Knieprobleme & Kniegesundheit: Wie schütze ich mein Knie? – Teil 2

Knieprobleme & Kniegesundheit: Wie schütze ich mein Knie? – Teil 2

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von Stefan Krause, Trainer für Fitness, Personalttraining und Trainingstherapie

Im zweiten Teil erhältst du einen Überblick über die häufigsten Verletzungen und chronischen Erkrankungen des Kniegelenks.

Bedenke: Als Trainer bin ich nicht qualifiziert Diagnosen zu erstellen und aufgrund von Vermutungen bestimmte Übungen zu empfehlen. Jeder Mensch reagiert körperlich und psychisch anders auf Verletzungen und Erkrankungen. Innerhalb der einzelnen Krankheitsbilder kann es Schwankungen in der Rehabilitation geben, es gibt keine Patentrezepte.

Ziel dieser Ausführungen ist es viel mehr, Dir meine Kenntnisse und Erfahrungen als Trainer so zu vermitteln und Dir dabei zu helfen, dass Du nach der Diagnose eines Arztes mit der entsprechenden Verletzung oder Erkrankung richtig umzugehen und bei Bedarf  gezielte Trainingsmaßnahmen einzuleiten vermagst.

Du hast Teil 1 verpasst? Kannst du hier nachholen.

Knieprobleme & Kniegesundheit: Wie schütze ich mein Knie? – Teil 2

Knieprobleme: Ein Schmerz mit vielen Ursachen

Knieprobleme: Ein Schmerz mit vielen Ursachen

Knieprobleme und Knieschmerzen haben viele Ursachen. Häufig sind Fehl- und Überlastungen die Schuldigen, welche zu Verscheißerscheinungen über Monate und Jahre beitragen. (Bildquelle: Flickr / Steven Depolo ; CC Lizenz)

Das Knie gehört im Sport zu den am häufigsten beschädigten Strukturen. Neben Verletzungen des Knies (wie der des Kreuzbandes, dem Knorpelschaden oder einer Fraktur im Gelenkbereich) können auch Schmerzen an der Kniescheibe (Patella – z.B. bei Radfahrern infolge einer falschen Sitzposition) und Triathleten (z.B. falsche Fußhaltung) auftreten. Nicht immer können bildgebende Verfahren wie das Röntgen, die Magnetresonanztomografie (MRT) oder sogar Kniespiegelungen, die so genannte Arthroskopie, Aufklärung über die Ursache der Beschwerden bringen.

Da es sich beim Kniegelenk um ein Scharniergelenk mit geringer Dehnfähigkeit handelt, sind die häufigsten Verletzungsmuster Drehbewegungen bei fixiertem Fuß. Betroffen sind davon meistens der Kapsel-Bandapparat, die Menisken und die Gelenkknorpel.

Sämtliche Hallensportarten sowie Fußball (Stollen!) stehen auf der Liste gefährlicher Sportarten ganz oben. Insbesondere in den Sportspielen, die durch permanente Richtungswechsel gekennzeichnet sind, ist das Kniegelenk einem hohen Gefahrenpotenzial ausgeliefert. Sollte es einmal zu einer Knieverletzung kommen, ist häufig mit einer längeren Fehlzeit im Sport zu rechnen. Weiterhin unterscheidet man die Knieschäden, welche durch Fehl- und Überlastung entstanden sind. Betroffen sind hier in der Regel die Gelenkknorpel, Patellarknorpel, Meniski und Sehnenansätze. 

Hat es Dich nun mal erwischt….

Während gesunde Fitness-Sportler die Trainingsziele wie Verbesserung der allgemeinen Fitness, Fettabbau oder Muskelaufbau  verfolgen, steht für akut Verletzte oder chronisch Kranke die Wiedererlangung der ursprünglichen Leistungsfähigkeit bzw. der Gesundheit im Vordergrund.

Im Umgang mit Schadensbildern existieren somit teils andere Zielsetzungen. Da wären z.B. die Wiederherstellung der physiologischen Gelenkfunktion und aller am Gelenkaufbau beteiligten Strukturen sowie die Beseitigung von Muskelatrophien zu nennen. Aber auch Informationen von Trainer/Therapeutenseite über die Zusammenhänge der „Ernährung“ und dem Wundheilungsprozess sollten im Trainingsprozess Berücksichtigung finden. Wie ein muskuläres Aufbautraining nach einer Sportverletzung aussehen kann bzw. sollte, stelle ich Dir nun anhand einer Kreuzbandruptur vor.

Knieproblem #1: Riss des vorderen Kreuzbandes

Knieproblem #1: Riss des vorderen Kreuzbandes

Wenn’s knallt: Mit dem Kreuzbandriss machen vor allem all jene die Bekanntschaft, die einer Ballsportart mit Zweikämpfen und schnellen Richtungswechseln nachgehen. (Bildquelle: Wikimedia / Uwe Gille ; CC Lizenz)

Herr S. ist 32 Jahre alt, 178 cm groß und wiegt 80 kg. Sein Körperfettgehalt liegt bei 15%. Der Blutdruck ist mit 125/73 mmHg im normalen Bereich. Der Ruhepuls von 50 S/min lässt auf einen guten Ausdauerleistungszustand schließen. Von Beruf ist Herr S. Bankangestellter. In seiner Freizeit spielt er bei einem Oberligisten „leistungsorientiert“ Fußball. Als Ergänzung zum Fußballsport trainiert Herr S. seit 5 Jahren ca. 2-3 Mal pro Woche 60-90 Minuten in einem Fitness-Studio und bestimmte Trainings-Sequenzen bei mir in 1:1 Betreuung.

Szenario: Was war passiert?

Bei einem Liga-Spiel hat Herr S. sich (durch die  immer wieder auftretenden unphysiologischen Bewegungen im Fußballspiel) das vordere Kreuzband im linken Knie abgerissen. Das vordere Kreuzband ist verwachsen mit dem Innenmeniskus und dieser mit dem Innenband, daher kommt es häufig zu einer Verletzung, die man „unhappy triad“ (unglückliche Dreierverletzung) nennt, da alle drei Strukturen betroffen sind) im linken Knie abgerissen. Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine der häufigsten Sportverletzungen. Herr S. nahm die Verletzung u.a. durch ein deutliches Reißen war.

Die folgenden Symptome wie Instabilität und Schwellung im Gelenk bestätigten den ersten Verdacht, den Riss des vorderen Kreuzbandes. Das wurde dann leider auch von ärztlicher Seite bestätigt.

Kreuzbandriss: Die medizinische Behandlung

Diese Verletzung kann konservativ (Fokus auf den Aufbau der kniegelenkssichernden Muskeln) oder operativ kuriert werden. Bei Herrn S. wurde die Verletzung operativ versorgt. Dabei wurde das Kreuzband durch ein Patellasehnenimplantat ersetzt.

In der modernen Kreuzband-Operationstechnik haben sich zwei Methoden durchgesetzt:

  • die Rekonstruktion des Kreuzbandes aus dem mittleren Teil der Kniestrecksehne (Patellasehne)
  • die Rekonstruktion des Kreuzbandes aus dem Gewebe des Halbsehnenmuskels (semitendinosus

Ein Großteil der operierenden Mediziner schwört auf die Methode, bei der Gewebematerial aus der Kniestrecksehne entnommen wird. In der Nachsorge wurde nämlich festgestellt, dass die Entfernung der Semitendinosussehne zu Defiziten in der Beinbeugung, in Innen- und Außenrotation des Unterschenkels und damit zu langer Instabilität im Kniegelenk führt. Darüber hinaus wird aus der Patellasehne nur der mittlere Teil eliminiert, der sich zeitgleich mit dem rekonstruierten Kreuzband regenerieren kann. Die Semitendinosussehne wird hingegen komplett entfernt. Der Muskel verliert damit seine Funktion, was bei komplexen Bewegungsmustern gerade im Leistungssport von großem Nachteil sein kann.

Vorderer Kreuzbandriss: Operation – Ja  oder nein?

Knieschmerzen: Vorderer Kreuzbandriss: Operation - Ja oder nein?

Ob eine Operation durchgeführt wird, entscheidet letztendlich der Verletzte selbst. Doch es geht auch ohne. (Bildquelle: Wikimedia / Thomas Bjorkan ; CC Lizenz)

Diese Entscheidung sollte jeder Betroffene in letzter Instanz selbst fällen. Handelt es sich um einen Leistungssportler, der seinen Sport in hohem Umfang und hoher Intensität weiterhin betreiben möchte, ist der Gang unter das Messer wohl unumgänglich. Soll das Knie lediglich Alltagsbewegungen tolerieren, kann auch mit einer konsequenten Trainingstherapie ausreichend die Gelenksicherung zurück gewonnen werden. Das Training muss allerdings auch nach Ausheilung in ausreichendem Maße (zwei Mal pro Woche!) fortgeführt werden, um den Ist-Zustand zu erhalten.

Beachte: Eine Operation stellt niemals einen risikolosen Eingriff in Deine Gelenkinnenstruktur dar. Keine Operation ist hundertprozentig sicher, obwohl die Rekonstruktion eines Kreuzbandes zur chirurgischen Routine zählt! Anderseits gibt es konkrete Hinweise dafür, dass ein nicht operativ versorgtes Kniegelenk die Gefahr einer späteren Kniegelenksarthrose erhöht. Die Wahrscheinlichkeit basiert auf dem vermehrten Gelenkspiel im Knie. Dadurch stehen Scherkräften Tür und Tor offen. Sie werden durch das fehlende Kreuzband nicht mehr ausreichend entschärft, entsprechend übernimmt die Knorpelkonstruktion einen Teil dieser Aufgabe.

Vorderer Kreuzbandriss: Die Rehabilitationsphase

Nach der Operation, begann Herrn S. mit der Physiotherapie. In dieser Zeit stand ich in engen Kontakt mit dem Physiotherapeuten. Unser oberstes Ziel in den ersten drei Wochen nach dem Eingriff war die eingeschränkte Beweglichkeit (Range of Motion) des Kniegelenks aufzubrechen.

Eisanwendungen (Kryotherapie) stellen in dieser Phase eine gängige Methode zu sein um die Schwellung zu mindern. Wir versuchten aber die Eisanwendungen so weit wie möglich zu umgehen. Und zwar aus folgendem Grund…

Exkurs: Eisbehandlungen (Kryotherapie)

Dass ich hier den negativen Einfluss von Eis aufführe, wird klassisch ausgebildeten Trainern und Therapeuten unverständlich erscheinen – verlangt doch z.B. der Fußballer bei der kleinsten Blessur nach der Eisspraydose oder dem Eisbeutel. Der Einsatz von Eis in der Akutphase einer Verletzung ist stark diskussionswürdig.

Früher war man der Ansicht, dass Eis eine übermäßige Schwellung verhindert und daher in jeden Betreuerkoffer gehört. Heute weiß man, dass Schmerz und Ergussbildung Teil der natürlichen Entzündungsreaktion sind, die nicht unbedingt von außen gestört werden sollte. Das Eis soll die Schmerzreaktion hemmen, was symptomatisch vom Verletzen positiv aufgenommen wird, stört aber offensichtlich auch den Entzündungsprozess, senkt die Histaminreaktion (Histamin = Teil des körpereigenen Abwehrsystems) und den Stoffwechsel.

Warum sollte diese Maßnahme dann eingesetzt werden?

Da die Wissenschaft hinsichtlich des Für und Wider von Eisapplikation (aber auch Kompression) noch keine eindeutigen Antworten geben kann, sind diese Maßnahmen immer mit einem dicken Fragezeichen zu hinterfragen. Die im Normalfall hervorragende abgestimmte Selbstreparation von gestörten Körperfunktionen spricht allerdings klar gegen ihren Einsatz und stellt demnach viele Behandlungen der Physiotherapie im Frühstadium einer Verletzung infrage!

Erklärung

Aus physiologischer Sicht ist diese Therapieform sicherlich nicht gutzuheißen. Die Kältetherapie löst auf der Basis unserer Thermoregulation eine Vasokonstriktion (Gefäßverengung) der Gefäße aus. Der Grund für diese Vasokonstriktion ist, dass das Blut nicht abkühlen soll, weil dies die Körperkerntemperatur absenken würde. Wäre das der Fall, so würden viele lebenswichtige Enzymprozesse gestoppt, was dann lebensbedrohlich wäre (Unterkühlung).

Lokal bedeutet diese Vasokonstriktion natürlich, dass das Gewebe nicht mehr optimal durchblutet wird, und damit einer normalen Wundheilung entgegensteht. Nicht umsonst setzt der Körper in dieser Phase Entzündungsmediatoren frei.

Eine lang anhaltende Kältetherapie hat aber zusätzlich noch den negativen Effekt, dass auch über längere Zeit die Durchblutung der Nerven gedrosselt wird. Bekanntlich sind Nerven sehr sauerstoffabhängige Strukturen, die sehr empfindlich auf jegliche Form einer verminderten Durchblutung reagieren (Dadurch werden viele Neuropeptide freigesetzt, die dann dafür sorgen, dass der Nerv Schmerzsignale nach zentral schickt. Der Schmerz ist auch hier ein Zeichen einer drohenden Schädigung). Aus diesem Grund verspüren Menschen bei einer Eisapplikation schon nach einigen Minuten Schmerz. Dieser erlischt erst dann, wenn der Nerv letztendlich funktionsunfähig ist.

Schmerzmediatoren

Dein Körper schützt das heilende Gewebe gegen mögliche Überlastungen und erneute Schädigungen durch das Freisetzen von Schmerzmediatoren. Diese Mediatoren senken die Reizschwelle der Rezeptoren in der Nähe des Verletzungsgebiets. Die Rezeptoren können rechtzeitig warnen, wenn die Belastungen zu hoch werden sollten. Eisanwendungen hemmen die Aktivität dieser Rezeptoren und die Weiterleitung ihrer Impulse über die peripheren Nerven.

Der Grund warum einige Therapeuten in dieser Phase so gerne zu Eistherapien greifen, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass durch das Eis einerseits der Schmerz gehemmt wird (s. oben) und anderseits die Schwellung (zunächst) abnimmt, weil die Durchblutung gedrosselt wird. Es handelt sich hier bei eher um eine reine Symptombekämpfung und hat wie gesagt einen negativen Effekt auf die Wundheilung.

Untersuchungen haben festgestellt, dass längere Eisanwendungen manchmal zu irreversiblen Schäden der peripheren Nerven führen können (Basset et al. 1992 [8], Drez et al 1981 [9], Green et al. 1989 [10], Parker et al. 1983 [11]). Eine weitere Komplikation der Langzeiteisbehandlung ist die Entstehung eines Lymphödems (Leduc et al. 1979 [12], Lievens et al. 1984 [13], Meeusen et al. 1986 [14]).

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Bewegungsschiene

Knieprobleme & Knieschmerzen: Kryotherapie als Lösung=

Die Kryotherapie (Abkühlen mit Ice Packs und Sprays) ist überaus beliebt, da sie schnelle Schmerzlinderung verschafft – hierbei werden aber eventuell Entzündungsprozesse gestört, die ggf. elementar für die Heilung sind. (Bildquelle: Flickr / Jan-Joost Verhoef ; CC Lizenz)

Der Einsatz einer Bewegungsschiene bei Herrn S. (im passiven Modus) förderte ein kontinuierliches Durchbewegen seines  Kniegelenks. Flüssigkeitsansammlungen/Verklebungen wurden dadurch vermieden und ein „Aquaplaningeffekt“ erzeugt. (Aquaplaningeffekt: Das Gelenk muss nach einer Operation oder auch Arthroskopie so früh wie möglich wieder bewegt werden, um eine Athrophie der gelenkumspannenden Muskulatur zu verhindern und den Lymphabfluss anzuregen. Gelenkbewegungen ohne größere Belastung fördern darüber hinaus einen Mechanismus, der mit regennasser Fahrbahn vergleichbar ist. Dieser Effekt sorgt dafür, dass eine physiologische Schmierung im Kniegelenk aufrechterhalten bleibt). Durch dieses Durchwalken von auftretenden Flüssigkeitsansammlungen im Knie wurden zudem die Abtransportmechanismen des Körpers angeregt.

Nach etwa einer Woche konnte Herr S. unter Teilbelastung an Gehstützen spazieren gehen. Das Kniegelenk darf zu diesem Zeitpunkt nicht voll belastet werden, das sollte aber in Bezug auf „Belastbarkeit“ immer individuell angegangen werden. Die ersten Trainingsmaßnahmen absolvierten wir isometrisch (die Länge der Muskulatur wurde also nicht geändert). Anschließend wurden sukzessiv die Bewegungsmuster gesteigert, wobei in der Anfangsphase auf jegliche Rotationsbewegungen verzichtet wurde. Nach Ende der dritten Woche setze dann das eigentliche Aufbautraining ein.

Von ärztlicher Seite stand dem Anschlusstraining nichts im Wege, da seine volle Alltagsbelastbarkeit gegeben war. Zuvor schränkte das statische ausgeführte Training und die Muskelstimulation die Arthrophie der beteiligten Muskulatur ein. Das Aufbautraining wurde in Umfang, Intensität und koordinativer Qualität schrittweise gesteigert.

Durch Änderung  und Variation der täglichen Reize im Trainingsprogramm konnten wir schnell die gewünschten Resultate erreichen. In der Trainingstherapie wird gerade in den postentzündlichen Phasen der Gewebeneubildung und Ausdifferenzierung, auf Grund mangelnder Kenntnis der Belastung, häufig auf relevante Reize verzichtet, was schließlich zur Bildung von reduziert belastbaren Gewebe führt. Eine individuelle Übungs- und Trainingstherapie kann wesentlich mehr! Meine Erfahrungen zeigen, dass gerade in dieser Phase der Muskulatur oft zu wenige Reize vermittelt werden.

Vorderer Kreuzbandriss & Training

Vorderer Kreuzbandriss & Training

Eine Bewegungsschiene kann bei Knieverletzungen dabei helfen, die Belastung zu reduzieren, wodurch eine aktive Bewegung möglich gemacht wird, welche den Nährstofftransport zum Knie anregt und so die Heilung zu beschleunigen vermag..(Bildquelle: Wikimedia / Kintech Orthopaedics ; CC Lizenz)

Neben dem muskulären Aufbautraining in Muskelschlingen, hatte bei uns gleich zu Beginn der Trainingstherapie das propriozeptive Training einen hohen Stellenwert. Durch didaktisch gegliederte Übungseinheiten in Form von Beinachsen-, Balance- und kortikalen Training (Koordinationsübungen mit geschlossenen Augen) konnte die Rezeptoraktivität in der Gelenkkapsel, den Bändern, Sehnen und der umliegenden Muskulatur wieder aufgebaut werden. Die Gelenksicherheit wurde im Laufe der Rehabilitation wiederhergestellt. Nach ca. sechs Wochen war die freie Beweglichkeit bei Herrn S. erreicht.

Beachtung: Zwischen der 12. und 14. Woche besteht noch einmal die Gefahr einer Lockerung des Implantats, da in diesem Zeitraum das eingesetzte Sehnenmaterial in die Bohrlöcher des Knochens einwächst. Das wurde in unserer Trainingsplanung berücksichtigt. Umfang und Intensität wurden innerhalb dieser dreiwöchigen Phase nicht erhöht.

Im Anschluss begannen wir zügig das sportartspezifische Integrationstraining (Trainingsformen mit Sportgerät, aber ohne direkten Gegnerkontakt sind ideal, sportartspezifische Bewegungsmuster bewusst, sicher und in hohem Umfang abzurufen, die später im Wettkampf wieder unbewusst erfolgen müssen. Die Angst davor, sich erneut zu verletzen, baut sich mit zunehmender Bewegungsunsicherheit ab) – allerdings zuerst mit „einfachen“ Aufgabenstellungen – aufzunehmen.

Die nachfolgenden Trainingsmaßnamen beinhalteten u.a. dynamisches Krafttraining mit Anfangs niedriger Intensität (20-40%FMax) mit 20-40 Wiederholungen. Die Intensität wurde dann nach und nach erhöht bis wir dann 70-80%FMax erreicht hatten. Die Wiederholungszahl lag bei 6-15 Wiederholungen. Andere Trainingsformen waren u.a. das Exzentrische Training. Hauptaugenmerk wurde auf das Auftrainieren des  vierköpfigen Schenkelstreckers, der Oberschenkelrückseite, der Adduktoren, der Abduktoren und der Wadenmuskulatur gelegt. Es wurde u.a. auch darauf geachtet Valgus- bzw. Varusstellungen (X-/O-Bein) im Training sowie im Alltag zu vermeiden.

Im Rahmen dieser Ausführungen soll dieser schematische Aufbau eines Rehabilitationsfahrplans genügen. Der Rehabilitationsprozess bezog sich bei Herrn S. auf ca. 9 Monate. Unser oberstes Ziel wieder am Fußballspiel teilzunehmen wurde erreicht. Zu diesem Zeitpunkt durfte ernsthaft über einen Wettkampfeinsatz nachgedacht werden (auf keinen Fall vorher!). Die Wundheilung des menschlichen Körpers lässt sich weder betrügen noch zeitlich beeinflussen.

Nachbetrachtung: Inhalte und Lücken in der Therapie

Andere Erfahrungen zeigen aber Schwachstellen im Betreuungssystem. So wird nach einer Kreuzbandverletzung im Knie beispielsweise in der Regel nur noch 12 bis 18 Krankengymnastikeinheiten bewilligt. Bei notwendigen drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche wäre die Therapie somit nach zehn Wochen beendet. Eine komplette Rehabilitation des Kreuzbandrisses dauert allerdings wenigstens sechs Monate.

Genau an dieser Stelle klafft die oft stattfindende Rehabilitationslücke. Daher muss/sollte die Verantwortung des Rekonvaleszenten für den eigenen Körper wachsen. Die Unterstützung eines Fitness- und Gesundheitstrainers oder Personaltrainers sei an dieser Stelle auch eine Überlegung wert.

Zusammenfassend seien die wichtigsten Trainingsinhalte eines vorderen Kreuzbandes noch einmal kurz aufgeführt:

  • Anbahnung von physiologischen Bewegungsmustern und deren Umsetzung in sportartspezifische / alltagstaugliche Bewegungsabläufe
  • Krafterhaltung der nicht betroffenen Muskulatur (Frühzeitiges Training der Bauch-, Rücken- und Oberkörpermuskulatur)
  • Training des gesunden Beines (z.B. an der Beinpresse, Beinbeugen sitzend) und Ausdauertraining am Handkurbelergometer
  • Für das verletzte Bein: in Muskelschlingen arbeiten (Step, Kreuzheben, Kniebeugen, Beinpresse, „gewippter“ Ausfallschritt, Radfahren) – dadurch Kokontraktion der Beinmuskulatur und optimale Positionierung bzw. Stabilität des Kniegelenks (gleichzeitige Aktivität der Ischios und des Quadrizeps femoris)
  • Gelenk- und Beweglichkeitsverbesserung
  • Stabilisation- und Koordinationstraining, Mobilisationsübungen, leichte Dehnungsübungen (Muskellängentraining), Aquagymnastik
  • Tiefensensibilität – Propriozeptives Training: langsamer Beginn auf Airex Matte, steigern durch Erhöhung der weichen Unterlage, blind Arbeiten, Arm- und Beinbewegungen verbinden, später auf Therapiekreisel – ABER nicht ewig daran festhalten.
  • Gangschulung und Laufschulung (Lauf A-B-C)
  • Reaktivkraft trainieren (siehe Teil 3 der Serie)
  • Herz-Kreislauftraining (Erhaltung der kardio-vaskulären Gesamtsituation des Organismus)

Die Operateure von heute haben Methoden entwickelt, die eine völlige Wiederherstellung annährend garantieren. Heutzutage stehen Leistungssportler, je nach auftretenden Komplikationen, nach 6-9 max.12 Monaten wieder zur Verfügung.

Knieproblem #2: Riss des hinteren Kreuzbandes (LCP = Ligamentum cruciatum posterior)

Knieproblem #2: Riss des hinteren Kreuzbandes (LCP = Ligamentum cruciatum posterior)

Verletzungen am hinteren Kreuzband sowie an den Seitenbändern sind weitaus seltener, sind oftmals aber nicht weniger problematisch. (Bildquelle: Wikimedia / Lam et al. ; CC Lizenz)

Durch eine Überstreckung des Kniegelenks kann das hintere Kreuzband isoliert reißen. Sportler mit angeborener Überstreckbarkeit (Genu recurvatum) oder schwachen Beinbeugern (ischiocrurale Muskulatur) sind besonders gefährdet. Diese Verletzung kommt relativ selten vor.

Die Operation ist kompliziert und meist mit unbefriedigenden Ergebnissen verbunden. Im Anschluss ist häufig mit einer sehr langen Rehabilitationsphase zu rechnen.

Knieproblem #3: Seitenbandverletzungen

Verletzungen der Seitenbänder ähneln sich bei der Therapie fast identisch mit denen der Kreuzbänder. Obwohl sich die Seitenbänder außerhalb des Kniegelenks befinden und die Kreuzbänder innerhalb des Kniegelenks, handelt es sich letztendlich um die gleiche Gewebsstruktur. Beiden Bandformen liegen identische Ausheilungszeiten zugrunde.

Seitenbandrupturen treten im Freizeit- und Leistungssport oft isoliert auf. Isolierte Seitenbandrupturen kommen verstärkt da vor, wo Zweikämpfe das Sportspiel bestimmen. Das Außenband (Ligamentum collaterale fibulare) reißt vornehmlich bei einer Krafteinwirkung von innen gegen das Kniegelenk oder den Unterschenkel. Trifft ein Schlag oder Tritt von außen auf das Knie, reißt zunächst der tiefe Anteil des Innenbandes. Wenn die auftreffende Kraft groß genug ist, kann zudem der Innenmeniskus und das vordere Kreuzband in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieser Schädigungsmechanismus erfolgt sowohl bei einer von außen einwirkenden Kraft (Gegnerkontakt) als auch bei Verdrehungen des Kniegelenks ohne Körperkontakt. Die ersten Symptome sind ähnlich den Kreuzbandverletzungen (z.B. Instabilität, abnorme Beweglichkeit, Schwellung, Hämatombildung).

Seitenbandverletzungen: Medizinische Behandlung

Seitenbandverletzungen müssen „nur“ bei knöchernem Ausriss operativ behandelt werden. In der Regel reicht bei einer isolierten Seitenbandverletzung eine konservative Behandlung unterstützt durch eine Stabilisationsschiene. Eine Ruhigstellung ist für 3-6 Wochen vorgesehen (notwendig), damit das verletzte Band wieder zusammenwachen kann.

Seitenbandverletzungen: Die Rehabilitationsphase

Im Falle einer konservativen Behandlung setzt die Rehabilitationsphase relativ früh ein, um die Muskulatur zu erhalten. Langfristiges Ziel ist es durch gezieltes Training der knieumgebenden Muskulatur die Stabilität zu gewährleisten. Mit Hypertrophietraining kann aber frühestens nach der 4. Woche begonnen werden. Vorher steht der Heilungsprozess der verletzten Bänder im Vordergrund, durch zu hohe Belastungen (auch Aquajogging) können sie unter Umständen wieder reißen. Erfahrungsgemäß ist die volle Belastbarkeit nach 10-12 Wochen wieder hergestellt.

Die Gefahr einer zusätzlichen Meniskusläsion ist bei einem Außenbandriss (Ruptur) wesentlich geringer als bei einer Ruptur des Innenbandes. Das Innenband ist häufiger betroffen als das Außenband.

Knieproblem #4: Meniskusschäden

Der klassische Bänderriss tritt auf, wenn eine Kraft auf das Gelenk einwirkt oder das Knie unnatürlich gedreht wird. Dies kann auch die Menisken in Mitleidenschaft ziehen. (Bildquelle: Wikimedia / OpenStax College ; CC Lizenz)

Knieproblem #4: Meniskusschäden

Ein Meniskusschaden entsteht normalerweise durch eine Gewalteinwirkung auf das Kniegelenk. In den meisten Sportarten ist der Innenmeniskus betroffen, z.B. wenn das Standbein des Sportlers fest am Boden verankert ist (Stollen, Spikes, griffige Sohle), während der Oberkörper eine Drehbewegung durchführt. Die „Verwringung“ des Oberkörpers ist in diesem Fall Ursache für das Einreißen des Meniskus, ohne dass ein Gegnerkontakt stattgefunden hat.

Bei äußerer Krafteinwirkung, wie z.B. einem seitlichen Tritt gegen den gebeugten Unterschenkel, kann es ebenfalls zu Einrissen kommen. Diese Situation ist gerade im Fußball oft zu beobachten, wenn zwei Spieler in der Luft gleichzeitig zum Ball gehen oder ein Gegenspieler von der Seite in den ballführenden Akteur hineingrätscht. Einrisse (Läsionen) treten vereinzelt auch bei starker Überstreckung im Kniegelenk auf. Sprungaktionen nach hinten (z.B. Sprungsmash beim Tennis, Badminton oder Volleyball) sind typische Auslöser solcher Verletzungsmuster.

Bei derartigen Fällen ist die Beugemuskulatur des zuerst aufsetzenden Beines ist nicht in der Lage, den Druck des Sprunges aufzufangen – und knickt nach hinten durch. Wenn auch nicht sofort ein Schmerz auftritt, so ist doch wenigstens die Propriozeption (Tiefensensibilität) im Kniegelenk für eine Weile beeinträchtigt. Das Knie fühlt sich an wie Gummi. In dieser Phase können leicht Folgeverletzungen entstehen, da die Gelenksicherung über die Rezeptoraktivität außer Kraft gesetzt ist. Um Schlimmeres zu verhindern, solltest Du unbewusste Bewegungen so lange vermeiden, bis sich das normale Bewegungsgefühl wieder einstellt. Dieser Zeitraum kann ein bis zwei Tage in Anspruch nehmen.

Bei einem eingerissenen Innenmeniskus verspürt der Betroffene entweder Schmerzen auf der Innenseite des Kniegelenks über den Gelenkspalt oder beim starken Beugen und Strecken, die sich bei zusätzlicher Drehung verstärken. Hierbei kann es zu Einklemmungssymptomen kommen. Der Betroffene empfindet eine akute Blockierung der Beweglichkeit. Die Symptome können mehr oder weniger starke Bewegungseinschränkungen nach sich ziehen. Bei Leistungssportlern werden diese im Allgemeinen umgehend operativ beseitigt.

Das Innenband und der Innenmeniskus sind eng miteinander verwachsen. So kann der Innenmeniskus bei traumatischen Einwirkungen nicht ausweichen und ist häufiger als der Außenmeniskus verletzt.

Knieproblem #4: Meniskusschäden

Gesunde Menisken (oben) und Riss am medialen Meniskus (unten) im Knie. (Bildquelle: Wikimedia / Bruce Blaus ; CC Lizenz)

Meniskusverletzung: Rissformen

Bei einer Meniskusverletzung gibt es verschiedene Rissformen mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Therapie. So unterscheidet man zum Beispiel: Längsrisse, Korbhenkelrisse, Lappenrisse, Horizontalrisse, Radiale Risse, Komplexe Risse. Degenerative Veränderungen sind durch Auffaserungen und Läsionskombinationen (komplexe Risse) gekennzeichnet. Die richtige Therapie ist immer von der Rissform abhängig.

Medizinische und Therapeutische Behandlung bei Meniskusschäden

Da Korbhenkelrisse und Lappenrisse zu Gelenkblockierungen führen, ist ein artroskopischer Eingriff notwendig. Bei kleineren Rissen im Randbereich kann eine konservative Behandlung ausreichen.

Den akuten Meniskusverletzungen geht häufig ein degenerativer Prozess voraus. Nur in schweren traumatischen Fällen können auch bei einem gesunden Meniskus Verletzungen auftreten. Ältere unbehandelte Meniskusverletzungen führen zum Gelenkverschleiß. Nach einer Meniskus-Teilentfernung (Meniskektomie) wird der Gelenkknorpel stärker belastet, was zwangsläufig zu degenerativen Veränderungen führen muss. Früher wurde der Meniskus häufig ganz entfernt, was unweigerlich zu Gelenkinstabilität und Kniearthrose führt. Heute ist es oberes Ziel, viel Gewebe zu erhalten.

Knieproblem #5: Patellaspitzensyndrom – Der Sprung ins „Verderben“

Knieproblem #5: Patellaspitzensyndrom - Der Sprung ins „Verderben“

Vom “Jumper’s Knee” (Patellaspitzensyndrom) sind häufig Sportler betroffen, die einer Sprungsportart nachgehen. (Bildquelle: Wikimedia / Augustas Didžgalvis ; CC Lizenz)

Die chronische, schmerzhafte Überlastung der Kniescheibensehne im Bereich des Knochensehnenübergangs nennt man Patellaspitzensyndrom oder „Jumpers`s Knee“. Hauptursache dieses Beschwerdebildes ist eine maximale Zugbeanspruchung der Kniescheibensehne, besonders bei Sprungsportarten (daher der Name „Jumper`s Knee“). Aber auch andere Sportarten, wie z.B. Joggen und Tennis haben damit zu kämpfen sowie verschiedene Berufsgruppen, die häufig in stark gebeugten Kniewinkelstellungen arbeiten müssen (z.B. Fliesenleger, Installateure).

Grundlage entzündlicher Reizungen in der Kniescheibensehne (Patellasehne), sind Mikroverletzungen, die sich im Laufe von Trainings- Wettkampf- oder Berufsbelastungen summieren. Sie werden vom Betroffenen zu Beginn kaum ernst genommen. Das Training wird deshalb ohne Einschränkung fortgesetzt, ohne dass körpereigene Reparationsprozesse die Chance zu einer kompletten Ausheilung erhalten. Schmerzen entstehen,

  • bei Kniebeugen oder Ausfallschritten auf der Basis mangelnder Technik
  • in Stadien zentralnervöser Ermüdung oder
  • im Zustand einer ungleichen links-rechts Symmetrie.

Anfangs sind die Schmerzen belastungsunabhängig. Im weiter fortgeschrittenen Stadium schmerzt der Kniescheibensehnenansatz permanent im Alltag, z.B. beim Treppensteigen. Da es sich hier um einen degenerativen Prozess handelt, kann sich das Krankheitsbild über Monate bis Jahre hinziehen und bei Belastungsspitzen massiv wieder aufbrechen.

In den häufigsten Fällen sind sie am unteren Kniescheibenrand, dort wo die Kniescheibensehne mit der Kniescheibe verwoben ist, lokalisiert. Ein Fingerdruck ist im akuten Stadium bereits schmerzhaft. Darüber hinaus kann sich durch die hohe mechanische Reibung gleichzeitig der darunter liegende Schleimbeutel (Bursa infrapatellaris) entzünden.

Zur Diagnostik wird neben der Befragung des Betroffenen gerne eine Ultraschalluntersuchung und eventuell ein MRT gemacht. Eingeteilt werden kann das Patellaspitzensyndrom nach Kröls (1978) in vier Grade: Grad 1- 4.

Wenn Schmerzsymptome dennoch mal auftreten sollten – sie sind im Leistungssport nicht immer zu verhindern – gibt Teil III Aufschluss darüber, welche Trainingsmaßnahem sich als sinnvoll und prophylaktisch erweisen.

Schmerzen im Knie haben meist mit dem Knie nichts zu tun

Wenn z.B. das Kniegelenk wegen Schmerzen operiert werden soll, dann wird das Knie ebenso „krank“ gemacht, wie es das Bein anderswo bereits schon ist. Die Schmerzfreiheit nach einer Knieoperation suggeriert Gesundheit, in Wirklichkeit bedeutet sie jedoch Funktionsverlust des Kniegelenks. Was nicht arbeitet, tut auch nicht weh.

Schmerzfreiheit wird meist mit Gesundheit verwechselt. Die ursprünglichen Schmerzursachen werden durch die Knieoperation nicht verschwinden, Stattdessen kommen meist neue hinzu (früher oder später).

Knieproblem #6: Kniearthrose

Kniearthrose: Der Verlauf

Knieproblem #6: Kniearthrose

Volkskrankheit Arthrose: Trainingsbedingte Fehlbelastungen, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Gelenkfehlstellungen und alte Verletzungen sorgen für die Schmerzen in Gelenken (auch im Knie) (Bildquelle: Flickr / James Buck ; CC Lizenz)

Die Arthrose kann sehr lange stumm verlaufen. So lagern sich u.a. Knorpelstücke, der Schwerkraft folgend, an den Rändern des Gelenkkopfes an und verknöchern. Diese Verknöcherungen (Osteophyten) sind röntgenologisch nachweisbar. Der Gelenkspalt verringert sich zusehend, und die Qualität der Synovialflüssigkeit verschlechtert sich. Es werden mehrere Phasen durchlaufen, und im letzen Stadium wird die einwirkende Kraft nur noch auf den Knochen übertragen.

Die abgeriebenen Knorpelstückchen werden vom Körper aus dem Gelenk transportiert. Sind es jedoch zu viele, reiben diese an der Gelenk- Innenhaut und können so eine Entzündung im Gelenk hervorrufen (Arthritis) die sehr schmerzhaft ist. Der Betroffene nimmt dann meist eine Schonhaltung ein. Dadurch verkürzen und schwächen sich seine Muskeln ab, da betroffene Gelenk wird durch die fehlende Bewegung immer mehr versteifen.

Kniearthrose: Verletzungsbezogen

Weichteilverletzungen wie Kreuzband- oder Meniskusschäden und Knochenödeme begünstigen eine Arthrose. Durch Verletzungen im Gelenkraum kommt es zu knorpelabbauenden Prozessen. Des Weiteren kann es durch „erworbene“ Fehlstellungen (z.B. Frakturen, Sprunggelenksverletzungen oder links-rechts Ungleichgewichten) der Beinachse (X- bzw. O-Bein) zu degenerativen Veränderungen kommen. Außerdem sind neuromuskuläre Veränderungen (z.B. verspätete Quadrizepsansteuerung) für die Entwicklung einer Kniegelenksarthrose relevant. Es gibt 4 Stadien der Knorpelschädigung, auf die ich hier nicht weiter eingehe. Im Extremfall muss ein künstliches Gelenk implantiert werden.

Kniearthrose: Die Ursachen

Begünstigende Faktoren für eine Kniearthrose ist z.B. die Folge von Fehlbelastungen beim Training (einseitiges Training, zu hohe Gewichtswahl, ungünstige Technik, unfunktionelle Gelenkbelastungen), Bewegungsmangel, Übergewicht, Instabilität durch zu schwache/verkürzte Muskulatur, Gelenkfehlstellungen  (X-Beine etc.), Folge älterer Verletzungen und von Luxationen sein.

Kniearthrose: Die Symptome

Symptome sind schwer zu diagnostizieren, da durch die fehlende nervale Versorgung des Knorpels nicht immer bzw. erst im fortgeschrittenen Stadium Schmerzen auftreten. Folgende Warnsignale solltest Du aber beachten:

  • Schmerzen nach längerer Ruhigstellung/Zwangshaltung (langem Sitzen im Kino, Flugzeug, Auto)
  • Schmerzen bei Belastung oder Anlaufschmerzen (bei Beginn einer Bewegung) und
  • individuelle Schmerzgrenzen (z.B. beim Fahrradergometer).

Kniearthrose: Medizinische Behandlung

Akute Knorpelverletzungen werden operativ behandelt. Entweder werden „abgesprengte“ Knorpelstücke entfernt oder wieder eingesetzt. Degenerative Knorpelschäden werden u.a. Medikamentös behandelt. Es wird z.B. eine Grundsubstanz von Knorpel in das Gelenk gespritzt, oder bei Notwendigkeit, entzündungshemmende Stoffe verabreicht.

Zusammenfassung der Schmerzen im Kniegelenk

Schmerzen im Kniegelenk können verschiedene Ursachen haben. Je nach Lokalisation der Schmerzen können diese auf unterschiedliche Erkrankungen oder Verletzungen hinweisen. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Schmerzen bevorzugt auftreten (in Ruhe, nachts als Anlaufschmerz, bei Belastung), kann weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache liefern.

Innenseitige Knieschmerzen

Knieschmerzen, die vor allem an der Innenseite des Knies auftreten, weisen häufig auf einen Meniskusschaden hin. Besonders der Innenmeniskus ist bei vielen Sportverletzungen häufig mit verletzt. Das kann sich durch Schmerzen an der Knieinnenseite bemerkbar machen. Auch eine Beinfehlstellung (O-Beine) kann auf Dauer zu einer Schädigung des Innenmeniskus führen, da der Druck auf diesen durch die ungleichmäßige Belastung erhöht ist. Schließlich kann sich dadurch eine Arthrose im Kniegelenk ausbilden, die sich durch innenseitige Knieschmerzen äußern kann. Letztlich können auch eine Schleimbeutelentzündung oder ein muskulärer Schaden Beschwerden verursachen.

Außenseitige Knieschmerzen

Auch Schmerzen auf der Außenseite des Knies können durch eine Beinfehlstellung (X-Bein) bedingt sein. In diesem Fall wird der Außenmeniskus stärker beansprucht als normal. Das kann den Meniskus auf Dauer schädigen und in der Folge zu einer Arthroseentwicklung führen. Diese kann für die Schmerzen verantwortlich sein. Eine weitere Ursache für außenseitige Knieschmerzen ist ein Schaden an der Sehne des Oberschenkelbeugers (Bizeps femoris). Bei Läufern auftretende Knieschmerzen an der Knieaußenseite können auch auf das sogenannte Läuferknie hinweisen, ein Schmerzsyndrom, das durch die Überbeanspruchung des Tractus iliotibialis, einem Faszienband an der Außenseite Deines Oberschenkel, entsteht. Die Beschwerden treten dabei zunächst nur beim Laufen, später aber auch schon beim Gehen auf.

Vordere Knieschmerzen

Schmerzen, die vorwiegend im vorderen Bereich des Knies empfunden werden, können auf eine Schädigung der Kniescheibensehne hinweisen. Auch eine Fehlbildung der Kniescheibe (Patelladysplasie) kann diese Beschwerden hervorrufen, da die Kniescheibe in diesem Fall nicht optimal in ihr Widerlager passt und durch Reibung und Fehlstellung Schmerzen verursachen kann. Eine Schleimbeutelentzündung des Knies kann hier ebenfalls Schmerzen im vorderen Kniebereich hervorrufen.

Hintere Knieschmerzen

Den (Knie-)Schmerzen keine Chance geben: Ein vorsorgliches, präventives und funktionelles Training kann(Bildquelle: Amazon.de)

Den (Knie-)Schmerzen keine Chance geben: Ein vorsorgliches, präventives Training kann Knieprobleme verhindern. Ein funktionelles Training kann die Rehabilitation und Genesung verbessern. (Bildquelle: Amazon.de)

Schmerzen im Bereich der Kniekehle können multiple Ursachen haben. Dazu gehören Gefäß-, Knochen- und Nervenschäden, Band- oder Meniskusverletzungen, sowie eine Baker-Zyste. Das ist eine Ausstülpung der Gelenkkapsel des Kniegelenks, die durch vermehrte Gelenkflüssigkeit entsteht. Die Produktion der Gelenkflüssigkeit ist dabei häufig durch chronische Entzündungsprozesse deutlich gesteigert, beispielsweise im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung. Wenn eine Baker-Zyste reißt, kann es zu einem gefährlichen Kompartmentsyndrom kommen. 

Generalisierte Knieschmerzen

Treten die Schmerzen diffus überall im Kniegelenk auf, so kann es sich um eine Entzündung, eine rheumatische oder eine degenerative Erkrankung (Arthrose handeln. Parallel zu einem entzündlichen Vorgang ist das Kniegelenk häufig geschwollen, überwärmt und gegebenenfalls gerötet. Besonders Anlaufschmerzen und Steifigkeit nach einer längeren Ruhepause können dabei für eine Kniegelenksarthrose sprechen. Bei systematischen Entzündungszeichen, wie Fieber oder schlechtem Allgemeinbefinden ist es wahrscheinlich, dass es sich um ein akutes Entzündungsgeschehen handelt.

In jedem Fall ist bei länger bestehenden Beschwerden ein Arztbesuch anzuraten und rechtzeitig geeignete Trainingsmaßnahem einzuleiten.

Anmerkung: In meinen Ausführungen wurde bei allen Muskelbezeichnungen aus Gründen der schnelleren und einfacheren Lesbarkeit, auf die Voranstellung der Bezeichnung M. (musculus) bzw. Mm. (musculi) bewusst verzichtet.

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Über den Autor – Stefan Krause

Über den Autor – Stefan KrauseMaster Personal Trainer Stefan Krause (41), der nach über zehn Jahren Personal-Trainer-Tätigkeit jetzt umschwingen – nun mehr die Feder zu Wort kommen lassen – möchte, um seine eigenen Erfahrungen aus über 25 Jahren Kraftsport und Ernährung sowie die seiner Klienten (Frauen und Männer) wiederzugeben und auch ein Augenmerk auf die Motivationen lenken möchte.

„Meine Schwerpunkte haben sich in den letzten Jahren auf die Wirbelsäulen und Gelenkproblematik, sowohl im präventiven, als im rehabilitativen Bereich konzentriert. Ich sehe hierin die Möglichkeit eine größere Zielgruppe (in allen Altersgruppen) zu erreichen, so dass ich einer breiten Schicht von Trainierenden die Möglichkeiten biete, sich ständig neu zu erfinden, zu hinterfragen, zu motivieren und das Bestmögliche aus ihrem Körper herauszuholen. Es gilt für Otto-Normal-Verbraucher, aber auch für den fortgeschrittenen Athleten. Dies praktiziere ich jetzt mit dem Wiedergeben von Trainings-, Ernährungs- und Motivationsthemen aus meiner Praxis.

Ich würde mich freuen wenn wir in Zukunft gut miteinander kooperieren können.“

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Quellenangaben (draufklicken)

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