Ein Löwe in Eisen – II: Ladies, Maße machen keinen Unterschied

Ein Löwe in Eisen – II: Ladies, Maße machen keinen Unterschied

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Vorwort von Damian Minichowski |

Die Zeiten werden zwar besser, aber es ist noch immer so, dass sich viele Frauen in ihrem Studio unwohl fühlen. Natürlich ist es schon ein großer Schritt, wenn die Dame ihre Angst überwunden und sich schon soweit durchgerungen hat, dass ohne große Furcht und Sorge regelmäßig ins Gym geht, um etwas für ihre körperliche Fitness, das persönliche Wohlbefinden und natürlich auch die langfristige Gesundheit zu tun.

Aber in dem Bereich unterscheiden sich die Damen nicht so sonderlich von den Herren – sie sind nur vorsichtiger und zurückhaltender. Gerade dann, wenn es die ersten Schritte in einem öffentlichen Raum sind, besteht eine gewisse Unsicherheit und falsche Scham. Wohl der trainierenden Frau, die realisiert, dass es im Studio nicht darum geht zu glotzen, sondern zu schwitzen und das wir da grundsätzlich alle im selben Boot sitzen.

Allerdings wird niemand als Fitness- und Ernährungsprofi geboren und so sind die meisten von uns – zumindest zu Beginn der Odyssee – auf das jeweilige Fachpersonal angewiesen. Fitnesstrainer kann heutzutage jeder sein, der weiß, wie man ein Trainingsgerät bedient oder die Hantel bestückt (ich weiß es, den ich habe in einem Studio gearbeitet; glaube mir, wenn ich dir sage, dass nicht jeder vom Personal auch wirklich ein ausgebildeter Fachtrainer ist).

Und auch bei den zertifizierten „Trainern“ gibt es viele schwarze Schafe, die dir zwar einen Trainingsplan schmieden und körperliche Kennzahlen nehmen können, aber in Sachen Coaching gnadenlos durchfallen. Ein guter Coach zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er dir einen Plan macht und dir sagt, welche Lebensmittel du essen darfst und welche nicht. Ein guter Coach geht auf deine Ziele und dich ein, er berücksichtigt deine berufliche und private Situation und erarbeitet zusammen mit dir Lösungen, die dich bei deiner Bestrebung unterstützen und voran bringen.

Aber woran erkennst du nun, ob dein Trainer nun sein Geld wert ist und zu den „Guten“ gehört oder ob er nur an dein Liebstes – nämlich deine Kohle für möglichst wenig Arbeit – will? Und wie steht es um Maße, etwa Körpergewicht und Umfänge – sind das die ultimativen Kennzahlen, auf die es wirklich ankommt? Oder gibt es da nicht noch … viel mehr?

Die Antwort bekommst du in unserem heutigen Teil aus der „Ein Löwe in Eisen“-Serie. (Hierbei handelt es sich um eine Artikelreihe, die sich speziell an unsere Damen richtet)

Die “Ein Löwe in Eisen”-Reihe

Du hast einen Teil verpasst? Kein Problem. Hier kannst du die bereits erschienenen Artikel noch einmal nachlesen:

Ein Löwe in Eisen – II: Ladies, Maße machen keinen Unterschied

Aus dem Englischen von Antonio De Pascali / copyright by elitefts.com & Alexander Cortes

Liebe Frauen: Die Maße zählen nicht!

(Bildquelle: Pixabay.com / mojzagrebinfo ; CC Lizenz

Waagen und Körpermaße sind gute objektive Methoden zur Evaluierung des Fortschritts – aber sie sind nicht alles, worauf es ankommt.(Bildquelle: Pixabay.com / mojzagrebinfo ; CC Lizenz)

Jeder der bereits im Bereich Personaltraining zu tun hatte weiß, dass das Thema Körpermaße einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt und dies vornehmlich bei den weiblichen Klienten. Bei Frauen fokussiert sich die Fitnessindustrie fast ausschließlich auf das Thema Gewichtsverlust und Abnehmen. Im Vordergrund – und somit als Maßstab für den Fortschritt – zählen die, mittels Maßband, ermittelten Umfänge mehr als alles andere. Wenn die Werte eine fallende Tendenz haben, dann ist alles gut. Der Erfolg der trainierenden Damen fokussiert sich nur noch darum, ob diejenigen die richtigen „Lifestyle“-Entscheidungen treffen, so dass die Maße in dem Umfang sinken, dass eine vom Trainer willkürlich festgelegte Kennzahl erreicht wird.

Ernsthaft?

Sieht so also das Investment in einen Personaltrainer aus? Ein Clown, der einen Caliper (Körperfettzange) benutzt, Maße & Umfänge zusammenrechnet und diese dann mit einer Tabelle vergleicht? Schwachsinnig? Ja – aber so sieht doch die bittere Realität aus. Tag für Tag.

Das „Coaching“ von A bis Z

Der ausgebildete Fitnesstrainer empfängt seine neue Klientin. Für das Wissen und die Arbeit muss natürlich eine nicht zu unterschätzenden Summe Geld gezahlt werden, denn schließlich handelt es sich bei dem Coaching um ein Einzel-+12-Wochenprogramm, welches speziell für diese eine Kundin entworfen wurde. Für den gezahlten Betrag werden dann selbstverständlich zunächst die Maße aufgenommen, die dann in eine kleine Tabelle eingetragen werden, während gleichzeitig die Körperkomposition ermittelt wird. Unter zu Hilfenahme einer weiteren Tabelle wird eine weitere Aussage darüber getroffen, ob man fit, normalgewichtig oder übergewichtig ist.

Als nächstes folgt der Griff zum Taschenrechner, um zu ermitteln wie lange es denn dauert, bis ihr „Ziel“ erreicht ist – dies hat der Trainer natürlich selbst festgelegt – es beträgt stramme 20 % Körperfettanteil. Bei einer Größe von 1,72m und einem Gewicht von 63,5 kg wird ein Zustand der „skinny-fatness“ konstatiert (wenig Muskeln, viel Fett), denn eine solche Diagnose klingt zunächst sehr dramatisch und soll den Ernst der Lage (und den Bedarf eines Coachings) noch einmal verdeutlichen. Diese Dame sollte am besten 56 kg wiegen – gemäß Tabellen, die auf Daten aus den 1970ern beruhen.

In den meisten Fällen folgt nun eine Aneinanderreihung an fadenscheinigen Fragen, welche die Beziehung der Dame zu ihrer alltäglichen Nahrung vollends außer Acht lässt. Probleme wie Magersucht („Anorexia“), Fresssucht („Binge Eating“), soziale Diskriminierung oder familiäre Probleme werden schlicht weg missachtet. Natürlich werden solche Dinge nur am Rande thematisiert, nicht ernsthaft in Angriff genommen – aber hey: Wenigstens werden die Maße kontinuierlich beäugt und getrackt! Und seien wir doch mal ehrlich: Bei den meisten Trainerlizenzen geht es nicht wirklich um ernsthaftes „Coaching“,

Weiterhin ist es egal, ob die Klientin den Sport als physiologisches Ventil genießt (etwa Stressabbau) und es ist auch irrelevant, ob der Trainer ihr jetzt etwas beibringt, was sie dazu veranlasst und motiviert echte mentale Paradigmenwechseln zu erreichen. Aber was solls! Der Trainer kann zumindest jeden einzelnen Knochen im Leib benennen und der guten Frau erklären, dass sie eher Quadrizeps-dominant ist und ihre Balance zu wünschen übrig lässt, wenn sie auf eine instabilen Fläche steht – weil DAS natürlich auch der springende Punkt bei der ganzen Sache ist, wenn man die Tabellen und Charts heranzieht, die eindeutig zeigen, dass der Frau die entsprechende Balance fehlt.

Statt Ursachenbekämpfung werden Symptome behandelt

(Bildquelle: Pixabay.com / skeeze ; CC Lizenz)

Die Wahl des richtigen Trainers kann der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleichen. Worauf es ankommt: Eine fruchtbare Zusammenarbeit und keine einseitige Symptombekämpfung. (Bildquelle: Pixabay.com / skeeze ; CC Lizenz)

Nun ist es also absolut irrelevant, ob dieser Zustand der „skinny-fatness“ bei der Frau aus dem Job, der Ehe, dem festen Freund, der Familie, den Kinder, einem ernsthaften Problemen mit Depression und innerer Unruhe, Stress oder einer Kombination aller Faktoren hervorgerufen wird: Der Trainer wird ihr nun alle zwei Wochen eine Bestanden-/Durchgefallen-Note aufs Auge drücken, indem er regelmäßig die Maße nimmt. Wenn sich diese Zahlen nun nach oben bewegen oder stagnieren, wird die Frau dafür gerügt, weil sie nicht die „richtigen“ Entscheidungen in Sachen Training und Ernährung getroffen hat, weil die Oberschenkelumfänge weder gesunken sind, noch sich die Zahl beim Caliper verändert hat. In einem solchen Fall weiß der Trainer einfach, dass die Dame ihn bezüglich der Nahrungsaufnahme einfach nur anlügt…

Ist das so? Ist es, verdammt nochmal, wirklich so?!

Und jetzt einmal Klartext: Solche Profis sind keine Trainer und sie sind keine Coaches. Das sind Menschen, die andere ausbeuten und sich als Gesundheits-Spezialisten ausgeben, während sie ihnen dabei gleichzeitig Kohle dafür für das Recht abknöpfen, sie zu Tode zu trainieren und den Stress sowie die Furcht bezüglich der Ernährung noch weiter verschlimmern. Diese Art von „Trainer“ hat die Berufung verfehlt, da sie niemandem dabei helfen sein Leben zum Positiven verändern.

Wir leben in einer kulturellen Umgebung, in der Frauen in Panik und Stress verfallen, wenn die Kleidergrößen steigen. Sie glauben, dass die Zahl auf der Waage sie auf eine magische Art und Weise glücklich machen wird und solche Banausen verstärken solche Glaubenssätze noch weiter, indem sie angeblich jene Maße tracken, die wirklich von entscheidender Bedeutung sind.

Scheiß auf die Maße, sage ich.

Worauf es wirklich ankommt

Und bevor ich an dieser Stelle dessen bezichtigt werde, dass ich nicht die „Maße“ kontrolliere und den „Fortschritt“ tracke: Natürlich notiere und kontrolliere auch ich diverse Kennzahlen – doch im Gegensatz zu den obig beschriebenen Trainern tracke ich die Größen, die wirklich zählen. Zum Beispiel zählt das Verständnis meiner Klientinnen bezüglich der 4 fundamentalen Bewegungen (nämlich die der Kniebeuge, Hüftmobilität, Press und Pull). Das Verständnis darüber, dass sie alle zur Gruppe der Athleten gehören, die allesamt körperlich stark durch progressives Training werden können. Das Verständnis darüber, dass sie genug essen müssen, um genug Energie fürs Leben zu haben – und das „genug Energie haben“ wirklich von entscheidender Bedeutung ist. Schlussendlich also das Verständnis darüber, dass wir hier daran arbeiten sie zu einer stärkeren und kraftvolleren Version ihrer selbst zu transformieren.

Es zählt, dass sich meine weiblichen Klienten in ihrer Kleidung und ihrer Haut wohlfühlen. Das sie Spaß daran haben, sich zum ersten Mal richtig zu bewegen und sich nicht von den Gewichten einschüchtern lassen. Mir ist wichtig, dass meine Damen in der Lage sind Liegestütze zu absolvieren und schwere Gegenstände hochheben können, ohne beim Tragen von Gepäck oder dem Öffnen von Marmeladengläsern die Hilfe eines Mannes in Anspruch nehmen zu müssen. Mir ist wichtig, dass sie keine Angst davor haben eine Langhantel hochzunehmen oder sich in einen „Männerbereich“ des Studios zu begeben. Ich ermutige Frauen, die ihre Freunde und Ehemänner zum Training ermutigen und in der Lage sind ihre Selbstsicherheit nach einer Trennung wieder aufzubauen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass diese Frauen einen gesunden Bezug zu ihren Körpern aufbauen und sich nicht als schwach empfinden. Es zählt körperlich wie geistig zu erstarken und es zu bleiben.

Denkst du etwa nicht, dass diese Frauen anders aussehen würden, wenn ich sie dazu bringen kann Klimmzüge, Liegestütze, Sprints, einen Kettlebell-Swing mit 24kg oder Kniebeugen und Kreuzheben mit einem Gewicht zu absolvieren, welches höher liegt als ihr eigenes Körpergewicht? Ich gebe ihnen die Erlaubnis zum Laufen, wenn sie das Laufen lieben und ich bestärke sie darin, dass es ihr gegebenes Recht ist ihr Essen zu genießen. Zusätzlich ermuntere ich sie dazu zu verstehen, dass das Gewicht auf der Stange letztlich mehr darüber aussagt, wie man sich im Leben schlägt und zurechtfindet, als eine Zahl auf der Waage es jemals können wird.

Das ist das, was zählt.

Abschließende Worte

(Bildquelle: Pixabay.com / AlexVan ; CC Lizenz)

Herausforderndes Krafttraining gehört in jedem Fall zu einem gesunden Lifestyle (in unserer heutigen Gesellschaft) dazu. Lass dich nicht mit “Cardio Only” abspeisen. (Bildquelle: Pixabay.com / AlexVan ; CC Lizenz)

Selbstverständlich zeichne ich die Fortschritte in ihren den Hauptbereichen, das Gewicht und die Gewichtsveränderungen auf. Ich notiere die Leistung beim Kniebeugen, beim Bankdrücken, beim Kreuzheben, bei den Liegestützen, Klimmzügen und Dips. Sie bewegen sich leichter und schneller und genießen jede einzelne Bewegung – und das erste Mal in ihrem Leben denken sie nicht von sich selbst, dass sie fragil sind. Veränderungen werden, so sie benötigt und erwünscht sind, vorgenommen und in kleinere und größere Ziele unterteilt. Und sofern es wirklich wert ist die Körperkomposition zu tracken, dann wird auch dies natürlich berücksichtigt, wenn es zu den Zielen gehört, die einvernehmlich festgelegt wurden. Alles wird festgehalten und ich stelle dabei sicher, dass meine Klientinnen jeden Tag kleinere PRs erreichen – was den guten Damen schlussendlich das Gefühl gibt selbstsicherer und fähigerer zu sein, als zu Beginn dieser Reise…weil sie es (geworden) sind!

Sie sind meine Schüler und ich versuche ihnen alles beizubringen was ich über Krafttraining, Gesundheit und Ernährung weiß. Ich rede mit ihnen über ihr privates Leben und stelle persönliche und professionelle Fragen darüber, denn ich will sie in allen Bereichen ihres Lebens vorantreiben. Ich bin ein Mann und sie vertrauen mir ihre Gesundheit an – letztendlich will ich alles in meiner Macht stehende tun, um ihnen zu helfen.

Auf der anderen Seite fordern sie mich täglich heraus und helfen auch mir ein besserer Trainer und Coach zu werden. Irgendwann bin ich nicht mehr für sie da und bin nicht mehr ihr Trainer. Bis dahin will ich aber sicherstellen ihnen beigebracht zu haben wie man stark, selbstbewusst und energievoll durch das Leben geht.

Das ist es, worum es wirklich geht. Seid Mehr – nicht weniger!


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Bildquelle Titelbild: Pixabay.com / skeeze ; CC Lizenz


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  • chantal

    Ich bin begeistert!
    Als Fitnessstudentin, Sportlerin und Trainerin ein wirklich motivierender und inspirierender Artikel.
    Denn darum geht es bei unserer Arbeit – den Menschen die zu uns kommen zu helfen!
    Daumen hoch :-)