Starke Männer leben länger

Starke Männer leben länger

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Von Damian N. Minichowski |

Profi-Kraftsport-Coach und Trainings-Koryphäe Mark Rippetoe (Starting Strength) soll einst gesagt haben: „Strong people are harder to kill than weak people and more useful in general.” Eine prospektive Studie schwedischer Forscher hat nun gezeigt, dass an dieser lapidaren Aussage durchaus mehr dran ist, als man meinen könnte [1] – zumindest für die männlichen Kraftsportler und ambitionierten Eisenkrieger. Wer mehr auf der Bank und in der Beinpresse drückt, der lebt vermutlich auch länger, ist besser vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt.

Muskeln und Kraft: Was bringen sie uns?

(Bildquelle: NIH / Sean.lewis29 ; CC Lizenz)

Hat gut lachen, denn er wirkt der Sarkopenie – altersbedingter Muskelschwund – entgegen und lebt vermutlich länger, als seine inaktiven Altersgenossen. (Bildquelle: NIH / Sean.lewis29 ; CC Lizenz)

Zu diesem Schluss kommt nicht nur das schwedische Team, sondern auch eine ganze Reihe anderer Untersuchungen, [3][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14] die eine Korrelation mit Körperkraft und Lebenserwartung aufzeigen. Dies macht initial betrachtet Sinn, denn: Ein hoher Anteil an Muskelmasse und Kraft im hohen Alter sorgen dafür, dass auch die Lebensqualität auf einem höheren Niveau verbleibt, indem sie ein autonomeres Leben ermöglichen, [20][21] Knochen, Gelenke und Herz-Kreislauf-System stärken, [16][17][19][22][23][24][25] vor Stürzen und Verletzungen bewahren [15][18] und vor dem altersbedingten Verfall (körperlich wie geistig) bewahren [26][27][28][29][30].

„Kraft-Lebenserwartungs“-Studien: Nicht ganz unproblematisch

Das Problem mit solchen „Kraft-Lebenserwartungs“-Studien? Sie verlassen sich häufig auf die Messung der Griffkraft der Probanden und beinhalten des Weiteren selten Personen im höheren Altersbereich (also gerade bei jenen, wo es interessant wird). Vermutlich kennen einige von euch noch das (doch sehr inspirierende) Video von Sonny, dem 70-jährigen Kraftsportler – wer wird hier widersprechen wollen, dass der Mann topfit und gesund ist? Ich für meinen Teil wäre vor, wenn ich in dem Alter noch so gut unterwegs bin.

Ich denke, dass es in Zukunft auch mehr Möglichkeiten geben wird Bodybuilder (die Naturalen) bis ins hohe Alter zu begleiten, denn wer einmal das Eisen packt, der lässt es oftmals nicht mehr los. Solche Studien wären hinsichtlich der Messung des Mortalitätsrisikos und der Gesundheit für unsere Zwecke wesentlich zielführender – aber sie sind eben selten.

Studie: Starke Männer leben länger

Das Studiensetup

Die schwedische Studie versucht genau dieses Loch zu stopfen, indem sie die Parameter von rund 9.000 fitten Amerikaner (ja es gibt sie tatsächlich!) untersucht, die ihre Körperkraft allesamt in der Cooper Clinic in Dallas haben testen lassen (Die Urpsrungsdaten stammen aus den 80er Jahren – es handelt sich also um eine Längsschnitts-Studie, aber ein Großteil der Kandidaten waren eifrige Eisensportler – jedenfalls haben sie regelmäßig Widerstände bewegt!). Die interessante Frage lautet aber dahingehend: Wie wurde die Körperkraft gemessen?

Die Antwort: Bankdrücken und Beinpresse.

Man unterteilte die Kandidaten nachrangig in 3 Kraftgruppen:

  • Niedrige Körperkraft („lower“)
  • Mittlere, normale Körperkraft („middle“)
  • Hohe Körperkraft („upper“)
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Sterblichkeitsrisiko Gesamt, durchHerz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.nach Gruppen. Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Bildquelle: Ruiz et al. (2008))

Schließlich verfolgte man die Männer dann über viele Jahre bis zum Jahr 2003 und ermittelte, wie viele von ihnen über den Jordan gegangen sind. Die eingeblendede Tabelle (POSITION) zeigt das Sterblichkeitsrisiko sortiert nach Gruppen – die Referenzgruppe war hierbei die mit der niedrigen Körperkraft (1.0).

Wer unterdurchschnittlich schwach ist, stirbt eher: Das Studienergebnis

Mustert man die Tabelle nun eingehen, so lässt sich feststellen, dass Personen mit mittlerer und hoher Körperkraft ein geringeres Gesamtsterblichkeitsrisiko (All causes, oben) aufwiesen – nämlich 0,74 (normale Körperkraft) und 0.80 (hohe Körperkraft) gegenüber dem Referenzwert der schwachen Probanden. Hier schnitt sogar die Gruppe mit dem mittleren Wert einen Ticken besser ab, als die Kraftklötze.

Das Risiko „Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankung“ (Cardiovascular Disease, mitte) fiel bei den beiden stärkeren Gruppen ebenfalls niedriger aus, als bei der Referenzgruppe – nämlich 0,78 (normale Körperkraft) und 0,78 (hohe Körperkraft) gegenüber 1.00 bei denjenigen, mit einer niedrigen Körperkraft.

Schlussendlich wurde auch eine dritte Situation, Tod durch Krebs (Cancer, unten), untersucht. Und hier zeigten wiederum die Probanden mit den hohen Kraftwerten, was das Training für uns tun kann: Mit 0.67 hatte die starke Gruppe das niedrigste Sterblichkeitsrisiko gegenüber 0.71 (normale Körperkraft) und 1.0 (niedrige Körperkraft).

Natürlich handelt es sich hierbei nicht um absolute Werte, sondern Relationen unter den Gruppen, doch wer für sein Verhältnis relativ stark gewesen ist, wies ein um bis zu 33 % geringeres Sterblichkeitsrisiko gegenüber Krebs auf (verglichen mit den schwachen Individuen).

Sterblichkeitsrisiko für Krebs und Gesamt nach Kraftklassen. Zum Vergrößern auf das Bild klicken (Bildquelle: Ruiz et al. (2008))

Sterblichkeitsrisiko für Krebs und Gesamt nach Kraftklassen. Zum Vergrößern auf das Bild klicken (Bildquelle: Ruiz et al. (2008))

Bevor jetzt allerdings jemand behauptet, dass der Lebensstil neben dem Training ebenfalls ein entscheidender Faktor ist, den kann ich beruhigen, denn die Studie hat entsprechende Kontrollvariablen genutzt, um verzerrte Ergebnisse vorzubeugen, darunter Dinge wie „Herz-Kreislauf-Fitness,“ Familiäre Geschichte bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Gen-Faktor), Body Mass Index, Alkoholkonsum, Zigarettenkonsum und den grundlegenden Gesundheitszustand.

Wie ich bereits gesagt habe sind Studien in diesem Themenfeld, welche die Variable „Körperkraft“ adäquat messen und die Auswirkungen auf Probanden im hohen Alter berücksichtigen, rar gesät.

Ruiz et al. (2008) gruppierten die Daten und zeigten damit, dass das Kraftlevel für die +60 Gruppe einen signifikanten protektiven Schutz ausübt – für die jüngeren Teilnehmer galt das jedoch nicht. Hier gab es nur geringe Unterschiede bei der Sterblichkeit (Siehe Grafik). Gruppierte man die Kandidaten nach BMI, so zeigte sich ein ebenfalls protektiver Sterblichkeitsschutz (was uns nicht verwundern sollte, denn muskulöse Menschen haben in der Regel eh einen höheren BMI dank der fettfreien Masse).

Die Forscher resümieren:

„Muskuläre Kraft wies eine unabhängige Korrelation mit einem allgemeinen und krebs-bedingten Sterblichkeitsrisiko auf. Die Ergebnisse gelten für normalgewichtige Männer, übergewichtige [BMI], jüngere und ältere und bestehen darüber hinaus auch, nachdem potenzielle ergebnis-verzerrende Faktoren, darunter die kardiovaskuläre Fitness, einbezogen wurden. Muskuläre Kraft scheint der Herz-Kreislauf-Fitness einen weiteren schützenden Effekt gegenüber dem Sterblichkeitsrisiko von Männern hinzuzufügen.“Ruiz et al.. (2008)

Abschließende Worte

Ich weiß zwar nicht wie es mit euch steht, aber ich plane eine Fortsetzung meines Trainings bis ins hohe Alter – soweit es eben möglich ist. Wie ich bereits zu Beginn erörtert habe, bietet das Widerstandstraining eine ganze Reihe von körperlichen wie geistigen Boni, für die es in meinen Augen wert ist zu trainieren.

Damit will ich aber eines sagen: Es ist nie zu spät, um mit dem Training anzufangen. Gerade die älteren Semester werden von einem herausfordernden Trainingsprogramm an Lebensqualität und Lebenslust hinzugewinnen. Das Leben macht einfach mehr Spaß, wenn man auch im hohen Alter alleine Leben kann, gut zu Fuß ist, mental fit bleibt und seine Einkaufstüten selbst schleppen kann, als wenn man im Altersheim vor sich hinvegetiert. Der gute Rippetoe hat eben doch recht mit seiner Aussage!

…sollte ich einmal in einem solchen landen, dann wird es hoffentlich auch ein vernünftiges Gym haben – damit das klar ist.


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Wikimedia.org / Nathan Cremisino / Gran2 ; CC Lizenz


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