Du bist Deine fleischgewordene DNS

Du bist Deine fleischgewordene DNS

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Von Christian Zippel  

Jack Cohen prägte diesen Gedanken. Viele Sportler und Trainer plappern ihn nach. Genetik – das Streitwort unserer Generation. Lange galt als gesichert: „Zwischen Genen, Proteinen, Erscheinung und Erbkrankheiten besteht eine lineare Beziehung.“ Oder fachlicher gesimpelt: Der Genotyp determiniert den Phänotyp.“

Wie einst der klassische Determinismus im Sinne von Newtons Mechanik, ist der genetische Determinismus en vogue. Das vor wenigen Jahren für Schlagzeilen sorgende HGP (Human Genome Project) wollte viele Probleme lösen. Unzählige Übel und Schwächen sollten schließlich genetisch bedingt sein. Es wurde fest geglaubt, was Nobelpreisträger Francois Jacob schon 1970 behauptete:

„Der gesamte Plan des Wachstums, die ganze Serie der auszuführenden Operationen, Ordnung und Ort der Synthese und ihre Koordination, all das ist in der Nukleinsäurebotschaft niedergeschrieben.“

Pustekuchen: Das Human Genome Project

(Bildquelle: Flickr / University of Michigan ; CC Lizenz)

Die Menschheit hegte große Hoffnungen, doch die Entschlüsselung der menschlichen Genoms warf bei weitem mehr Fragen auf, als das sie sie beantworten konnte. Unsere Gene sind weitaus weniger ausschlaggebend, als die Art und Weise wie und wo wir leben. (Bildquelle: Flickr / University of Michigan ; CC Lizenz)

Gleich der Quantenmechanik, die der klassischen Mechanik die Grenzen aufzeigte, beweist nun die Epigenetik, wie falsch wir doch mit der Totalität der Gene lagen. Im HGP ging es darum, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Auf Grund der Komplexität des menschlichen Körpers rechnete man mit ca. 140.000 Genen. Sie sollten als Blaupause für die vielen tausend verschiedenen Proteine unseres Körpers fungieren.

Doch alles kam anders: Einige Jahre früher als erwartet war das Projekt fertig. Denn es gab nur ca. 19.000 Gene zu entschlüsseln. Ungefähr so viele wie beim Fadenwurm und weniger als bei der Maus. Milliarden von Dollar wurden ausgegeben, um schlussendlich herauszufinden, dass Gene nur geringfügig daran beteiligt sind, dass wir so sind wie wir sind.

Du bist Deine fleischgewordene DNS

Ob Fadenwurm oder Mensch – genetisch betrachtet kaum ein Unterschied

Früher wurde der Begriff des Genoms – der Gesamtheit unserer Erbinformationen – mit unseren proteincodierenden Genen gleichgesetzt. Viele glauben das noch heute. Tatsächlich weiß man heute kaum noch, wie sich das Genom wirklich zusammensetzt und was ein Gen überhaupt ist – wo es beginnt und endet.

Aktuell geht man davon aus, dass nicht 100%, sondern nur ca. 1,06 % unseres Genoms aus proteincodierenden Genen besteht. Wir beginnen gerade erst, zu verstehen, wie unbedeutend die Gene sind und woraus die restlichen fast 99% bestehen. Epigenetik erfüllt die Schlagzeilen, Bücher erscheinen. Verschiedene davon habe ich in den letzten zwei Wochen gelesen. Eines möchte ich empfehlen:

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Epigenetik: Wie Erfahrungen vererbt werden

(Bildquelle: Wikimedia.org / Whatiguana ; GNU Free Lizenz)

Die Gene sind fix (Genotyp), aber das sagt noch gar nichts über den Phänotyp aus. Gene können an- und ausgeschaltet werden. Das Feld der Epigenetik beschäftigt sich mit der Genexpression und den damit verbundenen Einflussfaktoren. Der Phänotyp ist nicht in Stein gemeißelt. (Bildquelle: Wikimedia.org / Whatiguana ; GNU Free Lizenz)

Der Biologe Bernhard Kegel umreißt in 320 Seiten den Fachbereich der Epigenetik. Dafür sichtet er viel Material, ist am Puls der Forschung und taucht tief in die Materie – die die Komplexität im Inneren der Zelle trotzdem nur ankratzt. Wer sich von Grund auf belehren lassen und momentan anerkannte epigenetische Mechanismen verstehen will, ist hiermit gut beraten, vielleicht aber auch überfordert. Auf jeden Fall verdeutlicht Kegel fundiert, wie plastisch Lebewesen doch sein können – unabhängig einer statischen Genetik:

„Die Wissenschaftler haben einen riesigen Berg an Fallbeispielen zusammengetragenen, bei denen Umwelteinflüsse maßgebliche Weichenstellungen vornehmen. Die Temperatur entscheidet über die Fellfarben von Siamkatzen, die Flügelmuster von Schmetterlingen und das Geschlecht von Schildkröten und Krokodilen. Der Kontakt mit Artgenossen bestimmt, ob Wanderheuschrecken zur biblischen Plage werden und Fische zu Männchen oder Weibchen: Ausscheidungen, mit denen Räuber ihre Anwesenheit verraten, veranlassen Beutetiere wie Frösche, Rädertierchen, Wasserflöhe, Schnecken und Fische, sich selbst oder ihre Nachkommen mit dicken Muskelpaketen, Dornen, Helmen und verstärkten Schalen auszustatten, um sie vor gefräßigen Feinden zu schützen. Die Wissenschaftler sprechen bei diesen verschiedenen, durch spezifische Umweltsignale abrufbaren Erscheinungsformen eines Organismus von phänotypischer Plastizität.“

Mächtige Königin und impotente Arbeiterin – genetisch identisch

(Bildquelle: Wikimedia.org / Martin Cooper ; CC Lizenz)

Arbeiter oder Königin? Eine bestimmte Ernährung kann Gene lahmlegen und damit auch den Phänotyp verändern. Wie steht es mit deiner Ernährung…? Limitiert sie dein realisierbares Potenzial? (Bildquelle: Wikimedia.org / Martin Cooper ; CC Lizenz)

Bienenkönigen und Arbeiterbienen sind tatsächlich genetisch identisch. Eigentlich unfassbar – als ob man Gandhi klonen und Ronnie Coleman herauskommen würde. Wie ist das möglich? Das Geheimnis liegt nicht in den Genen, sondern in der Ernährung während des Larvenstadiums.

Zukünftige Königinnen werden mit Gelee Royal gefüttert. Einfache Arbeiterbienen mit einer Mischung aus Honig und Pollen. Tatsächlich ist es jedoch nicht das Gelee, das die Larve zur Königin werden lässt, denn alle Larven bekommen es zu Beginn. Es ist das Futter aus Honig und Pollen, dass die Gensequenzen inaktiviert, die zur Ausbildung des königlichen Phänotyps (Erscheinungsbilds) führen. In diesem Fall geschieht das über eine sog. Methylierung, einer von vielen epigenetischen Mechanismen, der entscheidet, zu was für einem Wesen unserer Art wir werden.

Wer weiß, was alles in uns schlummert? Wer weiß, durch welche Kleinigkeiten wir uns selbst klein halten?

Die mächtige Umwelt

So entscheiden Nahrung, Temperatur, Botenstoffe, Ausscheidungen und weitere Einflüsse unserer Umwelt in sensiblen Phasen darüber, wer und wie wir sind. Genetisch identische Katzen werden plötzlich fettleibig, bekommen eine völlig andere Fellfarbe und werden anfällig für Diabetes. Was Schwangere in den ersten Wochen essen, entscheidet über die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten des noch ungeborenen Nachwuchses. Wie viel Großväter in ihrer Jugend zu essen hatten, entscheidet über die Sterblichkeit ihrer Enkel usw.

Was, wann, wo und wie zu welchen epigenetischen Veränderungen führt, wird gerade erst verstanden. Nach dem Hype der Genetik befinden wir uns nun inmitten dem der Epigenetik. Man sollte nichts überschätzen, aber auch verstehen, wie wichtig die Wahl unserer Umwelt, des Wohnraumes, der Arbeitsbedingungen, der sozialen Kontakte, unserer Nahrung und sportlichen Betätigung nicht nur für uns von Bedeutung sind. Epigenetische Veränderungen werden nämlich vererbt. Lamarck, lange Zeit verlacht, muss rehabilitiert werden – vertrat er doch schon vor fast 200 Jahren genau das.

(Bildquelle: Wikimedia.org / 7mike5000 ; CC Lizenz)

Unsere Umwelt – und die unserer Eltern – hat einen großen Einfluss auf unser eigenes Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Pränatale Prägung ist kein Hirngespinst. (Bildquelle: Wikimedia.org / 7mike5000 ; CC Lizenz)

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Eines steht fest: Alles fließt

(Bildquelle: Wikimedia.org / Maksim ; CC Lizenz)

Von der harmlosen Grille zur biblischen Plage? Die Gene sind gleich, der Phänotyp (Erscheinung) verändert sich. Der Trigger? Die unmittelbare Umwelt. (Bildquelle: Wikimedia.org / Maksim ; CC Lizenz)

Epigenetische Mechanismen laufen ein Leben lang ab und werden über Generationen weitergegeben. Sie sind also nicht nur auf sensible Phasen im Mutterleib oder der Kindheit begrenzt. Und sie können z.T. drastische Ausmaße annehmen. Die Wüstenheuschrecke vermag das zu verdeutlichen:

Normalerweise ist sie ein scheues, gut getarntes, kurzflügeliges Wesen. Streichelt man es jedoch regelmäßig und für einen längeren Zeitraum am linken hinteren Oberschenkel, wird irgendwann ein Schalter umgelegt: Das unscheinbare Insekt wird nach einigen Häutungen zum schillernden Monster mit gewaltigen Flügeln – immer noch genetisch identisch.

Was unter Laborbedingungen eingehend erforscht ist, hat den Hintergrund, dass sich diese Heuschreckenart normalerweise still verhält, bis die Population irgendwann so groß wird, dass sich die einzelnen Tiere derart gegenseitig auf die Füße stapfen, bis sie irgendwann genug haben und zur biblischen Plage werden, um sich zu erheben und zu neuen Futtergründen zu fliegen.

Ein epigenetischer Notfallmechanismus, der das Verhungern verhindern und die Ausbreitung sowie Bewahrung der Spezies fördern soll. Phänotypen, einst starre Kopien fleischgewordener DNS, sind tatsächlich wandelbare Schatten des sich an die Bedingungen der Umwelt anpassenden Genoms. Warum sind wir Menschen so wie wir momentan sind? Weil unsere Umwelt so ist, wie sie momentan Ist.

Kann der Mensch sich verändern?

(Bildquelle: Christian Zippel)

(Bildquelle: Christian Zippel)

Dass wir Menschen in unserer Entwicklung kaum große Sprünge machen liegt vor allem daran, dass wir unsere Lebensbedingungen kaum verändern – und nicht an unseren Genen. Wir sind stinkkonservativ in diesem Aspekt: Dieselben Vorlieben, Lebensmittel, Trainings-, Wohn-, Arbeits- und Lebensbedingungen. Tag für Tag. Wer von uns verändert sich schon wirklich? Bricht aus der Bahn aus und verlässt die Komfortzone?

Vor langer Zeit haben wir es uns auf einer Bahn gemütlich gemacht und bummeln nun auf dieser dahin. Viele wollen große Sprünge machen, aber bleiben auf dem Boden. Furcht ist ein starkes Bindemittel.

Ich selbst…

…experimentiere gerne mit Realitätssprüngen. Es waren solche Sprünge, die den größten Wandel in meiner Entwicklung gebracht haben. Das jahrelange Schuften auf ein und derselben Bahn war hingegen nur ein fader Abgeschmack davon. Als Beispiel soll mein eigenes Training gelten. Jahrelang habe ich hart vor mich hintrainiert und stetige, aber langsame Fortschritte gemacht. Fünf radikale Wechsel in der Routine waren es, die aus kleinen Schritten signifikante Sprünge machten:

1. Der Fokus auf natürliche Bewegungen

HochfreqIch kenne viele Stoffer, die mit allerlei Übungen Muskeln aufgebaut haben, aber keinen Natural, der nicht ohne den Fokus auf die Varianten des Hebens, Beugens, Ziehens, Schreitens und Drückens aus der Masse der Hampel- äh Hantelmänner herauswuchs. Der Wechsel vom Geräte- und Isolationstraining zu den Grundübungen hat mir einen großen Schub gegeben. Einige Jahre habe ich noch im Verbund mit Isolationsübungen trainiert, doch auch das habe ich gestrichen und mich noch mehr auf das Wesentliche konzentriert. Mit positivem Effekt. It’s not daily increase…

2. Eine drastische Kaloriensteigerung

Täglich mehr als doppelt so viele Kalorien, wie gewohnt, bis hin zu 8.000 Kilokalorien und mehr! Das legte einen Schalter um, der mich zu einem völlig anderen Athleten machte. Alles wuchs schneller, wurde stärker. Ein Entwicklungsrausch, den Training allein niemals bewirken kann. Für einen Natural das einzige Vorgehen, das in die Nähe einer steroidähnlichen Wirkung führt.

3. Hochfrequenztraining

Tägliches Training des gesamten Körpers verhalf mir, nach 12 Jahren Training, einen Leistungs- und Entwicklungssprung zu schaffen, der meine Maximalleistungen nach oben schießen lies und mein Körpergewicht binnen weniger Monate um 14kg – gemeinsam mit den beiden anderen Punkten kam ich so zu meiner Höchstform von 104kg bei noch sichtbaren Bauchmuskeln. Mein persönlicher Massegipfel, mit dem das Projekt „Bodybuilding“ für mich abgeschlossen war: Bodybuilding ist tot.

4. Der Fokus auf Körpergewichtsübungen

(Bildquelle: Christian Zippel)

Weg von der Masse, hin zur Funktionalität: Christian Zippel in Action. (Bildquelle: Christian Zippel)

Dieser Schritt führt mich weg von überflüssiger Muskelmasse, hin zu mehr Körperbeherrschung. Das Training mit dem eigenen Körper unabhängig aller Umstände – wie Geräte oder Studios – entspricht meinem minimalistischen Ideal, erfüllt mich sehr und wird es mir auf meiner Reise ermöglichen, immer und überall trainieren zu können. Freiheit pur und der beste Weg, um die Körper-Geistverbindung zu stärken.

5. Fasten

Neben dem Fressen verlieh das Fasten meiner Entwicklung eine neue Dimension. Näheres dazu hier: Wie neugeboren durch Fasten? Momentan ernähre ich mich minimalistisch, naturbelassen, bin athletisch, leistungsfähig und wechsle regelmäßig zwischen Fasten- und Fresstagen.

Weitere Sprünge…

…die mich aus der Bahn geworfen und meine Entwicklung gefördert haben:

1. Exzessives Lesen

(Bildquelle: Flickr / Martin Gommel ; CC Lizenz)

Lesen? Das ist Krafttraining für den Verstand! (Bildquelle: Flickr / Martin Gommel ; CC Lizenz)

Ab einem bestimmten Konsumniveau anspruchsvoller Lektüre entwickelt sich eine völlig andere Bewusstseinsform, neben der das normale Alltagsbewusstsein abstinkt wie das nächtliche Testbild im Fernsehen gegen einen fesselnden Blockbuster. Man entwickelt komplexe Gedanken, hunderte von Fragen tauchen auf, Zusammenhänge werden klar, Banalitäten bewusst. Vieles verändert sich für immer. Nichts hat mein Weltbild stärker verändert, als der Konsum dieser komprimierten Denkanstöße zwischen zwei Buchdeckeln. Hier liegt der triefend schwarze Dünger aus Druckerschwärze, der mich dazu veranlasst, weder unsere Welt, noch unsere Gesellschaft wirklich ernst zu nehmen, und mir so die Freiheit gibt, so zu leben, wie ich will und nicht, wie andere es von mir erwarten. Reisen mag den Horizont erweitern, Lesen kann ihn sprengen. (siehe auch „Lesen ist Krafttraining für den Verstand“)

2. Drogenkonsum

Ein heikles Thema. Ich werde nicht viel dazu schreiben, da es schwer ist, damit umzugehen und viele daran zugrunde gehen. Für mich waren sie eine starke Inspiration, die mir schon in jungen Jahren meine starre Perspektive zur Welt zerrissen und buntes Konfetti übrig gelassen haben. Meine damaligen Kumpanen, die allesamt älter waren, konsumierten eher aus Belangen der Flucht, Linderung, weil alles scheiß egal war oder sie endlich mal wieder das Leben spüren wollten. Einige sind schon tot, viele abgestürzt, depressiv, im Gefängnis, krank oder bodenlos und in Behandlung.

Mein Zugang war manchmal ähnlich motiviert und hatte doch eine forschende Grundlage, die die eigene Wahrnehmung und Stabilität von Körper und Geist hinterfragen, verändern und erweitern wollte. In der Zeit, als ich aufs Gymnasium wechselte (auch ein guter Sprung), las ich mich in das Thema ein. Geprägt haben mich Bücher und Schriften wie die von forschenden Geistern wie Siggi Freud, Aldous Huxley oder Albert Hoffmann – z.B.:

Drogen sind weder gut noch schlecht, der Mensch macht sie erst dazu. Man sollte nicht erwarten, dass schwache oder schlechte Menschen dadurch stärker oder besser würden. Sie fühlen sich vielleicht so, aber driften dabei noch weiter von diesem Ideal ab, bis sie irgendwann an einen Abgrund kommen – und Wasserfälle führen selten bergauf. Menschen, die nicht zu 100% überzeugt davon sind, dass sie mit starken Substanzen zurechtkommen, sollten sie sich auch nicht ins Nervensystem ballern. Eine körperliche Sehnsucht war für mich nie im Spiel. Und wer schon zu banalen Stoffen wie Nikotin, Ethanol, Koffein oder Saccharose eine Anziehung spürt, sollte nicht im Entferntesten daran denken, sich anderweitig aus der Bahn zu schießen.

Generell haben alle Sprünge, die zu radikalen Veränderungen führen, auch großes Potenzial dazu, das eigene Leben zu zerstören. Gewinner bleibt nur, wer aus den Trümmern eine noch stärkere und schönere Bleibe zu zimmern weiß. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen – seit einigen Jahren. Anstatt das Nervensystem zu zerbröseln will ich es stärken und beherrschen lernen.

3. Meditation und Reflektion

(Bildquelle: Pixabay.com / Ambroochizafer ; CC Lizenz)

Der Wille ist ein Muskel, den du trainieren kannst und musst. Meditation kann dir dabei helfen deinen Körper zu meistern. (Bildquelle: Pixabay.com / Ambroochizafer ; CC Lizenz)

Zwei Aspekte, die in unserer Gesellschaft zu kurz kommen. Der Wille ist ein Muskel – und ebenso trainierbar. Dafür muss man jedoch erst einmal das Hamsterrad anhalten, äußere Einflüsse reduzieren und in sich gehen. Wer macht das schon? Wer kann das überhaupt noch? Mir geben diese Moment viel. Sie verändern mein ganzes Leben, davon kann man hier lesen: Wider die Oberflächlichkeit.

4. Natürlich war der Beginn ernsthaften Widerstandstrainings ein ebensolcher Sprung…

…der meine körperliche Entwicklung in eine andere Sphäre hob. Weitere Erläuterungen spare ich mir an dieser Stelle, da der gesamte Wille zur Kraft Sektion aus diesem Trieb erwachsen ist und die Bedeutung dieses Sprungs hinlänglich (bei meinen Lesern) bekannt ist. Nichts macht einen Menschen stärker, als die Konfrontation und Überwindung seiner eigenen Schwäche. Das ist peinlich banal und dennoch kaum in der Gesellschaft angekommen. Daher sollte man es immer noch an jede Wand sprühen: AM WIDERSTAND WÄCHST MAN!

5. Todesfälle und brenzlige Erfahrungen

(Bildquelle: Pixabay.com / Blickpixel ; CC Lizenz)

Der Verlust eines lieben Menschen? Auch solche einschneidenden Erlebnisse können unser Leben auf ewig verändern. (Bildquelle: Pixabay.com / Blickpixel ; CC Lizenz)

Einschneidende Erlebnisse können das ganze Leben verändern. Ich „durfte“ einige davon in jungen Jahren machen. Sie haben mich stark geprägt und über die stumpfe Religion und die träumerische Esoterik hin zur starken Philosophie geführt. Sie haben mir bewusst gemacht, dass mein Leben flüchtig ist wie die Flamme einer Kerze und dass es allein an mir liegt, wirklich zu leben und für etwas zu brennen, bevor mein Licht ausgeblasen wird.

Sicherlich schlummert in jedem von uns das Bedürfnis nach einschneidenden Erlebnissen, weshalb unsere Jugend den Kick sucht, wo es nur geht. Bernhard Kegel beschreibt in seinem Buch, wie solche Erlebnisse epigenetisch wirksam werden, das gesamte Leben verändern und sogar vererbt werden.

Weitere Sprünge…

…wie z.B. der Eintritt in eine schlagende Studentenverbindung, der mein Leben während des Studiums drastisch verändert hat, oder regelmäßige Wechsel von Wohnung, Umgebung, Arbeit und sozialem Umfeld reißen mich immer wieder aus gewohnten Bahnen sowie der Komfortzone und machen mich zu dem, der ich bin – wer oder was das auch immer sein mag.

Beharrlichkeit ist wichtig, aber nur ein Aspekt der menschlichen Entwicklung. Wer zu lange auf einer Bahn verharrt, wird starr und träge. Das ermöglicht erst solides Leben. Ich respektiere, dass die meisten Menschen genau das wollen, aber soll das wirklich alles sein? Mir behagt das nicht. Ich schocke lieber mein Genom und schaue, was noch so in mir steckt. Auf zum nächsten Sprung.

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Zwei weitere Bücher zur Epigenetik

Das Buch des Mediziners und Molekularbiologen Joachim Bauer. Eines der ersten und bekanntesten Bücher zur Bedeutung der Epigenetik. Vieles war 2004 noch nicht bekannt, aber es ist auch heute noch ein guter, leicht lesbarer Einstieg. Es liegt eine neue Auflage als Hardcover vor.

Lipton, von Haus aus Zellbiologe, rennt mit so großem Engagement gegen die Mauern des genetischen Determinismus an, dass er sie – mit gewichtigen Beweisen im Rucksack – durchbricht, aber danach nicht mehr zu stehen kommt. So fällt er in das Loch esoterischer Bodenlosigkeit und wird zum Vertreter der Gegenposition, die nicht minder engstirnig ist: Statt alle Dinge durch innere Eigenschaften determiniert zu sehen, glaubt er nun, – auf der Grundlage verführerischen Halbwissens von Quantenmechanik und Fraktaler Geometrie – alle Welt bestünde nur als universelles Netzwerk energetischer Schwingungen. Vom engstirnigen Materialismus sprang er zum spirituellen “Lasst uns an die Hände fassen, denn alles hängt mit allem zusammen” über. Schade, denn abgesehen vom letzten Kapitel legt er verständlich dar, was moderne Biologie und Physik uns lehren können. Nur die Synthese von alter und neuer Forschung gelingt ihm nicht. In diesem Fall liegt (mir) die Wahrheit näher an der Mitte, als in einem der beiden Extreme: Sowohl die Gene, als auch die Umwelt sind von Bedeutung. Ein Mensch würde sich sein einzigartiges Wesen sicherlich nicht aus dem All(umfassenden) “downloaden“, wenn die Umstände exakt gleich wären und so zur Unsterblichkeit gelangen. (Ach, hätte er sich doch nur das letzte Kapitel verschwiegen…)

(Bildquelle: Flickr / thierry ehrmann ; CC Lizenz)

Die Gene sind fix, aber es gibt genug Spielraum. Es liegt an dir, ob du das ungenutzte Potenzial nutzt und die “Genetik” als Ausrede nimmst. (Bildquelle: Flickr / thierry ehrmann ; CC Lizenz)

Dennoch lohnt sich das Buch – solange man kritisch bleibt. Es vermittelt interessante und sinnige Denkanstöße, auf der Grundlage der Epigenetik, die kaum bekannt sind und in anderen Büchern nicht thematisiert werden. Sie haben Potenzial, um zu verdeutlichen, wie sehr doch unser Denken und Leben entscheiden, welche Gensequenzen in uns aktiv werden und welche nicht.

Gene mögen uns steuern, wir haben aber auch die Macht, unsere Gene zu steuern. Am stärksten ist der Einfluss unserer Umwelt (und der unserer Vorfahren). Je mehr wir unsere Entwicklung (und die unser Nachkommen) steuern wollen, desto mehr müssen wir also unsere Umwelt steuern!

Lebensumstände, die krank und schwach machen, gilt es zu meiden. In einer Gesellschaft, in der Krebs, Rückenleiden, Diabetes, Adipositas und Charakterschwäche an der Tagesordnung sind, haben wir ausreichend Beispiele, wie man es nicht machen sollte. Wir mögen daraus lernen – und sicherlich viele andere Fehler machen. Aber nur durch den Irrtum lernt man wirklich. Manche Berge sind es nicht wert, dass man ein Leben lang auf ihnen bleibt und da kann man kraxeln, wie man lustig ist, viel wird man nicht mehr erreichen. Manchmal ist es besser, hinab zu steigen, ins Tal, um einen, hoffentlich, besseren Berg zu steigen. Einen Sprung wagen! So irren wir uns empor – durch Tiefen, hinauf zu neuen Höhen.

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ Georg Christoph Lichtenberg


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Über Christian Zippel

Dr. Christian Zippel ist Urheber des 2013 geschlossenen und offline genommenen Kraftsport- und Bodybuilding-Blogs „Der Wille zur Kraft“. Er ist mehrfacher Autor, darunter von Werken wie „Der Wille zur Kraft – Die zehn Gebote kompromissloser Leistungssteigerung“, „HFT: Hochfrequenztraining & Autoregulation“ „Rosenrot – Oder die Illusion der Wirklichkeit“, „Leider geil, fett & faul“ oder „80/20 Fitness – Wenig investieren, viel erreichen“ und promovierte im Bereich der Philosophie.

Auch wenn er sich vielleicht selbst nicht so bezeichnen würde, so ist Christian doch das, was man als „Neuzeit-Philosoph“ bezeichnen könnte. Seine Werke und Artikel – selbst jene, die sich der Leibesertüchtigung verschrieben haben – sind durchtränkt mit philosophischem und erziehendem Charakter. Seine Lehrer? Seneca, Nietzsche, Bruce Lee. Sein Motto? Die Einheit von Körper und Geist. Mens fortis in corpore forti – ein starker Geist in einem starken. Körper.

Er selbst hat sich weitestgehend aus dem Internet zurückgezogen und ist nicht mehr in Blogs oder Foren aktiv. Die hier veröffentlichten Artikel sind aus seinem früheren Blog „Der Wille zur Kraft“ übernommen, da er sie kurz vor Torschluss zur Verfügung gestellt hat.

2014 gründete Christian den Fitness-Buchverlag „Faszination Fitness“, der vor kurzem mit seinem Erstlingswerk von sich reden machte, einem Crowdfunding-finanziertem Buchband namens „Stark & Schön“ in Zusammenarbeit mit Corinna Walther und Andreas Trienbacher.

Wer für ein Coaching oder geistigen Austausch den direkten Kontakt zu Christian sucht, der wird hier fündig: http://www.christian-zippel.de

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