Teure Supplemente – Warum?

Teure Supplemente – Warum?

2 Kommentare
Teure_Supps_Why

Wir kaufen unsere Nahrungsergänzungsmittel und orientieren uns dabei oft an der Preisstruktur der Ware. Teuer = gute Qualität. Günstig = schlechte Qualität. Aber ist dem wirklich so? Welche Rolle spielen die Marketing-Kosten im Endpreis der Supplemente?

Wie soll schon Georg von Frundsberg, ein bekannter Landsknechtführer zur Zeiten der Habsburger in der Schlacht bei Creazzo gesagt haben? „Viel Feind, viel Ehr!“ Es dürfte also nicht allzu überraschend sein, dass der heutige Artikel einigen Personen aus der Supplement-Branche sauer aufstoßen könnte. Aber meine Aufgabe besteht ja auch nicht darin in den Augen bestimmter Leute als bequem wahrgenommen zu werden, sondern darin, bestimmte kraftsport- und ernährungsrelevante Themen einer kritischen Betrachtung zu unterziehen:

Habt ihr euch schon oft gefragt, weshalb ein und dasselbe Produkt, z.T. vom gleichen Hersteller, an unterschiedlichen Orten heftigen Preisschwankungen unterlegen ist?

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum ein und dasselbe Produkt, z.B. Kreatin-Monohydrat  – was ja ein recht homogenes Gut, ähnlich wie unsere Milch, ist, bei unterschiedlichen Shops und/oder Herstellern im Preis schwankt? Handelt es sich tatsächlich um qualitative Unterschiede (z.B. in Feinheit/Reinheit) oder wollen wir als Endverbraucher und Konsumenten einfach nur glauben, dass die Produktqualität höherwertig ist?

Habt ihr euch schon einmal eines der bekannten Fitness-Magazine (FLEX, Muscle & Strength etc.) gekauft und durchgeblättert? Ja? Dann werden euch auch nicht all die Tonnen von bunten und reich bebilderten Werbeseiten entgangen sein, die sich darin die Klinke in die Hand geben und eigentlich schon zahlreicher sind, als der eigentliche Content im Heftchen. „Alter?! Kostet das nicht ein Schweinegeld soviel Werbung zu schalten?,“ mögen sich einige von euch – zu Recht – fragen. Ihr könnt euren Hinteren darauf verwetten, dass es nicht billig ist. Aber habt ihr euch auch schon einmal gefragt welche Auswirkung all die viele Werbung auf den Produktpreis eure Lieblingssupplements hat?

Ja? Ich hab mich das nämlich auch oft gefragt und ich halte diese Fragen allesamt für sehr spannend und diskussionswürdig. Und genau DAS werden wir heute näher untersuchen.

Als angehender Ökonom habe ich die Ehre, während meines derzeitigen Auslandsstudiums, einen Kurs in Richtung Marketing Management zu belegen. Vielleicht hattet ihr während eures Studiums schon die Gelegenheit diverse Eigenarten der Märkte kennenegelernt und könnt euch bereits einen groben Reim auf das Geschäftsgebaren in der Supplement & Gesundheitsindustrie machen. In Modulen wie etwa Mikroökonomie (Preisdiskriminierung & Marktstrukturen) oder Marketing-Modulen (Marketingstrategien) lernt man die ersten Grundmechanismen spezifischer Branchen, dem Konkurrenzverhalten und der verfolgten Unternehmenspolitik der darin befindlichen Player – dies dürfte auch relativ schnell zu der Erkenntnis führen: Nicht immer ist die Qualität der ausschlaggebende Faktor für einen hohen Preis (was nicht heissen soll, dass dies kein treibender Preisfaktor sein kann – das mustergültigste Produkt für einen derartigen Sachverhalt, wo Zutaten offensichtlich kein Rechtfertigung für einen hohen Preis sind, ist z.B. Almased; die darin enthaltenen Bestandteile (u.a. Sojaprotein) sind billiger Schrott und trotzdem kostet eine 500g Dose mehr als 18 Euro – moderner Wucher für vitaminhaltiges Sojaprotein mit Honig und Joghurt. But whos buying?)

Es macht also Sinn sich die Zeit zu nehmen und einmal die eigene Lieblingssupplement-Marke (und deren Hersteller/Vertriebe) zu analysieren. Neben den eigentlichen Produktionskosten (Herstellungverfahren + Rohmaterialien + Löhne) spielen nämlich noch andere Faktoren eine signifikante (weil arschteure) Rolle im Supplement-Endpreis . Darunter fallen beispielsweise Dinge wie

  • Die Unternehmensgröße und Marktmacht (Konditionen im Einkauf, z.B. großzügige Rabatte beim Einkauf der Zutaten, sog. economies of scale)
  • Das Geschäftsprinzip (z.B. eigene Herstellung & Vertrieb oder über Zwischenhändler)
  • Die Werbemaßnahmen (Anzeigen, Sponsorings, anderweitige Präsenz z.B. auf Messen & Expos)
  • Die Verpackung & kleine Extras (Scoops im Beutel, (teurere) Dosen oder (günstigere) Beutel)
  • Das Zielpublikum (Ja, auch das spielt eine Rolle. Manche Preise werden einfach hochgesetzt , um eine hohe Qualität und Exklusivität zu suggerieren – typisch bei Markenware)

Und ist eine klein Auswahl der prominentesten Variablen, die in den Enddpreis einfließen und eine Rolle spielen. In diesem Artikel werden wir uns daher mit dem größten Kostenblock, abseits der eigentlichen Herstellung, beschäftigen: den Marketing-Strategien, die in der Supplementindustrie vorherrschend sind und die – wir ihr gleich sehen werdet – einen erheblichen Anteil an der Preisstruktur eures Produktes haben.

Shut up and take my money.

Dieser Artikel wurde mit ausdrücklicher Erlaubnis von Sean Casey, dem Originalautor, übersetzt und re-posted. Den ursprünglichn Artikel findet ihr auf CasePerformance.com. Wer sich darüber hinaus weiterhin auf dem Laufenden halten möchte, was Sean’s Artikel betrifft, dem empfehle ich das Abo via Facebook bzw. das Abo des CP-Newsletters. Der Content ist einzigartig und einen Like auf all Fälle wert! Sean, thanks a lot for the permission to re-post this. Kick-ass article!

Teure Supplemente – Warum?

Aus dem Englischen von D.N. „Furor Germanicus“ M. / copyright by caseperformance.com & Sean Casey

Die kurze Zusammenfassung

Der Supplementeinkauf kann relative schnell zu einer teuren Angelegenheit werden. Dies heisst jedoch nicht automatisch, dass das teuerste Ergänzungsprodukt welches ihr also kauft auch gleichzeitig das Beste ist. Der tatsächliche Preis – und die Kosten – könnten vielmehr eine Reflektion des Geschäftsmodells der am Markt teilnehmenden Firmenmarken und Vertreiber darstellen – schließlich durchläuft das Produkt einen gewissen Transformationsprozess; ausgehend von den Rohmaterialien bis hin zum fertigen Regalartikel.

Daher gilt die Empfehlung: Kauf eure Supplemente dort, wo qualitativ hochwertige Produkte angeboten und unnötige Kostenblöcke eliminiert werden.

Supplemente? Ja doch, ich liebe sie!

business-model-overview-1

Schaubild 1: Eine Übersicht über die zahlreichen Geschäftsmodelle, die wir im folgenden Artikel näher diskutieren werden. Bildquelle: Brian Putchio.

Ich bin ein registrierter Diätassistent (RD); das und der Titel dieses Artikels „Teure Supplemente – Warum?,“  (zusammen mit der Tatsache, dass meine letzten Artikel zum Thema „Functional Food“ sich gegen diverse marketingbedingte Behauptungen richteten) reicht vermutlich aus, dass ihr nun Folgendes denkt:

„Oh super. Ein weiterer Diätassistent, der einen Artikel darüber schreibt, dass Nahrungsergänzungsmittel ein reine Geldverschwendung darstellen und das man alles was man für die Optimierung seiner physischen Ziele benötigt, ein wohl strukturierte und gesunde Ernährungsweise ist.“

Die Diskussion bezüglich teurer Nahrungsergänzungsmittel ist kein politisches Statement. Es ist auch kein Versuch die soziale Wohlfahrt zu schmälern, indem die grundsätzliche Annahme geäußert wird, dass Gewinne eine schlechte Sache sind. Jeder der ein paar Schritte weiter denkt, sollte sich darüber im Kalren sein, dass Gewinne Wachstum und Entwicklung vorantreiben. Die Intention dieses Artikels liegt vielmehr darin begründet aufzuzeigen, weshalb einige Supplemente – die ihr vielleicht kauft – teurer im Preis ausfallen. Die Kostenblöcke die in diesem Artikel aufgeführt sind, repräsentieren exzessive Kosten, die über und jenseits der gängigen Gewinnspannen der Industrie liegen, um das Wachstum des Geschäftszweiges am laufen zu halten. Dieser Artikel stellt jedoch kein Kommentar bezüglich der Produktqualität der Firmen dar, die ich anhand dieser Geschäftsmodelle identifiziere. Offenschtlich: eine höhere Produktqualität und hochwertige Zutaten werden u.a. auch dafür sorgen, dass der endgültige Preis für das Supplement höher ausfällt.

Doch bevor ihr euch zu sehr auf diesen Gedankengang versteift, möchte ich an dieser Stelle anmerken dass dem nichts ferner läge und überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Obwohl ich niemandem die Einnahme von Supplementen aufzwinge, spreche ich mich dennoch regelmäßig für einige ergogenische (d.h. leistungssteigernde) Nahrungsergänzungsmittel bei Leuten aus (sofern sie daran Interesse haben) – natürlich abhängig von den individuellen Zielen der Personen. Denkt also stets daran: es gibt tatsächlich gute Supplemente auf dem Markt, doch leider gibt es auch schwarze Schafe in der Industrie, die maßgeblich für ihren schlechten Ruf verantwortlich sind.

Ich werde auch nicht in jenes Horn blasen und behaupten, dass eure Ernährungsweise, die Diät, erst einen gewissen Grad von Perfektion erreicht haben muss, bevor die Supplemente ihre Effektivität entfalten. Wie bereits von Dr. Jose Antonio richtig angemerkt wurde: Bei all den Studien die einen gewissen Grad an Effektivität bei der Kreatin- und Koffeinsupplementation gezeigt haben, hat nicht eine von ihnen von den Probanden verlangt „erst einmal ihr Diätverhalten auf Vordermann zu bringen.[1] (Auch wenn einige akute Studien eine kurzfristig angelegte, 0-3 Tage andauernde, Standardkost vor dem Testverfahren anordnen). Versteht mich jetzt nicht falsch – ich bin absolut für ein saubere Ernährung und das ganz einfach deswegen, weil sie euch in die Lage versetzt die von euch gesteckten physischen Leistungsziele zu erreichen. Dies ist auch ein Punkt, den ich während meiner Ernährungsberatungen bei bestimmten Personen immer wieder anspreche, denn es gilt – wie so oft: Das richtige Training + eine relativ „saubere“ Ernährung + eine smarte Supplementation = effektivste Ergebnisse!

Dennoch kann jemand in den Genuss der Vorteile eines bestimmten Supplements kommen, auch wenn seine Ernährungsgewohnheiten nicht idealer Natur sind.

Deswegen wollte ich zunächst einmal zwei Punkte klarstellen  – und das noch bevor wir uns mit den „teuren Supplementen“ auseinandersetzen:

  1. Ich bin ein Fan von Nahrungsergänzungsmitteln
  2. Ich denke nicht, dass eine Diät erst 100 % perfekt/clean sein muss, damit die Supplemente Wirkung zeigen. (Obwohl die relativ saubere Ernährung zusammen mit der smarten Nahrungsergänzung euch dabei helfen wird, eure gewünschten Ziele auf effizienterem Wege zu erreichen, als wenn ihr auf eine Müll-Ernährung, in Kombi mit einer Supplementierung. setzen würdet.

Top. Nachdem wir also das Fundament für die Diskussion gelegt haben und damit hoffentlich klar sein dürfte, dass ich nicht einer dieser Anti-Nahrungsergänzungsmittel Diätassistenten bin, wird es Zeit sich mit dem Kernaspekten des Artikels näher zu beschäftigen – der Diskussion bezüglich der Faktoren, die für die Höhe der Supplementpreise ausschlaggebend sind.

Geschäftsmodell #1 – Große Marketingkampagnen auf ALLEN Ebenen

business-model1

Schaubild 2: Das erste Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Preisebenen, die zum Endpreis beitragen

  • Ebene 1: Produktionskosten des Supplements (Maschinen, Arbeiterlöhne und Managementgehälter, etc.)
  • Ebene 2: Werbekosten des Unternehmens, um die eigene Marke zu promoten (z.B. in Form von Werbeanzeigen in Magazinen/im TV/im Internet/auf Messen und Expos)
  • Ebene 3: Werbekosten des Unternehmens, um die eigene Marke zu promoten (z.B. in Form von bezahlten Profi-Bodybuilder, die ihren Namen für das Produkt hergeben und Sponsorenverträge)
  • Ebene 4: Kosten für den Einzelhandel, um das Geschäft zu beleben (z.B. in Form von Werbeanzeigen in Magazinen/im TV/im Internet/auf Messen und Expos)
  • Ebene 5: Kosten für den Einzelhandel, um das Geschäft zu beleben (z.B. in Form von bezahlten Profi-Bodybuildern, die ihren Namen für den Shop hergeben und Sponsorenverträge)
  • Ebene 6: Preis für den Endverbraucher (welcher die typischen Branchenmargen enthält, die nötig sind um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und für Wachstum zu sorgen).

Einer der wohl offensichtlichsten Gründe der dafür sorgt, dass eure Supplemente teuer sein könnten, steht in direktem Zusammenhang mit dem von den Firmen/Marken und Verkäufern verfolgten Marketingstrategien, um die eigenen Produkte erfolgreich zu bewerben. Ein Beispiel für eine solche Situation könnt ihr im zweiten Schaubild (siehe oben) sehen, wo fünf der nennenswerten Faktoren aufgeführt sind, welche den finalen Endpreis bestimmen und in die Gleichung einfließen, bevor überhaupt die 6. Ebene – der Preis für den Endverbraucher – erreicht wurde. Es ist vielleicht erwähnenswert, dass die letzte Ebene (die 6. Ebene) die für den Industriezweig typischen Gewinnspannen (Margen) enthält, die notwendig sind um den Status Quo zu halten und das Wachstum zu finanzieren.

Wenn ich ein Einschätzung abgeben müsste, so denke ich, dass wir es hier mit dem Typ Geschäftsmodell zu tun haben, welches von den meisten mit jedem weiteren Kauf gefüttert wird. Jedoch sei anzumerken – und das werdet ihr in der nachfolgenden Diskussion noch sehen – dass nicht alle Hersteller und Unternehmen diesem exakten Typus des Geschäftsmodells folgen. Das ist übrigens der Grund, weshalb der Preis für ein und dasselbe Produkt so stark von Ort zu Ort schwanken kann.

Geschäftsmodell #2 – Der Pyramiden-Business-Plan/Das Multi-Level Marketing (MRM)

Schaubild 3:

Schaubild 3: Das zweite Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Wichtig: Einige auf dem Pyramidensystem basierenden Strategien oder Multi-Level Marketing Pläne beinhalten die Werbekosten aus dem ersten Geschäftsmodell, welches im ersten Bild zu sehen ist. Aus Gründen der Vereinfachung habe ich mich jedoch dazu entschlossen diesen Punkt aus dem Bild – und der Diskussion – herauszuhalten.

Preisebenen, die zum Endpreis beitragen

  • Ebene 1: Produktionskosten des Supplements (Maschinen, Arbeiterlöhne und Managementgehälter, etc.)
  • Ebene 2: Die erste Verkaufsrunde  (verpflichtet durch den Hersteller)
  • Ebene 3: Die zweite Verkaufsrunde (unter Vertrag bei Ebene 1)
  • Ebene 4: Die dritte Verkaufsrunde (unter Vertrag bei Ebene 2)
  • Ebene 5: bis zur Unendlichkeit; die vierte Verkaufsrunde (unter Vertrag bei Ebene 3)
  • Ebene 6: Preis für den Endverbraucher (welcher die typischen Branchenmargen enthält, die nötig sind um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und für Wachstum zu sorgen).

Ein weiterer Grund für den hohen Preis von Supplementen könnte im Bezug zum sogenannten Pyramid Sale“-Approach stehen: eine (theoretisch) unendliche Anzahl von zwischengeschalteten Personen, die in jeder weiteren Ebene den Preis anschwellen lassen.

Die Idee hinter dem ganzen Konzept besteht darin, die Leute unter der eigenen Ebene dazu zu bringen das Produkt weiterzuverkaufen. Beispielsweise könnte mich jemand fragen, ob ich nicht Bock hätte ein Supplement zu verkaufen, was mich selbst wiederum zu einem „Distributor“ machen würde. Für jeden meiner Verkäufe würde mein vorgeschalteter Lieferant X% an Provision kassieren. Im nächsten Zug würde ich losmarschieren und mir fünf weitere Leute suchen, die breit sind das Produkt zu verkaufen. An dieser Stelle würde ICH nun Y% durch meine Verkäufe +Z% aus deren Verkäufen (Provision) einnehmen (dazu kommen dann noch die Verkäufe, die deren Vertragspartner in Zukunft realisieren). Dieser Typus von Geschäftsmodell, das Pyramidensystem, wird in Bild 3 dargestellt. Das Geld wird damit gemacht, indem man die Leute auf der nächst höheren Ebene dazu bringt, das Produkt zu verticken, anstatt es an den eigentlichen Endverbraucher zu verkaufen. Dies ist ein unmoralische und illegale Geschäftspraktik.

Ein dem Pyramidensystm ähnliches Geschäftsmodell wird als Multi-Level Marketing (MLM) bezeichnet. Diese Strategien neigen dazu teure Supplemente hervorzubringen – ganz einfach aus dem Grund weil der Endverbraucher jedes Level (jede Ebene), in dem die Verkäufe realisiert werden, bezahlen muss. Oder um es in anderen Worten auszudrücken: MLM’s können eine schier unendliche Anzahl X in Form Mittelsmännern/-frauen aufweisen (wovon ein jeder seinen Profit einstreichen möchte), die zwischen dem eigentlichen Hersteller und dem Endverbraucher zwischengeschaltet sind.

Damit dieses Geschäftsmodell überhaupt Bestand hat und nicht in sich zusammenstürzt, ist ein höherer Produktpreis zwingend erforderlich. Wenn sich nun jemand dazu entschließt selbst zu einem „Distributor“ zu werden (was von der MLM-Strategie des Unternehmens abhängt), sind diese Leute dazu in der Lage die Nahrungsergänzungsmittel zu einer reduzierten Rate zu beziehen, anstatt den üblichen Verkaufspreis zu zahlen; dadurch werden auch gewisse Kostenblöcke eliminiert. Wenn ich im Allgemeinen aus eigner Erfahrung sprechen soll (und ich habe nicht jede MLM-Supplement-Firma untersucht), dann habe ich festgestellt,  dass die Preise für die Produkte immernoch höher sind, als in dem Geschäftsmodell, welches wir gleich noch durchsprechen werden.

Einige der MLM’s sind sogar in die Kritik geraten; viele von ihnen befinden sich auf einer schmalen Linie – der Grenze von Legalität zur Illegalität – wenn es um die Verteilung der Supplemente geht (und die Pyramidensystem sind sowieso illegal). Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen und wissen möchte, wie man zwischen legalen und illegalen MRMs unterscheiden kann, dem kann ich den Link zum Büro zum Endverbraucherschutz empfehlen.

Und wenn wir uns schon mit MRMs beschäftigen, möchte ich noch einen Punkt erwähnt haben. Seid stets vorsichtig und kritisch, wenn euch jemand (mit vermeintlichem Wissen) versucht auf diese Art und Weise Produkte zu verkaufen; wiederum spreche ich aus Erfahrung: Personen die behaupten, dass sie mit diesen Pyramidensystemen „den Reibach ihres Lebens“ machen, haben oftmals signifikante Defizite, wenn es um das Wissen der Produkte geht – die Motivation den Kram zu verkaufen ist dagegen sehr hoch. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich von jedem Supplementverkäufer verlangen kann dass er über sämtliche physiologischen Effekte bescheid wissen muss, die durch die Einnahme – bis runter zur molekularen Ebene (DNA Replikation & Transkription) – zu erwarten sind. Diese Personen sollten aber dennoch darüber bescheid wissen, wie das Supplement im Körper funktioniert und was es damit anstellt.

Ein praktisches Beispiel: Ich habe einmal mit einer Person zusammengearbeitet, die sich mit einer Wagenladung teurer Supplement eingedeckt hat, welche im Übrigen durch eine populäre MRM Firma vertrieben werden. Diese Person hat gnadenlos versagt wenn es darum ging Erfolg durch den Verkauf der Produkt zu erzielen – also hat er sich an seinen „Distributor“ gewandt, um nach hilfreichn Ratschlägen zu fragen. Der Rat den dieser ihm nun erteilt hatte, beschränkte sich auf in simples „Keine Ahnung.“

Persönlich glaube ich, dass jemand, der ein bestimmtes Gut oder einen Service verkauft, auch in der Lage sein sollte die Stolperfallen und Probleme in diesem Business zu erkennen und mir sagen zu können, warum das Ganze nicht so klappt, wie es das eigentlich sollte. Das hängt vermutlich damit zusammen dass das Konzept auf der basalen Geschäftidee des „jeder kann es schaffen“ fußt und dass das Wissen am „point of distribution“ – dem Ort der Verteilung – dabei mehr und mehr verwässert.

Geschäftsmodell #3 – Marketingkampagnen NUR auf der Marken-Ebene

Schaubild 4: Das dritte Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Schaubild 4: Das dritte Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Preisebenen, die zum Endpreis beitragen

  • Ebene 1: Produktionskosten des Supplements (Maschinen, Arbeiterlöhne und Managementgehälter, etc.)
  • Ebene 2: Werbekosten des Unternehmens um die eigene Marke zu promoten (z.B. in Form von Werbeanzeigen in Magazinen/im TV/im Internet/auf Messen und Expos)
  • Ebene 3: Werbekosten des Unternehmens um die eigene Marke zu promoten (z.B. in Form von bezahlten Profi-Bodybuilder, die ihren Namen für das Produkt hergeben und Sponsorenverträge)
  • Ebene 4: Verkäufer (keine weitere Werbung, keine Firmensponsorings oder bezahlte Persönlichkeiten)
  • Ebene 5: Preis für den Endverbraucher (welcher die typischen Branchenmargen enthält, die nötig sind um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und für Wachstum zu sorgen).

Ich weiß jetzt ganz genau was ihr denkt: „Okay, du Schlaumeier – wo zum Henker soll ich jetzt also meine Supplemente kaufen, wenn anscheinend alle Verkaufsquellen auf einer der oben dargelegten Methoden basieren?!?“ Um bei der Wahrheit zu bleiben, muss man anmerken, dass ihr eure Supps vermutlich stets auf einem der vielen MRM-basierenden Geschäftsmodelle kaufen werden müsst. Das ist an und für sich auch keine schlechte Sache, deswegen lasst mich dies noch einmal klarstellen: Ich glaube nicht, dass das Wörtchen „Profit“ schlecht ist. Ohne Profite (Gewinne) würden die meisten Individuen auf langfristiger Basis die Motivation an Forschung & Entwicklung einbüßen. Es gäbe also auch keine Innovationen und Neuheiten mehr. [Deswegen gibt es auch Patente und Lizenzen, die temporäre Profite garantieren ohne das jemand gleich die Formel kopieren darf.]

Ausgehend von diesem Sachverhalt würde ich schätzen, dass es am klügsten ist, wenn man sicherstellt, dass die gekauften Supplemente eine hochwertige Qualität aufweisen. Die Produkte sollten aber idealerweise gleichzeitig dort gekauft werden, wo es die geringste Anzahl an Kostenblöcken gibt. Zum Beispiel: der Ort wo ich meine Supplemente einkaufe folgt dem vierten Geschäftsmodell, welches ihr im nächsten Schaubild (siehe unten) finden könnt. Wenn ihr genau hinseht dann könnt ihr feststellen, dass die Kosten die der Endverbraucher zu tragen hat auf ein Minimum gesunken sind. Warum? Ganz einfach: Ihr zahlt nicht mehr für die Werbekampagnen der Vertriebshändler und die unterstützenden Maßnahmen (z.B. teure Profis, die ihren Namen für das Produkt hergeben & Sponsorings) sondern ehe für die tatsächlich angefallenen Produktkosten. (Materialkosten + Organisation des Unternehmens)

Geschäftsmodell #4 – Keine Marketingkampagnen auf ALLEN Ebenen

Schaubild 5: Das vierte Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Schaubild 5: Das vierte Geschäftsmodell und seine Wirkung auf die Supplementpreise. Bildquelle: Brian Putchio.

Preisebenen, die zum Endpreis beitragen

  • Ebene 1: Produktionskosten des Supplements (Maschinen, Arbeiterlöhne und Managementgehälter, etc.)
  • Ebene 2: Verkäufer (keine weitere Werbung, keine Firmensponsorings oder bezahlte Persönlichkeiten)
  • Ebene 3: Preis für den Endverbraucher (welcher die typischen Branchenmargen enthält, die nötig sind um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und für Wachstum zu sorgen).

Für den Kunden würde das ultimative Geschäftsmodell folglich so aussehen: a.) keine Mittelsmänner/-frauen und kein zwischengeschalteten Händler und b.) keine überbordenden Marketingkosten (weder auf der Marken- noch auf der Verkaufsebene).

Es gibt nur wenige Firmen, die so operieren und eine ganze Menge Firmen, die irgendwo dazwischen liegen (insbesondere dann, wenn ihr weitere Kritieren bezüglich der Produktqualität ansetzt). Aber das heisst nicht, dass man derartige Hersteller nicht finden kann. Ich habe beispielsweise angefangen ein 100 % biologisch hergestelltes Haferpulver zu beziehen, welches von einer Firma vertrieben wird, die genau so einem Geschäftsmodell folgt. Wie lautet also das heutige End-Resultat?

Günstiger Preis + hohe Produktqualität = Ein lächelnder Sean Casey [oder auch ein lächelnder F.G. J].  Dies führt letztendlich zu einem Lächel-Effekt bei all den Leuten, die sich mit mir rumschlagen müssen.

Zusammenfassung

Wie in dem Artikel ausdrücklich dargelegt, gibt es eine ganze Reihe von Faktoren. die für den von euch zu bezahlenden Endpreis ausschlaggebend sind. Daher – angenommen, dass wir auf Produkte gleichwertiger Qualität schauen – macht es am meisten Sinn seine Supplemente bei dem Distributor zu kaufen, der mit den geringsten Kostenblöcken im Geschäftsmodell arbeitet.

Also: Augen auf beim Supplementekauf.


Opt In Image
Werde zum Fitness- & Ernährungsexperten!
Schlanker, stärker, ästhetischer, gesünder!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte - neben weiteren hochwertigen und einzigartigen Infos rund um Fitness, Gesundheit & Ernährung - regelmäßige Updates und Neuigkeiten rund um Aesir Sports.

Unser Versprechen: Kein Spam - nur 100% Aesir Sports!


 

Quellen & Referenzen
Teile diesen Artikel:
  • Sehr schön geschrieben!
    hab aber Probleme mit der Umsetzung.
    Von Peak sehe ich nie Werbung; heisst
    das jetzt, daß die mehr in Produktqualität
    und weniger in Marketing investieren?
    Von MyProtein sehe ich dauernd Bannerwerbung,
    ich habe bei denen aber das Gefühl, Preis/Leistung
    stimmt.
    Und was ist mit der Produktqualität?
    Ich würde für Whey von freilaufenden Bio Rindern
    deutlich mehr zahlen, aber wo steht davon etwas?
    Da die Qualität im Dunkeln liegt, entscheidet man
    dann doch über den Preis…..

    • Moin,

      du musst bei Werbung zwischen Onlinewerbung und Magazinwerbung/sonstige Werbung unterscheiden. Im Internet zu werben kostet fast nix – in Magazinen un auf Messen dagegen schon. Biowhey gibts von einigen Herstellern. Das Bioqualität sich im Preis niederschlägt, dürfte klar sein. Da muss man mit einem Mehrpreis schon rechnen. Da hilft natürlich immer ein Vergleich mehrerer Produkte & Anbieter.

      cheers
      Damian