Darfs ein bisschen mehr Hardcore sein, Du Pussy?!

Darfs ein bisschen mehr Hardcore sein, Du Pussy?!

3 Kommentare

Von Christian Zippel  

“Ich möchte Ihnen jetzt mein Geheimnis verraten… Ich sehe schwache Menschen.”

– Schwache Menschen in Krankenhäusern oder Altersheimen?

“Sie laufen durch die Gegend wie normale Menschen. Sie können einander nicht sehen. Sie sehen nur, was sie sehen wollen. Sie wissen nicht, dass sie schwach sind.”

– Wie oft siehst Du sie?

“Die ganze Zeit… Sie sind überall!

Die Schwäche des Menschen

yousaidyousquatHierunter verstehe ich keine körperlichen Gebrechen oder Behinderungen, sondern die Schlaffheit unserer Mitmenschen – die Trägheit, gekünstelte Ruhe und Lethargie ihres Waltens und Schaltens.

Dieser Hang zur Normalität und Gleichgültigkeit ödet mich an. Nichts vermag mehr zu bremsen als diese leidliche Apathie im eigenen Umfeld. Das Desinteresse, welches sich in ihrer Zurückhaltung widerspiegelt, vermag nicht zu beflügeln. Es bestärkt nur den eigenen Unmut und führt so ebenso in den Untergang der Untätigkeit – die absolut passive Teilnahmslosigkeit. Diese Monotonie im eigenen Leben und Streben, die sich vollkommen indifferent über sich selbst in die tiefe leidenschaftslose Leere niveaulosen Phlegmas ergießt.

Und all das kann so schnell gehen…

Mysterieuze krachten in de sport

Letzte Nacht habe ich diesen – ursprünglich niederländischen – Klassiker gelesen, in dem es um die mentale Komponente im Sport geht: Mysteriöse Kräfte im Sport: Mentaltraining und Sportpsychologie von Joris van den Bergh.

In der Zeit, als Sportreporter und -funktionäre noch eben solche Absonderlinge waren, wie die Sportler selbst, im Anzug in der Arena erschienen und im Plural Majestatis schrieben, wurde vieles schon überaus klar gesehen. So schreibt van den Bergh bereits 1929, um seine Sicht auf optimalen Leistungssport klar zu machen:

„Während vieler, vieler Jahre haben wir eine Untersuchung des Gemütszustandes des Leistungssportlers vorgenommen. Früher hieß es, und es gibt überall noch Anhänger dieser Theorie, dass ein Leistungssportler ruhig sein müsse. Kein Wort davon ist wahr! Radrennfahrer und Eisschnellläufer sind nur dann zu den allerhöchsten Leistungen fähig, wenn sie enerviert sind. Ein ruhiger Leistungssportler gleicht einem Löwen, der versucht, bei alten Männern Beute zu machen. Dass er enerviert sein muss, bedeutet nicht, dass er sich wie ein Nervenbündel benehmen soll. Dafür ist er ja ein geübter Leistungssportler, um zu verhindern, dass die Nerven die Oberhand gewinnen. Doch von Anfang an ist bei ihm jeder Nerv gespannt, und sein ganzes Wesen, alle Kräfte und alle Fähigkeiten, über die er verfügt, sind einzig und allein auf den Wettkampf gerichtet.“

Van den Bergh war alles andere als ein Theoretiker. Er war ein Mann vom Fach und hat unheimlich viele Leistungssportler begleitet – von Olympia bis hin zur Tour de France. Seine Gedanken sind mitten aus dem Leben gegriffen und in seinem überaus lesenswerten und locker leicht formulierten Buch argumentiert er für eine klare Strategie:

Gib Vollgas oder vergiss es gleich!

Um nichts anderes soll es heute hier gehen. Wer kein genetischer Crack ist und von der Muskelfee auf den Gluteus geküsst wurde, der muss schlicht und einfach von extremer Motivation, Leistungsbereitschaft und Hingabe durchdrungen sein – oder er wird die Riege des Durchschnitts niemals hinter sich lassen.

Systeme hin oder her

Alles, was wirklich zählt, ist, wie viel Herzblut man in das eigene Leben und Streben bereit ist zu investieren – insbesondere im Training aber auch darüber hinaus gilt es enerviert zu sein: Feuer und Flamme für die eigene Sache – für Ästhetik, Leistung und Gesundheit.

Entwicklung ist hier das Ziel und nur wer bereit ist zu viel geben, wird hier auch viel bekommen. Um beachtenswerte Erfolge zu erhalten, muss der Acker erst einmal bereitet werden – im Schweiße des eigenen Angesichtes und darüber hinaus wird man dann auch nur das ernten, was man auch sät.

Ursache und Wirkung

Wer einfach nur ein paar Sätze an diversen Geräten ableistet, ohne dabei ausreichend bei der Sache zu sein, darüber hinaus seine Ernährung schleifen lässt und sich einen Fehltritt nach dem anderen erlaubt, wird niemals signifikant vorankommen.

Masse und Kraft kann man nicht herbeizaubern – man muss sie sich hart verdienen.

Wann hast Du das letzte Mal Vollgas gegeben?

Guys-be-likeWann – verehrter Leser – bist Du wirklich voller Eifer in Dein Studio und an die Gewichte gerannt, bereit die Welt aus den Angeln zu heben, um alles und noch mehr zu geben? Wann hast Du Dich das letzte Mal wirklich hochgepusht und Dich mit 100% Fokus sowie Kompromisslosigkeit bis ans Äußerste getrieben? Wann hast Du zuletzt wirklich für Deine Entwicklung gekämpft, so wie Du um die Liebe Deines Lebens oder das Wohl Deiner Familie kämpfen würdest?

Wann hast Du Dich selbst völlig vergessen, um kurzen Prozess mit den viel zu leichten Gewichten und kümmerlichen Herausforderungen Deines Trainings-Alltages zu machen? Wann hast Du die Gemächlichkeit der Routine überwunden? Wann hast Du die Scheuklappen als Krone der Aggressivität aufgesetzt, um die Softcore-Welt um Dich herum vollständig auszublenden?

Die Studio-Zombies erwischen auch Dich

Sei auf der Hut. Die Atmosphäre jedes normalen Studios ist tödlich für Athleten mit überdurchschnittlichen Ansprüchen. Vom gediegenen Schickimicki-Wellnesstempel bis hin zum ausgedienten Leistungszentrum sind die Trainings-Zombies überall vertreten und es werden täglich mehr.

Auch van den Bergh warnt eindringlich vor ihnen. Er beschreibt Wettkampf- und Trainingsszenarien, in denen die Leistungsfähigkeit von absoluten Spitzensportlern bereits nur durch die Anwesenheit oder auch nur ein Wort dieser Leistungsbremsen vollkommen vernichtet wurde.

Wir alle kennen sie, diese Menschen, die auf ihren Geräten halb einschlafen, dreinschauen wie Hans Maulwurf, ständig die Musik leiser drehen, sich schmerzerfüllt die Knie reiben, wenn man schwer beugt, tagein, tagaus die gleichen Kindergewichte durch die Raumzeit bugsieren und selbst nach Jahren immer noch so aussehen als hätten sie all die Zeit nur Hallenhalma gespielt. Palavern können sie, aber bis auf ein wenig „mimimi“, ein bisschen „ach ja“ und „wenn, dann…“-Selbstmitleid kommt dabei nicht viel herum.

Unterschätzt diesen Einfluss niemals!

Schneller als man denkt, lässt man sich dadurch bremsen. Die Atmosphäre kippt oder ist bereits von Anfang an im Argen. Eine wirklich extreme Leistungsatmosphäre mit ausreichend Blut, Schweiß und Testosteron in der Luft ist Gold wert. Aber wer hat das schon zur Verfügung?

Man merkt es kaum, aber unheimlich schnell lässt man sich hier assimilieren, wird ruhiger, träger und zurückhaltender. Ich habe das schon so oft erlebt und auch in den letzten Wochen hat es mich wieder voll erwischt. Erst als in der Stille der letzten Nacht van den Berghs Worte aus der Vergangenheit zu mir durchhalten wurde mir wieder klar:

Themenverwandter Artikel:
Die Wahrheit über Muskelaufbau & Fitnesstraining

Darfs ein bisschen mehr Hardcore sein, Du Pussy?

Hardcore

Zu viel für dich? Zumindest sitzt der Kerl nicht nur im Studio rum und dreht Däumchen – solltest DU auch nicht! (Bildquelle: Flickr / Tinou Bao ; CC Lizenz)

Also lass Dich nicht von den Trainings-Zombies assimilieren! Gib Vollgas! Nutze jeden einzelnen Tag Deines Lebens, um etwas wirklich Nennenswertes zu reißen! Sei progressiv, sei kompromisslos und sei das, was Du liebst und doch immer wieder zu vergessen drohst: Ein total Besessener vom Weg des größtmöglichen Widerstandes – ein Jünger von Größe, Stärke und Stabilität des eigenen Daseins, ein Athlet, der für seine Entwicklung lebt und kämpft. Also kämpfe auch und spiele nicht einfach nur ein wenig mit den Gewichten herum, den Wert Deiner Zeit und Deines Potenziales aus den Augen verlierend…

Aber, Rhabarber

Mit 100%-Hardcore-Training meine ich keineswegs das vielgerühmte „Balls-to-the-wall“-Training mit absoluter Muskelzerstörung, übertriebenem Schwung und völlig unnötigem Muskelversagen und einem ebensolchen grauenhafter Kater. Dass dieser Kindergarten noch irgendwo ernst genommen wird, ist ein sehr trauriges Zeugnis der immer noch zu stark vertretenen Unkenntnis zum Thema „optimale Wachstumsreizsetzung“.

Wahres und ernsthaftes Training ist extrem, aber nicht durch vollkommene Übertreibung, sondern durch absolut vollkommenen Fokus, Beherrschung, Konzentration, Hingabe, Präzision und Kompromisslosigkeit bei jeder einzelnen sauberen Wiederholung. Zu wissen, wann Schluss und was zu viel ist, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.

Wirklich Hardcore ist man nur mit Hirn, alles andere ist nur stumpf und in unseren Kreisen keineswegs Trumpf.

Also…

…was Du nun die Zombies in Deinem Studio, unter Deinen Kollegen und auch im eigenen Spiegel fragen solltest, ist nun hoffentlich klar. Wehre den Schwächen der Lethargie – bevor es zu spät ist; bevor Deine Entwicklung einschläft und Dein Körper nur noch bewegt, aber weder gefordert noch gefördert wird.

(Bildquelle: Deviantart / Raschoo ; CC Lizenz)

Bring it ON! (Bildquelle: Deviantart / Raschoo ; CC Lizenz)

Entzünde das Feuer der Leidenschaft für Kraft und Masse täglich aufs Neue in Dir und lass es verdammt noch mal lodern, so gut es nur geht! Setze Dein gesamtes Denken, Handeln, Glauben und Reden so sehr in Brand, dass sich all die Studio-Zombies ihre Finger an Dir verbrennen. Sei Be-Geistert für das, was Du machst. Lass diesen Eifer von nichts und niemandem löschen oder ersticken! Sage jedem, der dies versucht, was Du von ihm hältst und dann verlassen seine Kreise oder er wird Dich infizieren. Zieh Dein eigenes Ding durch, kämpfe für Deine Ziele, feiere das Leben und genieße all das, so gut es nur geht!

Deine Entwicklung – Deine Verantwortung

Sei aktiv! Suche und schaffe Dir eine extreme Leistungsatmosphäre wo immer es Dir möglich ist. Vergiss niemals den Effekt, den andere Menschen und auch Orte auf Dich und Deine Entwicklung haben – ebenso wie alles, was Du auf- und wahrnimmst. All dies ist wie ein verwunschener Spiegel, an dessen Bild Du Dich stets angleichen wirst – ob Du willst oder nicht. Also streiche alles aus Deinem Leben, was Dich hemmt sowie ausbremst und konzentriere Dich auf all dies, was Dich fördert und voran bringt. Erkenne, was notwendig ist und dann ziehe die entsprechenden Konsequenzen:

Es ist Dein Leben… mach was draus!


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Über den Autor

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.


Bildquelle: Flickr / Mc Nasser ; CC Lizenz


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  • Vollkommen richtig. Man muss den Willen haben vollgas zu geben, dann kommt man auch vorran. Der Artikel war einfach nur genial geschrieben!

  • Die Atmosphäre zu Hause ist vielleicht nicht die allerbeste, aber die hier genannten Gründe sind teilweise auch die, die mich nicht (mehr) im Studio trainieren lassen.

  • Hallo zusammen! Kann meinen beiden Vorrednern nur zustimmen! Super Artikel, toll geschrieben! Einfach Gas geben und dran bleiben und man erreicht auch seine Ziele…

    Bei euch gibts echt noch richtigen Content, kein Mainstream-Gelabere ;)