Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil III

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil III

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Im dritten und letzten Teil führt Christian Zippel seine Gedanken um Leidenschaft und inneres Feur zu Ende und: sein derzeitiges Leben im Paradies.

Der letzte Teil des Interviews mit Christian dürfte mit Abstand der Größte sein. Dennoch wollte ich diese dargebotene Erfahrung nicht noch einmal zu einem Teil III und einem Teil IV verhackstücken. Aber, und das muss man an dieser Stelle auch anstandslos zugeben: der dritte Teil hat mich von allen bisherigen Parts am meisten beeindruckt. Doch worum geht es jetzt?

Zuerst einmal geht es um die Leidenschaft, die uns alle (so hoffe ich doch wohl) auf dieser – und noch vieler anderer Seiten – vereint. Das geschürte Feuer, das brennt. Die Flamme die züngelt. Die Glut die lodert. Es geht um Wachstum und Progression – und um neue Etappen und Ziele. “Errum, dum vivo,” um es mt Christians Worten zu formulieren. Doch gleichzeitig geht es um Herrn Zippel selbst. Seine derzeitige Lebenslage, sein Training und seine persönliche Reise, die stehts voller neuer Überraschung zu sein scheint. Denn wer von euch weiß denn schon, dass sich der gute Christian derzeit in Thailand aufhält, dort mit zwei weiterern HFT’lern lebt und trainiert und sich jeden Tag neu definiert? Wie? Das war euch nicht bekannt…?

…mir auch nicht. Und gerade deswegen lohnt sich das Lesen dieses letzten Teiles um so mehr, denn es ist eine Sache von großen Taten und waghalsigen Vorhaben zu sprechen. Eine ganz andere Sache ist es, nach diesen Worten tatsächlich zu leben. Dies ist es, was Christian seine Authentizität verleiht. Dies macht ihn glaubwürdig und vertrauensvoll. Dies macht ihn eben … zu Christian Zippel, einem Unikat!

Und nun viel Spaß mit dem letzten Teil des Interviews und ein ganz großer Dank an Christian! Grüß mir die Kokosnüsse!

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil III

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Hier trainiert der Weltbürger zur Zeit: Yato Fitness in Samui, Thailand.

Christian: Das Feuer muss von innen kommen. Es muss erwachsen aus Erkenntnis und Verachtung der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit, gepaart mit himmelhohem Selbstanspruch und dem Bewusstsein, dass Grenzen nur Konventionen sind, dass all die Schranken, die sich vor einem ausbreiten, überwunden werden können – wenn man den Willen dazu hat. Dieser Wille, dieser Funke glimmt in jedem von uns. Doch nur wenige entwickeln solch radikale Gedanken oder machen derart extreme Erfahrungen, die das Feuer entfachen und das ganze Leben in Brand setzen. Wenn das nicht klappt, klappt der Rest auch nicht. Dann geht einem schnell der Sprit aus, dann bleibt man normal und hat normale Ergebnisse vorzuweisen.

Wer wahnsinnig gute Ergebnisse will, muss erst selbst wahnsinnig werden. Er muss genau definieren können, was er erreichen will! Er muss wissen, wie er dort hinkommt und welche Hindernisse er dafür aus dem Weg räumen muss. Er muss bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen oder gar zu zerstören, damit ihm der Rückweg versagt bleibt. Er muss Fantast sein und fest daran glauben, dass das Unmögliche möglich ist. Alles andere ist ein Stochern im Trüben und ohne inneres Feuer geschieht dies auch noch auf Sparflamme. Überdurchschnittliche Erfolge sind da so wahrscheinlich wie ein Supplement, das hält, was es verspricht.

Die Betroffenen kennen wir zur Genüge. Sie laufen über Jahre hinweg ins Studio und entwickeln sich kaum. Das trifft nicht nur aufs Training zu, es ist symptomatisch für unsere halbherzige Gesellschaft: Wir haben das Feuer verloren, die Leidenschaft für den Moment, die Höhe der Vision, den Scharfsinn im Blick, die Kraft in der Tat… all das ist vorbei. Wir haben es eingetauscht gegen kleinkarierte Hemden, Abendfernsehen und Versicherungspolicen. Wird Zeit, dass wir untergehen. Möge aus der Asche etwas Besseres auferstehen. Wo ist das Projekt Chaos, wenn man es braucht?

Das von Dir erwähnte “Optimierungskalkül” sollte keineswegs übersprungen werden. Es ist die Basis aller Entwicklung und sollte ein Streben lang beibehalten werden. Für jeden Athleten gilt: Erro, dum vivo – ich irre, solange ich lebe. Wir entwickeln uns beständig weiter, indem wir Fehler begehen und daraus lernen. Wir irren uns empor. Also auf zu neuen Fehlern! Niemand ist unfehlbar und wer es sein will, wird sich nicht weiter entwickeln. Riskiert mal wieder was, stellt Euch in Frage, konfrontiert Euch mit Euren Ängsten!

Christian: „Wer wahnsinnig gute Ergebnisse will, muss erst selbst wahnsinnig werden.”

Wenn einen der Widerstand zu erdrücken scheint, dann fehlt entweder das innere Feuer oder man überschätzt sich. In letzterem Fall gilt es, das Ego auszubremsen und die Lektion der Progression zu lernen. Niemand hebt auf Anhieb sauber 200kg, aber jeder kann es innerhalb einiger Jahre lernen. Kilogramm für Kilogramm muss man sich hinauf kämpfen und die Technik verfeinern. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Es ist simpel: Man muss nur klein anfangen und am Eisen bleiben. Und da hapert es bei den meisten schon. Wer sich zu groß für kleine Schritte fühlt, wird niemals wirklich groß werden. Zu Recht. Es gibt nichts Gerechteres als Eisen – 200kg werden immer 200kg bleiben.

Aesir Sports/Damian: Okay, Lyle McDonald würde an dieser Stelle sagen, dass 200 kg im Weltall nicht mehr 200 kg sein würden (womit er mich, zugegebenermaßen, einmal gefoppt hat *hust*), aber du hast in der Beziehung natürlich recht. Oder um ein anderes, sehr schönes Zitat an dieser Stelle anzubringen: Jeder Reise – mag sie noch so groß sein – fängt mit dem ersten Schritt an.

Hier schließt sich der Kreislauf in meinen Augen und bringt uns wieder zu deiner eigenen Person zurück. Immerhin hast du in den letzten Jahren und Monaten eine Art persönliche Metamorphose durchlaufen. Dem klassischen Bodybuilding hast du abgeschworen und auch dein Gewicht hat sich im Zuge dieses mentalen Wandels verändert. Wenn du mir diese persönliche Frage erlaubst: Was hat sich an deinem persönlichen Training und deiner Ernährung seit diesen Tagen getan? Weißt du selbst, wohin dich deine Reise führt, oder lässt du dich treiben? Dazu auch eine Frage, die an mich für dieses Interview von einem Dritten herangetragen wurde: Würdest du deinen jetzigen Körper dem Früheren unter der Prämisse eines identischen Aufwandes vorziehen? Welche positiven, welche negativen Seiten und Dinge bringst du heute mit deinen “Bodybuildingtagen” in Verbindung? Oder hast du heute eine grundlegend ablehnende Haltung dieser Zeit gegenüber?

Christian lässt es sich derzeit in Samui, auf Thailand, gut gehen. Jeder Tag bringt neue Überraschungen.

Christian lässt es sich derzeit in Samui, auf Thailand, gut gehen. Jeder Tag bringt neue Überraschungen.

Christian: Dann will ich es für Lyle McDonald und alle anderen Außerirdischen physikalisch korrekt formulieren: 2000 Newton werden immer 2000 Newton bleiben – egal wo und wie schwer die Hantel ist.

Wohin meine Reise mich führt, weiß ich nicht – nur in welche Richtung es geht, das ist klar: Aufwärts! Ich halte mich möglichst kompromisslos an meine Prinzipien, die ich im Buch „Der Wille zur Kraft” formuliert habe. So auch das Gebot: Sei evolutionär! Entwickle nicht nur Dich weiter, sondern auch Deine Ziele, Dein Denken, Glauben und Vorgehen.

Hanteln waren perfekt, um Muskelmasse aufzubauen. So konnte ich innerhalb von 14 Jahren am Eisen mein Körpergewicht mehr als verdoppeln – von 48kg auf 104kg bei 184cm. Darüber hinaus wird es natural sehr schwer, weiterzukommen und das auch nur mit einer überzogen hohen Kalorienaufnahme. Stattdessen habe ich mich entschlossen, zu minimalisieren und meinen festen Wohnsitz aufzugeben. Auf Reisen wird es schwer, täglich Eisen zu finden und den ganzen Tag zu futtern. Das ist eher was für Sesshafte mit einem soliden Leben.

Zur Zeit lebe ich auf Samui in Thailand. Hier sind ständig über 25°C, man hat kaum Appetit und ist viel unterwegs, da ist das Training mit dem eigenen Körper und einer beschränkten Kalorienaufnahme perfekt. So kann ich immer und überall trainieren. Natürlich habe ich viel Muskelmasse verloren, aber das ist mir inzwischen egal. Wer weiter will, muss auch loslassen können. Es ist viel angenehmer mit einem schlanken, durchtrainierten Körper zu reisen, als mit Massen an Fleisch auf den Knochen. Nach nun über 15 Jahren Training wird man dennoch am laufenden Band auf den Körper angesprochen.

Ich beuge zwar keine 200kg mehr, dafür bin ich stabiler und explosiver als je zuvor. Einbeinige Kniebeugen, Sprints, Muscle ups, Fahne, Hangwaage, einarmige Klimmzüge, asymmetrische Dips, Handstanddrücken usw.

Muskelaufbau aka Bodybuilding war eine berauschende Phase meiner Entwicklung. Ich bin charakterlich enorm gewachsen und habe eine Muskelqualität entwickelt, von der ich jetzt profitiere – sowohl leistungstechnisch als auch ästhetisch. Ich würde es genau so noch mal machen, denn man soll leben, wofür man brennt! Ich hätte nur früher anfangen sollen, hochfrequent zu trainieren. Das hat mir den größten Schub gegeben.

Erst an den Kokospalmen liften, spärer dann paar´ Cocktails stiften - oder so. Im Paradies trainiert es sich jedenfalls super, wie man sehen kann und Kurzhanteln gibt es auch zu genüge.

Erst an den Kokospalmen liften, spärer dann paar´ Cocktails stiften – oder so. Im Paradies trainiert es sich jedenfalls super, wie man sehen kann und Kurzhanteln gibt es auch zu genüge.

Meinen momentanen Entwicklungsstand ziehe ich auf jeden Fall vor. Für mich ist es kein Rückschritt, sondern eine höhere Ebene. Erst habe ich gelernt, den Aufbau von Muskelmasse und die Reduktion von Körperfett zu beherrschen, nun lerne ich, den Körper zu beherrschen und frei zu sein. Ich bin unabhängig von Fitnessstudios, Geräten und der Küche. Das ist Minimalismus – und das ist die Herausforderung, die mich morgens mit der Sonne aufstehen und kämpfen lässt.

Wenn ich verstanden habe, wie etwas funktioniert, verliert es seinen Reiz für mich. Ich will mich und meine Fähigkeiten weiterentwickeln und nicht ein Leben lang in der gleichen Spur hängen bleiben.

Neue Lebensumstände erleichtern es, die Karten neu zu mischen. Seit ich in Thailand lebe, stehe ich jeden Morgen gegen sechs Uhr auf und starte mit dem ersten Training. Komme ich nachts auf weniger als vier Stunden Schlaf, wird der durch ein Nickerchen tagsüber nachgeholt. Vormittags wird gearbeitet, mittags folgt Training an den Ringen, nachmittags arbeiten, meditieren oder einen Ausflug machen und Abends ein weiteres Training – meist mit Intervalltraining kombiniert und am Strand.

Essenstechnisch ist es paradiesisch hier: die Märkte quellen über vor frischem Fisch, Obst und Gemüse. Bei der thailändischen Küche muss man etwas aufpassen. Zucker und Geschmacksverstärker gehören hier zu den Grundnahrungsmitteln. Deswegen koche ich oft selbst oder mache mir Shakes aus Früchten und Nüssen. Der wichtigste Satz in Restaurants und an Fressbuden ist “Mai ao nam tam, krap” oder ein deutliches “no sugar” – wofür man auch noch eine Kelle Unverständnis oben drauf bekommt. Für Massephasen ist es natürlich super, besonders wenn ein Hauptgericht 80 Baht (2€) kostet und eine zusätzliche Kelle Reis nur ein paar Cent – ebenso wie eine Tüte Obst am Straßenrand.

Tatsächlich kommen viele Pumper für eine Massephase her, das hat jedoch eher damit zu tun, dass die Apotheker hier unheimlich nett zu sein scheinen und damit, dass selbst der größte Nerd hier zum Schuss kommt. Vieles ist schon räudig, aber Schatten gibt es immer.

Christian: “Erst habe ich gelernt, den Aufbau von Muskelmasse und die Reduktion von Körperfett zu beherrschen, nun lerne ich, den Körper zu beherrschen und frei zu sein.”

Für mich ist Thailand optimal, um mich voll und ganz auf meine Entwicklung zu konzentrieren – bei schönem Wetter, Strandfeeling und günstigen Lebenshaltungskosten. Es wird wohl so schnell nicht mehr vorkommen, dass ich einen Winter im matschigen Deutschland verbringen werde. Für den Sommer 2013 kommen bisher Skandinavien, Baltikum oder Schottland in Frage, vielleicht auch Amerika, evtl. wird es aber auch nur Wien, Berlin oder Budapest. Whatever. Das regelt das Auto der Regulation.

Wer von meinen Freunden und Bekannten das hier liest, dort bereits wohnt, Lust hat, für ein paar Wochen mit von der Partie zu sein oder etwas Besseres vorschlagen will, kann sich gerne bei mir melden: selbstzerstörung@christian-zippel.de

Perfekt für Freiberufler, Internetjobber und Leute, die eine Auszeit nehmen wollen. Finanziell sollte man auf festen Füßen stehen. Hier in Thailand lebe und trainiere ich mit zwei HFTlern zusammen und wir geben gut Vollgas. Bin in der Form meines Lebens und mir sicher, die beiden auch. Danke schonmal an Julius und Pablo für die starke Zeit!

Es ist verdammt schade, dass sich Athleten, die für die selbe Sache brennen, vorwiegend über das Internet austauschen, anstatt zusammen zu leben und es richtig krachen zu lassen. Verdammt noch mal, das ist unser Leben und unsere Welt. Früher gab es immer Orte, an denen es brannte!

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Hiddensee Treffpunkt der künstlerischen und intellektuellen Elite – Albert Einstein und Thomas Mann haben sich dort die Klinke in die Hand gedrückt. Gerhard Hauptmann und viele andere haben längerfristig dort gewohnt. Es wurde diskutiert, gefeiert und kritisiert.

In der goldenen Ära des Bodybuildings gab es das Gold’s Gym in Venice Beach. Dort hat sich die Muskelelite getroffen, sich gegenseitig hochgeschaukelt und eine geile Zeit gehabt.

Was haben wir? Internetforen, einen gutbürgerlichen Job und das, was wir wirklich wollen, wird nur in der Freizeit ausgeführt. Das ist doch scheiße. Lasst uns ausbrechen, uns zusammentun und das Leben führen, für das wir brennen!

Eine große Vision von mir ist eine Art Kloster zur körperlichen und geistigen Weiterentwicklung zu schaffen, für beide Geschlechter und konfessionslos – mit einer leistungsorientierten Philosophie, statt Religion. Ähnlich den Shaolin, nur etwas westlicher und mit Krafttraining statt Kampftraining als Schwerpunkt. Kompromisslos, selbstverwaltet und mit einer kynischen Einstellung gegenüber den weltlichen Dingen. Denn eines ist klar: Wo anderen die Luft ausgeht, fängt das Leben erst an!

Aesir Sports / Damian: Alter Schwede – wenn das mal nicht ein interessanter Alltag ist, dann weiß ich auch nicht. An dieser Stelle möchte ich daher meinen allertiefsten Respekt und meine Anerkennung für dich aussprechen. Da wette ich mit dir um eine Kelle Reis, dass ein Großteil der heutigen Leser vom Fleck weg neidisch wird auf die Dinge, die du derzeit hautnah erlebst.

Und wo du jetzt schon von einem Kloster redest, fällt mir in diesem Kontext ganz stark die Reise von Julian ein, doch ich wette du kennst diese interessante – ja was eigentlich? Doku? – mit Sicherheit von selbst. Aber wie bist du ausgerechnet auf Thailand gekommen? Warum nicht Australien? Warum nicht Japan? Oder Kanada? Verbindest du etwas Persönliches mit diesem Land oder wolltest du einfach nur schon immer dorthin? Du sagst, du arbeitest noch neben dem Training – logisch, irgendwie wollen die Brötchen (oder eben der Reis) ja verdient werden. Welchen Tätigkeiten gehst du in Thailand nach? Schlägst du dich als Trainer durch? Als Tagelöhner? Gibt es überhaupt sowas wie einen arttypischen Tagesablauf oder stehst du morgens auf und weißt noch nicht einmal, wo du dich abends wiederfindest?

Und was ich dich noch außerdem fragen wollte: betreibst du noch in irgendeiner Art und Weise das Intermittent Fasting oder gehört dieses Kapitel für dich auch zu längst vergangenen Tagen, in denen du nur lediglich experimentiert hast. Hat das Fasten überhaupt noch einen Stellenwert in deinem Leben dort in Thailand? Isst du regelmäßig oder gerade dann, wenn es sich ergibt? Quasi “autoreguliert”?

Sonne, Strand und ... Krafttraining. Geht nicht? Geht doch, wie man unschwer erkennen kann. Man muss nur ein wenig flexibel sein.

Sonne, Strand und … Krafttraining. Geht nicht? Geht doch, wie man unschwer erkennen kann. Man muss nur ein wenig flexibel sein.

Christian: Ich lebe gerne simpel und planlos bei alltäglichen Dingen. Wer nichts erwartet, kann überrascht, aber nicht enttäuscht werden. Mir ists einerlei, wann ich esse, wo ich aufwache und ob ich erreichbar bin. Das kommt wies kommt und wenns mal nicht kommt, ists auch egal. Wer sich mit Nebensächlichem beschäftigt, verliert den Blick für das Wesentliche.

Ich bin anspruchsvoll in Bezug auf mich selbst, aber komplett bedürfnislos. Da bin stark geprägt von den alten Stoikern: Scheiß drauf, was um Dich herum passiert, was Dir zustößt und wie Du Dich dabei fühlst. Du kannst drüber stehen, cool bleiben und Dein Ding durchziehen.

Das ist natürlich ein Ideal und im Extremfall schwer durchzuhalten, aber es ist eine radikale Philosophie, die ich liebe und lebe. Sie verleiht Unabhängigkeit gegenüber den weltlichen Dingen, Erhabenheit gegenüber Glücksfällen und Enttäuschungen, gibt mir die Verantwortung für mein Leben und die Freiheit es jederzeit zu beenden.

Christian: “Wer sich mit Nebensächlichem beschäftigt, verliert den Blick für das Wesentliche.”

Über Training und Ernährung mache ich mir kaum noch Gedanken. Mit Begriffen wie “Intermittent Fasting”, “Low Carb” usw. habe ich nichts mehr am Hut. Ernährung ist ebenso simpel wie aufs Klo zu gehen. Komisch, dass da niemand drüber schreibt. Bei mir gilt schon länger: Variierendes naturbelassenes proteinhaltiges Essen oben rein, viel Wasser trinken und fertig. Den Rest regelt mein Stoffwechsel und die Steuerung meines Trainings. Manchmal, wenn ich gut beschäftigt bin, esse ich fast gar nichts. Ein andermal schlender ich über einen thailändischen Markt und futtere mich stundenlang von Stand zu Stand.

Das läuft intuitiv und wenn ich den Waschbrettbauch noch stärker ausprägen will, dann habe ich immer noch ein Geheimrezept im Ärmel: Ich esse weniger.

Der andere Geheimtipp, um wieder mehr Muskulatur aufzubauen: Ich schalte vor das Essen noch die beiden Buchstaben “Fr”. Und mit dem richtigen Training läuft alles wie von selbst. Wachstumsreize allein bauen keine Muskeln auf. Ohne Zement und Arbeitsenergie kein Hausbau – egal wie viel Druck der Bauherr macht.

Beim Training habe ich momentan eine Liste von Körpergewichtsübungen und Haltungen, die ich (für eine best. Wiederholungszahl) schaffen will. Darauf trainiere ich täglich mehrmals hin – nach den HFT-Prinzipien. Simpel, solide, intuitiv und abwechslungsreich. Was danach kommt, weiß der Teufel. Auch das wird sich ergeben. Wer offen und ehrlich ist, seinen Prinzipien treu bleibt und spielerisch zu kämpfen weiß, für den wird es immer voran gehen. Türen öffnen sich andauernd – man muss das nur erkennen und den Mut haben, hindurch zu gehen. Falltüren sind auch dabei, aber das gehört zur Natur des Spiels. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Warum Thailand? Kein Plan. War eine spontane Entscheidung. Warum nicht? Warum Winter in Deutschland? In Thailand scheint die Sonne, der Fisch ist frisch, leckeres Obst und Gemüse in Massen, Kokosnüsse am Strand. Warum überhaupt in „”Ländern” denken? Ich bin Weltbürger. Warum nicht einfach dort leben, wo das Wetter schön, die Natur vielfältig, die Leute friedlich und das Leben günstig ist?

So muss ich nicht viel verdienen und für den Ruhestand brauche ich nicht sparen, weil mein Ruhestand erst mit meinem Tod eintreten wird und der ist billig, der kostet nur das Leben. Und sind es nicht die weltlichen Dinge, die uns erst arm werden lassen? Das eigene Haus, das Auto, die Altersvorsorge, Möbel, Küchengeräte und weiterer materieller Schrott wie Stereoanlagen, Unmengen an Kleidung, Computer, CDs und Co., dazu Versicherungen, überteuerte Urlaube und routinierte Besäufnisse? Die meisten Leute brauchen nicht so viel Geld, um zu leben, sondern weil sie es verschwenden. Das gibts bei mir alles nicht, also habe ich kaum Kosten. Keine Schulden, Kredite oder Verpflichtungen.

Christian: “Die meisten Leute brauchen nicht so viel Geld, um zu leben, sondern weil sie es verschwenden.”

Das schafft mir den Freiraum, mich “hauptberuflich” meiner Entwicklung zu widmen, nach der Arbeit, also in meiner Freizeit, mache ich dann weiter damit. Klingt komisch, ist aber möglich – man muss nur auf das verzichten, was der Durchschnittsbürger„”Leben” nennt und es durch etwas Besseres ersetzen. Besser ist das, wofür man wirklich brennt und wenn man es gut macht, wird man auch gut davon leben können.

Ich selbst stehe noch am Anfang meiner Karriere als pragmatischer Philosoph, also als Coach und Schriftsteller, und kann bestens davon leben. Für Geld arbeite ich nur so viel, dass ich gut über die Runden komme. Den Großteil meiner Zeit stecke ich in meine Entwicklungsprojekte – wie z.B. das Training, tägliches Lesen, Meditieren, das Verfeinern meiner literarischen Fähigkeiten, meines generellen Stils und meiner Reise zum Nullpunkt. Schließlich sind das gerade meine besten Jahre. Bei meinen Zielen wär ich schön blöd, wenn ich die im Büro eines seelenlosen Konzernes verschwenden würde – nur um Illusionen wie Sicherheit, Zukunft und materiellen Reichtum zu nähren.

Mich interessiert das kleine Glück nicht. Wer darauf abzielt, muss zu viele Kompromisse schließen, was sich wiederum bremsend auf die Entwicklung auswirkt. Keine Kompromisse – große Erfolge!

Aesir Sports / Damian: Du bist jung und hast doch schon so vieles erreicht, um das dich vermutlich ein Großteil der Leserschaft beneiden wird: die persönliche Freiheit. Du kannst tun und lassen, was du willst und das alleine deswegen, weil du dich von einem Großteil der Fesseln, die dich an einem Ort binden könnten, bereits entledigt hast. Dieser Schritt, vermutlich vergleichbar mit einem Sprung in eiskalte Wasser – erst erschütternd, dann erfrischend – kostet mit Sicherheit einiges an Überwindung und eine ganze Menge an Entschlusskraft. Es gibt viele Befürworter von radikalen Methoden, wie z.B. das Aufhören des Rauchens von einen Tag auf den anderen. Jeder von uns besitzt in einem gewissen Umfang Charaktereigenschaften und Gewohnheiten, die uns nicht nur an unserer weiteren Entwicklung (körperlich wie geistig) behindern, sondern auch in vielfacher Weise schädlich auf unsere Psyche, unsere Physiologie, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wirken.

Du arbeitest voller Eifer und Härte an deinem Körper, deinem Geist und deiner Wahrnehmung des Weltlichen, sowie Spiritiuellen. In einer Welt aus farblosen Steinen und Rohdiamanten scheinst du bereits einem geschliffenen Edelstein zu gleichen. Doch wohin geht die Reise für dich? Hast du noch langfristige, klar abgesteckte Ziele abseits des großen Unbekannten? Wo siehst du dich in fünf, vielleicht gar zehn, Jahren? Was sind die nächsten großen Projekte des Christian Zippel? Und welchen abschließenden Ratschlag würdest du unseren kraftsportbegeisterten Lesern gerne auf den Weg mitgeben…?

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Schwimmen in der Natur, meditieren unter einem Wasserfall. Der Wasserdrache Zippel fühlt sich offenbar sehr wohl in den Tropen.

Christian: Tatsächlich habe ich für mein Alter und meine Ansprüche noch nicht viel erreicht. Kein Edelstein. Nur ein Stück Kohle, das noch viel Druck bedarf, um zu etwas Edlem zu werden. Man sollte aufgrund meiner großen Töne nicht glauben, ich hätte bereits viel von meinem Potenzial verwirklicht. Der Zwerg steht noch am Anfang vom Berg, er will noch weiter hinauf und daran wachsen.

Solange das andere Bergsteiger interessiert, werde ich als Coach zur Verfügung stehen und darüber schreiben. Ab und an auch abseits der athletischen Pfade – so ist gerade mein nächstes Buch veröffentlicht worden: „rosenrot – oder “die Illusion der Wirklichkeit”.

Wenn wir bewusst in der Welt leben oder sie gar verändern wollen, ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, was die Welt, die wir erleben, überhaupt ist? Ist sie real oder nur eine Konstruktion unseres Gehirnes? Wenn ja, wie stabil und wahrheitsgetreu ist diese Konstruktion? Was steckt dahinter? Warum gibt es  dieses bunte Theater des Geistes? Wie entsteht das Feuer des Geistes aus dem Holz der Materie? Oder gibt es vielleicht andere, bessere Erklärungen für die Existenz des Geistes? Ist vielleicht alles geistig und stattdessen die Materie die Illusion?

Auf den ersten Blick abwegig, aber denken wir mal darüber nach: Alles, was wir erleben, denken, fühlen, sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, sind geistige Eindrücke. Selbst der im Dunklen angerempelte Kopf ist erstmal nur eine Kombination aus geistigen Eindrücken – wie z.B. Druckgefühl und Schmerz. Daraus folgern wir, dass unser materieller Kopf gegen eine materielle Kante gestoßen ist. Aber folgern bedeutet nicht wissen. Alles was wir haben, sind geistige Eindrücke. Alles andere ist Deutung, die wiederum geistig ist. Vielleicht wachen wir danach auf und uns wird bewusst, dass alles nur ein Traum war?!

Im Schlaf sind wir dazu fähig, vollkommen real wirkende, scheinbar materielle Welten, mit eigenen Naturgesetzen und eigenständigen, uns evtl. unbekannten, Personen, Umständen und Handlungen zu erträumen. Wer sagt uns, dass unser Leben nicht ein weiterer Traum auf einer höheren Stufe ist? Willkommen in der Matrix! Vieles spricht dafür, vieles dagegen.

In meinem Buch habe ich die sinnigsten Positionen vorgestellt und das Ende offen gelassen. Den Entschluss – und die damit einhergehenden Konsequenzen – mag jeder Leser selbst ziehen. Mit “rosenrot – oder die Illusion der Wirklichkeit” erhält er die Grundlage dafür.

Für die Athletenriege wird es dieses Jahr aber auch noch etwas Neues zu lesen geben. Wer meine Artikel verfolgt hat, wird sehen, dass ich nicht nur mein Leben verdichtet habe, sondern auch meinen Schreibstil. Früher habe ich geschrieben, was ich gedacht habe. Nun gehe ich bei jedem Text eine Stufe weiter und verdichte ihn auf seine Kernaussagen. Zukünftige Bücher werden also vom Text her kürzer, vom Inhalt komprimierter. Schluss mit dem Geschwafel. Umso mehr muss der Leser den Text mit Geist und Leben füllen, aber da mache ich mir keine Sorgen.

Ich habe in den letzten Jahren viele aufmerksame und kritische Athleten kennen gelernt, die mich hoffen lassen, dass es noch einiges Potenzial in unseren Reihen gibt und dass wir mit dieser Kraft unsere Gesellschaft zu einem stärkeren Körperbewusstsein bewegen werden – die Vorteile sind schließlich überragend und auf unserer Seite. “Mens fortis in corpore forti” ist ein Projekt, an dem ich beharrlich weiter arbeiten werde – pro mundus fortior.

Darüber hinaus gilt es erstmal meine nächsten – bereits erwähnten – Etappen zu erreichen. Die dringendsten sind wohl, meine Körperbeherrschung zu steigern und diese daumendicke Kakerlake vor mir loszuwerden. Wie viel Eiweiß die wohl hat? Aber naja… Protein ist ja eh wichtiger als Eiweiß.

Ansonsten ist alles offen. Herausforderungen gibt es viele: Die Idee mit dem Kloster – wenn starke Mitstreiter dabei sind. Motivierende Musik mit Texten alá „”Der Wille zur Kraft” – wenn sich jemand findet, der sie produziert. Vielleicht verliebe ich mich auch, gründe ein Familie und ziehe irgendwo ans Meer, um ein kleines Strandgym zu leiten. Es gibt viele Pläne und Möglichkeiten. Einige schon weit gedacht, andere noch verlacht. Mal sehen, welche Türen sich öffnen und wo der Fluss des Strebens mich hinführt.

Ein abschließender Ratschlag? Lieber eine Frage, denn wer fragt, der führt: Why so serious?

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Meister Zippel bei der (paradiesischen) “Arbeit.”

Nur weil unsere Mitmenschen meist ernste Gesichter machen, muss es sich bei dem, was sie machen, noch lange nicht um ernste Dinge handeln. Nur weil sie viel Zeit und Energie hinein stecken, muss es sich noch lange nicht um wertvolle Dinge handeln. Nehmt diese Leute und ihre Gesellschaft nicht zu ernst. Werdet um Nietzsches willen keine grauen Spießer! Eine Menge “da oben” ist ziemlicher Müll und wird irrtümlich verehrt. Lasst Euch nicht kaufen und zu Marionetten degradieren. Tanzt ihnen lieber auf der Nase herum, statt nach ihrer Pfeife.

Habt Spaß und konzentriert Euch auf produktive, wertvolle Tätigkeiten. Fragt Euch: Bringt das Fluss in mein Leben? Wachse ich daran? Bleibe ich damit meinen Prinzipien, Freunden und Träumen treu? Bringe ich so die Gesellschaft weiter? Mache ich die Welt zu einem besseren, stärkeren Ort?

Für ein erfülltes Leben sollte man sich vor jeder Etappe diese Fragen stellen – und natürlich immer genug Protein im Blut haben.

Also lasst es krachen, lieber Damian, vielen Dank für das feine Gespräch! Ich mach mich dann mal auf nach Bangkok, bin da zum Training verabredet…

Aesir Sports / Damian: Ich habe zu danken! Tja – und weg isser, haha! Ich bin sicher, dass wird nicht unser letztes Interview gewesen sein.

 

HIER geht es zu Christians neustem Werk “rosenrot” über die Wahrnehmung unserer Umwelt


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  • Denis

    was für ein starker Kerl! Seine Artikel,seine Bücher,Fotos,Textepassagen…alles hat meine Einstellung geprägt.Sowohl im Training als auch im Leben.

  • Zippel Junior

    ich will mehr!!! und bei der idee mit dem kloster bin ich dabei :D

  • Zippel Junior

    Danke Damian, das du uns diese Chance gibst einen Eindruck in Christians Leben zu bekommen.