Amino-Spiking? Supplementlabtest.com veröffentlicht Impact Whey Protein Analyse mit Aminosäureprofil

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Amino-Spiking? Supplementlabtest.com veröffentlicht Impact Whey Protein Analyse mit Aminosäureprofil

Ladies and Gentlemen,

wir gehen in eine weitere „Qualitätsrunde“. Nachdem wir im Juni diesen Jahres eine Analyse des Impact Whey Proteins aus dem Hause Myprotein.com released haben, welches in einem deutschen Labor durchgeführt wurde, konnte man wieder unzufriedene Stimmen hören, die das Ergebnis nicht nur angezweifelt haben („Fälschung“, „Manipulation“), sondern gleichzeitig auch monierten, dass nur der Proteingehalt des Pulvers, aber nicht die Aufschlüsselung der darin enthaltenen Aminosäuren („Aminogramm“ aka Aminosäureprofil) einzusehen war, um sogenanntes „Amino-Spiking“ auzuschließen.

Amino-Spiking: Die Sache mit dem Proteingehalt…

(Bildquelle: Wikimedia.org ; CC Lizenz)

Amino-Spiking: Günstige Aminosäuren im Proteinpulver, um Kosten zu drücken und Profite zu steigern. (Bildquelle: Wikimedia.org ; CC Lizenz)

Amino-Spiking bzw. Nitrogen-Spiking? Darunter versteht man das Hinzumischen kostengünstigerer Aminosäuren, um einen höheren Proteingehalt – und damit eine höhere Qualität des Produktes – zu suggerieren.

Verwendet werden hierfür die weitaus günstigeren, (nicht-essenzielle) Aminosäuren – etwa Taurin, Glycin, Glutamin oder auch Creatin (welches technisch gesehen auch eine Aminosäure bzw. ein Aminosäurrekomplex ist – siehe unseren ultimativen Creatin Guide für mehr Infos). Am Ende hat das Proteinpulver zwar eine höhere Menge an Eiweiß auf 100g Pulver, allerdings macht es das Produkt nicht hochwertiger, da der Anteil der essenziellen Aminosäuren anteilsmäßig sinkt.

Wer glaubt, dass eine solche Geschäftspraktik nur kleinere, eher unbekannte Hersteller betrifft, der wird mit den Ohren wackeln: Seit 2014 gab es diverse Klagen gegen Supplementhersteller, bei denen sich der Verdacht auf Amino-Spiking erhärtet hat, darunter Marken wie GNC, ProSupps, CytoSport und MusclePharm.

Günstiges Protein, schlechtes Protein?

(Bildquelle: Wikimedia.org / Polylerus ;CC Lizenz)

Manch einem Hersteller und Shop mit Eigenmarke stößt eine Niedrigpreispolitik sauer auf: So lassen sich die eigenen Produkte ungleich schwerer an den Mann bringen. (Bildquelle: Wikimedia.org / Polylerus ;CC Lizenz)

Logischerweise stellen sich auch hierzulande immer mehr Endverbraucher die Frage, inwiefern Hersteller bei ihren Produkten tricksen oder eine Qualität vorgaukeln, die sich bei genauerer Betrachtung nicht halten lässt.

Das Thema Amino-Spiking macht allerdings auch bei vielen (deutschen) Herstellern die Runde und wird gerne als Anlass genommen, um den Mitbewerben eins auszuwischen. Gewettert wird vor allem gegen die Konkurrenten, die ihre Produkte zu günstige(re)n Preisen abgeben, um Marktanteile zu gewinnen und den eigenen Kundenstamm zu bereichern (oder den des Mitbewerbers zu dezimieren).

Das Argument derjenigen, die anprangern, ist leicht und intuitiv nachzuvollziehen: So günstig? Das kann gar nicht hochwertig sein!

Wenn du zu den Stammlesern gehörst, dann wirst du bereits in unserem Artikel „Teure Supplemente – Warum?“ bereits erfahren haben, wie sich der Preis für dein (Marken)-Produkt zusammensetzt und welche Faktoren eine Rolle dafür spielen, wie viel du am Ende dafür löhnst. Ein hoher Preis ist, wie man bei den obigen Fällen – die z.T. höherpreisige Markenhersteller betrifft – ersehen kann, kein Garant für einwandfreie Qualität.

Auf der anderen Seite erscheint es logisch, dass Dumpingpreise auf Kosten der Rohstoffqualität realisiert werden können. Wo Profit im Spiel ist, da kann (und wird) getrickst werden.

Der Preis, ein Faktor von vielen.

Der Preis eines Produktes ist allerdings kein hinreichendes Indiz für schlechte Produktqualität. Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen, sind die aufgebaute Infrastruktur (Produziert man selbst oder lässt man produzieren), Produktionsstandort & Lohnkosten (Inland Vs. Ausland), Marketing (Athletensponsorings, Magazinwerbung, Messekosten (FIBO! Mr.Olympia!), Unternehmensgröße/Marktmacht (Wer viel verkauft, braucht viele Rohstoffe, kriegt bessere Konditionen und Massenrabatte im Einkauf) sowie Sortiment (Die Margen im Kernsortiment sind sehr gering; wer innovativ ist, kann für einzigartige Produkte mehr verlangen und damit Profite maximieren).

Kenne deinen Supplementdealer - und sein Business Modell) Bildquelle: Brian Putchio.

Kenne deinen Supplementdealer – und sein Business Modell: Je mehr Zwischenhändler und Werbung, desto teurer wird das Produkt. Musterbeispiel: Standardisiertes Creapure, aber auch Whey Protein.  Bildquelle: Brian Putchio.

Die bekanntgewordenen Präzedenzfälle zeigen, dass auch namenhafte Hersteller betroffen sein können, allerdings erscheint es logisch, dass die Verlockung – das Pulver mit billigen Aminosäuren zu strecken um Kosten zu senken und Profit zu erhöhen – größer erscheint, je kleiner und unbedeutender der Hersteller (oder Shop mit Eigenmarke, der abfüllen lässt) ist.

Das Bekanntwerden eines solchen Falls wird in jedem Fall zu einem großen Imageschaden für den jeweiligen Hersteller (oder Shop mit Eigenmarke) führen würde, von dem er sich nur schwerlich wieder erholen könnte. Wer fortlaufend unter Beobachtung steht und wem man kontinuierlich auf die Finger schaut, der tut gut daran strikte Qualitätskontrollen zu installieren und sicherzustellen, dass ihm ein solcher Fauxpas nicht passiert.

Wir sprechen hier freilich von einer Gefährdung der existenziellen Grundlage.

Unabhängige, fortlaufende Analysen ein notwendiges Übel

Betrogen wird überall – auch in der Supplementindustrie. Wer daran zweifelt, der sollte sein Weltbild zunächst einmal geraderücken. Die Verwendung minderwertiger Zutaten ist hierbei noch das kleinere Übel, wenn man bedenkt, dass Produkte sogar verunreinigt sein können (z.B. mit oralen Steroiden, Ampethaminen oder noch giftigeren Substanzen). Amino-Spiking gehört hier noch zu den Vergehen, die man am ehesten verzeihen kann da niemand ernsthaft zu Schaden kommt – das Vorgaukeln eines hohen Proteingehalts ist allerdings noch immer schlicht und ergreifend Betrug am Kunden und sollte deswegen nicht toleriert werden.

Nach reiflicher Sichtung der Fakten sollte klar sein: „Amino-Spiking“ ist ein Problem in der Supplementindustrie und vermutlich weitaus weniger selten, wie man vielleicht annehmen mag. Gerade deswegen ist es notwendig, dass man Herstellern und Shops genauer auf die Finger sieht und unabhängige (von der Crowd finanzierte?) Analysen durchführt, um schwarze Schafe zu enttarnen.

Vorsicht vor Hetzkampagnen und gefälschten Zertifikaten

Aber auch hier gilt: Augen auf beim Eierkauf. Die von uns in Auftrag gegebene Analyse diente lediglich als Antwort auf ein spanisches Zertifikat, welches kurze Zeit vorher im Internet aufgetaucht ist und dem Impact Whey Protein von Myprotein einen erniedrigten Proteingehalt bescheinigte (und von dem man ausging, dass es echt ist). Erst durch Nachforschungen und eingehende Recherche kam heraus, dass es das vermeintliche Labor gar nicht zu geben schien. Es gab keine Kontaktmöglichkeit und man konnte niemanden zu den Ergebnissen befragen.

Die Büchse der Pandora war allerdings bereits geöffnet und nur wenige Menschen nehmen sich die Zeit, um ein solches Papier genauer unter die Lupe zu nehmen oder gar zu hinterfragen. Zahlreiche Hersteller und Shop-Betreiber nahmen das spanische Zertifikat als Anlass, um gegen Myprotein zu wettern – das dürfte mit Sicherheit an der Preispolitik des Supplementriesen liegen, die vielen nicht in den Kram passt.

Als hinterher bekannt wurde, dass das Zertifikat nicht das (digitale) Papier wert ist, auf dem es gedruckt gewesen ist, gab es nur wenige, die eine Richtigstellung abgaben.

Die veröffentlichte AS Analyse: Nur ein Teil des Puzzles

Als wir die Analyse veröffentlicht haben, war uns längst klar, dass wir nicht jeden damit zufriedenstellen können (und werden). Getestet wurde „nur“ auf den Gesamtproteingehalt, um herauszufinden, ob die Ergebnisse des „spanischen Zertifikats“ realistisch sind.

Die Zertifikate wurden am 30.11.2016 auf Bitten des verantwortlichen Labors Jena Food Analytik & Consulting entfernt. Für weitere Fragen zum Test kann das Labor via Mail & Telefon kontaktiert werden.

Das Ergebnis hat natürlich einigen nicht geschmeckt, während andere erleichtert aufgeatmet haben. Einige warfen uns vor, wir hätten die Analyse gefälscht, dabei hätte dies jeder leicht nachprüfen können, indem er kurz beim zertifizierten deutschen Labor angerufen hätte, um mit den Verantwortlichen zu sprechen. (Hinweis: Nach Rücksprache mit dem Labor ging nicht ein Anruf ein!).

Aber: Die Leute hatten Recht. Unser Zertifikat zeigte nur, dass der Proteingehalt im Impact Whey Protein in Ordnung ist und nicht untypisch von der Deklaration des Herstellers abweicht. Dieses Zertifikat zeigt aber nicht, ob Amino-Spiking betrieben wurde oder nicht, denn es fehlte ein Aminogramm – eine genaue Aufschlüsselung der enthaltenen Aminosäuren. Hierzu sollte man vielleicht wissen, dass eine solche Analyse ungleich teurer ist, da für jede Aminosäure extra bezahlt werden muss.

Die Leute forderten also ein weiteres Mosaiksteinchen…

Supplementlabtest.com veröffentlicht Impact Whey Protein Analyse mit Aminosäureprofil

Es ist schön zu sehen, dass die Community die Sache selbst in die Hand nimmt: In den Niederlanden gibt es eine aktive Szene, welche die Produkte der Hersteller genauer unter die Lupe nimmt. Die Ergebnisse der Analysen werden auf einer eigenen Homepage, Supplementlabtest.com, für jedermann einsehbar veröffentlicht. Die Seite finanziert sich über Spenden der Community (und wer möchte, kann über den Spendenbutton via PayPal einen kleinen Beitrag dazu leisten).

So ist man bereits auf einige Hersteller aufmerksam geworden, wo auffällige Konzentrationen günstiger Aminosäuren oder falsche Label-Deklaration aufgefallen sind, darunter MusclePharm und einige U.S. amerikanische Marken.

Dass ein solches Projekt Früchte trägt, zeigt der Fall Body & Fitshop, bei dem man Ungereimheiten fand. Dieser Fund führte nicht nur dazu, dass Body & Fit den Abfüller gewechselt hat, sondern auch dazu, dass seit einigen Monaten umfassende, sehr detaillierte Zertifikate zu den jeweiligen Produkten veröffentlicht werden, von denen man sich als Endkunde wünschen würde, dass es gängige Praxis – und nicht nur die Ausnahme – sei.

Da sage noch einmal jemand, dass man als Verbraucher keinen Einfluss nehmen könnte!

Eben jene Seite hat vor wenigen Tagen eine Analyse online gestellt, welche ein Aminogramm enthält und wodurch Amino-Spiking – gemäß diesem Ergebnis – im Impact Whey Protein ausgeschlossen werden kann:

Impact Whey Protein Analyse mit Aminogramm - released durch Supplementlabtest.com

Impact Whey Protein Analyse mit Aminogramm – released durch Supplementlabtest.com (Zum Vergrößern draufklicken)

 

Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass nicht alle proteinogenen Aminosäuren aufgeführt werden – so fehlen auf dem Zertifikat z.B. Tyrosin und Tryptophan. Warum ist dies so?

Beide Aminosäuren kommen natürlicherweise im Whey vor. Für Amino-Spiking greifen die Hersteller zu günstigeren Aminosäuren, um den die Produktkosten zu drücken. Es macht keinen Sinn auf die (teureren) hochwertigen AS zu testen, denn das Extrahieren oder „Spiken“ würde das Produkt am Ende sogar teurer anstatt günstiger machen:

How do we Test?

At first we test the protein content and amino acid ratio. Carbohydrates + sugars are only necessary when the protein content is much to low and/or amino spiking is detected. Total costs incl. paypal, purchase, and shipping is 350 €.

The amino acid analysis by the lab we use for our tests (Nutricontrol) is done on 15 amino acids to exclude Amino Spiking. Tryptophan, Proline and Tyrosine are not tested. Why not 18? This is because it will cost +200 € more and is not necessary considering the amino acids not tested are more expensive to add than whey itself. So companies will not use these to spike the whey. Costs for measuring 15 amino acids are 285 € incl. paypal costs. For protein by Kjeldahl 40 € and carbohydrates + sugars 115 €. Costs for purchase and dispatch of the products vary between 25-45 € depending on the amount.

If you have any questions you can ask them on the lab test, article pages or the contact form. You can answer as a guest on the pages without entering a email if you prefere to stay anonymous or use a Diqus account where you only have to enter a email adress.

For the best translation of the pages google translate is your best choice and quite correct in the whole translation.“

Im Übrigen kann man, wenn man Fragen zu den Analysen hat, mit dem Team von Supplementlabtest.com Kontakt aufnehmen und/oder Produkte zum Test vorschlagen.

Abschließende Worte

Jetzt gibt es eine unabhängige Analyse des Impact Whey Proteins mit Aminogramm, welches Amino-Spiking ausschließt. Was bedeutet das nun…?

Die ernüchternde Antwort: Nichts. Das Zertifikat zeigt, dass bei dieser Charge alles in Ordnung ist und kein Amino-Spiking vorliegt. Eine einzelne Analyse ist allerdings nur eine Momentaufnahme des Zustands, weshalb fortlaufende aktualisierte Tests notwendig bleiben (und das nicht nur bei Myprotein-Produkten)

Abschließend bleibt zu sagen: Schade, dass es ein solches Projekt nicht auch in Deutschland gibt.

Myprotein erhält BRC Akkreditierung

Eine weitere erfreuliche Neuigkeit zum Ende: Myprotein.com sichert sich als erste europäische Marke für Sporternährung die BRC Akkreditierung für „Global Food Safety Standard“ und kündigt weitere Maßnahmen zur Sicherung der Produktqualität an:

Myprotein erhält BRC Akkreditierung (“Global Food Safety Standard”)Es ist uns eine Freude unserern Kunden und…

Posted by Myprotein on Mittwoch, 9. September 2015

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Bildquelle Titelbild: Myprotein.com

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