Sex und Kalorienverbrauch: Eine Alternative zum herkömmlichen Training?

Sex und Kalorienverbrauch: Eine Alternative zum herkömmlichen Training?

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Von Damian N. Minichowski

Süffisant und witzig gemeint hört man diesen Spruch bei Sport- und Fitnessmuffeln immer wieder: „Hey, ich muss nicht trainieren, denn ich habe schon ausreichend Bettsport.“ Eingeweihte sprechen auch vom „Intervalltraining“… die (nicht ganz so klassische) HIIT-Methode … wenn du verstehst… knick-knack, zwinker-zwinker. Andere machen daraus gar einen Cardio-Marathon und vergnügen sich überdurchschnittlich lange auf der Matratze.

Popp dich schlank?

Abwegig ist es jedenfalls nicht, denn wie wir wissen verbraucht jegliche Art von körperlicher Bewegung und anstrengender Tätigkeit pure Energie – je nach Intensität und Dauer mehr oder weniger. Ab und zu liest man im Internet oder in der neusten Damenzeitschrift über findige Wissenschaftler, die das Experiment aufs Exempel statuiert und für all die Neugierigen unter uns einmal genauer nachgemessen haben. Im heutigen Studien-Review werden wir uns eine solche Studie einmal näher ansehen (und damit hoffentlich eine wichtige Frage, die uns vermutlich schon allen durch den Kopf gegangen ist), ein für alle Mal aus der Welt schaffen: Wie viel Kalorien verbrennen wir beim Sex?

Ist die wohl schönste Sache der Welt eine ernstzunehmende „sportliche Betätigung“ oder entpuppt sie sich doch eher als Mogelpackung? Kann man dadurch wohlmöglich abnehmen oder seine schlanke Linie halten? Ist Sex eine ernstzunehmende Konkurrenz zum normalen Training, z.B. Cardio oder Kraftsport?

Halte noch ein paar Momente durch, dann wirst du die Antwort kennen!

Studie: Sex und Kalorienverbrauch: Eine Alternative zum herkömmlichen Training?

Die Untersuchung von Frappier et al. erschien 2013 unter dem vollmundigen Titel „Energy Expenditure during Sexual Activity in Young Healthy Couples im PLoS One [1]. Das Ziel der beteiligten Wissenschaftler: Den Kalorienverbrauch von 21 jungen, heterosexuellen Paaren im besten Alter (Ø 22,6 Jahre) tracken und in Relation zu einem normalen Ausdauertraining („Cardio“) setzen.

Exkurs: Bodymedia SenseWear & Fit CORE & LINK

k-Bodymedia-Fit-CoreZur Ermittlung der Daten verwendeten Frappier & Kollegen ein bekanntes „Lifestyle Monitoring Armband“ welches von der Firma Bodymedia unter dem Namen SenseWear“ vertrieben wird. Einige von euch dürften den SW bereits kennen, selbst eins besitzen (so wie ich) oder die günstigere Alternative, den Fit CORE oder Fit LINK besitzen.

Diese Geräte werden in der Regel am rechten Trizeps getragen und als medizinisches Messinstrument in unterschiedlichen Bereichen, darunter der Präventivmedizin, Kardiologie, Diätforschung und klinischen Studien eingesetzt. Jedenfalls waren sie auf dieses Anwendungsgebiet beschränkt, bis Fitness- und Ernährungsfreaks darauf kamen es zum Tracken ihrer eigenen Daten zu verwenden.

Ohne weiter in die technischen Details einzusteigen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Messergebnisse dieses kleinen „Gadgets“ relativ genau sind (Toleranz liegt bei 9-5 %), da es mehrere Vitalparameter (Hauttemperatur, galvanische Hautreaktion, Wärmefluss und Bewegung im 3D-Raum) misst.

Liest man das Gerät am Computer (USB) oder Handy (MyFitnessPal über Bluetooth) aus, so kann man direkt den Tageskalorienverbrauch, den Grad der körperlichen Anstrengung sowie die gemachten Schritte am Tag ermitteln.

Kleine Info für alle, die an so einem Gerät interessiert sind: Bisher war es relativ schwierig und nur über Umwege möglich, an ein solches Bodymedia-Gerät heranzukommen – und es war teuer! In Zusammenarbeit mit der Seite Gadgetkings.de holt Aesir Sports den Bodymedia jetzt nach Deutschland.

Nähere Infos dazu findest du hier.

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Die Studienteilnehmer trugen also während ihres persönlichen Vergnügens (was übrigens 4x stattfand!) so ein kleines SenseWear Gerät, was die Auswertung des Kalorienverbrauchs natürlich kinderleicht machte. Neben den gemessenen Größen ermittelten die Forscher auch subjektive Variablen – und zwar:

  • Grad der Lust („Pleasure“)
  • Grad der Erschöpfung
  • Die wahrgenommene Anstrengung
  • Den wahrgenommenen Kalorienverbrauch

Die Werte hierfür wurden mit Hilfe von Fragen ermittelt, welche den Paaren unmittelbar nach dem Schäferstündchen gegeben wurden.

Schließlich durften alle Teilnehmer eine 30-minütige Ausdauereinheit bei moderater Intensität auf dem Laufband absolvieren, um eine Vergleichsgröße zu ermitteln.

…ist Sex also wirklich eine gute Alternative zu Cardio?

Starke intra-individuelle Schwankungen beim Kalorienverbrauch – Das Studienergebnis

(Bildquelle: Frappier et al. (2013))

Grafik 1: Energieverbrauch beider Geschlechter aufgeteilt nach sexueller Aktivität, dem wahrgenommenen Verbrauch und der Einheit auf dem Laufband. (Bildquelle: Frappier et al. (2013))

Die erste Grafik (rechts) bildet den Energieverbrauch der Männer (schwarze Balken) und Frauen (graue Balken) ab. SA steht für „Sexual Activity“ und gibt den gemessenen Wert des Kalorienverbrauchs wieder, während „Perceived SA“ die wahrgenommene (subjektive) Größe darstellt. Interessant: Sowohl Frauen als auch Männer lagen mit ihren Schätzungen recht nah am tatsächlichen Wert.

Männer verbrauchten während der sexuellen Aktivität im Schnitt 101 Kilokalorien was einem Brennwert von 4,2 kcal/min beträgt. Bei den Frauen sinkt der durchschnittliche Kalorienverbrauch „pro Session“ *hust* auf magere 69,1 Kilokalorien – also 3,1 kcal/min.

Sorry Mädels! Natürlich bieten diese Zahlen einen gewissen Spielraum darüber wer oben und wer unten gelegen hat – aber ich glaube mit einer derartigen Analyse und Quantifizierung des „Arbeitsvolumens“ würden ich mich dann doch zu weit aus dem Fenster lehnen und nur Hass-Mails von den lieben Damen kassieren. ;-)

Was allerdings bei beiden Geschlechtern auffällt ist der dominierende Balken des Kalorienverbrauchs auf dem Laufband, der mehr als doppelt so hoch ausfällt, wie das Schäferstündchen. Männer verbrauchten beim Cardio 276 Kilokalorien, was einem Brennwert von 9,2 kcal/min entspricht, während es die Damen auf 213 Kilokalorien (oder: 7,1 kcal/min) brachten. Hier sehen wir, dass sich die große Differenz bei den Geschlechtern so langsam schließt.

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Sollte es uns wundern, dass der Kalorienverbrauch beim Sex und beim Cardio so stark auseinanderklaffen? Ja und nein. Bedenkt man, dass die Varianz beim Geschlechtsakt der Paare zwischen 10 und 57 Minuten gelegen hat, stellen wir fest, dass es doch eine recht hohe Schwankung von Paar zu Paar gegeben hat. (Das bedeutet, dass das „schnellste Paar“ nach 10 Minuten fertig war, während sich das „langsamste Paar“ fast 1 Stunde Zeit für die intime Zweisamkeit gegönnt hat – ich sag doch, liebe Freunde und Freundinnen: Die einen denken „HIIT“, die anderen „Cardio“ – zu welcher Gruppe gehörst du? Im Schnitt poppten die Paare übrigens 24,7 Minuten (was wiederum zeigt, wie viel man auf den Durchschnitt in „Statistiken“ geben darf, wenn man eben nicht zum Durchschnitt gehört).

Jedenfalls ist abzusehen, dass der Energieverbrauch einer 10-minütigen Aktivität nicht an einen flotten, auf 30 Minuten standardisierten Lauf, heranreicht. I

Interessant und zugleich lustig: Einer der Studienteilnehmer – ein Mann – erzielte während einer seiner sexuellen Aktivitäten einen Verbrauch von 306 Kilokalorien. (Ich wette, dass war der, der auch 57 Minuten „geackert“ hat! In seinem Fall kann man locker das Statement stehen lassen: Sex > Cardio.

(Bildquelle: Frappier et al. (2013))

Grafik 2: Kalorienverbrauch beider Geschlechter bei 4 unterschiedlichen Zeitpunkten. (Bildquelle: Frappier et al. (2013))

Die zweite Grafik (links) bildet den Kalorienverbrauch der einzelnen Geschlechtsakte wieder (wir erinnern uns: Es gab 4!). Die schwarze Linie (und Punkte) repräsentierten den Verbrauch der Männer, die Grauen den der Frauen.

Zum Abschluss noch ein wenig deskriptive Statistik:

Ich muss an dieser Stelle vermutlich nicht erzählen, dass sowohl Männer, als auch Frauen, den Sex als weitaus angenehmer und weniger anstrengend empfanden, als einen Dauerlauf auf der Tretmühle, oder? 97,5 % aller Teilnehmer gaben an, dass der Sex „more pleasant“ gewesen ist (100% Männer, 95 % Frauen). 0 % der Männer gaben an, dass Sex genauso angenehm oder weniger angenehm als das Laufband gewesen ist, aber 5 % der Frauen gaben an, dass der Sex genauso angenehm wie die Erfahrung auf dem Laufband gewesen ist. (Watt?! Also, liebe Damen, da müssen wir noch einmal drüber reden…)

0 % der Frauen gaben an, dass der Sex anstrengender gewesen ist, als das Laufen, aber 10 % der Männer empfanden ihn als anstrengender. Im Durchschnitt wurde die sexuelle Aktivität von 57,5 % als „weniger anstrengend“ wahrgenommen.

Abschließende Worte

(Bildquelle: Pixabay.com / vait_mcright ; Public Domain Lizenz)

Die traute Zweisamkeit: Ein erfülltes Sexualleben trägt zur Fitness und Gesundheit bei, ist aber kein Sportersatz. (Bildquelle: Pixabay.com / vait_mcright ; Public Domain Lizenz)

Wem erzähle ich das eigentlich? Wir wissen alle dass Sex und Cardio – oder auch Kraftsport – unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Klar, beides kann in gewisser Weise als „angenehme“ (aber auch anstrengende) Tätigkeit wahrgenommen werden, aber lassen wir mal die Hosen runter: Durch (viel) Sex hat noch niemand ernsthaft Muskeln aufgebaut oder abgenommen.

Ein reges Sexualleben kann fit und gesund halten, ist aber in erster Linie ein Signal für Vitalität, Kraft und Energie. Oftmals ist es die Libido und der Sex-Drive der sich als erstes verabschiedet, wenn der Körper aus der Balance gerät, die Hormone verrücktspielen und irgendwas nicht stimmt. Wer schon einmal eine harte Diät durchgezogen hat und seinen Stoffwechsel gegen die Wand gesetzt hat, der wird in etwa wissen was ich meine.

  • Zu wenig Energie in Form von Kalorien und der Körper beginnt damit jene Triebe abzuschalten, die für das akute Überleben nicht notwendig sind.
  • Zu viel Energie in Form von Kalorien bringt aber ein ähnliches Problem – meist in Form von Energiemangel und Antriebslust. Und wer zu lang zu viel isst, der wird seine Chancen beim anderen Geschlecht sicher nicht verbessern.

Wenn du also merkst, dass sich im Bett Unlust breit macht, solltest du dich fragen woran das wohl liegen könnte.

Ist Sex eine gute Alternative zu traditionellem Training? Nun, wenn du nicht gerade zu denjenigen gehörst, die sich eine gute Stunde im Bett vergnügen und dabei auch nicht einfach nur herumliegst, dann wohl eher nicht. (Du kannst es ja mit einem periodisierten Trainingsplan probieren und uns hier berichten ;-)) Aber wenn man schon ein paar Kalorien dabei verbrennt…na, warum denn nicht!


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Flickr / Bryan Brenneman ; CC Lizenz


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