Invictus: Der Wille zur Kraft

Invictus: Der Wille zur Kraft

0 Kommentare

Was ist der Wille zur Kraft? Kein Artikel wäre für den Einstand so sehr geeignet wie der nun Folgende. Bevor wir uns aber der eigentlichen Definition dieser Konstruktion, dem Willen, widmen, möchte ich euch mit einem kleinen Gedicht aus dem Jahre 1875 einstimmen:

Out of the night that covers me, Black as the pit from pole to pole, I thank whatever gods may be For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance I have not winced nor cried aloud. Under the bludgeonings of chance My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears Looms but the Horror of the shade, And yet the menace of the years Finds and shall find me unafraid.

It matters not how strait the gate, How charged with punishments the scroll, I am the master of my fate: I am the captain of my soul.

Das Gedicht trägt den Namen „Invictus“ und ist der lateinische Ausdruck für unbesiegt bzw. unbezwingbar. Es stammt aus der Feder von William Ernest Henley, der im Alter von 12 Jahren an Tuberkulose erkrankt ist. Um sein Leben zu retten, empfahlen die Ärzte Henley das Bein zu amputieren, doch der junge Knabe wehrte sich noch bis zu seinem 17 Lebensjahr, ehe man es ihm schließlich abnahm. Henley überlebte den schwierigen Eingriff und verlebte noch viele Jahrzehnte danach, ehe er im Alter von 53 Jahren verstarb. Seine Beeinträchtigung hat ihn jedoch nicht davon abgehalten ein aktives und erfülltes Leben zu führen.

Viele von uns haben weitaus mehr Glück im Leben, z.B. einen unversehrten Körper und das Privileg mit den eigenen zwei Beinen dahin zu gehen, wohin es uns zieht. Leider haben viele Menschen in den letzten Jahrzehnten vergessen, dass sie Beine haben, die sie von Punkt A nach Punkt B tragen. Stattdessen sitzen viele mehrere Stunden am Tag in gebückter Haltung und starren in einen kleinen Monitor, (siehe: Der Fluch des Mannes) fahren ihren Hintern durch die Gegend und lümmeln am Lebensabend mit einer Tüte voller Chips auf der Couch herum, während sie sich vom Abendprogramm berieseln lassen. Haben unsere Vorfahren etwa viele Jahrtausende dafür gekämpft, dass ihr unsere Freiheit auf diese Art und Weise ausleben? Ich denke nicht.

Schaut ganz tief in euch hinein und fragt euch einmal inständig: Seid ihr der Meister eures Schicksals? Seid ihr der Kapitän eurer Seele?

Invictus: Der Wille zur Kraft

Es muss ein Ruck durch Körper und Geist gehen

Uns steht die Welt offen, wir können für günstiges Geld reisen wohin wir wollen, wir hungern nicht und wir können uns unseren Beruf aussuchen – anders als viele unserer Vorfahren in grauer Vorzeit, wo er die Sicherung des Überlebens (und das Überleben selbst) oberste Priorität genoss. Heute arbeiten wir von 9-17 Uhr, kloppen Überstunden für ein paar Papierscheine mehr und lassen unseren Körper verfallen. Lasst es euch auf der Zunge zergehen: Viele von uns zahlen heute sogar dafür, dass sie Arbeit verrichten dürfen, nämlich in Form einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Und obwohl so viele Leute dem Fitness-Boom erlegen, ist die Zahl derer, die daraus eine Art Lifestyle macht, verschwindend gering. Die bittere Wahrheit: Es gibt eine ganze Menge Menschen dort draußen, die zwar trainieren und sich im Studio abrackern, aber so gar nicht danach aussehen. Doch woran liegt das?

Der Artikel von Christian geht nicht nur dieser Frage nach, sondern stellt auch gleichzeitig die Basis für „den Willen zur Kraft“ dar. Hierin umschreibt er nicht nur seinen Mindset, sondern zeigt euch eine eklatante Kluft der Neuzeit auf, nämlich der Trennung von Körper und Geist. Doch nur wenn Körper und Geist an einem Strang ziehen, können wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichen. Denn dann – und nur dann – sind wir tatsächlich Meister unseres Schicksals und die Kapitäne unserer Seele!

Was ist eigentlich ‘Der Wille zur Kraft’?

Von Christian Zippel

Voller Einsatz ist primär eine Frage des Geistes.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ – Antoine de Saint-Exupéry

Dieser bekannte Spruch hat eine tiefgreifende Bedeutung. Nichtsdestotrotz findet er in unserem Leben kaum Beachtung. Insbesondere in der Erziehung junger Menschen werden fast ausschließlich Aufgaben verteilt und Vorhaltungen gemacht: „Ernähre Dich gesund.“ „Pass auf Dich auf.“ „Trink nicht so viel.“ Die Begründungen fallen zumeist ebenfalls sehr spärlich aus: „Das macht man so.“ „Das ist wichtig.“

Da ist es nicht gerade verwunderlich, dass sich so gut wie niemand daran hält. Schließlich scheint diesen Grundsätzen der tiefere Sinn zu fehlen und niemand, der für sich einen freien Willen beansprucht, wird sich an derartige Anweisungen halten, nur weil Sie von jemand anders gepredigt werden.

Wer zudem auf Grund seines jungen Alters noch keine feste Orientierung in unserer Welt gefunden hat, wird sich auch dementsprechend orientierungslos verhalten. Wer nämlich noch kein festes Ziel für das eigene Leben vor Augen hat, dem ist das eigene Leben auch relativ egal. Entsprechend respektlos wird dann auch mit der eigenen Gesundheit und der eigenen Lebenszeit umgegangen. Daran können Vorhaltungen und Ermahnungen anderer Menschen auch nichts ändern.

Der Geist befiehlt. Der Körper folgt.

try-notSobald in einem Menschen jedoch einmal der geistige Funke zu einem festen Ziel gezündet hat, der das Potential in sich trägt, zu einem brennenden Feuer anzuwachsen, wird dieser Mensch sein gesamtes Leben nach diesem Ziel ausrichten.

Für einen Jugendlichen zum Beispiel, der in sich den Drang verspürt, das Potential seiner körperlichen Entwicklung nicht mehr brach liegen zu lassen, wird sich sein gesamte Leben verändern, weil sich sein Denken verändert hat. Sobald er in seinem Geist die Sehnsucht nach einem durchtrainierten, starken und muskulösen Körper entfacht hat, hat er ein festes Ziel vor Augen.

Ganz plötzlich wird er anfangen, sich für Anatomie und Ernährung zu interessieren. Er wird sich bei den verschiedenen Themen der Sportwissenschaften einlesen und versuchen möglichst viel von diesem Wissen umzusetzen. Außerdem wird er beginnen, sich um seine Gesundheit zu sorgen und seine Zeit sinnvoller zu nutzen. Selbst am Wochenende wird er nicht mehr feiern, sondern trainieren gehen. Sein einziger Kater ist von nun an der seiner Muskeln und es geht ihm nicht mehr darum, möglichst viel zu trinken, sondern möglichst viel zu trainieren.

Der Schlüssel zu langfristigem Erfolg ist nun jedoch nicht von einem ganz speziellen Trainings- oder Ernährungsplan abhängig, sondern von seiner mentalen Stärke. Die Stärke seines Willens entscheidet, ob es ihm auch langfristig möglich sein wird, sich beständig, auf die Erreichung seines Zieles konzentrieren zu können.

Wege gibt es nämlich viele und fast alle führen zum Ziel. Die meisten Menschen scheitern jedoch nicht in ihren Bestrebungen, weil sie sich auf dem falschen Weg befinden, sondern weil sie ihr Ziel aus den Augen verloren haben.

Die Notwendigkeit mentaler Stärke

tumblr_mubmatfK0S1sbgafmo1_500

Der Wille zur Kraft – ein Mindset mit unglaublicher Durchsetzungskraft.

Über die Notwendigkeit mentaler Stärke wird heutzutage kaum nachgedacht und noch weniger geredet. Überall geht es nur um Trainings- sowie Ernährungspläne und -systeme. Und wenn die Fortschritte auf sich warten lassen, dann wird die Schuld dem jeweiligen Plan oder System zugeschrieben.
Damit ist man zwar oberflächlich betrachtet fein raus, doch in Wirklichkeit liegt das Scheitern in einem selbst begründet und zwar in grundlegenden mentalen Schwächen:

Derjenige nämlich, der keinen starken Willen, kein mentales Fundament, kein festes Ziel hat, der wird auf jedem Weg, bei jedem System und bei jedem Plan scheitern. Wie am Laufband werden dann verschiedene Systeme und Pläne durchprobiert. Zusätzlich werden Unsummen für Nahrungsergänzungsmittel – sog. Supplements – verpulvert.

Wenn die Fortschritte dann weiterhin ausbleiben, gibt es für viele nur drei Auswege: Entweder wird die Hantel endgültig in die Ecke geschmissen und nie wieder angerührt, oder es erfolgt der Griff zu diversen biochemischen teilweise illegalen Hilfsmitteln, oder man findet sich damit ab, einfach nur mittelmäßig zu bleiben. Erstens sind all diese Wege es nicht wert beschritten zu werden und zweitens sind sie alle nur eine Folge des Herumdoktorns an Symptomen und der Verkennung der wahren Ursachen:

Die wahren Ursachen des Scheiterns liegen nämlich nicht in der Schwäche der Sache, sondern in der Schwäche des Geistes.

Nur weil wir ab und an daran denken, dass es schön wäre, einen durchtrainierten Körper zu haben, wird sich in der Konstitution desselben nichts verändern. Selbst regelmäßiges Training und eine bedachte Ernährung helfen da nicht viel weiter, wenn der eigene Wille nicht ausreichend geschult wird.

Die Körper-Geist-Verbindung

1373806686979Bisher sind all diese Gedanken nämlich nur kurzfristig aufflammende Momente unseres Bewusstseins. Erst dann wird der Wille zu Fleisch! Um jedoch wirklich Einfluss auf die Entwicklung unseres Körpers nehmen zu können, müssen wir nicht nur ab und zu an unsere Ziele denken. Wir müssen fest an sie glauben, um sie auch im Keller unseres Geistes – unserem Unterbewusstsein – fest verwurzeln zu können.
Durch wissenschaftliche Untersuchungen wurde nämlich herausgefunden, dass unser Wille nur dann stark ist und sein Potential entfalten kann, wenn er nicht nur an der Spitze unseres Geistes – unseres Bewusstseins – erscheint, sondern, wenn auch inständig an seine Verwirklichung geglaubt wird. Erst dann wird der Körper in seiner Entwicklung auch seinem geistigen Ziel folgen.

Wenn man es schafft, diesen starken Willen zu erschaffen und in den Tiefen des Geistes zu verankern, dann sind Pläne und Systeme sekundär. Sehr schnell wird man gewisse Prinzipien entdecken auf die es wirklich ankommt und wenn man diese beachtet und beständig weiterentwickelt, dann wird der Fortschritt auch nicht lange auf sich warten lassen. – Über genau diese Prinzipien schreibe ich derzeit in meinem Buch.

Die meisten Menschen leben als Fremde in ihrem Körper. Sie haben zwar das ein oder andere Ziel, aber ihr Körper gehorcht ihnen nicht. Was bei ihnen absolut verkümmert ist, ist die sogenannte Körper-Geist-Verbindung.

Der Wille zur Kraft

Erst wenn man an der Stärke des eigenen Willens arbeitet und diesen auch auf das Unterbewusstsein zu übertragen weiß, wird sich diese Brücke zwischen dem bewusstem Geist und seinem Körper verstärken und weiter entwickeln. Erst dann, wenn wir nämlich auch unser Unterbewusstsein im Griff haben, haben wir auch unseren Körper und seine Entwicklung im Griff. Das ist wahre Körperbeherrschung und „Der Wille zur Kraft“ ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Schlussendlich und in Anlehnung an das einleitende Zitat von Antoine de Saint-Exupéry können wir nun folgendes Fazit ziehen:

Wenn Du einen durchtrainierten Körper aufbauen willst, so halte Dich nicht mit hochkomplizierten Systemen, chemischen Hilfsmitteln und pedantischem Kalorienzählen auf, sondern stärke vor allem Deinen Willen und glaube an ihn. Dann wird Dein Körper auch Deinen Zielen folgen.


Opt In Image
Werde zum Fitness- & Ernährungsexperten!
Schlanker, stärker, ästhetischer, gesünder!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte - neben weiteren hochwertigen und einzigartigen Infos rund um Fitness, Gesundheit & Ernährung - regelmäßige Updates und Neuigkeiten rund um Aesir Sports.

Unser Versprechen: Kein Spam - nur 100% Aesir Sports!


Über Christian Zippel

Dr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder geistigen Austausch den direkten Kontakt zu Christian sucht, der wird hier fündig: http://www.christian-zippel.de

Besuche meine Website
Alle Beiträge ansehen


Teile diesen Artikel: