Protein-anaboler Effekt von Panaxatriol (Ginseng) nach Widerstandstraining | Studien Review

Protein-anaboler Effekt von Panaxatriol (Ginseng) nach Widerstandstraining | Studien Review

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Von Adel Moussa |

Ginseng ist normalerweise keine Substanz, an die man denkt, wenn von „natürlichen anabolen Stoffen“ die Rede ist. Tatsächlich ist es sogar so, dass vorherige Studien, die einen standardisierten Ginsgeng-Extrakt verwendet haben, lediglich zeigten, dass die darin enthaltenen Ginsenoide bei Athleten gegen Demenz helfen, was jetzt nicht gerade berauschend ist (im Hinblick auf Muskelaufbau versteht sich)

Mit einem solchen Hintergrund muss ich dich gleich vorweg warnen (und diese Warnung werde ich in meinem Abschluss zu diesem Artikel nochmals erwähnen), so dass du nicht gleich losflitzt und dich im nächstbesten Supermarkt mit einem Beutel voll Ginsgenwurzel, Tonikum oder Pillen eindeckst.

Wieso das? Nun, das liegt ganz einfach daran, dass du einfach nicht sicher sein kannst, ob du ausreichend viel Panaxatriol, dem aktiven Saponoid-Wirkstoff in der Ginsengwurzel, drin hast. Dies ist aber der aktuellsten Studie nach genau jene Substanz, die für die Muskelaufbau-Magie verantwortlich ist.

Hierbei handelt sich noch dazu um eine gesponsorte Studie aus Japan, die an Ratten durchgeführt wurde (was unter uns gesagt ein weiterer Grund ist, um einem Hype vorbeugend nicht zu erliegen). Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind meiner Meinung nach aber trotzdem erwähnenswert … nicht zuletzt deswegen, weil ich sehr stark davon ausgehe, dass dieses Agens in Zukunft in zahlreichen „natürlichen anabolen“ Supplementen auftauchen wird.

Protein-anaboler Effekt von Panaxatriol (Ginseng) nach Widerstandstraining | Studien Review

Also, was wissen wir? Nun, es ist mittlerweile seit längerer Zeit bekannt, dass Ginseng-Extrakt einen anti-hyperglykämischen Mechanismus besitzt, der die Hochregulation von Akt beinhaltet. Darüber hinaus verfügt es über Nerven-regenerierende Kapazitäten, welche durch eine Hochregulation von ERK1/2 herbeigeführt werden.

Da diese Proteine auch in der Proteinsynthese der Skelettmuskulatur eine Rolle spielen, war es nur logisch, dass Tamura et al vermuteten, dass „Ginsgeng die Muskelproteinsynthese via Akt-mTORC1 oder ERK1/2-mTORC1 erhöhen könnte“ (Takamura et al, 2016).

Da vorherige Studien nahelegten, dass Panaxatriol Saponine für die Effekte auf Akt und ERK1/2 verantwortlich sind, war es auch nur logisch, dass die japanischen Forscher isolierte Panaxatriol Saponine verwendet haben (welche im Übrigen eine exzellente Bioverfügbarkeit besitzen, da es eine Interaktion mit der Magensäure und den Enzymen der intestinalen Bakterien gibt, welche die verzweigtkettigen Zucker der Saponine zerhacken und sie in das aktive Panaxatriol (PT) umwandeln).

Die Beine der Sprague-Dawley Ratten wurden wie folgt gruppiert:

  • Kontrolle (control)
  • Nur Panaxatriol (PT only)
  • Nur Training (Exercise only)
  • Exercise + Panaxatriol (Exercise + PT)

Wie die Autoren der Studie erklären, wurden „die Beine isometrischen Widerstandsübungen mit Hilfe perkutaner elektrischer Stimulation ausgesetzt, während die linken Beine eine Kontrollfunktion übernahmen“ (Takamura et al, 2016).

Protein-anaboler Effekt von Panaxatriol (Ginseng) nach Widerstandstraining | Studien Review

Effekte von Panaxatriol (PT) auf die rpS6 Phosphorylierung bei Ser240/244 bei 0,5 Stunden (A) und 3 Stunden (B) nach dem Widerstandstraining. (Bildquelle: Takamura et al, 2006)

Effekte von Panaxatriol (PT) auf die rpS6 Phosphorylierung bei Ser240/244 bei 0,5 Stunden (A) und 3 Stunden (B) nach dem Widerstandstraining. (Bildquelle: Takamura et al, 2006)

Interessanterweise wurde das isolierte Panaxatriol (PT) nur einmal verabreicht – nämlich nach dem „Training“ bei einer Dosierung von 0,2g/kg – 30mg/kg im Falle eines Menschen (also 1,8 – 3g reinem Panaxatriol) und dennoch zeigte es die Effekte, die von den Forschern erwartet wurden.

Die Gabe sorgte nicht nur für einer signifikante Erhöhung der Akt und ERK1/2 Phosphorylierung („Aktivierung“) in den PT-Tieren (stärker als in der Gruppe, die nur trainiert hat), sondern führte auch gleichzeitig zur Steigerung der Downstream-Controller der Proteinsynthese, p70S6K. Dessen Wert war bei beiden Zeitmarken, also nach 0,5 und 3 Stunden, signifikant erhöht.

An dieser Stelle könntest du einwenden, dass dies zwar sehr nett, aber am Ende irrelevant ist. Schließlich ist es die tatsächliche Proteinsynthese die zählt (und nicht die Erhöhung der regulativen Proteine).

Damit liegst du zwar richtig, doch Dank der erst kürzlich getesteten und neue SUnSET Methode (siehe Goodman et al, 2013) waren Takamura und Kollegen in der Lage eine signifikante Steigerung der Proteinsynthese  in den Tieren nach dem „Workout“ nachzuweisen, die das Panaxatriol erhielten.

Der Grad der Steigerung kann jedoch nicht sehr genau mit dieser Methode quantifiziert werden. Wir wissen lediglich, dass p70S6K für die Erhöhung der Proteinsynthese verantwortlich ist; die Effektgröße (und praktische Relevanz) können wir daraus aber nicht ableiten.

Abschließende Worte

Obacht! Nicht gleich das nächstbeste Ginsengsupplement kaufen! Auch wenn die Panaxatriol Saponine mengenmäßig relativ häufig in Ginseng vorkommen, so kann du dennoch kaum sagen, wie viel du davon aufgenommen hast. Das macht es schwierig auf die entsprechende Menge von 0,3mg/kg zu kommen (effektive Humandosierung).

Und selbst wenn du die Dosis erreichen würdest, so weißt du nicht inwiefern das praktisch überhaupt relevant und aufrechtzuerhalten ist. Wir wissen nicht, ob es einen adaptiven Effekt gibt und wir wissen nicht, wie hoch die Steigerung der Proteinsynthese on top ausfällt.

Ach ja… die Tatsache, dass es sich um eine gesponsorte Tierstudie handelt, sorgt nicht gerade dafür, dass diese Ergebnisse in einem zuverlässigeren Licht erscheinen.

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Über den Autor – Adel Moussa

Über den Autor - Adel MoussaAdel Moussa: “In den Seminaren die ich im Fachbereich Physik an der Uni halte, geht es darum den Studenten Daten, Fakten und Techniken zu vermitteln, die – obschon sie nichts mit Religion zu tun haben – so sicher sind, wie das sprichwörtliche “Amen in der Kirche”. Gerade das aber, also “Daten und Fakten” findet man im Internet kaum, wenn man nach Informationen über Training, Ernährung und Nahrungsergängzungsmitteln sucht. Das war jedenfalls vor ca. 4 Jahren so, und Grund genug für mich meinen eigene Blog zum Thema zu starten.

Der Name “SuppVersity” – Ihr hört schon, da stecken die Worte “University” und Supplement” drin – ist Programm. Unter www.suppversity.com nehme ich dort täglich die neusten Studien aus den Gebieten Training, Ernährung und Gesundheit unter die Lupe. Immer auf der Suche nach dem, was es vermutlich gar nicht gibt: Dem optimalen Trainings-, Ernährungs und Nahrungsergänzungsplan für mich, Euch und jedermann.”

Quellenangaben (draufklicken)

[1] Takamura, Y., et al. (2016): Panaxatriol derived from ginseng augments resistance exercised–induced protein synthesis via mTORC1 signaling in rat skeletal muscle. In: Nutrition Research. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27865617.

[2] Goodman, CA. / Hornberger, TA. (2013): Measuring protein synthesis with SUnSET: a valid alternative to traditional techniques? In:  Exercise and sport sciences reviews. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23089927.

Bildquelle Titelbild: Flickr / yarra64 ; CC Lizenz

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