Die Wahrheit über Aspartam – Teil 1

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 1

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Von James Krieger |

Aspartam (oder auch „Nutrasweet“) hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einen schlechten Ruf erhalten und es sorgt auch weiterhin für Kontroversen. Die Frage, die sich einem unweigerlich stellt, ist, ob diese Kontroversen verdient sind oder lediglich von Medien und Gesundheits-Panikmachern konstruiert ist.

Diese Artikelserie wird den Stoff Aspartam detailliert aufschlüsseln und dich mit den notwendigen, wissenschaftlichen Fakten ausstatten. Weitere Süßstoffe werden in folgenden Artikeln noch erläutert werden.

Der Künstlich Vs. Natürlich Mythos

Ein Teil der Kontroversen um Aspartam herum resultiert aus der Tatsache, dass es ein teilweise künstlicher Süßstoff ist. Es gibt Menschen da draußen, die eine (Achtung, Wortwitz) unnatürliche Obsession mit dem Verzehr von „natürlichen“ Lebensmitteln haben. Es wird angenommen dass „natürliche“ Lebensmittel irgendwie sicherer und gesünder sind, als „künstliche“ Lebensmittel.

Diese Denkweise, wonach natürliche Lebensmittel automatisch sind als Künstliche, ist jedoch makelhaft. Worauf es ankommt, ist Folgendes: Allgemein gesehen gibt nur wenig Beweise dafür, dass künstliche Produkte schlechter sind, als natürliche Produkte. In Wahrheit ist die Definition von dem, was „künstlich“ ist und dem, was „natürlich“ ist sehr undeutlich und es gibt eine große Schnittmenge zwischen beiden Konzepten.

Anstatt sich also darüber Sorgen zu machen, ob etwas künstlich oder natürlich ist, solltest du dir lieber Gedanken darüber machen, ob etwas ausreichend getestet und als sicher und/oder effizient befunden wurde. In Wahrheit ist es nämlich so, dass einige künstliche Produkte weitaus bessere Sicherheitsbelege besitzen und umfassender getestet wurden, als manche der so genannten natürlichen Produkte.

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 1

Was ist Aspartam?

Aspartam (E951) besteht – abseits der Bezeichnung als künstlich – aus drei Substanzen, die wir natürlicherweise in unserer täglichen Ernährung finden, nämlich Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol.

Phenylalanin und Asparaginsäure sind Aminosäuren, welche Teil des Proteins sind, dass wir essen. Methanol, auch bekannt als Holzalkohol, ist für den menschlichen Körper gifitig, doch nur in größeren Mengen. Wir finden es natürlicherweise in kleineren Mengen in Obst und Fruchtsäften.

Wenn du Aspartam-haltige Produkte konsumierst, wird es in deinem Magen-Darmtrakt zu diesen 3 Stoffen zerlegt; kein Aspartam erreicht je deinen Blutkreislauf.

Um dir eine Idee von den Mengen der Stoffe zu geben, die du über Aspartam Vs. echten Lebensmitteln bekommst, schauen wir uns einmal eine ~350 ml Dose eines Softdrinks. Hier siehst du eine kleine Tabelle, welche den Gehalt an Asparaginsäure und Phenylalanin abbildet, die du durch einen Softdrink zuführst, der mit Aspartam gesüßt wurde, verglichen mit Magermilch und Hähnchen:

Asparaginsäure (mg)Phenylalanin (mg)
Softdrink, mit Aspartam gesüßt (350 ml)7290
Magermilch (350 ml)948598
Hähnchen (115g)25701130

Tabelle 1: Softdrink Vs. Magermilch Vs. Hähnchen – Wie viel Asparaginsäure & Phenylalanin sind enthalten?

Hierin kannst du sehen, dass Hähnchen und Magermilch sehr viel mehr Phenylalanin und Asparaginsäure enthalten, als ein Softdrink mit Aspartam. Daraus folgt, dass diese Aminosäuren mit keiner schädlichen physiologischen Konsequenz für deinen Körper verbunden sind, wenn sie in so kleinen Mengen zugeführt werden, wie denen, die sich in Asparatm wiederfinden.

Schauen wir uns jetzt einmal den Methanolgehalt von Aspartam näher an und vergleichen ihn mit Obst und Fruchtsäften:

Softdrink (mit Aspartam gesüßt)BananeOrangensaftApfelsaftRoter TraubensaftTomatensaft
1820232965107

Tabelle 2: Approximierter Methanolgehalt aus diversen Getränken (mg/354ml)

Du siehst, dass du weitaus mehr Methanol durch Furchtsäfte zu dir nimmst, als durch einen einzigen mit Aspartam gesüßten Softdrink. Daraus folgt, dass das Methanol aus Aspartam mit keiner schädlichen physiologischen Konsequenz für deinen Körper verbunden ist. Nicht das Methanol ist das Problem, sondern das Formiat (Formaldehyde), dass ein Stoffwechselprodukt des Methanols ist.

Damit dein Körper jedoch größere Mengen an Formiat ansammeln kann, müsstest du 200 bis 500 mg Methanol für jedes Kilogramm Körpergewicht, was du auf die Waage bringst, zuführen (200 – 500mg/kg). Dies ist eine äquivalente Menge von 600 – 1700 Dosen Diätlimonade auf einen Schlag. Sobald du jedoch Aspartam zuführst, sorgt jedwede resultierende Formiatproduktion für eine Balance via Ausscheidung – deswegen verändern sich die Blutspiegel nicht.

Es ist sogar so, dass das Methanol, welches über Aspartam zugeführt wird, sehr schnell verstoffwechselt wird und im Blut nicht nachzuweisen ist, sofern du nicht mehr als 50 mg für jedes Kilogramm Körpergewicht (50mg/kg) zuführst (Magnusion et al, 2007). Aus diesem Grund stellt das Methanol aus Aspartam auch kein Sicherheitsproblem dar.

Der Stoffwechsel einer einzigen Portion Aspartam wurde gut untersucht. Die Forschung unterschiedlicher Dosierung – darunter auch [1]:

  • eine normale ernährungsbedingte Exposition von 4 – 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht sowie
  • hohe Mengen nah am „Acceptable Daily Intake“ (kurz: ADI) von 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht und
  • Missbrauchsmengen von 100 – 200 mg pro Kilogramm Körpergewicht

wurden entsprechend durchgeführt.

Diese Studien hat man unter einer Vielzahl an Situationen absolviert, darunter im Fastenzustand und postprandial (nach einer Mahlzeit). Diese Untersuchungen wurden ebenfalls mit Menschen durchgeführt, die an einer Phenylketonurie (PKU) (hierbei handelt es sich um eine seltene Stoffwechselerkrankung, bei der die Aminosäure Phenylalanin nicht richtig verstoffwechselt wird) oder hohen Phenylalanin Blutspiegeln leiden.

Die Forschung hat gezeigt, dass es keine abnormalen Effekte auf den Stoffwechsel gibt. Die Phenylalanin Blutspiegel bleiben sogar im normalen Rahmen bei einer variationsreichen Aspartam-Dosierung – sogar bei Menschen mit einer PKU [1]. Die Asparaginsäure wird so schnell verstoffwechselt, so dass es keinen Anstieg im Blut gibt, selbst wenn man eine Dosierung von 50 mg/kg erreicht [1].

Basierend auf Stoffwechseldaten alleine und der Tatsache dass normale Lebensmittel höhere Mengen an Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol enthalten, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass Aspartam ein nennenswertes gesundheitliches Problem verursacht.

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Aspartam: Wie gut ist es untersucht?

Aspartam ist der am gründlichsten untersuchte künstliche Süßstoff der gesamten Industrie. Es wurde untersucht von:

  • Dem European Scientific Committee on Food (SCF)
  • Dem Joint FAO (Food and Agriculture Organization)/der World Health Organization (WHO) Expert Committee on Food Additives (JEFCA)
  • Der Food and Drug Administration (FDA)
  • Dem Government Accountability Office (GAO)
  • Dem United Kingdom Committee on Toxicity (COT)
  • Der Agence Francaise de Securite Sanitaire des Aliments (AFSSA)
  • Der American Medical Association (AMA)
  • Der American Diabetes Association
  • Der American Dietetics Association
  • DerAmerican Academy of Pediatrics
  • Und weiteren Regulationsbehörden in mehr als 100 Ländern

Zwar ist die Unbedenklichkeitsanerkennung von all diesen Organisationen kein alleiniger Beweise für die Sicherheit von Aspartam, doch es impliziert zumindest, dass der Stoff in erheblichem Ausmaße von führenden wissenschaftlichen Vereinigungen „durch die Mangel gedreht“ wurde – und ALL diese Organisationen haben es als sicher befunden.

Wenn du eine PubMed-Suche nach Aspartam tätigst, dann wirst du ~1013 Einträge (oder mehr) finden, darunter über 100 toxikologische und klinische Einzelstudien, die durchgeführt wurden bevor Aspartam 1981 für den Gebrauch in Lebensmitteln zugelassen wurde. Es gibt hunderte weitere Studien, die seit diesem Zeitraum durchgeführt wurden. Die große Mehrheit dieser Studie hat gezeigt, dass Aspartam sicher ist, wobei nur einige Wenige problematische Ergebnisse zeigten. In diesen Studien gibt es aber erhebliche Mängel im Aufbau der Studien, die ich noch weiter später in der Artikelserie aufzeigen werde.

Die Bandbreite an Personen, die in diesen Aspartam-Studien untersucht wurden, ist enorm; es wurde in Kleinkindern, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Übergewichtigen, Diabetikern, stillenden Frauen und Personen mit PKU getestet. Für all diese Menschen wurde Aspartam als sicher deklariert.

Der ADI

Der ADI-Wert einer Substanz, wie es z.B. Aspartam ist, beschreibt die maximale Aufnahme, die von Regulationsbehörden als „noch sicher“ bezeichnet wird. JEFCA, SCF und COT setzen den ADI-Wert für Aspartam bei 40mg/kg Körpergwicht pro Tag fest. Die FDA setzt sogar 50mg/kg Körpergewicht pro Tag fest. Das ist eine äquivalente Menge von 19 350ml Dosen Diätlimo pro Tag bei einer 75kg schweren Person. Insofern gilt der ADI als sehr hoch, was es schwierig macht ihn zu überschreiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass dieser Wert einen Sicherheitspuffer besitzt. Wissenschaftler nehmen die Forschungsergebnisse von Tieren und schauen sich die „No-Observed-Effect“-Grenze („NOEL“) an. Das ist die maximale Dosis, bei der die Tiere keine adversen Reaktionen zeigen. Im Anschluss wird ein Sicherheitsfaktor zugeschlagen, bei dem der NOEL durch 100 geteilt wird, um einen ADI-Wert für Menschen zu bilden.

Das bedeutet: Der ADI ist extrem konservativ und fällt 100 Mal so hoch aus, wie die sichere Maximaldosis für Menschen. Du siehst also, dass hier ein fettes Polster im ADI eingebaut ist, so das Aspartam sehr sicher bei entsprechenden Mengen ist, die sogar den ADI-Wert überschreiten.

Wie viel Aspartam können wir zuführen?

Die geschätzte maximale Zufuhrmenge für erwachsene Europäer liegt bei 21,3 mg/kg/Tag – ein Wert, der vermutlich überschätzt wird und nur die Hälfte vom ADI entspricht. Die geschätzte Aufnahme von Kindern liegt bei lediglich 1-40% des ADI. Bei Erwachsenen aus dem U.S. amerikanischen Raum, führen Personen aus dem 90 Perzentil (diejenigen, die mehr Aspartam konsumieren, als 90% der restlichen Bevölkerung) lediglich 5-10% des ADI. Die durchschnittliche Zufuhr von Amerikanern liegt bei 2-3mg pro Kilogramm Körpergewicht. Insofern liegen die derzeitigen Zufuhrmengen unter dem Maximallevel, welches aktuell als sicher bezeichnet wird.

Hier ist eine Tabelle, die dir eine Idee davon geben soll wie viel Aspartam sich in Lebensmitteln befindet:

LebensmittelMenge
Diätlimonade (350 ml)170 mg
Pulverisierter Drink (225ml)100 mg
Gelatine-Dessert (115g)80 mg
Joghurt (225mg)124 mg
1 Päckchen Equal (Aspartam)35 mg

Tabelle 3: Aspartamgehalt unterschiedlicher Lebensmittel

Hieraus kannst du entnehmen, dass der Aspartamgehalt in unterschiedlichen Lebensmitteln recht gering ausfällt, was es schwierig macht den ADI zu erreichen – selbst wenn man größere Mengen von Produkten genießt, die mit Aspartam gesüßt werden.

Wieso also all der Trubel um Aspartam?

Basierend auf all diesen Informationen fragst du dich sicherlich, wieso so viele Menschen Sicherheitsbedenken bezüglich Aspartam hegen und wieso es permanent so viele Schwarzmaler seit dessen Einführung auf den Markt gibt.

Aspartam-Kritiker erheben folgende Sicherheitsbedenken:

  • Potenzielle Giftigkeit von Methanol.
  • Erhöhung der Phenylalanin- und Asparaginspiegel im Gehirn, welche die neurochemische Zusammensetzung verändern und die Hirnfunktion beeinflussen.
  • Mögliche neuroendokrinologische Veränderungen durch Phenylalanin und dessen Hydroxylationsprodukts Tyrosin (auch eine Aminosäure).
  • Postulierte Verbindung zwischen Aspartam und Epilepsie, Tumoren und anderen Krebsarten.

Aus diesem Artikel wird klar, dass Punkt #1 schon mal nicht zutreffen kann, da die Menge an Methanol in Aspartam weitaus geringer liegt, als die in Obst und Fruchtsäften. Die anderen Punkte werde ich in den nachfolgenden Artikeln dieser Serie behandeln. Außerdem werde ich die Auswirkungen von Aspartam auf Appetit und Gewichtsregulation thematisieren.

Falls du mehr über künstliche Süßstoffe erfahren möchtest, kannst du auch unseren kürzlich erschienen Artikel „Süßstoffe: Sind sie nun gesund oder ungesund? Über Aspartam & Co.“ näher studieren (wo einige Sektionen auch dem Aspartam gewidmet sind). | Diskutiere mit uns über diesen Artikel in unserer Facebook Gruppe


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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