Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

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Von Damian N. Minichowski |

Im Verlauf deines Lebens hast du sicher schon öfter gesagt bekommen, dass du mehr Gemüse essen solltest – spätestens wenn die Pfunde purzeln sollen und die Gesundheit auf dem Spiel steht, denken viele Menschen um, doch niemand sagt dir in welcher Form du dein tägliches Gemüse am besten zu dir nehmen solltest.

Der gesunde Menschenverstand sagt dir vermutlich, dass es am besten frisch sein sollte, doch was heißt das heutzutage schon? Frisch wie in „wurde tagelang quer über den Kontinent gekarrt und lag Stunden bis Tage bei Halogenbelichtung im Supermarkt rum, ehe es bei dir dann auch noch paar Tage im Kühlschrank verbringen durfte und du es schließlich zu einem Salat zubereitet hast“?

Auch Schadstoffbelastung und Krankheitserreger können hierbei ein Thema sein. Wir wissen zumindest dass ein wenig (mehr) Hitze diverse Schädlinge zerstört und das Gemüse auch nahrhafter macht (z.B. indem die Struktur von Ballaststoffen zerstört wird und dein Körper damit mehr Nährstoffe aufnehmen kann, als im rohen Zustand).

Du siehst schon: Eine solche triviale Frage wird komplex, wenn man sich ein paar Gedanken zu der Sache macht. Die einfachste Lösung muss nicht zwangsweise die Beste sein.

Eine neue Studie, die jüngst im Journal of Behavorial Nutrition erschienen ist, versucht ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, wenn es um den gesundheitlichen Wert von zubereiteten Gemüse geht.

Schauen wir uns das Ganze doch einmal näher an!

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Fruit and vegetable consumption and all-cause mortality: evidence from a large Australian cohort study

Australische Forscher werten in dieser Studie die Daten von +150.000 Personen im Alter von 45 oder älter aus. Der Untersuchungszeitraum betrug 6,2 Jahre.

Geklärt werden sollte die Frage, welche Auswirkungen a.) der Verzehr von Früchten und Gemüse (allein oder kombiniert) auf die Sterblichkeitsrate hat und b.) ob die Zubereitungsart (roh Vs. gekocht) eine Rolle spielt.

Das Studienergebnis: Erhitztes Gemüse senkt Risiko für Sterblichkeit stärker, als rohes Gemüse

Die Auswertung brachte zu Tage, dass Männer und Frauen, die größere Mengen an Früchten und Gemüse verzehrten auch gleichzeitig die besseren Werte hinsichtlich eines gesunden Lebensstils erzielten – sie schliefen im Durchschnitt mehr, wiesen ein besseres Körpergewicht (im Verhältnis zur Größe) auf und/oder verfolgten einen körperlich-aktiven Lebensstil.

All diese Dinge dürften den informierten Aesir Sports Leser nicht weiter verwundern, schließlich ist es Gang und Gebe, dass Personen, die sich offensichtlich bewusster ernähren auch unter dem Strich einen für die Gesundheit weniger problematischen Lebensstil verfolgen.

Die Wissenschaftler versuchten mit Hilfe von statistischer Methoden die Effekte von Früchten und Gemüse auf die Sterblichkeit zu analysieren – dies geben die beiden nachfolgenden Grafiken wieder (die obere für Früchte, die untere für Gemüse).

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Gesamtsterblichkeitsrate in Abhängigkeit der verzehrten Menge an Früchten. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Nguyen et al, 2016)

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Gesamtsterblichkeitsrate in Abhängigkeit der verzehrten Menge an Gemüse. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Nguyen et al, 2016)

Auch wenn man mit der Interpretation von derartigen Studien (kein kontrolliertes Experiment) immer sehr vorsichtig sein sollte, so lässt sich hierin doch ein klarer Trend erkennen, der einen höheren Obst- und Gemüsekonsum ans Herz legt.

Auffällig an den obigen Grafiken ist vor allem jene, welche die Sterblichkeitsrate und den Gemüseverzehr abbildet. Der Mehrverzehr zeigte keine so starken positiven Effekt, wie man eigentlich annehmen würde (auch im Vergleich zu Früchten), daher segmentierten die Wissenschaftler den Gemüseverzehr noch einmal nach der Zubereitungsart (roh Vs. gekocht).

Die beiden nachfolgenden Grafiken zeigen die Auswirkungen des Verzehrs von rohem Gemüse (erstes Bild) und gekochtem Gemüse (zweites Bild).

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Gesamtsterblichkeitsrate in Abhängigkeit des Verzehrs von rohem Gemüse. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Nguyen et al, 2016)

Was ist gesünder: Rohes oder gekochtes Gemüse? | Studien Review

Gesamtsterblichkeitsrate in Abhängigkeit des Verzehrs von gekochtem Gemüse. (Bildquelle: Ergo-Log.com / Nguyen et al, 2016)

Wer die beiden Grafiken genau studiert, dem dürfte auffallen, dass der positive Effekt des Verzehrs von rohem Gemüse auf die Reduktion der Sterblichkeit relativ schnell sein Limit erreicht: Bereits ab mehr als 92g Rohgemüse steigt das Mortalitätsrisiko wieder an (von 0,87 auf 0,92) und erhöht sich mit steigender Menge.

Beim gekochten Gemüse gibt es zwar auch einen Sprung nach oben, allerdings zeigt hier der Mehrverzehr einen positiveren Effekt, wenn es um die Reduktion des Sterblichkeitsrisikos geht.

Die Forscher kommen zu dem Fazit:

„In this large cohort of middle-aged and older Australian adults, consumption of fruit and vegetables was inversely associated with all-cause mortality during 6.2 years of follow-up. Findings from this study support recommendations to consume a high amount of fruit and vegetable consumption. The association of raw versus cooked vegetables in relation to mortality requires further investigation.“ – [2]

Abschließende Worte

Bevor du nun deine Schüssel Salat über dem Mülleimer ausleerst, möchte ich dich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich hierbei natürlich um Durchschnittswerte handelt und das Ergebnis nicht heißt, dass du früher ins Gras beißen wirst, nur weil du viel rohes Gemüse verzerrst – im Gegenteil, denn auch der Verzehr von rohem Gemüse konnte in dieser epidemiologischen Untersuchung das Mortalitätsrisiko reduzieren (von 1 bei weniger als 150g am Tag auf 0,87 bei 75-98g am Tag bzw. 94 bei mehr als 150g am Tag) – das Kochen hatte einfach nur einen besseren (stärkeren) Effekt.

Wie ich weiter oben bereits geschildert habe, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit hohem Gemüse- und Obstverzehr auch in anderen Bereichen (Ernährung, Bewegung und allgemeiner Lebensstil) die besseren Entscheidungen treffen. Dieses Phänomen nennt man Korrelation, was ungefähr so viel bedeutet, als dass eine Verbindung zwischen den Variablen besteht.

Was und eine solche Studie nicht aufzeigen kann ist eine Kausalität. Wir wissen also das Sterblichkeit und Frucht-/Gemüseverzehr in Wechselwirkung zueinander stehen, aber daraus kann man nicht schließen, dass Menschen, die viel Gemüse und Früchte verzehren automatisch auch länger leben.

Was können wir also aus der Studie lernen?

Gemüse ist gut, mehr Gemüse ist besser. Rohes Gemüse ist besser als gar kein Gemüse und idealerweise greifst du auch mal zu Gebratenem, Gekochtem oder Gedünstetem (Letzteres ist vermutlich die gesündeste Variante).

Mit dieser Taktik steigst du wohlmöglich deine Chancen auf ein längeres Leben.


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

Bildquelle Titelbild: Pixabay ; Elisabetstillwell ; CC Lizenz


 

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