Über die anabole Wirkung von Pornofilmen

Über die anabole Wirkung von Pornofilmen

3 Kommentare

Von Damian N. Minichowski

Machen wir uns nichts vor: Es gibt die wildesten Studien und Hypothesen, bei denen man kaum glauben kann, dass dafür jemand einen Batzen Geld locker gemacht hat, um diese zu finanzieren. Das heutige Studien-Schmankerl gehört mit Sicherheit dazu und wird vermutlich bei einigen von unseren Lesern für Verwunderung sorgen.

Das Rezept für eine kuriose Untersuchung: Man rekrutiere ein kleines Set an Personen und lasse diese für einen bestimmten Zeitraum entweder „neutrale Videos“ oder „schmuddelige Filmchen“ gucken, während man dabei die endokrine Reaktion in festen Intervallen misst.

Heraus kommt eine Studie, die das Porno gucken in ein völlig anderes (anaboles?) Licht rückt – aber wir wollen ja nicht das Beste vorweg nehmen!

Pornofilme sind anabol? Studien Review

Eine Forschergruppe um Carani hat für ihre Feldstudie 8 männliche Personen rekrutiert, welche an zwei unterschiedlichen Zeitpunkten Videos gezeigt bekamen [1]:

  • Zeitpunkt: Man zeigte den Probanden nach einer 15-minütigen „Baseline“-Periode für 30 Minuten nur neutrale Filme
  • Zeitpunkt: Man zeigte den Probanden nach einer 15-minütigen „Baseline“-Periode für 30 Minuten für 20 Minuten Erotikfilme (2x 10 Minuten) und zwischendurch für 10 Minuten ein neutrales Video.

Das heißt, dass jeder Studienkandidat einmal nur neutrale Videos gezeigt bekam (Zeitpunkt 1) und zu einem anderen Termin die Erotikfilme zu gesucht bekommen hat (Zeitpunkt 2).

Die Wissenschaftler nahmen, ab Beginn des jeweiligen Experiments, alle 15 Minuten eine Blutprobe – und das auch für die nachfolgenden 5 Stunden nach dem Video gucken. Neben der Testosteronkonzentration analysierte man die LH-, die Prolaktin-, die Cortisol-, die ACTH- und Beta-Endorphin-Werte. Darüber hinaus sammelten die Forscher 4 Stunden vor und 4 Stunden nach dem Filme gucken jeweils eine Urinprobe ein, um diese auf die Katecholamin-Konzentration (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamine) hin zu untersuchen.

Die spannende Quizfrage lautet heute: Welchen Effekt hatten die Erotikfilme auf die 8 Kandidaten?

Jetzt wird’s schmutzig! – Das Studienergebnis

Grafik 1: Entwicklung des Testosteronspiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com)

Grafik 1: Entwicklung des Testosteronspiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com)

Kommen wir gleich zum Wesentlichen: Grafik 1 (links) bildet die Entwicklung des (volatilen) Testosteronspiegels zum Zeitpunkt 0 (vor dem Schauen), sowie während und 5 Stunde nach dem Gucken an. Die schwarzen Kreise repräsentieren die Entwicklung bei den Kandidaten die kein pornographisches Material zu sehen bekamen, während die weißen Kreise die Testosteronkonzentration abbilden, als sich die Studienteilnehmer ein paar Szenen aus den Erotikfilmen reingezogen haben.

Auffallend ist, dass die Konzentration des Testosteronspiegels beim 2. Zeitpunkt (mit Erotikfilm) auf einem höheren Level bewegt und auch nach den Videos mit einer Tendenz nach oben hin entwickelt. Diese Werte erreichten allerdings kein signifikantes Niveau (was bedeutet, dass sich da – statistisch gesehen – nicht viel vom ersten zum zweiten Setup hin unterschieden hat). Was sich aber bemerkbar gemacht hat, ist die Cortisol-Konzentration, die in der nachfolgenden zweiten Grafik (unten mitte) dargestellt ist.

Grafik 2: Entwicklung des Cortisolspiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com)

Grafik 2: Entwicklung des Cortisolspiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com)

Was ist hier zu sehen? Ganz einfach: Während die Cortisol-Konzentration zum Zeitpunkt 1 (keine Pornos) während den Videos rapide ansteigt und auch in den nachfolgenden 2-2,5 Stunden auf einem höheren Level verharrt, schien das Pornoschauen zum Zeitpunkt 2 die Ausschüttung von Stresshormonen zu unterdrücken. Die beteiligten Forscher spekulierten, dass dies eventuell mit den Prolaktin- und Dopamin-Spiegeln zusammenhängen könnte.

Grafik 3: Entwicklung des Prolaktinpiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com

Grafik 3: Entwicklung des Prolaktinpiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com

In der dritten Grafik (rechts) wird wiederum der Prolaktin-Spiegel zum jeweiligen Zeitpunkt dargestellt und es zeigt sich in der Tat, dass der Prolaktin-Spiegel in der Porno-Gruppe niedriger ausgefallen ist (unter 4 μg/100ml), als bei dem Zeitpunkt, wo nur neutrale Videos gesehen wurden (bis zu 6,5 μg/100ml).

Dieser Fund ist deswegen so interessant, weil wir wissen, dass ein hoher Dopamin-Spiegel die Produktion von Prolaktin unterdrückt [2] und hohe Prolaktin-Spiegel wiederum die Testosteronproduktion unterdrücken können [3][4][5].

Oooops!

Abschließende Worte

Sofern Pornofilme also den körpereigenen Testosteronhaushalt beeinflussen, dann haben wir es hier mit einem indirekten Effekt zu tun, der vornehmlich der Ausschüttung von Dopamin geschuldet ist, welches die Prolaktin-Produktion unterdrückt und so eine ansteigende Produktion des männlichen Sexualhormons nach sich zieht. Auch wenn die Testosteronwerte kein signifikantes Niveau erreichten, so taten es die Cortisol-Werte schon.

Grafik 3: Entwicklung des Prolaktinpiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com

Grafik 3: Entwicklung des Prolaktinpiegels zu beiden Zeitpunkten in Abhängigkeit der Zeit. Die Periode, in der die Videos konsumiert wurden, ist entsprechend markiert. (Bildquelle: Carani et al. (1990 / Ergo-Log.com

Also…ich will jetzt nicht sagen, dass du dir vor und/oder nach dem Workout einen 20-minütigen Pornofilm reinziehen sollst, aber genau diese Schlussfolgerung ließe sich an dieser Stelle ziehen: Ersteres, um den ansteigenden Testosteronspiegel auszunutzen und letzteres, um den Katabolismus einzudämmen.

Falls du dein persönliches n=1 Experiment starten solltest, kannst du mich (und unsere Leser) ja via Kommentarfunktion auf dem Laufenden halten. ;- )

Wirken Pornofilme nun anabol? Vielleicht, aber sie scheinen vor allem anti-katabol zu sein. Eine zweite Lehre, die man aus der Studie ziehen kann? Schau weniger Fernsehen, um deinen Cortisolspiegel nicht auf die Bergfahrt zu schicken [6][7].


[1] Carani, C., et al. (1990): The endocrine effects of visual erotic stimuli in normal men. In: Psychoneuroendocrinology. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2175036.

[2] Ben-Jonathan, N. / Hnasko, R. (2001): Dopamine as a prolactin (PRL) inhibitor. In: Endocr Rev. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11739329.

[3] Zeitlin, SI. / Rajfer, J. (2000): Hyperprolactinemia and Erectile Dysfunction. In: Rev Urol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1476085/.

[4] Buvat, J. (2003): Hyperprolactinemia and sexual function in men: a short review. In: Int J Impot Res. URL: http://www.nature.com/ijir/journal/v15/n5/full/3901043a.html.

[5] Huang, WJ., et al. (2001): Effects of hyperprolactinemia on testosterone production in rat Leydig cells. In: J Cell Biochem. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11135360.

[6] NHK: Could watching TV be making you stressed? URL: http://www.nhs.uk/news/2014/05May/Pages/Watching-TV-could-be-making-you-stressed.aspx.

[7] Engert, V., et al. (2014): Cortisol increase in empathic stress is modulated by emotional closeness and observation modality. In: Psychoendocrinology. URL: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306453014001243.

[8] Ergo-Log.com: The anabolic effect of dirty films. URL: http://www.ergo-log.com/anabolicporn.html.

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Bildquelle Titelbild: Pixabay.com / Bykst ; Public Domain Lizenz


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  • Sehr interessante Studie!

    Dazu kann ich nur folgenden Vortrag empfehlen:
    https://www.youtube.com/watch?v=wSF82AwSDiU

    • Hey Nils – magst das Video rudimentär umschreiben. Was sind die wichtigsten Take-Aways davon?

      • Hey Damian, es ist über ein Jahr her das ich es gesehen habe, aber ich versuche es mal:

        – Pornos wirken wie Drogen auf das Gehirn, können logischerweise auch süchtig machen
        – Bei dauerhaftem Konsum kann sich die Libido absenken und das Ganze reicht bis hin zur erektilen Dysfunktion
        – Man geht (unbewusst) anders mit Frauen/der Partnerin um

        Das ist aber nicht mal Ansatzweise alles, ich empfehle tatsächlich sich in Ruhe den kompletten Talk anzuschauen. Die viertel Stunde lohnt sich!