Der Present-Bias: Falsche Entscheidungen – Ist deine innere Waage geeicht?

Der Present-Bias: Falsche Entscheidungen – Ist deine innere Waage geeicht?

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Von Carsten Dietrich |

Du als gesundheitsbewusster, den Fitness-Lifestyle lebender und AesirSports lesender Mensch stellst dir wahrscheinlich oft Fragen wie: „Warum essen Leute regelmäßig in Fastfood-Restaurants? Warum rauchen Leute? Warum trainieren Leute ihre verdammten Beine nicht und machen sich selbst zum „Krüppel“, obwohl Sie eigentlich wissen sollten, dass es für Ihre Zukunft schlecht ist?“

Man könnte jetzt vermuten, dass diese Menschen es einfach nicht besser wissen – Stopp! Ernsthaft? Die Medien überfluten dich damit, das Rauchen schlecht ist – es steht sogar auf jeder einzelnen Schachtel. Das der regelmäßige Besuch beim „Restaurant zum goldenen M“ weder gut für die Brieftasche, noch für deine Physis förderlich ist, dürfte auch klar sein. Zudem haben mittlerweile sogar die Verfechter des deutschen Raps erkannt, dass es mehr Muskeln am Körper gibt, als Brust, Bizeps und Schultern. Sicherlich wird es einige Ausnahmefälle geben, die es wirklich nicht besser wissen und mit Schauklappen durchs Leben gehen, aber was könnten die Gründe dafür sein, dass es der Rest der Bevölkerung tut (oft sogar noch mit schlechtem Gewissen?)

Der Present-Bias: Falsche Entscheidungen – Ist deine innere Waage geeicht?

Die Überbewertung der Gegenwart

Der Present Bias sorgt für ungesunde Entscheidungn, z.B. Rauchen

Das Rauchen gilt gemeinhin nicht als besonders gesund – das ist kein Geheimnis. Aber da die Folgen “in weiter Ferne” sind und man sie nicht direkt zu spüren bekommt (wie etwa einen Elektroschock) und die Folgen eher abstrakter Natur sind, wird das Rauchen als hinnehmbar angesehen, um die Lust zu befriedigen. Wie sähe es wohl mit Instant-Lungenkrebs durch den Glimmstängel aus? Würdest du dann weiterrauchen? Wohl eher nicht… (Bildquelle: Wikimedia.org / U.S. Air Force illustration by Airman 1st Class Brittany Perry ; CC Lizenz)

Wissenschaftler oder Psychologen beantworten die Frage mit dem sogenannten „Present-Bias“. Aber was steckt dahinter?

Menschen sind nur schwer dazu in der Lage, sich mit ihrem zukünftigen Ich, bzw. zukünftigen Dasein zu verbinden. Man weiß zwar, dass das Rauchen schlecht für die Gesundheit ist, macht es aber trotzdem, weil man die negativen Folgen nicht direkt mit seiner eigenen Zukunft verbinden kann und der Lungenkrebs sehr abstrakt wirkt. („Wie? Mir? Nee, mir passiert das nicht. Es geht bei so vielen gut, also schaffe auch ich es…irgendwie.“)

Bei vielen Entscheidungen, die du treffen musst, geht es darum einen Kompromiss zwischen Gegenwart und Zukunft zu finden. Das Abwägen zwischen Genuss und Verzicht, Schmerz und Wohlbefinden, Sparen oder Konsumieren, Stress und Ruhe usw. findet immer im Hier und Jetzt statt. Die langfristigen Folgen – positiv wie negativ – sind nicht wirklich greifbar und mehr oder weniger abstrakt – Und mit nicht greifbaren, abstrakten Dinge in ferner Zukunft können Menschen nur schwer umgehen.

Im Moment des Abwägens zwischen Gegenwart und Zukunft kommen in der Regel Gefühle und Emotionen zu Gunsten der Gegenwart auf wie: Verlust, Angst, Verzicht, Neid, die Angst etwas zu verpassen. Die angenehmen Gefühle aus der Gegenwart werden überbewertet und du entscheidest dich eventuell für eine Handlung, die deine Zukunft negativ beeinflussen wird und langfristige Zielsetzungen unerreichbar macht, aber in der Gegenwart etwas Positives für dich darstellt.

Dein Gehirn ist nicht effektiv und perfekt!

(Bildquelle: Pixabay.com / geralt ; CC Lizenz)

Man könnte annehmen, dass wir rationale Entscheidungen treffen – aber so funktioniert das menschliche Gehirn nicht. Mehr als oft handeln wir emotional und “aus dem Bauch heraus” – was sich positiv aber auch negativ auswirken kann. (Bildquelle: Pixabay.com / geralt ; CC Lizenz)

Zumindest nicht, wenn es darum geht rational zu denken. Aber eigentlich ist es doch genau das, was uns ausmacht, oder? Menschen können immer rational denken und entscheiden. – Falsch! Viel zu oft werden deine Entscheidungen von vielen anderen Dingen beeinflusst, etwa Stress, Informationsüberfluss (oder das Fehlen vitaler Informationen), die Täuschung durch andere und besonders von bereits gemachten Erfahrungen, deinem Unterbewussten. Der fürs rationale Denken zuständige Teil deines Gehirns ist viel zu oft überfordert und zu langsam, als das er alle Entscheidungen zu deinen Gunsten treffen könnte. Und was passiert dann? Die Entscheidung kann nicht auf sich warten lassen und muss im Zweifelsfall innerhalb weniger Augenblicke getroffen werden. Die Lösung: Der unterbewusste Teil deines Hirns springt dann ein und unterstützt dich bei der Entscheidungsfindung – und dies kann sich positiv wie negativ auswirken.

Ein einfaches Beispiel ist: Du musst dich entscheiden zwischen einem mageren Steak und einem Döner. Dir schmeckt grundsätzlich beides, allerdings verbindest du mit dem Döner unzählige gute Nächte auf der Piste, in denen es zum Abschluss noch einen Besuch mit deinen besten Kumpels beim Dönerladen deines Vertrauens gab. – Es dürfte klar sein, dass der Döner die Nase vorn hat bei der Entscheidungsproblematik. Das wichtige an dieser Stelle ist jedoch, dass du diesen Fakt der Übergewichtung kaum bewusst wahrnimmst und gar nicht genau nachvollziehen kannst, warum du dich für den Döner entschieden hast und gegen das Steak.

Es ist also wichtig, dass du dir bewusst machst, dass dein Hirn nicht immer perfekt und zu deinen Gunsten, besonders was Entscheidungen, die deine Zukunft betreffen, handelt. Diesen Fakt solltest du dir unbedingt bewusst machen.

Aber ich will doch im Hier und Jetzt leben, den Moment voll auskosten – Wer weiß schon was die Zukunft bringt?

Der Present Bias in der Ernährung: Apfel oder Schokolade?

Wir wissen alle, dass Schokolade lecker schmeckt aber in großen Mengen eher kein geeignetes Lebensmittel ist, während der Apfel einen gesunden und vitaminreichen Snack darstellt. Aber unsere Entscheidungen sind vom “Present Bias” verzerrt – es kommt oft zu Fehlentscheidungen, wenn es um das langfristige Wohl geht. (Bildquelle: Pixabay.com / artistlike ; CC LIzenz)

Viele Entscheidungen, die getroffen werden müssen, haben weitreichende und langfristige Folgen für das Leben. Viele entscheiden sich immer zu Gunsten der Gegenwart und gegen die Zukunft, weil sie lieber „den Moment leben“ wollen. Viele junge Menschen springen auf den Zug auf, den so mancher Guru als die größte Weisheit für ein glückliches Leben verkauft.

Grundsätzlich finde ich die Einstellung „den Moment leben und voll auskosten“ sehr gut und lebenswert. Doch meiner Meinung nach fehlinterpretieren viele Menschen diesen Gedanken gerne, um ihre Entscheidungen für das „Schlechte“ zu rechtfertigen. Für mich bedeutet der Gedanke nicht, Entscheidungen und Handlungen zu rechtfertigen, von denen ich weiß, dass sie negative Folgen auf mein Leben in der Zukunft haben werden. Sondern den Moment, die aktuelle Handlung und die präsenten Gefühle voll auszukosten und mich auf eine Sache zu fokussieren!

Der Idee vom alleinigen Leben in der Gegenwart ist, für mich sowieso nur ein netter Trugschluss. Kein Mensch kann weder seine Vergangenheit, noch seine Zukunft in der Gegenwart komplett ausblenden. Die Vergangenheit ist alleine schon durch dein Unterbewusstes immer präsent und die Zukunft das, auf das du dich in der Gegenwart vorbereitest, damit du wieder eine lebenswerte Gegenwart hast.

Wie eichst du deine innere Waage?

(Bildquelle: Wikimedia.org / NCI ; CC Lizenz)

Ist das dein Einkaufskorb? YOLO – man lebt bekanntlich nur einmal. Aber das macht die Entscheidung nicht wertvoller. (Bildquelle: Wikimedia.org / NCI ; CC Lizenz)

Wie so oft im Leben verspricht der Mittelweg bzw. die gleiche Gewichtung beider Arme der Waage, nämlich der Gegenwart und der Zukunft, derjenige zu sein, der sowohl für dein Dasein im Hier und Jetzt und deinem Dasein in der Zukunft, den besten Kompromiss darzustellen. Allerdings hast du in den Abschnitten zuvor gelernt, dass deine Waage „kaputt“ ist und die Gegenwart immer stark überbewerten wird. Du musst dir also etwas einfallen lassen, um diesen Fehler etwas zu kompensieren, oder die Waage neu zu eichen.

Ich schreibe bewusst „etwas“, denn letztendlich sollte für jeden Menschen die Gegenwart immer noch das Übergewicht besitzen, denn die Vergangenheit ist vorbei und lässt sich nicht mehr ändern und die Zukunft ist nie vollkommen gewiss und vorhersehbar – es sei denn du besitzt eine von diesen berühmt, berüchtigten Glaskugeln!

Falls deine Waage aber wirklich einen zu starken Messfehler hat, rate ich dir zu folgenden Dingen, um diesen Messfehler wieder auf ein gesundes Maß zu reduzieren:

  1. Erarbeite dir Routinen und Strategien für Momente und Entscheidungen von den weißt, dass du diese immer zu Ungunsten deiner Zukunft triffst. Hast du z.B. Probleme damit, jeden Monat einen bestimmten Anteil deines Einkommens zu sparen, dann setz einfach einen Dauerauftrag, der jedes Mal bei Gehaltseingang einen bestimmten Betrag von deinem Giro-Konto auf dein Sparkonto oder Depot überweist. „Pay yourself first“ lautet hier das Motto. Oder du weißt, dass du dazu neigst im Restaurant oder in der Kantine, zu der schlechteren Alternative für deine körperliche Entwicklung zu greifen. Dann bereitet dir einfach jeden Tag dein Essen vor, um dieser Entscheidung aus dem Weg zu gehen.
  2. Setz dir endlich genau definierte Ziele! – Und nein, „ich will abnehmen“ ist kein genau definiertes Ziel. Ich will 3kg abnehmen, oder 87kg wiegen schon eher. Am besten setzt du auch gleich eine absehbare Deadline und machst dir Teilziele auf dem Weg zum Gesamtziel (z.B. pro Woche -1kg) zu Nutze.. Kannst du deine Ziele nicht genau definieren und formulieren, lassen sie viel zu viel Spielraum für zusätzliche Entscheidungen und Gedanken. Und Entscheidungen sind nie komplett rational wie du gelernt hast. Das gleiche gilt im Übrigen auch für Probleme und Ängste. Erst wenn diese genau definiert und formuliert sind, lohnt es sich über deren Berechtigung und Lösung nachzudenken. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal darauf hinweisen, dass verschriftliche Ziele so viel mehr „Macht“ besitzen und antreiben, als bloße Gedanken und Worte. Studien haben gezeigt, dass die Verschriftlichung von Zielen und das regelmäßige wieder Vergegenwärtigen jener, die Quote für das Erreichen von Zielen erheblich erhöht
  3. Verbinde Schlechtes mit Gutem – Sozusagen um dein Unterbewusstes auszutricksen. Auf diese Weise kannst du die negativen Gefühle, die du in der Gegenwart bei einer Entscheidungsfindung empfindest mit positiven Gefühlen übertrumpfen und die für deine Zukunft bessere Entscheidung treffen.

Dieser Trick wird beispielweise oft im Fitness- und Ernährungsbereich angewandt, in denen Gruppen und Kurse erzeugt werden, die ein soziales Umfeld schaffen sollen. Alleine Sport machen und Abnehmen ist halt einfach langweiliger, als in der Gruppe. Natürlich enthält dieser Ansatz auch Gefahren. Nämlich wenn das positive langfristig zum negativen wird, oder anders gesagt: Das Workout zum Kaffeklatsch. Es könnte aber auch schon helfen, dass du beim lästigen FOAM-Rollen einfach ein Set deines Lieblings-DJ´s auflegst, oder das Holzhacken nicht als Last siehst, sondern als gutes Conditioning. Verändere und hinterfrage regelmäßig dein Blickwinkel auf bestimmte unangenehme Dinge.

Schließen möchte ich gerne mit einem Zitat, was dir nochmal vergegenwärtigt, dass es keinen Sinn macht, nur im Hier und Jetzt zu leben und dies meiner Meinung nach auch unmöglich ist.

„Die Gegenwart ist die Mutter der Zukunft und die Tochter der Vergangenheit“ – Thorsten Holt

Ich hoffe, dass es dir möglich ist, deine innere Waage so zu eichen, dass du all deine Ziele und Träume erfüllen kannst und gleichzeitig das Beste aus deiner Gegenwart zu machen.

Ein paar Leseempfehlungen zum Thema Entscheidungsfindung und Denkmuster des Menschen

  1. Wie wir entscheiden: Das erfolgreiche Zusammenspiel von Kopf und Bauch von Jonah Lehrer (Review von Damian: Klick)
  2. Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann
  3. Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen von Rolf Dobelli (Review von Damian: Klick)
  4. Die Kunst des klugen Handelns: 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen von Rolf Dobelli

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Über Carsten Dietrich

Carstens Leidenschaft für den Sport, besonders dem Kraftsport, wurde erst spät geweckt. Mittlerweile ist Carston schon einige Jahre am Eisen – er selbst würde sich vorwiegend im Bereich Powerlifting und Athletik-Training einordnen, wenngleich seine Interessen im Bereich Sport breit gefächert sind und er immer offen für Neues ist. Er verfolgt aktuell keine spezielle Ernährungsstrategie und setzt auf natürliche und weitestgehend unverarbeitete Lebensmitteln, woraus sich auch gleichzeitig die Leidenschaft fürs Kochen verstärkte.

Da er keinen Mentor hatte, eignete er sich den größten Teil seines Wissen im Bereich Sport und Ernährung durch das Eigenstudium und allseits bekannte “Trial-and-Error“-Prinzip an. In dieser Zeit wurde auch sein Interesse für die Philosophie und die Psychologie geweckt.

Sein Interesse daran, anderen Menschen bei ihrer Entwicklung zu helfen und zu unterstützen, ist – neben seiner Leidenschaft des Artikelschreibens – stark ausgeprägt.

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Bildquelle Titelbild: Wikimedia.org / NCI ; CC Lizenz


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