Interview: Der Wille zur Kraft meets Doping

Interview: Der Wille zur Kraft meets Doping

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Von Christian Zippel

Ein Gespräch mit einem Ex-Mr. Universum und Ex-Weltmeister.

Interview: Der Wille zur Kraft meets Doping

Christian: Ingo Bolz: Ein leidenschaftlicher Bodybuilder, der immer mehr wollte und immer besser werden wollte. So wie wir alle. Aber er war bereit, den entscheidenden Schritt zu gehen, der ihn in genau den Olymp der Stärke und Masse erheben sollte, von dem jeder halbwegs Informierte weiß, dass man ihn ohne diesen Schritt niemals erklimmen wird.

Dieser Schritt änderte sein Leben. Und ja, natürlich geht es um Doping.

Um anabole/androgene Steroide, Wachstumshormone, Insulin, IGF und was der freundliche Hobbyapotheker sonst noch so alles an pharmakologisch wirksamen Substanzen im Angebot hat, um das Beste aus jedem ernsthaften Athleten herauszuholen – nämlich sein Geld. Aber die Wirkung ist schließlich nicht zu verleugnen, also passt das schon, oder?

Dabei geht es vor allem um die anabole (=aufbauende) Wirkung der Substanzen und je nach Sportart und Aggressionsbedarf meistens weniger um die androgene (=vermännlichende). So ganz trennen konnte das bis heute jedoch noch kein Pharmazeut und deswegen kommt es auch bei weiblichen Athleten regelmäßig zu einer ‘Verstimmung’ deswegen. Aber was solls, schließlich klettern die ja auch nicht zum Singen auf die Bühne.

Ja, die Bühne. Da wollte auch Ingo hin und so nahm er das Risiko auf sich und er wurde für dieses Wagnis auch fürstlich belohnt. Er war nicht so ängstlich und hat sich nicht von den eifersüchtigen Natural-Trainierenden mit all ihrem Idealismus- und Nebenwirkungsgequatsche aufhalten lassen, mit denen sie in Wirklichkeit doch nur Ausflüchte gesucht haben, um zu verstecken, dass sie selbst nicht die Eier dazu haben, auch mal wirklich Großes zu riskieren, um auch wirklich Großes zu erringen.

Aus ihrer Perspektive verdanken Stoffer wie Ingo all ihre Zuwächse und Erfolge doch sowieso nur dem übermäßigem Doping mit zum Teil immer hirnloseren Dosen. Aber das ist keineswegs der Fall. Es ist weiterhin knochenharte und muskelberstende Arbeit, um sich hier aus der sprichwörtlich breiten Masse emporzutrainieren. Die dafür notwendige Hingabe und Leidenschaft kann sich der Freizeit-Pumper überhaupt nicht vorstellen, mal von dem Aufwand als sich selbst behandelnder Hobby-Mediziner ganz zu schweigen. Nur die wenigsten dopenden Athleten lassen sich nämlich von einem echten Mediziner betreuen und überwachen. Durch den Juice fühlen sie sich sowieso unbesiegbar. So ging es auch Ingo.

Aber was solls. Es hat sich doch gelohnt. Immer mehr Pokale sammelten sich in seiner Trophäensammlung an und 2002 war es dann endlich soweit. Nach mehreren Deutschen Meistertiteln in diesem und den vergangenen Jahren kam der Durchbruch an die Spitze durch die Spritze: ‘Weltmeister’ und ‘Mr. Universum’. Was gibt es Schöneres? Was wünscht man sich mehr?

Ingo, Du hast das erreicht, was sich so viele andere Athleten sehnlichst wünschen – weil sie es nicht haben. Wünschen und Haben, Ingo. Was macht das Leben wirklich lebenswert? Mal ganz ehrlich: Haben diese Titel Dich zu einem besseren Menschen werden lassen? Sicherlich warst Du dann erst einmal glücklich und zufrieden. Aber wie lang war der Atem dieser persönlichen Bestätigung wirklich? Konntest Du Dich nun zur Ruhe setzen oder wolltest Du weitermachen – musstest Du vielleicht sogar weitermachen? Wie wertvoll ist solch ein Titel wirklich und was sollte man bereit sein, dafür zu riskieren?

Nach den Erfolgen von 2002 legtest Du erst einmal eine Wettkampfpause ein und wolltest 2005 noch stärker und noch massiger und noch perfekter wieder auf die Bühne zurückkehren. Aus diesem Grund blieben die Kanülen bei Dir nie lange trocken. Die Medikamente sind Dir zum täglichen Begleiter geworden. Dabei sind damit nicht nur die gemeint, die Du benötigt hast, um erfolgreicher zu sein als Deine Konkurrenten, sondern auch all diejenigen, die notwendig waren, um die Nebenwirkungen dieser Präparate einigermaßen eindämmen zu können. Und das obwohl diese selbst auch bereits wieder nicht zu verachtende Nebenwirkungen mit sich brachten. Ein pharmakologischer Wahnsinn par excellence. Ein munteres Stelldichein unzähliger Medikamente und Präparate. Allesamt in einem Körper. Deinem Körper, Ingo.

Mal Hand aufs Herz. Ein kleiner Blick zurück auf Deinen sportlichen Werdegang mit all seinen Höhepunkten und Erfolgen: Doping. Dein Schritt in den Olymp. Die beste Entscheidung Deines Lebens?

(Bildquelle: Flickr / Mattys Flicks ; CC Lizenz)

Schnelle Muskeln durch Steroide? Mitnichten: Auch mit der Hilfe der Ratio der Pharm muss man hart trainieren und sich vorbildlich ernähren. Ohne Stimulus und Baustoffe wächst auch kein Muskel. (Bildquelle: Flickr / Mattys Flicks ; CC Lizenz)

Ingo: Keinesfalls war meine Entscheidung Wettkampfbodybuilding zu betreiben, die Beste meines Lebens. Wie könnte ich dies auch nur behaupten, nachdem ich im August 2005 an Nierenversagen erkrankt bin! Aus Sicht meiner behandelnden Ärzte war – ohne wenn und aber – mein damaliger Steroidkonsum als Auslöser meiner Erkrankung zu sehen.

Durch meine Titel, die Du angesprochen hast, bin ich natürlich kein besserer Mensch geworden. Diese Titel haben mich leider nur noch darin bestärkt, meinen persönlichen Wahnsinn fortzuführen. Mein Ziel war schon früh gewesen, irgendwann mal auf einer Profibühne zu stehen. Für dieses
Ziel habe ich leider, ohne Rücksicht auf Verluste, meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt.

Christian: „Wahnsinn“ ist ein gutes Stichwort. Lass uns da mal drüber reden. Wie heißt es so schön: „Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander“. Zwischen ihnen liegt nur ein schmaler Grat, doch die meisten verfallen dem Wahnsinn, anstatt zu der Höhe ihres Esprits hinaufzusteigen.

Der Sinn des Wahns stellt sich überall dort ein, wo man eine Vorstellung von der Welt verfolgt und lebt, die grundsätzlich nicht mit ihren tatsächlichen Bedingungen übereinstimmt. Leider wissen wir jedoch nicht, wie diese „tatsächlichen Bedingungen“ überhaupt aussehen und somit ist die Entscheidung, ob jemand ein Genie oder ein Wahnsinniger ist, immer nur relativ und muss auch immer im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext gesehen werden. Denn dieser ist es, der uns sehr stark in dem beeinflusst, was wir glauben – was wir für gut erachten und was nicht.

In irgendetwas der Beste zu sein, ist ein großer Traum vieler Menschen. Dabei ist es doch überhaupt nicht das Sein, was wirklich von Bedeutung ist, sondern vielmehr das Werden. Denn wie heißt es doch schon so schön bei Sokrates: „Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.“

Und genau das ist es, worauf wir uns konzentrieren sollten: Auf unseren Werdegang, auf unsere Entwicklung. Ein Mensch wird erst dann wirklich leben, wenn er sich immer weiter entwickelt, wenn er immer besser wird – sprich, wenn er wächst. Denn Wachstum ist Leben. Alles andere ist Sterben.

Doping beschleunigt unser Wachstum, aber ebenso wie es auch das Wachstum der positiven Seiten unseres Körpers beschleunigt, so beschleunigt es auch das seiner negativen Seiten und Risikobereiche. Es ist ein Drahtseilakt. Manchmal klappt es, aber oft genug geht es auch daneben. Oft genug gräbt man sich das, was man dadurch an Zuwächsen am eigenen Körperbau erfährt, am eigenen gesundheitlichen Fundament ab. So wird man zwar übernatürlich gut wachsen, aber das eigene Fundament jedoch gerät dadurch immer mehr ins Wanken.

Nur die wenigsten wissen, auf welch fragilen Füßen die Gesundheit der Athleten auf den Wettkämpfen der Welt wirklich steht – oftmals wissen das die Athleten nicht einmal selbst. Nach außen hin strotzen sie nur so vor Kraft und Schönheit, was wir automatisch auch mit Gesundheit gleich setzen, aber hinter der Fassade bröckelt es gewaltig. Was wir hier sehen, sind vorwiegend potemkinsche Dörfer auf zwei Beinen – was so viel bedeutet, dass sie nach außen hin fein herausgeputzt sind, sich jedoch in Wirklichkeit auf einer tiefer liegenden Ebene in einem verheerenden Zustand befinden.

Ingo, bei Dir war es 2005 soweit: Das Fundament Deiner Gesundheit ist weggebrochen. Deine Nieren haben versagt. Was bedeutet das nun für Dich und für Dein Leben? Was fühlst Du dabei? Wie hat sich Deine Perspektive auf das Leben dadurch gewandelt?

Ingo: Für mich bedeutet es kurz und knapp, dass ich, seit meiner Erkrankung im August 2005, leider dialysepflichtig geworden bin. Seitdem hängt mein Leben von einer Maschine ab.

Zur Dialyse gehe ich momentan Dienstag, Donnerstag und Samstags für jeweils sechs Stunden. Mit einem Anschließen (Punktieren) und dem Abdrücken der Punktionsstellen nach der Dialyse sind es auch schon fast sieben Stunden, nur um einmal kurz den Zeitaufwand darzustellen. Daran wird sich
auch so schnell nichts ändern, da die durchschnittliche Wartezeit auf ein Transplantat in Deutschland acht Jahre beträgt.

Natürlich habe ich mich im August 2005 mehr als schlecht gefühlt, als mir plötzlich der Boden unter den Füßen weggerissen wurde, mein Sport Wettkampfbodybuilding sollte für mich plötzlich kein Thema mehr sein. Die Diagnose Nierenversagen – Dialyse empfand ich als meinen persönlichen Weltuntergang. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich überhaupt in der Lage war, meine Erkrankung zu akzeptieren. Dies war vergleichbar mit einem Alptraum, aus dem ich hoffte, sofort zu erwachen.

Erst nach etwa einem Jahr hatte ich meine bis heute schwierigste Lebenssituation einigermaßen gut und zufriedenstellend verarbeitet. Leider habe ich erst nach meiner Erkrankung bemerkt, dass es auch noch andere und viel wichtiger Dinge im Leben gibt. Das mag jetzt vielleicht verrückt
klingen, aber mein Leben hat sich nach meiner Erkrankung in eine völlig andere, sogar auch in eine erfreuliche Richtung bewegt. Glücklicherweise ist es für mich nicht ganz zu spät gewesen, mein Leben doch noch in eine positive Richtung zu lenken. Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll!

Christian: Erst wenn wir fallen, neigen wir dazu, die Richtung, in die wir laufen, zu hinterfragen. Doch was ist die richtige Richtung? Oftmals benennen wir doch nur diese als die richtige, in der wir am meisten Erfolg haben.

Weder Moral noch Vernunft sind die Schwerpunkte der menschlichen Natur. Vernunft ist nur sein Werkzeug, um seine unvernünftigen Ziele und Leidenschaften, die nur Leiden schaffen, verfolgen und rationalisieren zu können und die Moral halten vor allem diejenigen hoch, die dadurch einen Vorteil erhoffen, die dadurch den Weg ihres Erfolges zu beschreiten vermögen.

(Bildquelle: Wikimedia.org / Hrvatski ; CC Lizenz)

Anabole Steroide verhelfen vielen Athleten zu ungeahnten Muskelbergen – doch der Preis ist hoch, wie Ingo am eigenen Leib erfahren musste. (Bildquelle: Wikimedia.org / Hrvatski ; CC Lizenz)

Scheitern wir jedoch, ja rennen wir gegen eine Wand, dann beginnen wir uns umzuorientieren, dann beginnen wir alte Ziele und Prinzipien zu vergessen und suchen für unser Leben eine neue und hoffentlich bessere Richtung.

Oftmals beginnen wir dann auch, den alten Weg zu verurteilen, um uns unseren neuen zu rechtfertigen und genau das machen wir hier in diesem Interview auch. Ich liebe die Welt der Hanteln und Muskeln und wenn es jemandes Weg ist, hier an der Weltspitze mitspielen zu wollen, dann geht das heutzutage nun einmal nicht mehr ohne die Ratio der Pharm – machen wir uns nichts vor –, aber eines sollten wir alle nicht vergessen: Dieses Spiel mit dem Risiko kann auch gehörig in die Hose gehen. Es ist – entgegen der Ansicht vieler – nicht kalkulierbar. Und davor gilt es zu warnen. Darauf muss hingewiesen werden.

Ingo, Du kennst Dich in der Szene sehr gut aus. Du warst selbst Teil von ihr: Wie wahnsinnig sind Roid-Nutzer wirklich? Wie verantwortungslos wird heute gespritzt, gestackt und geschluckt? Was kann das alles für Konsequenzen haben und überblickt man diese Konsequenzen überhaupt in diesem Moment oder schnallt man sich lieber die Scheuklappen um und hofft, dass das alles schon irgendwie gut gehen wird? Die abstrakten Fakten und Risiken der Wissenschaftler und meinungsbildenden Institute sind hinlänglich bekannt, aber was hast Du für persönlich für Erfahrungen gemacht? Wie erlebt ein Insider diese Welt des Hormonrausches und Größen-Wahns?

Ingo: Scheuklappen hatte ich natürlich auch um, übrigens eine sehr treffende Bezeichnung. Beim Thema Größenwahn kommen auch viele unangenehme Erinnerungen von ehemaligen Glanztaten und Aussagen hoch, auf die ich heute weniger stolz bin.

Ich behaupte einfach mal, dass sich aus der Szene leider nur sehr wenige, über eventuelle Konsequenzen, gesundheitlicher Art Gedanken machen. Ich persönlich habe mir auch viel zu wenig Gedanken gemacht. Meine Gedanken waren folgende:

Du rauchst nicht. Du trinkst keinen Alkohol. Du ernährst dich gesund. Also bist Du auch gesund. Tja, leider falsch gedacht! Ist übrigens eine dauerhafte sehr proteinreiche Ernährung von bis zu 6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht noch als gesund zu bezeichnen? Auch ein interessantes Thema.

Zum Thema Erkrankungen hat man ja ab und zu mal etwas über Athleten aus dem Profibereich gehört, die erkrankt sind, aber das war aus meiner Sicht immer weit weg. Krank werden doch immer nur die anderen, waren meine Gedanken. Ich habe bei solchen Geschichten immer direkt abgeblockt und mich gefragt, was muss der sich denn da alles reingeknallt haben?

Erst wenn man plötzlich auch erkrankt und sogar das Leben auf dem Spiel steht, wird mal über das eigene idiotische Verhalten nachgedacht. Da war es für meine Gesundheit aber schon zu spät! Es gibt Athleten, die regelmäßig einen Arzt aufsuchen zur Blutbildkontrolle. Diese Athleten bezeichnen ihren Steroidkonsum gerne als kontrolliert oder sicher. Sie glauben doch wirklich alles fest im Griff zu haben. Da sind wir aber leider wieder bei den Scheuklappen angelangt.

Das Blut regelmäßig zu checken, ist ja nicht verkehrt und zudem eine sehr wichtige und kluge Entscheidung. Noch klüger wäre es ganz einfach, den Wahnsinn „Steroide“ zu unterlassen, um einen sauberen Weg zu nehmen. Tja, das Leben könnte so einfach und unproblematisch sein. Man muss nur in der Lage sein, dies zu erkennen.

Zu den von mir angesprochenen Blutbildkontrollen möchte ich noch gerne Folgendes loswerden: Hätte ich z.B. meine Blutbildkontrollen nicht vernachlässigt, wäre es vielleicht noch möglich gewesen, die Notbremse zu ziehen. Ich glaube nicht, dass ich den Sport nach einer intensiven Warnung meines Arztes bezüglich der Harnsäure und Kreatininwerte so weiter fortgeführt hätte. Wenn diese Werte einmal während der On-Phase aus dem Ruder laufen, wird es bei späteren Einnahmen wohl ebenso sein und sich das Problem nicht in Luft auslösen. Das wäre so glaube ich, sogar mir schnell klar geworden.

Sobald die Werte drastisch daneben hängen, ist ja vielleicht schon eine gewisse Nierenschädigung da, die eine zukünftige Nierenfunktion beeinträchtigen könnte. Es geht ja nicht jeder Stoffkonsument monatlich zur Blutbildkontrolle. Die wenigsten gehen einmal pro Quartal, viele nur halbjährlich oder jährlich. Ich Volldepp zum Schluss gar nicht mehr, aber ihr könnt mir glauben: Mit dieser Nachlässigkeit stehe nicht alleine da!

Wie ist bei “daueron” die Zeit zwischen den Kontrollen zu sehen? Bei mir war im Krankenhaus nach einer Nierenbiopsie, eine Vernarbung im Nierengewebe zu erkennen. Dadurch ist selbstverständlich die Filterfunktion der Nieren beeinträchtigt. Nach ärztlicher Aussage kann eine solche Schädigung auch in kurzen Zeiträumen entstehen. Das muss nicht unbedingt ein Prozess sein, der sich über Jahre hinzieht. Nach einer Kontrolle, die positiv gelaufen ist, hat man ja erst mal ein reines Gewissen. Da erzählt man auch gerne mal noch nach einem Jahr, bei mir ist alles in Ordnung, ich war noch beim Arzt! Man ist sich oft gar nicht bewusst gewesen, dass wieder ein Jahr rum ist oder eine noch längere Zeit ohne Kontrolle.

Weiß man, was in der Zwischenzeit im Körper abgelaufen ist?

Christian: Oftmals glauben wir nur zu wissen, dass alles in Ordnung ist. Wie es jedoch in Wirklichkeit um unsere Entwicklung, unseren Körper und unsere Gesundheit bestellt ist, dass wissen wir alle nicht. Man kann sich schlecht fühlen und doch vollkommen gesund sein. Man kann aber auch glauben, dass man unverwüstlich ist, doch in Wirklichkeit wartet schon der Krebs darauf, in uns ausbrechen und sein Unwesen treiben zu können.

Derart drastische Eingriffe in den Hormonhaushalt unseres Körpers, wie sie beim Doping stattfinden, können dabei genau dieses Gleichgewicht zerstören, dass den Krebs bisher im Zaum gehalten hat. Steroide stehen nämlich für Gleichberechtigung. Sie bringen nicht nur die Muskelmasse und -kraft zum Wachsen, sondern auch all die Krankheiten, Schwächen und Psychosen, die wir im Kleinen eh schon haben oder dadurch erst bekommen. Jeder unserer Körper ist eine tickende Zeitbombe und Steroide beschleunigen den Lauf der dazugehörigen Uhr zum Teil dramatisch.

Von unschöner Akne über multiples Organversagen, Tumore, Herz- und Kreislaufprobleme, der Zerstörung der eigenen Hormonachse und Potenz bis hin zu irreversiblen Veränderungen der Erscheinung hin zum gegenteiligen Geschlecht oder auch der Akromegalie durch HGH-Missbrauch ist die Palette der Nebenwirkungen groß und mannigfaltig. Langfristig ist hier wirklich für jeden etwas dabei. Mal von den psychischen Problemen ganz zu schweigen.

Viele setzen das erste Mal die Spritze an mit dem Hintergedanken, dass es eine einmalige Sache und nach der Kur wieder vorbei sei. Aber wer wird es schon psychisch überwinden können, dass nach der Kur die hart erkämpfte Masse und Kraft wieder schwindet wie ein Schneemann in der Frühlingssonne? Viele rutschen so automatisch in den Teufelskreislauf: „Nach der Kur ist vor der Kur.“

Hinzu kommen allerlei Komplexe und Verdrängungsmechanismen, die ganz automatisch entstehen, wenn man sich dem eigenen Selbstbild oder auch dem von der Gesellschaft erwarteten und akzeptierten entfremdet. Wenn man als Frau zum Mann wird (Androgenisierung) oder als Mann zur Frau (Gynäkomastie), dann geht das an niemandes Seele spurlos vorbei. Mit der eigenen Identität geht auch die Akzeptanz der Mitmenschen verloren und alles beginnt sich zu wandeln. Man beginnt die Kontrolle zu verlieren und rutscht immer tiefer in die Welt und den Rausch von Doping, Masse und Kraft hinein, während einem die „Normalität“ immer mehr den Rücken kehrt.

(Bildquelle: Wimimedia.org ; PublicDomain Lizenz)

Testosteron: Hast du (deiner Meinung nach) zu wenig, hilfst du deinem Glück einfach nach… oder? (Bildquelle: Wikimedia.org ; PublicDomain Lizenz)

In der Welt der Superlativen jedoch fühlt man sich nur dann akzeptiert, wenn man auch ein entsprechendes Äußeres sowie eine gewisse Leistungsfähigkeit an den Tag zu legen und auf den Bühnen und Messen der Welt zu präsentieren vermag. Der Weg zurück in die Gesellschaft ist schwer und scheint eh versperrt zu sein. Außerdem möchte man mit diesen Schwächlingen doch sowieso nicht viel gemeinsam haben. Auf diese Weise entfernt und immunisiert man sich immer weiter von der Gesellschaft, aber auch von der natürlichen Entwicklung. Denn den nun eingeschlagenen Weg glaubt man, nur weiter beschreiten zu können, wenn man weiterhin auch regelmäßig zur Nadel greift. Ansonsten glaubt man, gar nichts mehr zu haben.

Solange man wächst, scheint es schließlich auch bergauf zu gehen. Nicht wenn man sich die gesundheitliche Basis zerstört, machen sich die Kollegen Sorgen oder evtl. auch darüber lustig, sondern nur dann, wenn die Entwicklung stagniert oder sogar rückläufig ist. Ergo denkt man sich hier ganz schnell: Wachstum ist wichtiger als die Gesundheit. Komme, was wolle, aber solange ich wachse, solange ist auch alles in Ordnung. So basteln wir uns alle unseren Schutzpanzer, der unseren eingeschlagenen Lebensweg nach außen hin – und vor allem auch für uns selbst – rechtzufertigen scheint, der jedoch in Wirklichkeit nichts weiter ist als ein großes Luftschloss.

In diesem lässt es sich durchaus gut und lange leben. Doch ab und an platzt es auch und man stürzt ab – in eine andere Welt. Vielleicht sogar in eine bessere, vielleicht aber auch in eine schlechtere. Das weiß man nie und oftmals hängt das auch damit zusammen, wie man selbst damit umgeht und vor allem, wer einen auffängt. Landen wir in den falschen Händen, dann setzen sie uns auch auf die falsche Bahn und die führt nur weiter bergab. Aber es kann auch anders gehen.

Ingo, Du hast vorhin erwähnt, dass Du durch den Zusammenbruch Deiner Gesundheit, durch das Platzen Deines Luftschlosses erst wirklich erkannt hast, dass es auch wichtigere Dinge im Leben gibt. Natürlich ist das sehr relativ und immer von den jeweiligen Bedingungen abhängig, aber Du hast nun den Schwerpunkt Deines Daseins völlig neu gesetzt und bist sehr glücklich damit. Ingo, was ist da geschehen? Wie haben sich Dein Weltbild und Deine Prioritäten verändert, nachdem Dir die Scheuklappen abgerissen wurden und sich Dein Horizont dadurch erweitert hat?

Ingo: Ich behaupte mal, dass wenn ich nicht erkrankt wäre, würde ich immer noch mit meinen Scheuklappen halb blind umher irren und wäre mit meiner irrsinnigen Titeljagd beschäftigt. Durch meine Erkrankung musste ich gezwungenermaßen die Scheuklappen ablegen.

Ich glaube nicht, wenn alles beim Alten geblieben wäre, dass ich irgendwann aus eigener Kraft, die Posinghose an den Nagel gehangen hätte. Das hört sich jetzt verrückt an, aber heute sehe ich meine Erkrankung als eine Art Erlösung, die mich aber leider meine Gesundheit gekostet hat.

Vor dem August 2005 hätte ich niemals einen Gedanken an ein normales Familienleben verschwendet. An die Vorstellung auch eventuell einmal Vater zu werden, war nicht zu denken.

Tja, ich war damals nur mit mir beschäftigt und damit auch vollkommen ausgelastet. Für mich war nur mein sportlicher Erfolg wichtig und ich habe meine ganze Energie nur auf dieses eine Ziel fixiert. Natürlich muss man einen gewissen Ehrgeiz an den Tag legen, um ein Vorhaben erfolgreich zu gestalten. Aber wenn der Ehrgeiz – wie in meinem Fall – krankhafte Formen annimmt und man bereit ist, alles zu tun, kann es für Körper und Geist sehr gefährlich werden.

Mein familiäres Umfeld, wie z.B. meine Frau, spielten in meiner damaligen kleinen Welt sogar auch eine Rolle. Von einer Hauptrolle – so wie es eigentlich normal sein sollte – darf aber nicht die Rede sein. Wenn ich heute so zurückdenke, kann ich froh sein, noch mit meiner Frau verheiratet zu sein. Ich kann mich zudem glücklich schätzen, dass sie sogar noch in meiner schwersten Lebensphase zu mir gehalten hat. Wie viele wissen, sind in sich selbst verliebte Wettkampfbodybuilder für Ihre Mitmenschen oft nicht einfach zu ertragen.

Natürlich hat es auch eine gewisse Zeit beansprucht, bis sich das Weltbild und meine Prioritäten änderten. Zum einen nahm ich durch meine Erkrankung ein wenig Abstand zur Szene, was mir aus psychologischer Sicht von meinen behandelnden Ärzten dringend empfohlen wurde. Zum anderen hatte ich meine Steroiddosierung langsam und schrittweise über einen Zeitraum von fast sechs Monaten auf Null reduziert. Dadurch sind für mich nach einiger Zeit völlig neue Prioritäten entstanden. Bei einem hoch dosierten oder dauerhaften Steroidkonsum wird die Psyche eines Menschen sehr in Mitleidenschaft gezogen, so viel steht für mich fest. Ich habe es erlebt und kann es somit bestens beurteilen!

Natürlich möchte ich jetzt hier nicht behaupten, Steroide weg, und plötzlich war alles wunderbar. Selbstverständlich hatte ich auch mit einer sehr langsamen Absetzphase mit den üblichen Entzugserscheinungen zu kämpfen. Zudem steuerte meine Erkrankung auch nicht gerade sehr viel zu einem positiveren Allgemeinbefinden bei. Bis aber alle für mich unangenehmen Probleme, die mit einem dauerhaften Steroidkonsum einhergehen, verschwunden waren, brauchte ich mehr als ein Jahr.

Obwohl ein Jahr – wie in meinem Fall – keine lange Zeit ist! Wenn man ein wenig zur Thematik recherchiert, dauert es auch schon mal bei einigen Gleichgesinnten länger, bis der eigene Hormonhaushalt wieder angekurbelt ist und normal arbeitet. Ich spreche hierbei natürlich von einem dauerhaften Steroidkonsum! Aber was für ein Zeitraum ist schon als dauerhaft zu bezeichnen? Übrigens, einige wichtige hormonelle Funktionen die unsere Nieren steuern, werden sich in meinem Fall leider nicht mehr normalisieren!

Momentan kann ich mein Leben wieder positiver sehen, da ich mittlerweile glücklicher Vater zweier Söhne bin. Ich möchte mal behaupten, dass es ohne meine Erkrankung nie soweit gekommen wäre. Traurig aber wahr! Man sieht, sogar eine schwere Erkrankung wie Nierenversagen, kann unter Umständen auch etwas Gutes bewirken.

Heute wünsche ich mir nur noch Folgendes:

Wäre ich nur in der Lage gewesen meinen persönlichen Wahnsinn aus eigener Kraft weit vor meiner Erkrankung zu stoppen, würde einiges anders laufen und vielleicht wäre ich heute gesund und glücklich! Für mich ist es zum Thema Gesundheit aber leider zu spät!

Christian: Oftmals wissen wir erst, was wir hatten, wenn wir es verloren haben. Ingo, Du hast ein Buch geschrieben, um den Untergang Deiner Gesundheit zu verarbeiten und auch um über potenzielle Risiken von Doping aufzuklären. Hier auf Deiner Seite kann sich jeder Interessierte darüber informieren.

Das war ein sehr mutiger Schritt, denn nun war für alle Welt klar: Du hast gedopt und Du hast Dir selbstverschuldet Deine Gesundheit zerschossen. Nicht viele gescheiterte Athleten gehen diesen Weg. Meinen Respekt hast Du dafür und sicherlich auch den von vielen anderen.

Jeder Athlet, der auch nur im entferntesten darüber nachdenkt, Doping für sich in Erwägung zu ziehen oder bereits selbst schon an der Nadel hängt, sollte sich Deinen Fall zu Herzen nehmen. Er sollte einmal einen Blick in die Zukunft werfen und an seine Familie denken. Es kann zwar alles gut gehen, aber oft genug geht es auch in die Hose und das nicht immer nur bei den anderen.

Kann man sich momentan wirklich sicher sein, dass einem auch in der Zukunft große Muskeln wichtiger sind als Gesundheit und die damit verbundene Unabhängigkeit? Wie soll es mit einem selbst in ein paar Jahren und Jahrzehnten aussehen? Wie soll es weitergehen? Wie steht es um die Menschen für die man Verantwortung hat oder haben wird? Ist man so wirklich für sie ein Vorbild? Möchte man, dass sie miterleben, wie man krank wird, dass man erwerbsunfähig wird, dass man invalide wird, dass man gar zum Pflegefall für sie wird, dass man evtl. ins Koma fällt oder schlussendlich stirbt und sie alleine auf der Welt zurück lässt?

Je stärker wir uns im Leben binden oder bereits gebunden sind, desto mehr Verantwortung haben wir auch für andere Menschen. Die Menschen, die uns am nächsten stehen, sind auch die, die uns am meisten prägen – nicht die Medien, die Politik oder sonst wer. Schlechte Menschen werden zu schlechten Menschen durch schlechte Vorbilder. Wie der Herr, so’s Gescherr. Alles kommt im Leben irgendwann wieder auf einen zurück.

Wer als Chef oder Vorgesetzter schlecht und unfair handelt und nicht zu seinem Wort steht, der wird auch eben solche Angestellte oder Untergebene dafür erhalten. Wer als Trainer nachgiebig, schwach und träge ist, dessen Schüler werden auch nicht viel besser sein. Wer als Partner seine Beziehung oder gar Ehe nicht entsprechend zu würdigen weiß, der zieht sie dadurch in den Dreck und somit auch sich selbst – denn er ist schließlich ein gewichtiger Teil dieser Beziehung. Wer darüber hinaus den Mitgliedern seiner eigenen Familie kein Vorbild ist, der braucht sich nicht darüber wundern, dass die Menschen, die einem eigentlich am nächsten stehen sollten, sich immer mehr von einem entfernen. Bis man schlussendlich ganz alleine da steht. Allein und vielleicht sogar todkrank – das wäre der absolute worst case.

(Bildquelle: Flickr / Steven Depolo ; CC Lizenz)

Überleg es dir gut! Die meisten Steroidkonsumenten sind leichtsinnig und uninformiert. Das hat fatale Folgen. (Bildquelle: Flickr / Steven Depolo ; CC Lizenz)

Um es somit auf den Punkt zu bringen: So wie man sät, so wird man ernten. Und auch wenn wir denken, dass wir frei und unabhängig sind und für niemanden Verantwortung haben, so stimmt dies einfach nicht. Jeden Tag sind wir von Menschen umgeben und wir machen Eindruck auf sie und sind im Stillen vielleicht sogar Vorbild für sie. Ich persönlich habe mich erst vor ein paar Wochen mit einem befreundeten Athleten über das Thema Stoff unterhalten. Er selbst ist ein sehr leistungsstarker Athlet und trainiert seit Jahren wie ein Wahnsinniger. Der Sport und die Entwicklung sind sein Leben. Und dennoch meinte er mit eiserner Miene zu mir:

„Christian, wenn DU jemals anfängst zu stoffen, dann höre ich sofort mit dem Training auf. Für immer.“ (Wenn er das gerade liest, dann möchte ich ihn hiermit grüßen und ihm versichern: Du bleibst am Eisen.)

Was ich damit sagen will, ist, dass uns oftmals überhaupt nicht bewusst ist, wer da so alles an uns glaubt und was unser Handeln zum Teil für drastische Konsequenzen haben kann. Ob wir es wollen oder nicht – irgendwas färbt immer ab. Und ich bin mir sicher: Wenn wir allesamt bessere Vorbilder wären, dann würden wir auch in einer deutlich besseren Gesellschaft leben.

Gut, natürlich zeichnen wir hier auch ein Szenario, dass stark negativ gefärbt ist, aber dass muss auch mal sein. Natürlich gibt es viele Athleten, die das, was sie machen als kontrollierten Konsum bezeichnen und darüber hinaus kenne ich viele dieser Athleten, die grundsätzlich korrekte und gute Menschen sind, die aber nun einmal einfach bereit dazu sind, ein gewisses Risiko einzugehen, um in dem Sport, der ihre Leidenschaft ist, auf höheren Leistungsebenen mithalten und glänzen zu können.

Die beiden Begriffe „Spitzensportler“ und Doping lassen sich derzeit kaum noch trennen. Im Leistungssport kommt man heutzutage fast nur noch mit der Spritze zur Spitze und das gilt für fast alle Disziplinen. Selbst Tänzer stoffen schon, bis sprichwörtlich der Arzt kommt – wie ich aus erster Hand erfahren durfte. Viele machen sich hier auch immer wieder etwas vor.

So etwas wie kontrollierten Konsum gibt es nicht. Man kann vielleicht die Dosierungen kontrollieren, aber niemals dessen Auswirkungen. Das Unberechenbare lässt sich nicht berechnen. Doping ist russisches Roulette mit der eigenen Gesundheit und Glaubwürdigkeit. Fünf von sechs kommen vielleicht heil durch, aber irgendwann muss irgendwer dran glauben. Hunderte von Doping-Todesfällen belegen dies eindeutig.

Allein in Deutschland gibt Tausende von Konsumenten und ich bin mir sicher: Nur die wenigsten davon wissen wirklich, was sie da machen. Viele glauben es nur zu wissen und die meisten haben keinen blassen Schimmer.

Ingo, Du hast nun all dies hinter Dir gelassen. Du bist ausgestiegen. Doch Du kannst nicht mehr zurück. Deine Gesundheit wurde irreversibel geschädigt und noch viele weitere werden Dir in diese Einbahnstraße folgen. Dennoch hast Du das Beste aus Deiner Situation gemacht, bist glücklich verheiratet, stolzer Vater, verarbeitest Deine Vergangenheit und gibst Deine Erfahrungen offen weiter.

Ingo: Ich würde es heute als Glück bezeichnen, dass ich überhaupt noch in der Lage gewesen bin, etwas Gutes aus meiner Situation zu machen. Es ist ja kein Geheimnis, dass es nach einem langen Steroidkonsum zu Problemen beim Thema „Familiengründung“ kommen kann. Ein wenig Glück im Unglück ist mir bei der Gestaltung meiner Zukunft Gott sei Dank nicht verwehrt geblieben. Wenn ich mir das auch noch versaut hätte, ich darf gar nicht darüber nachdenken, was aus mir geworden wäre. Plötzlich wurde völlig Uninteressantes, absolut wichtig! So schnell können sich Prioritäten ändern, wenn gewisse leistungssteigernde Substanzen aus dem Körper verschwunden sind, die zudem für unsere Psyche nicht gerade förderlich sind!

Es werden mir leider noch sehr viele in diese, von Dir angesprochene Einbahnstraße folgen. Soviel ist sicher! Selbst in meinem persönlichen Umfeld ist dies auch schon einige Male geschehen. Kann es sich da nur um Zufälle handeln, wie jetzt einige Schönredner wieder gerne behaupten werden?

Es muss sich nicht immer wie in meinem Fall um Nierenversagen handeln. Herzprobleme sind leider auch keine Seltenheit. Viele gesundheitliche Probleme können sogar noch auftreten, wenn der eigene Dopingmissbrauch schon Jahre oder jahrzehntelang zurückliegt und schon fast vergessen wurde.

Ich kann letztendlich zum Schluss nur noch an alle appellieren, einfach die Finger vom Doping zu lassen, um einen sauberen Weg zu nehmen. Was könnte ich mit meiner unrühmlichen Vergangenheit denn sonst nur empfehlen? Es ist es ja seit einigen Jahren möglich, unseren geliebten Sport sauber, gesund und sogar noch erfolgreich auf einer Wettkampfbühne zu erleben.

Meine Zukunft und Entwicklung sehe ich positiv, da bald (spätestens in wenigen Jahren) meine Nierentransplantation anstehen wird. Mit meinem Allgemeinbefinden wird es, wenn alles erfolgreich verläuft, wohl wieder aufwärts gehen. Tja, aber auch mit einer neuen Niere werde ich leider kein gesunder Mensch mehr werden. Durch die Transplantation entsteht eine völlig neue Situation. Da kommt erst einmal die Operation, dann eine hoch dosierte Kortisoneinnahme sowie die Immunsuppression auf mich zu. Das wird natürlich kein Zuckerschlecken werden. Ein Leben mit einem Nierentransplantat ist zwar eine Erleichterung aber es gibt natürlich weiter Einschränkungen, die mit einem völlig normalen Leben nicht zu vergleichen sind.

Ich werde das aber schon meistern, da bin ich mir sicher!

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben dieses Interview zu lesen. Ich hoffe sehr, dass ich den ein oder anderen zum Nachdenken anregen konnte. Aber wie schon gesagt, kann ich Euch nur dringend empfehlen, es einfach zu lassen!

Ist die eigene Gesundheit und das Leben eine (Bildquelle: Flickr / USAG-Humphreys ; CC Lizenz)

Ist die eigene Gesundheit und sogar das Leben dieses Risiko für eine popelige Trophäe wert? Vielleicht wird es Zeit die eigenen Prioritäten einmal zu überdenken – noch hast du die Möglichkeit dazu. (Bildquelle: Flickr / USAG-Humphreys ; CC Lizenz)

Christian: Manche Fehler verzeiht einem das Leben nie.

Ingo, ich finde es dennoch super, wie Du damit umgehst und was Du bereits jetzt daraus gemacht hast. Gerade in Themen und Zeiten wie diesen ist eine offene und tabulose Aufklärungsarbeit von enormer Bedeutung für uns, unsere Gesellschaft und unseren Sport. Es wird Zeit, dass wir lernen, offen über all das zu reden, was so viele machen, aber dennoch verschweigen und verdrängen.

Im Namen vieler möchte ich Dir für Deine Arbeit und Deine Zeit danken und Dir alles Gute für Deine weitere Zukunft und Entwicklung wünschen. Von nun an ist die Familie Deine neue Bühne. Ich bin mir sicher, dass Du hier den Auftritt Deines Lebens abliefern wirst.

Schließen möchte ich heute mit einem sehr passenden Zitat aus dem Film La Haine:

“Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft, die fällt. Und während sie fällt, sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: Bis hierher liefs noch ganz gut. Bis hierher liefs noch ganz gut. Bis hierher… liefs noch ganz gut…

…aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung.”

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Bildquelle Titelbild: Flickr / Mattys Flicks ; CC Lizenz

Über den Autor

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.

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  • toco

    Etwas mehr Kontrast bitte,schwer zu lesen!

    • Ich schau mal ob ich da was für zukünftige Artikel machen kann – z.B. Text komplett in weiß! ;)

      besten Gruß