Ellenbogenschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung – Teil 1

Ellenbogenschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung – Teil 1

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Von Stefan Krause (Trainer für Fitness, Personal- Training und Trainingstherapie)

Dein Körper ist sowohl aus physischer als auch aus biochemischer Sicht ein sehr komplexer Mechanismus, an dem viele verschiedene Schäden auftreten können. Je nach individueller Disposition reagiert er auf bestimmte Verletzungen mehr oder weniger anfällig. In der Regel treten Verletzungen an der schwächsten Stelle einer gegebenen Struktur auf: z.B. im Muskel, am Übergang zwischen Muskel und Sehne, am Ansatz der Sehne am Knochen, in einem Band, an einem Gelenk und so weiter

Im heutigen Artikel, eigentlich einem Zweiteiler, geht es um so eine „Schwachstelle“, mit der nicht nur viele Trainierende und Sportler zu kämpfen haben. Die Rede ist natürlich von Ellenbogenschmerzen.

Innerhalb dieses Textes erfährst du nicht nur, welche häufigen Verletzungsursachen es gibt, sondern auch ein praktisches Fallbeispiel. Danach lernst du etwas über den Aufbau des Ellbogengelenks (Anatomie) und der Funktion die es übernimmt (alles weitere – also die Behandlung (Training, Medikation) – folgt dann im zweiten Teil!)

Ellenbogenschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung – Teil 1

Verletzungen am Ellenbogen | Woher kommen sie?

Verletzungen am Ellenbogen können infolge einer Überbeanspruchung über längere Zeit hinweg auftreten, aber zum Teil sind auch akute Ereignisse die Ursache, wie zum Beispiel die falsche Handhabung eines sehr schweren Gewichts im Training oder Alltagsgegenstandes.

Bei kraftsportlichen Aktivitäten werden die Ellenbogen vor allem bei drückenden Bewegungen belastet – ein Symptom kann dann ein immer stärkerer Schmerz sein oder eine zunehmende Bewegungseinschränkung. Beide deuten auf eine Schädigung der inneren Ellenbogenstruktur hin, und falls eine Behandlung/Beachtung unterbleibt, kann der Schaden schließlich irreversibel werden.

Neben den akuten Verletzungen, die durch Überlastungen des Gelenks infolge schwerer Gewichte oder schlampiger Technik erfolgen können, tritt bei monate- oder jahrelangem schweren Training häufig auch eine gewisse kumulative Schädigung ein, die manchmal zur Arthrose führt (das Thema Arthrose habe ich ansatzweise in meinem Artikel zu Knieproblemen erläutert – allerdings mit Bezug auf das Knie). Diese sind in den Anfangsstadien schwer zu entdecken, weil sie sich oft so langsam entwickeln, so dass man sie nicht gleich bemerkt.

Oft tritt die Schädigung am Ursprung der Streckmuskeln des Unterarms auf – in der Nähe des Ellenbogens – man spricht hier vom „Tennisellenbogen“. Der Begriff Tennisellenbogen fasst eine Reihe verschieden lokalisierter Überlastungssyndrome zusammen, die sich ausnahmslos auf den äußeren (lateralen) Bereich des Ellenbogengelenks beziehen. Dabei muss die Ursache nicht im Tennisspiel selbst liegen, handwerkliche Tätigkeiten beispielsweise können zum gleichen Ergebnis führen.

Demgegenüber steht der sogenannte Golferellenbogen, auf den ich später etwas genauer eingehe. Diese beiden sind die geläufigsten Unterscheidungen in der Trainingstherapie.

Ellenbogenschmerzen & Golferellenbogen

Der sogenannte “Golferellenbogen” gehört – neben dem “Tennisellenbogen” – zu den häufigsten Ursachen für Ellenbogenschmerzen (BiIldquelle: Wikimedia / Scientificanimations.com ; CC Lizenz)

Mir als Trainer ist es wichtig, dass Verletzungen wie z.B. am Ellenbogen fachmännisch und medizinisch richtig behandelt werden. Hier zeigt sich u.a. wie wichtig es gerade für uns als Trainer ist, ein gut funktioniertes Netwerk an professionellen und zuverlässigen Ärzten, Therapeuten und Trainer-Kollegen zu haben.

Die in diesem Artikel verwendeten trainingstherapeutischen Konzeptionen und Fachausdrücke sind für Dich vielleicht schwierig zu verstehen. Doch der engagierte Sportler sollte sich im Laufe der Zeit Zugang zu diesen Informationen aneignen, die er braucht um Verletzungen zu verhüten, diese richtig zu behandeln und ihr Widerauftreten zu verhindern. Ein Mix aus fachlichen Informationen und praktischen Erfahrungen sollen Dir nun den Zugang zu dieser Thematik etwas erleichtern.

Beginnen wir mit einem Beispiel aus der Trainingspraxis…

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Der Ellenbogenschmerz (Epicondylitis) | Ein Fallbeispiel

Der Ellenbogenschmerz (Epicondylitis) | Ein Fallbeispiel

Behandlung einer lateralen Epicondylitis durch eine Spritze. Bekämpft werden nur Symptome, aber keine Ursachen. Dementsprechend fällt auch die Langzeitwirkung aus. (Bildquelle: Wikimedia / Jpwvenn ; GNU Free Lizenz)

Ein sehr vielseitig beschäftigter und in seiner Branche erfolgreicher Geschäftsmann, hatte seit ca. zwei Jahren mit Schmerzen im Ellenbogen zu kämpfen und kam auf Empfehlung eines Klienten zu mir. Er erzählte mir u.a. das sein Arzt ihm immer wieder mal – wenn seine Schmerzen in der betroffenen Region schlimmer wurden – eine Spritze in den Ellenbogen gebe, allerdings nur mit mäßiger bis gar keiner Wirkung.

Anders gesagt: Nach der Spritze konnte es sein, dass der Schmerz für 1-2 Tage weg war, dann aber wieder voll zurückkommen ist. Es konnte aber auch sein, dass die Spritze gar keine Besserung brachte.

So schaute der Arzt immer ganz genau, wo am Ellenbogen der „Schmerzpunkt“ lag. Mit einem Filzstift markierte er die Stelle und genau dort setzte er dann die Spritze an und spritzte das Medikament rein. Wie gesagt tut er das schon seit ca. zwei Jahren und der Arzt meinte, er könne auch noch gut ein Jahr dauern, bis man das Problem in den Griff bekomme.

Anmerkung: Der Arzt hatte ihm immer nur in die Innenseite der Unterarmmuskulatur gespritzt, dort wo er den „Schmerzpunkt“ auch hatte. Dieser „Schmerzpunkt“ war aber nur das Symptom und nicht die Ursache.

Mein Klient konnte – zu diesem Zeitpunkt unseres Aufeinandertreffens – so gut wie nichts mehr schmerzfrei ausführen. Beim Besuch im Fitnessclub zum Beispiel konnte er an keinen der Geräte trainieren, an denen er etwas zum Körper heranziehen musste. Dieses bereitete ihm sofort massive Schmerzen. Wenn er berufsbedingt schreiben oder zeichnen musste, bekam er schnell starke Schmerzen im Ellenbogengelenk.

Das Training

Zu Beginn unseres gemeinsamen Trainings war er sehr skeptisch, da er schon viele Versuche unternommen hatte und glaubte, wenn sein Arzt ihm nicht helfen konnte und die verschiedenen Physiotherapieeinheiten auch nichts brachten, es jetzt wohl genau so ausgehen würde. Denn immerhin hatte er schon manuelle Therapie, Elektrotherapie, Wärme und Krankengymnastik bekommen.

Nach den ersten Trainingseinheiten spürte er eine kleine Verbesserung, es wurde dann aber kurzfristig wieder schlimmer. Der Grund dafür war, dass er schnell übermütig wurde. Er hatte nach so langer Zeit endlich weniger Schmerzen und meinte jetzt auf einmal wieder alles ohne Einschränkung machen zu können. Das war natürlich nicht sinnvoll.

Die zuvor ständig geschonte Muskulatur, war es noch gar nicht gewohnt auf einmal wieder Vollgas geben zu können. Der Muskel wurde wieder überlastet und das alte Problem kehrte zurück.

Dieses Phänomen erlebe ich regelmäßig in meiner Arbeit als Trainer und „Beobachter“ das die Betroffenen (egal bei welcher Verletzung) zu schnell zu viel wollen. Kaum geht es ihnen besser, wollen sie wieder so weitermachen wie früher auch. Das ist zwar verständlich, aber es ist muskulär einfach nicht machbar.

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Geduld ist eine Tugend

Die meisten müssen erst verstehen/verinnerlichen, dass Ihr Problem eine Sache war oder ist, die sich schleichend vollzogen hat und dass der Schmerz zwar von heute auf morgen plötzlich da ist, er sich aber teilweise über Monate oder Jahre hinweg aufgebaut hat (das ist so ähnlich wie mit dem Übergewicht und dem Ziel abzunehmen!). Es ist darum auch immer wieder wichtig zu betonen, dass diese Strukturen zwar nicht wieder Monate und Jahre brauchen, um auf- und umtrainiert zu werden, aber nun mal doch eine gewisse Zeit dafür benötigen. Welche wiederum selbstverständlich bei jedem Menschen anders ist.

So erklärte ich es auch meinem Klienten, dass seine Muskulatur sich erst langsam wieder an die Mehrarbeit gewöhnen muss. Periodisch wurden dann die Belastungen gesteigert und nach und nach stellten sich die gewünschten Verbesserungen ein.

Der Schwerpunkt seiner alltäglichen Arbeit lag im Zeichnen und Schreiben. Diese Arbeiten absolviert er oft sehr lange und ohne Pause. Durch die permanente Dauerbelastung, verkürzte sich langsam und schleichend über die Monate/Jahre hinweg seine Unterarmmuskulatur – genauer gesagt seine Unterarmstrecker.

In den ersten Trainingseinheiten, sah und spürte er deutlich den Unterschied beim Beugen seiner Handgelenke. Ich ließ ihm zunächst die Arme ausstrecken und dann seine Handgelenke mit den Handflächen nach unten so weit in Richtung Boden anbeugen, der gesunde Unterarm konnte problemlos viel weiter gebeugt werden als jener mit dem Problem.

Die Trainingstherapie

Wir beübten hauptsächlich die äußere Unterarmmuskulatur, was zunächst nicht sehr angenehm und auch schmerzhaft war. Das wiederum aber ist normal, da verkürzte Muskulatur nur bei starker Verkürzung so schmerzhaft ist. Nachdem wir seine Muskulatur wieder auf die „normale“ Länge gebracht hatten, musste er jetzt nur noch Kraft aufbauen.

Den Muskel auf- und umtrainieren

Hier war es wieder sehr entscheidend, dass wir seine Muskulatur auf „Länge“ trainierten,  d.h. wir über das volle verfügbare Bewegungsausmaß die Übungen ausführten und seine Muskulatur zu kräftigten, da der Muskel sich sonst wieder in eine Verkürzung hinein bewegen würde. Du musst Dir also bewusst machen, nachdem Du Deinem Muskel wieder auf „Länge“ gebracht hast, dass Du ihn danach auch auf- und umtrainieren musst!

Bringe darum den jeweiligen Muskel zuerst in seine maximale Dehnposition (ruckfrei), aus der heraus er dann seine maximale Kraft entfalten soll. Somit erreichst Du, dass Dein Muskel lernt, den gesamten ihm zur Verfügung stehenden Bewegungsspielraum kraftvoll zu nutzen. Er wird sich dementsprechend so umbauen, dass er länger und kräftiger wird.

Sobald Dein Muskel dieses „Aufbautraining“ abgeschlossen hat, ist er wieder so beschaffen wie ein gesunder Muskel sein sollte. Kräftig, geschmeidig und gut durchblutet.

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Praktische Anatomie des Ellenbogengelenks

Das Ellenbogengelenk | Scharnier- und Schaltstelle 

Der Ellenbogen ist die Verbindung von Oberarmknochen (Humerus) und den beiden Unterarmknochen (Elle und Speiche) und sorgt für eine größtmögliche, freidimensionale Beweglichkeit. Streckung, Beugung und Rotationsbewegungen gehen hier noch weit über das hinaus, was etwa Dein Knie zu leisten vermag. Die Beuge- und Streckmuskeln Deines Armes setzen am Ellenbogengelenk an, die Beuge- und Strecksehnen laufen darüber und die dazugehörenden Schleimbeutel polstern die Konstruktion ab.

Dein Ellenbogengelenk ist aber mehr als nur ein Zwischengelenk, es ist das entscheidende Scharnier zwischen Oberkörper, Schulter, Handgelenk und Hand – die Schaltstelle zwischen Gedanken und Ausführung.

Das Ellenbogengelenk | Scharnier- und Schaltstelle

Aufbau des Ellenbogengelenks (Bildquelle: Wikimedia / OpenStax College ; CC Lizenz)

Anatomisch ist das Ellenbogengelenk ein Gelenk mit nur einer Gelenkhöhle. Funktionell finden hier wiederum die Bewegungen in drei voneinander getrennten Glenken statt;

  • einem Scharniergelenk  zwischen Oberarmknochen und Elle (Ulna)
  • einem Radgelenk zwischen Elle und Speiche (Radius)
  • einem Kugelgelenk zwischen Oberarmknochen und Speiche

die in eine einzige Gelenkkapsel gehüllt sind. Diese Bewegungen gehören zu den komplexesten im gesamten Körper.

Heran- und Wegführen Deiner Hand

Dein Unterarm enthält die Muskelbündel, die die Bewegungen Deiner Hand steuern. Durch Beugung des Ellenbogengelenks kannst Du u.a. Deine Nahrung zum Mund führen – unter diesen Aspekt ist der Beugemuskel (Bizeps brachii) ein für Deine Ernährung zuständiger Muskel.

Diese und andere  Bewegungen entstehen durch folgende Muskelgruppen:

  • Deine Beuger (Flexoren) – die handflächenseitig auf der Vorderseite Deines Armes gelegen sind  und
  • die Strecker (Extensoren) die handrückenwärts, also auf der Rückseite Deines Oberarms liegen.

So bildet der Oberarm zusammen mit der Speiche und der kleinfingerseits gelegenen Elle ein Gelenk, das Dir eine Beugung und eine Streckung Deines Unterarms erlaubt.

Die Beugemuskeln des Ellenbogens

Die drei wichtigsten Beugemuskeln sind:

  • Der zweiköpfige Armmuskel (biceps brachii) (Bi = zwei, ceps von caput = Kopf, brachium = Oberarm) ist der Hauptbeugemuskel. Seine wesentliche Funktion ist die Beugung im Ellenbogengelenk, jedoch hat er auch eine auswärtsdrehende (supinierende) Wirkung, die am effektivsten bei einer 90°-Beugung des Ellenbogengelenks ist. Sein Ansatz konzentriert sich an der „Speichenbeinbeule“ (Tuberositas radii).
  • Der Armbeuger (brachialis) ist als eingelenkiger Muskel ausschließlich Beuger im Ellenbogengelenk. Er ist einer der wenigen Muskeln mit nur einer Funktion. Er  inseriert an der Vorderfläche der Elle (Tuberositas ulnae).
  • Der Oberarm-Speichen-Muskel (brachioradialis) beugt im Ellenbogen und kann das Drehen Deines Unterarmes steuern. Sehr gering unterstützt er die Auswärtsdrehung aus einer extremen Einwärtsdrehung heraus. Der Oberarm-Speichen-Muskel setzt am Griffelfortsatz der Speiche an.
Ellenbogenschmerzen & Tennisellenbogen

Der Tennisellenbogen (oder auch Tennisarm) kann durch einseitige, sich wiederholende Bewegungen verursacht werden – das führt zu Ellenbogenschmerzen. (Bildquelle: Wikimedia / BruceBlaus ; CC Lizenz)

Wirkungsgrad Deiner Beuger und Strecker

Die Kraftentwicklung der drei wichtigsten Beugemuskeln (biceps brachii, brachialis, brachioradialis) übertrifft deutlich die der Streckmuskulatur (triceps brachii).

Deine Beugemuskeln haben die größte Kraft, wenn der Ellenbogen auf 90° gebeugt ist. Für den zweiköpfigen Armmuskel liegt der günstige Beugewinkel bei 80° bis 90°. Für den Oberarm-Speichen-Muskel erst bei 100° bis 110°. Die Beugung ist also kraftvoller bei der Einwärtsdrehung als bei der Auswärtsdrehung. Der zweiköpfige Armmuskel wird durch die Einwärtsdrehung des Unterarms vorgedehnt und wirkt somit effektiver.

Das Kräfteverhältnis liegt bei etwa 5:3 (Einwärts- und Auswärtsdrehung)

Folgende Zahlen geben an, über wie viel Kraft der Beugemuskel ungefähr verfügt:

  1. um etwas zu tragen = 500 Newton (N)
  2. etwas an sich heranzuziehen oder = 650 N
  3. sich selbst hochzuziehen = 800 N

Ein Newton (Einheit der Kraft). 1 kg entspricht auf der Erdoberfläche etwa 10 N (9,81). Wenn Du z.B. eine Masse von 100 kg hältst, ist hierfür eine Kraft von 1.000 N erforderlich, die von Deinem Körper aufzubringen ist.

Zusätzliche und weniger wirksame Beugermuskeln sind:

  • der „lange speichenseitige Handstrecker“ (extensor carpi radialis longus)
  • der unter dem Oberarm-Speichen-Muskel gelegen ist, unter der „runde Einwärtsdreher“ (pronator teres) – seine narbige Schrumpfung macht bei einer ischämischen Volkmannschen Kontraktur eine vollständige Streckung unmöglich.

Entwicklungsphysiologisch ist das alles durch die Tatsache zu begründen, dass die meisten Greif-, Tast- und Ausdrucksfunktionen Deiner Hand in Beugestellung des Ellenbogengelenks durchgeführt werden.

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Die Streckmuskeln Deines Ellenbogens

Die Streckung Deines Ellenbogengelenks wird nur durch „einen“ Muskel, den Armstrecker (triceps brachii) ausgeführt. Der „Ellenbogenhöckermuskel“ bzw. der „Ellenbogenbeugemuskel“  (anconeus) ist aufgrund seines geringen Streckmoments funktionell wenig bedeutsam. Der Armstrecker besteht genauer betrachtet eigentlich aus drei Muskelbäuchen, die mittels einer  gemeinsamen Sehne am Ellenhaken (Olekranon) inserieren.

Diese drei Bäuche des Muskels haben unterschiedliche Ursprünge, wovon einer vom Schulterblatt ausgeht und die beiden anderen an der Rückseite Deines Oberarmes entspringen. Die Funktion dieses Muskels besteht hauptsächlich darin, Deinen Arm im Ellenbogengelenk zu strecken und ihn nach hinten pendeln zu lassen. Die Kraftentwicklung des gesamten Armstreckers hängt u.a. von der Stellung Deines Armes im Verhältnis zum Schulterblatt ab. So ist bei stark gebeugtem Arm der Hebelarm des Streckmuskels am kürzesten. Gleichzeitig ist die Kraft des Muskels am größten.

Die geringste Kraft (Drehmoment) hast Du bei gestrecktem Gelenk, da die Muskelkraft dann sehr gering ist. Bei nach vorn gestrecktem Arm hat der lange Kopf des Streckmuskels eine schlechtere Position (kurzer Abstand zwischen Ursprung und Ansatz) als bei gerade nach oben gerichteten Arm.

Um Dir ein Bild davon zu machen, wie viel Kraft man ungefähr hat, um einen Gegenstand nach vorn, nach oben oder nach unten zu drücken sollen Dir wieder folgende Zahlen verdeutlichen: nach vorn = 350 N , nach oben = 400 N und nach unten = 500 N.

Aus diesen und den oben genannten Zahlen wird ersichtlich, dass der Mensch eigentlich viel besser dazu geeignet scheint, an Bäumen zu hängen als schwere Einkaufstaschen zu tragen.

Im Sport, insbesondere im Leistungssport, wo häufig eine maximale Streckung bzw. eine Feststellung des Ellenbogengelenks erforderlich ist (Kugelstoßen, Geräteturnen), stellt insbesondere die Trizepskraft einen leistungsbegrenzenden Faktor dar. Bei übermäßiger Beanspruchung können hier Überlastungsschäden auftreten, wie z.B. einer Insertionstendinose am Ellenhaken (siehe auch Teil 2).

Die Unterarmmuskeln

Zusätzlich zu der Beuge- und Streckmuskulatur befinden sich am Unterarm noch diejenigen Muskeln, die Deinen Unterarm und damit Deine Hand drehen.

Diese Muskeln geben Deinem Unterarm seine charakteristische Form. Die Muskelbäuche am Ellenbogen gehen handwärts in lange, dünne Sehnen über, der Unterarm ist am Ellenbogen relativ dick und wird zum Handgelenk hin sehr schmal. Verschiedene Muskeln in Deinem Unterarm steuern die vielen Bewegungen Deiner Hand.

Äußere und innere Gelenkknorren

Die Streckmuskeln haben ihren Ursprung am äußeren Gelenkknorren Deines Oberarms (Epicondylus humeri lateralis), die Beugemuskeln entspringen am inneren Gelenkknorren (Epicondylus humeri medialis).

Die Äußerern Gelenkknorren sind zuständig für die Streckung Deines Handgelenks. Diese sind,

  1. der Fingerstrecker (extensor digitorum), der äußere lange Speichenmuskel (extensor capri radialis) und der Ellenseitige Handstrecker (extensor carpi ulnaris)

Die Inneren Gelenkknorren sind Zuständig für die Beugung Deines Handgelenks und wären

  • die oberflächlichen Fingerbeuger (flexor digitorum), die ellenseitigen Handbeuger (flexor capri ulnaris) sowie der speichenseitige Handbeuger (flexor carpi radialis).

Vom äußeren Knorren kommen also die Muskeln, die Dein Handgelenk speichenwärts abspreizen (radialabduzieren) und zum Handrücken beugen (dorsalflektieren) können. Beim sogenannten Tennisarm ist der Ursprungsbereich dieser Muskeln oft geschädigt.

Von den inneren Gelenkknorren kommen jene Muskeln, die Dein Handgelenk nach innen führen (ulnarabduzieren) bzw. die hohlhandwärts beugen (palmar flektieren) können. Das geschieht u.a. bei allen Formen des Werfens, des Schlagens sowie beim Vorhand-Smash beim Tennis usw. Schäden als Folge von Überanstrengung bei solchen Aktivitäten nennt man Golferarm, Speerarm usw.

Dein Handgelenk

Die Bewegungen Deiner Hand finden in einem Eigelenk (mit diesem kann man Beuge- und Streckbewegungen ausführen und Bewegungen von einer Seite zu anderen absolvieren) statt, dass von den vier Handwurzelknochen gebildet wird, die mit der Speiche in einer gelenkigen Verbindung stehen.

Die Bewegungen im Handgelenk sind:

  • in Richtung des Daumens (Radialabduktion)
  • in Richtung des kleinen Fingers (Ulnarabduktion)
  • Beugung (Palmarflexion) und d) Streckung (Dorsalflexion).

Die Drehbewegungen der Hand werden in der Fachsprache Pronation (Auswärtsdrehung) und Supination (Einwärtsdrehung) genannt. Sie finden nicht im Handgelenk, sondern ausschließlich zwischen den beiden Knochen des Unterarm statt.

Auswärts- und Einwärtsdrehung (Supination und Pronation)

Von den etwa 20 Muskeln, die die Bewegungen Deines Handgelenkes steuern, kommen die größten und wichtigsten von den Gelenkknorren Deines Oberarmes. Die Muskeln, die Deinen Unterarm und damit Deine Hand drehen, werden als Pronatoren bzw. Supinatoren bezeichnet.

Die Auswärtsdrehung (Supination) findet statt wenn Du Deine Handfläche nach obern drehst und die Einwärtsdrehung (Pronation) wenn Deine Handflächen nach unten zeigen

Der stärkste, die Hand auswärtsdrehende Muskel ist der zweiköpfige Armmuskel (biceps brachii – s.o.). Aus diesem Grund haben zum Beispiel Schrauben normalerweise ein Rechtsgewinde. Beim Anziehen einer Schraube arbeitet eine rechthändige Person mit supinierenden – also mit der Hand auswärts drehenden – Bewegungen und die ausführenden Muskeln arbeiten hier konzentrisch (überwindend). Mit ein wenig Körpergefühl kannst Du spüren, wie der Beugemuskel an der Bewegung teilnimmt.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die auswärtsdrehenden Muskeln bei gebeugtem Ellenbogen kräftiger sind, ist das Du bei nach oben gedrehten Handflächen (supiniert / Untergriff) mehr Klimmzüge an der Reckstange absolvieren kannst als mit nach unten zeigenden Handflächen (proniert / Obergriff). 

Kurzum sind folgende Muskeln an Deinem Unterarm für die Auswärts- und Einwärtsdehung verantwortlich:

  • Auswärtsdrehung: der Auswärtsdreher (supinator) und der zweiköpfige Oberarmmuskel (biceps brachii).
  • Einwärtsdrehung: der runde Einwärtsdreher (pronator teres) und der viereckige Einwärtsdreher (pronator quadratus).

Stabilität durch starke Bandkomplexe

Die Bänder Deines Ellenbogens haben die Aufgabe, den Gelenkflächenkontakt aufrecht zu erhalten. Es sind regelrechte Gurtsysteme an den Seiten des Gelenks. Im Einzelnen wären es das, äußere Ellenband (Ligamentum collaterale ulnare) und das Innere Ellenband (Ligamentum collaterale radiale).

An der Innenseite Deines Ellenbogengelenks befindet sich ein sogenannter Kollateralbandkomplex mit drei Anteilen, der in unterschiedlichen Gelenkpositionen mehr oder weniger gespannt ist. An der Außenseite verhindern viele Anteile des Bandapparates ein Ausbrechen der Gelenkpartner.

Info: Als Kollaterallbänder bezeichnet man die seitlichen, innen und außen liegenden verlaufenden Bandstrukturen.

Das an Deinem Ellenbogen außen liegende Band ist das wichtigste für die Stabilisierung Deines Ellenbogens und fängt ca. 55% des Valgusstresses (Belastung auf die Bänder, die durch einwirkende Kräfte, zu einer Abwinklung des Gelenkes nach außen führen können) ab.

Das innere ist ein kurzes, derbes Band aus straffem Bindegewebe, das die Gelenkkapsel des Ellenbogengelenks verstärkt. Es weist große interindividuelle Unterschiede auf.

Das Ellenbogengelenk weist insgesamt eine gute passive Sicherung durch knöcherne Führung und kräftige Bandzüge auf.

Zusammenfassend, lässt sich sagen das die Feinabstimmung der am Oberarmknorren entspringenden Beuge- und Streckmuskeln der Hand einen hohen Koordinationsaufwand und Pflege erfordern, da hier die Anfälligkeit der Sehneninsertionszonen hier besonders hoch ist. Fehlbelastungen im Alltag und im Sport rufen in diesem Bereich auffallend rasch eine Sehnenansatzentzündung (Insertionstendinose) hervor.

Schlusswort & Ausblick

Das soll es dann auch schon für den ersten Teil gewesen sein. Diese Inhalte können für den einen oder anderen Leser mitunter sehr trocken sein – das ist verständlich. In den meisten Fällen interessieren einen solche Sachverhalte nicht, solange man nicht betroffen ist.

Dabei kommt es eigentlich auf eine sinnvolle Prävention an, damit man es erst gar nicht so weit kommen lässt.

Im 2. Teil widmen wir uns dem praktischeren Teil, nämlich der Behandlung und Stärkung der „Schwachstelle“ Ellbogengelenk, Unterarm, Hand.

Hier geht es zum 2. Teil


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Über den Autor – Stefan Krause

Über den Autor – Stefan KrauseMaster Personal Trainer Stefan Krause (41), der nach über zehn Jahren Personal-Trainer-Tätigkeit jetzt umschwingen – nun mehr die Feder zu Wort kommen lassen – möchte, um seine eigenen Erfahrungen aus über 25 Jahren Kraftsport und Ernährung sowie die seiner Klienten (Frauen und Männer) wiederzugeben und auch ein Augenmerk auf die Motivationen lenken möchte.

„Meine Schwerpunkte haben sich in den letzten Jahren auf die Wirbelsäulen und Gelenkproblematik, sowohl im präventiven, als im rehabilitativen Bereich konzentriert. Ich sehe hierin die Möglichkeit eine größere Zielgruppe (in allen Altersgruppen) zu erreichen, so dass ich einer breiten Schicht von Trainierenden die Möglichkeiten biete, sich ständig neu zu erfinden, zu hinterfragen, zu motivieren und das Bestmögliche aus ihrem Körper herauszuholen. Es gilt für Otto-Normal-Verbraucher, aber auch für den fortgeschrittenen Athleten. Dies praktiziere ich jetzt mit dem Wiedergeben von Trainings-, Ernährungs- und Motivationsthemen aus meiner Praxis.

Ich würde mich freuen wenn wir in Zukunft gut miteinander kooperieren können.”


Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Wikimedia / Scientificanimations.com ; CC Lizenz


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