Die Wahrheit über Aspartam – Teil 2: Genotoxizität & Krebs

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 2: Genotoxizität & Krebs

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Von James Krieger |

Im ersten Teil habe ich dir eine kleine Einführung in die Welt des Aspartams gegeben. Im heutigen Artikel möchte ich den oft gehegten Glauben in Frage stellen, wonach künstlich hergestellte Produkte weniger sicher seien, als natürliche Produkte.

Du hast bereits gelernt, dass Aspartam aus 3 natürlich vorkommenden Stoffen besteht, die wir in all unseren täglich verzehrten Lebensmitteln finden. Weiterhin konntest du erfahren, dass Aspartam extrem gut untersucht wurde und einer rigorosen Prüfung von mehr als 100 wissenschaftlichen Organisationen unterzogen wurde. Ich sagte dir auch, dass unsere Gesellschaft solche Aspartammengen einnimmt, die weit unter dem als sicher geltenden Höchstlimit liegen und wir haben darüber hinaus über die Auswirkungen des Süßungsmittel auf den Stoffwechsel gesprochen.

Nun schauen wir uns den Stand der Forschung bezüglich Aspartam und Krebs näher an.

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 2: Genotoxizität & Krebs

Aspartam und Genotoxizität

Ein Schritt um zu entscheiden, ob eine Substanz krebserregend wirkt, besteht darin festzustellen, ob sie genotoxisch ist. In anderen Worten: Beeinflusst der Stoff das Genmaterial deiner Zellen auf schädliche Art und Weise, so dass es Genmutationen verursacht? Falls ja, dann könnten solche Mutationen am Ende zu Krebs führen.

Aspartam wurde hinsichtlich seine Genotoxizität untersucht. Wenn wir uns diese Studien ansehen, dann solltest du zum einen immer die Mengen an verwendetem Aspartam im Hinterkopf behalten und zum anderen unterscheiden, ob Aspartam oder dessen Metabolite verwendet wurden.

Erinnere dich noch einmal an die Fakten aus dem ersten Teil: Aspartam wird sehr schnell zu Methanol, Asparaginsäure und Phenylalanin im Körper zerlegt, so dass der Komplex namens „Aspartam“ dein Gewebe zu keinem Zeitpunkt erreicht. Aus diesem Grund sind jedwede genotoxischen Studien, welche Aspartam in seiner regulären Form an Zellkulturen (In Vitro) testen nicht relevant, wenn es darum geht was tatsächlich im Körper passiert.

Okay, schauen wir uns die genotoxischen Studien näher an. In einer Untersuchung zeigte Aspartam einen dosis-abhängigen Effekt in einigen genotoxischen Tests, doch nicht in anderen [14]. Bei anderen Experimenten konnten keine genotoxischen Effekte durch Aspartam nachgewiesen werden [11]. Die Relevanz dieser Studie ist fraglich, da hierin keine Aspartam-Metaboliten oder oral-verabreichtes Aspartam in Tieren verwendet wurde.

Bandyopadhyay et al. (2008) fanden heraus, dass Aspartam bei einem Test zu Schäden an der DNA führt, doch in einem anderen Test zeigte es keinen solchen Effekt [3]; ähnliche Ergebnisse wurden wurden in einer anderen Studie beobachtet [1], obwohl die statistischen Analysen zeigten, dass in niedriger Konzentration nicht genotoxisch wirkt. In einer Studie von Mukhopadhyay et al (2000) konnte kein genotoxischer Effekt bei variablen Mengen an Aspartam festgestellt werden [15].

Diese drei Studien sind ein bisschen relevanter, da es hier eine orale Verabreichung von Aspartam bei Tieren gab. Shephard et al (1993) fanden einen schwachen genotoxischen Effekt für Aspartam, jedoch nicht für die Metaboliten [16].

Aspartam und Krebs

Die Forschung bezüglich des genotoxischen Effekts von Aspartam ist inkosistent. Klar – selbst wenn Aspartam bis zu einem gewissen Grad genotoxisch sein sollte, so würde dies nicht automatisch bedeuten, dass es auch Krebst verursacht. Um das zu überprüfen, müssen wir uns Studien zur Karzogenität näher ansehen – doch da man aus ethischen Gründen keine solchen Studien an Menschen durchführen darf, müssen wir in diesem Fall auf Daten von Tieren zurückgreifen.

Ein Großteil der Studien konnte keine krebsauslösende Wirkung durch Aspartam nachweisen [10]. Ein paar Beispiele (siehe hierfür [10]):

  • Mäuse, die extrem hohen Mengen an Aspartam ausgesetzt worden waren (1, 2 und 4g/kg/Tag über einen Zeitraum von 110 Wochen), zeigten keine höhere Krebsrate als Kontrolltiere.
  • Andere Forschungsarbeiten, die mit hohen Dosen hantiert haben (bis zu 6-8g/kg/Tag für 104 Wochen), konnten ebenfalls keinen krebsauslösenden Effekt demonstrieren.
  • In einer 2-Generationen-Studie an Ratten, die mit Aspartam während der Gestations-, Laktations- und Abstillphase in Kontakt kamen, sank das Risiko für Tumore sogar im Vergleich zu den Kontrolltieren.
  • In einer Studie von 1981, die sich auf Gehirntumore konzentrierte, fand man keine Effekte bei Mengen von bis zu 4g/kg/Tag über einen Zeitraum von 104 Tagen.
  • Drei Studien des National Toxicology Program fanden keine karzinogenen Effekte bei Aspartam [12]; und das, obwohl die Ernährung bis zu 5% mit Aspartam angereichert wurde – das ist eine äquivalente Menge, die 2.500 Mal so viel entspricht wie der Höchstkonsum von Aspartam in den Vereinigten Staaten.
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Aspartam und Krebs: Beobachtungsforschung

Wir können zwar keine klinischen Krebs-Studien am Menschen durchführen, aber wir können uns epidemiologische Forschungsergebnisse ansehen, um zu überprüfen, ob sich diese im Einklang mit den Tierdaten befinden. Eine Reihe solcher Studien wurden durchgeführt, allerdings konnte man darin keinen Zusammenhang zwischen Aspartam und Krebs finden. Gurney et al (1997) fand beispielsweise keine Korrelation zwischen dem Aspartamverzehr und dem Hirntumor-Risiko bei Kindern [6]. In einer anderen Untersuchung fand man heraus, dass der Verkauf von Aspartam in Frankreich nicht mit einer erhöhten Anzahl von Gehirntumoren korreliert [17].

Forschungsarbeiten des National Cancer Institutes (NCI) fanden keine Beziehung zwischen Aspartam-haltigen Getränken und Leukämie, Lymphomen oder Hirntumoren [9]. Studien aus Italien konnten ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen dem Aspartamverzehr und Krebs idenfizifizieren [5]; Folgeuntersuchungen bestätigten das Ergebnis [4].

Eine argentinische Studie konnte eine Beziehung zwischen der allgemeinen Nutzung künstlicher Süßstoffen (nicht Aspartam im Speziellen) und Tumoren im Harntrakt feststellen [2]; diese Untersuchung beinhaltete jedoch nur 197 Patienten und 397 Kontrollpersonen, was schon als verdammt kleine Sample bei epidemiologischen Studien durchgeht und die Ergebnisse fragwürdig macht.

Die berüchtigte Olney Studie

Eine Studie die oft von Aspartam-Kritikern zitiert wird, ist die Untersuchung von Dr. Olney, die 1996 veröffentlicht wurde (Olney et al, 1996). Darin berichtete Olney von einem möglichen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Hirntumor-Rate in den Vereinigten Staaten und dem Aspartamverzehr.

Diese Untersuchung basierte auf Daten des National Cancer Institutes (und beinhaltete zu diesem Zeitpunkt nur die Daten von 10% der Bevölkerung). Olney zeigte eine Steigerung von Hirntumoren Mitte der 1980er Jahre auf – ein Zeitraum, der mit der Markteinführung von Aspartam zusammenfällt. Die Olney-Studie weist jedoch einige erhebliche Makel auf.

Der Hauptkritikpunkt ist die Tatsache, dass dieses Paper auf einem typischen post hoc, ergo propter hoc Denkfehler basiert („danach, also deswegen“). Olney nahm einfach an, dass – weil die Hirntumor-Rate nach der Einführung von Aspartam anstieg – Aspartam dafür verantwortlich sein musste. Aber nur weil Event B nach Event A stattfindet, heißt es nicht automatisch, dass A für B verantwortlich ist.

Wenn ein Fußballspieler am Morgen vor einem Spiel Cornflakes isst und dann an diesem Tag ein Tor schießt, heißt es dann dass die Cornflakes für den erfolgreichen Torschuss verantwortlich waren? Nein, natürlich nicht.

In Wahrheit ist es sogar so, dass in der Zeit vor dem Anstieg der Hirntumor-Rate zahlreiche Ereignisse stattgefunden haben, z.B. hat man mehr importierte Autos verkauft, der Durchschnittswert des Dow Jones ist angestiegen, die Anzahl der durchgeführten Telefonanrufe ist gestiegen, die Anzahl verkaufter Videorekorder (VCRs) ist gestiegen, es wurden mehr Grußkarten versendet … also vielleicht hat die gestiegene Anzahl versendeter Grußkarten das Risiko für Hirntumore erhöht…?

Olney Studie: Aspartam und Krebsrisiko

Die Hirntumor-Rate stieg seit der Einführung von Video- & Kassettenrekordern rapide an … ob diese Geräte dafür verantwortlich sind? Olney würde sagen: Ja!

Olney Studie: Aspartam und Krebsrisiko

Das ist aber nicht das einzige Problem mit der Olney Studie, denn der Autor hat den Zeitraum für Hirntumore nur auf die Jahre 1975 bis 1992 beschränkt. Wenn man aber alle Daten berücksichtigt (1973 – 1992) kommt man zu einem anderen Endresultat: Die Rate der Hirntumore stieg 1973 an (also vor der Markteinführung von Aspartam) und stabilisierte sich Mitte der 1980er Jahre.

Olney Studie: Aspartam und Krebsrisiko

Der Anstieg der Hirntumor-Rate in 1973 resultierte höchstwahrscheinlich durch die Verbesserung der Technologie zum Auffinden von Hirntumoren sowie damit verbundener diagnostischer Methoden. Die Prevalenz von Hirntumoren ist also gar nicht angestiegen – wir sind nur besser darin geworden sie zu finden.

Olney hat also gezielt die Daten manipuliert, um einen dramatisierten Graphen mit einer erhöhten Rate für Hirntumore zu fabrizieren. Dies tat er, indem er den Beginn der Skala bei der vertikalen Achse nahe an den Datenpunkten setzte, anstatt die Skala bei Null beginnen zu lassen. Dies „dehnt“ und übertreibt die Hirntumor-Kurve.

Tatsache ist, dass die Olney Studie den Zusammenhang zwischen Aspartamverzehr und Hirnkrebs nicht unterstützt. Es gab weder eine quantitative noch eine qualitative Beziehung zwischen Aspartampräsenz und Hirntumor-Rate. In der Realität zeichnet sich ein ganz anderes Bild, denn die Rate für Hirntumore ging sogar runter, nachdem Aspartam in den Markt eingeführt wurde. Zudem fand die Steigerung für Hirntumore hauptsächlich in älteren Menschen statt – eine Bevölkerungsgruppe, die einen niedrigeren Aspartamverzehr aufweist, als jüngere Gruppen.

Das Paper von Olney zog eine ganze Reihe an Kritik nach sich – und das aus einem guten Grund. Zu den Kritikern der Studie gehören einige sehr scharfe und extrem intelligente Menschen, darunter:

Dr. Paul Levy, Professor and Director, Division of Epidemiology and Biostatistics, University of Illinois Chicago:

„Die präsentierten Zahlen der Autoren verzerrt die Inzidenzkurve nicht nur auf übertriebene Art und Weise … sie liefert auch keine statistische Rechtfertigung für die Behauptung, dass es sich um einen „biphasischen“ Event handelt, der eine Veränderung irgendwo zwischen 1984 und 1985 rechtfertigt.“ – [18]

Dr. Dimitrios Trichopoulos, Director of Harvard Center for Cancer Prevention und Professor of Epidemiology:

„Es gibt eindeutig keine Veränderung nach 1984 in der langen Frist (seit 1974) beim Trend in der Inzidenz von Hirntumoren im Allgemeinen.“[19]

Dr. Philip Lavin, Clinical Associate Professor of Surgery (Biostatistics), Harvard Medical School:

„Die Steigerung der Inzidenz von Hirntumoren begann weit vor der Markteinführung von Aspartam […]. Das Paper von Olney et al. demonstriert keinen Zusammenhang zwischen Aspartam und der Hirntumor-Inzidenz. […] Es ist wissenschaftlich nicht angebracht Aspartam aus all den Möglichkeiten als Ursache zu deklarieren, da bisher nicht gezeigt wurde, dass Aspartam ein Karzinogen ist. Olney et al. haben keine neuen Daten präsentiert, welche Aspartam und Hirntumore oder eine andere Krankheit in Verbindung bringt. Ihre Behauptung wird die Bevölkerung ohne eine analytische Begründung verängstigen.“ [20]

Dr. Adalbert Koestner, Chairman and Professor Emeritus, Ohio State University:

Da gibt es nichts hinsichtlich der Distribution von Hirntumoren, was einen Zusammenhang zwischen dem Aspartamverzehr und Hirntumoren rechtfertigt […]. Aspartam darf deswegen nicht als Neurokarzinogen angesehen werden.“[21]

Dr. Brian Meldrum, Professor of Experimental Neurology, Institute of Psychiatry, University of London:

„[…] es gibt einfach keinen plausiblen Mechanismus über den Aspartam karzinogen wirkt. Es wird im Magen-Darm-Trakt zu Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol zerlegt. Diese Stoffe finden wir in unserer täglichen Ernährung […].“[22].

Aspartam und Krebs: Fortsetzung folgt…

Die Tatsache ist, dass ein Großteil der Beweislage darauf hinweist, dass Aspartam nicht die Ursache für Krebs ist. Es gibt allerdings ein paar Studien einer italienischen Forschergruppe, die eine ganze Menge an medialer Aufmerksamkeit erhalten hat – und diese Forschungsergebnisse zeigen, dass Aspartam angeblich karzinogen wirkt.

Diese Studien werde ich im dritten Teil der Aspartam-Serie diskutieren. | Diskutiere mit uns über diesen Artikel in unserer Facebook Gruppe


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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