F.A.Q. #2: Sind Diät-Softgetränke schlecht für dich und deine Gesundheit?

F.A.Q. #2: Sind Diät-Softgetränke schlecht für dich und deine Gesundheit?

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Von Damian N. Minichowski |

Ah, du geliebte Diet Coke, Light Fanta und Sugarfree Red Bull…Gehört ihr auch zu jener Personengruppe, die den gesunden Lifestyle lieben und leben, sich aber diese eine kleine Sünde in ihrem Leben nicht versagen möchten (oder können)? Ist auch für dich der Konsum von Getränken, die kalorienarm daherkommen und mit Süßstoff angereichert sind, geheiligtes Land, welches von Nichts und Niemandem berührt werden darf?

Okay, geben wir es doch zu: Kurios ist, wenn jemand sein ganzes Leben umkrempelt und sich dazu entschließt regelmäßig zu trainieren und sich natürlich – eben gesund – zu ernähren und es dann nicht auf die Reihe bekommt ein eindeutiges Industrie-Produkt beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt einfach im Regal stehen zu lassen.

Der Konsum von Coke ZERO und Konsorten ist für viele Menschen, Sportler wie Nicht-Sportler, eine Gewohnheit, die sich in das alltägliche Leben eingebrannt hat. Manche sind nicht stolz darauf, anderen ist es schlicht und ergreifend egal. Einige nutzen sie im Kampf gegen Heißhunger oder als Belohnung für einen disziplinierten Tag oder eine disziplinierte Woche.

Die 1.000 € Frage, die nun viele von euch beschäftigt (und die auch immer wieder auftaucht) betrifft den Grad der Schädlichkeit solcher Getränke oder konkret formuliert: Schaden diese Softgetränke unserem Körper und unserer (langfristigen) Gesundheit?

F.A.Q. #2: Sind Diät-Softgetränke schlecht für dich und deine Gesundheit?

(Bildquelle: Flickr / vincent desjardins ; CC Lizenz)

Für viele ein Stückchen “Lebensqualität”: Aber wie gesund ist die künstliche Brause wirklich? (Bildquelle: Flickr / vincent desjardins ; CC Lizenz)

Im Prinzip können wir den Artikel an dieser Stelle eindampfen, indem ich dir heute klipp und klar sage, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine nennenswerten Studien gibt, die eine Bedenklichkeit von Diätlimo – per Definition ein kalorienarmes Getränk, welches oftmals mit Zuckeraustauschstoffen wie Sucralose, Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat und weiteren, verhältnismäßig kalorienarmen Süßungsmitteln angereicht ist – am Menschen belegen [4].

Hört ihr ihn auch schon? Diesen Aufschrei und das Stöhnen, welche durch die Runde geht? Ich kann sie jedenfalls schon sehen: Die Leute, die sich nun an den Kopf fassen und gleich loswettern wollen.

Mit Sicherheit kein Naturprodukt

Ich werde dir jetzt sicher nichts Neues erzählen, wenn ich behaupte, dass die ganze Palette an Softgetränken nicht unbedingt das ist, was man unter „paleo-tauglich“ einstufen würde. Ein Blick auf das Etikett verrät prinzipiell schon alles, was man über den Inhalt wissen muss. Wenn dein Lebensmotto also „Natur pur“ lautet und du es auch so meinst, dann solltest du deinen Worten auch Taten folgen lassen und die kalorienarme Brause im Laden lassen.

Was ich damit sagen möchte, ist: Nach dem heutigen Kenntnisstand in Wissenschaft und Forschung gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Konsum von derartigen Softgetränken in irgendeiner Weise als bedenklich einzustufen ist, deine Diät sabotiert oder gar den Insulinspiegel beeinflusst. Letzteres kannst du übrigens sehr einfach innerhalb der eigenen vier Wände messen, indem du dir ein Blutzuckermessgerät besorgst und den Test aufs Exempel statuierst (Ich frage mich, wieso es immer noch Menschen gibt, die so einen Unsinn in die Welt setzen!).

Aber was ist mit den Studien. Ich hab hier eine, die…

Wenn du schon so anfängst und mit mir über Studien diskutieren möchtest, die einen negativen Effekt bei normalem Konsum beim Menschen konstatieren (und unter normal verstehe ich nicht 5-10 Liter am Tag), dann immer her damit. Dann solltest du aber auch vorher überprüfen, ob bei diesen Interventionen die Ernährung der Probanden entsprechend kontrolliert und beeinflussende Lifestyle-Faktoren berücksichtigt wurden.

Ja, es gibt Untersuchungen, welche keine günstige gesundheitliche Entwicklung aufzeigen [5][6], aber das Problem besteht darin, dass solche Studien entweder die Kalorienzufuhr nicht gematched haben (d.h. das nicht alle Teilnehmer die identische Anzahl an Kalorien im Zeitraum der Studie konsumiert haben) [5] oder Personen rekrutiert wurden, die bereits – was die Gesundheit betrifft – vorbelastet und angeschlagen waren (so beispielsweise in einer Untersuchung bei Gardener et al. (2012) [7]).

Du erinnerst dich vielleicht an einen vergangenen Aesir Sports-Artikel, der unter dem Titel „Künstliche Süßstoffe & Natürliche Süße: 4 Alternativen, die eurer Gesundheit nicht schaden“ erschienen ist, wo ich Aspartam, Cyclamat und Acesulfam-K gehörig „durchgebürstet“ habe. Die meisten der dort zitierten Studien, die auf negative Effekte hinweisen, wurden entweder an Nagetieren in abnormal-hoher Dosierung erreicht oder verfügen über die hier erwähnten „Makel“ im Matching. Sollte man sie deswegen totschweigen? Nein. Aber wenn du zu jenen Leuten gehörst, die sich bewusst ernähren und ggf. die Nahrungsaufnahme (mal genauer, mal weniger genau) tracken, dürften dich solche Dinge, wie eine vermutliche Steigerung des Appetits, die von einer mittelprächtig designten Studie (und das auch nur bei Saccharin) nachgewiesen wird, nicht jucken. (Das Stichwort lautet hier Ernährungsdisziplin).

Von der Epidemiologie zur Kausalität?

Das Problem mit Kausalität und Korrelation:

Das Problem mit Kausalität und Korrelation: Mit dem Anstieg der Temperatur steigt auch die Zahl der Piraten – das bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Temperaturanstieg die wachsende Zahl an Seeräubern verursacht hat, sondern nur, dass die Zahlen korrelieren. (Bildquelle: Wikimedia.org / Mikhail Ryazanov ; CC Lizenz)

Weißt du wie Nachrichten gemacht werden?

Forscher führen entweder ein Experiment durch (kleine Probandenzahl) oder greifen auf erhobenes Datenmaterial (z.B. Census oder andere „Befragungsstudien“) zurück, bei der die entsprechenden Leute retrospektive Angaben zu diversen Dingen aus ihrem Leben – darunter auch den Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Softdrinks – angeben sollen und müssen. Daraus bekommst du dann eine überdimensionale Datei mit unzählig vielen Variablen, die dann durch bestimmte Modelle gejagt werden. (Hier beginnt auch die Trickserei – so lange, bis man ein gewünschtes Ergebnis erreicht; natürlich nicht bei allen Studien, sondern nur den “Gekauften”)

Je mehr Variablen aufgenommen werden, desto genauer wird die Realität abgebildet – soweit, bis du einfach mal alle Variablen reinnimmst und 1:1 Ergebnisse herausbekommst (quasi 100 % Vorhersagechance).

Das ist aber nicht Sinn der Sache, denn den Wissenschaftlern geht es darum Zusammenhänge zu finden und ein möglichst einfaches, aber vollständiges Modell zu erstellen. Es wäre utopisch anzunehmen, dass man jemals alle Variablen, die einen Einfluss haben, berücksichtigen könnte. Das sind dann eben die Residualgrößen, die zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen können – so viel zum „Statistik“-Exkurs; jetzt zu den Nachrichten.

Sobald die Studie, bei der sich die Forscher gewählt und zurückhaltend ausdrücken und auch Makel der Untersuchung aufzeigen (Korrelation, keine Kausalität), in einer Zeitschrift veröffentlicht wird, stößt früher oder später ein findiger Reporter darauf. Die Schlagzeile lautet – und das kann man sich bei dem heutigen Sensations-Journalismus ja denken – “XX führt zu YY.” So einfach machen sich das einige (Nachrichten)-Unternehmen und solche Zeitungen und Schmuddelblätter haben wir in Deutschland auch zu Genüge. Natürlich wird die Nachricht dann von (fast) allen Konkurrenten ab-/umgeschrieben und kopiert, so dass sie sich bald schon wie ein Lauffeuer verbreitet. Ehe du dich versiehst, kaufst du keine gelben Klamotten mehr, weil eine Studie herausgefunden hat, dass Menschen, die gelbe Klamotten tragen, eine kürzere Lebensspanne haben als andere. Kausalität und Korrelation, meine Freunde!

Diese Studien, die mit Hilfe von solchen Datensätzen über die Befragung der Bevölkerung durchgeführt werden, nennt man epidemiologische Studien. Das Schöne ist, dass diese Untersuchungen eine Korrelation aufzeigen, aber keine Kausalität nachweisen können. Nur weil XX und YY korrelieren, bedeutet das nicht automatisch, dass das eine das andere verursacht.

Der Lifestyle-Faktor und deine Gesundheit

Was hat das Ganze mit dem Konsum von Softgetränken zu tun? Ganz einfach: Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand weiß, dass die Majorität derjenigen, die viele (Diät)-Softgetränke konsumieren, nicht gerade zu der Personengruppe gehören, die den Fitness-Lifestyle leben oder sich bewusst ernähren. Die meisten haben ja noch nicht einmal die Gewohnheiten, du zu einem gesünderen Lebensstil führen. Und DAS ist das Problem: Softgetränke (und dazu gehören die Diätvarianten auch dazu) werden überwiegend von ungesund lebenden Menschen konsumiert [5][6]

Das ist dann das Szenario, wo jemand 2 Maxi-Menüs bei McDonalds bestellt, aber als Getränk zur Diet Coke greift, „weil man ja auf die schlanke Linie achten muss.“ Solche Personen kennen wir doch alle, oder?

Aus diesem Grund sind Feldversuche – also Untersuchungen im klinischen Setup mit kleiner Probandenzahl, wo für solche Dinge auch kontrolliert wird (z.B. identische Kalorienzufuhr, tägliches Sportpensum) auch zielführender, wenn es darum geht den Einfluss solcher Variablen zu messen. Es ist nicht die Diätlimo, die eine Diät sabotiert [5] oder dich krank macht, sondern vielmehr dein restlicher Lifestyle, wenn du dich nicht darum kümmerst.

Nehmen wir einmal ein Beispiel, nämlich die 12-wöchige Abnehm-Studie von Peters et al. (2014) bei der die Forscher die Auswirkungen von Wasser und Getränke mit „Non-Nutritive Sweeteners“ (NNS, also kalorienfreie/-arme Getränke mit Süßstoffen) auf den Diäterfolg bei 158 Personen gemessen haben [11].

(Bildquelle: Suppversity [1] nach Peters et al. (2014))

Wasser und kalorienarme Getränke mit Süßstoffen im Vergleich: Man sieht, dass die Diätlimo besser ist, als ihr Ruf – jedenfalls dann, wenn es darum geht die Hauptfaktoren der Gesundheit zu steigern. (Bildquelle: Suppversity [1]; adaptiert nach Peters et al. (2014) [11])

Die Probanden, welche die mit kalorienarmen Süßstoffen angereicherten Getränke konsumiert haben, reduzierten ihr Körpergewicht stärker, als die Wasser-Gruppe – und das um bis zu 46 % mehr. Auch der Hüftumfang sank im stärkeren Ausmaß und die Teilnehmer, welche die Diätgetränke konsumierten, berichteten zusätzlich von einem gedämpften Hungergefühl.

Was noch? Der systolische Blutdruck sank in der NNS-Gruppe stärker, der Cholesterinspiegel reduzierte sich massiver (vor allem der LDL- und Triglycerid-Wert! Siehe Schaubild). Zu sehen ist eine ganz klare Verbesserung der Umstände, die vermutlich einer verbesserten Diät-Disziplin (und den 30 Minuten Training täglich) geschuldet werden können.

Achtung: Zahngesundheit

(Bildquelle: Pixabay.com / Guilamar ; Public Domain Lizenz)

Für die Zahngesundheit: Wer heile Zähne liebt, der sollte säurehaltige Softgetränke meiden – insbesondere im Kindesalter. (Bildquelle: Pixabay.com / Guilamar ; Public Domain Lizenz)

Als ich weiter oben gesagt habe, dass die Industrie-Getränke nicht unbedingt natürlich sind, meinte ich das auch so.

Wenn es um Softgetränke geht, dann gibt es einen negativen Trend, der sich hinsichtlich der Zahngesundheit – vor allem bei Kindern – bemerkbar macht. Natürlich sind diese Effekte in der normalen, zuckerhaltigen Brause stärker [10], als im Diät-Äquivalent, aber wir sollten nicht vergessen, dass die darin enthaltene Säure den Zahnschmelz angreifen kann (und es auch tut) [8][9].

Wenn du also zu jener Gruppe gehörst, die oft zum Zahnarzt rennt oder dir die (Zahn)-Gesundheit deiner Kinder am Herzen liegt – und ihr alle massiv an der Plastikflasche nuckelt – solltest du ein wachsames Auge auf die Menge an (Diät)-Brause werfen, die du so im Wochenverlauf konsumierst. (Den Plastikkram am besten komplett weg und auf Edelstahl, Keramik und Prozellan zurückgreifen – siehe auch “Chemikalien in unserer Nahrung“)

Abschließende Worte

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Sind Diät-Softgetränke nun als gut oder schlecht zu werten…? Das hängt davon ab, aus welcher Perspektive du das Ganze betrachtest. Wenn dir der übersichtliche Konsum (z.B. als kleine Belohnung) dabei hilft einen allgemein-gesünderen Lebensstil einzuschlagen, dann macht es durchaus Sinn diesen Weg zu gehen.

Falls du aber eher der Meinung bist, dass solche Sachen deinen Appetit erhöhen oder dein Ernährungsverhalten negativ beeinflussen, dann solltest du den Konsum minimieren (oder gar eliminieren) – das ist ein wenig so wie das Kauen von Kaugummis: Dem einen hilft es, dem anderen nicht.

Wenn du am Anfang deiner Diät stehst und noch viele Kilos vor dir hast, macht es mehr Sinn einen gemäßigten Konsum zu pflegen und der Reduktion des Körpergewichts (Fettmasse) Priorität einzuräumen, denn alleine dadurch kannst du deine Gesundheit und Fitness massiv aufwerten.

Egal für welchen Weg du dich auch entscheidest, denke stets an das, was schon der alte Paracelsus zu sagen pflegte: Die Dosis macht das Gift.


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Flickr / Mike Mozart ; CC Lizenz


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