Leber – Das vergessene Wundermittel?!

Leber – Das vergessene Wundermittel?!

4 Kommentare 📅14 Februar 2015, 10:14
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Von Chris Michalk

Leber stand – wie andere Organe des erlegten Tieres – seit Jahrmillionen auf dem Speiseplan des Menschen. Diverse Untersuchungen aus den 50er- und 60er-Jahren legen nahe, dass Leber nicht nur ein äußerst potentes “Multivitamin” darstellt, sondern darüber hinaus auch Eigenschaften hat, die über die Wirkung klassischer Vitamine hinaus gehen – ein in Vergessenheit geratenes Wundermittel?

Leber – Das vergessene Wundermittel?!

Der seltsame Fall des Benjamin Ershoff

Benjamin Ershoff war ein Doktor, der in den frühen 60er-Jahren intensiv forschte. Vor allem zu für Sportler sehr relevanten Themen wie Spurenelementen und deren Aufnahme, Toxizität diverser Nahrungsmittel-Bestandteile, aber auch zu potenziellen “ergogenic foods” – also Nahrungsmitteln und/oder -bestandteile, die eine mentale oder physische Leistungssteigerung hervorrufen. Wenngleich wir wenig “handfeste” Informationen zu diesem Mann finden, so können wir die Fußstapfen von ihm nachverfolgen und ahnen, welch große Rolle seine Forschungen damals gespielt haben müssen.

So hat Ershoff für die NASA erforscht, in wie weit Ton(-erde) dafür sorgt, dass Kalzium besser in den Organismus kommt (Vgl. Eaton, “Upon a Clay Tablet […], 2009, S. 191). Darüber hinaus wollte er den Protein-Bedarf der Welt stillen, in dem er Methoden entwickelte, mit deren Hilfe man Proteine aus der Tabak-Pflanze gewinnen konnte (Vgl. “New Scientist”, 15.12.1977, S. 683).

Man bedenke bitte: Das war zu einer Zeit, wo man nur sehr wenig über den (Mikro-)Nährstoff-Bedarf des Menschen wusste. Das, was dieser Mann also leistete, war absolutes Vordenken.

… und dann kam Vince Gironda!

(Bildquelle: Wikimedia.org / Blashy ; CC Lizenz)

Eine Legende und ein Pionier im Bodybuilding: Vince Anselmo Gironda („The Iron Guru“) wusste ihn Sachen Leber bescheid. (Bildquelle: Wikimedia.org / Blashy ; CC Lizenz)

Vince Gironda („Unleashing the Wild Physique“) war einer der Star-Trainer dieser Zeit. Seine Schützlinge sind noch heute sehr bekannt: Frank Zane, Larry Scot, Lou Ferrigno oder Arnold Schwarzenegger. Letzterer soll mit breiter Brust in “Vince’s Gym” eingelaufen sein und verkündet haben, “Ich bin Arnold Schwarzenegger und ich werde der größte Bodybuilder aller Zeiten” – Vince soll geantwortet haben, “Du siehst aus wie ein fettes Stück Scheiße”.

Ungeachtet der Tatsache, dass Vince auch andere “Stars” trainierte, darunter Clint Eastwood und Denzel Washington, kann man davon ausgehen, dass er schon damals “Bescheid wusste”, wie man trainiert und vor allem wie man isst. Vince Gironda kannte die “Stone Age Diet” (“Steinzeit-Diät”) schon, da waren zum Teil die Eltern einiger Leser hier noch nicht geboren.

Damals wurde er verpönt, aber Erfolg gibt – leider – recht: Er empfahl seinen Schützlingen eine strikte “Zero-Carb”-Diät, ergänzt mit Sahne-Shakes, die angereichert wurden mit befruchteten Eiern. In der Tat empfahl er konkret, “iss bis zu 36 Eier pro Tag”, das wirke wie ein Steroid. Recht hat er, recht hat er, denn lustigerweise weiß man heute um die Bedeutung von Myostatin. Je weniger Du davon hast, umso mehr Muskeln hast Du.

Und … im befruchteten (Hühner-)Ei finden wir Follistatin, das im Myostatin-Regelkreis eine große Rolle spielt: Es antagonisiert Myostatin in gewisser Weise. Höhere Follistatin-Werte resultieren somit auch in niedrigeren Myostatin-Werten (Rodino-Klapac, 2009). Ich seh schon, das die Tage die Anfragen an „befruchtete Hühnereier“ rausgehen, nachdem unsere Leser den Artikel gelesen haben, aber bevor es soweit ist noch eine Anmerkung: Keiner weiß, ob das im Ei enthaltene Follistatin nach dem Verzehr auch tatsächlich ins Blut gelang.

Aber dennoch: Vince wusste Bescheid.

Oh du heilige Leber

(Bildquelle: Wikimedia.org / Schellack ; CC Lizenz)

Nicht jedermanns Sache: Leber von Schwein und Rind stand lange Zeit als Delikatesse auf dem Speiseplan. Erst in der Neuzeit – z.T. auch wegen der Massentierhaltung – wurde es zum „arme Leute Essen“. Bei der Leber macht es aber sehr wohl Sinn auf Qualität zu achten, denn sie ist das Filterorgan des lebenden Organismus. (Bildquelle: Wikimedia.org / Schellack ; CC Lizenz)

Noch heute können wir überall im Internet nachlesen, was er damals postulierte. “Leber”, so sagte er, “enthält einen unidentifizierten Wachstumsfaktor, einen unidentifizierten ‘anti fatique factor’ (= Anti-Ermüdungs-Faktor) und einen unidentifizierten Anti-Östrogen-Faktor.

Huch? Was haben wir denn da gerade gelesen? Anti-Östrogen? Das klingt gut, oder? Doch wie kommt Vince Gironda darauf, dass Leber so etwas macht?

Nun, zum einen war er ein Praktiker. Er hat es ausprobiert. Er hat täglich diese gefriergetrockneten Leber-Pillen eingeschmissen – und nicht nur 3, sondern wahrscheinlich das 10-20-fache, nämlich alle 3 Stunden 6 Leber-Tabletten. Jetzt könnte man ja sagen “Okay, schön für ihn, aber wir sind an wissenschaftlichen Nachweisen interessiert.“ Genau – und hier kommt Dr. Benjamin Ershoff ins Spiel. Denn Vince Gironda hat nicht nur trainiert, sondern auch Studien gelesen.

Ershoff brachte zum Ende der 50er-Jahre eine ganze Studien-Reihe heraus zum Thema “Effekte von Leber”. Leber-Pulver-Gabe an Ratten, so Ershoff, verhindert die Effekte massiver Dosen von:

  • Strychnin (sehr giftiges Alkaloid) (Batelli, 1946)
  • Sulfanilamid (Antibiotikum) (Chamelin, 1943)
  • Dinitrophenol (Ershoff, 1950)
  • Diethylstilbestrol (potentes Karzinogen) (Chamelin, 1943)
  • Alpha-Estradiol (ein Östrogen) (Ershoff, 1948)
  • Thyroxin (Schilddrüsenhormon) und Jod (Ershoff, 1947)
  • Cortison (Ershoff, 1951)
  • Strahlung (Ershoff, 1952)

Alles das sind Sachen, mit denen auch wir konfrontiert werden (können) – zu hohe Cortisol-Werte hat fast jeder, gewissen Strahlungen (Handy!) sind auch wir ausgesetzt und viele haben ein Problem mit der Schilddrüse (Überfunktion) oder weisen eine Östrogen-Dominanz auf. Ich kann euch das deshalb sagen, weil ich bisher hunderte von Klienten betreut habe und Einsicht hatte und habe in ein breites Spektrum von Blutwert-Analysen. Das ist also eine sehr reale Angelegenheit.

Das legendärste “Leber-Experiment” – die Ausdauer-Explosion

(Bildquelle: Wikimedia.org / Shushruth ; CC Lizenz)

Die Experimente von Ershoff haben gezeigt, dass in der Leber doch mehr steckt, als wir vermuten. Enthält Leber einen unbekannten Faktor, der die Ausdauer stark verbessert?(Bildquelle: Wikimedia.org / Shushruth ; CC Lizenz)

Alle Versuchsreihen von Ershoff waren gleich gestaltet: Ratten bekommen 10 % ihrer täglichen Kalorien aus Leber-Pulver. Es gab immer zwei weitere Kontroll-Gruppen. Eine Standard-Kontroll-Gruppe und eine Kontroll-Gruppe, die zusätzlich B-Vitamine essen musste – oft gab es noch eine weitere Gruppe, die “Bierhefe-Gruppe”. Das hat er deshalb gemacht, um auszuschließen, dass die Effekte von Leber durch B-Vitamine (o. ä.) hervorgerufen wurden. bei diesem “Ausdauer-Experiment” durften die Ratten ebenfalls 10 % ihrer Kalorien aus Leber-Pulver beziehen und auch bei diesem Experiment gab es eine zweite Gruppe, die sich zusätzlich von Bierhefe und B-Vitaminen ernähren durfte.

Sie wurden dann in ein 20°-warmes-Wasser geschmissen und mussten schwimmen … damit sie überleben. Alle Gruppen waren nach zirka 14 Minuten „fertig“.

Bemerkenswert: Die Leber-Gruppe schwamm noch zum Ende des Experiments – nach zwei Stunden! … also quasi 8 x länger (Ershoff, 1951).

Da ich weiß, dass viele nicht einfach nur an mehr Ausdauer interessiert sind, sondern eher daran mehr Kraft und mehr Masse zu generieren, sei an dieser Stelle gesagt, dass gerade die muskuläre Ausdauer letztendlich darüber entscheiden kann und entscheiden wird, ob du am Ende doch nochmal nachlegen und 1-2 Wiederholungen “dranhängen” kannst oder eben nicht – zumindest dann, wenn wir nicht vom “Maximalkraft-Bereich” sprechen, wo es eher zu vernachlässigen ist. Das ist ein Punkt, der häufig übersehen wird und auch oft keine Rolle spielt in der Trainingsgestaltung. Siehe hierzu auch meinen Artikel „Die Erschaffung einer Super-Muskelfaser“.

Interessant zu erfahren: Ikonen wie Vince Gironda und auch Arnold Schwarzenegger haben wochen- und monatelang (Vince sogar jahrzehnte-lang) “Zero Carb” gelebt. Das heißt, dass die Glykogen-Speicher dieser Männer oftmals sehr niedrig waren und der Muskel zwangsläufig auf Fettsäuren als Energiequellen zurückgreifen musste. Was das genau bedeutet? Ein Muskel, der vermehrt auf Fettsäuren als Energiequelle zurückgreift, der wird auch ausdauernder.

Prinzip und Gedanken verstanden?

Und jetzt?

Wir waren Vampire: Die Maasai, ein indigender Volksstamm aus Afrika, mischt noch heute Tiermilch mit Blut

Wir waren Vampire: Die Maasai, ein indigender Volksstamm aus Afrika, mischt noch heute Tiermilch mit Blut zur Stärkung von Körper und Geist. (Bildquelle: Wikimedia ; Frank & Frances Carpenter Collection ; CC Lizenz)

Was sollen wir nun von diesen Studien-Ergebnissen und deren Aussagen halten?

Ja, wir sind keine Ratten – wir sollten aber daran denken, dass alle unsere Vorfahren immer auch das ganze Tier zerlegt und gegessen haben. Nein, noch viel präziser: Sie haben sogar das Blut dieser Tiere getrunken. Wir waren Vampire.

Was ist denn, wenn uns das “ganze Tier” etwas gibt – “natürliche Faktoren” – die heute nicht mehr in unserer Diäten-Ideologie zu finden sind? Was wäre, wenn wir von Hormonen oder hormon-ähnlichen Substanzen aus dem Tier profitieren könnten?

Das ist nicht nur irgendein Gedanke, sondern wurde tatsächlich bewiesen: Spritzt man alten Ratten das Blut junger Tiere, dann “verjüngen” diese alten Tiere (Vgl. “Young Blood May Hold Key to Reversing Aging”, The New York Times”, 04.05.2014). Es ist also durchaus denkbar, dass wir aus anderen Organismen Dinge aufnehmen könnten, die uns helfen, besser zu leben.

So oder so ähnlich argumentierte auch Ershoff damals. Er wusste nicht, warum Leber so etwas macht. Deshalb konnte er diese Faktoren auch nicht eindeutig identifizieren. Manche sprechen von “Cytochrom P450”, einem Enzym, das normalerweise an diversen mitochondrialen Reaktionen (u. a. auch Entgiftungen) partizipiert.

Wir wissen bis heute nicht, warum die Leber-Gabe damals so derart positiv gewirkt hat. Was es uns aber verdeutlichte und was auch dieser Artikel verdeutlichen soll, ist die Tatsache, dass das Verspeisen von Tieren und gut “konservierten” Tierprodukten (beispielsweise Gefriertrocknung) durchaus Inhaltsstoffe mitbringen kann, die Wirkungen haben, die wir nicht nur durch “Mineral, Vitamin XY” begründen können. Das steht in Analogie zu sekundären Pflanzenstoffen und deren Synergismus, die wir in Pflanzen finden.

Das Multivitamin der Natur

Völlig ungeachtet dieser Tatsache ist Leber ein sehr potentes natürliches Multivitamin – hoch angereichert mit wertvollen essentiellen Substanzen. In keinem anderen Körperteil ist derart viel Vitamin A gespeichert (das in unserem heutigen Konsumverhalten oftmals deutlich zu kurz kommt). Wir fokussieren uns stattdessen auf ß-Carotin, das aber bei weitem nicht so effektiv in (das aus Vitamin A entstehende) Hormon Retinsäure umgewandelt werden kann. Und letztendlich geht es genau um dieses Hormon. Darauf wollen wir gleich noch zu sprechen kommen.

Substanz Konzentration RDA
Eiweiß 30 g 30 %
Vitamin A 30.000 IE 600 %
Vitamin B1 0,2 mg 13 %
Vitamin B2 3,4 mg 200 %
Vitamin B3 17,5 mg 88 %
Vitamin B6 1 mg 50 %
Folat 200 mcg 60 %
Vitamin B12 70 mcg 1100 %
Pantothensäure 7 mg 70 %
Cholin 430 mg 100 %
Eisen 6,5 mg 36 %
Phosphor 500 mg 50 %
Zink 5 mg 30 %
Kupfer 40 mg 700 %
Mangan 0,4 mg 18 %
Selen 30 mcg 50 %

Tab. 1: Vitamin-/Spurenelement-Gehalt in 100 g gekochter Rinder-Leber (Werte von nutritiondata.com entnommen)

Auffallend ist, dass Leber ein breites Spektrum, bezogen auf den Tagesbedarf an Spurenelementen und Vitaminen, abdeckt. Aals Referenz wurde hier die RDA (Recommended Daily Allowance, der empfohlene Tagesbedarf) gewählt. Natürlich kann man sich streiten über die gesetzten Referenzwerte, aber dennoch zeigt die Tabelle, dass Leber durchaus als natürliches Multivitamin bezeichnet werden kann (gerade in Relation zu anderen Lebensmitteln, die ich jetzt aber nicht aufführen werde, weil es den Artikel sprengt).

Der einzige Nachteil: Man kann Leber nicht täglich konsumieren, denn – wie der Tabelle zu entnehmen – ist Leber stark angereichert mit Vitamin A. Wenngleich mehrfach experimentell gezeigt wurde, dass Vitamin A, gegeben über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr, keine Probleme verursacht (auch dann, wenn man es hoch dosiert, etwa auf bis zu 75.000 IE (Alberts, 2004)).

Aber auch hier gibt es eine Lösung. Wer von der gewaltigen Menge an Nährstoffen und (wohl noch nicht identifizierten) anderen Substanzen der Leber profitieren möchte, der kann auch zu gefriergetrockneten Leber-Produkten greifen, die zumeist entfettet wurden. Leider geht dann neben Vitamin A auch Vitamin K und Cholin verloren, aber alle anderen Spurenelemente und Vitamine bleiben erhalten.

Leber wäre, gemessen an seinem Wirkpotenzial, womöglich deutlich effektiver in Relation zu anderen, herkömmlichen Multivitamin-Produkten. Denn diverse Hersteller haben bis heute noch nicht realisiert, dass Spurenelemente und Mineralien nur dann im Blut ankommen, wenn sie als organische Verbindung vorliegen – also beispielsweise gebunden an Protein.

„Eine Forscherin namens Sandström, von der Uni Göteborg (1989), zeigte uns in ihren Forschungen einen signifikanten Zusammenhang zwischen Nahrungsprotein und Mikronährstoffaufnahme. Schon kleinste Mengen Fleisch konnten die ansonsten weniger gute Aufnahme von Zink aus Bohnen deutlich verbessern.“ – Quelle: Das Handbuch zu Ihrem Körper. S. 97.

Das heißt, dass nicht immer nur das zählt, was auf der Packung des Multivitamins steht – zum Beispiel: 300 mg Magnesium-Oxid, sondern vor allem auch das, was letztendlich im Blut ankommt. Und genau das macht letztendlich den Unterschied. Wer dennoch bei der “ursprünglichen Version” bleiben will und Leber in seinem Naturzustand konsumieren möchte, dem soll folgendes Beispiel aus meinem Buch verdeutlichen, welch immens wichtige Rolle das in der Leber so hochkonzentriert enthaltene Vitamin A im Körper einnimmt:

„Wollen wir doch noch kurz zwei Hormone besprechen, die Sie direkt per Nahrung zuführen. Vielleicht haben Sie schon gelesen von Überschriften wie „Gesund in 7 Tagen”. Das Buch wurde von einem Arzt geschrieben und handelt von Vitamin D. Sowohl Vitamin D als auch Vitamin A sind die direkten Vorstufen der Hormone „Calcitriol” und „Retinsäure”. Sie wissen ja nun, was Hormone so alles ma-chen können, aber diskutieren mit mir immer noch, ob Sie das jetzt ordentlich zuführen sollen oder nicht. Ganz ehrlich … diese unnötigen Diskussionen kann ich nicht mehr hören. Entweder Sie probieren und schauen, was passiert oder Sie sagen gar nichts. Retinsäure ist mir persönlich aufgefallen, als ich mich um meinen Fettstoffwechsel gekümmert habe. Also Mitochondrien plus Proteine der ß-Oxidation.

Das ist mir aufgefallen, als man das an Ratten verfütterte und beobachtete, dass die fast das Doppelte essen, aber weniger wiegen, einhergehend mit Halbierung der Fettmasse. Das hätten Sie doch immer gerne, oder? (Vgl. Berry, 2009)

Sie unterschätzen die Rolle der Hormone … Diese Retinsäure ist so verdammt gut bezüglich der Regulation Ihres Körpergewichtes, dass einige Wissenschaftler postulieren, dass sie eine „einzigartige” Möglichkeit darstellt, Fettleibigkeit vorzubeugen (Berry, 2009).

Diese Retinsäure nämlich erhöht dosis-abhängig die Proteine, die am Abbau von Fettsäuren beteiligt sind (= u. a. Proteine der ß-Oxidation) (Amengual, 2008). Das ist so auffällig und markant, dass eine Überschrift einer wissenschaftlichen Arbeit lautet: „Retinoide […] regulieren Fettstoffwechsel” (Bonet, 2012).

Aber Sie sollten immer daran denken: Ein System ist nur so gut wie sein schwächstes Glied. Stimmen Ihre T3-Werte nicht, dann können Sie sich solche Effekte natürlich abschminken. Daran sollten Sie denken.

Hochdosiertes Vitamin A, welches sich u.a. in entsprechender Konzentration in der Leber findet, hat noch weitere gesundheitliche Effekte. (Bildquelle: Amazon.de)

Hochdosiertes Vitamin A (Retinsäure), welches sich u.a. in entsprechender Konzentration in der Leber findet, hat noch weitere gesundheitliche Effekte. (Bildquelle: Amazon.de)

Retinsäure macht noch andere Sachen, wie Regulation des Immunsystems. Auch Ihre Schleimhäute sind direkt von der Wirkung von Retinsäure abhängig. Retinsäure kann auch die Entwicklung von Tumoren unterbinden, aber das sollten Sie alles auf meiner Seite nachlesen. Sie sollten sich merken: Retinsäure sorgt für die Differenzierung von Zellen.

Was ist jetzt das? Ihre Zellen müssen sich vermehren (=Proliferation). Und dann müssen Sie bestimmte Aufgaben übernehmen. Eine Gehirnzelle muss andere Aufgaben erledigen als eine Muskelzelle. Sie werden ja auch mal erwachsen und üben dann bestimmte Tätigkeiten aus. Der Zwischenprozess heißt „Differenzierung”.

Retinsäure reguliert genau diesen Prozess. Wenn Sie also Hornflächen auf Ihrer Haut haben, dann sollten Sie sich fragen, ob dort nicht ein Differenzierungsfehler vorliegt, denn dort sollten ja eigentlich normale Hautzellen zu finden sein. Dasselbe gilt natürlich auch für Tumorzellen. Die sind falsch differenziert. Ich finde, dass das bei Weitem die wichtigste Aufgabe von Retinsäure ist. Sie sorgt dafür, dass Ihre Gewebe ordentlich gebildet werden und so funktionieren, wie sie sollen. Schon Weston Price, der natürlich lebende Völker untersuchte, dachte über den signifikanten Zusammenhang zwischen Vitamin A und der Steroidogenese nach – das heißt auch über den Zusammenhang zwischen Vitamin A und Testosteron.

Vielleicht war das auch ein Grund für meine körperliche Entwicklungsverzögerung? Denn: Gibt man Jungs – zwischen 13 und 15 Jahren – Vitamin A zusammen mit Eisen, dann wirkt das auf den Verlauf der Pubertät so wie eine Steroid-Therapie. Ja! Hallo? Merken Sie gerade etwas? Sie glauben doch immer, Ihr Köper „wächst” und „entwickelt” sich nicht richtig nach Krafttraining. Könnte an Vitamin A liegen (Zadik, 2004).“ Quelle: Das Handbuch zu Ihrem Körper. S. 132 ff.

Natürlich sollte man an dieser Stelle anmerken, dass das oben Beschriebene niemals eintritt, wenn man 3000 IE Vitamin A pro Tag zuführt. Die beschriebenen Effekte sollten allerdings verdeutlichen, was eine (!) Substanz, ein Hormon (!), im Körper bewerkstelligt und auch sensibilisieren – welch profunde Wirkung eine höhere Zufuhr entfalten könnte.

Abschließende Worte und Zusammenfassung

(Bildquelle: Amazon.de)

Unbedenklich: Das Uni-Liver von Universal Nutrition ist eine Alternative für all jene, die keine normale Leber essen möchten, aber: Es ist nicht gerade günstig bei der veranschlagten Dosierung. (Bildquelle: Amazon.de)

Ich habe euch bemerkenswerte Ergebnisse von “Leber-Studien” präsentiert, bei denen die Gabe von Leber dafür sorgen konnte, dass diverse Umweltfaktoren das Überleben der Tiere nicht signifikant negativ beeinflussen konnten – oder anders ausgedrückt: Gibt man Tieren einen Leber-Pulver-Extrakt, so überleben sie diverse Intoxikationen, also Vergiftungen

Auch habe ich euch eine Studie präsentiert, ebenfalls von Ershoff, die zeigte, dass Tiere 8 x länger schwimmen können, wenn man ihnen Leber-Pulver füttert.

Wenngleich man Ratten-Studien nicht direkt auf den Menschen übertragen kann, so weiß ich aus Erfahrung, dass viele Ratten-Studien auch am Menschen replizierbar sind – womöglich unter anderen Bedingungen und in anderer Dosis. Aber zelluläre Effekte bleiben oft gleich.

Wir haben gesehen, dass Rinder-Leber “glänzt” bezogen auf ein den Gehalt an diversen essentiellen Mikronährstoffen, vorliegend in bester Bioverfügbarkeit.

10 % Leber-Pulver … Gefriergetrocknete Rinder-Leber kannst Du Dir kaufen. Die gibt es von Universal. Die in den Ratten-Studien verwendeten 10 % würden heißen: Bei einer durchschnittlichen Zufuhr von 2500 kcal, müsstest Du 250 kcal aus Leber-Tabletten beziehen. Also circa 50-60 g, da dieses genannte Produkt (fast) nur aus Eiweiß besteht. Das wären circa 30-50 Tabletten pro Tag.

Lohnenswert? Wahrscheinlich. Aber nicht gerade billig.

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Über den Autor

EdubilyChris ist Biologe mit Schwerpunkt Biochemie, Sportbiologie und Evolutionsbiologie – selbst war er Triathlet der Langdistanz (Ironman). Heute betreut er Athleten, Menschen aller Berufsgruppen und diskutiert die aktuelle Wissenschaft auf seinem Blog. Das Ziel von Chris ist, biochemische Aspekte auf die Human-Evolution zu projizieren und wesentliche Elemente abzuleiten.

Ende 2014 verdichtete Chris seine Gedanken und Erfahrungen in einem über 300-seitgen literarischen Werk, „Das Handbuch zu Ihrem Körper“, welches seit seinem Release bereits vielen Menschen als Informationsquelle und Anleitung zur optimierten Lebensgestaltung liefert.

Darüber hinaus betreibt Chris einen eigenen Blog: Edubily bildet die Schnittstelle zwischen Biochemie und Evolution am Beispiel des Menschen und informiert in regelmäßigen Abständen um interessante Themen rund um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers.

Quellenangaben (draufklicken)

[1] Alberts, David et al. (2004): Safety and efficacy of dose-intensive oral vitamin A in subjects with sun-damaged skin. In: Clinical cancer research 10.6 (2004): 1875-1880. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15041701.

[2] Batelli et al. (1946): Detoxicating action of liver extracts in experimental strychnine poisoning. In: The Journal of Nutrition (1946): 687. URL:

[3] Chamelin et al. (1943): The action of liver extracts in counter acting the toxic efects of diethyl-stilbestrol and sulfanilamide. In: Arch. Biochem. (1943): 9. URL: http://eurekamag.com/research/013/525/013525921.php.

[4][ Ershoff et al. (1950): Comparative effects of B vitamins and liver on Dinitrophenol toxicity in the rat. In: The Journal of Nutrition (1950): 271-277. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14795276.

[5] Ershoff, BH, and HB McWilliams. „Effects of B Vitamins, Yeast and Liver on Ovaries of Immature Rats Fed Massive Doses of Alpha-Estradiol.“ Experimental Biology and Medicine 67.3 (1948): 323-325.

[6] Ershoff, Benjamin H. (1947): Effects of liver feeding on growth and ovarian development in the hyperthyroid rat. In: Experimental Biology and Medicine 64.4 (1947): 500-503. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20239469.

[7] Ershoff, Benjamin H. (1951): Beneficial effects of liver on cortisone acetate toxicity in the rat. In: Experimental Biology and Medicine 78.3 (1951): 836-840. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14912048.

[8] Ershoff, Benjamin H. (1952): Increased survival of liver-fed rats administered multiple sub-lethal doses of x-irradiation. In: Journal of Nutrition 47.2: 289-298. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14939099.

[9] Ershoff, Benjamin H. (1951): Beneficial Effect of Liver Feeding on Swimming Capacity of Rats in Gold Water.“ Experimental Biology and Medicine 77.3; 488-491. URL: http://ebm.sagepub.com/content/77/3/488.short.

[10] Rodino‐Klapac, Louise R et al. (2009): Inhibition of myostatin with emphasis on follistatin as a therapy for muscle disease. In: Muscle & nerve 39.3; 283-296. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19208403.

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