Die Wahrheit über Aspartam – Teil 3: Wirkt es karzinogen? Die Soffritti Studien

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 3: Wirkt es karzinogen? Die Soffritti Studien

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Von James Krieger |

(Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Süßstoff Aspartam. Hier findest du Teil 1 und Teil 2.)

2005 hast du vielleicht einige von diesen Headlines in der Presse gelesen:

All diesen Trubel hatten wir dieser Studie zu verdanken [1]. Morando Soffritti und seine Kollegen vom Ramazzini Institute veröffentlichten eine Studie, die angeblich aufzeigte, dass Aspartam zu Entstehung von Tumoren in Ratten beiträgt. Diese Studie erhielt eine ganze Menge an medialer Aufmerksamkeit.

Unglücklicherweise liefern die Medien oftmals eine schlechte Arbeit ab, wenn es darum geht über wissenschaftliche Forschung zu berichten, wobei oftmals dem Sensationalismus der Vorzug gegenüber objektiven Fakten gegeben wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Medien oftmals ein sehr schlechtes Verständnis der Wissenschaft haben – und das hilft in so einem Fall nicht besonders viel weiter.

Der Medienhype zu Soffrittis Forschung hat die Wahrheit dahinter in Wolken gehüllt, denn diese Arbeiten sind überaus makelhaft und verdächtig.

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 3: Wirkt es karzinogen? Die Soffritti Studien

Soffrittis Mängel

Das erste Problem bei dieser Studie aus dem Jahr 2005 ist die Tatsache, dass es in einem Journal (The European Journal of Oncology) abgedruckt wurde, deren Besitzer das Ramazzini Institute selbst ist. Soffritti ist Senior Member des Instituts.

Daraus folgt, dass es keine Unabhängigkeit zwischen den Autoren, der Organisation und dem Journal, welches diese Studie veröffentlicht hat, gab.

Keine MedLine Indexierung

Die Studie wurde auch nicht bei MedLine indexiert, weil sie nicht die Voraussetzungen erfüllte, welche ein intensives und unvoreingenommenes Review erforderlich macht.

Zugegeben, diese Probleme können nicht als berechtigte Gründe gesehen werden, um eine Studie komplett zu verwerfen, doch dies ist nur der Anfang einer ganzen Myriade an Problemen, welche mit den Soffritti Studien einhergehen.

Fehlende Einhaltung der NTP Richtlinien

Ein offenkundiges Problem war das Design und die Durchführung der Studie, bei der man nicht die Richtlinien befolgt hat, die durch das National Toxicology Program (NTP) vorgegeben werden. Das NTP liefert ein distinktes Set an Richtlinien darüber, wie eine Substanz, die Krebs verursacht, bewertet werden soll [2]; Soffrittis Forschung kam nicht einmal ansatzweise in die Nähe dieser Richtlinien.

Die NTP Richtlinien befinden sich darüber hinaus auf einer Linie mit international etablierten Protokollen für Tierstudien, in denen es um Krebs geht. Die generelle Empfehlung sieht vor, dass eine Studie 104 Wochen mit 50 Tieren pro Geschlecht in einer Gruppe durchgeführt wird. Soffritti führt die Untersuchung jedoch so lange fort, bis alle Tiere irgendwann gestorben waren (natürlicher Tod). Für die meisten Krebsforscher gilt das als inakzeptabel.

Ratten entwickeln, so wie auch Menschen, im Alter eine Vielzahl an Krebsarten. Sofern du erlaubst, dass eine Studie solange fortgesetzt wird, bis alle Tiere eines spontanen Todes gestorben sind, so kannst du nicht feststellen, ob sie infolge der Behandlung (des „Treatments“) oder infolge des Alters gestorben sind, der zur Tumorbildung beitrug. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Aspartam-Ratten in Soffrittis Studie länger lebten, obwohl sie mehr Tumore aufwiesen!

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Statistische Unzulänglichkeiten

Ein weiteres Problem bestand darin, dass die beteiligten Forscher die Tumor-Ergebnisse der Analyse auf unangemessene Art und Weise kombiniert haben. Oder anders formuliert: Sie kombinierten das Auftreten mehrerer Krebszelltypen (z.B. Lungenkrebs und Gehirnkrebs). Das ist in etwa so, als würde man Äpfel mit Birnen mischen – was vor allem zu statistischen Problemen führt. Außerdem haben die Wissenschaftler keine Informationen über die Anzahl der Tumore pro Tier geliefert; sie haben nur die Gesamtanzahl der Tumore pro Gruppe aufgeführt.

Durch die Nutzung der Gesamtanzahl der Tumore pro Gruppe – anstatt einer Angabe pro Tier – kann dazu beitragen, dass dies die Tumorstatistik künstlich aufbläht.

Sofern eine Substanz krebsverursachend wirkt, würde man einen dosis-abhängigen Effekt erwarten (z.B. je mehr Aspartam verabreicht wird, desto höher die Krebsrate). Dies wurde in dieser Studie jedoch nicht beobachtet. In Wahrheit fiel die Tumorrate für die weiblichen Tiere, die mit Aspartam behandelt wurden, ähnlich aus, wie die Tumorrate, die historisch gesehen in Kontrolltieren beobachtet wurde.

Fehlende Transparenz

Ein weiteres kritisches Problem ist die Tatsache, dass das Ramazzini Institute es nicht zugelassen hat, dass außenstehende Pathologisten das Gewebe, in dem die Krebstumore gefunden wurden, analysieren durften. Stattdessen durften sie nur einen Blick auf 70 Tumor-Slides (in einer Präsentation) werfen, obwohl über 9.000 Slides erstellt worden waren! Dies entspricht nicht nur nicht dem Standardprozedere, sondern wirkt auch sehr verdächtig, wodurch man die Validität der Daten in Frage stellen kann.

Widerspruch zur aktuellen Datenlage

Wir haben es hier aber nicht nur mit Makeln im Studiendesign zu tun. Soffrittis Schlussfolgerungen stehen im direkten Konflikt zu 4 kürzlich veröffentlichten Krebs-Studien an Tieren sowie einigen Bewertungen, die vom NTP durchgeführt wurden. Die Resultate widersprachen außerdem U.S. und EU Krebs Inzidenzdaten, die seit der Zulassung von Aspartam und dessen breitflächiger Nutzung verfügbar waren.

Der Konsum von Aspartam erhöhte sich seit der Einführung, von 1980 bis 1995, dramatisch – wobei es einen weiteren Sprung zwischen 1995 und 2002 gab. Die Krebsrate für z.B. Hodgkins Lymphome und Leukämie sind in der Zeit von 1973 bis 2002 leicht gesunken. Extensive Daten aus der Zeit nach der Einführung lassen keine Verbindung zwischen Aspartamverzehr und Krebs aufkommen.

Etliche wissenschaftliche Organisation haben Soffrittis Studie auseinandergenommen:

UK Commitee on Carcinogenicity of Chemicals in Food, Consumer Products, and Environment:

“Members considered that it was implausible that there should be only a small increase in tumor incidence over such a wide range of doses. They also commented that there may be a reasonable explanation for the differing historical control figures but that the low incidence in the female control group compared to all other groups cast doubt on the study.  Members were critical of the study design in that rats were allowed to live until a natural death.  It was noted that the statistical approach used, although survival-related, did not fully adjust for age-related effects…Overall members concluded that, in view of the problems in the design of the study and some concerns about the microbiological status of the colony, it was not possible to draw conclusions about the potential carcinogenicity of aspartame from the results.”[3]

European Food Safety Authority:

“After its evaluation the Panel considers that the study has flaws which bring into question the validity of the findings, as interpreted by the European Ramazzini Foundation. In particular, the high background incidence of chronic inflammatory changes in the lungs and other vital organs and tissues and the uncertainty about the correctness of the diagnoses of some tumour types were major confounding factors in the interpretation of the findings of the study.”[4]

The Food and Drug Administration (FDA):

“Pathological changes were incidental and appeared spontaneously in the study animals, and none of the histopathological changes reported appear to be related to treatment with aspartame…Based on the available data, we have identified significant shortcomings in the design, conduct, reporting, and interpretation of this study. FDA finds that the reliability and interpretation of the study outcome is compromised by these shortcomings and uncontrolled variables, such as the presence of infection in the test animals.”  It should be noted that the FDA repeatedly requested additional information on the study from the Ramazzini Institute, including pathology slides, and these requests were never honored.“[5]

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Noch mehr von Soffrittis Fehlern aufgezeigt

Die geäußerte Kritik hielt Soffritti nicht davon ab noch mehr makelbehaftete Forschung zu veröffentlichen. 2007 publizierte die Gruppe eine Studie, die angeblich aufzeigte, dass Aspartam Krebs verursacht, wenn es an Ratten ab dem 12. Tag des fötalen Lebens bis zu ihrem Tode verabreicht wird.

Diese Studie folgte einem ähnlichen Design wie die Erste und wies damit eine Vielzahl derselben Makel auf, darunter:

  • Unangebrachte Kombination von Lymphomen und Leukämien
  • Eine abnormal niedrige Tumorrate in männlichen Tieren
  • Eine abnormal niedrige Brustkrebsrate in weiblichen Tieren
  • Der Effekt wurde primär bei einer Dosierung von 100mg pro kg beobachtet (doppelte Menge der zulässigen Höchstmenge (ADI-Wert))

Wenn du außerdem einen Blick auf die Sterblichkeitsrate wirfst, stellst du fest, dass es keinen Unterschied zwischen den Gruppen gegeben hat:

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 3: Wirkt es karzinogen? Die Soffritti Studien

Sterblichkeitsrate zwischen  Aspartam- und Kontrolltieren in Soffrittis Studie. D= männliche Tiere. E= weibliche Tiere; weiße Quadrate = Kontrolltiere,  Dreiecke & Diamanten  = 440 – 2.000 ppm Aspartam. (Bildquelle: Soffritti et al, 2007)

Die EFSA und FDA haben wiederholt angefragt, damit Soffritti die Daten seiner Studie für ein Review einreicht, doch diesem Wunsch wurde bis 2009 nicht nachgekommen. Zudem wurde nur ein Bruchteil der angefragten Daten nachgereicht. Nach einem erneuten Review, wurde die Studie wieder kritisiert:

European Food Safety Authority:

“Evaluation of aggregated malignant tumour incidences as evidence of carcinogenic potential of the test compound can only be performed based on a thorough consideration of all tumour data including onset, and data on non-neoplastic, hyperplastic and preneoplastic lesions but these data were not provided by the authors…The majority of the lymphomas and leukemias observed appeared to have developed in rats suffering from inflammatory changes in the lungs, which is characteristic for chronic respiratory disease…these changes were not considered to be related to the treatment with aspartame.

The increase in incidence of mammary carcinoma is not considered indicative of a carcinogenic potential of aspartame since the incidence of mammary tumours in female rats is rather high and varies considerably between carcinogenicity studies. The Panel also noted that an increased incidence of mammary carcinomas was not reported in the previous ERF study with aspartame which used much higher doses of the compound.”[7]

2010 hat Soffritti eine weitere Studie mit identischer Methodologie veröffentlicht [8] (also mit denselben Makeln). Die EFSA veröffentlichte im Februar des Folgejahres ein Review zu dieser Studie:

European Food Safety Authority:

„In response to a request for technical assistance from the European Commission, EFSA reviewed the Soffritti et al. (2010) publication on a long-term carcinogenicity study in mice exposed to the artificial sweetener aspartame through feed. EFSA scientists concluded that, on the basis of the information available in the publication, the validity of the study and its statistical approach cannot be assessed and its results cannot be interpreted. Regarding the design of the study, EFSA advised that experimental studies carried out over animals’ lifetimes can lead to erroneous conclusions. Older animals for instance are more susceptible to illness and when a carcinogenicity study in mice is extended beyond the recommended 104 weeks, age-related pathological changes (such as spontaneous tumours) can appear which may confound the interpretation of any compound-related effects.

EFSA noted that Swiss mice (used in this study) are known to have a high incidence of spontaneous hepatic and pulmonary tumours and that the increased incidence of these tumours reported in the study fall within the historical control range recorded in this laboratory for these tumours in these mice. Furthermore, these hepatic tumours in mice are not regarded by toxicologists as being relevant for human risk assessment when they are induced by non-genotoxic[4] substances such as aspartame. Overall, EFSA concluded that the findings presented in Soffritti et al. (2010) do not provide sufficient scientific evidence to reconsider the previous evaluations by EFSA on aspartame that concluded on the lack of genotoxicity and carcinogenicity of aspartame.“ – [9]

In der Vergangenheit wurde Soffritti ein Forscher betitelt, der mehr daran interessiert sei Schlagzeilen zu produzieren, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollen, als einer, der nach der wissenschaftlichen Wahrheit zu suchen versucht [10].

Die Behauptung, wonach Aspartam Krebs verursache, gehört zweifellos in diese Kategorie.

Aspartam: Immer noch keine Beweise, dass es Krebs verursacht

Wenn eine Substanz Krebs verursacht, dann muss sich dahinter ein plausibler biologischer Mechanismus verbergen. Wie ich bereits in Teil 1 und Teil 2 der Serie angemerkt habe, gibt es keinen plausiblen Mechanismus, wenn man die Bestandteile von Aspartam und die Art und Weise wie es im Körper verstoffwechselt wird, näher betrachtet.

Wenn Aspartam karzinogen wäre, dann würdest du in Tierstudien Folgendes beobachten können:

  • Eine erhöhte Anzahl an Tumoren, die über dem Level der spontan auftretenden Turmore liegt
  • Eine Verschiebung zu Gunsten des Auftreten von Tumoren in einem jüngeren Alter
  • Eine dosis-abhängige Beziehung
  • Ein höheres Auftreten von Tumoren nach transplacentalem Kontakt
  • Ein Trend zu Gunsten Anaplasie (Zellen, die nicht in der Lage sind sich zu spezialisierten Zellen zu differenzieren)
  • Eine Präsenz der preneoplastischen Läsion (Gewebsschäden, welche der Tumorentwicklung vorausgehen)
  • Eine Multiplikation der Tumore in individuellen Tieren
  • Genotoxizität, Mutagenität und chromosomale Abweichungen (z.B. einen starken Beweis für DNA-Schäden, die durch Aspartam hervorgerufen werden)

Aspartam erfüllt keine der oben erwähnten Kriterien. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es keinen einzigen Papierschnipsel mit glaubwürdigen Beweisen gibt, dass Aspartam Krebs verursacht. Die „Aspartam Alarmisten“ lösen nichts weiter als Falschalarm aus.

Im nächsten Teil der Serie werde ich über die Täuschungsversuche vieler Anti-Aspartam-Gruppen reden. | Diskutiere mit uns über diesen Artikel in unserer Facebook Gruppe


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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