Chaos & Ordnung: Sei intelligent – trainiere intuitiv

Chaos & Ordnung: Sei intelligent – trainiere intuitiv

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Von Christian Zippel  

„Das einzige Prinzip, das den Fortschritt nicht hemmt, heißt: Mach, was Du willst.“ – Paul Feyerabend

Mach, was Du willst? Nicht gerade das, was man einem Athleten raten würde, oder? Das wäre doch der schnellste Weg ins Chaos.

Viele, die sich mit intuitivem Training beschäftigen, denken genau das. Sie denken in starren Mustern und glauben, dass Chaos nur zu noch mehr Chaos führen wird. Deswegen muss dort ein Riegel vorgeschoben werden. Ordnung hat zu herrschen! Training muss vernünftig sein. Doch genauso bremsen sie das Entstehen höherer Ordnungen aus und damit auch ihre Entwicklung.

Der kleine Geist hält Ordnung, das Genie überblickt das Chaos

Ordnung entsteht aus dem Chaos – solange ein intelligentes Prinzip mitwirkt. Alle Strukturen des Universums sind aus dem Chaos erwachsen. Das intelligente Prinzip dahinter heißt Evolution.

Was geschieht, wenn man macht, was man will? Zunächst entstehen viele verschiedenen Bestrebungen. Und da haben wir es auch schon: das totale Chaos. Also hat der „kleine Geist“ doch recht, indem er uns zur Ordnung rufen will? Mitnichten, denn was geschieht weiterhin? Fast alle Bestrebungen versinken im Sumpf des Misserfolges. Sie werden ausselektiert – wie der Hase, der zu cool ist, um vor dem Fuchs davon zu laufen. Nur, was sich bewährt, wird überleben. Das ist herzlos, aber es ist der Weg des Erfolges. Auch der Weg des Trainingserfolges lässt sich auf diese Weise beschreiten: Durch Versuch und Irrtum. Empirie! Denn Vernunft ist nicht allmächtig. Sie ist auch nur ein menschliches Vermögen und somit beschränkt.

Vieles, was vernünftig betrachtet, nicht funktionieren kann, bewährt sich prächtig und anderes, was in sich schlüssig scheint, scheitert.

Die Evolution der Trainingsprinzipien

Order Vs. Chaos

Achtung, du betritts eine Sperrzone. Hier regiert das Chaos. (Bildquelle: Pixabay.com / geralt ; CC Lizenz)

Wie in der gesamten Welt, so gilt auch in unseren Köpfen das evolutionäre Prinzip. Der Mensch ist darauf programmiert, den erfolgreichsten Weg zu gehen. Er will überleben, er will wachsen und seine Ziele erreichen. Niemand trainiert „dümmer“ als es seine Intelligenz erlaubt. Aber viele trainieren „dümmer“, als es ihrer inneren Weisheit gerecht wird: ihrer Intuition.

Nur zu gerne lassen wir uns von abstrakten Gedankengängen, Theorien und „wissenschaftlichen“ Schlussfolgerungen den Weg vorschreiben. „Die Vernunft ist allwissend und weiß bestimmt besser, wie ich zum Erfolg komme“, denkt man sich. Doch wie lebensnah ist dieses Wissen? Und vor allem: Wie stark ist es? Gibt es nicht vielleicht etwas, dass noch stärker in uns wirkt?

Chaos & Ordnung: Sei intelligent – trainiere intuitiv

Die Vernunft und ihr Einfluss auf unser Leben

Rauchen kann tödlich sein. Das weiß jedes Kind. Wäre die Vernunft stark, so würde kein Mensch rauchen oder sonstige Drogen zu sich nehmen. Aber er macht es trotzdem. Warum? Weil die Vernunft nicht so einflussreich ist, wie viele glauben.

Abnehmen ist einfach. Man muss nur weniger bzw. „sauberer“ essen und sich mehr bewegen. Warum klappt es dennoch bei fast niemandem? Warum werden von den wenigen, die es schaffen, viele wieder dick? Weil der Mensch im Grunde kein vernünftiges Wesen ist.

Gute Entscheidungen sind vernünftig. Ist es nicht vielmehr so, dass gute Entscheidungen intuitiv getroffen werden und die liebe Vernunft dann nachträglich zur Stelle ist, um die Entscheidung zu begründen? Ich habe in meinem Leben schon einige Entscheidungen getroffen. Einige wurden vorher auch vernünftig bedacht. Listen mit Vor- und Nachteilen wurden angelegt. Doch unabhängig davon, wie viele Vor- und Nachteile eine Entscheidung mit sich bringt. Worauf es doch wirklich ankommt, ist die Frage: Wie gewichte ich diese im Einzelnen?

Und dafür gibt es keinen vernünftigen Maßstab. Wenn ich einen Rausch erleben will, dann können noch so viele gesundheitliche Argumente dagegen sprechen. Das ist mir in dem Moment völlig egal. Millionen von Partygängern beweisen dies jedes Wochenende. Und wen die Liebe ruft, der wird für die Vernunft völlig taub wie auch der innig Gläubige. Unbestechliche Politiker sind ebenso nur ein Ideal, wie der „homo oeconomicus“ nur ein Konstrukt ist.

Wir entscheiden fast ausschließlich intuitiv. Argumente hin oder her: Was nicht passt, wird passend gemacht. Anstatt uns also den Kopf über Theorien zu zerbrechen, die wir am Ende eh nicht realisieren, ist es deutlich intelligenter, wenn wir unsere Intuition – der wir schlussendlich gehorchen – auf unser Ziel hin ausrichten. Die Vernunft allein wird uns nicht dorthin führen.

Was ist die Vernunft?

Wissenschaft und Vernunft

Wie sagte Einstein doch gleich? Wahnsinn ist, stets dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. In Sachen Kraftsport und Muskelaufbau spielt die Vernunft und der Optimierungswille oft üble Streiche. (Bildquelle: Pixabay.com / OpenClipartVectors ; CC Lizenz)

Wenn sie nicht die allmächtige Entscheiderin ist, für die wir sie gerne halten, was ist sie dann? Vielleicht sehen Schopenhauer und Nietzsche die Dinge klarer. Für diese Philosophen sind „Vernunft, Bewusstsein, Intellekt“ nur Begriffe für einen Zwerg auf den Schultern des Willens, der alles Lebendige durchwirkt und in Form von Instinkt und Intuition das einzelne Lebewesen vorantreibt.

Der Zwerg. Er ist stolz. Erhaben. Glaubt sich objektiv. Sieht nicht nach unten. Sieht nicht, auf welchen subjektiven Schultern er steht und entscheidet nicht in welche Richtung es geht. Aber wurde ein neuer Weg eingeschlagen, so klopft er sich auf die Schulter: „Das habe ich wieder gut entschieden.“

Dabei ist hier etwas anderes am Werke. Freud nennt es das Unbewusste. Die Lebensphilosophen – als Reaktion auf die starre, objektive, vernunftgläubige Aufklärungsbewegung – nennen es Wille. Er ist die schaffende, kreative und dynamische Kraft in der Natur.

Sören Kierkegaard war einer von diesen Philosophen. Er wusste, dass abstrakte Gedanken dem einzelnen Menschen nicht weiterhelfen, da sie weltfremd sind. Alles, was von Belang ist, ist existenziell. Die Frage lautet nicht: Was soll man tun?, sondern: Was soll ich, dieser bestimmte Mensch in genau dieser momentanen Situation, tun? Und dann wird klar: Es gibt keine Generallösungen; oder wie George Bernard Shaw es formulierte: „Die goldene Regel lautet: Es gibt keine goldene Regel.“

In seinem Werk Entweder – Oder schreibt Kierkegaard: „Während das objektive Denken gegen das Subjekt und dessen Existenz gleichgültig ist, ist der subjektive Denker als existierender an seinem Denken interessiert, er existiert ja darin“, und „Nur das Erkennen, das sich wesentlich zur Existenz verhält, ist wesentliches Erkennen.“

Ganz am Ende, wenn es zum Moment der Entscheidung kommt, wenn der Wille Fleisch wird, löst sich jegliche Abstraktion auf. Dann gibt es kein vernünftiges Abwiegen der Vor- und Nachteile. Dann gibt es nur ein „entweder – oder“. Und so traf auch ich bisher meine Entscheidungen: frei nach meinem Willen!

Und ist dieser Wille gut und stark, so wird das Handeln, das aus ihm resultiert, auch in eine gute und starke Richtung führen. Der Wille ist der Weg – nicht die Vernunft. Die Vernunft ist nicht dazu fähig, auch nur einen Schritt zu gehen. Sie ist starr. Vertritt nur Stand-Punkte. Kann schöpferische Entwicklungen nicht erfassen und auch nicht in Gang bringen. Schopenhauer dazu: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“

Vom Sein lässt sich auch nicht auf das Sollen schließen. Wer das annimmt, unterliegt dem berühmt-berüchtigten „naturalistischen Fehlschluss“. Keine Wissenschaft wird jemals Prinzipien oder gar eine Moral entwickeln können. Und so hängt das menschliche Handeln (vernünftig betrachtet) vollkommen frei in der Luft und lässt sich nicht im Sein verankern. Es bedarf eines guten, starken Willens, um aktiv zu werden und eine Richtung einzuschlagen, die unsere Entwicklung voran bringt – sowohl individuell als auch gesellschaftlich. Das wird daran ersichtlich, dass viele, die ihr Training an Wissenschaft und Vernunft ausrichten, nicht unbedingt große Erfolge in ihrer Entwicklung vorzuweisen haben. Die berühmten „60kg-Experten“ stehen Pate für folgende Erkenntnis: An der Theorie wächst man nicht!

Alle hingegen, die über einen starken, leidenschaftlichen Willen zur Entwicklung verfügen, können auch auf entsprechende Erfolge verweisen. Nicht umsonst haben oft die (intellektuell) dümmsten Bodybuilder die dicksten Arme.

Vernunft ist nur eine Art von Intelligenz. Instinkt und Intuition sind ebenso Formen von Intelligenz und nach Nietzsche sogar die deutlich intelligenteren. Dies ist der Grund dafür, dass landläufig für beschränkt erachtete Menschen in manchen Bestrebungen sehr erfolgreich sind oder wie es so schön heißt: Während die Schlauen noch grübeln, stürmen die Dummen die Festung.

Der Wille als maßgebliche Instanz

Wille gegen Vernunft

Ist es vernünftig, das doppelte des eigenen Körpergewichts zu beugen? Nicht unbedingt. Ist es notwendig für kompromisslosen Muskelaufbau? Absolut! (Bildquelle: Flickr / U.S. Naval Forces Command Stand ; CC Lizenz)

Was vernunftbemessen einfach erscheint (z.B. Abnehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören) schafft deshalb kaum ein Mensch, weil rein vernünftige Gedanken nicht auf unsere Handlungen einwirken – solange kein starker Wille sie ergreift und in die Tat umsetzt. Bei den meisten hapert es an genau diesem Willen. Anstatt seiner Schwäche den Kampf anzusagen, suchen sie ihr Heil in noch abstrakteren Gedankengängen. „Die Wissenschaft wird schon eine Lösung für mich finden“, heißt es dann.

Warum ich das alles erzähle? In puncto Training läuft es nicht anders. Rein vernünftig betrachtet, ist der Aufbau von Muskelmasse und Kraft ebenso simpel wie Abnehmen und Schuhebinden. Dennoch scheitern die meisten daran, weil sie überhaupt nicht den Willen dazu haben, es konsequent genug durchzuziehen. Hier beginnt der große (Selbst-)Betrug unserer Konsum- und Wissensgesellschaft.

„Entwicklung“ als Wissenschaft

Hier scheint die Vernunft auf den Spuren von Wachstum und Körperbeherrschung zu wandeln. Aber konnte die Sport-Wissenschaft in den wenigen Jahrzehnten, seit es sie gibt, etwas beisteuern, was uns in unseren Bestrebungen wirklich weitergebracht hat? Widerspricht sie sich nicht dauernd selbst? Kurze Pausen, lange Pausen, mehrere Sätze, ein Satz, viele Kohlenhydrate, böse Kohlenhydrate, Grundübungen, Maschinentraining… Für jedes System scheint es auch die passenden wissenschaftlichen „Fakten“ zu geben.

Verkannt wird, dass Fakten etwas Gemachtes sind. Der Begriff kommt von dem lateinischen Verb „facere“ und bedeutet so viel wie „machen“. Jeder Wissenschaftler folgt vielleicht objektiven Kriterien, doch die Art und Weise, wie er an seine Studien herangeht und wie er die Ergebnisse interpretiert, geschieht subjektiv. Ist willentlich bzw. unbewusst motiviert. Wir können gar nicht anders. Im Endeffekt ist jede menschliche Entscheidung (mag sie auch noch so von kühler Logik durchdrungen sein) eine physiologische, intuitive, instinktbehaftete – wie Nietzsche auf den ersten vier Seiten seines Werkes Jenseits von Gut und Böse trefflich ausführt. Der Mensch ist nun einmal ein Tier! Wissen findet er nicht. Er erschafft es. Deswegen heißt es auch Wissen-schaft. Und vieles, was er aus seinen Forschungen herausholt, hat er selbst hineingesteckt.

Was ist denn hier los?

Wandelt der Zippel auf unwissenschaftlichen Pfaden? Verkennt er, was die Wissenschaft für den Sport getan hat? Nein, das ist nicht der Fall. Aber ich bin für klare Verhältnisse. Zu was die Wissenschaft fähig ist? Sie vermag lebendige Prozesse zu erfassen und zu beschreiben – aber nur die körperlichen. Alles Geistige ist für die Wissenschaft ein rotes Tuch. Um es genauer zu formulieren: Das Geistige dürfte unseren momentanen Erkenntnissen nach überhaupt nicht existieren.

Weder die Intuition noch der Wille wurden jemals wissenschaftlich nachgewiesen! Messen lassen sie sich nicht. Einige Wissenschaftler fühlen sich dabei so sehr der „Objektivität“ ihrer Wissenschaft verpflichtet, dass sie sogar den Geist leugnen. Nur als Illusion darstellen. Wissenschaftlich betrachtet ist dies die einzig logische Konsequenz. Ach, diese tapferen Ritter der Logik. Sie streiten auf einem unsichtbaren Ross. Da gibt es nämlich einen Haken: All diese vernünftigen Gedanken sind ebenfalls geistig bedingt. Die evolutionär betrachtet neueste Errungenschaft des Menschen – seine Vernunft – versucht sich selbst die Existenz abzusprechen (anstatt zu verstehen, dass hier ein grundlegendes Messproblem besteht, wie es schlussendlich in der Quantenmechanik offen zu Tage tritt).

Aber zurück zum Thema: Lassen sich auf dieser abstrakten und momentan noch unausgegorenen (da rein körperlichen Grundlage) etwa Richtlinien für ein erfolgreiches Training treffen, die sich auf intuitivem Wege nicht erschließen lassen?

Nicht wirklich!

Eugen Sandow

Eugen Sandow gilt als einer der Vorväter des Bodybuildings. Seine Form weiß auch noch heute zu begeistern. (Bildquelle: Musclecontrolexercises.com)

Als Beweis genügen all die Menschen, die außerhalb des abstrakten Wissenschaftsbetriebes einen weit überdurchschnittlichen Entwicklungsstand erreichten – nur durch starken Willen und das beharrliche Verfolgen intuitiver Prinzipien. Mögen es in vergangenen Jahrtausenden griechische Athleten gewesen sein, die wie Milon von Kroton progressives Widerstandstraining betrieben und sich im Kampfe maßen. Oder Samurai und Ninja im asiatischen Raum.

Wenden wir den Blick auf Kraftsport- und Bodybuilding-Pioniere, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten: Athleten wie Eugen Sandow, Louis Cry, George Hackenschmidt, Siegmund Klein, Arthur Saxon, Thomas Inch, Charles Atlas, Hermann Görner, Bob Hoffman und Maxick. Sie waren so stark und muskulös wie heutige naturale Athleten – ohne Wissenschaft und Industrie.

Ebenso bezeichnend sind die Leistungen, welche die Shaolin durch den hohen Grad ihrer Körperbeherrschung zur Schau stellen. Wer ernsthaft glaubt, dass derartige Entwicklung auf abstrakten Theorien basiert, kann gerne einen Brief an ein Shaolin-Kloster schicken und fragen, auf welcher Studienlage deren Training basiert.

Was hat uns die Wissenschaft also gebracht?

Eine faszinierende Beschreibung der körperlichen Prozesse, eine Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten und… naja… und Doping. Darauf dürften wohl die hauptsächlichen Fortschritte im Vergleich zu den Athleten vor hundert Jahren zurück zu führen sein.

Hinzu kommt der Wille zur Weiterentwicklung. Leistungsgrenzen fallen immer noch regelmäßig – im Kraftdreikampf, im Sprint, beim Kugelstoßen. Der Wille will weiter, überwinden, Grenzen durchbrechen. Es ist nicht das wissenschaftlicher gewordene Training, das diese Grenzüberschreitungen der letzten Jahrzehnte ermöglichte. Es war der Wille starker, geradezu fanatischer Athleten, die nur für drei Ziele lebten: höher, schneller, weiter.

Das Fazit an dieser Stelle ist hoffentlich klar: Mangelnden Willen durch wissenschaftliche Bestrebungen zu kompensieren bzw. durch abstrakte Gedanken, ist nicht möglich. Ein Zwerg kann keinen Menschen bewegen. Analysieren bedeutet nicht beherrschen.

„Entwicklung“ als Produkt

Oldschool Kraftsport Lionel Strongfort

Lionel Stongfort beim Kettlebell-Training. Muskeln baut auf, wer sie trainiert und nicht wer sie studiert. (Bildquelle: ejmas.com)

In der Welt der Körperkultur gelten ähnliche Ziele. Wir streben danach härter, stärker und breiter zu werden. Der Großteil unserer Fitness- und Bodybuildingwelt ist dabei von der Supplement-Industrie durchwachsen, wie ein gutes Steak mit saftigem Fett. Was keiner wahr haben will: Noch weniger als durch abstrakte Gedanken, lässt sich durch legale Pülverchen und Kapseln Entwicklung erzwingen – wenn man sie nicht wirklich will. Und wenn man sie will, dann schafft man das auch ohne Ergänzungs-Mittel.

Um das Szenario auf einen Satz herunterzubrechen: Hier benutzen findige Geschäftsleute jene Athleten, die sich durch einen starken Willen (und oft durch Anabolika) einen vorzeigbaren Körper erarbeitet haben, um angebliche Zaubermittel an die Athleten zu verkaufen, deren Wille zu schwach ist, um aus eigener Kraft auf einen grünen Zweig der Entwicklung zu steigen.

Mit den menschlichen Sehnsüchten lässt sich gut verdienen. Insbesondere, wenn eigene Schwächen nur zu gerne verdrängt werden, anstatt sie in Stärken zu verwandeln. Doch so kommt man nicht voran. Um Goethe zu folgen: Grau ist nicht nur alle Theorie, sondern auch die Illusion. „Grün ist nur des Lebens goldner Baum.“ Grün sind die Prinzipien, die sich bewährt haben. Sie gilt es zu verinnerlichen und zu realisieren.

Die Prinzipien..

…die bereits Milon von Kroton, Eugen Sandow und den Shaolin-Mönchen zu weit überdurchschnittlicher Entwicklung verhalfen, sind immer noch die gleichen. Nicht an der Theorie wächst man: Am Widerstand wächst man! Das ist eines dieser Prinzipien, an denen schwerlich zu rütteln ist. Ein weiteres könnte lauten: Das Wissen in den Köpfen kann die Erfahrung im Körper nicht ersetzen!

Jeder muss klein anfangen. Selbst der vernünftigste Trainingswissenschaftler wird sich körperlich nicht weiterentwickeln, wenn er nicht zu trainieren anfängt. Und Wissen ist dann schön und gut. Aber Körperbeherrschung, korrekte Technik, die Kunst, sich zu konzentrieren bzw. intensiv zu trainieren und die Beharrlichkeit, langfristig am Ball zu bleiben, gilt es mühevoll zu erlernen, zu verinnerlichen und auch innigst zu wollen. Ansonsten wird sich nicht viel tun. Jeder Mensch fängt als Null an und will er erfolgreich werden, so muss er sich durch jahrelanges Training hindurchkämpfen, um seine Entwicklung beherrschen zu lernen.

Auch Talent gehört ins FitnessstudioIn dieser Zeit wird das evolutionäre Prinzip auch in ihm wirksam. Er wird viele Wege gehen und nur wenige werden sich als entwicklungsträchtig erweisen. Schlussendlich wird er sich immer mehr für den Weg entscheiden, der ihn persönlich am besten voran bringt. Er wird lernen, stärker zu unterscheiden und inniger zu verbinden. Ob er diesen Weg dann nachträglich durch vernünftige Argumente untermauern bzw. wissenschaftlich analysieren will oder nicht, bleibt ihm überlassen. Fest steht: Es geht auch ohne. Die eigene, durch Erfahrung geschulte Intuition reicht vollkommen aus – sie führt immer und immer wieder zu den gleichen klassischen Prinzipien der Entwicklung, die es willensstark zu verfolgen gilt.

Diese sind nicht unwissenschaftlich. Sie sind a-wissenschaftlich. Befinden sich auf einer ganz anderen Ebene: der Ebene der Subjektivität, der Existenzialität, der Empirie, der Pragmatik. Der Ebene des Willens, des Erfolges, des Wachsens, des Werdens, des Lebens!

Alles andere ist Beiwerk und sehen wir der traurigen Wahrheit ins Gesicht: Gerade die Athleten, die sich am meisten nach dem wissenschaftlichen oder industriellen Heilmittel für ihre Willensschwäche verzehren, verschwenden so am meisten Zeit und Energie. Denn sie befinden sich in einer Sackgasse. Sie sollten freies Gelände aufsuchen, ihren Willen stärken, ihre Intuition entfalten und so viel Trainingserfahrung wie möglich sammeln. Sie sollten von den alten Hasen lernen, die mehr als ihr halbes Leben lang erfolgreich am Eisen sind, ohne sich dabei die Gesundheit zu ruinieren. Dann werden sie erkennen, dass der Weg zum Erfolg simpel ist.

Weisheit! Darauf kommt es an. Nichts wahrhaft Großes lässt sich von heute auf morgen erdenken oder kaufen. Es muss geduldig wachsen, so wie auch eine Eiche viele Jahre benötigt, um ihr Potenzial zu entfalten:

„Bäume, wenn sie im Freien stehen und im Wachstum begriffen sind, gedeihen besser und tragen einst herrlichere Früchte, als wenn sie durch Künsteleien, Treibhäuser und konfiszierte Formen dazu gebracht werden sollen.“ – Immanuel Kant

Bilderquelle, Biographie und Werke: Bob Hoffmann und Maxick – Danke an die Herren Kollegen von http://www.maxalding.co.uk

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Bildquelle Titelbild: Ironphoto.de – Photography for Athletes

Über den Autor

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.

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  • Großartiger Artikel! Die besten Studien und “neuesten” Experten-Tipps haben mir nur selten etwas im Training gebracht. Stunden des Versuchen und auch Scheiterns dagegen, liefern langfristig die Erfolge. Und es ist wie im Text steht, abkürzen kannst du es wenn überhaupt nur durch die Weisheit der Athleten die den Weg bereits gegangen sind den du noch gehen möchtest.