Krafttraining als Therapie: (Psychisches) Wachstum durch Widerstand

Krafttraining als Therapie: (Psychisches) Wachstum durch Widerstand

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Oder: Wie man durch Widerstand ein psychisch starker Mensch wird

Von Christian Zippel  

Immer haben wir mit dem Kind weiter zu blicken und uns vorzustellen, wohin die Kraft, die wir am Werke sehen, das Kind wohl einmal tragen möge. Und wenn wir uns in die Seele des Kindes versetzen, wird uns klar, daß diese Kraftäußerungen nicht anders zu verstehen sind, als daß es sich in seinem Sinne zu einer endgültigen Anpassung an Gegenwart und Zukunft mehr oder weniger entschlossen hat. Die damit zusammenhängende Stimmungslage weist es nach verschiedenen Seiten. Die eine Seite zeigt sich als die des Optimismus, das Kind traut sich zu, die ihm erwachsenden Aufgaben auch glatt lösen zu können. Dann wird es in sich jene Charakterzüge entwickeln, die eben zu einem Menschen gehören, der seine Aufgaben für löslich hält. So entwickeln sich Mut, Offenheit, Verlässlichkeit, Fleiss und dergleichen

Das Gegenteil hiervon sind die Züge des Pessimismus. Denkt man sich das Ziel eines Kindes, das sich die Fähigkeit zur Lösung seiner Aufgaben nicht zutraut, dann kann man sich vorstellen, wie es in der Seele eines solchen Kindes aussehen mag. Wir finden dort Zaghaftigkeit, Schüchternheit, Verschloßenheit, Mißtrauen und alle anderen Züge, mit denen der Schwache sich zu verteidigen sucht. Sein Ziel wird außerhalb der Grenzen des Erreichbaren, weit hinter der Front des Lebens liegen.

Diese Zeilen stammen aus der Feder des österreichischen Arztes und Psychotherapeuten Alfred Adler, der als Begründer der Individualpsychologie gilt. Er bannte sie für sein 1927 erscheinendes Werk Menschenkenntnis auf Papier und war – wie man sieht – stark von Sigmund Freuds Ideen geprägt.

Das Kind in jedem einzelnen von uns

Wir alle tragen die prägenden Erlebnisse unserer jüngsten Kindheit in uns, die unserem gesamten Leben ihren Stempel aufdrücken. Für die Optimisten unter uns, gleichen diese Erlebnisse einem Lichtstrahl, der uns immer voran strebt und die nächsten Schritte ausleuchtet. Er geleitet uns und verleiht uns Sicherheit. Wir sehen, wohin der Weg geht und brauchen ihm nur zu folgen. Unser Erfolg ist das Produkt unseres Optimismus. Er hält uns aufrecht und trägt uns voran.

Wer jedoch in früher Kindheit nicht gefordert, sondern überfordert wurde, wer in Widerständen nicht Chancen zu Wachstum und Entwicklung, sondern unüberwindliche Grenzen erblickte, wird sich zu einem Pessimisten entwickelt haben. Ihm fehlt die Hoffnung, die Orientierung nach vorne. Vor ihm ist es dunkel, stockfinster. Er weiß nicht, wie es weitergehen soll, wo er hin soll. Auch hinter ihm ist es dunkel. Er hat Angst und fühlt sich allein gelassen. Er fürchtet den nächsten Schritt. Er gleicht ihm einem Sprung in den Abgrund. Sein Pessimismus ist der große Schatten, der sich über sein gesamtes Leben ausgebreitet hat und jeden Funken Hoffnung im Keim erstickt. So bleibt er einfach stehen und weiß nicht ein noch aus. Tiefste Fragen bohren sich in die Verletzlichkeit seiner Seele: Was soll ich hier eigentlich? Was hat das alles für einen Sinn? Wo komm ich her, wo geh ich hin? Warum sollte ich überhaupt gehen?

Nur wenige Menschen sind wahre Optimisten. Viele halten sich dafür und noch mehr sind verkappte Pessimisten, die sich hinter einer mühsam aufgebauten Schutzschicht verbergen. Sie machen nur aus Selbstschutz auf Selbstbewusst; doch ihr Spiegel zeigt nicht, was sie sehen wollen. Sie wollen jemand anders sein. Jemand mit mehr Erfolg, Schönheit, besseren Freunden und größerer Anerkennung. Nur ganz wenige sind nackte Pessimisten, die auch bereits ihren Schutzpanzer verschrottet haben und sich eingestehen, dass es alles nichts mehr bringt. Was ihnen bleibt ist die Verzweiflung und das Meer tiefster Melancholie, von dem sie bereits vollends verschluckt worden sind.

Die Errettung aus der Tiefe

Das soziale Auffangnetz unserer Gesellschaft arbeitet sehr intensiv daran, aus Pessimisten Optimisten zu machen – hauptsächlich, weil sich auch damit gut Geld verdienen lässt und weniger aus Altruismus. Kostspielige Psychotherapien oder Medikamente werden hier gemeinhin verordnet.

Sicherlich gibt es eine Menge Erfolge mit diesen Vorgehensweisen zu verzeichnen, aber mit erschreckender Regelmäßigkeit wenden sich stark pessimistische Menschen an mich, die ein anderes Bild zeichnen: Viele von ihnen nehmen bereits Medikamente, fühlen jedoch keinerlei Veränderung; oft nehmen sie diese auch nur, um die Erwartungshaltungen anderer ihnen nahe stehender Menschen zu erfüllen. Auch das Verhältnis zum Therapeuten oder der Therapeutin ist fast immer durchwachsen oder wird ebenfalls stark kritisch betrachtet. Man fühlt sich missverstanden und immer noch allein. Je mehr sich andere Menschen dabei einmischen und einem ihre Hilfe aufzwängen, umso mehr fühlt man sich von diesen diskriminiert und in eine Opferrolle gedrängt, die man eigentlich überhaupt nicht einnehmen wollte. Das Mitleid der anderen gleicht hier dem Kreuz, an das man hoffte, niemals genagelt zu werden.

Oft möchte man überhaupt nicht zu einem Seelenstriptease gezwungen und bis auf die heimlichsten Gefühle, Wünsche und Ängste zerpflückt werden wie ein Truthahn beim Erntedankfest. Man möchte sich nicht noch verletzlicher zeigen. Oft möchte man nur motiviert werden, wieder Kraft schöpfen, einen Lichtstrahl am Horizont erblicken und endlich einmal wieder den verlockenden Geschmack der Hoffnung kosten. Man möchte gestärkt werden, so wie eine zärtliche Pflanze in die Sonne gestellt und ausreichend gegossen werden möchte, und nicht seziert. Man bedarf der Unterstützung, einen mehr oder weniger starken Anstupser, der das liegen gebliebene Auto des Lebens wieder in Fahrt bringt und am Laufen erhält. Mit einem Satz: Man möchte seine Würde bewahren, denn diese sollte schließlich unantastbar sein – das ist doch Gesetz?!

Doch wie entfacht man in einem Pessimisten den Optimismus?

Vorab soll klar sein, dass es normalerweise keines von beidem in vollkommen reinem Zustand gibt. Vielmehr halten Opti- und Pessimismus in jedem von uns einen andauernden Zweikampf. Auch der zuversichtlichste Mensch hat seine dunklen Momente, an denen der Zweifel erstarkt und auch jeder Pessimist hat immer noch einen Funken Hoffnung in sich, solange er sich noch nicht dazu entschlossen hat, die Freiheit des Todes zu wählen. Es gilt, diesen Funken anzufachen.

Einerseits kann man dies versuchen, indem man versucht, den Geist zu stärken, zu ordnen und zu befreien. Das gesamte ‘Der Wille zur Kraft‘-Projekt geht diesen Weg. Heute wollen wir uns jedoch einmal mit der entgegengesetzten Variante beschäftigen und uns folgende Frage vergegenwärtigen:

Krafttraining als Therapie: (Psychisches) Wachstum durch Widerstand

Inwiefern vermag progressives Krafttraining die mentale Komponente zu stärken und zu festigen?

(Bildquelle: Wikimedia.org / BigrTex ; Public Domain Lizenz)

Ran ans Eisen! (Bildquelle: Wikimedia.org / BigrTex/Yellowstone ; Public Domain Lizenz)

Wer nämlich schon oft von Worten enttäuscht wurde, wer das eine gehört, versprochen und gepredigt bekam, aber genau das Gegenteil erhalten und erlebt hat, der verliert jegliches Vertrauen in einfache Worte. Das Wort, der Gedanke ist aber die Wurzel der mentalen Kraft. Wer sich von dieser jedoch verraten glaubt, wer keinem Wort, keinem Gedanken mehr öffnen mag, der wird sich durch rein geistige Vorhaltungen und Empfehlungen nicht mehr ausreichend positiv beeinflussen lassen. Alle guten Worte und Wünsche der Hoffnung werden hier wirkungslos abperlen, wie die Tropfen des Regens auf einem Lotusblatt. So muss man einen anderen, besseren Weg finden, um diese mentale Schwäche zu beheben.

Widerstand als Therapie

Wo Worte allein nicht fruchten, muss der Körper sprechen. Bereits minimale körperliche Fortschritte können bei einem Pessimisten Wunder bewirken. Das wusste bereits Goethe: Was Du Dir abläufst auf dem Schuh, das fließt Dir geistig doppelt zu! Das Erlernen neuer Bewegungen setzt mannigfaltige Wachstumsprozesse im Gehirn in Gang. Indem man es schafft, einen relativ schweren Widerstand zu überwinden, erlebt man dabei etwas ganz Besonderes – nämlich Erfolg. Es sind diese kleinen Erfolge, die in Anhäufung aus einem Pessimisten einen Optimisten machen können. Das Wichtigste, was man einem zweifelnden Menschen vermitteln kann, ist die Einsicht, dass er etwas schaffen, etwas bewegen kann. Er muss lernen, dass er Macht hat über sich, sein Leben und seine Entwicklung. Grenzen sind selbstauferlegte Barrieren. Es muß nicht alles so bleiben, nur weil es immer so gewesen ist, schreibt Schwarzenegger in seiner Bibel zu diesem Thema. Es gibt viele Aspekte des Widerstandstrainings, die therapeutisch wirksam werden können.

Haltungsverbesserung

Unsere Körperhaltung ist ein Spiegel unseres Gemütszustandes. Wenn wir müde oder niedergeschlagen sind, dann zeigt sich dies auch an der Art und Weise, wie wir unseren Körper halten und präsentieren. Andererseits kann unsere Körperhaltung aber auch Einfluss auf unsere Psyche nehmen. Probiere es doch direkt einmal aus: Lass Dich erst einmal schlaff zusammensinken und fühle dabei, wie diese träge Körperhaltung Dich auch mental herunterzieht.

Und nun richte Dich bitte einmal so weit auf, wie es Dir möglich ist, nimm den Kopf hoch, drück die Brust raus, atme tief ein und spüre dabei, wie auf diese Weise auch Dein Geist erstarkt, sich öffnet und an Konzentration stärker wird. Wie er Biss bekommt und dazu bereit wird, mit den Mühen der Welt spielend fertig zu werden. Durch regelmäßiges und progressives Krafttraining wird sich auch automatisch unsere Körperhaltung verbessern und somit auch als Spiegel derselben unsere mentale Einstellung zur uns und der Welt.

Im Reich der Endorphine

Durch dynamische Muskelarbeit steigt die Durchblutung unseres Gehirns um bis zu 50% an. Das Gehirn erwacht zu neuem Leben. Es wächst, wird komplexer und entdeckt völlig neue Handlungs- und Wachstumsmöglichkeiten. Erst in den so überaus wertvollen Momenten, an denen ein Mensch seinen Körper ernsthaft und umfassend fordert, werden sein Geist und sein Gehirn auch wirklich fest mit seinem Körper zusammenwachsen. Dabei kann man einen wahren Glücksrausch erleben, wenn man spürt, wie im eigenen Körper das pure Leben zu pulsieren beginnt. Wenn man bisher unbekannte Körperteile spürt, wie sie sich bis zum Bersten mit warmem Blut füllen, das Hormonsystem anspringt und in einem der Gefühlsreichtum intensiven Lebens hochkocht, dann fühlt man sich wie im siebten Himmel. Eine Erektion ist etwas Tolles, aber eine Erektion am gesamten Körper kann bedeutend mehr – aber das muss man selbst erleben.

Ein Mensch, der nur einige wenige Körperteile bei einer beschränkten Sportart benutzt oder sogar nur den Geist und dafür den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, kann und wird so etwas niemals erleben. Er wird völlig den Bezug zu seinen biologischen Wurzeln, zu seinem Körper verlieren und all sein Potenzial nie erkennen – dazu verdammt, ein schwächliches Leben zu führen. Psychologisch betrachtet ist solch ein verbessertes Körpergefühl Gold wert. Es verbessert die eigene Selbstsicherheit ungemein, wie bereits Mrazek und Rittner in ihrem Artikel Wunschobjekt Körper festgehalten haben. (in ‘Psychologie Heute’ 1986; 13: 62-68)

Klare Erfolge bei Depression

E.W. Martinsen beschäftigte sich eingehend mit den Möglichkeiten progressiven Widerstandstrainings zur Therapie bei depressiv Kranken. (vgl. ‘Benefits of exercise for the treatment of depression.’ Sports Med 1990 & ‘Physical training as a therapeutic method in depression.’ Tidsskr nor Laegeforen 1989)

Die untersuchten Angstpatienten einer psychatrischen Klinik erlebten nach einem 8-monatigen Krafttraining bedeutende Verbesserungen ihrer Situation, die durch die normalen Therapiemöglichkeiten so nicht erreicht worden waren. Weit über die Hälfte führten nach Beendigung der Studie ihr Krafttraining freiwillig fort. Das muss man sich einmal vorstellen: Dass die ‘Probanden’ einer Studie so überzeugt von den darin getesteten Methoden sind, dass sie diese auch weiterhin beibehalten, ist überaus selten und bei stark depressiven Patienten noch einmal bedeutend seltener. Die wenigsten von ihnen würden sicherlich auch weiterhin eine medikamentöse Behandlung fortführen, wenn man sie frei darüber entscheiden ließe. Man muss diesen Menschen etwas bieten, worauf sie sich freuen können, etwas, was ihnen Spaß macht und keine negativen Nebenwirkungen hat – etwas wie progressives Krafttraining und nicht einfach nur Tabletten und Gespräche.

Gespräche allein helfen nicht

(Bildquelle: Flickr / ericmcgregor ; CC Lizenz)

Wir wachsen am Widerstand: Erfolge beim Krafttraining stärken Körper UND Geist. (Bildquelle: Flickr / ericmcgregor ; CC Lizenz)

Es bringt nichts, Pessimisten einfach nur einzureden, dass sie an sich glauben sollen und das die Welt kunterbunt und schön sei. Derartige Vorgehensweisen allein sind nutzlos. Der Patient selbst erlebt die Welt nämlich völlig anders und ihm klarzumachen, dass diese, seine Sicht eine Lüge sei, wird nichts bringen, denn aus seiner Sicht stimmt diese Perspektive.

Wie soll er denn auch an seine Fähigkeiten und Stärken glauben, wenn er ihr Potenzial nie wirklich gespürt hat? Erst das Erbringen eigener und realer Leistungen wird auch wahren Glauben an sich selbst und das eigene Potenzial entfachen. Worte alleine zählen hier nicht. Sie verändern nichts. Taten sind gefragt, denn Taten lügen nicht – Worte schon.

Die Stärkung des eigenen Charakters

Progressives Krafttraining ist nicht nur die beste Schmiede für einen starken, gesunden und schönen Körper, sondern auch eine der bestmöglichen Charakterschulen, die ein Mensch nur besuchen kann. Disziplin, Konzentration, Beharrlichkeit usw.: All diese Charaktereigenschaften werden durch die gewollte und gezielte Konfrontation mit den eigenen Schwächen und der erfolgreichen Überwindung dieser gestärkt und ausgebildet.

Krafttraining ist eine Schule für das ganze Leben. Eine Schule die jeder besuchen sollte. Eine Institution, in der niemand betrogen oder vernachlässigt wird, in der jeder erfolgreich sein wird. Selbstachtung, Selbstbewusstsein und Lebensfreude wachsen durch die Erfolge im Training dramatisch an. Man wird immer stärker, immer größer, schöner und erfüllter. Man fühlt sich immer sicherer, lernt es Fehltritte zu verkraften und die in scheinbaren Mauern und Schranken verborgenen Herausforderungen zu erkennen. So beginnt das Leben Spaß zu machen. Indem man lernt, im Training die eigenen Schwächen zu überwinden, legt man auch den Grundstein für die Überwindung des eigenen Pessimismus.

Abschließende Worte

Widerstandstraining verlangt einem unheimlich viel ab, aber es lohnt sich, denn unter dem Strich erhält man dafür bedeutend mehr zurück.

Krafttraining verändert die Menschen – jeden einzelnen – und zwar zum Positiven. Und das alles nach einem ganz simplen Muster: Widerstand + Überwindung = Erfolg/Wachstum/Entwicklung/Stärke/Gesundheit/Sicherheit usw. So beginnt das Leben immer vielseitiger, stabiler und erfreulicher zu werden. Zusehends wird man lernen, dieses Schema auf das gesamte Leben zu übertragen, das Kleine im Großen zu sehen, um schlussendlich die Leichtigkeit des Seins zu entdecken.

Breitere_Schultern_fuer_BuerdenAußerdem lernt man Realist zu sein. Man lernt, dass manche Zielvorstellungen für den Moment illusorisch sein mögen und dass man immer Schritt für Schritt vorgehen muss und das man auch nur dann durch Erfolg belohnt wird, wenn man alles richtig macht und auch wirklich bereit ist, ernsthaft für den eigenen Erfolg zu kämpfen. Man lernt, dass man nichts geschenkt bekommt und dass auch nur das wirklich erfüllend ist, was man sich hart erkämpft, dass dieser notwendige Kampf kein Übel ist, sondern vielmehr ein Quell von Freude, Entwicklung und Wachstum.

Auch geht es darum, endlich einmal zu entdecken, dass nicht andere oder die Umstände für das eigene Versagen verantwortlich sind, sondern immer nur man selbst. Entweder indem man die Zügel schleifen oder sie sich sogar ganz aus der Hand nehmen ließ. Im Training hat man selbst die Verantwortung und zwar zu 100 %. Dies gilt es auch für das gesamte Leben zu lernen: Beherrsche die Umstände, beherrsche Dich selbst – erst dann wirst Du auch Deine Entwicklung im Griff haben.

Ein Beispiel

Schließen möchte ich mit einer Passage aus Arnies Bibel:

Noch offenkundiger wird der Nutzen des Trainings bei behinderten Sportlern. Ich erinnere mich noch gut an meine Arbeit mit Jugendlichen in Washington, D.C. Einer der Jungen lag auf einer Trainingsbank, bereit zum Bankdrücken, andere warteten in der Schlange, bis sie an die Reihe kamen. Ich reichte ihm nur die Stange ohne Scheiben, und er geriet völlig außer sich – die Anstrengung war größer, als er es gewohnt war oder erwartet hatte. Ich drängte ihn nicht, sondern ließ ihn weggehen und machte mit den anderen Jungen weiter. Nach ein paar Minuten sah ich, wie er langsam näher rückte und die anderen aufmerksam beobachtete. Schließlich gab er zu verstehen, daß er es erneut versuchen wollte, und ich half ihm, die Stange drei- oder viermal hochzudrücken, aber er hatte immer noch Angst und stieg schnell wieder von der Bank herunter. Es dauerte allerdings nicht lange, bis er wiederkam, diesmal mit mehr Selbstvertrauen, und nun schaffte er mit sehr wenig Unterstützung zehn Wiederholungen.

Von dem Moment an hatte es ihn gepackt. Er reihte sich nicht nur in die Schlange der Wartenden ein, sondern versuchte sogar, sich vorzudrängen, um schneller an die Reihe zu kommen. In einer Welt, die so viele Frustrationen und Enttäuschungen für ihn bereithielt, hatte dieser Junge etwas gefunden, an dem er seine Kraft messen konnte, eine physische Barriere, die sich überwinden ließ, und das schenkte ihm Selbstvertrauen, wie es ihm normalerweise versagt war.

Wir sind alle ein bißchen wie dieser Junge. Unsere Bedürfnisse sind aufgrund ausreichender Fähigkeiten nicht immer so offensichtlich, aber wir haben sie. Wir stoßen alle an Grenzen, müssen mit Frustrationen und Enttäuschungen fertig werden, und die meisten von uns erkennen auch, daß nur sehr wenige Menschen das physische Potential, das dem menschlichen Körper evolutionsbedingt innewohnt, je wirklich voll ausschöpfen. Doch Geist und Körper sind miteinander verknüpft, sind zwei Aspekte des gleichen Organismus. Mit der Gesundheit des Körpers verbessert sich auch die Kraft und Gesundheit des Geistes, und Bodybuilding ist das ideale Mittel, um dieses notwendige Gleichgewicht zu erlangen.

Amen!


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Über den Autor

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.

Bildquelle Titelbild: Pixaby / geralt ; Public Domain Lizenz

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  • Tibu

    Sehr gut! Wie ich Christian Zippels alten Blog doch vermisse. Vielen Dank für den Upload hier. Werden jetzt nach und nach alle Texte hochgeladen? MfG

    • Moin Tibu,

      ja die Artikel kommen Stück für Stück online. Vielleicht kann ich Christian ja noch das eine oder andere Mal für einen neuen Artikel begeistern – das liegt dann aber an ihm. Ich finds schön, dass er uns die Möglichkeit gegeben hat, seine Werke hier neu zu veröffentlichen, da es sehr schade gewesen wäre, wenn die Inhalte so auf nimmerwiedersehen verschwunden wären.

      besten Gruß
      Damian

      • Tibu

        Nabend,
        Das freut mich zu hören. Ja für diese Möglichkeit möchte ich ihm auch nochmal danken! Es waren wirklich einige sehr gute, inspirierende und motivierende Artikel dabei. Seine Werke lassen sich wirklich immer wieder gut lesen.
        Also meines und ich denke auch das Interesse vieler anderer Leser für einen neuen Artikel ist auf jeden Fall gegeben.
        MfG

  • Andy

    Ein Bombentext! Wahnsinn wie stimmig das Ganze auf meine Person zutrifft. BB/Krafttraining hat mein Leben enorm bereichert, mich aus so manchem schwarzen Loch, aus welchem ich keinen Ausweg sah, gezogen und gibt mir mit jeder Trainingseinheit neuen Mut und Freude.