaber hattet und ihn folglich auch nicht mehr darauf anspracht – egal, euer fröhliches Quartett würde sich von solchen Kleinigkeiten nicht abhalten lassen.

Drei weitere Monate waren nun vergangen, als Ehemals-enthusiastischer-Kumpel No. 4 an einem Freitagabend seine neue Perle kennengelernt hat – und er ward nie mehr gesehen!

Ein halbes Jahr später, ihr habt alle euren Schulabschluss in der Tasche gehabt und ein neuer Lebensabschnitt begann. Viele eurer alten Klassenkameraden zogen in die weite Welt hinaus: Studium, Ausbildung, Wehrdienst oder Zivi. Die Optionen waren mannigfaltig und aufregend. Ihr wart allesamt neugierig, denn nun floß zumindest einwenig mehr Geld in die Haushaltskasse, so dass ihr nicht länger auf euer Taschengeld angewiesen ward. Geld, dass ihr gut gebrauchen konntet und das einige von euch wahlweise in Sauforgien, Elektrospielzeug, den Führerschein oder – wie in diesem speziellen Falle – für eure lodernde Leidenschaft, den Kraftsport, investierten. (Man musste kein Hellseher sein, um zu wissen welche Investitionen sich am meisten lohnten).

Ehemals-enthusiastischer Kumpel No.3 entschloss sich für eine Ausbildung zum Speditionskaufmann, was schließlich dazu führte, dass eure Drei-Mann-Trainingseinheiten immer öfter zu Duo-Workouts wurden. Wenn der dritte im Bunde ausnahmsweise einmal mit von der Partie war, lamentierte der Speditionskaufmann-in-Spe über seine beschissenen Arbeitszeiten, die ihm nahezu sämtliche Freizeit raubten und ihn auszehrten (!). Auch die Berufsschule, die zweimal die Woche auf dem Tagesplan stand, schlauchte ihn dermaßen, dass er immer öfter die gemeinsamen Trainingseinheiten absagen musste, weil er zu müde war. Schon bald hatte ihr anderen beiden kein Bock mehr ihm ständig hinterher zu rennen. Passend: er meldete sich auch von selbst nicht mehr.

Nach rund einem Jahr wart ihr also nur noch zu zweit. Das Training machte euch immernoch Spaß, doch die progressive Herausforderung jeder weiteren Trainingseinheit konnte keiner von euch leugnen. Der Spaß war mittlerweile ein anderer Spaß geworden, was nicht zuletzt daran lag, dass sich die körperlichen Veränderungen zusehendst manifestierten.

Erstaunlicherweise habt ihr im Laufe des Jahres auch festgestellt, dass euer derzeitiges Setup – eine Konstellation aus zwei guten Kumpels, die sich gegenseitig im Gym pushten und unterstützten – weitaus angenehmer war, als die Rudelbildung zu Anfang eurer Trainingskarriere. (Idealerweise würdet ihr zwei jetzt mit diesem Trainingskonzept weitermachen).

Im Laufe des turbulenten Jahres war der Kraftsport die einzig-wahre Konstante in eurem Leben gewesen. Doch der Kraftsport, so habt ihr mit der Zeit festgestellt, beinhaltet mehr als nur  Muskelwachstum. Es ist Organisation und Wille. Es ist bewußtes Leben – jeden Tag. Training, Ernährung, Regeneration. Ein permanentes Wechselspiel zwischen emotionalen, körperlichen und mentalen Aspekten. Wahr: Es fängt an mit Fitness, entwickelt sich aber schon bald zu eine Choice of Life – einer Philosophie.

Jetzt lasse ich die Katze aus dem Sack: Die obige Story basiert auf realen Tatsachen. Von fünf Leuten, die mit dem Training zu Beginn eines Jahres angefangen haben, waren wir am Ende nur noch zwei Mann. Die nachfolgenden Monate waren – zugegebenermaßen – die besten meiner jüngeren Trainingkarriere und sie dauerten solange an, bis mein Best-Buddy aus arbeitstechnischen Gründen gezwungen war, umzuziehen. Ich habe niemals wieder einen so guten Trainingspartner gehabt, wie zu dieser Zeit, doch ich pflege immernoch einen guten Kontakt zu ihm. Wir wussten schon damals, dass der jeweils Andere dem Eisen treu bleiben würde – egal wo wir uns auf der Landkarte befinden würden. Warum?

Ganz einfach: Es ist gar nicht so sehr der physische Fortschritt, sondern viel mehr die Veränderung des Mindsets im Laufe der Trainingskarriere, die uns so sehr erstaunt hat. Das Eisen formt den Körper, das stimmt. Doch es formt den Charakter in einem weitaus größeren Umfang, als ihr es vielleicht für möglich haltet – es ist wie ein Eisberg, bei dem man lediglich die Spitze sehen kann – der eigentlich interessante Part spielt sich dagegen unter der Wasseroberfläche ab und ist viel massiver.

Lange Einleitung, ich weiß. Doch solche Stories, wie die hier oben erwähnte, spielen sich tagtäglich auf der ganzen Welt ab. Viele fangen an, doch die meisten bleiben auf der Strecke. Doch woran liegt das? Zu hohe Erwartungen? Keine Geduld? Ein Zitat, über das ich sehr lange nachgedacht habe, geht in etwa so:

“Champions are made from something. Something that they’re deep inside them. A desire. A vision. They have to have the courage, to do what is necessary. They have to have the skill and the will. But the will must be stronger than the skill. […] Through passion, I gain strength. Through strength, I gain power. Through power, I gain victory. Through victory, my chains are broken.” – Quelle

Und machen wir uns nichts vor: Nicht jeder ist bereit soviel für einen solchen Lebensstil zu opfern oder soviel Disziplin und Konsistenz aufzubringen. Wie heisst es so schön? Die Spreu trennt sich vom Weizen.

Der Gast-Artikel wird sich mit dem Mindset, den psychischen Auswirkungen des Kraftsports beschäftigen. Wenn Champions bereits ein tief innewohnendes Verlangen mitbringen müssen, so behaupte ich, dass das Training diesen Rohdiamanten erst in die richtige Form bringt, damit er zu seinem vollen Potenzial gereifen kann. Welche Aspekte des Lebens sind insbesondere davon betroffen?

HIER findet ihr Part I

HIER findet ihr Part II

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