Ein Profi werden – Teil 2: Gute Dinge brauchen ihre Zeit

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“Do today what others won’t, so you can do tomorrow what others can’t.” – Unbekannt

Habt ihr euch nicht auch schon einmal gefragt, wohin das Fernsehniveau verschwunden ist? Kennt ihr dieses nostalgische Gefühl, dass das Programm einst, in allzu ferner Vergangenheit, euch noch zu fesseln vermochte und eure eigene (kindliche) Fantasie beflügelt hat? Und wie viele von euch haben mittlerweile den Fernseher ausgeschaltet? Eingemottet? Verschenkt. Zerkloppt? Es wird doch sowieso nur noch seichte Kost gesendet, Hartz IV TV garniert mit einer ordentlichen Ladung an Werbung, die uns – wie in Pawlow’s berühmt-berüchtigten Experiment – konditionieren und zum Kauf von unnützem und ungesundem Kram animieren soll. Aber vor allem soll uns das Trivialfernsehen verblöden, Zeit stehlen und von den wichtigen Dingen des Lebens ablenken.

Das ist ein wunderbares exemplarisches Beispiel dafür, wie sich unsere Kultur allmählich gewandelt hat. Wir hangeln uns von Wochenende zu Wochenende, ertränken unseren Kummer (und Verstand) im Alkohol und lassen uns von der Medienlandschaft berieseln. Selber nachdenken, kritisches Hinterfragen, selber etwas auf die Beine stellen? Ain’t nobody got time fo‘ dat.

Anstatt die Produzenten unseres Lebens zu sein, degenerieren wir – langsam aber stetig (und kaum merklich) – zu willenlosen Konsumenten mit einer niedrigen Frustrationstoleranz und einer Fastfood-Mentalität. Haben will!

Vielleicht habt ihr ja bereits in unseren vergangenen Artikel, „Ein Profi werden: Die 7 Gewohnheiten der Erfolgeichen,“ reingeworden, (Falls nicht, habt ihr jetzt noch die Chance dazu!) indem es darum ging die Gewohnheiten der Profis zu analysieren und herauszuarbeiten. Doch wnterscheidet solche Personen vom durchschnittlichen Otto Normal Eisenwillie und was macht sie so erfolgreich?

Es sind im Wesentlichen 2-3 Dinge, die einen Gewinner vom Verlierer trennen:

  • Der Gewinner scheut keine Arbeit
  • Der Gewinner ist geduldig und bleibt beharrlich am Ball
  • Der Gewinner hat gelernt mit Fehlschlägen umzugehen und diese auch zu akzeptieren (aber er hat auch gelernt, wieder aufzustehen, sich den Dreck aus der Hose zu klopfen und sich wieder in den Sattel zu schwingen)

Der heutige Artikel ist ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Perfektion und schildert eindrücklich, worauf es ankommt, wenn man in einem bestimmten Sachgebiet überdurchschnittliche Ergebnisse – Exzellenz und Magnifizenz – erreichen möchte.

Ein Profi werden – Teil 2: Gute Dinge brauchen ihre Zeit

Aus dem Englischen von D.N. „Furor Germanicus“ M. / copyright by Kratosguide & Aljosa Popadic

Aus irgendwelchem Gründen begann ich bereits in sehr frühen Jahren damit viel zu lesen. Als ich  3 Jahre alt war, tobte gerade der Balkankrieg der 90er Jahre. Mein Vater war zu der Zeit nur selten zu Hause und so packten meine Mutter und ich uns immer in warme Decken ein und entzündeten eine Kerze, während draußen die Erde und unsere Hauswände bebten. Es gab keine Elektrizität und da wir nicht wussten, wie wir uns ablenken sollten, brachte mir meine Mutter das Alphabet bei. Es stellte sich schon sehr bald heraus, dass ich ein gewisses Talent für Sprachen besaß.

Ich pflügte durch Kinderbücher und fing im Alter von 5 Jahren an Literatur für Erwachsene zu lesen. Mittlerweile schrieb ich auch zahlreiche Kurzgeschichten, die – wie ich zugeben muss – eigentlich mehr als oft auf den Filmen basierten, die ich erst kürzlich gesehen hatte. Diese Gewohnheit behielt ich bei und so schrieb ich in meiner Freizeit zum Zeitvertreib. Zum Ende meiner Grundschulzeit (wir wohnten nun in Australien) verfasste ich abgefahrene Texte, die meine Lehrer in Staunen versetzten.

Als ich im Alter von 12 Jahren die High-School beendete, schrieb ich Geschichten für Leute, welche diese eigentlich als Hausaufgaben bekommen hatten, denn für mich war das keine Arbeit. Es war Spaß. Und so erhielten diese Schüler perfekte Noten – jedes Mal.

Worauf ich eigentlich hinaus will (und was ihr im Hinterkopf behalten sollt) ist die Tatsache, dass diese Fähigkeit nicht plötzlich über Nacht über mich kam. Dies soll gewiss nicht arrogant rüberkommen, denn ich glaube, dass jeder von euch über spezifische Kenntnisse und eine Expertise in verschiedenen Bereichen besitzt, für die ihr sehr viel Zeit aufgebracht und die ihr geübt habt.

Bei mir war es eben das Schreiben. Heute bin ich auf einem Niveau, auf dem ich praktisch gar nicht mehr bewusst darüber nachdenke, was ich da schreibe. Ich habe eine Idee im Kopf und lasse dann meine Finger über die Tastatur gleiten – et voila: Innerhalb von wenigen Minuten habe ich einen gut geschriebenen Text vor mir, der die ursprüngliche Idee nahezu perfekt darstellt. (Nochmal: Das soll keine profane Prahlerei darstellen – darum geht es hier definitiv nicht)

Ich bin nicht mehr talentiert als ihr. Wenn ihr allerdings 16 Jahre mit einer bestimmten Tätigkeit verbringt, dann werdet ihr vermutlich irgendwann besonders gut darin werden.

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Die Ruhe vor dem Sturm: Über Expertise und das Bergsteigen

Auf der anderen Seite des Spektrums haben wir meinen Vater. Der Kerl hat 20 Jahre damit verbracht als Bergsteiger in Europa zuzubringen. Wann immer er mich also auf eine Klettertour mitnahm, kannte er jede Pflanze (inklusive ihrer lateinischen Namen), ihre Verwendungsmöglichkeit (wenn vorhanden) und wo man sie üblicherweise finden konnte. Für mich waren dies allerdings nur Gräser, die irgendwo auf einem Berghang wuchsen. Großes Kino. Für ihn stellten diese Gräser und Kräuter ein nützliches Werkzeug dar, dass er für sich zu nutzen wusste. Er konnte auch das Wetter vorhersagen, so als würde er über einen 6. Sinn verfügen.

Als wir eines Tages beinahe die Spitze eines Berges im Balkan erreichten, hielt mein Vater an und sah sich für einige Augenblicke die Wolken an. Schließlich fasste er den Entschluss, dass wir umkehren sollten. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass ich ein wenig außer mir gewesen bin – schließlich hatten wir den ganzen Weg bis dahin zurückgelegt und knapp 20 Minuten, bevor wir die Spitze erreichen würden, sollten wir nun umkehren?! Eiskalt sagte er dann: „Genau das werden wir tun. Ein Sturm zieht auf. Runter vom Berg. SOFORT!“

Es war ein sonniger Tag und am Himmel – weit in der Ferne – bildeten sich ein paar Wölkchen. Ich schätzte, dass es mindestens 4 Stunden dauern würde, bis uns der erste Regentropfen erwischen würde und bis zu diesem Augenblick könnten wir ruhig und gemächlich den Berg runtersteigen. Doch mein Vater bestand darauf, dass wir sofort umkehren sollten – also kehrten wir um.

Mein Pops machte Druck und wir beeilten uns. Auf dem Weg nach oben haben wir, ausgehend von dem Punkt, an dem wir gestartet sind und unser Auto geparkt hatten, zirka 2 Stunden dafür gebraucht. Für den Abstieg brauchten wir nur 45 Minuten und am Ende war ich mehr als platt.

Doch erst jetzt begriff ich: Der Himmel färbte sich dunkelgrau und war bereits mit grünen Flicken durchwachsen. Genauso sieht der Himmel was, bevor ein wahrer Killersturm losbricht. Als wir das Auto erreichten, fing es bereits an zu nieseln. Es regnete, sobald wir im Auto saßen und 20 Minuten später, nämlich als wir die Hütte erreichten, hagelte es große Eiswürfel.

Wäre mein Vater nicht gewesen, dann hätten wir uns irgendwo am Hang in Sicherheit bringen müssen. Wir wären nass und vom Wind ausgepeitscht geworden und würden uns inmitten eines Killersturms befinden. Der Rückweg wäre durch aufkommenden Nebel erschwert gewesen und der Hagel hätte uns durchgeprügelt. Jeder Bergsteiger, der ein wenig Ahnung von seinem Hobby hat, wird euch an dieser Stelle sagen, dass die Überlebenschancen sehr gering (bis nicht vorhanden) sind.

Übung macht den Meister oder: Know your shit

Wenn ihr euch einmal die Zeit nehmt und eine Person betrachtet, die sehr viel Zeit in etwas investiert hat, dann scheinen diese Leute eine schier supernatürliche Fähigkeit zur Performanz in diesem Sachgebiet zu besitzen. Schon jemals einen alt-eingesessenen Zocker oder den Kartengeber in einem Casino in Augenschein genommen? Oder einen Programmierer, der scheinbar auf eine unsägliche Wall of Text blickt und sie wie ein Kinderbuch liest? Oder vielleicht einen Stuntman mit übermenschlichen Fahrskills? Einen Profi-Koch, wie er das Essen zubereitet?

Könnt ihr dieses Gewicht heben? Vermutlich nicht. NOCH NICHT. Könntet ihr es nach 2 Wochen intensivem Krafttraining tun? Nun, vermutlich immer noch nicht – und hier liegt auch das Problem: Die meisten Leute wollen alles sofort können. Eigentlich wolltet ihr vermutlich auch SCHON IMMER ALLES SOFORT, z.B. wenn euer Papa gesagt hat „Nein, nicht jetzt,“ wenn ihr um ein Eis gefragt habt als ihr vier Jahre alt wart.

Die Kultur, in der wir eingebettet sind,  fußt in obsessiver Art und Weise auf Ungeduld. Sobald man einen Moment auf etwas warten muss, ist es den Aufwand nicht mehr wert. Die Menschen wollen einen sofortigen Zugriff auf alles – und das pronto!

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Die Fastfood Mentalität

Mahlzeiten, die am besten schon zubereitet sind und nur 5 Minuten zum warmmachen benötigen – oder: Scheiß aufs Kochen und gleich was beim Fastfood-Lieferdienst bestellen. Der Pizzalieferant ist 2 Minuten zu spät? Die Pest soll den Bastard ereilen! Schon einmal jemanden sagen hören, dass der Trailer besser war, als der eigentliche Film? Warum? Vielleicht weil der Trailer sämtliche actiongeladenen Szenen zu einem bequemen 2-Minuten-Paket schnürt und all das langweilige „Beiwerk“ inklusive langweiliger Dialoge drum herum ausspart? (die aber für die Story, nichtsdestotrotz, essenziell sind)

Und wie steht es um die vielen Leute, die sich bereits an etlichen Eintagsfliegen aus dem Diätsektor versucht haben oder all jenen, die sich mit zahlreichen Wunderpillen über einen Zeitraum von 4 Jahren begnügten – und am Ende sind immer noch fett und unförmig waren. Gelernt haben sie aber wenig und so hängen sie noch immer halbgaren Ernährungskonzepten und Wundersupplementen an, ständig auf der Suche nach DER EINEN METHODE, mit der mit möglichst geringem Aufwand – aber in Rekordzeit – zum Idealgewicht kommen möchte.

Wenn die gleichen Leute sich jedoch dazu entschließen würden sich im Verlauf dieser 4 Jahre dem Steak und Eisen zu verschreiben – und sich an ihren Vorsatz zu halten – würden sie einfach phänomenal aussehen. Immerhin: 4 Jahre waren ausreichend um einen Online-Gamer mit ektomorpher Veranlagung namens Zyzz zu einer inspirativen Ikone in der Fitness- und Bodybuildingszene werden zu lassen.

Doch die Leute sehen immer nur das Endprodukt und ignorieren die Zeit und Arbeit, die nötig ist,  um überhaupt dorthin zu gelangen. Diese Leute erreichen ihre Ziele aber freilich nie.

Wenn ich euch an dieser Stelle sagen würde, dass ich euch zu einem Halbgott in einem Bereich eurer Wahl machen könnte – und ihr dafür lediglich zu meinem Wochenend-Seminar kommen und 500 € bezahlen müsstet – würdet ihr es dann machen?

Vermutlich schon.

Harte Arbeit zahlt sich aus. Immer.

Der Punkt auf den ich hinaus möchte – und darauf läuft es im Endeffekt immer hinaus – ist folgendes: All die guten Dinge des Lebens, die es wert sind getan und erreicht zu werden, benötigen viel Zeit und Arbeit. Doch wenn ihr bereit seid diese Ressourcen zu investieren, dann sind diese Ziele alle im Rahmen des Möglichen. Und sie alle sind es verdammt nochmal wert!

Das Ding ist eigentlich, dass das Erreichen eines Endzieles und das damit verbundene Feeling gar nicht so großartig sind, wie viele einem immer weißmachen wollen. (Auch wenn es schon ziemlich cool ist) Das, was wirklich atemberaubend ist, ist die Tatsache dass man sich live dabei zusehen kann wie man immer besser wird in dem was man tut. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn man sich mit dem Beginn der Reise, auf die man sich begibt, schwertut. Je schwerer es euch fällt etwas zu tun, desto besser fühlt es sich an, wenn ihr schließlich erste Erfolge für euch verbuchen könnt.

“The hardest things in life are done the least but provide the most.” Greg Plitt

Als ich das erste Mal einen Tennisschläger in die Hand nahm, war ich grottenschlecht in dem Sport, aber das Spiel brachte mir sichtlich Spaß und deswegen bin ich dabei geblieben. In dem Moment, wo mir ein absoluter Killerschlag gelang – ich spielte nun schon ein paar Monate – stellte ich fest, dass ich durchaus gut darin werden konnte. Das einzige, was ich dafür tun musste, war üben, üben und nochmal üben.

Ich hasste es in der High-School pummelig zu sein, also fing ich mit Boxtraining an. Nach ein paar Monaten wurden meine kraftlosen Seitenhiebe durch wohl platzierte Jabs und Crosses ersetzt. Innerhalb von einem Jahr transformierte ich mich zu einem ernstzunehmenden Flakgeschütz, das es durchaus mit einigen von den schweren Jungs aufnehmen konnte. Als ich schließlich 12 Jahre alt war, zählte ich zu den besten Kampfsportlern der Schule. Ich würde zwar nicht so weit gehen und mich als den besten Fighter der Schule bezeichnen, doch eines war klar: Ich mischte ganz oben mit.

Was ich aber festgestellt habe: Es fühlte sich einfach nur gut an zu wissen, dass man der Standard war, an dem sich die Leute gemessen haben (selbst wenn es ein mieser Standard – etwa der beste Kämpfer der Schule zu sein – gewesen ist). Ab hier könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlen muss der Boss in einer bosshaften Profession zu sein.

Verdammt gut.

Mit jedem weiteren Tag verbessere ich mich am Eisen – das Gewichtheben zählt zu meinem Ergänzungstraining neben dem Martial Arts. Und es fühlt sich einfach geil an, wenn man sich in irgendeinem Gebiet verbessern kann. Je mehr ich mich beim Thai-Boxen, im Jiu-Jitsu und beim Boxen steigere, desto mehr genieße ich den Sport.

Jetzt gilt es am Ball zu bleiben und sich nicht von den Nebensächlichkeiten des Lebens ablenken zu lassen!

“The vast majority of people in this world have convinced themselves that they are incapable of achieving greatness, so they aim for average. When I became aware of this, it changed my perception of life completely. The fiercest competition lies not at the top, but rather on the plane of mediocrity.” – Kratosguide


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Bildquelle Titelbild: deviantart / uhyka / ; CC Lizenz


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