Ein Löwe in Eisen: Kraft kennt keine Geschlechter

Ein Löwe in Eisen: Kraft kennt keine Geschlechter

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Heute kommt ein Artikel, der vollends nach meinem Geschmack ist und mir aus der Seele spricht. Nachdem ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe (und das mehrfach – nämlich hier und hier), weshalb Krafttraining kein „Men-Only“-Ding ist, sondern für Frauen genauso wichtig und nützlich ist.

Ihr müsst schon zugeben: Die Gesellschaft hat ein verschrobenes Ideal dessen, was gesund, ästhetisch und erstrebenswert ist. Im Zuge der Emanzipation und Gleichschaltung der Geschlechter müssen Männer – von einem gesellschaftlichen Standpunkt aus – weder stark noch muskulös sein, dafür etwas im Köpfchen haben. Bei Frauen ist das Ganze noch extremer, denn hier reicht Normalgewicht bei weitem nicht mehr aus, wenn man sich Covermodels bestimmter Hochglanzmagazine, sowie Stars aus Film und Fernsehen ansieht.

Klar, wenn die Männer schon schwach sind und heutzutage nicht einmal einen vernünftigen Klimmzug hinbekommen oder ihr eigenes Körpergewicht heben können, dann muss die Frauenwelt nachziehen, in dem sie sich noch schwächer macht, als sie eigentlich schon ist, oder? Schließlich fühlt sich jeder Hans und Franz in seiner Männlichkeit angegriffen, wenn Frau dazu in der Lage ist mehr zu stemmen und über ein überdurchschnittliches Körpergefühl verfügt, als die untrainierte Nudel, die sich bestenfalls ein Fußballmatch auf dem Sofa ansieht, anstatt selbst etwas für die Fitness zu tun.

Aber ist dies eine sinnvolle Begründung dafür, dass Frauen allgemein schwächer sein – und vor allem schwach bleiben – sollten?

Bestimmt nicht. Was folgt ist ein Plädoyer für das geschlechtsunabhängige Krafttraining!

Ein Löwe in Eisen: Kraft kennt keine Geschlechter

(Bildquelle: Wikimedia.org / Aurelio Arias ; CC Lizenz)

Vorsicht: Bissig! (Bildquelle: Wikimedia.org / Aurelio Arias ; CC Lizenz)

Aus dem Englischen von S. „Simme“ G. / copyright by elitefts.com & Alexander Cortes

Während meiner täglichen Arbeitszeit als Coach trainiere ich eine bunte Mischung aus Männern und Frauen – 50 % Männer und 50 % Frauen. Meine männlichen Kunden strecken, beugen, ziehen und drücken und meine weiblichen Kunden strecken, beugen, ziehen und drücken.

Im Angesicht der Unterschiede, sind die Männer etwas besser mit dem Oberkörper im Ziehen und im Drücken, während Frauen sich besser beim Beugen und Strecken entwickeln. Die Wiederholungszahlen der Frauen sind leicht höher, da es sich gezeigt hat, dass es etwas besser anschlägt. Obendrein regenerieren Frauen generell etwas besser zwischen den Sätzen, als Männer. Ich denke hierfür gibt es genügend bekannte Gründe, aber hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Unterschiede war es das aber auch schon. Jeder bewegt dieselbe Langhantel, jeder legt dieselben Gewichtsscheiben auf und jeder trainiert, um mehr Gewicht auf die Stange legen zu können. Jeder trainiert, um seine Technik zu verbessern und jeder erbringt eine hohe Intensität. Und Jeder trainiert um stärker zu werden.

Stark ist stark. Können Männer mehr Gewicht bewegen? Sicherlich können sie das. Können Frauen trotzdem schwere Gewichte bewegen? Sicherlich können sie das. Hat das Mann- oder Frausein irgendetwas mit der Entscheidung, stärker zu werden zu tun? Nein, hat es nicht. Kraft ist keine „männliche“ Eigenschaft. Es ist nichts, das nur Männer haben. Jeder hat sie, jeder kann sie haben und jeder kann sie aufbauen. Sie ist quasi universell.

Der Grad an Männlichkeit wird in diesem Land aus einer Reihe von Gründen von einem Großteil der Menschen oftmals als erbärmlich wahrgenommen. Männern wird Rückgratlosigkeit, Unreife, sowie körperliche, mentale und geistige Schwäche nachgesagt. Warum ist es so weit gekommen? Schaut euch an, wie wir die Frauen behandelt haben!! Stark ist stark.

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Wir haben Schwäche & Gebrechlichkeit salonfähig gemacht

Wenn ihr euch den Zustand der Gesellschaft ansehen wollt, dann schaut euch den körperlichen Zustand der Bevölkerung an. Wir leben in einer Kultur, die einem dünnen, unterernährtem, körperlich schwachen Frauenkörper als Ideal ansieht und nacheifert. Das ist kein Kompliment an natürlich schlanke Frauen, das ist eine offensichtliche Tatsache. Die Medien und die Werbung haben eine körperverachtende Kultur erschaffen, welche sie dazu bringt, alles was sie an ihrem Körper nicht mögen, restlos abwerfen zu wollen. Frauen mit jeder Kleidergröße fallen dem zum Opfer. Also idealisieren wir Gebrechlichkeit und wundern uns dann, warum Männer so verdammt schwach sind. Leute, diese Dinge gehen Hand in Hand. Wenn Ihr starke Männer wollt, braucht Ihr starke Frauen.

Ich werde richtig depressiv, wenn ich sehe wie Frauen ihren Körper ständig kritisieren. Sie tun das vor ihren Töchtern und die Töchter lernen es von ihren Müttern. Und ich habe dann damit zu kämpfen, wenn mir 52kg Mädels bei meiner Arbeit erzählen wollen, ihre Arme seien zu fett und Frauen beschweren sich, dass sich ihre Beine berühren und sie diesen oder jenen Körperteil an sich hassen. Und die gesamte Fitnessindustrie ist darauf ausgerichtet, ihren Profit daraus zu ziehen. Gott bewahre, sie sind nicht ansatzweise tatsächlich übergewichtig oder fettleibig, aber die Informationen da draußen lassen sie in dem Glauben und lassen sie von einer Diät zur nächsten springen, während sie einen Guru nach dem anderen bezahlen.

Und somit sind die so genannten “schönsten Frauen der Welt”, abgemagertes, blondes, komplett muskelloses, Bullshit-Diäten befolgendes Strandgut, dass aussieht, als ob es vom nächsten Wind weggeweht wird. Und wir wundern uns noch, dass die Männer heutzutage alle Feiglinge sind, die nicht breit und muskulös werden wollen? Wir popularisieren die Schwächlichkeit. Wir haben das Versagen cool gemacht und Schwäche als okay deklariert. Wir reden uns selbst ein, dass Frauen nicht stark sein müssen, und wenn sie nicht stark sein müssen, müssen wir im Gegenzug nicht sehr stark sein, oder? Irgendwo in der Entwicklung haben wir Kraft zu einem Männerding und Schlankheit zu einem Frauending gemacht. Das Ende vom Lied sind schwache Männer und schwache Frauen um dem gerecht zu werden und andersherum.

Wo bleibt der Arsch in der Hose?

“Sie ist stark… für ein Mädchen.” Hört verdammt noch einmal auf so etwas zu sagen! Das gibt nur wieder diese ganze Kausalkette unseres heutigen Zustandes wieder. Was bedeutet das überhaupt? Stark für ein Mädchen in welchem Kontext? Eines Mannes? Eines Mannes, der was genau geleistet hat? Weil die meisten Männer heute schwache Miststücke sind, die nicht mal einen Klimmzug oder Dip hinbekommen würden, wenn es um ihr Leben ging. Jede Frau, die über eine gewisse Zeit mit mir trainiert hat, kann beides – also zum Teufel mit dieser Aussage und dem dummen Doppelstandart.

Die Fitnessbranche und die allgemeine Gesellschaft haben dieses Konzept allerdings ignoriert. Stattdessen haben sie durch ihre geschlechtsspezifische Auswahl an effektiven Strategien und das Marketing, um die Unterschiede zwischen Mann und Frau eine Verspottung der wahren Gesundheit kreiert. Überall dasselbe, in den Gesundheitsvereinen, Kursen und Magazinen. Auch die Tatsache, dass es in den letzten fünf Jahren nicht eine einzige Frau zu einer anerkannten Größe im Kraftsport geschafft hat, spiegelt dies wieder. Das war der Männerbereich im Studio.

Und das ist Schwachsinn. Es ist verdammt nochmal totaler Schwachsinn und wir alle wissen das – lasst es uns also begraben. Ihr wollt was ändern? Das wird sicher nicht mit der Verbreitung einer Motivationsansprache über ein halbnacktes Fitnessmodel mit Klapsen auf den Arsch getan sein. Es muss ein Paradigmenwechsel in unserer Denk- und Handlungsweise stattfinden. Und den Anfang machen wir, indem wir eine verdammte Hantel nehmen und ein paar Gewichte drauf packen.

Ihr alle wollt Witze über die Jungs machen, die im Kniebeugen-Rack, Curls machen? Schubst den Hurensohn raus und bewegt das Ding mit ein paar schweren Beugen. Die Frauen. die ich trainiere, trainieren verdammt nochmal auch. Ich klatsche mir selbst auf den Arsch und sage, es gibt nichts befriedigenderes, als meine Frau zu sehen, die beim Kreuzheben mehr Gewicht nimmt, als der Typ neben ihr und Frontbeugen macht, während ein 68kg Saftsack ein Polster um die Stange legen muss, um seine Viertel-Kniebeugen zu machen. Frauen können nicht so stark sein wie Männer? Zur Hölle damit.

Kraft kennt keine Geschlechter

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Welche Gründe gibt es dafür, dass Frau weiterhin schwach bleiben und Krafttraining meiden sollte? Keine! (Bildquelle: Flickr / Eric Kilby ; CC Lizenz)

Wenn das Gewicht schwer ist, ist es schwer, also bewegt es. Kraft ist eine universelle, physikalische Größe, die proportional entwickelt werden kann, sowohl bei Männern, als auch bei Frauen und komplett messbar ist. Ungeachtet sämtlicher angeborener/hormoneller Vorteile, die Männer im Vergleich zu Frauen auch haben mögen: Kraft ist etwas, was man trainieren kann. Und jeder fängt an derselben Stelle an, nämlich mit einer leeren Stange. Ihr entscheidet, wie viel ihr darauf legt.

Jenseits der physikalischen Vorteile wird Kraft zu einer vollkommen mentalen Sache. Wie weit, wie hart und wie lange ihr euch steigert ist ein individueller Prozess, der jeden, egal ob Mann oder Frau zu einem zäheren, kompletteren Menschen macht. Man kann nicht mental stark und körperlich schwach sein, genauso wenig, wie man körperlich stark und mental schwach sein kann. Ab einem gewissen Punkt werden sich diese beiden Eigenschaften überschneiden und miteinander verflechten. Sie werden zum selben Weg und Prozess. Absolut nichts davon ist abhängig davon, ob ihr ein oder ein Y- oder zwei X-Chromosomen habt. Es spielt keine Rolle. Es hat nie eine Rolle gespielt und es wird auch nie eine Rolle spielen.

Körperliche Kraft entsteht im Geist und wird durch den Körper erlangt. Mann oder Frau, wir alle haben die Mittel, sie zu erreichen. Wir alle haben die Mittel sie aufzubauen und wir alle können sie erfahren. Kraft ist ein menschliches Recht, also behauptet es.


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Bildquelle Titelbild: Flickr / Wojtek Pruchnicki; CC Lizenz


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  • Chris

    Toll geschrieben – gut gebrüllt Löwe!
    Bin stolz, wenn ich meiner Freundin bei Kniebeugen und Kreuzheben zusehe!
    Schöne Grüsse, Chris