Wie neugeboren durch Fasten?

Wie neugeboren durch Fasten?

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Von Christian Zippel  

Viel Müll in uns – Schadstoffe, Ablagerungen, altes und schwaches Gewebe. Solange wir essen und essen ist unser Körper mit Verdauen und Aufbauen beschäftigt. Erst wenn wir innehalten, die Nahrungszufuhr unterbrechen, den Magen beruhigen, kann der Körper sich selbst verzehren – also reinigen; denn was wird zuerst dran glauben müssen?

Gewebe, das unnötig ist und schwach und krank

Das evolutionäre Prinzip gilt universal – auch in uns. Regelmäßiges Fasten ist nützlich, wollen wir uns von Ballast befreien und gesünder sein. Das erfolgreichste deutsche Buch zum Thema kommt aus der Feder von Dr. Hellmut Lützner und heißt: Wie neugeboren durch Fasten.

Auf S. 65 schreibt er:

„Der Körper baut niemals ab:

– Brauchbares – zum Beispiel Herz oder Muskulatur

– Funktionierendes – also alle Organtätigkeiten

– Lebensnotwendiges – zum Beispiel die Steuerungseinrichtungen

Hinter diesem natürlichen Gesetz, das dem menschlichen Körper einprogrammiert ist, steckt das eigentliche Geheimnis des Fastens. Wir dürfen uns getrost auf die innere Sicherheit unseres Körpers verlassen.“

Dies gilt für natürliche Umstände. Bodybuilding, als das Schaffen von unnatürlich viel Muskelmasse, fällt hier aus dem Rahmen. Auch ein Grund, weshalb ich mich davon verabschiedet habe. Wer als Bodybuilder fastet, wird sicherlich auch überschüssige Muskelmasse verlieren – denn aus Sicht des Körpers handelt es sich hier um Ballast. „Brauchbare“ Muskelmasse wird jedoch erhalten. Studien haben (angeblich) gezeigt, dass hier ein Schutzmechanismus aktiviert wird, der Muskelprotein schützt. Eher soll es anderen Proteinen an den Kragen gehen.

Wie neugeboren durch Fasten?

Schädliche Proteinablagerungen

(Bildquelle: Wikimedia.org / NCI ; CC Lizenz)

Die meisten von uns ernähren sich proteinreich – das hat auch seinen Zweck, aber es reduziert gleichzeitig die effiziente Nutzung des Makronährstoffs (Bildquelle: Wikimedia.org / NCI ; CC Lizenz)

Gibt es so etwas überhaupt? Oh ja… Überschüssiges Eiweiß lagert sich an den Innenwänden kleinster Blutgefäße (sog. Kapillaren) ab, die sich in allen Organen befinden. Das blockiert und schädigt unser Herz-Kreislaufsystem. Im Bindegewebe zwischen Muskeln, Organen und Gelenken kommt es zu ähnlichen Ablagerungen, die im schlimmsten Fall zu schmerzhaftem Rheumatismus führen.

Gerade wir als Proteinfanatiker sollten achtsam sein. Wenn ich bedenke, dass ich sogar in Zeiten der Diät bis zu 300g Protein täglich zu mir nehme (aus naturbelassenen Nahrungsmitteln und meinem Stoffwechsel angemessen), wird mir bewusst, dass nicht alles davon in der Muskulatur landen wird. Auch die Ausscheidung des Körpers funktioniert keineswegs perfekt. Viele der Stoffe, die wir aufnehmen, bleiben in unserem Körper, obwohl sie nicht dorthin gehören. Einige davon sind chemisch und somit schädlich. Sie lagern sich vorwiegend im Fettgewebe ab, aber auch im Eiweiß.

Der Nutzen eines Proteindefizits

Um schädliche Eiweißablagerungen und darin enthaltene Giftstoffe los zu werden, ist es sinnvoll ab und an ein Eiweißdefizit hervorzurufen. Eine Todsünde für jeden Bodybuilder und doch rate ich dazu.

Auch die Sensibilität für Protein wird steigen, wodurch wir lernen, Protein effizienter zu verstoffwechseln. Ein dauernder Proteinrausch kann nicht gut sein. Daher ist während der Fastenzeit von Proteindrinks o.ä. abzuraten. Sie wären gut gemeint, verhindern aber die Entschlackung und Entgiftung – zumindest in Bezug auf schädliche Eiweiße.

Schlacken?

(Bildquelle: Wikimedia.org / Gerolsteiner91 ; CC Lizenz)

Wer ernährt sich heute denn noch naturbelassen und frei von Schadstoffen? Überschüssige Toxine werden im Körperfett angereichert. Das Problem wird beiseite geschoben, aber nicht gelöst. (Bildquelle: Wikimedia.org / Gerolsteiner91 ; CC Lizenz)

Gibts die nicht nur im Stahlwerk? Dabei handelt es sich um keinen medizinischen Begriff. Man sollte ihn eher metaphorisch verwenden für all die schädlichen Ablagerungen in unserem Körper. Viele Wissenschaftler behaupten, der Körper könne sich auch so wunderbar vollständig und unter normalen Umständen reinigen. Das stimmt – aber auch nur unter normalen Umständen.

In diesen leben wir jedoch nicht! Wir müllen unseren Körper zu. Die Industrie tut es und wir schlucken schön brav, was sie uns in den Rachen wirft – weil wir auf ihre Werbung hereinfallen. Auch der Überschuss an Nahrung führt dazu, dass unser Körper kaum noch dazu kommt, sich selbst zu reinigen. Andauernd sind wir am Futtern – von früh morgens bis spät in die Nacht. Statt Wasser oder Tee trinken wir gepanschten Kram, der bis oben hin mit Zucker und Chemie versetzt ist und uns nicht zur Ruhe kommen lässt.

Dennoch sind die Fronten verhärtet – Fasten steht genauso im Kreuzfeuer wie auch Bodybuilding: Manche sind vehement dagegen (typischerweise jene, die es noch nie probiert haben), sehen es als unnatürlich und krankhaft, andere sehen es als Gralsweg zu Gesundheit und Fitness.

Mein Tipp: Nicht zu sehr von außen beeinflussen lassen. Lieber eine eigene Meinung bilden – und das geht nur durch eigene Erfahrung. Sterben wird man schließlich nicht dabei, oder?

Die Giftwerte im Blut steigen rapide an

(Bildquelle: Wikimedia.org / Enzo Carreta ; CC Lizenz)

(Heil-)Fasten kann zu erhöhten Leberwerten führen. Das Gift muss ja auch irgendwie wieder raus, oder? (Bildquelle: Wikimedia.org / Enzo Carreta ; CC Lizenz)

Viele Artikel – auch seriöser Quellen – führen diesen Aspekt gegen das Fasten ins Feld. Tatsächlich zeugt er jedoch vom Nutzen desselben. Denn wo kommen diese Gifte her? Rrrichtig, aus unserem Gewebe. Sollen sie dort wirklich bleiben? Ist es nicht ein gutes Zeichen, wenn sie gelöst und ausgeschieden werden? Ist es nicht verständlich, dass sie dann auch im Blut verstärkt anzufinden sind? (Viele spüren diesen Anstieg während des Fastens – er ist durchaus belastend. Man sollte darauf gefasst sein.)

Schlacken hin oder her

Wer schon einmal erlebt hat, wie ein überaus zivilisierter (also träger und überfressener) Mensch zu stinken beginnt, wenn man ihn zum Sport treibt, der wird keine weiteren Fragen stellen. Kommt dann noch eine Fastenphase hinzu, öffnet der Körper nach und nach alle Schleusen. Man stinkt wie die Sau: Aus allen Poren läuft eine widerliche Suppe, der Mundgeruch wird unerträglich, die Zähne pelzig und die Zunge färbt sich schwarz. Vom Stuhlgang ganz zu schweigen.

Kein Witz. All das kann geschehen. Man wird deutlich mehr Unterwäsche benötigen und viel mehr Zeit im Bad verbringen. Okay, das ist ziemlich widerlich. Aber wisst Ihr, was noch widerlicher ist?

Das man all diesen Müll in sich trägt und es akzeptiert!

Und sich bewusst weiterhin mit industriell erzeugten und mit Schadstoffen belasteten Lebensmitteln vollzustopfen ist einfach nur dumm. Denn vieles davon wird es sich in unserem Körper gemütlich machen. Drin ist es schnell, wie ein lästiger Mietnomade setzt es sich in unserem Gewebe fest, aber raus bekommt man es nur schwer. Drum prüfe lieber vorher, mit was Du Dich da bindest!

Thema „Fasten“

(Bildquelle: Flickr / AdinaPlus ; CC Lizenz)

Fasten und Sport: Die meisten Athleten nutzen die Methode des Kurzzeitfastens. (Bildquelle: Flickr / AdinaPlus ; CC Lizenz)

Als ich nicht viel darüber wusste, war ich dagegen. Seitdem ich einige Bücher und viele Artikel dazu gelesen habe, sehe ich klare Vorteile. Die wichtigsten habe ich hier aufgelistet. Darüber hinaus wirkt Fasten auch heilend bei einigen Krankheiten.

Zu entgiften und entlasten ist nie verkehrt. Das stärkt den Körper und gibt ihm die Möglichkeit sauber und robust zu werden, wie ein frisch geschrubbtes Kriegsschiff, das gerade aus der Inspektion kommt und bereit ist, die Weltmeere zu erobern.

Viele Menschen gleichen eher einem bis oben hin zugemüllten und rostenden Ausflugsdampfer, der ständig so viel neue Fracht aufnimmt, dass er kaum zum Entladen, Reinigen und Reparieren kommt – geschweige denn von der Stelle. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Man wird fett, krank und träge. Das ist die Schattenseite der Zivilisation, aber ist ja nicht so schlimm: Im Internet kann man wunderbar leben und all das ausblenden.

Wie neugeboren durch Fasten?

Welch´ großes Versprechen und doch vermag es zu stimmen. Wie sehr man davon profitiert oder ob es doch schaden kann, ist individuell verschieden. Dr. Lützner beschreibt in seinem Buch worauf es ankommt und wie man dabei vorgeht. Sein Buch ist verdient die Nr. 1 bei Amazon.

Wie geht es danach weiter?

Auf den ersten Blick eine doofe Frage. Laut George Bernard Shaw ist sie jedoch von enormer Bedeutung:

„Jeder Dumme kann fasten, aber nur ein Weiser kann das Fasten richtig abbrechen.“

Richtig essen nach dem Fasten ist das 2. Buch von Dr. Lützner. Es beschäftigt sich nochmal ausführlich mit dem korrekten Ausklang des Fastens (die sog. Aufbautage) und der Gestaltung der Nachfastenzeit. Das Buch ist eine gute Ergänzung, gibt leckere Rezepte an die Hand und verhilft dazu, das, was wir auf dem Teller haben, bewusster wahrzunehmen – gar darüber zu meditieren.

Auch stellt er mögliche Entlastungstage vor, während der man ein- oder zweimal die Woche nur bestimmte Kost (wie z.B. Reis, Obst oder Tee) zu sich nimmt – ein kleines Heilfasten zwischendurch quasi. Für viele, die sich nicht zu einer ganzen Fastenwoche entscheiden können, ein guter Kompromiss – ebenso wie für das Ernährungsverhalten generell.

Wir alle…

(Bildquelle: Pixabay.com / SnapWiresSnaps ; CC Lizenz)

Fühlst du dich schon wie neugeboren? (Bildquelle: Pixabay.com / SnapWiresSnaps ; CC Lizenz)

…sollten unserem Körper regelmäßig die Möglichkeit geben, das Schwache, Kranke und Giftige abzubauen – bevor wir ihn mit neuem Müll zuschütten (was wir auch möglichst vermeiden sollten).

Mit dieser Buchempfehlung möchte ich dazu beitragen. Guten Hunger!

PS: Das mit dem Hunger ist nicht wörtlich zu nehmen, beim Fasten verspürt man keinen Hunger. Einerseits, weil man mit einer anderen Einstellung an die Sache herangeht und der Verzicht bewusst gewollt wird (dann wird es plötzlich ganz einfach) und andererseits, weil der Körper die Magensäfte ruhen lässt, um seine Energie für die Entschlackung (Oh, ich das böse Wort gesagt ;) zu nutzen. Auf jeden Fall ein Zeichen dafür, dass er sich nicht mit Händen und Füßen dagegen wehrt – es sogar akzeptiert.

Tatsächlich ist es sogar natürlich, denn in früheren Epochen gehörte das Fasten so sehr zum Alltag wie heute überfüllte Supermarktregale und fette Menschen, die in ihrer Speckschicht so viel Gift mit sich herumtragen, dass sie schon fast ein Sonderkennzeichen auf dem Allerwertesten tragen müssten.


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Über den Autor – Christian Zippel

k-Sylvester-Stallones-muscular-bodyDr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder den geistigen Austausch in den direkten Kontakt mit Christian suchen möchte, der kann auf http://www.christian-zippel.de/ fündig werden.

Bildquelle Titelbild: Wikimedia.org / Jean Fortunet ; CC Lizenz

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  • Wade

    Hey,
    nur kurz nachgefragt, ob ich das jetzt richtig verstanden habe. Es handelt sich hier offensichtlich um “Heilfasten” und nicht intermittend fasting oder?
    Oder hat das kurzzeitfasten ähnliche hier postulierten Effekte?

    • Korrerkt, Christian beschreibt hier das Langzeitfasten. IF hat sicher auch ein paar der Vorteile, aber sicher nicht alle – dafür kannst du davon ausgehen, dass IF aus muskulärer Sicht die Nase vorne hat, denn wenn du länger fastest wirst du zwangsweise Muskulatur abbauen.

      P.S.: Schön mal wieder was von dir zu lesen, Wade. ;)

  • GameFixxer

    Die Frage, die sich mir dabei stellt ist folgende: In was für Zeiträumen sollte man Heilfasten durchführen und in welcher Frequenz? Bzw. gibt es Anzeichen, durch die man merkt, dass der Körper es gerade brauchen könnte?