Faszination Fitness: Das Geheimnis der Faszien – Teil 2

Faszination Fitness: Das Geheimnis der Faszien – Teil 2

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Von Alexander Thomas |

Im ersten Teil habe ich den Begriffsdefinitionen zu dem Modell einen Einstieg, einen ersten Einblick in das Modell vermittelt. Wesentlich ist: Dem Modell liegt eine neue, eine andere Betrachtung von Faszien zugrunde. Demnach ist fast alles im Körper eine Faszie und die Faszien Struktur stellt eine dreidimensionale Hülle dar.

Diese Hülle besitzt 5 ausschlaggebende Eigenschaften, ohne die unser Leben nicht so gelebt werden könnte, wie wir es tun. Dies sind: Die Kraftübertragungs-/Träger-, Transport-, Schutz, Stoßdämpfungsfunktion und die Funktion der dynamischen Stabilität.

Abschließend habe ich kurz die Diagnostik erläutert. Die baut auf 3 Säulen auf: Der Palpation, der klinischen und der Körpersprache. Die Körpersprache ist dabei die tragende Säule des Modells.

Wie im Überblick des Grundlagenteils aufgezeigt geht das Faszien-Distorsions-Modell von 6 Störungen aus. So überschaubar die Anzahl der angenommenen Störungen ist, umso beeindruckender sind die Behandlungserfolge und die theoretischen Ansätze, welche weitreichenden Beschwerden mit diesen Distorsionen zusammenhängen.

Die erste Distorsion ist die wohl interessanteste für chronisch Schmerzgeplagte. Die Berichte von Behandlungserfolgen sprechen für sich, insbesondere bei Patienten, wo schlussendlich die Aussage im Raum steht: „Sie müssen für immer mit diesen Schmerzen leben“. Die Rede ist von Triggerbändern.

Faszination Fitness: Das Geheimnis der Faszien – Teil 2
Die tatsächliche Ursache für chronische Schmerzen und wie du sie loswerden kannst: Triggerbänder

Das Modell unterscheidet Triggerbänder in 3 unterschiedliche Arten:

  • Das verdrehte Faszienband
  • Die Aufspaltung einer Faszie und
  • Die Einlagerung von Kalzium entlang einer Stresslinie

Zwar sind alles drei Triggerbänder, doch der Grund zur Entstehung der Distorsion ist bei allen drei Arten unterschiedlicher Natur.

Das verdrehte Faszienband

Dem Begriff des Bandes ist der Hauptgrund bereits zu entnehmen. Rotationskräfte führen in erster Linie zu einem verdrehen des Bandes. Sehr starke Schmerzen sind mit einem solchen Triggerband verbunden.

Das Modell geht davon aus, dass Verletzungsmuster welche wir bisher als Prellungen oder Muskelfaserrisse verstanden haben ihre Ursache in verdrehten Triggerbänder haben.

Die aufgespaltete Faszie

Auch in diesem Fall liegen ungünstige Scherkräfte als Ursache vor. Die Aufspaltung der Faszie dient dabei als Schutz und entspricht der Schutzfunktion von Faszien. Sind die auf den Bewegungsapparat einwirkende Kräfte zu stark und besteht die Gefahr einer weitreichenden Verletzung reißt zuerst das Fasziengewebe „bewusst“ auf. So sollen weitreichendere Verletzungen bspw. an Organen oder Knochen vermieden werden.

Stelle dir vor du hättest zwei Blätter Papier mit flüssigem Kleber verklebt. Der Kleber ist nicht trocken (und wir gehen davon aus, dass er auch nicht trocken). Sobald ihr die Blätter minimal voneinander trennt, entstehen lauter kleine Fäden. Bringst du nun die Blätter zu weit auseinander, dann verschwinden diese Fäden. Diese fehlenden Verbindungen entsprechen einer aufgespalteten Faszie.

Einlagerung von Kalzium entlang einer Stresslinie

Das Fasziengewebe ist ein sehr anpassungsfähiges Gewebe. Unterstrichen wird dies durch die Annahme, dass bspw. Knochen als Faszien verstanden werden, welche sich lediglich in einem anderen Aggregatszustand befinden (vgl. Wasser und Eis). Die zusätzliche Einlagerung von Kalzium macht Fasziengewebe fester und damit stabiler. Dies wird problematisch, wenn das Gewebe in seiner ursprünglichen Funktion flexibel sein muss.

Zu einer Reaktion der Einlagerung von Kalzium kommt es, wenn eine Faszie permanent unter Zug bzw. unter Stress steht. Schmerzen bei solch einem Triggerband treten meist dann auf, wenn eine Bewegung eine erhöhte Flexibilität erfordert.

Triggerbänder entstehen durch Traumata oder banale Kleinigkeiten

Allen drei Triggerbändern geht meist ein Trauma oder eine Trauma-ähnliche Belastung voraus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der medizinische Begriff Trauma als eine Verletzung durch einen starken Schlag oder Stoß gegen ein Körperteil verstanden wird.

Der Begriff stark ist dabei genauer zu betrachten. Meist verbinden wir mit stark einen Schlag mit der Faust gegen den Kopf oder gegen ein anderes Körperteil, bei welchem aktiv starke Kräfte aufgebracht werden. Ebenso werden meist Autounfälle oder vergleichbares mit dem Begriff stark und Trauma in Verbindung gebracht.

Zur Herbeiführung einer Distorsion reichen aber auch weit geringere und scheinbar harmlosere Kräfte aus. Vor allem dann, wenn bereits Distorsionen im Gewebe oder – was wahrscheinlich auf 95% der Gesellschaft zutrifft – Bewegungseinschränkungen durch eine Bewegungsamnesie vorliegen. Kurz und verknappt aufgezeigt: Als Bewegungsamnesie ist in diesem Fall das Verlernen des vollen Bewegungsumfang der Gelenke zu verstehen.

Bewegung hält das Triggerband akut und sorgt für eine schnelle Heilung

Das Modell nimmt an, dass Triggerbänder auf 4 unterschiedliche Wege verheilen können. Dazu gehören:

  • Die Selbstheilung
  • Die Heilung durch die Triggerband Technik
  • Ein akutes Triggerband oder
  • Die Chronifizierung

Dabei ist zu unterscheiden, dass eine Heilung nicht gleich Heilung verspricht.

Die Selbstheilung

Jeder kennt es. Bewegungen waren schmerzhaft und ohne weiteren Grund auf einmal schmerzfrei. Natürlich ist das der wünschenswerte Verlauf. Meist führen dem Trauma nachempfundene Bewegungen zu einer Selbstheilung.

Voraussetzung für die Selbstheilung ist, dass das Triggerband „akut“ bleibt und die Voraussetzung dafür ist Bewegung. Auch eine Ruhigstellung kann zu einer Selbstheilung führen, doch meist zu einer von mir bezeichneten negativen Selbstheilung: Crosslinks. Was darunter zu verstehen ist habe ich erklärt. Man kann Crosslinks als Selbstheilung betrachten, weil Gewebe verwachsen ist, doch ist das Gewebe „falsch“ verwachsen.

Eine Ruhigstellung des Gewebes mit einer bestehenden Distorsion kann die Entstehung von Crosslinks begünstigen, was die Entstehung weiterer Distorsionen sowie einer Chronifizierung begünstigt.

Heilung durch die Triggerband Technik

Bei der Triggerband Technik geht der Therapeut das Triggerband mit dem Daumen entlang ab und erzeugt mit Kraft einen großen Druck. Dieser Druck ist für gewöhnlich sehr schmerzhaft aber notwendig. Ein zu geringer Druck würde das Gewebe nicht richtig „reponieren“.

Ich greife das Beispiel mit den Papierblättern im Falle des aufgespalteten Triggerbandes auf. Wenn du ein Blatt Papier faltest und willst, dass es so bleibt wird das ohne Kleber nicht funktionieren. Nun stell dir vor du hast es geklebt aber der Kleber hat etwas nachgelassen. Deine erste Reaktion: Du legst das Blatt so wie du es haben möchtest und streichst mit großem Druck über die Fläche, wo der Kleber ist. So, zumindest nach Vorstellung des Modells, funktioniert auch die Behandlung nach der Triggerband Technik.

Im Falle von Crosslinks muss ein Schritt weitergedacht werden. Wie aufgezeigt hat bei Crosslinks eine „negative“ Selbstheilung stattgefunden. Gewebe ist verwachsen. Bevor eine richtige Heilung stattfinden kann muss das Gewebe wieder „zerrissen“ werden. Auch dazu wird ein großer Druck benötigt.

Neben dem notwendigen Druck ist es wichtig, das Triggerband vollständig abzuziehen. Wird das nicht gemacht, wird ein „unbehandelter“ Teil überbleiben. Dieser kann zu erneuten Störungen und einem ständigen wiederkehren des Triggerbandes führen. Kommt ein Triggerband immer und immer wieder, muss es nicht bedeuten, dass es nicht richtig behandelt wurde. Es kann auch bedeuten, dass hartnäckige Crosslinks vorliegen, welche einfach mehr als nur 1 oder 2 Behandlungen benötigen, bis diese vollständig gelöst wurden.

Das akute Triggerband

Dieses Triggerband bietet die besten Voraussetzungen für eine schnelle und unkomplizierte Selbstheilung. Es wird angenommen, dass zerrissene Faszienstrukturen vorliegen. So lange diese Strukturen zerrissen bleiben, wird von einem akuten Zustand gesprochen. Ein solches Triggerband hat immer die Möglichkeit durch eine zufällige Bewegung selbst zu heilen. Ebenso bestehen gute Chancen, dass ein Therapeut in sehr kurzer Behandlungszeit und unter geringen Schmerzbedingungen die Distorsion beheben kann.

Die Chronifizierung

Die Wortähnlichkeit zu chronischen Schmerzen ist nicht zufällig gewählt. Das Modell nimmt an, dass chronischen Schmerzen ein nicht, nur ungenügend behandeltes oder falsch verheiltes Triggerband zugrunde liegt. In letzterem Fall spricht man von Crosslinks. Im deutschen kann man dies als Querverbindungen verstehen.

Die Fasern der Faszien sind nicht in ihrer ursprünglichen Form „zusammengewachsen“, sondern haben sich gekreuzt. Dies führt zu Verklebungen (Adhäsionen) im Gewebe und reduziert die Geschmeidigkeit. Die fehlende Geschmeidigkeit schränkt die Funktion der Faszien ein, was zu Schmerzen führt.

Oftmals werden solche Verklebungen auch erkannt und behandelt. Doch meist bleibt bei einer solchen Behandlung die Behandlung des Triggerbandes und des lösen der Crosslinks aus. Es kommt immer wieder zu Adhäsionen und schon sind wir bei chronischen Schmerzen angekommen, denn bei einer genaueren Betrachtung des Begriffs chronisch stellt sich heraus, dass chronisch in der Medizin nichts Anderes als „dauerhaft“ bedeutet.

Bist du ein Weichei, wirst du keine Heilung genießen

Trotz des Potentials der bestehenden Techniken, um Bewegungsumfänge wiederherzustellen oder chronische Schmerzen anzugehen können Behandlungserfolge ausbleiben. Auch wenn es provokativ geschrieben ist, ist Weichei nicht unbedingt der passende Begriff. Es gibt immer Menschen, die nur durch ein leichtes berühren von schmerzgeplagten Bereichen aufschreien und den Therapeuten zwingen weit weniger Kraft und Druck aufzubringen.

Wie aufgezeigt sind ein hoher Druck und die damit verbundenen Schmerzen wichtig für den Heilungsprozess. Eine zu geringe Schmerztoleranz kann der Grund dafür sein, dass das Leiden niemals nachhaltig verschwindet.

Die Kritik an der Triggerband Technik ist falsch verstandene Aggressivität

Buchempfehlung zur Vertiefung des Wissens: Faszien Fitness von Robert Schleip

Eine häufige Kritik, welcher sich das Modell konfrontiert sehen muss, ist der Vorwurf, dass die Behandlungsmethoden zu aggressiv seien und Gewebe zerstören. Wesentlicher Aufhänger ist die „Reisverschlusstechnik“, welche vom Modell zur Verdeutlichung der Triggerband Technik genutzt wird.

Entgegen der Annahme, dass Gewebe wie bei einem Reisverschluss aufgerissen wird dient diese Metapher zur Verdeutlichung, dass Druck benötigt wird um das Gewebe wieder zusammenzuführen. Ausnahme stellen die Crosslinks dar. Doch wurde aufgezeigt, dass es notwendig ist Gewebestrukturen welche als Crosslinks verheilt sind, wieder zu zerreißen um eine gesunde Heilung herbeiführen zu können.

Die Diagnose: Streichen entlang einer Linie

Ein Triggerband erkennt man daran, dass der Patient zur Schmerzdarstellung entlang einer Linie streicht. Kann der Schmerz und der Verlauf – ohne Schmerzprovozierung – nur schwer identifiziert werden bieten einfache Tests die Möglichkeit diesen Verlauf nachzuvollziehen. So werden Extremitäten in verschiedene Stellungen gebracht, bis der Punkt der Bewegungseinschränkung vorliegt. Das ist meist der Punkt der den Schmerz provoziert und dass vereinfacht der Betroffenen Person die Darstellung. Beschrieben wird der Schmerz als brennend, ziehend. Damit einhergehend liegt eine passive und aktive Bewegungseinschränkung vor. 

Palpatorisch wird davon ausgegangen, dass das Gewebe deutlich verhärtet ist. Die eigene Erfahrung zeigt, dass es sehr viel Fingerspitzengefühl bedarf, den tatsächlichen Verlauf der Triggerbandes in Form dieser Gewebeverhärtungen zu ertasten. Oder es kommt vor, dass man nichts ertasten kann. Vor allem in diesem Fall gilt: Die Körpersprache zeigt zuverlässig den Verlauf. Alles andere bringt die Erfahrung des Therapeuten mit sich.

Abschließende Worte zum 2. Teil

Das soll es auch schon für den zweiten Teil gewesen sein. Es ist besser ein so komplexes Thema in mehrere Teilstücke zu gliedern, um dir als Leser die Möglichkeit zu bieten das Gelesene zu verinnerlichen.

Im 3. Teil widmen wir uns Distorsionen (z.B. Continuum Distorsion, Zylinderdistorsion, tektonische Fixierung) sowie den Ursachen für Gelenksblockaden und Bewegungseinschränkungen (und wie man sie behebt). | Diskutiere mit uns über diesen Artikel auf Facebook

HIER geht es zum 3. Teil der Serie



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Über Alexander Thomas

Mein Name ist Alexander Thomas, ich bin 89er Baujahr und Ernährung ist eines meiner Steckenpferde.

Bereits im jungen Alter habe ich angefangen mich mit der Thematik der Ernährung auseinanderzusetzen. Den leistungsbeeinflussende und die optimierende Komponente Ernährung hat schon immer ein Stück weit fasziniert. Aus der Praxis für die Praxis, das ist meine Stärke. Mein Wissen basiert nicht nur auf theoretischen Grundlagen, sondern die theoretischen Grundlagen wurden in der Praxis auf die Probe gestellt und das nicht nur im gewöhnlichen Alltag.

In den Jahren 2011 und 2013 habe ich aktiv am Wettkampfbodybuilding teilgenommen und an insgesamt 3 Wettkampfphasen teilgenommen (Frühjahr + Herbst 2011 und Herbst 2013). In jeder Vorbereitung habe ich eine andere Ernährungsphilosophie verfolgt um annähernd an das ‚beste‘ leistungs- und fettreduzierend orientiertes Konzept heran zu kommen. Zu meinen Erfolgen gehört der Titel des deutschen Meister der DBFV Männerklasse 1 bis 70kg im Jahr 2013.

Falls du mehr von mir erfahren oder lesen möchtest, dann besuche mich auf meiner Seite, www.thomsanutrition.de.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Printemps


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