Glutenfreie Ernährung hat keinen Einfluss auf Leistungsfähigkeit | Studien Review

Glutenfreie Ernährung hat keinen Einfluss auf Leistungsfähigkeit | Studien Review

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Von Damian N. Minichowski |

Immer mehr Menschen entdecken die glutenfreie Ernährung für sich und berichten von einem gestiegenen Wohlbefinden und einer besseren Verdaungsgesundheit.

Es ist eine Epidemie…oder auch nicht

Problematisch ist das Ganze deswegen, weil man hinsichtlich der Glutensensitivität häufig einem Gespenst nachjagt – denn nur die Wenigsten von uns sind von einer ausgewachsenen Zöliakie (das ist die schlimmste Form der Glutenunverträglichkeit) betroffen.

In der Regel beruht das Urteil auf einer Eigendiagnose, die mit Hilfe von ganz viel Google und entsprechenden Nischenblogs getroffen wurde. Kaum einer macht sich tatsächlich die Mühe, um den Verdacht durch valide Tests zu bestätigen.

In diesem Zusammenhang ist die Untersuchung von Di Sabatino et al. (2015) überaus lehrsam, bei der Patienten mit einer selbstdiagnostizierten Glutenunverträglichkeit [NCGS] untersucht wurden und wo 37% der Teilnehmer stärker auf ein Placebo reagiert haben, als auf Gluten [2]. Von insgesamt 59 Personen zeigten am Ende nur 3 einen negativen Einfluss durch Gluten in der Ernährung [2].

The hype is real, meine Freunde.

Immer mehr Sportler verzichten auf Gluten

Der Wechsel von einer traditionellen Mischkost mit Getreideprodukte hin zu einer glutenfreien Lebensweise wird auch unter hart trainierenden Athleten immer beliebter. So fanden Lis et al (2015) z.B. heraus, dass sich bei 910 Athleten, die unter keiner diagnostizierten Zöliakie litten (nonceliac athletes), knapp 41% aller Wettkampfsportler zumindest temporär oder langfristig glutenfrei ernährten. [4].

Viele erhoffen sich dadurch bessere Ergebnisse bei der Beeinflussung des Muskelmasse- und Körperfettanteils, sowie einer potenziellen Leistungssteigerung – und das trotz fehlender Diagnose!

Hier spielen zum einen natürlich auch populär gewordene Ernährungskonzepte, wie z.B. die Paleo Diät, eine wichtige Rolle, wo Getreide und getreidehaltige Produkte als „nicht artgerecht“ klassifiziert und komplett vom Speiseplan gestrichen werden. Zum anderen leisten Idole und Coaches ihren Beitrag, indem sie ihre Follower und Schützlinge beeinflussen (z.B. indem sie per se von Gluten in der Ernährung abraten).

Am Ende des Tages geht es um Leistung, daher lautet die eigentliche Frage, die sich jeder von uns stellen sollte: Kann ich meine Leistung durch eine glutenfreie Ernährung steigern (auch wenn ich keine Gluteunverträglichkeit habe?)

Die Antwort folgt auf dem Fuße.

Glutenfreie Ernährung hat keinen Einfluss auf Leistungsfähigkeit | Studien Review

Ich muss an dieser Stelle gleich zugeben, dass die nachfolgende Untersuchung mit 13 Probanden (alles trainierte Radrennfahrer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren) nur eine begrenzte Reichweite und Übertragbarkeit besitzt (ich bin kein Rannredfahrer – du vielleicht?), aber zumindest hat man sich hier die Mühe gemacht und die Effekte von Sportlern untersucht, wo Spitzenleistung gefragt ist.

Das Experiment wurde in 2 einwöchige Phasen eingeteilt, wobei man die Athleten für eine Woche (7 Tage) auf eine glutenfreie Ernährung setzte. Am Ende der ersten Periode folgte ein 15 minütiger Leistungstest auf dem Fahrradergometer.

Dies wurde später noch einmal wiederholt, nur mit dem Unterschied, dass die Athleten diesmal 16g Gluten pro Tag in der Ernährung hatten. Nach Ablauf der zweiten Periode folgte ein weiterer (identischer) Leistungstest.

Wichtig: Die Athleten wussten zu keinem Zeitpunkt, ob sie einer glutenhaltigen oder glutenfreien Ernährung folgten.

Das Studienergebnis: Gluten in der Ernährung haben keinen Einfluss auf die (Ausdauer)-Performance

Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, daher lasse ich einfach mal die nachfolgende Grafik auf dich wirken.

Das Studienergebnis: Gluten in der Ernährung haben keinen Einfluss auf die (Ausdauer)-Performance

Eine 7-tägige glutenhaltige oder glutenfreie Ernährung beeinflusst die Performance in trainierten Athleten nicht. (Bildquelle: Lis et al. (2015))

Meine Damen und Herren, wie sie sehen, sehen sie nichts. In Sachen Leistung (Power, Herzschlagrate, Kadenz und verrichtete Gesamtarbeit) zeigen sich nur minimale, nicht-signifikante, Effekte [1]. Die glutenfreie Ernährung brachte keinen Performanceschub in diesen trainierten Athleten.

Die Forscher befragten die Studienteilnehmer auch nach ihrem Wohlbefinden und ihrer Stimmung, doch auch hier zeigte sich kein (sichtbaren) Einfluss, daher untersuchte man auch einige klassische Entzündungsmarker (darunter Interleukin-1-beta, Interleukin-6, Interleukin-8, Interleukin-10, Interleukin-15 und TNF-alpha). Abermals Fehlanzeige.

Das Resümee der Forscher:

„A short-term GFD had no overall effect on performance, GI symptoms, well-being, and a select indicator of intestinal injury or inflammatory markers in nonceliac endurance athletes.“ – [1]

Abschließende Worte

Das Ergebnis ist nun nicht besonders überraschend, wenn man bedenkt, dass bei keinem der Athleten eine vorherige Glutenunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Zumindest hätte ich an dieser Stelle – der Logik nach – keine gegenteiligen Ergebnisse erwartet.

Die hier untersuchte Population gehörte eher zur Fraktion „Ausdauersportler“ und wie ich weiter oben bereits gesagt habe, handelt es sich um ein recht kleines Sample, was am Ende die Reichweite der Studie einschränkt.

Weiterhin könnte man argumentieren, dass sich etwaige Verbesserungen (sofern Gluten wirklich leistungssenkend wirken sollten) erst nach einer mehrwöchigen glutenfreien Ernährung manifestieren – damit würden wir allerdings schon stark ins spekulative Fahrtwasser geraten.

Es macht durchaus Sinn auf Gluten zu verzichten, wenn eine ernsthafte Unverträglichkeit vorliegt. In einem solchen Fall solltest du allerdings nicht im Dunkeln herumstochern und auf deine Eigendiagnose vertrauen, sondern einen entsprechenden Test durchführen, der dir Gewissheit verschafft. Nur so wirst du wirklich herausfinden, ob dein Körper allergisch auf das Protein reagiert oder nicht. (Denk dran, dass man sich eine Kohlenhydratunverträglichkeit auch anerziehen kann, indem man sich über längere Zeiträume strikt kohlenhydratarm ernährt – bei Wiedereinführung von größeren Kohlenhydratmengen können sich Symptome wie Lethargie, Müdigkeit und Verdauungsbeschwerden bemerkbar machen!)

Generell sind Getreide und getreidehaltige Produkte besser als ihr Ruf und sie haben durchaus ihre Daseinsberechtigung im Speiseplan eines intensiv trainierenden Athleten (zudem sind sie meist günstiger, als die glutenfreie Alternative).

Falls du mehr über Gluten und Glutenunverträglichkeit erfahren willst, solltest du unseren ausführlichen Artikel zum Thema näher studieren. Darüber hinaus findest du ein lesenswertes komplettes Kapitel zu dem Thema „Glutenunverträglichkeit: Hyper oder ernsthaftes Problem“ in Frank Ackers Buch „Iss mal wieder ne Scheibe Brot, dass ich hier bereits gereviewt habe).

Ach ja…iss mal wieder ´ne Scheibe Brot!


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Pixabay / ThomasWolter ; CC Lizenz


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