Life Domination IV: Ego – Das falsche Zentrum

Life Domination IV: Ego – Das falsche Zentrum

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Wie bereits angekündigt, ist es an der Zeit für einen weiteren Teil der „Life Domination“-Reihe, doch eine Warnung vorab: Es wird sehr philosophisch und tiefgründig, gesellschaftskritisch und es wird euch eine gute Portion an Konzentration abverlangen. Wer sich aber auf die Reise zum Ego einlässt, dem verspreche ich einen inspirierenen Text, der nicht nur zum weiteren diskutieren animiert, sondern auch zur Reflektion der eigenen Persönlichkeit beiträgt – und so hoffentlich den Horizont des geneigten Leser im tag-täglichen Kampf des (Über)-Lebens ein wenig erweitert.

Life Domination IV: Ego – Das falsche Zentrum

Das Erste was es zu verstehen gilt, ist die Definition dessen, was das Ego ist. Ein Kind wird geboren. Ein Kind wird geboren, doch es kommt weder weise auf die Welt, noch besitzt es automatisch ein Selbstbewußtsein. Und sobald das Kind Eintritt in die Welt gefunden hat, so wird es nicht etwa erst einmal seiner selbst bewußt, nein. Das Erste, dessen ich das Kind bewußt wird, ist das Andere. Dies ist nur natürlich, schließlich sind die Augen nach außen gerichtet, die Hände berühren Andere, die Ohren hören den Anderen zu, die Zunge schmeckt das Essen und auch die Nase nimmt die Gerüche aus der Umwelt auf. All diese Sinneseindrücke sind nach außen gerichtet.

Dies ist die Bedeutung der Geburt. Wer geboren wird, betritt diese Welt – die Welt des Äußeren. Wenn also nun ein Kind geboren wird, so wird es in diese Welt hineingeboren. Es öffnet seine Augen und sieht Andere. „Andere“ heisst in diesem Zusammenhang das „Du.“ Zuerst wird das Kind seiner Mutter bewußt und schließlich – Schritt für Schritt – seines eigenen Körpers. Doch der Körper zählt auch zum Anderen,  denn der Leib gehört dieser jenen Welt, in die das Kind hineingeboren wurde. Es ist hungrig und es fühlt seinen Körper; sind seine Bedürfnisse befriedigt, so vergisst es auch seinen Körper.

Dies ist die Art und Weise wie ein Kind aufwächst. Erst wird es deiner bewußt, der Anderen und dann, langsam aber stetig, im Kontrast zu dir und den Anderen, seiner selbst.

Diese Erkenntnis, dieses Bewußtsein ist ein reflektiertes Bewußstein. Das Kind ist sich nicht dessen bewußt, was es ist. Es ist sich einfach nur der Gegenwart seiner Mutter bewußt – und was diese über ihn denkt. Wenn sie lächelt, wenn sie das Kind wahrnimmt und anerkennt, wenn sie liebevoll sagt „Du bist wunderschön,“ wenn sie das Kind umarmt, dann bekommt das Kind ein gutes Gefühl über sich selbst. Jetzt erst wird das Ego, das Ich, geboren.

Durch Anerkennung, Liebe und Fürsorge beginnt das Kind sich wohl zu fühlen. Es stellt fest, dass es geliebt wird und wertvoll ist…es denkt, dass seine Existenz einen Unterschied macht.

Ein Zentrum wird geboren.

Doch dieses Zentrum basiert auf Reflektion. Es ist nicht das wahre Lebewesen. Das Zentrum weiß nicht was es ist; es weiß einfach nur was andere von ihm denken. Und das ist das Ego: eine Reflektion, was andere über es denken. Wenn niemand denkt, dass das Ego einen Nutzen hat, wenn niemand es wertschätzt, wenn niemand es anlächelt, dann wird auch ein Ego geboren – ein krankes Ego; traurig; zurückgewiesen und verwundet; es fühlt sich minderwertig und nutzlos. Ja, auch das ist ein Ego, auch das ist eine Reflektion.

Erst kommt die Mutter – und Mutter steht für die Welt am Anfang. Die „Anderen“ schließen sich wenig später der Mutter an und die Welt … beginnt zu wachsen! Und je mehr diese Welt wächst, desto komplexer wird das Ego. Es wird komplexer, weil viele Meinungen reflektiert werden.

Das Ego ist ein akkummuliertes Phänomen, ein Nebenprodukt welches durch das Leben mit anderen erschaffen wird. Wenn ein Kind nun in totaler Isolation lebt, so wird es auch niemals ein Ego entwickeln – doch das wird ihm nicht weiterhelfen. Das Kind wird ein Tier bleiben und es wird nie das Wahre selbst erleben.

Das was wahr ist, kann nur dadurch erkannt werden durch das, was falsch ist. Deswegen ist das Ego eine Notwendigkeit – man muss dieses Stadium durchlaufen; es ist eine Disziplin, wenn man es so ausdrücken möchte. Da Reale kann nur durch eine Illusion erkannt werden – man kann die Wahrheit nicht auf direktem Wege wissen. Als erstes muss man sich dessen gewahr werden, was nicht wahr ist. Als erstes muss man auf das Falsche treffen und durch diesen Umstand wird man in die Lage versetzt die Wahrheit zu erkennen. Wenn ihr also das Falsche als falsch erkennt, dann wird euch die Wahrheit langsam dämmern.

Das Ego ist eine Notwendigkeit; eine soziale Notwendigkeit – es ist ein gesellschaftliches Nebenprodukt. Gesellschaft, dass ist all das um euch herum. Nicht ihr selbst, sondern alles, was euch umgibt. Alles minus euch selbst – dass ist die Gesellschaft. Und jeder einzelne darin reflektiert. Ihr werdet die Schule besuchen und die Lehrer werden darüber reflektieren, wer ihr seid. Ihr werdet die Freundschaft mit anderen Kindern kennenlernen und schließen und auch sie werden reflektieren wer ihr seid. Schritt für Schritt wird jede einzelne Person, die ihr kennenlernt, einen Beitrag zu eurem Ich, eurem Ego, leisten und jede Einzelne wird versuchen, es so zu modifizieren, dass ihr nicht zu einem Problem für die Gesellschaft werdet.

Sie sind nicht um euch bemüht.

Sie sind um die Gesellschaft bemüht.

Die Gesellschaft ist um sich selbst bemüht und so sollte es auch sein.

Sie alle sind nicht etwa darum bemüht, dass ihr zu jemanden werdet, der sich selbst kennt. Sie sind vielmehr darum bemüht, dass ihr zu einem effizienten Mechanismus der Gesellschaft heranwachst. Ihr sollt in das Muster passen, also versuchen sie euch ein Ego zu geben, welches mit der Gesellschaft konform ist. Sie lehren euch Moral. Moral heisst, euch ein Ego zu geben, welches zur Gesellschaft passt. Wenn ihr unmoralisch seid, dann werdet ihr permanent anecken. Das ist der Grund, weshalb wir Verbrecher im Gefängnis einsperren – nicht etwa, weil sie etwas falsch gemacht haben. Nicht etwa, weil das Gefängnis sie korrigieren und verbessern wird, nein. Sie passen einfach nicht hinein. Es sind Störenfriede. Sie alle haben einen bestimmten Typ von Ego, der von der Gesellschaft nicht anerkannt wird. Wenn die Gesellschaft ihr Einverständnis erteilt, dann ist alles in Ordnung.

Ein Mann tötet einen anderen – er ist ein Mörder. Und jetzt haben wir denselben Mann, der in Zeiten des Krieges Tausende und Abertausende tötet – dieser Mann wird als Held gefeiert. Die Gesellschaft stößt sich nicht an einem Mord, solange dieser Mord zum Wohle der Gesellschaft durchgeführt wird. Dann ist es in Ordnung. Diese Gesellschaft kümmert sich nicht um Moral.

Moral bedeutet lediglich, dass ihr zur Gesellschaft passen sollt.

Wenn sich die Gesellschaft im Kriegszustand befindet, dann ändert sich die Moral.

Wenn sich die Gesellschaft im Frieden befindet, herrscht eine andere Moral.

Moral ist Gesellschaftspolitik. Es ist Diplomatie. Und jedes einzelne Kind muss so herangezogen werden, dass es in diese Gesellschaft hineinpasst – mehr nicht. Die Gesellschaft ist nur an funktionsfähigen, effizienten Mitgliedern interessiert. Der Gesellschaft liegt nichts daran, dass ihr lernt, wer ihr selbst seid.

Und die Gesellschaft kreiiert das Ego, weil ein Ego kontrolliert und manipuliert werden kann. Das Selbst dagegen kann niemals kontrolliert oder manipuliert werden. Niemals hat es so etwas gegeben, dass die Gesellschaft das Selbst kontrolliert hat – dies ist nicht möglich.

Und das Kind braucht ein Zentrum; das Kind ist sich des eigenen Zentrums unbewußt und die Gesellschaft gibt dem Kind ein Zentrum. Ein Zentrum, von dem das Kind schrittweise überzeugt wird, dass es sein eigenes Zentrum ist – das Zentrum, welches ihm von der Gesellschaft vermittelt wurde.

Ein Kind kommt Heim – wenn es der Klassenbeste geworden ist, dann ist die komplette Familie glücklich. Das Kind wird umarmt, geküsst und auf die Schultern gehoben. Die Familie tanzt und sagt: „Was für ein wunderschönes Kind! Du bist unser ganzer Stolz!“ Dem Kind wird ein Ego vermittlelt, ein unterschwelliges Ego. Und wenn das Kind nach Hause kommt und keinen Erfolg hatte, wenn es versagt hat – etwa weil es einen Test nicht erfolgreich bestanden hat oder weil es vielleicht nicht der beste Schüler gewesen ist – dann bleibt die Anerkennung aus und das Kind fühlt sich zurückgewiesen. Es wird sich beim nächsten Mal mehr anstrengen, weil sein Zentrum erschüttert wurde.

Das Ego wird permanent erschüttert. Es ist auf der Suche nach Nahrung – es sucht jemanden, der ihm Anerkennung zollt. Das ist der Grund, weshalb ihr die ganze Zeit nach Aufmerksamkeit sucht.

Die Idee dessen, wer ihr selbst für euch seid, erhaltet ihr von den Anderen. Es handelt sich hierbei nicht um eine direkte Erfahrung. Es sind die Anderen, die für eure Selbstrezeption verantwortlich sind – sie formen euer Zentrum. Dieses Zentrum ist ein falsches Zentrum, weil ihr euer wahres Zentrum in euch tragt. Dies geht niemanden etwas an und es wird auch von niemandem geformt.

Ihr tragt es in euch.

Ihr werdet damit geboren.

In Wahrheit verfügt ihr also über zwei Zentren. Mit einem davon kommt ihr bereits auf die Welt – die Existenz selbst hat es euch mit auf den Weg gegeben. Das ist das Selbst. Ein anderes Zentrum, jenes welches durch die Gesellschaft kreiiert wird, ist das Ego. Es ist ein falsches Ding – und es handelt sich um einen einzig großen Trick. Durch dieses Ego kontrolliert euch die Gesellschaft. Ihr müsst euch auf eine bestimmte Art und Weise verhalten, denn nur dann honoriert euch die Gesellschaft. Ihr müsst euch auf eine bestimmte Art und Weise bewegen; ihr müsst auf eine bestimmte Art und Weise lachen; ihr müsst entsprechende Manieren haben, eine Moral, einem Code, folgen. Dann – und nur dann – akzeptiert euch die Gesellschaft. Und wenn dies nicht geschieht, dann wird euer Ego erschüttert. Und wenn das Ego erschüttert wird, wisst ihr nicht mehr wo ihr seid und wer ihr seid.

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Die Anderen vermitteln euch die Idee. Diese Idee ist das Ego.

Versucht es so weit wie möglich zu verstehen, denn das falsche Zentrum muss abgeworfen werden. Und solange ihr es nicht abgeworfen habt, werdet ihr niemals in der Lage sein euer wahres Selbst zu finden. Der Grund hierfür liegt darin begründet, weil ihr süchtig nach dem Zentrum seid – ihr könnt euch nicht bewegen und ihr könnt euch selbst nicht ansehen.

Und denkt stets daran: Es wird eine Übergangsperiode geben, einen Intervall, in dem euer Ego in seinem tiefsten Innern erschüttert wird. Ein Zeitpunkt, an dem ihr nicht länger wisst wer ihr wirklich seid und wohin es geht. Ein Zeitpunkt, der die Grenzen zum schmelzen bringen wird.

Ihr werdet verwirrt sein – ein einziges Chaos wird herrschen.

Und wegen diesem Chaos habt ihr Angst euer Ego zu verlieren. Doch das muss so sein. Man muss durch das Chaos waten, bevor man in der Lage ist das wahre Zentrum zu finden.

Und wenn ihr es wagt, dann wird diese Übergangszeit nur von kurzer Dauer sein. Doch falls ihr euer Heil in Angst sucht – und wieder in euer altes Ego zurückfallt – und die Dinge wieder zu ordnen beginnt, dann kann die Transition sehr, sehr lange andauern; so lange, dass viele Leben darin verschwendet werden.

Einmal habe ich Folgendes gehört: Ein kleines Kind besucht seine Großeltern. Das Kind war erst vier Jahre alt. Und eines Nachts, als die Großmutter das Kind gerade ins Bett gebracht hatte, fing das Bündel an bitterlich zu weinen und zu schluchzen: „Ich will nach Hause. Ich habe Angst vor der Dunkelheit.“ Doch die Großmutter erwiderte: „Ich weiß sehr wohl, dass du daheim auch in der Dunkelheit schläfst; Ich habe noch nie gesehen, dass das Licht an gewesen ist. Wieso also hast du hier Angst davor?“ Der Junge antwortete: „Ja, das stimmt – aber dort ist MEINE Dunkelheit. Diese Dunkelheit hier ist mir unbekannt.”

Selbst in der Dunkelheit fühlt ihr „Dies ist MEINS.“

Außerhalb? Eine unbekannte Dunkelheit

Mit dem Ego fühlt ihr „Dies ist MEINE Dunkelheit.“

Es könnte problematisch sein und vielleicht sorgt es für Unheil, aber es ist immernoch meins. Etwas, woran man festhält; etwas, woran man sich klammern kann; etwas unter den Füßen; ihr befindet euch nicht in einem luftleeren Raum, ihr befindet euch nicht in der Leere. Vielleicht fühlt ihr euch mies, doch zumindest SEID ihr. Selbst wenn es euch mies geht, gibt es euch ein Gefühl des „Ich bin.“ Sobald ihr euch davon entfernt, übernimmt die Angst die Kontrolle; ihr fangt an euch vor der Dunkelheit und dem Chaos zu fürchten – und das nur, weil die Gesellschaft es geschafft hat, einen kleinen Teil von eurem Selbst zu leeren.

Es ist ganz so, wie wenn man durch einen Wald laufen würde. Ihr rodet einen kleinen Teil. Ihr räumt einen kleinen Platz frei; ihr umzäunt den Platz und baut eine Hütte darauf; ihr legt einen Garten an, pflanzt Rasen und fühlt euch okay. Doch abseits des Zauns – also dem Wald – lauert die Wildnis. Hier auf eurem Grundstück ist alles in Ordnung; ihr habt alles geplant und so ist das alles passiert, wie ihr wolltet.

Und die Gesellschaft hat einen kleinen Platz in eurem Bewußtsein gerodet. Es hat ganz einfach einen kleinen Teil komplett leergeräumt und eingezäunt. Alles ist an diesem Ort in Ordnung und das ist auch das, was all die Universitäten machen. Die gesamte Kultur ist darin involviert und die Konditionierung wird aufrecht erhalten, um einen Raum zu schaffen, in dem ihr euch zu Hause fühlt.

Schließlich bekommt ihr Angst. Abseits der Zaunes lauert die Gefahr. Ihr exisitert außerhalb des Zaunes und ihr existiert innerhalb des Zaunes – und euer Bewußtsein ist lediglich ein Teil, ein Zehntel, des gesamten Lebewesens. Neun Zehntel davon warten in der Dunkelheit und in diesen neun Zehnteln liegt irgendwo euer wahres Zentrum verborgen.

Man muss es wagen, mutig sein.

Man muss einen Schritt in das Unbekannte tun.

Für eine Weile werden alle Grenzen verschwinden.

Für eine Weile werdet ihr euch wie benommen fühlen.

Für eine Weile werdet ihr sehr viel Angst verspüren und euch erschüttert fühlen – ganz so, als ob ein starkes Erdbeben getobt hätte. Doch wenn ihr mutig seid und nicht zurücklauft; wenn ihr nicht länger in euer altes Ego zurückfallt und immer weiter geht, findet ihr das wahre Zentrum in eurem Innern. Ein Zentrum, dass ihr bereits viele Leben lang in euch getragen habt.

Dies ist eure Seele, euer Selbst.

Sobald ihr euch dem Zentrum nähert, ändert sich alles – und alles beruhigt sich wieder. Doch jetzt ordnet sich alles nicht wegen der Gesellschaft. In diesem Moment wird alles zum Kosmos und das Chaos schwindet. Eine neue Ordnung entsteht. Doch dies ist nicht länger die Ordnung der Gesellschaft – es ist die Ordnung der Existenz selbst.

Dies ist das, was Buddha als Dhamma bezeichnet, was Lao Tzu Tao nennt, was Heraclitus mit Logos tituliert. Dies ist nicht von Menschenhand geschaffen. Es ist die Ordnung der puren Existenz. Und plötzlich wird alles wieder wunderschön – und für das erste Mal im Leben wirklich wunderschön, weil die Dinge, die von Menschenhand geschaffen wurden, nicht schön sein können. Im Idealfall kann man die Hässlichkeit verbergen, mehr jedoch nicht. Man kann sie dekorieren, doch diese Dinge können niemals wunderschön sein.

Der Unterschied ist so fatal wie der Unterschied einer echten Blume zu einer Blume aus Plastik oder Papier. Das Ego ist eine Plastikblume – tot. Es sieht nur aus wie eine Blume, doch es ist keine Blume. Man kann es noch nicht einmal als Blumen bezeichnen. Selbst wenn man es von einem linguistischen Standpunkt aus betrachtet, wäre es falsch dies als Blume zu bezeichnen, denn eine Blume ist etwas, dass blüht. Und dieses Gebilde aus Plastik ist lediglich eine Sache – sie blüht nicht. Sie ist tot und es ist kein Leben in ihr.

Ihr habt ein blühendes Zentrum in euch. Dies ist der Grund, weshalb die Hindus es Lotus nennen. Sie nennen es den tausend-blättrigen Lotus. Eintausend steht in dem Fall für unendlich viele Blätter. Und es blüht, hört niemals auf zu blühen und stirbt niemals. Doch ihr seid zufrieden mit eurem Plastik-Ego.

Es gibt einige Gründe für eure Zufriedenheit. Die Zufriedenheit mit einem toten Ding resultiert aus den vielen Bequemlichkeiten. Eine dieser Bequemlichkeiten ist die Tatsache, dass ein totes Ding niemals stirbt. Es kann nicht sterben, schließlich war es nie am Leben. Man kann sich also Plastikblumen anschaffen und sie sind auf ihre eigene Art und Weise gut. Sie sind permanenter Natur; sie sind nicht für die Ewigkeit, doch sie sind permanent.

Doch die echte Blume, draußen im Garten, ist für die Ewigkeit. Sie mag nicht permanent sein und die Ewigkeit manifestiert sich auf eine eigene Art und Weise der Ewigkeit. Die Natur der Ewigkeit liegt darin, dass sie immer und immer wieder geboren wird – und das sie irgendwann sterben muss. Durch den Tod erneuert sie sich; verjüngt sich auf diesem Weg selbst.

Für uns sieht es so aus, als ob die Blume gestorben wäre – doch sie stirbt niemals.

Sie ändert nur ihren Körper und bleibt so auf ewig jung.

Sie verlässt den alten Körper und betritt einen Neuen. Sie blüht irgendwo anders; und sie blüht ewiglich.

Doch wir können diese Kontinuität nicht sehen, weil sie unsichtbar ist.

Wir sehen immer nur eine einzige Blume, dann eine Andere; wir sehen aber niemals die Kontinuität.

Es ist diesselbe Blume, die gestern bereits erblüht ist.

Es ist diesselbe Sonne, nur in einem anderen Gewand.

Das Ego hat eine bestimmte Qualität – es ist tot. Es ist ein Plastikgebilde. Und es ist obendrein auch einfach zu erringen, weil es von anderen gegeben wird. Man muss es nicht suchen und es ist mit keiner Suche verbunden. Das ist der Grund, weshalb ihr – sofern ihr nicht zu einem Sucher nach dem Unbekannten geworden seid – noch kein vollständiges Individuum seid. Ihr seid lediglich ein Teil der Masse. Ihr seid der Mob.

Wenn ihr über kein wahres Zentrum verfügt, wie wollt ihr dann ein Individuum sein?

Das Ego ist kein Individuum. Das Ego ist ein gesellschaftliches Phänomen – es ist die Gesellschaft, doch das seid nicht ihr. Es gibt euch einen Funktion innerhalb der Gesellschaft, eine Hierarchie in der Gesellschaft. Und wenn ihr damit zufrieden bleibt, verpasst ihr die Möglichkeit euch selbst zu finden.

Deswegen fühlt ihr euch so elend. Wie will man mit einem Leben aus Plastik glücklich werden? Wie kann man mit einem solchen Leben nur ekstatisch und glückslig werden? Schließlich kreiiert dieses Ego viele Miserien. Millionenfach.

Ihr könnt nicht sehen, da es eure persönliche Dunkelheit ist, in die ihr blickt. Ihr seid darauf eingestimmt. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass sämtliche Unglücksfälle durch das Ego eintreten? Es kann euch nicht glückselig machen; es kann euch lediglich unglücklich machen.

Das Ego ist die Hölle.

Wann immer ihr leidet, versucht euch darin zu beobachten und zu analysieren. Schließlich werdet ihr feststellen, dass irgendwie das Ego der Auslöser des Ganzen ist. Und das Ego setzt seinen Weg fort und sucht weiter nach Gründen, um zu leiden.

Ihr seid Egoisten – so wie jeder andere auch. Bei einigen ist es mehr als offensichtlich – sie sind widerlich und leicht zu identifizieren. Einige dagegen sind sehr subtil. Tief im innern … und sie sind die wahren Probleme.

Das Ego kommt permanent in eine Konfliktsituation mit den Anderen und das einfach aus dem Grund heraus, weil jedes Ego seiner selbst unsicher (und fragil) ist. Und so muss es auch sein, denn es ist nicht das echte Selbst. Sobald ihr nichts in eurer Hand habt, jedoch trotzdem denkt, dass etwas da ist, dann habt ihr ein Problem.

Wenn nun jemand sagt „Da ist nichts,“ wird der Kampf entfacht, weil ihr ebenfalls fühlt, dass dort nichts ist. Der Andere sorgt nur dafür, dass ihr euch dieser Tatsache bewußt werdet. Das Ego ist falsch und nichts weiter. Und dass wisst ihr ebenfalls.

Und wie will man diese Tatsache auch verpassen? Es ist unmöglich! Ein bewußtes Lebewesen – wie kann ein solches die Tatsache verpassen, dass das Ego ein falsches Ding ist? Und dann sagen die Anderen, dass dort nichts ist…und wann immer dies geschieht, treffen sie einen wunden Punkt, denn sie sagen die Wahrheit. Und nichts tut mehr weh, als die Wahrheit. Man wird in die Ecke gedrängt und muss sich verteidigen, denn wenn man es nicht tut – wenn man sich NICHT verteidigt – was bleibt dann noch von einem?

Ihr werdet verloren sein.

Die Identität wird zerbrochen.

Also müsst ihr euch verteidigen und kämpfen – das ist der Grenzkonflikt.

Ein Mann, der das eigene Selbst erreicht hat, befindet sich niemals in einem Grenzkonflikt. Es mag sein, dass Andere auftauchen und sich in einem Grenzkonflikt mit ihm befinden, doch er befindet sich mit niemandem im Grenzkonflikt.

Es ereignete sich eines Tages, dass ein Zen-Meister durch die Straßen eilte. Ein Mann kam auf ihn zugerannt und stieß ihn schwer an. Der Meister fiel zu Boden. Er erhob sich und setzte seinen Weg – ohne zurückzublicken – in diesselbe Richtung fort, in die er zuvor geeilt war.

Ein Schüler, der den Meister auf seinem Weg begleitet hat, war sichtlich schockiert. Schließlich fragte er den Meister: „Wer ist dieser Mann? Was war das gerade? Wenn jemand auf eine solche Art und Weise lebt, kann jeder daher kommen und einen töten und ihr, Meister, habt diese Person nicht einmal angesehen. Wer war das und wieso hat er dies getan?“

Der Meister antwortete: „Das ist sein Problem, nicht meines.“

Man kann einen Konflikt mit einem erleuchteten Mann austragen, doch das ist das eigene Problem – nicht das des Erleuchteten. Und wenn ihr in einem solchen Zwist verletzt werdet oder euch verletzt fühlt, dann ist dies gleichfalls euer Problem. Er kann euch nicht verletzen. Dies ist genauso, wie wenn man gegen eine Wand hämmern würde: Ihr werdet euch verletzen, doch die Mauer hat euch nicht wehgetan.

Das Ego sucht stets nach Ärger. Warum? Wenn euch niemand Aufmerksamkeit schenkt, wird das Ego hungrig. Es lebt von Aufmerksamkeit.

Wenn also jemand mit euch kämpft und wütend auf euch ist, so ist dies ebenfalls gut, denn zumindest wird Aufmerksamkeit gezollt. Wenn jemand liebt, ist das okay. Wenn euch niemand liebt, dann ist selbst Wut in Ordnung, denn zumindest erhaltet ihr so ein Quäntchen von Aufmerksamkeit. Doch wenn sich niemand um euch schert und euch keine Aufmerksamkeit zu Teil wird, dann denkt auch niemand, dass ihr eine wichtige Person seid. Ihr macht keinen Unterschied, seid nicht signifikant –  bitte, frage ich euch jetzt, wollt ihr so euer Ego füttern?

Die Aufmerksamkeit Anderer wird benötigt.

Ihr erhaltet die Aufmerksamkeit Anderer auf Millionen von Wegen: die Art wie ihr euch kleidet, der Versuch schön auszusehen, euer Verhalten, wenn ihr höflich werdet, wenn ihr euch verändert. Wenn ihr fühlen könnt, welche Situation gerade vorliegt, verändert ihr augenblicklich euer Verhalten, so dass Leute euch Aufmerksamkeit schenken.

Dies ist eine tiefe Art des Bettelns. Ein echter Bettler ist jener, der um Aufmerksamkeit bettelt und diese einfordert.

Und ein wahrer Kaiser ist einer, der für sich selbst lebt.

Er verfügt über ein eigenes Zentrum und er ist von niemandem abhängig.

Buddha sitzt unter seinem Bodhi-Baum…und wenn die Welt plötzlich verschwinden würde, würde dies einen Unterschied für Buddha machen? Es würde keinen machen. Es würde überhaupt keinen Unterschied für ihn machen. Wenn die ganze Welt verschwinden würde, würde dies keinen Unterschied für ihn machen, weil er sein Zentrum bereits erreicht hat.

Doch was ist mit euch? Wenn euch die Ehefrau davonläuft, sich scheiden lässt, mit jemand anderem verschwindet…dann seid ihr komplett am Boden zerstört. Sie hat euch Aufmerksamkeit geschenkt, sich um euch gekümmert, euch geliebt; sich um euch herum bewegt und euch das Gefühl gegeben, dass ihr jemand seid. Jetzt ist euer ganzes Reich zerstört und ihr seid am Boden. Ihr beginnt über Selbstmord nachzudenken. Doch warum? Wieso solltet ihr, wenn euch eure Frau verlassen hat, Selbstmord begehen? Wieso solltet ihr, wenn euch euer Ehemann verlässt, Selbstmord begehen? Doch nur, weil ihr kein eigenes Zentrum habt – eure Frau hat euch euer Zentrum gegeben; euer Ehemann hat euch euer Zentrum gegeben.

Dies ist die Art und Weise wie Leute existieren. Dies ist die Art und Weise, auf die Leute von anderen abhängig werden. Dies ist eine Art von Sklaverei. Das Ego MUSS ein Sklave sein. Es ist von anderen abhängig. Und nur eine Person, die über kein Ego verfügt, ist das erste Mal in ihrem Leben der Meister; sie ist nicht länger ein Sklave. Versucht dies zu verstehen.

Und beginnt damit Ausschau nach dem Ego zu halten – nicht in Anderen, das ist nicht euer Bier. Haltet danach Ausschau in euch. Wann immer euch elend zu Mute ist, schließt die Augen und versucht herauszufinden woher dieses Unglück kommt. Und ihr werdet den Grund stets im Falschen ausfindig machen können, nämlich dann, wenn euer Ego sich mit jemand anderem in einem Grenzkonflikt befindet.

Ihr habt etwas erwartet und es ist nicht eingetreten. Ihr habt etwas erwartet und es ist das genaue Gegenteil eingetreten – euer Ego ist erschüttert, ihr fühlt euch elend. Schaut euch nur um. Und wann immer ihr euch mies fühlt, versucht herauszufinden weshalb dies so ist. Die Gründe liegen nicht außerhalb von euch. Der basale Grund liegt in euch – doch ihr schaut stattdessen immer nach außen und fragt euch:

Wer sorgt dafür, dass ich mich schlecht fühle?

Wer ist der Auslöser für meinen Zorn?

Wer ist der Grund für meine Verbitterung?

Und wenn ihr weiterhin nach außen schaut, dann verpasst ihr das Wesentliche. Schließt einfach eure Augen und blickt stattdessen in euch. Die Quelle allen Elends, aller Wut und Bitterkeit liegt versteckt in euch, eurem Ego.

Und wenn ihr die Quelle ausfindig gemacht habt, dann wird es ein Leichtes sein über sie hinwegzusteigen. Wenn ihr feststellt, dass es sich um euer eigenes Ego handelt, welches euch soviel Kummer und Sorgen bereitet, dann werdet ihr vorziehen, es fallen zu lassen – denn niemand ist dazu in der Lage das Unglück weiterhin zu schultern, wenn er begreift.

Und denkt stets daran, dass es keinen Grund gibt, dass Ego fallen zu lassen.

Ihr könnt es nicht fallen lassen. Wenn ihr es versucht, dann macht ihr euch ein weiteres, subtileres Ego zu eigen, welches da sagt: „Ich bin eine demütige Person geworden.“ Versucht nicht demütig zu sein. Das ist nur ein erneutes Ego in bessere Verkleidung – es ist nicht tot.

Versucht nicht demütig zu sein.

Niemand kann sich in Demut versuchen und niemand kann Demut erschaffen, in dem er sich darum bemüht – es geht nicht. Wenn das Ego nicht mehr ist, kommt Demut von alleine. Es ist keine Kreation, sondern ein Schatten des einzig wahren Zentrums.

Und ein wirklich demütiger Mann ist weder demütig noch egoistisch. Er ist einfach einfach. Er ist sich nicht einmal dessen bewußt, dass er demütig ist. Wenn ihr euch dessen bewußt seid, dann ist das Ego am Werk.

Werft einen Blick auf demütige Personen…es gibt eine ganze Million da draußen, die der festen Überzeugung ist, sie wären demütig. Sie verbeugen sich sehr tief, doch beobachtet sie genauer – sie sind die subtilsten Egoisten, die es gibt. Doch nun ist Demut ihr Nahrungsquelle. Sie behaupten „sie seien demütig“ und dann schauen sie euch an und warten darauf, dass ihr ihnen Wertschätzung erteilt.

„Ihr seid sehr demütig,“ möchten sie euch sagen hören. „Tatsächlich bist du die demütigste Person auf der ganzen Erde. Niemand ist demütiger als du.“ Und dann werdet Zeuge des Lächelns, welches über ihr Gesicht kommt.

Was ist Ego? Das Ego ist eine Hierarchie, welche sagt „Niemand ist so wie ich.“ Es kann von Demut gespeist sein – „Niemand ist wie ich. Ich bin der demütigste Mensch.“

Dies hat sich einst zugetragen: Ein Bettler, der gleichzeitig ein Fakir war, betete eines Morgens, als es noch dunkel war in einer Moschee. Es handelte sich um einen bestimmten religiösen Tag, den die Mohammedaner zu feiern pflegten und er war am beten und sprach: „Ich bin ein Niemand. Ich bin der Ärmste der Armen, der größte Sünder aller Sünder.“

Plötzlich befand sich eine weitere Person im Raum, die ebenfalls zu beten anfing. Es handelte sich um den Herrscher des Landes und dieser war sich dessen nicht bewußt, dass sich noch jemand anderes dort befand – es war dunkel und auch der Imperator fing an zu beten:

„Ich bin ein Niemand. Ich bin Nichts. Ich bin leer, ein Bettler an unserer Tür.“ Als er hörte, dass jemand anderes die selben Worte wie er benutzte, protestierte der Herrscher: „Stop! Wer versucht mich dort zu überbieten? Wer bist du? Wie kannst du es wagen vor dem Imperator zu behaupten, dass du ein Niemand bist, wenn er selbst von sich behauptet ein Niemand zu sein?“

So arbeitet das Ego. Es ist subtil. Seine Wege sind so unterschwellig und gerissen, so dass ihr sehr, sehr wachsam sein müsst. Nur dann könnt ihr es sehen. Versucht nicht demütig zu sein. Versucht stattdessen zu sehen, dass all das Elend, all das Unglück, durch das Ego verläuft.

Beobachtet es nur, denn es gibt keinen Grund es fallen zu lassen. Ihr könnt es nicht fallen lassen. Wer wird es abstreifen? Dann wird derjenige zum Ego werden, denn es kommt immer zurück. Deswegen gilt: Was auch immer ihr beabsichtigt zu tun, haltet euch raus. Schaut zu und beobachtet.

Was auch immer ihr tut – Demut, Bescheidenheit, Simplizität – nichts wird dagegen helfen. Es gibt nur eine Option und die besteht darin die Augen offen zu halten und die Quelle allen Unglücks zu lokalisieren. Sprecht es nicht aus, wiederholt es nicht – BEOBACHTET. Denn wenn ich behaupte, es sei die Quelle des Unglücks und ihr es wiederholt, dann ist es zwecklos. IHR müsst zu dem Verständnis gelangen. Wann immer ihr euch schlecht fühlt, schließt eure Augen und sucht nicht den Grund außerhalb. Versucht zu erkennen, woher das Elend kommt. Es ist euer eigenes Ego.

Wenn ihr kontinuierlich fühlt und begreift – wenn ihr das Verständnis erringt, dass das Ego der tief verwurzelte Auslöser ist, dann werdet ihr eines Tages feststellen, dass es fort ist. Niemand streift es einfach so ab. Niemand kann es so einfach abstreifen. Ihr seht es nur; es verschwindet einfach, weil das bloße Verständis, wonach das Ego die Quelle allen Elends darstellt, dafür sorgt, dass das Ego abgelegt wird. DAS BLOßE VERSTÄNDNIS IST DAS VERSCHWINDEN DES EGOs.

Und ihr haltet euch für clever, weil ihr das Ego in Anderen seht. Jeder kann das Ego eines anderen erblicken. Doch wenn es darum geht das eigene Ego zu sehen, wird es problematisch – ganz einfach deswegen, weil ihr das Territorium nicht kennt, welches ihr nie beschritten habt.

Dieser ganze Pfad hin zum Göttlichen, zum Ultimativen, muss auf der Überquerung des Territoriums des eigenen Egos fußen. Das Falsche muss als falsch erkannt werden. Die Quelle allen Elends muss als eben jener Auslöser begriffen werden – dann verschwindet das Ego einfach. Wenn ihr wisst, dass es sich um Gift handelt, dann verschwindet es. Wenn ihr wisst, dass es sich um Feuer handelt, dann verschwindet es. Wenn ihr wisst, dass es sich um die Hölle handelt, dann verschwindet es.

Und dann werdet ihr auch niemals sagen: „Ich habe das Ego abgelegt.“ Ihr lacht einfach nur bei dem Gedanken, denn es ist nur ein Witz – schließlich ward ihr er Erschaffer des Elends.

Eines Abends habe ich mir ein paar Zeichentrickfilme mit Charlie Brown angesehen. In einer Folge hat Charlie mit Bauklötzen gespielt und ein Häuschen daraus gebaut. Er sitzt also dort, inmitten des Klotzhauses und zieht nach und nach die Wände hoch. Schließlich kommt der Moment, wo er sich eingemauert hat; die Wand stand komplett um ihn herum und er beginnt zu rufen: „Hilfe! Hilfe!“

Dabei hat er die Wände selbst gebaut. Nun war er also eingmauert – gefangen. Vielleicht mag das kindisch klingen, aber dies ist prinzipiell das, was wir alle machen. Wir bauen  ein Haus um uns herum und fangen dann an zu heulen: „Hilfe! Hilfe!“ Und das Unglück vervielfacht sich millionenhaft, denn es gibt genug Helfer, die im selben Boot sitzen, wie wir.

Es ereignete sich eines Tages, dass eine wunderschöne Frau zu ihrem Psychiater kam. Der Psychiater sagte: „Kommen Sie bitte etwas näher.“ Und als die gute Dame näher kam, sprang der Mann sie an und umarmte und küsste sie. Die Frau war schockiert, doch dann sagte der Psychiater: „Und jetzt setzen sie sich bitte hin. Damit haben wir mein Problem abgefrühstückt – und was kann ich für sie tun?“

Das Problem vervielacht sich, weil es genug Menschen gibt, die in der gleichen Situation wie wir sind. Und sie würden uns gerne helfen, denn wenn man jemanden hilft, fühlt sich das Ego sehr gut. Sehr, sehr gut. Schließlich seid ihr dann ein großartiger Helfer, ein phänomenaler Guru, ein Meister; ihr helft sooo vielen Leuten und je größer die Menge eurer Gefolgsleute, desto besser fühlt ihr euch selbst.

Aber ihr sitzt im gleichen Boot – ihr könnt nicht helfen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass ihr schadet.

Die Leute, die selbst einen sackvoll Probleme haben, sind nicht besonders hilfreich. Nur jemand, der selbst keinerlei Probleme hat, kann euch helfen. Nur dann verfügt die Person über den nötigen klaren Blick, um tief in euch hineinzusehen. Ein Geist, der keinerlei Probleme hat, kann euch sehen – ihr werdet transparent für ihn.

Ein Geist, der über keinerlei Probleme verfügt, kann durch sich selbst hindurchsehen und das versetzt ihn in die Lage, durch andere zu sehen.

In der westlichen Zivilisation gibt es soviele Schulen der Pychoanalyse. Viele Schulen – und dennoch erreicht die Hilfe die Personen nicht. Im Gegenteil: sie schadet häufig, denn die Helfer bzw. diejenigen die versuchen zu helfen, oder so tun, als ob sie helfen wollten, selbst nichts gebacken kriegen und nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht.

…denn es ist schwierig das eigene Ego zu sehen.

Es ist sehr einfach, wenn es darum geht dass Ego in anderen zu erblicken. Doch darum geht es nicht. Niemand kann einem dabei helfen. Versucht euer eigenes Ego zu lokalisieren. Beobachtet es.

Versucht nicht das Ego schleunigst abzulegen, sondern beobachtet es. Je mehr ihr schaut, desto fähigker werdet ihr. Und schließlich, eines Tages, werdet ihr feststellen, dass ihr es längst abgestreift habt. Und wenn es von alleine von euch abfällt, dann fällt es auch tatsächlich ab. Es gibt keinen anderen Weg. Bevor ihr nicht reif genug dafür seid, könnt ihr es nicht los werden.

Es fällt von euch ab wie ein totes Blatt.

Der Baum macht gar nichts – eine frisch Brise genügt, eine spezifische Situation, und das tote Blatt segelt zu Boden. Dabei ist sich der Baum noch nicht einmal dieser Tatsache bewußt. Es verursacht keinen Lärm, es stellt keine Forderung – nichts. Das tote Blatt fällt einfach ab und vergeht am Boden, so einfach ist das.

Wenn ihr durch euer Verständnis und eure Aufmerksamkeit gereift seid – und wenn ihr euch absolut dessen bewußt geworden seid, dass das Ego der Grund des Unglücks ist – dann werdet auch ihr eines Tages das tote Blatt abfallen sehen.

Es segelt gen Boden und stirbt auf seinen eigenen Akkord hin. Ihr habt rein gar nichts getan, also könnt ihr auch nicht behaupten, dass ihr es abgeschüttelt habt. Ihr seht einfach nur, dass es fort ist – und dann erhebt sich das wahre Zentrum.

Und das wahre Zentrum ist die Seele, der Gott, die Wahrheit – oder welchen Namen auch immer ihr ihm geben wollt. Es ist namenlos – von daher sind alle Namen passend. Ihr könnt es nennen, wie ihr wollt.


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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Wikimedia.org / Tevaprapas Makklay; CC Lizenz


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  • Nika

    Danke für den tollen Artikel der zum Nachdenken anregt, wie auch schon die Vorgänger aus dieser Kategorie.
    Ich hoffe das noch mehr solcher Artikel folgen werden.

  • Eddie

    Echt wieder ein guter und spannender Artikel! Etwas was viel zum nachdenken anregt- eine fortsetzung dieser Artikelreihe wäre echt interessant.