Ein Löwe in Eisen – I: Trugschlüsse der weiblichen Denkweise in Sachen Ernährung

Ein Löwe in Eisen – I: Trugschlüsse der weiblichen Denkweise in Sachen Ernährung

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Vorwort von Damian Minichowski

Unter unseren Stammlesern finden sich viele weibliche Athletinnen und Damen, die sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig weiterentwickeln wollen und möchten. Neben fortwährenden Fragen hat uns vor allem der rege Zuspruch des Artikels „Ein Löwe in Eisen – Kraft kennt keine Geschlechter“ dazu bewegt einen weiteren Fokus zu legen, der unserer Meinung nach in der Welt des Kraftsports und der gesunden Ernährung zu kurz kommt: Die Berücksichtigung der weiblichen Sportlergemeinde.

Chris Eikelmeier (Strength First) hat in seinem Artikel zur artgerechten Ernährung des Menschen bereits die kleinen (aber feinen) Unterschiede des männlichen und weiblichen Stoffwechsels dargelegt (Teil 1 & Teil 2).

In ihrer Kolumne „A Lion in Iron“ widmen sich Alexander Juan und Antonio Cortes dem speziellen Fall „Frau“ und „Kraftsport“ bzw. „Frau“ und „Ernährung. Da wir der Ansicht sind, dass die Serie (nicht nur für Frauen) absolut lesenswert ist und vielen Athletinnen bei ihrer persönlichen Entwicklung weiterhelfen kann (und wird), werden wir nach und nach weitere Teile für euch ins Deutsche übersetzen – sofern ein Interesse daran besteht (teilt uns dies am besten in den Kommentaren unten mit!)

Im ersten Teil der Serie widmen wir uns dem Problemfall Ernährung bei (gesundheitsbewussten) Frauen und wieso viele Damen quasi unbewusst in einen Teufelskreislauf gelangen, der sie nicht nur ausbremst, sondern ihrer Gesundheit eher abträglich, als förderlich ist – es sind die klassischen „Denkmuster“, die es zu durchbrechen gilt (und die bei weitem nicht nur Frauen betreffen)

Ein Löwe in Eisen – I: Trugschlüsse der weiblichen Denkweise in Sachen Ernährung

Aus dem Englischen von Simon „Simme“ Goedecke / copyright by elitefits.com & Alexander Cortes

(Bildquelle: Pixabay.com / Skeeze ; CC Lizenz)

Frauen, Training und Ernährung: Eine ganz andere Welt! Frauen denken anders und verfolgen andere Ziele, als männliche muskelhungrige “alles-oder-nichts” Bodybuilder – das macht sie anfällig für spezielle Denkmuster in Sachen Ernährung. (Bildquelle: Pixabay.com / Skeeze ; CC Lizenz)

In meinen bisherigen Artikeln zum Thema Frauen & Coaching habe ich ein bisschen (oder ein bisschen mehr) herumgemeckert und mir die typischen Fitness-Denkweisen der ständigen Einschränkung, Maßhaltung und Vernachlässigung oder Unterschätzung von kraftorientiertem Training zur Brust genommen.-

Eine Sache, über die ich mich noch nicht ausgelassen habe, ist die Ernährung. Vorab möchte ich gleich sagen, dass dieser Artikel nicht sehr „technisch“ geschrieben ist. Alles, was hier zum Ausdruck kommt, ist meine eigene Meinung und basiert auf meiner eigenen Ausbildung und persönlichen Erfahrung mit Kunden, sowie dem Studium von wissenschaftliche Publikationen und Anwendungen anderer, qualifizierterer Coaches. Das ist kein medizinischer Rat oder eine Verordnung. Ich habe es darauf abgesehen ein paar Erläuterungen zu häufigen und beliebten Denkweisen und Trugschlüssen zu Diäten zu erarbeiten, die ich sehr häufig bei Frauen beobachten kann. Als Ganzes betrachtet ist die Fitnessindustrie nicht sehr hilfreich dabei, wenn es darum geht weibliche Kunden hinsichtlich Lebensmittel und Ernährung gut zu beraten. Ich habe die generelle Herangehensweise des Kalorienzählens „Du musst in einem Kaloriendefizit sein, um abzunehmen“, immer wieder scheitern sehen.

Keine Frage: Auch das kann klappen – aber die richtige Ernährung für Frauen ist fast immer eine eher psychosomatische Sache, welche eine Reihe von kombinierten Faktoren (sowohl Mentale, als auch Psychische) beinhaltet. Der Versuch die „Wissenschaft“ von Kalorien und Thermodynamik, den Frauen theoretisch und trocken beizubringen, ist bestenfalls kurzsichtig und schlimmstenfalls schädlich.

Bevor ich also weiter mache, definiere ich persönlich eine „gesundeErnährung. Diese Definition wird auf zwei Arten getätigt: Auf subjektiver und objektiver Ebene.

Gesunde Ernährung: Subjektiv und objektiv gesehen

Die subjektive Definition

(Bildquelle: Pixabay.com / kokkarina ; CC Lizenz)

Denkst du, dass du dich gesund ernährst? Doch wie definiert man eigentlich “gesund”? (Bildquelle: Pixabay.com / kokkarina ; CC Lizenz)

Deine Ernährung gibt dir stetige Energie über den Tag, ohne dass du das Gefühl verspürst an irgendeinem Punkt in ein sprichwörtliches Loch zu fallen. Du fühlst dich wach, klar im Kopf noch mental benebelt und schleppst dich auch nicht durch den Tag. Du fühlst dich nach dem Essen energiegeladen und es macht dich nicht müde (und du isst es auch nicht zu diesem Zweck). Du spürst, dass du dich nach einer intensiven Belastung oder Training wieder schnell erholst und dir fehlt es überhaupt nicht an Energie.

Ein ungewöhnlich langer Tag auf der Arbeit erschöpft dich nicht allzu übermäßig und körperliches Training lässt dich nicht komplett ausbrennen.

Die objektive Definition

Dein Kalorienbedarf wird im Bezug auf die Kalorien, die du verbrennst, adäquat gedeckt. Von Entladephasen vor einem Wettkampf oder extrem inaktiven Personen einmal abgesehen, würde ich eine Ernährung von unter 1400 Kalorien für eine erwachsene Frau niemals als „gesund“ bezeichnen. Deine Makronährstoffe (und analog dazu die Mikronährstoffe) – besonders Protein (von dem die meisten Frauen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig zu sich nehmen) – ergeben sich mit deinem täglichen Umsatz, dem Anteil an Magermasse (das ist auch der einzige Wert, der mich bei meinen Kunden interessiert – egal ob Frau oder Mann) und deinem gesamten subjektiven Wohlbefinden.

Hormonell gesehen ist dein Menstruationszyklus, Haar- und Hautgesundheit, sowie der Sexualtrieb normal. Fall eines dieser Dinge in irgendeiner Weise abweicht – du hast keine oder eine sporadische Periode, deine Haut- und Nagelgesundheit leidet und du hast eine schwache Libido (und denk dran: sie sind alle mit einander verwunden) – würde ich deine momentane Ernährung nicht wirklich als „gesund“ bezeichnen.

Gestörte Denkweisen

Aus meiner Erfahrung mit meinen Kunden weiß ich, dass Frauen eine ganz bestimmte Denkweise über die Ernährung haben. Während diese Denkweisen vielleicht nicht gleich eine echte klinische „Essstörung“ darstellen, würde ich trotzdem sagen, dass sie so weit reichen, dass ich sie als „gestörte Denkweise“ bezeichnen würde. Diese Kategorisierung ist eher für die Organisation meiner eigenen Gedanken und meiner Strategien, damit ich weiß, wie ich einer bestimmten Person am besten weiter helfen kann. Der Grund warum ich das hier in diesem Text veröffentliche ist, dass es vielleicht auch anderen Coaches und Trainern dabei helfen kann, ihre eigenen Handlungsweisen im Umgang mit weiblichen Kunden zu optimieren.

Wichtig: Das sind sicher keine allgemeingültigen Lösungen und sie sind auch nicht dafür gedacht, einfach alle physiologischen Aspekte der Ernährung, Nahrungsbereitung und Ernährungswissenschaft über Bord zu werfen. (Ich sollte außerdem dazu sagen, dass diese Definitionen gewiss keine anerkannten psychologischen Diagnosen darstellen oder darstellen sollen. Es sind schlicht weg meine eigenen Einteilungen des Verhaltens und du kannst sie von mir aus nutzen, wenn sie angebracht sind.)

Die Nutrirexie

(Bildquelle: Pixabay.com / Stevepb ; CC Lizenz)

Ob Nutrirexie oder Orthorexie: Wenn gesundes Essen zum Zwang (und dann noch mit einer Diät kombiniert) wird, können die gesundheitlichen Folgen verheerend sein. (Bildquelle: Pixabay.com / Stevepb ; CC Lizenz)

Ein Person mit Nutrirexie (Wortneuschöpfung aus „Nutrition“, englisch für Ernährung und „-rexie“ als Endung für eine Essstörung) ist eine Person, die eine Besessenheit bezüglich jeden denkbaren Mikronährstoff entwickelt hat, während sie dabei gleichzeitig zu wenig Kalorien aufnimmt. Das ist nicht per se eine Anorexie (Magersucht) – trotzdem würde ich es als Essstörung bezeichnen.

Die persönliche Rechtfertigung dafür ist oftmals der Glaube daran, dass nicht “alle Kalorien gleich sind” und dass die “Nährstoffdichte” wichtiger ist, als die Kalorienaufnahme.

Während ich den Gedanken, dass nährstoffreiche Nahrung verzehrt werden sollten definitiv unterstütze und glaube, dass Kalorien überbewertet werden können, hat diese Störung für mich das Maß an Rationalität längst verloren und kann so mit Fug und Recht als „aus dem Ruder gelaufen“ betrachtet werden. Ich weiß, dass es dort draußen auch Coaches und Fitnesspersönlichkeiten gibt, die leider Gottes diesen Glauben bis zu diesem extremen Level hin auch unterstützen.

Besonders häufig findet man das bei weiblichen Fitness-Athleten, die ihre „saubere Ernährung“ als nährstoffreich darstellen. Da frage ich mich nur, ob es wirklich so „gesund“ ist, nur 1200 Kilokalorien am Tag zu sich zu nehmen.

Die Kalorexie

(Bildquelle: Pixabay.com / Stevepb ; CC Lizenz)

Nichts entgeht dem Ernährungstagebuch und jedes Gramm wird genau abgewogen. In der WK-Diät vielleicht noch rational erklärbar, leidet die Lebensqualität in der langen Frist. Die Folge des Kontrollwahns? Sporadische Fressanfälle. (Bildquelle: Pixabay.com / Stevepb ; CC Lizenz)

Diese Person ähnelt jener mit Nutrirexie, jedoch ist sie nicht besessen von Mikronährstoffen. In diesem Fall haben wir es mit einer Person zu tun, die glaubt, je weniger sie isst, desto „gesünder“ lebe sie – und das kann ganz schnell in eine Anorexie umschlagen.

Der Grund dafür ist der Glaube daran, dass der Stoffwechsel so effizient ist, dass er mit minimalen Mengen an Nahrung überleben kann. Meist dient eine Fitness-Athletin oder eine Modeldiät als Vorbild, in der die Mädchen stolz präsentieren, wie wenig sie essen können und wo ein Umsatz von kaum mehr als 1.000 Kilokalorien als erstrebenswert dargestellt wird. Auch der Trend zu minimalistischen Ernährungsweisen, die in vielen medialen Bereichen auftauchen (wo eine angeblich gesunde Ernährung mit einer minimalen Menge an Nahrung erreicht werden kann), macht es nicht besser. Ohne das Ganze jetzt unnötig ausweiten zu wollen, aber: Die gesellschaftlichen und sozialen Erwartungen spielen eine sehr große Rolle hierbei.

Fressanfälle werden genauso vorfallen, wie die zwanghafte Besessenheit alles dokumentieren und kontrollieren zu müssen, was mit Nahrung zu tun hat. Auch Langzeitschäden an der Gesundheit werden folgen, wenn man diese Art der „Ernährung“ verfolgt.

Es ist mittlerweile unumstritten, dass Essstörungen eine Manifestation von einem Verlangen nach „Kontrolle“ und „Stabilität“ sind. Jedoch ergibt diese Art von Ernährungs- und Kalorienkontrolle keinen richtigen Sinn von Stabilität. Abgesehen von den Fressanfällen, ruft diese Situation eine konstante stressgeladene Atmosphäre rund um Nahrung und Essen hervor. Diese Person meidet oftmals alle sozialen Situationen, die mit Essen zu tun haben oder sie reden sich raus mit: „Ich hasse es vor anderen Leuten zu essen“ oder „Ich hasse es, wenn mir Leute beim Essen zusehen“ oder „Ich hasse es zu essen“. Es ist wichtig diese Dinge frühzeitig zu erkennen und zu verstehen, dass du vielleicht nicht der richtige bist, um diesem Kunden weiterzuhelfen, da es dir in diesem Fall eventuell an Erfahrung und/oder Wissen fehlt. Ich empfehle in diesem Fall immer, dass sie erst einmal einen professionellen Psychologen aufsuchen sollten.

“Superfoods only”

(Bildquelle: Flickr / Foodista ; CC Lizenz)

Superfoods und exotische Früchte wie die Goji-Beeren sind derzeit en vogue. Diese Nahrungsmittel mögen zwar gesund sein, aber ihre Wirkung wird oftmals stark gehypt. Was ist so schlecht an lokalen Lebensmitteln?! (Bildquelle: Flickr / Foodista ; CC Lizenz)

Nachdem wir die Kalorexie und Nutrirexie besprochen haben, kommen wir nun zu den “Superfoods only”-Frauen, die für sich entschieden haben sich nur noch von sogenannten „Superfoods“ zu ernähren (und glaubt ja nicht, jemand könnte nicht alle drei Störungen gleichzeitig haben).

Der Begriff „Superfoods“ wurde von den Medien ins Leben gerufen und bezeichnet Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an bestimmten Mikronährstoffen. Leider wird diesen Nahrungsmitteln oftmals viel (zu viel) „ernährungsphysiologische Magie“ zugesprochen und deswegen werden sie auch extrem gehypt, weil sie angeblich mystische Kräfte in dem, was sie zur Gesundheit beitragen, haben. Ich habe schon viele Frauen gesehen, deren Ernährung fast ausschließlich aus Grünkohlsalaten – unterstützt durch verschiedene „nährstoffreiche“ Gemüse und Beeren mit griechischem Joghurt – sowie grünen Säften und Smoothies bestand. Das ist kein Beispiel einer gesunden Ernährung. Die Ironie dabei ist ja eigentlich, dass diese Frauen meist sogar eine adäquate Zahl an Kalorien zu sich nehmen, doch die Makronährstoffzufuhr ist extrem verzerrt.

Die Folgereaktion sind dann Fressanfälle. Sie werden Gelüste nach protein- und fettreicher Nahrung mit einer hohen Kaloriendichte verspüren, da all das in der Ernährung als „Mangelware“ bezeichnet werden kann. Diese Frauen nehmen am Tag ganz einfach keine ausreichende Mengen dieser Nährstoffe zu sich und das endet nun mal in periodisch widerkehrenden Fressanfällen, in denen sie unkontrolliert essen (genau genommen ist es der Stoffwechsel, der versucht, sich das zu holen was er braucht). Dann folgt die Phase der Reue, des schlechten Gewissens und des Selbsthasses darüber, dass man sich selbst nicht im Griff hat – was schließlich zu einem noch mehr kontrolliertem und besessenem Essverhalten führt und du später in einem zerstörerischem Teufelskreis endet.

Kalorien zählen kann ein Problem sein, muss es aber nicht. Das Problem ist eher die Kontrolle darüber, welche Art von Nahrungsmittel verzehrt oder gemieden wird.

Carboholic

(Bildquelle: Pixabay.com / Wuzefe ; CC Lizenz)

Carboholics setzen überwiegend auf Kohlenhydrat mit “Begleit”-Protein. Doch ohne eine genaue Kontrolle kann dies langfristig sehr wohl zu Makronährstoffmängeln führen. Gerade Fette und Protein gehören zu den essenziellen Makronährstoffen und sollten nicht zu kurz kommen. (Bildquelle: Pixabay.com / Wuzefe ; CC Lizenz)

Bei dieser Person dreht sich alles um komplexe Kohlenhydrate und isst kaum etwas anderes. Man kann dies oft bei Frauen beobachten, die den Frankensteinversuch wagen und alle „bösen“ Kohlenhydrate und Fette vom Speiseplan streichen. Das Ganze endet dann in einer Ernährung, die ausschließlich aus komplexen Kohlenhydraten besteht.

Das ist nicht „schlecht“ in dem Sinne, dass ihre Kohlenhydratquellen ungesund sind, aber es ist aus der Sicht der Makronährstoffe sehr unausgewogen. Die Ernährung dieser Mädels basiert sehr stark auf Salat, Obst und Hülsenfrüchten – jedoch ist die Protein- und Fettaufnahme extrem niedrig. Mittlerweile schocken mich auch nicht mehr die Fälle, bei denen die einzigen nennenswerten Proteine zwei Eiklar am Morgen und ein bisschen fettarmer Käse am Abend sind. Die Ironie dabei ist, dass die konstante Kohlenhydrataufnahme zwar Energie liefert (die vielleicht auch fürs Training reicht) jedoch neigen sie auch sehr schnell zu Blutzucker-Einbrüchen, sodass sie alle 2 Stunden etwas essen müssen, (andernfalls werden sie schnell zornig und hungrig, wie ein BB auf Diät).

Die einzige Besonderheit dieses Personentyps ist jene, dass sie periodisch starke Gelüste nach Protein bekommt. Dies können ein paar Chicken-Wings oder ein fetter Burger sein oder einfach ein Verlangen nach einem All-You-Can-Eat-Buffet beim nächsten Mongolen. Im Allgemeinen ist dieser Art von Kunden am einfachsten zu helfen, denn sie hat keine Hemmungen zu essen und wird auch die Proteinaufnahme steigern, wenn man ihr erklärt, wozu das gut ist.

Intoleranzen gegen Alles bzw. „katastrophal allergisch“

(Bildquelle: Wikimedia.org / Ongjulian ; CC Lizenz)

Allergien sind durchaus real, aber die Panik wird von vielen Seiten geschürt. Wirklich betroffen ist nur ein kleiner Prozentanteil. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt keine Eigendiagnosen, sondern lässt sich vom Arzt durchprüfen.(Bildquelle: Wikimedia.org / Ongjulian ; CC Lizenz)

Bei diesem Fall rechtfertigt die Person ihren mangelnden Fettverlust, fehlende Ergebnisse, geringen Muskeltonus und Gesundheitsprobleme durch eine Reihe von Nahrungsmittelallergien, die sie einfach haben muss. In den meisten Fällen sind es jedoch Intoleranzen gegen einige Dinge oder es ist die Konzentration auf nur ein Nahrungsmittel, welches die ganze Frustration verursacht. Gluten ist offensichtlich das populärste, aber Milchprodukte, Zucker, Proteine (ja, ich weiß – es macht wenig Sinn), Kohlenhydrate, saure Lebensmittel, Nüsse, nicht enthärtetes Wasser und so ziemlich jede andere Nahrungsmittelgruppe werden in diese Gruppe gesteckt.

Auch hier bin ich nicht mehr überrascht, wenn Lebensmittel oder gleich die ganze Lebensmittelgruppe in einer Art und Weise gemieden und die andere(n) dann noch von irgendeinem Ernährungsguru gestrichen wird/werden, der versucht seine schwarze Magie anzuwenden.

Das kann in allen der vorher genannten Störungen enden und es resultiert ebenfalls in einem permanenten Stress darüber was gegessen werden kann und was nicht. Diese Person hat sich oft auch selbst beigebracht, wie sie ihre natürliche Intuition beim Essen ignorieren kann und hängt von einer Liste von „gut/schlecht“ Nahrungsmitteln ab. Das resultiert dann in einem besessenen Essverhalten. Ich vergleiche diese Störung oft mit einer Art Hypochonder bezogen auf das Essverhalten.

Weitere Kategorien

(Bildquelle: Pixabay.com / Nemo ; CC Lizenz)

Die Definition der Diät: Maximales Leid für Erfolg? Es gibt keinen heiligen Gral. (Bildquelle: Pixabay.com / Nemo ; CC Lizenz)

Ich leide nicht, also diäte ich nicht: Nachdem ich die größeren Essstörungen abgehakt habe, solltest du nun einen Eindruck davon bekommen, was ich mit „leiden“ (im Bezug auf Ernährung) meine: Eine Frau, die denkt, dass eine Diät so streng und qualvoll wie nur irgend möglich sein muss, da sie sonst nicht funktionieren kann. Das ist die Qual gleich Fortschritt“ Denkweise. Das ist diese Art von „super streng oder Versagen“-Einstellung, in der sie der Meinung ist, dass die Ernährung zu jeder Zeit einfach perfekt sein muss – das kann echt anstrengend zu lösen sein und ich muss gestehen, dass ich dafür noch kein Patentrezept gefunden habe. Es wird zumindest eine Weile dauern, bis man hier erfolgreich ist.

Das Erschreckende bei dieser Einstellung ist: Wenn die Ernährung nicht ihrer Version von perfekt entspricht, wird sie sich fühlen, als ob sie die Kontrolle verloren und versagt hat. Sie denkt, dass irgendetwas mir ihr nicht in Ordnung sei. Sie hat extreme Schuldgefühle, denkt sie kann es nicht besser und verdient es nicht. Als wenn das nicht schon genügt, habe ich schon Frauen gesehen, die sich selbst soweit in eine ernährungsbedingte Frustration hineingesteigert haben, die erschreckend ist und leicht auch in andere Aspekte ihres Lebens übergreifen kann.

Die Suche nach der “silbernen Kugel”: Es gibt einen häufigen logischen Trugschluss, bei der eine Art silberne Kugel/Entgiftung/Methode gibt, die die Probleme der Frauen mit ihrer Ernährung lösen kann. Doch das existiert nicht.

Der Prozess des Essens für Leistung, Wettkampf oder allgemeine Gesundheit ist genau das – ein Prozess. Genau wie das Training ein Prozess des Selbstentdeckens und Lernens ist, so ist es auch mit der Ernährung. Das Erlernen, was für einen funktioniert und was nicht sollte etwas sein, das erfüllend ist und dir erlaubt, deine eigene Intuition mit Nahrung und Essen zu entwickeln. Abhängig von dem Gedanken zu werden, dass es ein perfektes System oder perfekte Ernährung gibt, wird dich auf lange Sicht nur davon abhalten, den Prozess zu erlernen, der am besten für dich funktioniert. Dieser kognitive Trugschluss ist etwas, über das ich noch im zweiten Teil dieser Serie sprechen werde.

Die Lösung für all diese gestörten Gedanken?

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Diese Arten von gestörten Denkweisen kommen mit einer Reihe von Komplexen und dazugehörigen Verhaltensweisen daher. Meine Empfehlung als professioneller Coach lautet wie folgt:

Habe ganz am Anfang der Zusammenarbeit ein “sicheres” Ernährungsgespräch mit deinen weiblichen Kunden. Dieses Gespräch sollte ein ganz einfacher Leitfaden, nichtwertender Fragen sein, wie:

  • Was isst du normalerweise an einem Tag?
  • Was gibt dir Energie?
  • Welche Lebensmittel isst du wirklich gern?
  • Kochst du selbst oder isst du auswärts?

An keinem einzigen Punkt der Unterhaltung solltest du unterbrechen und ein “Du solltest das nicht tun”-Statement abgeben. Wenn ich für jedes eine Mal, bei dem ich gehört habe, wie ein männlicher Personal Trainer so etwas gegenüber einer weiblichen Kundin gesagt hat, einen Ellenbogen in den Bauch bekommen hätte, würde ich jetzt einen dauerhaften Haltungsschaden haben.

Dein Ziel in dieser Unterhaltung sollte dreigeteilt sein. Du solltest:

  1. Ihre Ernährungsgewohnheiten subjektiv aufnehmen und dokumentieren.
  2. Ihr Unwohlsein oder Wohlsein beim Sprechen über Ernährung bemerken.
  3. Einen Prozess ins Rollen bringen, der sie selbst ihre Probleme mit ihren momentanen Essgewohnheiten und ihrer Denkweise erkennen lässt.
(Bildquelle: Pixabay.com / AlexVan ; CC Lizenz)

Frauen erliegen wie Männer bestimmten Denkmustern, die es langsam zu verändern gilt – hin zu einer wirklich gesunden und sportlergerechten Ernährung, die Leistung erlaubt (und nicht sabotiert!) (Bildquelle: Pixabay.com / AlexVan ; CC Lizenz)

Nochmal: Du fragst, sie antwortet. Du hörst zu, du hörst noch mehr zu, du fragst und du hörst wieder zu, Du unterbrichst nicht und du wertest nicht. Du sagst nicht dass Gluten der Teufel ist und das sich der liebe Gott auch „nach Paleo“ ernähren würde, wenn er denn essen täte. Und du empfiehlst auch nicht sechs kleine Mahlzeiten am Tag, weil du ein Amateur-Bodybuilder bist und deshalb jeder so essen müsse, wie du.

Deine anschließende Unterhaltung über Ernährung nach dieser ersten Bestandsaufnahme sollte sich entweder auf Aufklärung und/oder der langsamen Veränderung des Denkmusters fokussieren. Ich habe sehr viele weibliche Kunden, mit denen ich sehr oft rede und ich habe welche, die mehr klare Aufklärung und Bildung brauchen, während andere eher selbstständig sind. Ungeachtet dessen kann jede von ihnen ein wenig Bildung mehr in diesem Bereich gebrauchen.

Dass jetzt wieder jemand aufschreit “Trainer sollten keine Diäten empfehlen” oder “wir sich doch keine Psychiater“ hat nichts damit zu tun, Ernährungsaufklärung zu leisten. Du hast sicher Recht, dass wir keine Psychiater sind und wenn dir der ganze Ablauf unbequem und überfordernd scheint, dann lass dich nicht daran stören. Wenn du jedoch jemand bist der weiß wie man eine authentische Beziehung mit seinen weiblichen Kunden aufbaut und ihnen bestmöglich weiterhelfen möchtestt, dann kennst du auch Möglichkeiten sie bestmöglich zu informieren, damit sie genauso zielstrebig bei der Sache sind, wie sie es von Hause aus von ihrer Zwangsstörung her kennen.

Für den Fall, dass das jetzt übermäßig analysierend wirkt, bedenke bitte noch einmal, dass es sehr stark von der einzelnen Person abhängt. Ich hatte stundenlange Diskussionen über mehrere Sitzungen mit Kundinnen bezüglich ihrer Beziehung zum Essen. Ich hatte auch zehnminütige Gespräche mit Kundinnen, die vollkommen gesund waren und nur rein paar Tipps zur Verbesserung der Ernährung rund um das Training brauchten und das war‘s.

Abschließende Worte

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Zum Abschluss dieser ersten Abhandlung hoffe ich, dass jeder, der dies gelesen hat, etwas für sich mitnehmen und es bei seinem oder ihrem Training in die Tat umsetzen kann. Wahrscheinlich hast du ein paar Trugschlüsse bei dir selbst entdecken können.

Im zweiten Teil werde ich Erdnussbutter und Detox diskutieren und mich darauf konzentrieren, einige häufige Ernährungsmythen aufzuschlüsseln, die zu solchen gestörten Denkweisen beitragen können. Ich hoffe es gelingt mit eine konstruktive Diskussion darüber ins Rollen zu bringen, wie die Fitnessindustrie als Ganzes besser an die Frau gebracht werden kann und dass es zu einer Verschiebung hin zu mehr Rationalität im Denkmuster kommt.

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Bildquelle Titelbild: Flickr / Oscar Rethwill ; CC Lizenz

Über den Übersetzer

Simon aka „Simme“ verstärkt seit 2012 als Autor und aktiver Moderator das Aesir Sports Team und hat bereits durch zahlreiche elaborierte und fundiert-recherchierte Artikel seine Expertise im Fachbereich der Ernährung, Ernährungsberatung und Supplementation bewiesen. (Seine Ingredenzien-Analysen suchen mittlerweile seinesgleichen im deutschen Sprachraum).

Als Experte in Sachen Ernährung hält Simme den Moderatorposten (Bereich: Ernährung, Supplements und Diät im Bodybuilding) im Forum der größten deutschsprachigen Bodybuilding-Website im Netz, „der Szene“ (BBSzene.com), inne.

Als passionierter Eisenkrieger, verfügt über ein breites Wissensspektrum im Kraftsport und interessiert sich vor allem für das Wettkampfbodybuilding.

Simon hat sein Studium der Ökotrophologe beendet und widmet sich derzeit seinem Master an der Universität Jena. (Hauptfach: Master of Molecular Nutrition)

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  • Karo

    Aloa Semme, danke für diesen Artikel. Ich finde, dass du vollkommen Recht hast. Man sagt immer: eine Frau sollte genauso trainieren wie ein Mann, ok, stimme ich zu aber zur Ernährung sagen wenige etwas. Hier unterscheiden sich die Geschlechter deutlich von einander (KFA, Stoffwechsel, Hormone ..). Mich würde es sehr freuen, wenn hier das Thema weiter verfolgt wird. Sehr interessant fände ich einen Beitrag dazu, warum Kalorienzählen bzw. ein Defizit nichts bringt, da ich genau diese Erfahrung gemacht habe. Ob ich nun 1500 oder 2100 Kalorien täglich esse – es verändert sich einfach nichts :S

    Viele Grüße
    Karo

    • Simme

      Hi Karo

      Da bin ich ganz bei dir.

      Den Text habe ich nicht selbst geschrieben, aber er entspricht zum größten Teil meiner persönlichen Meinung.
      Der Text ist aus dem Englischen übersetzt und stammt aus der Feder von Alexander Cortes, so wie es oben steht.
      Es ist der zweite Teil den ich aus der Artikelreihe übersetzt habe und ein paar sind noch übrig :)

      Beste Grüße
      Simme

  • Mark

    Danke für den Artikel. Genau das, was ich für meinen Schatz brauche.
    Ich danke Euch.

    :-)

    • Simme

      Gerne lieber Mark :)