Mentale Modelle: Triffst du bewusste Entscheidungen?

Mentale Modelle: Triffst du bewusste Entscheidungen?

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Von Carsten Dietrich

Damit dein Gehirn in Echtzeit funktionieren und all die Informationen und Eindrücke, die auf dich durch deine Sinnesorgane wirken, verarbeiten kann, bedient es sich kleiner „Abkürzungen“, die deine Wahrnehmung und dein Denken hoch effizient machen.

In Wirklichkeit kommt zum Beispiel nur etwa 40% von dem, was du denkst zu sehen, wirklich „durch“ deine Augen. Die restlichen 60% ergänzt dein Gehirn mit Hilfe deiner Erfahrungen und unzähliger Schablonen aus der Vergangenheit.

Diese Prozesse (sprich: Modelle) sind enorm hilfreich, wenn es zum Beispiel darum geht, die Aufgaben des Alltags zu meistern und bei der Filterung der heutzutage eh schon viel zu großen Informationsflut. Sie helfen dir sogar dabei Gefahren zu erkennen und dein Überleben im Großstadtdschungel zu sichern oder zu verstehen, was das Mädel, welches dir grade in der Bahn gegenüber sitzt, dir eigentlich mit dem ständigen Lächeln suggerieren möchte.

Doch Modelle bleiben letztendlich Modelle und entsprechen nicht der Realität.- jeder Naturwissenschaftler ist sich darüber im Klaren. Und genau da liegt der Knackpunkt: Durch falsche, schlechte und ungenaue Modelle, die du in komplexen Situationen zur Entscheidungshilfe heranziehst, können erhebliche Fehler entstehen und falsche Schlussfolgerungen gezogen werden, die dein Leben negativ und nachhaltig in der Gegenwart und Zukunft beeinflussen.

Mentale Modelle: Triffst du bewusste Entscheidungen?

Wir sollten darauf achten, einer Erfahrung nur so viel Weisheit zu entnehmen, wie in ihr steckt – mehr nicht!

(Bildquelle: Flickr / Impact Hub ; CC Lizenz)

Links, gerade aus oder doch lieber rechts? Beim Treffen von Entscheidungen greifen wir oft auf bereits Erlebtes zurück. (Bildquelle: Flickr / Impact Hub ; CC Lizenz)

Mark Twain veranschaulicht diese Weisheit sehr gut mit seinen geliebten Katzen: Eine Katze, die sich auf eine heiße Herdplatte setzt, wird dies mit ziemlicher Sicherheit nie wieder tun – was grundsätzlich richtig ist. Aber diese Katze wird sich eben auch nie wieder auf eine kalte Herdplatte setzen.

Durch dieses banale Beispiel wird sehr gut deutlich, wie ein mentales Modell entstehen kann und unter Umständen zu einem falschen Handeln in der Zukunft führt. Für viele Menschen ist es selbstverständlich, dass sie aus all den verfügbaren Informationen ihr zukünftiges Handeln durch Analyse und Bewertung planen. Wenn es allerdings um die Analyse der Vergangenheit geht – also der Bildung der Modelle und Schablonen – dann vergessen viele von ihnen, dass wir dazu neigen Erinnerungen falsch und ungleichmäßig zu bewerten.

Der Hindsight-Bias

Genau diese – gegebenenfalls falsch geformten – Schablonen beeinflussen schließlich das Problemlöseverhalten und die Handlungsregulation. Der sogenannte „hindsight-Bias“ (Rückschaufehler) beschreibt dieses Phänomen relativ gut.

Aus diesem Grund ist es wichtig sich stets vor Augen zu führen, dass man sich oftmals systematisch falsch an die Überlegungen und Informationen, die zu einer Entscheidung geführt haben, zurückerinnert. Die Folge? Das zu Grunde liegende Modell ist mehr oder weniger verzerrt.

(Bildquelle: Pixabay.com / 742680 ; CC Lizenz)

Denkst du jeder Entscheidung im Detail durch? Nein, natürlich nicht – aber manchmal sollte man sich ein paar Gedanken machen. Vor allem, wenn die Folgen schwerwiegend sind. (Bildquelle: Pixabay.com / 742680 ; CC Lizenz)

Natürlich wirst du auch in der Gegenwart nicht immer alle vorhandenen Informationen zur Entscheidungsfindung richtig und vor allem angemessen bewerten. Im Bezug auf die Vergangenheit bedeutet „systematisch falsch erinnert“ jedoch, dass du das Ergebnis der getroffenen Entscheidung bei deiner Erinnerung schon kennst und so die einzelnen Variablen dahingehend verzerrst. Du bewertest also zwangsläufig einige dieser Variablen über. Es sind diese Variablen, die vielleicht in der kommenden Situation ganz anders bewertet werden müssten, um die richtige Vorhersage treffen zu können.

Das Katzenbeispiel veranschaulicht diesen Fehler sehr gut, denn die Herdplatte wird sicherlich nicht immer heiß sein. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Herdplatte öfter kalt als heiß sein wird, da nur an bestimmten Augenblicken und für einen begrenzten Zeitraum gekocht wird. Die Wahrscheinlichkeit sich an einer heißen Herdplatte zu verbrennen, ist also geringer, als das Modell, welches auf der vergangenen Erfahrung und Erinnerung der Katze basiert, vorhersagt.

Das heißt einfach ausgedrückt: Die Katze hat ein sehr schlechtes Modell aus ihrer Erfahrung gebildet, auf dass sie ohne Neubewertung der beteiligten Variablen zurückgreift, um ihr Verhalten zu planen.

Deine Modelle sind Unikate

(Bildquelle: Flickr / Vincente Villamon ; CC Lizenz)

Unter “Cherry-Picking” versteht man das Ausblenden von Fakten, die der eigenen Ansicht zuwiderlaufen und die Bevorzugung jener Sachverhalte, die die eigene These stützen. Ein korrektes Gesamtbild ergibt sich so aber nicht.(Bildquelle: Flickr / Vincente Villamon ; CC Lizenz)

Dir sollte bewusst sein, dass keiner deiner Mitmenschen die Welt exakt genauso sieht wie du es tust – einfach weil er oder sie komplett andere Erfahrungen und Eindrücke in der Vergangenheit gewonnen hat, die sich von deinen unterscheiden. Diese Variation und Vielfalt ist gut und beispielsweise in vielen Bereichen der in der Wirtschaft bei kreativen Unternehmen, sehr wichtig und unentbehrlich. Sie führen aber auch oft zu Missverständnissen und Frust, sowohl im privaten als auch im beruflichen Miteinander.

Es ist wichtig die Standpunkte Anderer zu akzeptieren und wertzuschätzen und sich immer wieder bewusst zu machen, dass unsere Modelle Fehler enthalten können – ganz besonders dann, wenn sie auf Widerstand oder Kritik stoßen. Menschen neigen nämlich gerne dazu diese Kritik zu ignorieren oder sie nicht ernst zu nehmen, denn in der Regel sehen wir unsere eigenen Überzeugungen und Gedanken als korrekt an. Dieses Phänomen wurde bereits 1960 nachgewiesen und wird mit dem „confirmation bias“ (Bestätigungsfehler) beschrieben.

Oder kurz gesagt: Wir sehen unwillkürlich das, was wir auch sehen wollen und was in unser Weltbild passt. Gleichzeitig neigen wir dazu die Sachen auszublenden, die unseren Ansichten zuwiderlaufen, sofern wir nicht dafür sensibilisiert sind. Dieses „Cherry-Picking“ sorgt für eine gewisse Integrität unserer Neigungen, Denkarten und Gefühle. Dies kann je nach Situation schlecht oder gut sein.

Deswegen ist es wichtig, dass du einen Mittelweg – eine Balance zwischen deinem eigenen Denken und Modellen – findest und dir eine Bereitschaft, diese auch zu hinterfragen und dich von außen beeinflussen zu lassen, anlegst. Nur so kannst du dich weiterentwickeln.

Jeder, der sich zum Beispiel mit fremden Kulturen beschäftigt, merkt schnell und oft wie festgefahren das eigene Denken manchmal sein kann – und dass du dich niemals gegen Einflüsse von außen komplett abschotten solltest.

Zeichnest du deinen Lebensweg nur mit Schablone?

(Bildquelle: Wikimedia.org / Carsten Tolkmit ; CC Lizenz)

Ob links oder rechts: Manchmal muss man Entscheidungen treffen, die das ganze Leben nachträglich beeinflussen. Hier solltest du nicht (nur) nach Bauchgefühl gehen. (Bildquelle: Wikimedia.org / Carsten Tolkmit ; CC Lizenz)

Während diese mentalen „Abkürzungen“ in bestimmten Situationen unser Gehirn vor dem „Heißlaufen“ bewahren („paralysis through analysis“), können sie in mindestens genau so vielen Fällen den Moment und unsere Zukunftspläne in Flammen aufgehen lassen – wenn wir sie denn lassen.

Frage dich zunächst einmal selbst, wie oft du in deinem Leben Entscheidungen auf Basis deiner bisher gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht hast: Wie oft hast du schon gedacht, dass du mit deiner Prognose richtig liegst, obwohl am Ende ein ganz anderes Endergebnis herausgekommen ist? Was denkst du, wie oft du durch deine Erfahrungen voreingenommen bist und die falschen Modelle und Schablonen zu Rate ziehst?

Dir fallen vermutlich unzählige Situationen ein, die wie die Faust aufs Auge zu diesen Fragen passen. Die weitaus Wichtigere ist jedoch: Wie oft haben sich deine Modelle als falsch erwiesen? Wie oft trat etwas ein, was du überhaupt nicht erwartet hast? Kennst du eigentlich das Chaos-Prinzip? Das Leben lässt sich eben nicht zu 100 % vorhersagen.

Wichtig ist, sich endgültig und immer wieder bewusst zu machen, dass diese mentalen Modelle, die unterbewusst gebildet werden und mindestens genauso unbewusst ablaufen, uns und unser Denken positiv wie auch negativ beeinflussen können. Dies gilt umso mehr, wenn es um ambitionierte Zielsetzungen und Zukunftspläne geht. Wenn du stets nur mit den gleichen Schablonen arbeitest und keine Updates zulässt (d.h. stets dazulernst und das Gelernte mit in die Überlegungen einfließen lässt), dann beschneidest du dich sehr schnell deiner eigenen Möglichkeiten.

Ein griffiges Beispiel gefällig? Die Klassiker schlechthin: „Das hat noch nie jemand geschafft“ und „das haben wir schon immer so gemacht.“

(Bildquelle: Flickr / Jason Lengstorf ; CC Lizenz)

Gestern nicht, heute nicht…aber dafür morgen? (Bildquelle: Flickr / Jason Lengstorf ; CC Lizenz)

Nur weil etwas gestern und vorgestern nicht funktioniert hat, bedeutet das nicht automatisch, dass es heute nicht klappen könnte. Vielleicht hast du am Mittwoch nur 8 statt der geplanten 9 oder 10 Wiederholung auf der Bank mit 120 kg gedrückt, doch wer sagt dir, dass du es heute nicht schaffen könntest? Du hast dich ausgeruht, gut gegessen und fühlst dich erholt und energiegeladen. Das sind die Momente, in denen wortwörtlich alles geht.

Manchmal halten dich viele Dinge und „gute Gründe“ sowie festgefahrene Glaubenssätze – die nur in deiner Vorstellung existieren – davon ab, irgendetwas nicht zu versuchen. Fehler und Fehlschläge gehören genauso zum Wachstumsprozess dazu, wie Erfolge. Manchmal läuft es wie am Schnürchen und manchmal muss man den Kurs korrigieren, wenn man am Ziel ankommen und seine Träume verwirklichen will. „Learning by doing“ ist das Motto – genauso wie „Trial and Error“. Einer der das begriffen hat, ist beispielsweise Tim Ferriss, der durch zahlreiche Experimente und Selbstversuche von sich reden machte (siehe Bücher wie “Die 4 Stunden Woche” oder “Der 4 Stunden Körper“). Deswegen ist ein regelmäßiges Prüfen der Schablonen und der eventuelle Wechsel dieser überaus wichtig und unentbehrlich, wenn man wirklich erfolgreich im Leben sein möchte.

Wichtig ist, dass du deine Ziele, Wünsche und Träume genau formulierst. Nur so kannst du identifizieren, welche mentalen Modelle, Ängste und Grenzen du dir selbst aufzwingst. Was ist möglich? Was ist nicht möglich? Und was denkst du ist nicht möglich, obwohl es durchaus machbar wäre? Du musst lernen deine Gedanken und Ansichten zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen: Lasse die Vergangenheit dein Lehrer sein, aber nicht dein Herrscher.

Mentale Modelle: Fluch und Segen zugleich

(Bildquelle: Flickr / mattwi1s0n ; CC Lizenz)

Schnelle Entscheidungen sparen mentale Energie. (Bildquelle: Flickr / mattwi1s0n ; CC Lizenz)

In gewisser Weise bilden jene mentalen Modelle auch deine persönliche Komfortzone: Dass, was du schon kennst, was du erfahren, erlebt und woran du dich gewöhnt hast. Mach dir aber nichts draus, wenn das nicht immer klappt: Es ist absolut verständlich, dass du dir in der Regel versuchst die Realität auf diese Art und Weise zu erklären, denn alles andere bedeutet Ungewissheit und Instabilität.

Würdest du nicht mit mentalen Modellen, Schablonen und Heuristiken arbeiten, würdest du morgens vermutlich nicht einmal entscheiden können, welche Socken du dir anziehst, was es zum Frühstück gibt und wie du zur Schule, Uni oder Arbeit kommst. Bei solchen trivialen Angelegenheiten, die keine große Folgewirkung haben, ist es sogar überaus effizient auf Altbewährtes und Bekanntes zurückzugreifen, um mentale Energie für die wirklich wichtigen Entscheidungen im Leben zu sparen.

Wenn es allerdings um Dinge geht, die einen großen nachhaltigen Einfluss auf dein Leben haben (werden), macht es durchaus Sinn einmal inne zu halten und zu analysieren, welche Variablen in welchem Umfang eine Rolle spielen. Als Faustregel gilt: Je weniger Variablen, desto zuverlässiger die Vorhersage – allerdings ist es meist so, dass man kaum Zeit dafür verschwendet alle relevanten Variablen zu erheben und sich ihrer bewusst zu werden – stattdessen wird auf ein altbewährtes (ggf. unzureichendes) Modell zurückgegriffen. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass Menschen ohnehin genug kognitive Fehler besitzen, welche eine natürliche Verzerrung der Prognose bedingen.

Wage dich an das Ungewisse

(Bildquelle: Pixabay.com / geralt ; CC Lizenz)

Wage den Sprung ins Ungewisse und risikere auch mal Etwas. (Bildquelle: Pixabay.com / geralt ; CC Lizenz)

Und hey – jetzt sage ich dir auch noch, dass der Zufall eine sehr wichtige Rolle in deinem gesamten Leben spielt (und bereits gespielt hat). Spätestens dann sollte dir schnell klar werden, dass man viele mentale Modelle – insbesondere denen, die dir Sicherheit und Kontrolle vorgaukeln – nicht ohne grundlegende Modifikation als wahr oder präzise hinnehmen sollte. Das ist gerade dann wichtig, wenn es um das Treffen von Entscheidungen geht, die schwerwiegende Folgen und Auswirkungen haben und die deine Zukunft nachhaltig beeinflussen können.

Also: Wage dich ins Ungewisse, probiere ruhig etwas Neues aus und lass dich nicht von falschen Eindrücken abhalten. Stelle deine eigenen Modelle und Ansichten regelmäßig auf den Prüfstand und fange hierzu am besten mit kleinen Dingen, die eine große Wirkung haben können, an, um dein Leben zu bereichern und deinen Horizont zu erweitern.

  • „Ich muss frühstücken, auch wenn ich eigentlich gar keinen Hunger habe, da dies die wichtigste Mahlzeit des Tages ist.“
  • „Diese Frau gibt mir sowieso einen Korb, wenn ich sie anspreche…“
  • „Mein Chef wird mir die Gehaltserhöhung eh nicht genehmigen.“

Letztlich sind es solche banalen Gedanken und Überzeugungen, die dein Leben negativ beeinflussen und erheblich limitieren können. Es ist sogar so banal, dass die meisten Menschen schon lange nicht mehr über solche Dinge nachdenken, sie hinterfragen und neu bewerten: „Moment mal – ist das wirklich alles so klar und endgültig, wie ich mir das ausmale oder kann die Sache auch ganz anders ausgehen?“


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Über den Autor – Carsten Dietrich

Carstens Leidenschaft für den Sport, besonders dem Kraftsport, wurde erst spät geweckt. Mittlerweile ist Carston schon einige Jahre am Eisen – er selbst würde sich vorwiegend im Bereich Powerlifting und Athletik-Training einordnen, wenngleich seine Interessen im Bereich Sport breit gefächert sind und er immer offen für Neues ist. Er verfolgt aktuell keine spezielle Ernährungsstrategie und setzt auf natürliche und weitestgehend unverarbeitete Lebensmitteln, woraus sich auch gleichzeitig die Leidenschaft fürs Kochen verstärkte.

Da er keinen Mentor hatte, eignete er sich den größten Teil seines Wissen im Bereich Sport und Ernährung durch das Eigenstudium und allseits bekannte „Trial-and-Error“-Prinzip an. In dieser Zeit wurde auch sein Interesse für die Philosophie und die Psychologie geweckt.

Sein Interesse daran, anderen Menschen bei ihrer Entwicklung zu helfen und zu unterstützen, ist – neben seiner Leidenschaft des Artikelschreibens – stark ausgeprägt.


Bildquelle Titelbild: Pixabay.com / PublicDomainPictures ; CC Lizenz

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