Körperbewusstsein: Psychosomatische Erwägungen für jeden ernsthaften Athleten

Körperbewusstsein: Psychosomatische Erwägungen für jeden ernsthaften Athleten

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Von Christian Zippel   / Julia

Diesmal ist es mir eine ganz besondere Freude, meinen Blog mit dem Text aus einer fremden Feder zu schmücken: Julia, eine angehende Psychologin, hat sich Gedanken über das Verhältnis unseres Bewusstseins zu unserem Körper gemacht – quasi eine Psychosomatik für all diejenigen Menschen, deren körperliche Ansprüche deutlich weiter gehen als nur Essen, Schlafen und F…liesen verlegen:

Körperbewusstsein: Die Intensivierung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und dessen Beitrag zur körperlichen Weiterentwicklung

Unsere Aufmerksamkeit ist ein hohes Gut. In der Psychologie wird der Aufmerksamkeit unter anderem die Aufgabe der „handlungssteuernden Selektion“ zugeschrieben. Das heißt, sie lenkt durchschnittlich zirka 16 bis 18 Stunden am Tag unser Bewusstsein.

Sie entscheidet darüber, welche wahrgenommenen Informationen im Gehirn bewusst verarbeitet und welche gezielt ausgeblendet werden. Sobald die Aufmerksamkeit ihren Dienst verrichtet hat, ist es Sache einer Vielzahl anderer, in unserem Dienste stehenden Funktionen des Gehirns, auf welche Art und wie gezielt ein bestimmtes Objekt, eine Tätigkeit oder beispielsweise ein Gedanke angesteuert wird. In diesem Text jedoch soll die Weiterverarbeitung der Informationen, jenseits dieses Portals der Aufmerksamkeit, unbeachtet bleiben. Ich möchte mich in diesem Text dem Potential eines frühen und relativ basalen Vorgangs der menschlichen Informationsverarbeitung zuwenden.

Wahrnehmung ist ein automatischer Prozess

Er funktioniert, ob wir hinsehen oder nicht, ob wir uns die Ohren zuhalten oder nicht, ob wir unsere Aufmerksamkeit gezielt ausrichten oder nicht. Wahrnehmen tun wir ständig; so lange wir leben. Wie allgemein bekannt ist, verfügt der Mensch daher über starke Filtermechanismen, um sich aus der Vielzahl von Sinneswahrnehmungen auf einige wenige Informationen zu konzentrieren und diese bewusst wahrzunehmen. Durch diesen Vorgang wird bestimmt, womit wir uns zu jedem Augenblick unserer wachen Lebenszeit auseinander setzen. Diese Entscheidungsfreiheit öffnet uns einen großartigen Gestaltungsraum und äußert sich eigentlich in allem was wir tun. Kurzum, die Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit ist in erheblichem Maße an der Konstitution dessen beteiligt, was wir sind.

Wir haben die Wahl

(Bildquelle: Flickr / Mait Jüriado ; CC Lizenz)

Ob Profi-Bodybuilder, Ballettänzer oder Freizeitathlet: Jeder von uns nimmt seinen Körper wahr – ob er will oder nicht! (Bildquelle: Flickr / Mait Jüriado ; CC Lizenz)

Die Tatsache dass Du diesen Text liest, lässt vermuten, dass Du Dich dazu entschieden hast, Deiner körperlichen Entwicklung in irgendeiner Form Beachtung zu schenken bzw. diese anzustreben, weshalb ich nunmehr dieses Ziel als unseren gemeinsamen Ausgangspunkt betrachte.

Wenn wir darüber nachdenken, was wir für dieses Ziel tun können, so fallen uns sicherlich zu aller erst die zwei großen Themen „Training“ und „Ernährung“ ein. Wie ich jedoch bereits erwähnt habe, geht der Wahl unseres Essverhaltens oder unserer Trainingsmethode, also dem Ergebnis eines Denkprozesses, bereits ein mächtiger Vorgang voraus: die bewusste Wahrnehmung unseres Körpers. Sie stellt nicht nur die Grundlage unserer Entscheidungen bezüglich unserer Trainings- und Ernährungsweise dar, sie ist auch ein wesentlicher Antrieb dafür, überhaupt etwas für unseren Körper zu tun.

Angenommen, wir würden unseren Körper nur vom Hörensagen kennen, wir würden ihn nicht sehen, nicht fühlen nicht riechen usw. und wir würden nicht täglich seinen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden erleben, wäre der Antrieb vermutlich weitaus geringer. Überleben kann man, wie man an vielen Mitmenschen sehen kann, auch ohne dezidierte Auseinandersetzung mit Ernährung oder ohne auch nur eine einzige Minute im Jahr Sport zu machen. Sich unserer körperlichen Wahrnehmung zu entziehen ist dagegen schwer, macht sie doch einen erheblichen Anteil unserer täglichen Sinnesempfindungen aus.

Unser Körper ist ein beständiger Teil unserer Wahrnehmung und wir haben permanent, wenn auch überwiegend unbewusst, ein Gefühl für die Beschaffenheit unseres Körpers. Wer sich in seinem Körper nicht wohl fühlt, wer – trotz Gesundheit – keine ausreichende körperliche Mobilität oder Fitness besitzt, kann daher in seinem täglichen Wohlbefinden in erheblichem Maße subjektiv beeinträchtigt sein. Es ist logisch, dass Menschen in dieser Situation versuchen, einer Auseinandersetzung mit der eigenen Physis möglichst aus dem Weg zu gehen bzw. die täglichen Phasen unvermeidlicher Selbstkonfrontation (z.B. morgens vor dem Spiegel) möglich kurz und oberflächlich zu halten. Selbst Menschen die regelmäßig Sport treiben, neigen bisweilen aus unterschiedlichen Gründen zu solch einem Vermeidungsverhalten. Ein sträflicher Fehler, wenn man mich fragt, denn in der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung liegt enormes Potential. Man kann sich sein körperliches Bewusstsein in erheblichem Maße zu Nutze machen.

Meine Erfahrung ist…

Die Art und die Zeit die ich mir dafür nehme, im Alltag meinen Körper bewusst wahrzunehmen, wirkt sich fundamental auf meinen Anspruch und mein Bedürfnis zur körperlichen Weiterentwicklung und die Motivation zur Realisierung einer dafür förderlichen Ernährungsweise aus. Der scheinbar simple Vorgang der Selbstwahrnehmung, die Bereitschaft, sich dem Körper bewusst zu stellen, kann neben Training und Ernährung ein weiteres, wichtiges Instrument sein, um unsere körperlichen Ziele zu erreichen.

Für diesen Effekt bedarf es keine besondere Kenntnis über die Mechanismen der eigenen Wahrnehmung, er tritt schlicht in dem Moment ein, in dem man den Fokus der eigenen Aufmerksamkeit gezielt auf seinen Körper oder auf einen einzelnen Bereich seines Körpers richtet. Einen ganz ähnlichen Effekt kann das Ansehen eines Kinofilms oder die Reportage über eine faszinierende Sportart haben.

Vielleicht hast Du auch schon erlebt, dass es Dir nach dem Ansehen eines solchen Videos plötzlich in Händen und Füßen juckt und Du am liebsten sofort aus seinem Sessel aufspringen und drauf los rennen würdest. Manchmal kann man dieses Gefühl sogar bei anderen sehen. Denselben Menschen, der vor dem Film noch unter Vermeidung jeglicher, unnötiger Körperbewegungen seinen Platz im Fernsehsessel eingenommen hat, kann man bisweilen dabei beobachten, wie er plötzlich energiegeladen, in gerader Haltung und federnden Ganges den Weg zur Toilette antritt.

Dieser Effekt rührt meines Erachtens daher, dass der austrainierte Turner den man bei gerade bei seiner Halteposition an den Ringen beobachtet hatte, der Anblick der athletischen Solotänzerin während ihrer komplexen Pirouetten- und Sprungkombinationen oder der des muskulösen Sprinters bei seinem explosiven Antrittstraining, den eigenen Körper in Aufruhr versetzt. Plötzlich ist einem das genugtuende Gefühl von körperlicher Kraft und Beweglichkeit das entsteht, wenn einem der Körper bis in die letzte Faser gehorcht, außerordentlich präsent.

Diese intensivierte körperliche Wahrnehmung im Alltag zu etablieren, ist jedoch auch ohne einen inspirierenden Film, Text oder sonstige Motivationshilfsmittel möglich. Man kann diesen Impuls selbst herstellen. Es ist meiner Erfahrung nach ausreichend, sich den Zustand des eigenen Körpers möglichst intensiv zu vergegenwärtigen. Dazu stehen einem im Wesentlichen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: die visuelle und die sensible Wahrnehmung des Körpers.

Die visuelle Wahrnehmung

(Bildquelle: Pixaby.com / mojzagrebinfo ; CC Lizenz)

Für viele der Hauptbeweggrund für die bewusste körperliche Veränderung: Zu viele Pfunde auf der Waage.(Bildquelle: Pixaby.com / mojzagrebinfo ; CC Lizenz)

Oft steht die visuelle Wahrnehmung unseres Körpers sehr stark im Vordergrund. Viele Menschen begegnen ihrem Körper bewusst im Wesentlich dann selbst, wenn sie vor dem Spiegel stehen. Es ist auch nichts Falsches daran, denn die visuelle Wahrnehmung der eigenen Person kann erheblich zur Motivation beitragen, an den eigenen körperlichen Schwächen zu arbeiten. Oft stellt die Entwicklung der Optik bzw. der Ästhetik des Körpers bei Menschen sogar die Hauptmotivation dafür dar, etwas für den eigenen Körper zu tun. Weitere positive Effekte sind, dass der Blick in den Spiegel die eigenen muskulären Stärken und Schwächen offenbart, man seiner eigenen Haltung gewahr wird, und man darüber hinaus mit etwas Erfahrung auch relativ genau den eigenen Körperfettanteil daran abschätzen kann.

Die sensible Wahrnehmung

Ich möchte jedoch an dieser Stelle die Bedeutung einer anderen wichtigen Art der Selbstwahrnehmung herausstellen: die sog. „sensible Wahrnehmung“; d.h. die Oberflächen- und die Tiefensensibilität des Körpers. Einfacher ausdrückt, ist die sensible Wahrnehmung unseres Körpers schlicht das, was man üblicherweise als „Körpergefühl“ bezeichnet. Man kann, muss sich dafür aber nicht zwangsläufig selbst anfassen. Es genügt, sich bewusst auf den Körper als Ganzes oder auf einzelne Teile des Körper zu konzentrieren.

Ich habe festgestellt, dass es einen erstaunlich starken Effekt hat, die eigene Aufmerksamkeit im Alltag wiederkehrend auf die Zusammensetzung und Haltung des eigenen Körpers zu richten. Man muss nicht stundenlang darüber meditieren – üblicherweise führt die intensivere Aufmerksamkeit zum Beispiel sofort dazu, dass man eine geradere, gesündere Haltung einnimmt.

Als ehemals ambitionierte Hobby-Balletttänzerin kenne ich die Ästhetik eines geraden, aufrechten Körpers mit einem flachem Bauch, gerader Wirbelsäule und leicht nach hinten respektive unten gezogenen Schultern. Meiner Meinung nach ist die Körperhaltung eines Menschen mindestens ebenso ausschlaggebend für seine optische Wirkung wie ein paar Zentimeter Umfang, ein paar Kilo Muskelmasse oder ein paar Prozent Fettanteil am Körper mehr oder weniger. Jene Aspekte, auf welchen aber für viele Menschen das Hauptaugenmerk in Bezug auf ihre optische Erscheinung liegt. Leider gibt es genug Menschen, die einen tollen Körper haben, aber aufgrund ihrer Haltung eher träge und unsportlich wirken.

Als Nebeneffekt dieses „Sich-selbst-Wahrnehmens“ kann und sollte daher immer auch eine höhere muskuläre Grundspannung im Körper angestrebt werden, die dem Ziel der Entwicklung eines starken und belastbaren Körpers ebenfalls zuträglich ist. Es ist nichts gegen entspanntes Sitzen vor dem Computer oder gemütliches Ausruhen abends auf dem Sofa einzuwenden, jedoch ist es selbstverständlich kontraproduktiv, den Körper außerhalb von Trainingseinheiten komplett zu ignorieren. Dem angestrebten Ziel der körperlichen Weiterentwicklung ist nicht damit gedient, den Muskelaufbau und einen aktiven Stoffwechsel durch eine betont passive Sitzhaltung und das Vermeiden jeglicher Bewegung im Alltag zu untergraben.

Neben den körperlichen Auswirkungen einer intensiven Selbst-Auseinandersetzung, kommen auch psychologische Faktoren zum Tragen. Ein Beispiel: Angenommen, man nimmt unter Tags immer und immer wieder eine Speckfalte auf seiner Hüfte wahr. Eine Möglichkeit darauf zu reagieren ist, die Selbstwahrnehmung möglichst stark zu unterdrücken, sich kaum zu bewegen um sich möglichst wenig mit der wahrgenommenen Unzulänglichkeit der eigenen körperlichen Beschaffenheit zu konfrontieren. Ein Vermeidungsverhalten, das im Übrigen einen großen Hinderungsgrund dafür darstellen kann, Sport zu machen. Selten ist man so sehr mit seinem eigenen Körper konfrontiert, wie während einer intensiven Trainingseinheit. Man kann diese Provokation – das Unbehagen, das eine starke körperliche Selbstaufmerksamkeit bei Menschen. die nicht ihrem eigenen körperlichen Ideal entsprechen, auslöst – jedoch auch zu den eigenen Gunsten nutzen.

Die Wahrnehmung einer Speckfalte…

(Bildquelle: Pixaby.com / SawKawaii ; CC Lizenz

Nach dem Körperbewusstsein folgt oft auch das entsprechende Ernährungsbewusstsein. (Bildquelle: Pixaby.com / SawKawaii ; CC Lizenz)

…kann bei einem körperbewussten Menschen sehr starken Aufforderungscharakter entwickeln. Ein Weg, das eigene Unbehagen konstruktiv aufzulösen – und damit im Grunde die einzig gewinnbringende Reaktion: die Flucht nach vorne!

Statt in Verdrängung kann man sein Unbehagen auch dahingehend nutzen, die nächste Trainingseinheit herbei zu sehnen, sich innerlich darauf vorzubereiten und sich schon jetzt über die eintretenden Folgen des Trainings zu freuen. Wichtig ist allein, dass man nicht in den Verdrängungsmodus schaltet, da die klare, bewusste Auseinandersetzung mit der Zielvorstellung der eigenen körperlichen Konstitution, es nur unter großer psychologischer Anstrengung zulässt, ein dieser Vorstellung stark widersprechendes Verhalten an den Tag zu legen. Die Psyche möchte einem solchen „Dissonanz“-Gefühl tunlichst aus dem Weg gehen, wodurch diese Art der Selbstkonfrontation mit der Zeit zu einer Versicherung vor inadäquatem bzw. inkonsequentem und ungesundem Verhalten werden kann!

Folgenden drei Aspekten meines körperlichen Zustands widme ich persönlich die größte Aufmerksamkeit. Diese drei Aspekte stellen zugleich einen guten Einstieg zur Etablierung eines höher entwickelten Körperbewusstseins dar:

1. Intensivierung der sensiblen und visuellen Wahrnehmung der Körperhaltung, der Grundspannung im gesamten Körper und in einzelnen Körperteilen

Zu den möglichen positiven Konsequenzen zählt hier vor allem eine gesündere Haltung, welche wiederum mit einer Reihe von weiteren positiven Folgeerscheinungen verknüpft ist. Darunter: ein erhöhter Muskeltonus im Körper (v.a. der Stütz- und Haltemuskulatur in Bauch, Rücken, Gesäß und Brust), die Vorbeugung von Schmerzen und Fehlhaltungen, ein erhöhter Leistungsumsatz, ein ästhetisches Äußeres und ein positiver Einfluss auf die Selbst- und Fremdwahrnehmung. Weiterhin kann in Folge eine Entlastung von im Alltag chronisch angespannten Körperteilen eintreten (z.B. verkrampfte Nackenmuskulatur oder Zehen).

2. Intensivierung der sensiblen und visuellen Wahrnehmung der Ausprägung, Verteilung und Symmetrie der Muskulatur

Eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Körpermuskulatur, kann zum einen dazu beitragen, physische Dysbalancen zu erkennen, was sich zudem durch frühzeitiges Eingreifen auch gesundheitsfördernd auswirken kann. Zudem bietet die regelmäßige Auseinandersetzung mit der muskulären Entwicklung die Möglichkeit, die Erfolge des Trainings und einer bestimmten Ernährungsweise genau zu beobachten und so langfristig die am besten geeigneten Methoden für sich heraus zu finden. Darüber hinaus hat die Wahrnehmung von Muskelabbau oder -zuwachs – je nach sportlicher oder optischer Zielsetzung – natürlich auch einen motivationalen Effekt.

3. Intensivierung der sensiblen und visuellen Wahrnehmung des Körperfettanteils

Je nach Zielsetzung und aktuellem Körperfettanteil kann das verschiedene Folgen haben: Eine starke Auseinandersetzung mit einem zu hohen Fettanteil kann sicherlich auch negative Konsequenzen haben (vgl. Essstörungen) bzw. auch bei gesunden Personen ein gewisses Unbehagen auslösen. Sie bietet langfristig aber auch die Chance, im Alltag ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit körperlichen Trainings und einer gesunden, evtl. kalorienreduzierten Ernährung zu entwickeln.

Bei Personen, die bereits ihren angestrebten Fettanteil erreicht haben, ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Körperfettanteil möglicherweise unnötig, kann jedoch auch bei diesen zu erhöhter Selbstzufriedenheit bzw. zur Selbstverstärkung bereits etablierter, gesunder Verhaltensweisen führen.

Alle drei Aspekte…

…können mit Sicherheit ein sehr hilfreiches Instrument zur Realisierung unserer körperlichen Ziele sein und nebenbei einen positiven Effekt auf unser subjektives Wohlbefinden haben.

An dieser Stelle möchte ich jedoch auf den größeren Gesamtzusammenhang hinweisen, innerhalb dem dieser Text zu verstehen ist: Meine Ausführungen decken lediglich einen Ausschnitt aus einer Vielzahl von Parametern ab, denen bei der Etablierung eines körper- und gesundheitsbewussten Verhaltens Bedeutung zukommen sollte. Langfristig stehen die erwähnten Verhaltensweisen im Kontext des Ziels einer intensiveren gesamtkörperlichen Wahrnehmung (im Sinne eines „natürlichen Biofeedbacks“). Darunter fällt über die bereits erwähnten Punkte hinaus einerseits die Sensibilität für eine Vielzahl physiologischer Bedürfnisse wie z.B. die bewusste und frühzeitige Wahrnehmung der Bedürfnisse des Körpers nach Flüssigkeit, Nahrung, Sauerstoff, Ruhe, Schlaf, Licht, Dunkelheit etc. sowie andererseits die Sensibilität für physiologische Prozesse im Körper (ggf. unter Zuhilfenahme von einfachen, selbst bedienbaren Messgeräten) wie Herzschlag oder Blutdruck, die sich üblicherweise unserer bewussten Wahrnehmung entziehen.

Letzterem kommt v.a. dahingehend Bedeutung zu, als unser Körper ein sehr zuverlässiger Indikator für psychische Anspannungszustände ist, deren anhaltende Missachtung ein ernstzunehmendes Problem ist und uns erheblichen Schaden zufügen kann. Daher möchte ich abschließend darauf hinweisen, dass die Fähigkeit der intensiven körperlichen Selbstwahrnehmung zwar unser sportliches Fortkommen unterstützen, jedoch in erster Linie der Aufrechterhaltung unserer Gesundheit (physisch wie psychisch) – und damit zugleich einer wesentlichen Voraussetzung der körperlichen Weiterentwicklung – dienen soll.

Abschließende Worte (Christian Zippel)

Die Kunst, sich durch den eigenen Körper auszudrücken ist wahrhaft erstrebenswert und sollte für jeden Menschen mit körperlichem Anspruch ganz weit oben stehen. Athlet zu sein bedeutet somit bei weitem nicht nur die Herausbildung eines muskulösen, starken und gesunden Körpers, sondern darüber hinaus auch die Entfaltung der Fertigkeit, diesen Körper auch mit Würde und Anmut tragen und bewegen zu können – wie feinstes maßgeschneidertes Geschmeide, welches wir niemals ablegen werden, solange wir leben.

Bereits Arnold und Franco wussten um diese bedeutenden und oft vergessenen Aspekt des Bodybuildings und übergaben ihre vermeintlich plumpen massigen Körper der Obhut einer zierlichen, aber kompetenten Balletttrainerin – wie jeder weiß, der selbst nur den Beginn von Pumping Iron gesehen hat. Wer ihn nicht gesehen hat, sollte sich schämen und dies schnellstmöglich nachholen.

Wir alle sollten uns ein Beispiel daran nehmen und erkennen, dass Bodybuilding und Ballett – obwohl oberflächlich betrachtet grundverschieden – doch sehr viel gemeinsam haben. Dies gilt nicht nur für das Posing auf der Bühne, sondern auch für die generelle Haltung unseres Körpers und Geistes, mit der wir der Welt, anderen Menschen und auch uns selbst gegenüber begegnen. Also: Kopf hoch, Brust raus, Schultern zurück, Rücken strecken und lächeln ;)

(Bildquelle: Wikimedia / Raghith ; CC Lizenz)

Frank Zane, Arnold Schwarzeneger, Franco Columbu – die Bodybuilder der goldenen Ära waren Meister der Körperbewusstheit. Du solltest es auch sein! (Bildquelle: Wikimedia / Raghith ; CC Lizenz)

Die meisten Menschen reden zu viel und sagen doch nichts oder zumindest nichts Bemerkenswertes – dies gilt auch für ihren Körper. Sorge dafür, dass Du stets Dein ganz eigenes Statement offenbarst, selbst wenn Deine Lippen verschlossen bleiben: Haltung, Gestik und Mimik sind ein Kosmos der körperlichen Kommunikation. Willst Du diese Kommunikation somit umfassend beherrschen – was nun einmal Teil des Bodybuildings ist –, dann befasse Dich auch mit diesen Aspekten.

Entfalte darüber hinaus Dein Körperbewusstsein so gut es nur geht in den von Julia ausgeführten Aspekten. Achte immer auf Deinen Körper – schließlich hast Du nur einen. Trage ihn – seiner wundervollen Art und seinem Potenzial entsprechend – mit Würde und sei Dir stets bewusst, dass er immer etwas ausdrückt; ob Du willst oder nicht.

Der Körper eines Menschen ist ein offenes Buch für denjenigen, der es zu lesen versteht. Das nennt man Körpersprache. Jeder kennt diesen Begriff und doch kümmert sich so gut wie niemand darum.

Dein Körper drückt aus, ob Du ihn förderst, verstehst und pflegst oder nur hätscheltst und erträgst oder gar vollkommen missachtest und seiner Natur zuwider handelst. Sowohl Dein langfristiges als auch Dein kurzfristiges Körperbewusstsein spiegelt sich in dem Stand Deiner Entwicklung, Gesundheit und Schönheit sowie Deiner inneren und äußeren Haltung wieder.

Bei vielen Menschen sieht es hier nicht gerade rosig aus. Sie ver- oder missachten ihren Körper und haben nur einen sehr schlechten Draht zu ihm. Wie steht es bei Dir – verehrter Leser: Beherrschst Du Deinen Körper oder lebst Du nur in ihm? Hast Du den Mut zur Anmut?

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Bildquelle: Flickr / Charlotte Astrid ; CC Lizenz

Über den Autor

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.




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