Alpha Liponsäure + Training verdoppelt EPO-Level

Alpha Liponsäure + Training verdoppelt EPO-Level

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Von Damian N. Minichowski |

Die Substanz EPO dürften die meisten von uns aus diversen Doping-Skandälchen kennen. Hinter der Abkürzung verbirgt sich das Glykoprotein-Hormon Erythropoietin, welches die Erythropoese – die Produktion von roten Blutkörperchen – steuert, die wiederum für den Sauerstofftransport zuständig sind (und damit nicht nur bei Sportlern eine wichtige Aufgabe übernehmen).

Sauerstoffmangel („Hypoxie“) regt die Nieren (und z.T. in der Leber) zur EPO-Produktion an [2] – was zu einer massiven Erhöhung der EPO-Konzentration im Blut führen kann (normale Werte liegen zwischen 17-19 mU/ml [3]).

Der Sinn und Zweck einer solchen Maßnahme ist ganz einfach (und zeigt auf, wieso aktive Sportler zu EPO- und Blutdoping greifen): Mehr rote Blutkörperchen bedeutet bessere Sauerstoffversorgung der Muskulatur, bedeutet bessere Energieproduktion, bedeutet mehr Leistung im Wettkampf.

(Bildquelle: Jelkmann (2011))

Sauerstoffmangel stimuliert die EPO-Produktion in den Nieren: Das Hormon regt die Erythropoese an, wodurch mehr rote Blutkörperchen gebildet werden. Dies führt schließlich dazu, dass die O2 Kapazität des Blutes ansteigt (Sauerstofftransport). (Bildquelle: Jelkmann (2011))

Dennoch gibt es Mittel und Wege, um die EPO-Produktion des Körpers auf natürlichem Wege anzukurbeln. Höhentraining ist eine davon und sorgt infolge einer herbeigeführten Hypoxie dafür, dass der Körper mehr von diesem Hormon bildet. Eine andere Methode könnte die Kombination aus Alpha-Liponsäure und exzentrischem Training darstellt.

Obacht, das heutige Studien-Review dürfte nicht nur für Ausdauersportler interessant werden, die darauf aus sind ihre Leistung im Wettkampf zu verbessern, sondern auch geneigte Kraftsportler – denn: Die arbeitende Muskulatur will auch zwischen der anaeroben Belastung mit Sauerstoff versorgt werden.

Alpha Liponsäure + Training verdoppelt EPO-Level

Man hatte bereits 2013 festgestellt, dass Patienten, die an Nierenproblemen litten und auf eine Blutwäsche („Hemodialyse“) samt EPO-Zufuhr angewiesen waren, weniger von dem Hormon benötigten, wenn man ihnen 600mg Alpha-Liponsäure (ALA) pro Tag über einen Zeitraum von 3 Monaten verabreichte [5]. Ausdauerathleten fragen sich zu Recht, inwiefern Alpha-Liponsäure in der Lage ist den EPO-Spiegel anzuheben und das Höhentraining zu simulieren.

Im letzten Jahr erschien hierzu eine sehr interessante polnische Studie von Morwain und Kollegen (2014), bei der man 16 männliche Studenten für ein placebo-kontrolliertes und randomisiertes Experiment einspannte, welches feststellen sollte, welche Effekte intensives Training mit hohem metabolischen Stressfaktor in Kombination mit Alpha-Liponsäure auf die Expression von EPO nehmen würde

Für das Experiment verwendete man ein Alpha-Liponsäureprodukt namens „Thiogamma® 600 oral“ (hergestellt von Wöwag Pharma; die Studie wurde allerdings nicht von diesem Unternehmen finanziert!)

Man teilte die jungen Studenten in zwei Gruppen:

  • ALA-Gruppe: Erhielt 200mg Alpha-Liponsäure pro Tag
  • Placebo-Gruppe: Erhielt ein Placebo mit 0mg Alpha-Liponsäure pro Tag

Nach 10 Tagen Einnahme mussten die Studenten einen 90-minütigen Sporttest auf dem Laufband bei einer Intensität von 60% des VO2max Werts absolvieren. Im Anschluss daran liefen die Teilnehmer 15 Minuten lang bei einer Steigung von 10° (was einer andauernden exzentrischen Belastung entspricht, die – wie wir ja alle wissen – der Hauptursachefaktor für Schäden an der Muskulatur ist und damit auch ein hohes anaboles Potenzial bietet).

Blutproben wurden vor sowie nach der Belastung von den Wissenschaftlern entnommen.

1.200mg Alpha-Liponsäure + exzentrisches Lauftraining = Verdopplung des EPO-Werts – Das Studienergebnis

Wie nicht anders zu erwarten war, erhöhte sich die EPO-Konzentration in beiden Gruppen infolge der sportlichen Belastung. Was allerdings sofort auffällt ist, dass der Anstieg bei einer Gruppe wesentlich markanter ausgeprägt war und höher ausfiel.

(Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

EPO-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

Die obige Grafik zeigt die EPO-Konzentration (in IU/L) vor dem Belastungstest, 20 Minuten nach dem Belastungstest, 24 Stunden nach dem Belastungstest sowie 48 Stunden nach dem Belastungstest an. Auffallend ist, dass sich die Basiswerte beider Gruppen bereits merklich unterscheiden (wir erinnern uns: Die Jungs haben seit 10 Tagen entweder ein Placebo oder 1.200mg ALA pro Tag eingenommen).

Die Placebo-Gruppe wies vor dem Sporttest einen EPO-Wert von 7,22 IU/L auf, während die ALA-Gruppe mit 12,36 IU/L wesentlich höher lag. An diesem Bild änderte sich auch im Verlauf des Untersuchungszeitraums wenig; die EPO-Konzentration lag bei der letzten Messung (48 Stunden nach dem Test) bei 23,9 IU/L in der ALA-Gruppe – und hat sich damit, im Vergleich zum Basiswert, beinahe verdoppelt.

Die ALA-Gruppe wies 48 Stunden nach dem Belastungstest einen mehr als doppelt so hohen EPO-Wert auf, wie die Placebo-Gruppe.

Neben der EPO-Konzentration wurden auch Werte für NO (Stickstoffmonoxid) und H2O2 (Wasserstoffperoxid) erhoben – beides stressrelevante Signalmoleküle. Die nachfolgende Grafik zeigt die Auswirkung auf die Wasserstoffperoxidproduktion im selben Zeitfenster wie oben:

EPO-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

H2O2-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

Zu sehen ist, dass die Konzentration an H2O2 in der Placebo-Gruppe (blaue Linie) bereits vor dem Belastungstest im Anstieg war und anschließend während des Sports in den Sinkflug überging. Der Wert begann24 Stunden danach wieder anzusteigen und betrug bei der letzten Messung 26,28 nmol/l.

Der H2O2-Wert der ALA-Gruppe war bereits vor der Belastung auf einem höheren Niveau (rote Linie), hat sich infolge des Belastungstest kaum verändert und war zur Messung, die 24 Stunden danach durchgeführt wurde, wieder im Anstieg. Die Konzentration sank nach 24 Stunden wieder auf einen Wert von unter 20 nmol/mL ab.

Zugegeben, die Interpretation dieser Ergebnisse ist ein wenig tricky. Die erhöhte Produktion von freien Radikalen (ROS) ist im Zuge des Trainings und einer damit verbundenen (und gewünschten) Adaption notwendig, allerdings dürfte ebenfalls klar sein, dass ein chronisch-erhöhtes Aufkommen von freien Radikalen zu vermehrten Zellschäden führt, sofern diese nicht neutralisiert werden.

Ein weiterer Nebeneffekt, der sich infolge der ALA Supplementation gezeigt hat, ist eine Hemmung der Stickstoffmonoxid (NO-Produktion), wie es die untere Grafik zeigt. Demnach lag der NO-Wert in der ALA-Gruppe zu jedem gemessenen Zeitpunkt unter dem Wert der Placebo-Gruppe.

EPO-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

NO-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

Hieraus ergibt sich ein gewisses inverses Verhältnis: Je mehr NO produziert wurde, desto weniger H2O2 fand man im Blutkreislauf der Probanden, desto höher war der EPO-Level. Diese Ratio wird im nachfolgenden Plot dargestellt.

EPO-Konzentration vor dem Belastungstest, 20 Minuten danach, 24 Stunden danach sowie 48 Stunden danach. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

Korrelation zwischen EPO und NO/H2O2 Verhältnis. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Morwain et al. (2014))

Ein weiterer interessanter Fund dieser Studie ist die Auswirkung von ALA auf den Creatine Kinase Wert (CK-Wert), einen Marker für Schäden an der Muskulatur ist. Diese Variable erreichte ihren Peak 24 Stunden nach dem Belastungstest und die Probanden zeigte im Falle einer ALA Supplementation geringere Schäden, im Vergleich zur Placebo-Gruppe, auf:

  • CK-Wert in der ALA-Gruppe: 481 ± 103 IU · L(-1)
  • CK-Wert in der Placebo-Gruppe: 732 ± 207 IU · L(-1)

Weitere Indikatoren für Muskelschäden, darunter 8-Isoprostane (8-iso), Lipidperoxidation (LPO) und Carbonylproteine (PC) wiesen durch die Einnahme von ALA, gegenüber dem Placebo, ebenfalls eine geringere Konzentration auf.  Das Fazit der Forscher:

„[Eine hohe Alpha-Liponsäure Einnahme erhöhte die EPO-Konzentration und verringerte die totale CK-Aktivität bei 24 Stunden und 48 Stunden nach dem Training. Eine signifikant-positive Korrelation wurde zwischen CK und EPO beobachtet.“] – [1]

Abschließende Worte

Wie du vielleicht bereits weißt, kann Alpha-Liponsäure einen positiven Beitrag zur Insulinsensitivität leisten und potenziell Fettabbau begünstigen.

Die vorliegende Studie von Morawin und Kollegen zeigt, dass ALA einen signifikanten Einfluss auf den Erythropoietinspiegel (EPO), die NO- und H2O2-Produktion sowie die CK-Werte ausübt und damit in gewisser Weise muskelprotektiv wirken kann, indem es trainingsinduzierte Schäden (Muskelabbau) reduziert.

(Bildquelle: Mille-Hamard et al. (2012))

Direkte und indirekte Effekte einer EPO-Defizienz (im Mausmodell): Auch für die Muskulatur ist die Sauerstoffversorgung unabdingbar. Sauerstoffmangel verschärft das Aufkommen von freien Radikalen und begünstigt Muskelabbau (“Muscle Proteolysis“) und Muskelatrophie (“Muscle Atrophy“) (Bildquelle: Mille-Hamard et al. (2012))

Höhere EPO-Werte bergen darüber hinaus das Potenzial zu einer höheren Produktion roter Blutkörperchen beizutragen und damit die Sauerstoffversorgung des Körpers zu verbessern. Leider war der Studienzeitraum viel zu gering (und der Gehalt an roten Blutkörperchen nicht Gegenstand der Untersuchung). Bekannt ist allerdings, dass EPO abseits seiner positiven Wirkung auf die Erythropoese auch in Muskeln und Neuralgewebe aktiv ist. Innerhalb der Muskulatur stimuliert EPO die Ausdifferenzierung von Myoblasten (spielt somit auch eine Rolle bei Muskelaufbau und –erhalt) [7][8] und ist in der Lage, die Aktivität von PGC-1α (und damit potenziell auch für die mitochondriale Biogenese wichtig ist) sowie die Ausdauerkapazität (durch die Stimulation der Formation langsam-zuckernder Muskelfasern) erhöht [9].

All die oben diskutierten Effekte konnten durch die Gabe von 1.200 mg Alpha-Liponsäure auf täglicher Basis erzielt werden.

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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Wikimedia.org / Hase ; CC Lizenz


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