Buchrezension: The Renegade Diet von Jason Ferruggia

Buchrezension: The Renegade Diet von Jason Ferruggia

9 Kommentare

Die Renegade Diet, ein Ernährungskonzept für Abtrünnige und Gesetzlose. Dafür aber auch muskulöse und gesunde Outlaws - jedenfalls wenn es nach dem Autor Jason Ferruggia geht.

Die Renegade Diet: ein Ernährungskonzept für Abtrünnige und Gesetzlose. Dafür sind diese aber auch muskulöse und gesunde Outlaws – jedenfalls wenn es nach dem Autor Jason Ferruggia geht.

Oh noes, nicht noch ein Buch zum Thema Intermittent Fasting im Kraftsport. Oh doch, sage ich! Denn wenn man es genau nimmt, dann gibt es in der großen weiten Welt gar nicht soviele Bücher, die ein ganzheitliches Intermittent Fasting Konzept propagieren. Spontan fallen mir da nur die Warrior Diet von Ori, ESE von Pilon, das IF-Buchvon Makaya und Philipp Rauschers Abstecher ins IF durch sein F.I.T. Konzept, ein. Die ersten drei Bücher sind obendrein noch in Englisch, was den Leserkreis hierzulande noch einmal einschränken dürfte. Lediglich Philos Buch erschien in deutsche Sprache. Berardi hat zwar ein ähnliches IF-Dokument entworfen, aber das ist kein wirkliches Buch und davon entfernt als eines durchzugehen

Renegade Diet – was ist das nun schon wieder?! Der Urheber des eBooks, Jason Ferruggia, zu dem wir weiter unten noch kommen werden, ist ein Coach im Bereich des Strength & Conditioning. Das Renegade-Konzept ist, wenn wir die Sache absolut nüchtern betrachten, die logische Konsequenz einer Weiterentwicklung von Oris Warrior Diet. Die RD ist explizit auf all jene zugeschnitten, die buffed und gleichzeitig shredded werden wollen, vernachlässigt aber dabei nicht die langfristige Orientierung am Wohlbefinden und der Gesundheit.

Wie ihr nachher sehen werdet gibt es signifikante Parallelen und Gemeinsamkeiten zu Kiefers Carb Back-Loading  – so gesehen ist die RD auch eine natürlichere Version von CBL. Zumindest wenn es um den Nahrungsmittelpool geht, was das Konzept auch für all jene geeignet macht, die der kiefer’schen Mentalität zum Junk schon immer skeptisch gegenüber standen. Doch es lässt sich ebenfalls nicht leugnen dass sich diese Konzepte in ihrer Ideologie und fundamentalen Ausgestaltung teilweise von einander unterscheiden.

Was hat Jason also im Kontrast zu all den anderen Autoren aufzubieten? Was ist die Renegade Diet und was sind ihre Ankerpunkte? Lohnt sich der Blick ins Buch, oder tut man lieber gut daran einen weiten Bogen darum zu machen? All diesen Fragen werden wir auf den Grund gehen – JETZT!

Buchrezension: The Renegade Diet von Jason Ferruggia

Über den Autor: Jason Ferruggia

Jason "Jay" Ferruggia hat sich extensiv mit Oris Warrior Diet beschäftigt. Allerdings ist der Funke erst im zweiten Anlauf übergesprungen - 2008 begannen die ersten Versuche am eigenen Leib.

Jason “Jay” Ferruggia hat sich extensiv mit Ori’s Warrior Diet beschäftigt. Allerdings ist der Funke erst im zweiten Anlauf übergesprungen: 2008 begannen die ersten Versuche am eigenen Leib. (copyright by JasonFerrugia.com)

Jason „Jay“ Ferruggia ist der Mann hinter der Renegade Diet und freilich keine unbekannte Größe im Kraftsport- und Conditioningbereich. Neben seiner Coachingtätigkeit (mit weit mehr als 700 Schützlingen, die sich mittlerweile in seine Hände begeben haben und von ihm trainiert wurden) ist er auch für zahlreiche Fitness- und Gesundheitsmagazine tätig. Eine seiner bekanntesten Kolumnen, „The Hard Gainer,“ wird in regelmäßigen Abständen im Men’s Fitness Magazine publiziert. Mit über 500 Artikeln zu verschiedenen trainings- und ernährungsspezifischen Themen ist der gute Jay alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Zwar hat er noch eine ganze Reihe anderer Bücher verfasst, u.a. „Muscle Gaining Secrets 2.0,“ „Minimalist Training,“ „666 Strength & Mass,“ „Rampage,Renegade Football Strength,“ den „Renegade Recipe Guide,“ „Renegade Cardio,“ ein Bonus-Workout namens „Bad Intentions“ (für 1 $!) und eine ganze Wagenladung weiterer Trainings-, Kraft- und Conditioning-Programme.

Aber – und das muss man an dieser Stelle zugeben – die Renegade Diet ist mittlerweile zu so etwas wie seinem Baby geworden. Der Blog, auf dem zahlreiche Infos rund um die Trainingsphilosophie Ferruggias zu finden sind heisst nicht umsonst „The Renegade Rules – Lift heavy. Eat big. Live large.

Ich selbst (ver)folge mittlerweile seine Tweets und lese viele seiner neusten Artikel, da ich eine große Schnittmenge mit seinem Gedankengut für mich festgestellt habe. In wiefern das auch für euch zutrifft, werdet ihr ja gleich anschließend sehen.

Wer sich darüber hinaus noch mehr über Jay informieren möchte, der findet ihr ein kleines „About,“ welches direkt aus dem Blog stammt.

Das Buch – The Renegade Diet

Das „Buch“ ist eigentlich ein „eBuch“ – oder eben ein eBook im .pdf-Format, welches in seiner Aufmachung, einem eleganten schwarzen Cover, daherkommt. Das Versprechen auf dem elektronischen Buchdeckel könnte mit der Aussage „Losing Fat & Gaining Muscle Simultaneously is Now a Reality“ nicht vollumundiger sein. Aber da nimmt er sich nicht viel mit Kiefer & Co. wie ich finde.

Nach der Aussage „Warum sollte ich Geld für eine .pdf-Datei ausgeben, wenn ich lieber richtige Bücher lese“ folgt vom geneigten Eisenjunkie dann oftmals die Frage: „Lohnt sich der Kauf überhaupt?“ Meine Antwort: Ja, das tut es. Der Beweis dafür dass in dem Buch wirklich interessante Dinge diskutiert und erörtert werden, ist die „Leistungsoptimierung“-Reihe (eine dreiteilige Serie, die ihr hier nachlesen könnt: Teil I ; Teil II ; Teil III), die zu relativ großen Teilen auf den Empfehlungen von Jay (und dem RD-Buch) basieren. Mit rund 23,40 $ (wohlgemerkt: Dollar – in Euro: ~18,11 € beim aktuellen Wechselkurs) ist das Buch zwar kein Pappenstiel, doch dafür gibt es auch eine nette 60-Tage Geld-zurück-Garantie bei Nichtgefallen des Inhalts.

Der Inhalt – The Renegade Diet

Nachdem wir nun das Vorgeplänkel hinter uns haben, wird es Zeit auf die wirklich wichtigen Dinge zu schauen: den Inhalt des Buches. Das Konzept legt der Autor auf rund 168 Seiten dar (anders als Kiefer z.B. in CNS besteht das Buch aber nicht zu 75 % aus Tabellen, Lebensmittelgruppen, Beispielplänen und Referenzen). Okay, warum die Dinge unnötig in die Länge ziehen, wenn man das Wissen also auch in kompakt-geballter Form präsentieren kann…?

Aber nehmen wir doch einmal eine konkrete Einordnung des Werkes vor um es zunächst einmal in klarer Weise von Kiefer’s Carb Back-Loading abzugrenzen. In einem älteren Blog-Artikel hat Sean Hyson bereits die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der RD und CBL dargelegt. Damit der geneigte Leser meinen Gedanken folgen kann, werde ich dies an dieser Stelle nun auch tun:

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Ferruggias “The Renegade Diet” – leider nur als eBook erhältlich. Dafür gibt es dann auch eine Geld-zurück-Garantie bei Nicht-gefallen. (copyright by JasonFerrugia.com)

Die Gemeinsamkeiten beider Ernährungsformen liegen zum ersten in dem Zielpublikum, welches logischerweise, da wir hier auf einem Kraftsport- und Ernährungsblog sind, auch ein derartiges Klientel im Fokus hat. Dass heisst konkret: beide Systeme sind auf Kraftsportler und Bodybuilder zugeschnitten die das Maximum in Sachen Kraftoutput und Muskelwachstum aus sich herausholen wollen. Beide Formen enthalten irgendeine Form des Fastens, auch wenn diese Periode bei Kiefer nicht so extensiv ausgelegt ist (die Empfehlung, das Frühstück auszulassen oder auf später zu verschieben, findet sich aber auch bei dem DH-Guru wieder). Beide Konzepte arbeiten also mit dem Ziel der maximalen Fettsäurenfreisetzung und einem Fokus auf die Stimulation des sympathischen Nervensystems, sowie des Wachstumshormons.

Die Renegade Diet, wie auch Carb-Backloading, verlagert die Kohlenhydratzufuhr auf die Phase nach dem Training und beide sehen den „sweet spot“ des Trainings für optimale Ergebnisse zwischen 16-18 Uhr. Es wird auch vor ähnlichen insulinogen-wirkenden Lebensmitteln in der Pre-Workout Zeit (von dem Zeitpunkt, wo man aufsteht bis zum Training) gewarnt und eine ähnliche Palette an Supplementen empfohlen (Whey, Koffein, BCAAs, Fischöl usw.).

„Verdammt, das ist aber eine ganze Menge an Gemeinsamkeiten,“ werden jetzt vermutlich die meisten von euch denken, „der hat doch wieder nur abeschrieben!“ Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn trotz der vielen Gemeinsamkeiten greifen beide Autoren die grundlegende Problematik aus unterschiedlichen Richtungen an, was sich in den unten aufgeführten Differenzen der Konzepte niederschlägt:

  • Ferruggia setzt auf die Optimierung der Nährstoffaufnahme und eine entsprechende „gut health“ – also eine optimierte Magen-Darm-Gesundheit und verbesserte Verdauung.
  • Kiefer setzt auf die Herabsenkung der Verdauungseffizenz, wodurch der Anwender zwar spachteln kann wie ein Schwein ohne gleich wie ein Hefeklos aufzugehen, doch dafür  muss dieses Konzept den Ruf in Kauf nehmen, dass es für die langfristige Gesundheit vielleicht nicht die optimalste Lösung darstellt. (Was zu großen Teilen an der Wahl der Lebensmittel liegt (es wird empfohlen Junk zu essen und Gemüse übewiegend links liegen zu lassen).
  • In der Renegade Diet wird Junk Food, also hochverarbeitete Industrieprodukte, nicht glorifiziert. Ferruggia setzt auf Gemüse und komplexe Kohlenhydrate in Form einer Vollwertkost („more healthy focused“). Reis und Getreide stehen dagegen bei Ferruggia nicht sehr hoch im Kurs.
  • In Carb Back-Loading haut man sich post-workout die Jacke dagegen mit eben jenem Junk Food voll, um einen schnellen Insulin-Peak hervorzurufen.

Kurz gesagt arbeiten die beiden Autoren – trotz der vielen Gemeinsamkeiten – gegeneinander an. Ferruggia will optimieren und einen langfristigen, gesunden Weg einschlagen. Kiefer will die Effizienz senken und somit den Fettaufbau in Kombi mit einem schier brutalen anabolen Signal für Muskelaufbau, möglichst limitieren. Es ist also ein klassischer Trade-Off zwischen langfristiger Gesundheit und dreckigem (spaßigem?) Reloading. Eines ist aber sicher: wer ohnehin arge Verdauungsprobleme und/oder eine große Menge an Übergewicht mit sich herumschleppt, sollte eher für die Renegade Diet optieren. Klar, Kohlenhyddrate en masse machen Spaß, aber wenn der Grad an Entzündungen (Inflammation) und Verdauungsproblemen (poor gut health) bereits beängstigende Züge angenommen hat, dann hört der Spaß auf. Dann gibt es nur eines: die Reißleine ziehen, umdenken.

Nachdem wir dieses  Thema also beackert haben, kehren wir wieder zum eigentlichen Buch-Review zurück:

Das Inhaltsverzeichnis – The Renegade Diet

  • Introduction
  • Problems We Need to Fix
  • Dietary Myths
  • The Basic Premise
  • The Fasting Phase
  • The Under Eating Phase
  • The Over Eating Phase
  • Losing Fat & Gaining Muscle Simultaneously
  • How To Fix Your Broken Metabolism
  • Morning Training Options
  • What I Personally Do
  • Supplements
  • 12 Step Quick Start Guide
  • Renegade Diet Rules
  • Shopping List
  • Training Considerations
  • Questions & Answers
  • About The Author

Wie bereits in der Einführung erläutert, handelt es sich bei der Renegade Diet zu großen Teilen um eine Weiterentwicklung der Warrior Diet (WD) nach Ori Hofmekler (ein Review dazu findet ihr hier). Kennern der WD werden bereits an den verwendenten Fachtermini, wie zum Beispiel „Under- und Overeating Phase“ alte Bekannte wiedersehen. Dies ist auch kein Zufall, sondern gewollt, denn Ferruggia ist mit der Lektüre von Ori bestens vertraut, wie er selbst zu gibt.

Okay, hat nichts mit dem Thema zu tun, aber passt gut rein. Wer kennts noch? "The Renegade" (zu deutsch "der Ausgestoßene") mit Lorenzo Lamas. Das kultige Intro gibts btw. hier: Klick

Okay, hat nichts mit dem Thema zu tun, aber passt gut rein. Wer kennts noch? “The Renegade” (zu deutsch “der Abtrünnige”) mit Lorenzo Lamas. Das kultige Intro gibts btw. hier: Klick. Wer will denn nicht en Harley-fahrender Bastard sein?

Nach eigenen Experimenten (beginnend 2008) stellte Jay zwar fest, dass die Idee hinter dem Intermittent Fasting bei ihm für gute Ergebnisse hinsichtlich der Körperfettreduktion sorgte, doch dabei gleichzeitig die Muskeln schmelzen lies. Ganz klar: die Warrior Diet war so nicht auf Personen ausgelegt, die eine Maximierung ihrer Magermasse anstrebten UND dazu noch ripped as fuark rumlaufen wollten, was Ferruggia zu einer massiven Revision der Warrior Diet veranlasste.

Jason: “I took Ori’s original concepts and modified them for people who trained hard and often, for those who wanted to build muscle or just get absolutely shredded while training Renegade style several hours per week. […] Since 2009 I have used The Renegade Diet successfully with hundreds of clients and members […]. The results have been nothing short of astounding.

Almost without fail people are experiencing: Faster fat loss, lean muscle gains with less added body-fat, more energy during the day, improved mental focus and clarity, better digestion, improved immune system functioning” – S.4 ff.

Aufbauend auf den Fundamenten von Ori’s WD flossen am Ende aber auch Einflüsse anderer Koryphäen in das Endwerk mit ein, darunter u.a. von Brad Pilon (ESE), Robb Wolf, Dr. Chris Mohr, John Meadows, Martin Berkhan, Arthur DeVany, Paul Chek, Loren Cordain sowie Chris Ashenden und andere. Mit dem Ziel eine gesunde menschen-artgerechte Ernährung zu entwerfen, bediente sich Jay aus den Bereichen der

  • Funktionalen Medizin
  • Lebensverlängerung
  • Generelle Aspekte im Bereich der ernährungsbasierenden Gesundheit

…mit dem Schwerpunkt der Verdauungsgesundheit (deren Optimierung in der RD der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist mit dem alles steht oder eben fällt). Es handelt sich also simpel gesprochen um eine optimierte Warrior Diet, für diejenigen die viel und hart trainieren, den Muskelaufbau maximieren wollen, dabei auf eine shredded Optik wert legen und auch gewisse gesundheitliche Aspekte im Blick behalten möchten.

Um dies zu Erreichen setzt der Autor zunächst einmal ganz vorne an, nämlich bei den Problemen, die es vorher zu behandeln gilt, bevor man überhaupt daran denken sollte sich an dieser intermittent-fasting-orientierten Ernährung zu versuchen. Ein Großteil der Problematiken wurde bereits von mir in der „Leistungsoptimierungs“-Reihe abgearbeitet, für das die ausführenden Gedanken Ferruggias Pate standen.

Angesprochen werden zu niedrige Testosteronspiegel, zu hohe Östrogenspiegel, chronisch erhöhte Kortisolspiegel, die häufig unterschätzte Nebennierenschwäche, die mangelnde Insulinsensivität, eine belastete Leber („Giftleber“), Entzündungen, Übersäuerung des Blutes sowie die generelle Problematik der schlechten Verdauung, die die Funktionalität des gesamten Körpers kompromitiert.

Das zweite Kapitel, welches ich liebevoll Mythbuster nenne, beschäftigt sich mit einigen typischen Ernährungslegenden: dem Frühstück als wichtigste Mahlzeit des Tages, der Mahlzeitenfrequenz, dem unregelmäßigem Essen und dem Starvation-Mode, sowie auch der Höhe der Proteinzufuhr, dem Phänomen Hardgainer  und der Frage, in wiefern eine hyperkaloische Ernährung für Muskelaufbau nötig ist.

Kapitel 3, die Basics, gehen auf das Kurzzeitfasten und dessen hormonelle Auswirkungen ein. Neben der Darlegung des Fasten-Konzeptes (welches bei Ferruggia übrigens bei 14-16 Stunden liegt, dem Leangains also gar nicht so unähnlich ist) und den daraus resultierenden Folgen für die Neurophysiologie. Auf hormoneller Eben werden das Wachstumshormon , IGF und Insulin näher erläutert und es wird erklärt, in wiefern Fasten jener Hormone beeinflusst.

Jason: „You will also have infinitely more energy during the day because of the fact the diet turns on your sympathetic nervous system, aka “fight or flight mode.” Most people are used to operating in the parasympathetic nervous system and that is why they have such low energy levels throughout the day.” – S.36.

Die nachfolgenden Chapter beschreiben dann auch schon die einzelnen Phasen des Konzepts, namentlich die Fasting-Phase (Ziel: Detox; Enzyme-Loading, Gut Health), sowie die Undereating-Phase (Pre-Workout: ULC) und die Overeating-Phase (was bei Kiefer das „Backloading“ ist). Ferruggia führt aus, welche Lebensmittel in den einzelnen Phasen erlaubt und genehm sind und worauf man achten sollte.

Ein Aspekt, der mir in diesem Teil besonders gut gefallen hat, sind die Pre-Eating Tweaks, die das maßgebliche Ziel verfolgen den Verdauungsapparat auf die großen Nahrungsmengen vorzubereiten und so eine optimale Verdauung zu gewährleisten. Darunter finden sich Tricks wie z.B. das Verdünnen von frisch gepresstem Zitronensaft mit Apfelssig und etwas Wasser im Glas, um die HCl-Konzentration im Magen zu erhöhen, sowie das supplementieren von Enzympräperaten.

Weiter geht es mit einem Schwung an Body-Transforming Abschnitten, in denen diverse Zielsetzungen und deren Umsetzung diskutiert wird. Wie sind die Kalorienbedürfnisse zu bewerten? Wieviel Fett? Wieviel Protein? Wieviel Kohlenhydrate? Wie soll man vorgehen, wenn man den Körperfettanteil senken möchte und was ist zu tun, wenn der Fokus auf dem Muskelaufbau liegt? Das alles wird mit Beispielplänen anschaulich dargestellt. Tweaks und Modifikationen gibt es z.B. für Hardgainer, bei denen die Fastenperiode früher gebrochen werden sollte, wenn diese nicht in der Lage sein sollten, ihren Tagessatz an Kalorien aufzunehmen.

Ferruggia erläutert in How to fix your broken metabolism, wie man einen eingeschlafenen Stoffwechsel diagnostiziert und worauf es bei der Behebung ankommt. Auch hier gilt: Erst in Ordnung bringen, dann in die RD starten! Schließlich werden noch einige Anmerkungen und Modifikationen in Sachen Muskelaufbau angebracht (Body-Fat Control ; „Clean Junk“ etc.)

Jason: „When I suggest eating “junk food” please note that I am still referring to clean, organic food sources. That means you should be eating grass fed beef, rolls made from brown rice or potato starch (not wheat) and homemade fries, baked in the oven with nothing but some coconut oil; not smothered in trans-fats and deep fried.

Eating that type of crap leads to an early trip to the morgue. We are simply trying to get in more calories in here and speed up the muscle building process; not force an early death. If it’s a dessert it should be organic and homemade, not some crap you buy at the local corner store for fifty cents loaded with artificial sweeteners and other cancer causing ingredients.” – S. 83.

Die letzten beiden Sektionen, die Workout-Phase und die Supplementsektion, widmen sich zentralen Fragen ums Training herum (Fasted-Training?; Training am Morgen?). Rein von der Wahl der Supplemente gibt es eine hohe Schnittmenge mit CBL, wobei Ferrugga stärker als Kiefer auf die Ergänzung mit BCAAs setzt.

Mit dem Quick Step Guide (eine Art Blitz-Übersicht für Ungeduldige), einer Shopping-Liste, den Renegade Diet Rules und dem F.A.Q. schließt das Buch schließlich den Fall der Renegade Diet ab und lässt eigentlich so gut wie keine Fragen offen.

Wer noch was über Ferruggia erfahren möchte, kann am Ende bei About noch einen kurzen Abriss zu seinem Werdegang nachlesen.

Fazit

Das offizielle Logo von Ferruggias Renegade-Bande. Mittlerweile gibt es zahlreiche Ableger und den sogennanten "Inner Circle" für Eingeweihte.

Das offizielle Logo von Ferruggias Renegade-Bande. Mittlerweile gibt es zahlreiche Ableger und den sogennanten “Inner Circle” für Eingeweihte. (copyright by JasonFerruggia.com)

Nachdem ich nun schon mehrere Werke zahlreicher „Carb Timed Nutrition“-Ansätze ausführlich studiert und rezensiert habe, bin ich auch dazu in der Lage die Qualität des Buches besser zu bewerten. Klar dürfte sein, dass dieses Buch für kraftsportinteressierte Personen, die bereits mit der Warrior Diet gute Erfahrungen gemacht haben, das nächste Level darstellt. Die WD ist eben kein Konzept welches den Fokus auf die Maximierung der Muskelmasse (oder den Erhalt dergleichen) und Bärenkräfte legt (dafür aber auf eine Bullenausdauer bescheren kann).

Oris Ansatz ist zwar im Gegensatz zu Ferruggias Warrior Diet 3.0 (Jürgen Reis hat ja schon die 2.0 Version für sich gepachtet…) ebenfalls auf eine langfristiges Wohlbefinden ausgelegt, da auch hier überwiegend unverarbeitete und natürliche Lebensmittel empfohlen und mit Undereating-Phasen kombiniert werden. Ferruggia zeigt aber auf wie man das Konzept verbiegen muss, wenn man die pure Rekomposition anstrebt. Darüber hinaus macht er auch Kompromisse bei Personen, die ohnehin Probleme damit haben, auf ihren Tagesenergiebedarf zu kommen („Hardgainer“) – etwas das bei Ori gänzlich vernachlässigt wird.

Ferner werden eine ganze Menge interessanter Tweaks eingebracht, die ich in der Form noch nirgendwo gesehen habe. Der Hauptfokus der RD, die Verdauungsgesundheit, hat mich zugegebenermaßen schwer beeindruckt, da ich in all den Jahren eigentlich nie so wirklich drauf geachtet habe. Viele Leute schauen eher wo sie die Verdauung im Grad der Effizienz möglichst herabsenken können (Musterbeispiel CBL), um sich mehr Essen gönnen zu können – ohne dabei zu verfetten. Als Gourmet und Essensliebhaber ist das auch absolut nachzuvollziehen, denn wenn man mehr von dem Essen kann, was einem schmeckt, dann macht das Leben auch mehr Spaß. :- ) In Wahrheit stellt diese Art zu denken aber eine Sackgasse dar, denn eine schlechte Verdauung impliziert auch dass weniger der zugeführten Nährstoffe vom Körper in korrekter Weise absorbiert werden können. Probleme, die daraus erwachsen sind u.a.

  • a.) Du weißt nie wirklich, in wiefern du deinen Mikro- und Makronährstoffbedarf gedeckt hast.
  • b.) Du gehst das Risiko ein deinen Verdauungsapparat massiv zu beeinträchtigen und gegebenenfalls auch langfristig zu schädigen („wreak havoc on your gut system“); massive Verdauungsprobleme und eine hohe Entzündungsrate werden mit dem kurzfristigen Hedonismus am Abend teuer erkauft;Klar, Ferruggia adaptiert das Konzept in gewisser Weise, aber sein Ansatz ist wesentlich magen-/darmverträglicher, die Wahl der Nahrungsmittel ist sinnvoller gewählt und er installiert zusätzlich Maßnahmen, um die Verdauungstätigkeit am Abend zu boosten
  • c.) Die beiden Punkte a.) und b.) subsummieren sich alles in allem in einer herabgesenkten Leistungsfähigkeit. Mangelernährung war noch niemals ein Garant für neue PRs. Eine schlechte Verdauung inklusive der damit einhergehenden Entzündungen resultieren in permanentem (meist am Abend auftretenen) Unwohlsein, Völlegefühl und beeinrächtigen somit auch eure Kraftlevel. Natürlich kann man auch eine abgewandelte Form von CBL durchführen, doch wie ich bereits sagte, arbeiten die Systeme von der entgegensetzten Richtung aus – von daher könnte man sich auch gleich an die Renegade halten da ein Großteil der Praktien identischer Natur ist.

Anders als Kiefer,  z.B. bei CarbNite Solution und Carb Back-Loading, besteht das Buch nicht zu mehr als 50 % aus wilden Tabellen, nutzlosen Ami-Lebensmittelgruppenlisten und sonstigem Kram, den man sich auch getrost hätte schenken können (bis auf die Referenzen). Ich will hier jetzt nicht unbedingt die Miene schildern müssen, die ich nach wenigen Seiten CNS gezogen habe: Du öffnest das Buch, du freust dich auf 400 Seiten Lesespaß und dann stellst du ernüchternd fest, dass nach 100 Seiten quasi Schluss ist – Rest nur noch Beiwerk ist.  Okay, mit 168 Seiten hat sich Ferruggia jetzt auch kein Bein ausgerissen, aber dafür nimmt er keine Mondpreise, wie Kiefer bei CBL 1.0. Zusätzlich bietet Jay auch eine Geld-zurück-Garantie an, die für 60 Tage gültig ist. Zwar frage ich wie man ein eBook wieder reklamieren kann, aber da es in der Beziehung keine Probleme zu geben scheint, muss es ja funktionieren.

An dieser Stelle möchte ich aber noch eine Lanze für das altmodische, physische Buch mit Deckel und Papierseiten brechen – das es die RD nicht als gedruckte Version gibt, ist für mich auf all Fälle ein Manko und beeinträchtigt den Lesespaß insgeheim.

Ein weiterer Punkt den man Jay ankreiden muss, besteht in der eleganten Aussparungen von Referenzen und Quellen. Hier und da werden Infos in den Raum geworfen, die – wenn ich nicht schon selbst eine Ahnung aufgrund vorangegangener Recherchen hätte – so gar nicht überprüfen könnte (bzw. nur mit viel Aufwand). Das beginnt bei der insulinogenen Wirkung von Eiern, bis hin zur Hormonmodulation infolge des Intermittent Fastings und zahlreichen anderen, durchaus gut gemeinten Tipps und Tweaks (für die Leistungsoptimierungsartikel habe ich persönlich +250 Quellen rekrutiert – alles haarklein in Eigenregie zusammengesucht und nachrecherchiert – und wenn ich das hinkriege, dürfte es doch für einen Mann wie Jay auch möglich sein?!). Wer also mehr über die Hintergrundinfos erfahren möchte, der steht erst einmal auf verlorenem Posten und muss die Dinge, die Ferruggia anspricht, für wahr nehmen oder in mühevoller Kleinstarbeit überprüfen (etwas, dass man natürlich immer machen sollte. Skeptik ist immer angebracht und gut. Nur ein Narr verlässt sich gänzlich auf Guru-Interpretationen und man sollte nicht vergessen: auch diese Leute sind nur Menschen und können die Dinge falsch deuten).

Für all jene, die dann noch nicht genug von der Renegade Diet haben, gibt es noch weitere Basislektüre (z.B. der Rezeptguide und der Cardio Guide; siehe oben – beides habe allerdings noch nicht gelesen). Zusätzlich hat Ferruggia einen sogenannten „Renegade Inner Circle“  ins Leben gerufen, zu dem nur wenige Mitglieder Zugang haben. (geknüpft an Monatsbeiträge, soweit mir bekannt, aber man kann wohl für 1 $ oder so einen Probemonat nehmen und reinschnuppern bzw. checken inwiefern der dort präsentierte Content sein Geld wert ist – siehe auch hier für zustätzliche Infos).

Wem würde ich die Lektüre empfehlen? All jenen, die von der WD begeistert sind, schwer trainieren, eine langfristige Gesundheit bei optimalem KFA und einem adäquaten Magermasseanteil im Blick haben und sich im Intermittent Fasting-Kosmos wohl fühlen.

Was mir gefällt

  • Ganzheitliches, auf eine langfristige Gesundheit ausgelegtes IF-Konzept.
  • Summarys am Ende der Kapitel; ideal zum Nachschlagen.
  • Viele häufig gestellten Fragen (F.A.Q.s) am Ende des Buches.

Was mir nicht gefällt

  • Keine Referenzangaben; Folge: man muss alles selbst nachrecherchieren.
  • Nur als eBook-Format erhältlich.
  • Hätte meiner Meinung nach auch ruhig noch ein wenig umfangreicher sein können.
  • Wie so oft wird keine Unterscheidung zwischen den IF-Prämissen von Mann und Frau gemacht (was ich mittlerweile als überaus wichtig erachte).

Damian aka Furor Germanicus

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Bildquelle Titelbild: The Renegade Diet

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Buchrezension: The Renegade Diet von Jason Ferruggia - Übersicht
Preis
Aufmachung
Inhalt

Zusammenfassung Solide Weiterentwicklung von Oris Warrior Diet. Einziges Manko: Fehlendes Quellenverzeichnis!

3.63 Durchschnittlich
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  • Tobi

    Klingt sehr interessant! :-) hab jetzt schon öfter gelesen, dass ein Guide geplant ist, Furor!? Wie sieht’s damit aus? Würde mich sehr drüber freuen! :-)

    • Hey Tobi,

      ‘s richtig. Ich arbeite derzeit mit Krummy, einem Stammuser aus unserem Board zusammen (der auch Zugang zum Renegade Inner Circle hat und folglich daraus auch Wissen einfließen lassen wird; also Aktualisierungen und Dinge die im Buch nicht mehr drin sind). Deswegen denke ich, dass der Guide auch für alle lesenswert sein wird, die das Buch haben. ;) Wann das Teil fertig ist? Weiß ich noch nicht genau, aber es kann durchaus sein, dass wir irgendwann ein Zeitfenster finden und das Ding in einer Nacht-und-Nebelaktion schreiben (so wie den CBL- und CNS Guide; alle innerhalb einer Nacht zusammengeschrieben ;)).

      Einfach regelmäßig die Seite checken; dann gibt es nichts zu verpassen.

      gruß
      Damian

      • Tobi

        Hey!
        Ah, sehr coole Sache! Freu mich schon drauf, ich find den Ansatz sehr interessant, da er ja CBL mit Gesundheit und IF verbindet.
        Die Seite wird aber eh täglich gecheckt, ist echt großartig!

        • …und so soll es auch sein ;) Neuer Input belebt das Geschäft. Ich versuche derzeit so alle 2-3 Tage einen Artikel zu bringen, was für ein 1-Mann-Projekt in meinen Augen schon eine solide Frequenz ist ;)

          besten Gruß
          Damian

  • Johann K.

    Hallo zusammen,finde den Artikel echt interessant zur Renegade Diet und bin jetzt vorallem an dem buch interessiert :)Leider funktioniert euer Link zum Buch aus irgendeinem Grund nicht. Wäre es evlt moeglich mir einen Link zu schicken, wo ich die deutsche ebook Ausgabe zur Renegade Diet kaufen kann ?
    Mit freundlichen gruessen Johann K.

    • Hey ho Johann,

      sieht aus als ob die Seite temporär nicht zu erreichen wäre. Denke das ändert sich in den nächsten 2 Tagen. Ich werde da mal ein Auge drauf halten und mir sonst was anderes überlegen.

      gruß
      Damian

  • Johann K.

    Waere echt toll wenn du noch ne Alternative findest, bin naemlich echt interessiert an dem buch und gespannt drauf es zu lesen.
    Danke schon mal fuer die Bemuehungen.

    • Johann K.

      ah gut, der Link geht wieder :)
      Vielen Dank, wenn ich das buch über den Link kaufe, ist es dann auch auf Deutsch ?

      • Ahoi Johann,

        leider nicht – es gibt nur die englische Version. Das Englisch ist aber nicht so schwer, dass man es nicht mit Schulkenntnissen versteht. Bei Fragen und Co. hilft unser Forum und die Mitglieder immer weiter; auch wenn du mal was nicht kapieren solltest!

        besten Gruß
        Damian