Das Orchester des Muskelaufbaus – Wie unterschiedliche Hormone ein anaboles Umfeld erschaffen – Teil 3: Wachstumshormon

Das Orchester des Muskelaufbaus – Wie unterschiedliche Hormone ein anaboles Umfeld erschaffen – Teil 3: Wachstumshormon

4 Kommentare

Von Damian N. Minichowski |

Nachdem der liebe Leser genug Zeit hatte, um den letzten Artikel aus der „Orchester“-Reihe (Insulin) sacken zu lassen, ist es wiederum an der Zeit für eine weitere Dosis Anabolismus (oder so ähnlich). Im heutigen Fokus steht deswegen das Wachstumshormon (Somatropin oder engl. „growth hormone“ – GH) und seine Wirkung in der Ouvertüre des (erfolgreichen) Muskelaufbaus.

Eingefleischten AesirSports-Lesern dürfte das Wachstumshormon gar nicht so fremd erscheinen, immerhin nimmt es eine zentrale Rolle im Ernährungskonzept des Intermittent Fastings ein – salopp gesprochen ist es einer der wichtigen Faktoren, die dafür sorgen, dass uns während der Fastenphase die Muskulatur nicht flöten geht, denn auch wenn am Ende der Kaskade ein anaboler Effekt zu erwarten ist, so besteht seine Hauptaufgabe doch darin anti-katabol zu wirken (ein Aspekt, der hoffentlich im Laufe des Artikels deutlich wird) und ohne Training und eine entsprechen Ernährung ist ja ohnehin kein Aufbau schierer Masse zu erwarten. Ein anaboles Hormon macht also noch lange keinen Adonis.

Inhaltsverzeichnis: Das Orchester des Muskelaufbaus – Wie unterschiedliche Hormone ein anaboles Umfeld erschaffen

Das Orchester des Muskelaufbaus – Wie unterschiedliche Hormone ein anaboles Umfeld erschaffen – Teil 3: Wachstumshormon

Wachstumshormon: Eine kurze Einführung

(Bildquelle: Wikimedia.org ; ; Mikael Häggström ; CC Lizenz)

Bei Wachstumshormon (growth hormone) handelt es sich um ein Peptidhormon, welches in der Adenophyse gebildet wird. Es wirkt u.a. auf Leber und Muskelzellen und – mittels IGF-1, welches infolge einer hohen GH-Konzentration in der Leber synthetisiert wird, auf das (Knochen)-Wachstum. (Bildquelle: Wikimedia.org ; ; Mikael Häggström ; CC Lizenz)

Um zu verstehen, was etwas tut, sollte man zuallererst wissen, was es ist – wie also könnte man besser loslegen, wenn nicht mit einer kurzen überblicksartigen Einführung zum Wachstumshormon?

Beim Wachstumshormon handelt es sich um ein sogenanntes Peptidhormon, welches in der Hypophyse (konkret: Adenophyse) gebildet wird. Es ist aber nicht nur unter diesem Namen bekannt und die Chancen stehen groß, dass du es bereits unter einem der vielen Synonyme (etwa Somatropin, Somatropes Hormon, Human Growth Hormone oder einfach nur Growth Hormone) gehört hast. Das ist im Übrigen das gleiche Hormon, mit dem viele Profi-Bodybuilder gerne nachhelfen, wenn es um kompromisslosen Muskelaufbau geht.

Aber: Wachstumshormon („Wachs“) ist nicht so wählerisch, wenn es um Wachstum geht. Da bei ausreichendem Abusus auch alles andere (inkl. Organe) wächst, kommen wir in den Genuss bei sehr vielen Profis den berühmt-berüchtigten Kugelbauch zu erleben, den man vor einigen Jahren so in der Form noch nicht kannte (einfach mal bei Onkel Google „growth hormone stomach“ eingeben).

Wachstumshormon: Zu viel? Zu wenig?

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, warum die lieben Kleinen während ihrer Kindheit einen so rasanten Wachstumsschub erleben, der liegt mit großen Schüben an Wachstumshormon schon goldrichtig: Zu wenig davon sorgt für ein beeinträchtigtes Längenwachstums. Wer im Erwachsenenalter von Haus aus zu wenig GH produziert, kann indes mit einer reduzierten Knochendichte, mehr Körperfett sowie einem geringeren Muskelmasseanteil rechnen [1]. Bei einer Überproduktion kommt es dagegen zum Riesenwuchs – einem pathologischen Zustand, der auch als Akromegalie bekannt ist und der nicht nur zu einer Vergrößerung der Extremitäten führt, sondern auch im Gesicht dafür sorgt, dass Körperteile wie Kinn, Unterkiefer, Nase und Ohren wachsen (diese Auswirkungen sieht man im Übrigen auch im Profi-BB-Segment, wo GH genutzt wird).

(Bildquelle: Wikimedia.org / Philippe Chanson ; CC Lizenz)

Markant: Bei einem gesunden Menschen wird GH in einem “pulsatile pattern” ausgestoßen, d.h. dass sich Perioden niedriger Konzentration mit mehr oder weniger heftigen Ausstößen abechseln. Anders dagegen beim pathologischen Zustand einer Akromegalie (Riesenwuchs), wie er z.B. durch einen Tumor ausgelöst wird. Es wird permanent GH ausgeschüttet – dies führt u.a. zu einer Vergrößerung der Körperteile (Extremitäten, Gesicht). (Bildquelle: Wikimedia.org / Philippe Chanson ; CC Lizenz)

Wachstumshormon: Wie wird es reguliert?

Über den Regulationsmechanismus und die Art und Weise, wie GH ausgeschüttet wird, habe ich bereits im Artikel „BB-Mythbuster: Kohlenhydrate am Abend & Wachstumshormonausschüttung“ berichtet. Die GH-Ausschüttung wird im Körper über einen Faktor reguliert, den man Growth Hormone Releasing Hormone (GhRH) – oder auch Somatoliberinnennt und der im Hypothalamus, der hormonellen Steuerzentrale im Gehirn, gebildet wird. Von dort aus wandert es zur Adenophyse und sorgt für eine Ausschüttung von GH.

Dieses Releasing Hormone unterliegt im Übrigen ebenfalls einer Regulation, nämlich mittels Somatostatin, welches die Freisetzung des GhRH hemmt. Weiterhin sorgen Kohlenhydrate, freie Fettsäuren, IGF-1 sowie GH selbst für eine Inhibition, der eine zu hohe Ausschüttung verhindert [2]. Der Körper arbeitet eben doch sehr schlau mit Feedback-Mechanismen.

Alles in allem ergibt sich daraus im Beisein zahlreicher Faktoren ein stetiges Wechselspiel mit zirkadianer Rhythmik, wobei man sagen kann, dass der Peak, also der GH-Zenit (höchste Konzentration des Tages) in den Abendstunden liegt, sofern man sich die Plauze nicht mit einer Wagenladung Kohlenhydraten vor dem zu Bett gehen vollstopft (für weitere Infos bezüglich des Timings, siehe den oberen verlinkten Artikel).

Wachstumshormon: Ein Beschützer der Proteinspeicher („Muskeln“)

(Bildquelle: Horber/Haymond (1990))

Der “protein sparing effect” des Wachstumshormons bei der Arbeit: Horber & Haymond zeigten, dass GH die Oxidation von Proteinen, allen voran Leucin, reduziert (und den katabolen Effekt des Glucocorticodis Prednison aushebelt) – und so für eine bessere Stickstoffretention sorgen kann. (Bildquelle: Horber/Haymond (1990))

Der letzte Artikel zu Insulin hat bereits mit einigen Mythen rund um die anabole Wirkung des Speicherhormons aufgeräumt – darin hast du beispielsweise gelernt, dass auch der vermeintliche anabolste Global Player nicht in der Lage ist den lokalen Katabolismus vollständig auszuhebeln, dafür aber die Proteinsynthese (vor allem zusammen mit Protein) erheblich verstärken kann. Wie steht es nun mit dem Wachstumshormon? Wirkt es auf ähnlichem Wege?

Ich denke, das kann man getrost verneinen. Der anabole Effekt, der am Ende der GH-Kaskade steckt, ist ein anderer als für Insulin. Tatsächlich ist es so, dass das Wachstumshormon den globalen Abbau von Protein (Proteolyse) kaum tangiert, dafür aber die Oxidationsrate der Aminosäuren reduziert [3][4]. Stehen mehr Aminosäuren zur Verfügung, kann der Körper damit etwas Sinnvolles anstellen – zum Beispiel Muskeln aufbauen [1][[2][3][4][5][6][7].

Das heißt in Laiensprache ausgedrückt: Wachstumshormon (GH) sorgt für eine Verschiebung der Substratnutzung, wenn beispielsweise ein Energieengpass vorliegt (wie z.B. der nächtlichen „Fasten“-Phase oder – für IFler – auch während des Tages). Folglich besteht die Aufgabe des Wachstumshormons darin zu verhindern, dass Aminosäuren in größerer Menge zur Deckung des Energiebedarfs beitragen. Protein ist kostbar und wäre es nicht klüger an seiner statt etwas zu verheizen, was stärker bevorratet ist (z.B. Körperfett?).

Natürlich wäre es das.

Gäbe es diesen Prozess – diesen Sicherungsmechanismus, wenn man so will – nicht, so würden wir uns in einer Phase des akuten Energiemangels sehr schnell sämtliche Proteinspeicher für etwas weghungern, wofür andere Makronährstoffe besser geeignet sind (nämlich Kohlenhydrate und Fette).

Damit lässt sich der anti-katabole Effekt von GH schon sehr gut verdeutlichen, aber das bringt uns hinsichtlich des Muskelaufbaus nicht besonders viel oder? Hat Wachstumshormon auch anabole Kapazitäten?

Wachstumshormon: Downstream-Effekte für anabole Wirkung?

Auf welchem Wege trägt das Wachstumshormon zu einer Maximierung des Muskelmasseanteils bei? Es sind zwei Wege:

  1. Zum einen reduziert es die Oxidation von Aminosäuren zur Energiebedarfsdeckung. Der lokale Aminosäurepool ist, wie wir bereits im Insulin-Artikel erfahren haben, ein Flaschenhals, der sehr wohl dazu führen kann, dass die Proteinsynthese versiegt, wenn die entsprechenden Aminos fehlen. Wachstumshormon stoppt vor allem die Oxidation von Leucin, einer Schlüsselaminosäure für die Proteinsynthese [3].
  2. Wachstumshormon sorgt dafür, dass ein weiteres Hormon gebildet wird – nämlich der Insulinähnliche Wachstumsfaktor 1 (IGF-1 aka Somatomedin C). Es heißt insulinähnlich, weil es strukturell und in seinem Wirkungsspektrum dem Speicherhormon Insulin gleicht (zirka 48-49 % identisch) und anaboles Potenzial besitzt.

Der Insulinähnliche Wachstumsfaktor wirkt autokrin (systemisch) und parakrin (lokal) und gliedert sich wiederum selbst in unterschiedliche Variationen. Du hast vielleicht bereits gelesen, dass Training selbst – die Belastung und Dehnung der Muskulatur – eine anabole Kaskade auslöst, welche die Proteinsynthese verstärkt (und Satellitenzellen aktiviert). Das geschieht, indem lokal MGF (mechano growth factor) gebildet wird, eine Variation des IGF-1. Das ist schon selbst ein spannendes Thema und wer mehr dazu erfahren möchte, der kann dies beim Kollegen Crom nachlesen („Boost Your IGF-1: 5 Ernährungsstrategien für besseren Muskelaufbau“) – aber ohne vorgreifen zu wollen: auf IGF-1 kommen wir auch noch in späteren Teilen zu sprechen.

Das GH-IGF-1-System

Das GH-IGF-1-System: Schwer voneinander zu trennen und sehr genau über Feedback-Mechanismen reguliert. Funktionen und Aufgaben, die eher dem Wachstumshormon (Hohe Konzentration) zuzurechnen sind, befinden sich auf der rechten Seite. Funktionen, die eher auf eine hohe IGF-1 Konzentration zurückzuführen sind, auf der Linken. Klar ist: Ohne das eine, gibt es auch nicht das andere.  (Bildquelle: Brooks & Waters (2010))

Verabreicht man Patienten Wachstumshormon, so lässt sich eine Steigerung der globalen Proteinsynthese feststellen [3][4], was allerdings den Katabolismus von Muskelprotein nicht verhindern kann. So fanden Copeland/Nair (1994) heraus, dass das Treatment mit Wachstumshormon zwar zu einer Stickstoffretention von 32mg Protein führt, in der Muskulatur aber dennoch 77mg Protein abgebaut werden. Ohne Regelfunktion würde dies zu einem täglichen Proteinabbau von 1,8g an Skelettmuskulatur führen:

„Our data thus demonstrate an acute stimulatory effect of GH on lipolysis, a decrease in leucine oxidation, and no stimulation of muscle protein synthesis in spite of enhanced protein synthesis in nonmuscle tissue.” – [3]

Wenn es nach dieser Untersuchung ginge, dann könnte man das anabole Potenzial von GH vergessen und die Akte schließen. Damit hätten wir allerdings den zweiten Effekt vernachlässigt, denn die IGF-1 Produktion braucht einige Stunden, bis sie ihren Peak nach der GH-Ausschüttung / Verabreichung erreicht hat [20][21].

(Bildquelle: Suppversity /

Wachstumshormon & Muskelaufbau: In einer Untersuchung von Yarasheski trainierten 16 junger Männer und erhielten dabei entweder 40 µg/Tag GH oder ein Placebo über einen Zeitraum von 12 Wochen: Die anabole Wirkung ist marginal, doch wie kommt es zu einem solchen Anstieg der Magermasse (fat-free mass?. Das Zauberwort lautet Lipolyse – Mobilisierung von Fettreserven und ein markantes Absinken des Körperfettanteils bei identischer Muskelmenge. ((Bildquelle: Suppversity (2015) / Yarasheski (2012))

In der kurzen First scheint das Wachstumshormon also keinen gewünschten Muskelaufbau-Effekt herbeizuführen, doch dies kann langfristig anders aussehen – denn es sorgt dafür, dass autokrines und parakrines IGF-1 produziert wird: Ersteres in der Leber, von wo es im gesamten Systemkreislauf zirkuliert und zweiteres in den Muskelzellen selbst, wo es Einfluss auf die benachbarten Zellen ausübt.

Tatsächlich ist nicht nur GH in der Lage diese Ausschüttung dieses gewünschten anabolen IGF-1 herbeizuführen – Testosteron kann dies ebenso [22], weshalb es ja auch zu den anabolen Steroiden gehört. Wenn man also einen längeren Zeithorizont in Betracht zieht, lässt sich der Muskelzuwachs in Patienten, die GH verabreicht bekommen haben [10][11][12], sehr wohl dadurch erklären, das IGF-1 abseits seiner anabolen Wirkung (Proteinsynthese) auch anti-katabol wirkt [23] (und GH eben zu einem Anstieg der IGF-1 Konzentration führt).

Das ist aber nicht alles: Wo Insulin lediglich den Aminosäure-Influx (Transport der Aminosäure über die Membran in die Zelle) von Alanin und Lysin [24] verbessert, ermöglicht die hohe Konzentration an GH einen verbesserten Influx der Aminosäuren Leucin und Phenylalanin (und vermutlich auch den Transport der anderen BCAAs, Iosleucin und Valin, sowie Tyrosin) [14[15][16]. Es verbessert aber nicht nur die Aufnahme der Aminosäuren, sondern sorgt auch gleichzeitig für eine Eindämmung des Katabolismus. Dieser anti-katabole Effekt manifestiert sich durch eine Reduktion bei der Verstoffwechselung der verzweigtkettigen Aminosäuren, die wertvollen BCAAs, zu denen Leucin, Valin und Isoleucin gehören [6][14[17]].

Eine solche Hemmung bedeutet in der Praxis nichts weiter, als dass wichtige Proteinbausteine für die Synthese neuer Muskulatur zur Verfügung stehen.

Wie du dich vielleicht noch aus dem vergangenen Artikel erinnern kannst, hebelt Insulin alleine den Proteinabbau lokal – also in der Muskelzelle – nicht wirklich effizient aus. Da das Training selbst aber eine Art von Kreislauf erschafft, der für eine erhöhte Ausschüttung von Wachstumshormon (vermutlich mittels eines Anstiegs der Laktat-Werte [27]) sorgt, profitierst du bei einem Post-Workout-Shake gleich doppelt, wenn du diesen mit kurzkettigen Kohlenhydraten veredelst und den anabolen Effekt des Insulins mitnimmst.

Wachstumshormon: Der Fall Glutamin

Wo Licht ist, da gibt es auch immer Schatten und bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt (Okay, 5 € ins Phrasenschwein, ta-tsching). Die beiden Aminosäuren Alanin und Glutamin nehmen eine wichtige Funktion in der Aufrechterhaltung des Energiestoffwechsel dar. Letzteres vor allem durch die Fixierung des (durch das Training anfallendem) Ammoniaks (über Glutamat) und der Verstoffwechselung zu α-Ketoglutarat (Citrat-Zyklus!).

(BIldquelle: Wikimedia.org / Sybille Mazurek ; CC Lizenz)

Intensives Training sorgt für Energieengpäße: Die Glutaminolyse leistet einen nicht unerheblichen Beitrag zur Energiebereitstellung, indem Glutamin herausgelöst und in zwei Schritten zu alpha-Ketoglutarat umgewandelt wird. Bei der sogenannten Desaminierung von Glutamin entstehen die Produkte Glutamat und Ammoniak. (Bildquelle: Wikimedia.org / Sybille Mazurek ; CC Lizenz)

Oder simpel ausgedrückt: Intensiver Kraftsport sorgt dafür, dass die beiden Aminosäuren Alanin und Glutamin (in der Muskulatur) verstoffwechselt werden – das ist natürlich vereinfacht ausgedrückt, denn in Wahrheit sind es nicht nur die zwei Aminosäuren, die zur Energiebedarfsdeckung beitragen. Jetzt weißt du auch, woher der Ausspruch stammt „Training wirkt immer katabol“, denn wenn du diese Prozesse stoppen würdest, dann könntest du auch nicht wirklich intensiv trainieren. Fehlen die Aminos, dann werden sie eben über den Abbau von Körperprotein lokal herausgelöst, um die Energiebereitstellung am Laufen zu halten und Stoffwechselprodukte, die durch das Training entstehen (Pyruvat, Laktat) abzutransportieren (und schlussendlich in der Leber zu recyclen).

Nicht nur das Training selbst wirkt katabol: Verletzungen und Verbrennungen jeglicher Art bedingen eine erhöhte Proteinaufnahme, damit genügend Bausteine zur Regeneration des traumatisierten Gewebes zur Verfügung stehen. Alanin und Glutamin werden bei verletzten Patienten in einer größeren Menge aus der Muskulatur freigesetzt – dummerweise scheint Wachstumshormon die Synthese von Glutamin in der Muskelzelle um bis zu 50 % und im gesamten Organismus um bis zu 15% zu hemmen [14] – hier isser wieder – unser protein-einsparender Effekt.

Die Aminosäure Glutamin leistet aber nicht nur einen wichtigen Auftrag, wenn es um die Aufrechterhaltung des Energiestoffwechsels geht, sondern ist auch eines der Schlüsselelemente im menschlichen Immunsystem – dies würde schließlich erklären, weshalb Patienten, die mit Wachstumshormon behandelt werden, auch eine höhere Sterblichkeit aufweisen [25].

Die Lösung mag mehr als so oft trivial wirken: Glutamin supplementieren.

Das Problem dürften hier aber die Wenigsten betreffen, sofern sie nicht gerade einen schweren Unfall mit Gewalteinwirkung hinter sich haben oder mit Wachstumshormon *hust* „behandelt“ *hust* werden. In solchen Fällen würde es Sinn machen seinem Glück durch die Ergänzung von Glutamin ein wenig auf die Sprünge zu helfen, damit genug davon im Körper vorhanden ist.

Wachstumshormon: Modulation und praktische Relevanz

Intermittent Fasting und Wachstumshormon: (Bildquelle: Ho (2012))

Intermittent Fasting und Wachstumshormon: Nahrungsabstinenz führt schon nach wenigen Stunden zu erhöhten GH-Spiegeln. Dies sorgt u.a. dafür, dass wertvolle Muskulatur (und Glukose) bewahrt und der Energiestoffwechsel zu Gunsten der Fettoxidation verschoben wird.  Schwarze Punkte bilden die GH-Konzentration von fastenden Individuen ab. Weiße Vierecke die von “normal essenden” Personen. (n=6) (Bildquelle: Ho, et al. (2012))

Im Gegensatz zu Insulin, welches jeder von uns zumindest ansatzweise und bewusst über die Ernährung (Kohlenhydrate und Protein) beeinflussen bzw. steuern kann, ist es im Falle des Wachstumshormons ein wenig komplizierter – aber nicht gänzlich out of control.

Zum einen sind Kohlenhydrate als Insulin-Mediatoren von Haus aus eine Stellschraube, mit der man die GH-Ausschüttung manipulieren kann (Hoher Insulinspiegel = Hemmung der GH-Ausschüttung), zum anderen lässt sich das Wachstumshormon durch die gewählte Ernährungsform (Intermittent Fasting) modulieren [26] – und das nicht zu knapp: Ein Anstieg der GH-Sekretion durch IF (Fasten) liegt irgendwo im Rahmen von +1.300-2.000% (kein Tippfehler) [28].

Erklären lässt sich das sehr einfach, denn wie du erfahren hast, erfüllt das Wachstumshormon u.a. die Funktion der Proteinkonservierung – es sorgt dafür, dass der Körper nach wenigen Stunden der Nahrungsabstinenz nicht in Rekordzeit muskelarm dasteht. Insofern bedeutet ein hoher GH-Spiegel im Kaloriendefizit nicht unbedingt, dass du viel Masse aufbauen kannst oder wirst – die physikalischen Gesetze (Thermodynamik) kann es nicht aus den Angeln heben! Eine hohe GH-Konzentration mag aus anti-kataboler Sicht sehr wohl erstrebenswert sein, aber ohne den Aufbaureiz, ein Energieplus und genug Eiweißbausteine wirst du damit nicht in nennenswertem Umfang aufbauen! (Niemals vergessen! Ohne Baumaterial keine Muskeln).

(Bildquelle: Nass, RM. (2010)

Glukose- und Wachstumshormonstoffwechsel: Sie hängen zusammen. Glukosemangel – Was passiert? Das Hungerhormon Ghrelin wird aus Preproghrelin mit Hilfe des Enzyms GOAT gebildet (und über Insulin gehemmt). Die erhöhte Ghrelinkonzentration sorgt für einen GH-Ausschüttung, während das Hungerhormon gleichzeitig in der Leber die Glukoseproduktion antreibt und in Fett- und Muskelzellen dafür sorgt, das weniger Glukose aufgenommen wird. GH tut dies ebenfalls, aber es sorgt gleichzeitig für eine verstärkte Lipolyse (Fettverbrennung), um Energie durch freie Fettsäuren bereitzustellen. Hohe IGF-1 Spiegel hemmen die GH-Ausschüttung; hohe Ghrelinspiegel fördern die GH-Ausschüttung (Bildquelle: Nass, RM. (2010))

Fun Fact: Wann wird GH eigentlich so im Laufe des Tages ausgeschüttet (mal von der Schlafenszeit abgesehen)? Die Antwort: Wenn der (kleine) Hunger kommt.

Kennst du Ghrelin? Das Hungerhormon? Ja? Wird u.a. ausgeschüttet, wenn der Magen leer ist und der Körper nix zum verdauen hat. Weißt du auch wofür Ghrelin steht? Growth hormone releasing initiaton factor – Wenn’s klingelt, dann aber richtig. Interessant wird es, wenn du temporär einen akuten Energiemangel simulierst, aber absolut betrachtet (also im gesamten Tagesverlauf) doch noch auf deine erforderliche Menge an Kalorien und Protein kommst – denn dann ist Muskelaufbau sehr wohl machbar und realistisch, sonst würde IF nicht funktionieren.

GH Secretagouges – Substanzen, die zu einer vermehrten Wachstumshormonausschüttung beitragen

Nachdem das nun geklärt ist, möchte ich im letzten Atemzug noch einmal auf Substanzen eingehen, die man als sogenannte „gh secretagogues“ bezeichnet – unter diesem Sammelbegriff werden solche Sachen zusammengefasst, bei denen man nachgewiesen hat, dass sie die GH-Ausschüttung positiv beeinflussen können.

Was gehört dazu? Es sind zum größten Teil einzelne Aminosäuren, denen man eine solche Wirkung nachsagt (oder wo sie bereits klinisch nachgewiesen wurde). Zu den „gh secretagouges“ gehören etwa – Achtung inkl. Produkt-Link – Citrullin-Malat (6g) [35], Arginin (5-9g) [32], Arginin + Lysin (je 1.2mg von beidem) [33], Glutamin (2g) [30], D-Asparaginsäure (keine Angabe) [31], Creatine (20g) [34], Alpha-GPC (Glycerophosphocholine; 1.000mg akute Dosis) [29] und Melatonin (0,05 – 5mg) [36]. In Klammern stehen die jeweiligen Dosiermengen, bei denen der Effekt nachgewiesen wurde.

Eine Reduktion um bis zu 29% wird im Schnitt durch Nikotin (Rauchen) verursacht [36] – also lass den Glimmstängel liegen, mein Freund.

Dein Aesir Sports Support ist gefragt

Spürbare Effekte wird es wohl – abseits der regulären Wirkung der Sachen – wohl keine geben, aber falls du dich zum Experimentieren entschließt, würde ich mich natürlich freuen, wenn du zu einem der verlinkten Produkte greifst oder deine Supplemente, wenn möglich, über die entsprechenden Deal-Seiten (Myprotein, Body & Fit, Supplify) bei uns kaufst – so kannst du Aesir Sports ohne zusätzliche Kosten für dich finanziell unterstützen und wir pumpen das Geld in weiteren interessanten Content, der dich unterhalten (aber noch wichtiger) lehren wird. (Hey, weißt du wie lange ich an diesem Artikel gesessen habe… ;-) )

Abschließende Worte & Ausblick

Version-2-2Länger geworden als beabsichtigt, aber ich hoffe es hat sich für dich gelohnt. Sicher, du wirst jetzt nicht unbedingt 5 kg Extra-Masse durch diesen Artikel aufbauen, aber du weißt nun zumindest zu 98 % besser über das Wachstumshormon, seine Rolle im menschlichen Körper – aber vor allem sein anaboles Potenzial und wie es in der Synergie mit anderen Hormonen arbeitet, Bescheid als andere. Noch mehr: Du weißt jetzt, wie es für Muskelaufbau sorgt und deine hart erarbeitete Muskulatur schützt. Wenn also das nächste Mal der Hunger bei dir anklopft (Ghrelin ↑) solltest du die Ruhe bewahren – es ist nur dein Körper, der darin bestrebt ist deine Muskeln vor dem Abbau zu schützen, Zucker fürs zentrale Nervensystem zu reservieren und den Fettstoffwechsel anzuschieben (Und keine Ahnung wie es dir dabei ergeht, aber ich finde solche Insider-Informationen sehr hilfreich – und dann schiebt man auch nicht mehr Panik, wenn mal die Mahlzeit ausgelassen werden muss. Das Hungersignal ebbt sowieso nach 10-15 Minuten ab – Ablenkung ist hier das A und O).

Abgesehen davon würde einigen Menschen in unserer schönen Republik ein wenig Hunger ganz gut tun, oder? Das würde zumindest einmal die Wertschätzung für die Nahrung ein wenig steigern uns schlanker, leistungsfähiger und gesünder machen. Es ist ein natürliches Gefühl und der Mensch ist sehr gut für Zeiten der Nahrungskarenz vorbereitet.

Was kommt im 4. Teil? Das überlege ich mir noch. Zur Auswahl stehen IGF-1 oder die Schilddrüse. Vielleicht werf‘ ich auch eine Münze oder bearbeite die beiden Sachen in einem einzigen Artikel (so viel wie hier wird’s schon nicht werden – hoffentlich). Ich bin gespannt und ich hoffe ihr bleibt es auch. ;-)


Opt In Image
Werde zum Fitness- & Ernährungsexperten!
Schlanker, stärker, ästhetischer, gesünder!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte - neben weiteren hochwertigen und einzigartigen Infos rund um Fitness, Gesundheit & Ernährung - regelmäßige Updates und Neuigkeiten rund um Aesir Sports.

Unser Versprechen: Kein Spam - nur 100% Aesir Sports!


Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

Besuche meine Website
Alle Beiträge ansehen

Quellen & Referenzen


Bildquelle: Flickr.com / Casey Eriksen ; CC Lizenz


Teile diesen Artikel:
  • Axel

    Da haste ja wieder mal ‘nen klasse Artikel rausgehauen! Richtig genial zu lesen, fesselnd sogar!!
    Zitat: “Und keine Ahnung wie es dir dabei ergeht, aber ich finde solche Insider-Informationen sehr hilfreich – und dann schiebt man auch nicht mehr Panik, wenn mal die Mahlzeit ausgelassen werden muss. Das Hungersignal ebbt sowieso nach 10-15 Minuten ab – Ablenkung ist hier das A und O”
    –> Mir geht es genauso. Seit drei Wochen auf Diät im CBL Style und der morgendliche Hunger brachte mich manchmal echt in Panik-Situationen a lá ‘omg, meine wertvollen Gainzzz’ :’D
    Weiter so! :)

  • Hey, hey.

    Das nenne ich mal einen super Beitrag. Vielen Dank für diese Übersicht in Bezug auf Hormonen und die ganzen Informationen. Bin leider gerade auf der Arbeit, aber werde ich mir zuhause nochmal in Ruhe durchlesen.

    Gruß,
    Aaron

  • JonTheHack

    Super Artikel. Danke für die mühevolle Arbeit – es wird hier zu schätzen gewusst :)