Die Wahl des richtigen Fitnessstudios für wachstumsgerechtes Training

Die Wahl des richtigen Fitnessstudios für wachstumsgerechtes Training

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Von Christian Zippel

Da sich Trainingspläne nun einmal nicht nach Feiertagen richten, meine bevorzugte Trainingsstätte heute jedoch geschlossen hat, habe ich die Möglichkeit genutzt, um bei einem Fitnessstudio um die Ecke auf ein Probetraining vorbeizuschauen.

Schließlich habe ich normalerweise über 25 km vor mir, nur um zu meinem bevorzugten Kraftkeller zu kommen und noch einmal die gleiche Strecke zurück. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn nicht die S-Bahn und der dahinter stehende Verkehrsverbund so pünktlich wäre, wie eine Sonnenuhr bei Nacht. So viel Inkompetenz auf zwei Schienen ist mir wirklich selten begegnet. Eine kürzere Fahrt käme mir und meinen Nerven somit durchaus gelegen.

Wie dem auch sei. Nachdem mich die S-Bahn pünktlich mit 10 Minuten Verspätung am Zielort absetzt, schlendere ich zum nahe liegenden Studio und bereite mich bereits mental auf meinen ersten Satz ‘Umsetzen & Drücken’ vor. Es ist ein idyllischer Münchener Spätsommertag. Die Sonne brennt, kleine Kinder brüllen und speiende Wiesnopfer säumen meinen Weg. Da freue ich mich schon darauf, all das für mindestens eine Stunde hinter mir zu lassen und durch ein RHT auszutauschen.

In großer Erwartung betrete ich somit das Studio an der stark befahrenen Hauptstraße. Doch sehr schnell macht sich die Ernüchterung breit. Denn breit kann man hier nicht werden. Feiner Parkettboden, blinkende Maschinen und in Plastik verpackte Kurzhanteln. Fassungslos und noch in Straßenkleidung stehe ich inmitten der paar kabelziehenden Hansel und fühle mich wie ein Hooligan auf einem Kindergeburtstag.

Dass die paar anwesenden Leute allesamt ihre – primär verbalen – Sätze unterbrechen, um mich anzustarren, macht die Sache dabei auch nicht besser. Sicherlich bin ich hier falsch, denke ich mir und wende mich an den freundlichen ‘Trainer’ mit den Segelohren. „Ist der Freihantelbereich im Keller?“, frage ich ihn. Sein Stirnrunzeln lässt jedoch nichts Gutes vermuten. „Keller?“, antwortet er schlagfertig; weist dann aber darauf hin, dass sie da hinten in der Ecke zwei Langhanteln haben.

Die Frage, ob es auch Scheiben dazu gibt, verkneife ich mir lieber und verabschiede mich höflich – da gehe ich dann doch lieber ein paar Hügel hochsprinten – um meine Fasern zu optimieren sowie das Herz zu stärken – und morgen wieder normal trainieren.

Auf dem Rückweg ist mir wieder einmal klar geworden, wie sehr doch der Ort, an dem man trainiert, die eigene Entwicklung zu prägen vermag. Auf einem Misthaufen können zwar die schönsten Blumen sprießen, aber das ist und wird immer die Ausnahme sein.

Die Wahl des richtigen Fitnessstudios: Beherrsche die Umstände!

Die Wahl des Studios entscheidet mehr als Du denkst

Alles voller Cardiogeräte und Maschinen: So sollte ein wachstumsgerechtes Studio nicht aussehen, es sei denn, ihr gehört zu den Reha-Patientien (Bildquelle: Flickr / HealthGauge / CC Lizenz)

Alles voller Cardiogeräte und Maschinen: So sollte ein wachstumsgerechtes Studio nicht aussehen, es sei denn, du gehörst zu den Reha-Patientien. (Bildquelle: Flickr / HealthGauge ; CC Lizenz)

In meinem Buch Der Wille zur Kraft habe ich mich eingehend mit dem Thema beschäftigt, welche psychologischen Mechanismen daran beteiligt sind, dass wir zu genau den Menschen werden, mit denen wir uns umgeben und dass wir uns exakt in dem Rahmen entwickeln, den wir uns selbst stecken.

In meinem 6. Gebot Sei aggressiv habe ich versucht, unmissverständlich klar zu machen, dass man nicht so leben und trainieren sollte, wie es zufällige Umstände erlauben, sondern dass man sich selbst zum Herrscher über die Umstände machen muss. Zufällige Umstände führen nur zu zufälligen Fortschritten. Wer jedoch überdurchschnittliche Entwicklung und regelmäßige Fortschritte erreichen will, muss sich die dazugehörigen Umstände auch entsprechend leistungsbewusst einrichten.

Je mehr man dies schafft, desto größer und schneller werden auch die Schritte auf dem Pfad der eigenen Entwicklung sein.

Die Wahl des richtigen Studios steht hier in der Liste der Prioritäten ganz weit oben. Ich möchte hier eine Lanze brechen für all die Hardcorestuben sowie K3K- und Gewichthebervereine, in denen noch ernsthaft schwer trainiert wird und auf alles gesch*** – Verzeihung – verzichtet wird, was man nicht braucht, sondern nur ablenkt.

Plastikhanteln? Sauna? Parkett? Kabelzüge? Cardiogeräte? Teppich? Pflanzen? Inkompetente Trainer? Besserwisser? Mitläufer? Moderne Kunst? Zu hohe Beiträge? Massen-Billig-Mitgliedschaften? Discopumper? Duschautomaten? Theoretiker? Popmusik? 5 verschiedene Mineralgetränke? Stagnation? Verständnis? Mitleid? Tageslicht?

Das alles lenkt ab und kostet nicht nur unnötig Geld, sondern auch Fortschritt. Was zählt ist einzig und allein der Fokus auf progressiven Widerstand. Je reiner man diesen zur Verfügung hat, desto besser wird er auch wirken.

Die Quintessenz körperlicher Entwicklung

In einem vernünftigen Studio wird auch schon mal laut trainiert. Das Training mit Gleichgesinnten macht dafür umso mehr Spaß (und fördert die eigene Entwicklung) (Bildquelle: Flickr / isafmedia ; CC Lizenz)

In einem vernünftigen Studio wird auch schon mal laut trainiert. Das Training mit Gleichgesinnten macht dafür umso mehr Spaß (und fördert die eigene Entwicklung) (Bildquelle: Flickr / isafmedia ; CC Lizenz)

Lass Dir eines gesagt sein: Alles, was Du brauchst um zu wachsen, ist Widerstand! Widerstand in einer solchen Beschaffenheit, dass man damit die natürlichen Bewegungen des menschlichen Körpers – die Bewegungen des Hebens, Beugen, Ziehens und Drückens – immer schwerer und schwerer gestalten kann.

Kalter kompromissloser Stahl in Form stabiler Stangen und Scheiben; alles andere ist Beiwerk. Die einzigen zusätzlichen Geräte, die man braucht, um groß und stark zu werden sind Beugeständer und Drückbänke. Allenfalls noch Dipständer und Klimmzugstangen, aber dann ist Schluss.

Der Boden muss stabil sein und auch den Abwurf einer mehrere Zentner schweren Hantel verkraften. Dekoration? Was gibt es schöneres als schwere Hanteln, stabile Ablagen und als Krönung verspiegelte Wände um die eigene Technik und Entwicklung überprüfen zu können? Wenn das Ganze dann auch noch durch zum Ambiente passende Musik untermalt wird, ist die Sache perfekt. Alles andere kann man knicken.

Die meisten Masse- und Kraftwilligen wären gut damit beraten, in solch einer Umgebung (auf) zu wachsen. In durchschnittlichen Fitnessstudios werden sie viel zu sehr von der Quintessenz der körperlichen Entwicklung abgelenkt. All dieser moderne Fitness- und Wohlfühl-Schnickschnack verwässert die Essenz des Widerstandes.

Der Widerstand verkommt zur Nebensache. Was zählt ist die heile Welt, das angenehme Ambiente, das gute Gewissen, etwas für den Körper zu tun und das auch noch ohne dafür die weiße Weste der Verweichlichung durch Blut oder Schweiß zu beschmutzen. Den Fitnessbunnys zuwinken, in feinen Lederhandschüchen einmal die Latstange berühren, dann noch die Brust an der Butterfly-Maschine aufpumpen, den neuesten Proteinshake verköstigen, sich über den neuesten Trainerklatsch informieren lassen und dann ab in die Sauna. Netter Ponyhof-Lifestyle. Doch mit leistungsorientiertem Training hat das Ganze so viel gemeinsam wie Tribulus mit Dianabol.

Wer in solch einem Plüschmoloch trainiert, sollte so schnell wie möglich eines machen: den Rucksack voll mit Kompromissen abwerfen und flüchten. Sofern auch nur im Entferntesten die Möglichkeit besteht, im erreichbaren Umkreis einen Ort zu finden, an dem Krafttraining gelebt wird und nicht verkauft, dann solltest Du diese Chance nutzen.

Die richtige Wahl

Sei nicht so leichtfertig und wähle einfach das nächstliegende oder billigste Studio. Suche Dir die beste Möglichkeit um zu wachsen. Meistens sind das weniger die gebräuchlichen Fitnessstudios. Hör Dich um, suche aktiv. Empfehlenswert sind dabei nicht nur familiäre Hardcore-Studios, sondern auch K3K- oder Gewichthebervereine, die gar nicht mal so selten sind, wie viele denken.

Das Team vor Ort

Vergeudet nicht deine Zeit. Fang an ernsthaft zu trainieren, anstatt (Bildquelle: Flickr / Cihan Unalan ; CC Lizenz)

Vergeude nicht deine Zeit. Fang an ernsthaft zu trainieren, anstatt dich von unnötigem Schnick-Schnack ablenken zu lassen – Denn nur so wirst du ein Mann aus Stahl! (Bildquelle: Flickr / Cihan Unalan ; CC Lizenz)

Wenn Du Glück hast, wirst Du dort ernsthafte Athleten antreffen. Zukünftige Mitstreiter, Freunde und produktive Kritiker, die hier sind, weil sie alle ein festes Ziel vor Augen haben und auch den Willen, dieses zu erreichen oder es sogar schon erreicht haben und immer noch mehr wollen. Von ihnen wirst Du mehr lernen, als von einem B- oder auch A-Lizenztrainer, der Dir weismachen will, dass Kreuzheben schlecht für den Rücken ist und man beim Bankdrücken die Füße hochnehmen muss.

Erfahrene Trainingskollegen, die schon seit Jahren und Jahrzehnten am Eisen sind, sind rar gesät und doch so wertvoll für die eigene Entwicklung. Diese Athleten, die sich mit Gewichten aufwärmen, die in normalen Studios niemals aufgelegt werden, sind Gold für die eigene Motivation und Vorstellungskraft. Wenn im normalen Studio mal jemand 160 kg beugt oder 180 hebt, dann ist das die Sensation, aber meistens trainieren alle mit Gewichten, die weit darunter liegen und so gewöhnt man sich ebenfalls an diese ‘Maßstäbe’.

Aus dem Durchschnitt auszubrechen ist schwerer, als viele denken. Aus diesem Grund sollte man sich eine Umgebung suchen, in der man einen möglichst hohen Durchschnitt vorfindet. Eine Umgebung, in der Beugen über 150 kg ebenso normal sind wie das Heben über der 200er Marke. Wer solch eine Möglichkeit hat und sie nicht nutzt, ist selbst schuld. Wer sie jedoch nutzt, der wird besser wachsen als jemals zuvor.

Starting-Strength-RippetoeIch persönlich werde auch weiterhin fast jeden Tag 50 km auf den Schienen der rollenden Inkompetenz zurücklegen, um in einigermaßen leistungsgerechter Umgebung trainieren zu können und ich würde auch noch weiter fahren. Im Ernstfall würde ich sogar dafür umziehen, ohne daran zu zweifeln, dass es sich lohnen wird.

Hier geht es aber nicht um mich, sondern um Dich! Wo trainierst Du?

“Nirgendwo anders wirst Du Himmel und Hölle vereinter an einem Ort finden, als dort wo schwere Jungs schwere Gewichte heben. Sei dort. Sei einer von ihnen.” (Aus dem 6. Gebot ‘Sei aggressiv’)


Du suchst nach einem guten Referenzwerk, welches dich hinsichtlich Trainingsplanung (Programming) und Periodisierung unterstützt? Diese 3 Bücher gehören in jedem Fall in dein Regal: „Programmgestaltung im Krafttraining“ von Mark Rippetoe, „Starting Strength – Einführung ins Langhanteltraining“ von Mark Rippetoe und „Fit“ von Lon Kilgore (die ersten beiden sind in Deutsch, das Letzte in Englisch)


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Über Christian Zippel

Dr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder geistigen Austausch den direkten Kontakt zu Christian sucht, der wird hier fündig: http://www.christian-zippel.de

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Bildquelle Titelbild: Fickr / US Naval Forces Central Command; CC Lizenz


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