F.A.Q. #9: Sind Milch und Milchprodukte verantwortlich für Akne und unreine Haut?

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F.A.Q. #9: Sind Milch und Milchprodukte verantwortlich für Akne und unreine Haut?

Von Damian N. Minichowski

Jeder kennt anekdotische Berichte von Menschen, die partout darauf schwören, dass sie durch Konsum von Milch und Milchprodukten eine (fettige?) unreine Haut, Pickel und Akne bekommen. Aber wie viel ist dran an der Behauptung? Verschlechtern diese Produkte wirklich das Hautbild und sollten sie daher gemieden werden?

F.A.Q. #9: Sind Milch und Milchprodukte verantwortlich für Akne und unreine Haut?

Milch und Milchprodukte: Ursache für unreine Haut?

Milch und Milchprodukte: Können sie wirklich das Hautbild verschlechtern und Akne verstärken?(Bildquelle: Wikimedia.org / Takeaway ; CC Lizenz)

Unreine Haut und Pickel – da mussten viele von uns während der Jugend durch. Im weiteren Verlauf des Erwachsenenlebens ebbt die Kraterlandschaft zum Glück ab, so dass sich das Hautbild nach der Pubertät in der Regel wieder verbessert – es sei denn man gehört zu den Leidgeplagten, die ewig damit zu kämpfen haben.

Die Behauptung, dass Milch und Milchprodukte (fallspezifisch) zu einer Verschlechterung des Hautbildes beitragen, ist demgegenüber schon ein wenig älter [1] und beruht auf klassischer Empirie: Wenn ich Milchprodukte in die Ernährung einführe und sonst nichts daran ändere, sich mein Hautbild aber zum negativen verändert, dann ist klar, dass irgendetwas darin den Talgdrüsenapparat beeinflusst (was, z.B. das Problem bei Akne ist).

Damit sei an dieser Stelle schon verraten: Der Konsum von Milch und Milchprodukten kann, je nach Person, zu einem vermehrten Aufkommen von Pickeln und fettiger Haut beitragen bzw. die Situation verschlimmern [14]. Falls du also zur betroffenen Personengruppe gehörst, wird es dich mit Sicherheit interessieren wie dieser Verschlimmerungseffekt zu Stande kommt.

Milchprodukte & unreine Haut: Das hormonelle Wechselspiel

Insulin verantwortlich für unreine Haut?

Nicht nur Milchprodukte sind unproblematisch: Hohe Insulin- und IGF-1-Spiegel können die Fettproduktion der Talgdrüsen ankurbeln.(Bildquelle: Wikimedia.org / Knutux ; CC Lizenz)

Unreine Haut, Pickel und Akne – wer hätte gedacht, dass eine exzessive Insulinausschüttung die Ursache für die Verschlechterung des Hautbildes sein kann [2]? Es dürfte nicht verwundern, dass immer mehr Menschen von dieser Problematik betroffen sind, wenn man sich einmal die klassische, kohlenhydratüberladene (zuckerüberladene) westliche Ernährung vor Augen führt.

Zuviel Insulin ist aber nicht der einzige Grund – auch die Erhöhung der IGF-1- und GIP-Spiegel (Insulinähnliches Wachstumshormon & Glukoseabhängige insulinotrope Peptid) wirkt verstärkend auf die Symptomatik (letzteres vornehmlich durch seinen verstärkenden Einfluss auf die Insulinsekretion) [4][5][6].

Nun kann man natürlich sagen: Hey, viele Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate und bewirken eine Insulinausschüttung (darunter auch Proteine), während proteinhaltige Lebensmittel einen signifikanten Einfluss auf die Steigerung des IGF-1 Spiegels haben. Warum zeigen sich die Symptome bei Konsum von Milch und Milchprodukten so deutlich im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln?

Dies mag vermutlich daran liegen, dass Milch- und Milchprodukte bei einem identischen Kalorienwert mit anderen Produkten (z.B. Fleisch), einen stärkeren Einfluss auf IGF-1 und GIP ausüben [4][7].

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FOXO1 verstärkt die Fettproduktion der Talgdrüsen (Sebozyten)

Beide Faktoren, Insulin wie IGF-1, beeinflussen Insulin-Rezeptoren (auch wenn die Wirkung von IGF-1 deutlich geringer ausfällt) und aktivieren den anabolen Signalweg (Pl3K7mTOR/Akt).

Am Ende der Kaskade steht die Ausschüttung eines Proteins, FOXO1 („forkhead box O1“), welches die Fettproduktion in den Talgdrüsen ankurbelt [12][13].

Dies bedeutet nüchtern formuliert, dass sämtliche anabolen Prozesse im Körper in der Lage sind die Hautbildproblematik zu verschärfen und die Ernährung (die sich im Insulin- und IGF-1-Aufkommen widerspiegelt) einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Qualität der Haut bzw. die Fettproduktion der Talkdrüsen ausüben kann [11].

FOXO1 aktiviert anabolen Signalweg

Lebensmittel, die eine hohe Insulinausschüttung verursachen (Kohlenhydrate) und den IGF-1 Spiegel beinflussen (Proteine) aktivieren den anabolen Signalweg – dies sorgt für die Ausschüttung des Proteins FOXO1 innerhalb der Zelle, welches wiederum die Fettproduktion in den Talgdrüsen der Haut (Sebozyen) erhöht. (Bildquelle: Wikimedia.org / Cbrunson ;CC Lizenz)

Auch wenn die Behauptung, dass unsere Nahrungsmittelwahl das Hautbild in derartigem Umfang beeinflusst, bis dato auf wackligen Beinen steht und die Korrelation Akne und Milchproduktkonsum als recht schwach bezeichnet werden kann [16][17], so sollte man anekdotische Berichte von Individuen dennoch ernst nehmen. Theoretisch kann durchaus erklärt werden, auf welchem Wege eine Verschlimmerung der Symptome auftreten kann – so stellen Bhate/Williams (2013) fest, dass Akne und artverwandte Probleme mit der Hautgesundheit zu 80 % erblich sind und die Wahrscheinlichkeit darunter zu leiden, sich verstärkt, wenn es bereits eine Familiengeschichte diesbezüglich gibt [17].

Anders wäre es nicht zu erklären, wieso sich das Hautbild infolge des Milch(produkte)konsums nicht bei jedem verschlechtert, sondern fallspezifisch auftritt – manche Menschen scheinen anfälliger zu sein, als andere.

Akne und unreine Haut: Was kann man dagegen tun?

Alternative Proteinquellen - Eier

Du reagierst negativ auf Milch- und Milchprodukte? Dann versuche es mit anderen Proteinquellen, z.B. Fleisch, Fisch und Eier. (Bildquelle: Pixabay.com / margenauer ; CC Lizenz)

Nicht jeder ist betroffen, doch wer dazugehört, der dürfte eigentlich relativ schnell merken, dass der Konsum von Milch(-produkten) die Situation eher verschlimmert als verbessert [14][15]. Auch Getreideprodukte stehen unter Generalverdacht, Akne zu verstärken, da sie oftmals eine starke Insulinreaktion hervorrufen.

„Die Epidemie-artige hohe Prävalenz von Akne in mehr als 85 % der Erwachsenen, die einen westlichen Lebensstil pflegen, ist durch die Rolle von Nährstofffaktoren charakterisiert. Insulintropische Lebensmittel, insbesondere Milchprodukte und Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index, sowie Rauchen führen zur pathologischen Verstärkung der bereits durch die Pubertät erhöhten Wachstumsfaktoren.“ – [14]

Wenn du bemerkst, dass sich dein Hautbild durch die Aufnahme von Milchprodukten verstärkt, könnte es Sinn machen, darauf zu verzichten (dies kann auch Proteinpulver betreffen, da z.B: Whey und Casein ebenfalls die Insulin-, IGF-1 und GIP-Ausschüttung beeinflussen können) und/oder den Konsum von Kohlenhydraten (und die Art der konsumierten Kohlenhydrate) zu limitieren.

Abschließende Worte

Du musst dich vermutlich nicht gleich ketogen ernähren (wobei dies einen Versuch wert sein kann), aber ein genauerer Blick auf die Kohlenhydratzufuhr kann zur Einschränkung der Insulinausschüttung Sinn machen.

Statt Milchproteine sollten vermehrt andere Proteinquellen herangezogen werden – denkbar sind Fleisch, Fisch, Eier aber auch pflanzliche Proteine (Hülsenfrüchte, Nüsse) oder gar pflanzliche Proteinpulver (z.B. für die Post-Workout-Phase oder zur Steigerung der täglichen Proteinzufuhr).


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Flickr / EME ; CC Lizenz


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