Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil II

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil II

0 Kommentare
Interview_Zippel_AS_P2

Erst ab- dann wieder aufgetaucht: Christian Zippel im Gespräch. Der zweite Teil des Interviews dreht sich um Prinzipien, Beständigkeit, Personenkult und die Minimalisierung der eigenen Umwelt, das Abnehmen.

Eigentlich pflege ich ja bei einem mehrteiligen Artikeln stets ein umfassendes Review zu den im vorgehenden Installment getätigten Aussagen zu schreiben, damit meine Leser zum einen rekapitulieren können was sie vor wenigen Tagen bereits gelesen haben und andererseits um sie auf den bevorstehenden Input vorzubereiten.

Nun … das entfällt natürlich bei einem Interview zum größten Teil: Jeder von euch liest die Zeilen und muss sie für sich selbst deuten und bestimmen. Quasi ihren Sinn und Zweck auf die persönliche Situation übertragen und anwenden. Es gibt kein Richtig und es gibt kein Falsch – jeder von uns schafft sich seine eigene Realität und interpetiert die Welt und seine Umgebung – jeden Tag – auf eine neue, einzigartige individuelle Art und Weise.

Daher spare ich mir an dieser Stelle ein ausführliches Briefing und wünsche euch viel Spaß mit dem zweiten Teil des Interviews/Gesprächs mit Christian. Möget ihr erleuchtet werden. ;-) Falls ihr den ersten Teil verpasst habt, könnt ihr ihn hier nachlesen.

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil II

Aesir Sports / Damian: Da bin ich voll und ganz bei dir, Christian. Das Training selbst, ein Funke – mag er zu Beginn noch so klein und unbedeutend sein – kann innerhalb kürzester Zeit zu einem wahren Feuersturm anwachsen, wenn man ihn nur lang genug glimmen lässt und regelmäßig füttert. Ist die Flamme erst geboren und das Feuer entfacht, gibt es nur wenige Dinge die eine ausgewachsene Flammendwand noch stoppen können.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein sehr bewegendes Statement ein, welches ich an dieser Stelle unbedingt mit den Lesern und dir teilen muss:

„Your successes fuel your ambition. Your successes give you extra energy. Your successes pave the way for more successes. The disciplines that were so difficult in the beginning, the disciplines which got you going are now part of your philosophy. The essence of life is growth…the essence of life is growth to do the best you can. The more you do, the more you get…” – Quelle

Das Video selbst enthält noch eine ganze Reihe weiterer denkwürdiger Zitate die es allesamt wert wären an dieser Stelle genannt zu werden, doch gerade dieser eine Passus treibt mir jedes Mal die Gänsehaut in den Rücken. Wir reden hier ja offensichtlich über ein gewisses Momentum, welches durch eine Trainingsroutine in Gang gesetzt wird. „The more you do, the more you get.“ Würdest du diesen letzten Satz so stehen lassen? Würdest du ihn ergänzen oder sogar ablehnen? Kann das Feuer zu kräftig lodern? Ausser Kontrolle geraten? Falls ja: Wie kann man es wieder unter Kontrolle bekommen und in gesunde Bahnen lenken?

Wir leben in einem Informationszeitalter in der es zu jeder Studie eine entsprechende Gegenstudie gibt. Gurus und Experten widersprechen sich diametral und jeder versucht seinen eigenen heiligen Gral an den Mann zu bringen. Du sagst: Mens fortis in corpore forti. Doch woher weiß ich welche Routine, welche Ernährung und welche Bücher mich auf diesen Pfad bringen? Gibt es in deinen Augen auch einen Zeitpunkt an dem man die Scheuklappen aufsetzen sollte, um sich Zeit zu nehmen, das angelesene Wissen auf persönlicher Ebene anzuwenden? Oder siehst du den ganzen Entwicklungsprozess als eine Art paralleler Werdegang? Und wie gehst du selbst vor, wenn du dich über ein bestimmtes Thema, was dich neugierig gemacht hat, genauer informieren willst?

Christian: Nicht mit hunderten von Dingen, Beschäftigungen und Verpflichtungen überlasten, sondern sich auf das konzentrieren, was man will und was man kann und was uns (uns selbst, die Gesellschaft und die Natur) weiterbringt. In diesem Sinne gilt auf jeden Fall: Je mehr Du investierst, desto mehr wirst Du erhalten!

Wer nicht gibt, wird auch nicht empfangen. Es gilt, im Fluss zu bleiben. Wo er stockt, verliert er seine Kraft, dreht sich um Hindernisse, trägt Müll mit sich, zerfließt und versiegt. Das war auch Grundprinzip der Stoiker: Im Wohlfluss des Lebens bleiben, ohne sich von „Adiaphora“ (Nebensächlichem) aufwühlen und ablenken zu lassen.

Christians erstes Buch, "Der Wille zur Kraft," ist eine Symbiose aus Kraftsport, Bodybuilding und Philosophie. Die Gier nach Masse ist gewichen, doch die Philosophie ist geblieben.

Christians erstes Buch, “Der Wille zur Kraft,” ist eine Symbiose aus Kraftsport, Bodybuilding und Philosophie. Die Gier nach Masse ist gewichen, doch die Philosophie ist geblieben.

Auch in der Wirtschaft gilt: Wer Geld verdienen will, muss erst welches ausgeben. The flow must go on! Ich erlebe das oft bei Klienten, bei denen die Entwicklung stockt. Sie leben nicht im Fluss. Denken nicht im Fluss. Sie stocken, haben sich festgefressen, in ihren momentanen Denk-, Glaubens-, Besitz- und Verhaltensmustern. Leider sind es genau diese, die erst in die Misere geführt haben. Umdenken ist angesagt. Wer das schafft und ein neues Leben installiert, wird es leicht haben.

Wer z.B. abnehmen will, sollte auch in seinem Besitz, Verhalten und Bekanntenkreis abnehmen – und so lernen, von Quantität auf Qualität umzuschalten. Ebenso gilt es, die Natürlichkeit der Bedürfnisse wieder herzustellen und nur noch zu essen, wenn man Hunger hat und nicht auch, wenn man sich langweilt, allein ist oder mies fühlt. Das Problem ist nur oberflächlich betrachtet: zu viel essen. Tatsächlich ist es: falsch essen.

Wer einfach weniger zu essen versucht, ändert nichts an den Problemen. Deswegen scheitern reine Diäten immer – sie sind zwanghaft, doktern nur an den Symptomen herum und danach spielt das Jojo seine Rolle. Ein Trainer, der seinem Schützling nicht mehr als einen Essensplan mit auf den Weg gibt, hilft nicht weiter.

Ein dicker Mensch ist wie jemand, der ständig sein Auto betankt, obwohl der Tank bereits voll ist. Ein Essensplan hilft da so viel wie ein Tankwart, der das Benzin rationiert und übermäßiges Tanken verbietet. Unmündiger kann man einen Menschen nicht behandeln. Das ist Zwang pur. Denn was passiert?

Das Prinzip der künstlichen Verknappung tritt ein, man spürt einen Mangel, der größer zu werden droht. Umso heftiger wird das Verlangen, umso größer die Fressattacken, die Frustration und umso schwerer wird es, abzunehmen. Das Ergebnis: Das Bewusstsein will abnehmen, aber das Unbewusste will aufbauen, so viel wie möglich, bevor die Verknappung noch größer wird. Der Fluss gerät ins Stocken, man selbst ist total durcheinander. Auf der Waage passiert fast nichts.

Nimm dem Kind ein Spielzeug weg und es wird nichts sehnlicher wollen, als genau dieses. Je mehr man es ihm verbietet, desto zwanghafter wird es damit spielen, wenn gerade niemand zusieht. Koste es, was es wolle. Das Ding wird immer mehr zum Mittelpunkt des Lebens, selbst wenn es Probleme bereitet oder gar die Gesundheit schädigt.

Klärst Du das Kind hingegen auf und machst ihm (un)bewusst, dass es nur ein banales Spielzeug ist, dann wird es sich nicht mehr davon beherrschen lassen. Es wird keine Rolle mehr spielen und die damit zusammenhängenden Probleme werden obsolet.

Wer sich aus solchen Zwängen befreit und wieder Fluss (den Einklang zwischen Bewusstem und Unbewusstem) in sein Leben bringt, bei dem wird sich der Körperfettgehalt nebenbei normalisieren. Ohne Probleme. Mit dem Aufbau ist es vom Prinzip her nicht anders.

Viele glauben, dass mehr Training und Proteine allein zum muskulösen Traumkörper führen. Pustekuchen! Die meisten wollen nicht aus innerem Antrieb groß, schön und stark werden, sondern weil es Eindruck schindet und ein gesellschaftliches Ideal ist. Wenn es aber nicht das eigene ist, entsteht Zwang, was wiederum den Fluss ins Stocken bringt. Das Ergebnis sind Studios und Foren voll von Leuten, die sich körperlich kaum verändern – weil sie sich geistig nicht verändern (und dann auf ihre Genetik schimpfen, über Supplements kompensieren, neidisch werden, unüberlegt zu Steroiden greifen und nach Abkürzungen suchen).

Nur wer will, was er tut, wird erfolgreich sein! Entwicklung trainiert man nicht, man lebt sie. Keine halben Sachen. Deswegen würde ich das Prinzip erweitern: The more you want, what you do, the more you get.

Kann das zu viel werden und außer Kontrolle geraten? Menschlich betrachtet sicherlich. Wenige verstehen, dass man etwas extrem leben will, aber auch nur wenige schaffen wirklich Weltbewegendes. Viele Menschen sind Pausen in der Symphonie des Lebens – sagte Nietzsche. Wer willst Du sein? Wozu Mensch, wenn man nach Übermenschlichem strebt? Sicherheit oder Entwicklung? Für mich gilt das Credo: Wenn Du vor dem nächsten Schritt keine Angst hast, ist er nicht groß genug!

Darum geht es auch, um Schritte und nicht ums Streiten – mit „Gurus und Experten“. Ich habe das oft genug gemacht und es bringt nichts, sich im Internet oder sonst wo Studien und Theorien um den Kopf zu schlagen. Ich habe das hinter mir gelassen. Ich will schreiten, nicht streiten und raus aus der Profilierungsgesellschaft. Ich will nicht besser sein als die anderen, sondern besser werden als ich selbst. Gurus sind egal, Studien sind egal, Schwanzvergleiche sind egal – mach Dein Ding, steh dazu „and don’t listen to the naysayers.“ Natürlich gelten auch die anderen fünf Artikel des Arnoldevangeliums.

Christian: „Viele glauben, dass mehr Training und Proteine allein zum muskulösen Traumkörper führen. Pustekuchen. […] Das Ergebnis sind Studios und Foren voll von Leuten, die sich körperlich kaum verändern – weil sie sich geistig nicht verändern […].“

Nichts ist wertvoller als eigene Erfahrungen zu machen. Durchs Palavern wachsen keine Muskeln und Körperfett verbrennt man auch nicht viel dabei. Allenfalls an Vor-Bildern kann man sich orientieren: Menschen mit ähnlicher Veranlagung, die da sind, wo man hin will. Was lesen die? Wie trainieren die? Wie ernähren sie sich? Wie haben Sie Ihre Probleme gelöst? Wie denken und leben sie? Keinen Personenkult – nur Etappen, die es zu erreichen gilt, um sie zu überwinden und noch besser zu werden. Mit solchen Leuten diskutiere ich gerne und ich lese auch aufmerksam, was sie schreiben. Aber das ist dann eher was fürs persönliche Gespräch – ohne Neid und Streit.

307800_438309839538417_816100465_n

Christian Zippel – hier beim “abhängen” am Marienplatz. Was zählt, ist, was draußen passiert und was du mit deiner Zeit anfängst.

Scheuklappen? Auf jeden Fall. Selektive Ignoranz will gepflegt werden; gerade heute, wo sich das „Wissen“ explosiv vermehrt und jeder, der schreiben kann, seine Meinung im Internet kund tut. Bezeichnend ist, dass die Zahl der Ahnungslosen und Verwirrten ebenso rasant wächst. Scheinbar wissen wir immer weniger weiter, je mehr wir wissen. Wer Erfolg will, sucht sich genau aus, von wem er sein Wissen bezieht, geht seinen eigenen Weg und ignoriert gezielt, was ihn davon abbringt. Stumpfsinn wird uns ganz sicher nicht weiterbringen.

Aesir Sports / Damian: „Wer z.B. abnehmen will, sollte auch in seinem Besitz, Verhalten und Bekanntenkreis abnehmen – Wow, das ist sicherlich harter Tobak in den Ohren einiger, auch wenn ich nachvollziehen kann, was du damit meinst, da ich es selbst schon oft am eigenen Leib erfahren durfte. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine ganze Menge Leute, die scheinbar mit dem was sie haben, zufrieden sind. Sie waren mit mir im Kindergarten, in der Schule und haben eine Ausbildung absolviert. All das waren Dinge, die sie zum lernen gezwungen haben. Vielleicht nicht mit physischer Gewalt, doch der gesellschaftliche Zwang war unbestreitbar stets zugegen. Was ist aus diesen Menschen geworden?

Die meisten haben die Schule erfolgreich beendet, ihre Ausbildung gegebenenfalls mit Bravour bestanden und sind nun in einer beliebigen Firma X tätig. Was ich mit Bedauern festgestellt habe: Viele von ihnen haben ab diesem Zeitpunkt aufgehört, sich zu verändern. Sie leben ihr routiniertes Leben und gehen nach der Arbeit müde nach Hause, wo sie – in gewohnter Manier – mit ihrer Mahlzeit vor dem Fernseher oder im Internet versacken. Bücher, die man in der Schule schon nicht gerne gelesen hat, werden heute nur noch verächtlich gemustert. Weder der Körper, noch der Geist wird genährt: ein Zustand der Stagnation. Ein Großteil dieser gesellschaftlichen Zombies lebt prinzipiell nur noch für das Wochenende – und den Exzess. Leider ist es oftmals auch so, dass ein Teil dieser Leute es auch einem selbst nicht gönnt, wenn sie sehen, wie viel Mühe man sich mit der eigenen Entwicklung gibt.

  • „Wozu trainierst du so oft in der Woche?“
  • „Wieso isst du sowas?“
  • „Das ist doch ungesund was du machst!“
  • „Lies mal weiter deine Bücher – bringt doch sowieso nichts.“

Alles schon gehört, alles schon erlebt und manchmal ist es wirklich besser Leute zurückzulassen, die einen davon abhalten das zu werden, wonach man strebt. Doch was macht man, wenn diejenigen, die einen abhalten zur eigenen Familie gehören, Christian? Ich lese allzu oft in den Foren von jungen, hoch-motivierten Anfängern die um Rat fragen: „Hilfe, meine Familie akzeptiert meinen angestrebten Lifestyle nicht. Niemand unterstützt mich und alle buttern mich unter. Was soll ich tun?”

Jeder von uns war in diesem Alter, wo er dachte ihm gehöre die Welt und alles ist möglich. Welchen Rat würdest du diesen – noch jungen – Menschen auf den Weg geben? Soll man sich von der Familie lossagen und seinen eigenen Weg, komme was wolle, gehen? Übertreiben es die Jünglinge vielleicht einfach nur und wäre die richtige Lösung eher in der Maßhaltung?

Konkret: Welchen Weg sollen die Menschen nehmen, wenn sich die ganze Welt gegen einen verschworen zu haben scheint? Wenn die Widerstände derart groß sind, dass sie unüberwindbar erscheinen? Wenn die Sonne nicht scheint und kein Regen fällt – wie soll das Leben dann weiter wachsen? Wie soll man für so einen Weg die nötige Kraft schöpfen? Natürlich weiß ich auch, dass pauschale Aussagen in so einem Kontext schwer zu tätigen sind, doch würde mich deine Ansicht zu diesem Thema sehr interessieren (eben weil es so oft vorkommt!).

Christian: Jaja, Pubertät… Die Zeit, in der die Eltern schwierig werden. Das ist nur natürlich. Wenn es ab einer bestimmten Phase der Entwicklung keinen Streit geben würde, hätten die Nachkommen nie den Drang, sich zu trennen und ein eigenes Leben zu führen. Das zieht sich durch die ganze Tierwelt, sorgt für freie, unabhängige Individuen, die Verbreitung der Gene und Meme und schützt vor Inzucht.

Sind eigentlich nur die Eltern schuld? Zuerst sollte man sich in die Lage der Familie versetzen. Wie auch immer sie leben mag, meist ist sie verständig und vor allem ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Wenn der Sohn oder die Tochter alles andere als beständig sind, viel anfangen, aber wenig zu Ende bringen, ihre Ziele und Wünsche nicht kommunizieren, selbst nicht offen für Vorschläge sind und ihre eigene Philosophie nicht begründen können, dann ist es kein Wunder, wenn man sich erstmal gegen das sperrt, was die liebe Nachkommenschaft da (schon wieder) ausbrütet.

Christian: „Selektive Ignoranz will gepflegt werden; gerade heute, wo sich das `Wissen` explosiv vermehrt und jeder, der schreiben kann, seine Meinung im Internet kund tut.“

Verständnis, Vertrauen und Freiheit muss man sich erarbeiten und verdienen – über Jahre hinweg. Wer das nicht schafft, wird es auch mit der eigenen Entwicklung nicht weit bringen. Natürlich gibt es die saufenden, intoleranten Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen und auf Ballermannniveau herunter ziehen; aber die sind selten. Meist sollten sich die jungen Athleten an die eigene Nase fassen.

Ja, ich weiß, es ist schwer, mit den lieben Eltern auf gleicher Ebene zu diskutieren, aber es funktioniert. Wie sollen sie Euch je die Freiheiten eines Mannes bzw. einer Frau gewähren, wenn Ihr Euch verhaltet wie wankelmütige Kleinkinder? Werdet erwachsen: Seid konstant, in dem, was Ihr denkt, sagt und tut! Dann kann Euch niemand im Wege stehen. Vermittelt und verteidigt Euren Standpunkt mit guten Argumenten – die muss es geben, oder warum macht Ihr überhaupt, was Ihr macht?

46031_458793837490017_970795075_nWer wirklich für das Training brennt, der kann das immer und überall jedem Zweifler begründen und die eigenen Prinzipien darlegen. Das muss nicht auf Anhieb überzeugen, es muss nur zu einem Ziel führen und in sich logisch sein. Wer nicht dazu in der Lage ist, sollte in sich gehen und überlegen, was er da macht und ob es das Richtige für ihn ist? Schwammige Prinzipien führen  zu schwammigen Ergebnissen!

Das ist der nächste Punkt: Meist muss man sich für sein Vorhaben nur rechtfertigen, wenn man dafür die ganze Welt auf den Kopf stellt, aber kaum Ergebnisse vorzuweisen hat. Das ist ein Warnsignal und stößt zu Recht auf Unverständnis. Und da zählt auch nicht der Spruch: „Ich bin ja noch am Anfang, aber bald…“ Das sind Ausflüchte. Wer es richtig angeht, wird schnell sichtbare Ergebnisse vorweisen können – ohne dabei seinen Mitmenschen mit allerlei Hokuspokus auf die Nerven zu gehen.

Der Hype um Training, Ernährung und Weiterbildung ist oft zu gekünstelt; gerade in den ersten Jahren, in denen man noch nicht weiß, wie simpel es ist, die eigene Entwicklung zu steuern – ohne es allen auf die Nase zu binden. Einfach machen und weniger darüber reden. Es tun, als wäre es selbstverständlich. Etwas mehr Understatement, bitte! Macht es für Euch – das ist die beste Motivation und schafft Anerkennung ohne Angeberei.

Schon mal versucht, die wachsenden Stärken zum Nutzen der Mitmenschen zu verwenden? Ein tragender Pfeiler der Familie und des Freundeskreises zu werden, ist der beste Weg, um seinen Platz zu behaupten. Wer Vorhaltungen bekommt, macht etwas falsch und geht evtl. zu egozentrisch mit seinen Fähigkeiten um. Gebt Euren Mitmenschen stets mehr, als sie erwarten. Seid schneller, besser und hilfsbereiter – als ihr eigentlich sein müsstet. Geht mit Euch selbst am härtesten ins Gericht. Überrascht alle!

Sich in der Ellenbogengesellschaft zu behaupten mag stark erscheinen – wirklich stark ist, wer so viel Kraft hat, dass er darüber stehen kann, hilfsbereit und selbstkritisch ist und trotzdem erreicht, was er will – spielerisch und fair. Es lohnt sich. Geld und Zeit sind beschränkt und werden auf der Ellenbogenebene minutiös berechnet. Dankbarkeit kann grenzenlos sein und wenn Ihr selbst mal alles verloren habt, wird man Euch mehr geben, als Ihr erwartet. Auf dem richtigen Weg seid Ihr, wenn die Menschen sich Euch öffnen und Ihr Sätze hört wie:

  • „Dein Körper hat sich super entwickelt. Kannst Du mir auch ein paar Übungen zeigen?“
  • „Echt eindrucksvoll, wie Du das mit der Ernährung hinbekommst. Wie schaffe ich es nur, mich auch so zu ernähren?“
  • „Mein Rücken bringt mich um. Was soll ich nur tun?“
  • „Das ist ja interessant. Wie heißt das Buch?“

Es ist gut, wenn man Widerstand aus den eigenen Reihen erfährt – so wird man dazu motiviert, Einklang in das eigene Leben (Denken, Sagen, Handeln) zu bringen, von Firlefanz abzulassen und sich stärker einzubringen. Wer das schafft, wird beliebt und erfolgreich. Eine der wichtigsten Lektionen des Erwachsenwerdens. Was danach auf einen wartet, wird weit fordernder.

Christian: “Der Hype um Training, Ernährung und Weiterbildung ist oft zu gekünstelt; gerade in den ersten Jahren, in denen man noch nicht weiß, wie simpel es ist, die eigene Entwicklung zu steuern – ohne es allen auf die Nase zu binden.”

Leider knicken hier schon viele ein, versperren sich, wenden sich ab und lernen diese Lektion nie. Entsprechend unharmonisch, schwach und engstirnig verläuft das eigene Leben. Kontakte entstehen nur sporadisch und werden schnell wieder aufgegeben, wenn Widerstand auftritt. Weglaufen hat ja schon mal geklappt. Dabei wird es doch jetzt erst lehrreich.

Lasst es nicht so weit kommen! Seht es als Training Eurer sozialen Stärke. In fast allen Fällen, die ich miterlebt habe, ließen sich mit Mut und Einsatz, auch noch die unsportlichsten Eltern zumindest zur Akzeptanz bewegen. In nur einem Fall waren die Fronten so verhärtet, dass der Bruch die richtige Lösung war. Nachträglich hat der gewonnene Abstand, zu einer Versöhnung und gegenseitigem Respekt geführt. Also kämpft für Euch und Euren Platz in der Familie – Ihr habt nur eine. Eine, die Euch versorgt und ein Zuhause gibt. Was könnt Ihr für sie tun? Wie wollt Ihr in der Gesellschaft glücklich und selbstbestimmt leben, wenn es nicht einmal daheim klappt? Wie wollt Ihr eine eigene, starke und einheitliche Familie gründen, wenn Ihr in der Jugend nicht gelernt habt, wie so eine auszusehen hat?

Anders sieht es bei Menschen aus, mit denen Euch nicht viel verbindet und die alles andere als vorbildlich leben oder mit Familienangehörigen, deren Verhalten untragbar ist. Wenn sie sich und Euch bremsen, belügen oder misshandeln, dann verabschiedet Euch – schnell und kompromisslos. Egal wie schwer das ist. Es gibt Milliarden von Menschen, da muss man sich nicht an den Abschaum binden. Wer sich mit Arschlöchern umgibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nur Scheiße erlebt.

Es gibt wundervolle, anregende und mitreißende Persönlichkeiten, die Euch aufrichtig begegnen, ehrlich kritisieren und wohlwollend behandeln. Findet sie, liebt sie, verteidigt sie, kritisiert sie, gebt ihnen mehr, als sie erwarten und habt zusammen eine starke Zeit – denn die ist knapp!

Aesir Sports/Damian: Ich mag die Sicht, die du hier darstellst. Statt sich als Opfer zu sehen – wie es so viele gerne tun – sollten auch die Trainingsanfänger lernen, Verantwortung für ihr Tun und Handeln zu übernehmen. Der erste Schritt (von vielen) in sein selbstbestimmtes Leben. „Schwammige Prinzipien führen zu schwammigen Ergebnissen,“ das ist ein Punkt unter vielen, der mir neben der von dir auch angesprochenen Unbeständigkeit am jungen Volk vermehrt auffällt, was mich einmal mehr an die berühmte Metapher mit dem Boot im weiten endlosen Meer erinnert: Wie will man jemals am Ziel ankommen, wenn man einfach ins Blaue segelt oder sich vom Meer treiben lässt. Klar, vielleicht kommt man so an interessante Orte und lernt viele neue Menschen kennen, doch in so einer Situation darf man nicht erwarten dort herauszukommen wo man gerne sein würde.

Ein schönes Zitat, welches mir in diesem Kontext der Beständigkeit, der Zielsetzung und dem Treffen von Entscheidungen einfällt (ein Aspekt, den ich in meinem erst kürzlich erschienenen Artikel „Iron body, iron mind: Eine (psychsiche) Lektion fürs Leben“ behandelt habe), stammt aus einem Interview mit Will Smith:

There’s a redemptive power that making a choice has rather than feeling like you’re an effect to all the things that are happening. Make a choice. Just decide what it’s gonna be, who you’re gonna be, how you are going to do it. Just decide. And from that point, the universe will get out of your way. Its water. It wants to go around stuff, you know?”- Quelle

Thema Gewohnheiten und Beständigkeit: Wir alle sind nicht perfekt. Ach machen wir uns nichts vor: einige von uns haben wirklich üble Schrullen, schlechte Angewohnheiten, schädliche Angewohnheiten, die vielleicht trotz guter Intentionen für die von dir angesprochenen „schwammigen Ergebnisse“ sorgen. Wie gehst du mit solchen Dingen um? Was würdest du all jenen empfehlen, die mit solch einem Habitus zu kämpfen haben, der sie permanent in ihrer Entwicklung zu behindern scheint? Wie kann man dieses schlechte Verhalten ablegen, verlernen? Und wie erarbeitet man sich Beständigkeit? Kann man das überhaupt so einfach? Welchen Rat kannst du unseren Lesern für die Verwirklichung ihrer Ziele geben?

Ein anderer Punkt den du hier anschneidest, betrifft die anfängliche Bescheidenheit des Traininganfängers. Ich denke, dass ein Großteil der Leser eine von dir beschriebene Entwicklung an irgendeinem beliebigen Zeitpunkt der Trainingskarriere durchlebt hat. Dahinter steckt meiner Meinung nach das Optimierungskalkül – der Wunsch, aus allem was man tut das Beste (nicht das Gute!) herauszuholen. Denkst du man kann diesen Entwicklungsschritt der Euphorie, der Begeisterung und der Verbissenheit so einfach überspringen? Handelt es sich nicht eher um eine Erfahrung, die jeder für sich persönlich erleben muss, um zu erfahren, was funktioniert und was nicht? Es ist richtig: Niemand macht gerne Fehler, aber sind es nicht gerade diese Fehler, die im Lernprozess am nachhaltigsten sind? Der Mensch wächst am Widerstand – aber welchen Rat kann man den jungen Wilden geben, wenn dieser Widerstand einen zu erdrücken scheint?

Christian: Durch unser Leben schlängeln sich zwei Biester, die uns immer wieder beißen und vergiften: Trägheit und Trivialität. Wie simpel ist es doch, sich gehen zu lassen und mit Nichtigem zu beschäftigen? Wie schwer ist es hingegen, die eigene Trägheit zu überwinden und sich mit höheren Anforderungen zu konfrontieren? Morgens mit der Sonne aufstehen, trainieren und sich unter die kalte Dusche stellen oder bis mittags dösen, Chips futtern und im Internet surfen?

Die Komfortzone ist kuschelig warm – die Welt des Widerstandes ist unwirtlich hart. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Weg er wählt. Der träge, weichliche Weg fühlt sich schön an, führt aber zu nichts Besonderem. Er ist leicht zu bewältigen und milliardenfach geprüft. Der harte Weg ist riskanter, aber vielversprechender. Er verlangt Reflektion, Selbstzerstörung und Kompromisslosigkeit und belohnt jeden, der dies Wagnis auf sich nimmt, umso mehr, je intensiver er diese Phasen durchlebt.

Christian: „Die Komfortzone ist kuschelig warm – die Welt des Widerstandes ist unwirtlich hart. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Weg er wählt. Der träge, weichliche Weg fühlt sich schön an, führt aber zu nichts Besonderem.“

Nur wenige lieben diesen Weg und wollen ihn wirklich gehen. Die meisten wollen die Erfolge ernten, die man nur durch harte Arbeit erlangt, aber dabei in ihrer Komfortzone bleiben. Halbherzige Versuche, aus diesem Kokon auszubrechen, führen da zu keinem Durchbruch. Beständigkeit ist weit entfernt.

Von außen lässt sich das nur mit viel Einsatz ändern. Das Feuer muss von innen kommen. Es muss erwachsen aus Erkenntnis und Verachtung der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit, gepaart mit himmelhohem Selbstanspruch und dem Bewusstsein, dass Grenzen nur Konventionen sind, dass all die Schranken, die sich vor einem ausbreiten, überwunden werden können – wenn man den Willen dazu hat. Dieser Wille, dieser Funke glimmt in jedem von uns. Doch nur wenige entwickeln solch radikale Gedanken oder machen derart extreme Erfahrungen, die das Feuer entfachen und das ganze Leben in Brand setzen. Wenn das nicht klappt, klappt der Rest auch nicht. Dann geht einem schnell der Sprit aus, dann bleibt man normal und hat normale Ergebnisse vorzuweisen.

…soon to come: Teil III des Interviews!


Opt In Image
Werde zum Fitness- & Ernährungsexperten!
Schlanker, stärker, ästhetischer, gesünder!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte - neben weiteren hochwertigen und einzigartigen Infos rund um Fitness, Gesundheit & Ernährung - regelmäßige Updates und Neuigkeiten rund um Aesir Sports.

Unser Versprechen: Kein Spam - nur 100% Aesir Sports!


Teile diesen Artikel: