Die Wahrheit über Aspartam – Teil 5: Neurologische Auswirkungen

Die Wahrheit über Aspartam – Teil 5: Neurologische Auswirkungen

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Von James Krieger |

Ein Großteil der Beschwerden, die bezüglich Aspartam bei der U.S. Food and Drog Adiminstration (FDA) eingereicht wurden, lässt sich der Kategorie Neurologie und Verhalten zuordnen. Hierbei sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass derartige Beschwerden keinen stichhaltigen Beweis dafür darstellen, dass neurologische Auswirkungen existieren, da eine ganze Reihe von Faktoren ausschlaggebend sein könnten.

In so einer Situation ist es ausgesprochen wichtig, dass man sich die dazu existierende Forschung näher ansieht und herausfindet, welche neurologischen Effekte existieren könnten (wenn überhaupt), sofern das Ganze in einer kontrollierten Umgebung studiert wird.

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Die Wahrheit über Aspartam – Teil 5: Neurologische Auswirkungen

Wieso sollte Aspartam neurologische Auswirkungen haben?

Aspartam-Kritiker weisen darauf hin, dass Aspartam eine Phenylalaninquelle ist. Phenylalanin ist eine große neutrale Aminosäure (LNAA). Während es sich bei Phenylalanin um eine natürlich vorkommende Aminosäure handelt, die auch in unserer täglichen Nahrung vorhanden ist, so ist sie dies meist im Verbund mit anderen großen neutralen Aminosäuren. Wird Phenylalanin aus einer natürlichen Nahrungsmittelquelle zugeführt, so muss die Aminosäure mit anderen Vertretern ihrer Art in einen Wettstreit treten, der darüber entscheidet welche von ihnen die Blut-Hirn-Schranke passieren. In so einem Fall würde es nicht zu abnormal erhöhten Phenylalaninspiegeln im Gehirn kommen.

Heutzutage gibt es jedoch eine Vielzahl an Produkten, die mit Aspartam gesüßt und oftmals als Stand-Alone (ohne eine nennenswerte Menge anderer Aminosäuren) konsumiert werden – wie z.B. Diät-Limonade. Da keine anderen Aminosäuren zugegen sind, muss Phenylalanin auch mit niemanden um die Aufnahme konkurrieren, um ins Gehirn zu gelangen. Theoretisch könnte es so zu einer Erhöhung der Phenylalaninspiegel im Gehirn kommen. Aspartam-Kritiker argumentieren weiter, dass dies die Ursache für Störungen bei der Neurotransmission sein würde.

Wie ich bereits im ersten Teil der Aspartam-Serie angemerkt habe, ist Asparaginsäure die andere Aminosäure, die in Aspartam ebenfalls präsent ist. Diese Aminosäure kann als exzitatorischer (erregender) Neurotransmitter mit Gutamat-Rezeptoren im Gehirn interagieren. Auch hier argumentieren Aspartam-Kritiker, dass dies zu adversen neurologischen Effekten führen würde.

Aspartam und das Gehirn: Die Forschung

Um herauszufinden ob es Hinweise gibt, welche die Annahmen der Aspartam-Kritiker stützen, müssen wir uns zunächst einmal die Forschung näher ansehen, die mit hohen Dosierungen von Aspartam gearbeitet und dabei die Neurotransmitterspiegel im Gehirn untersucht haben.

Man hat herausgefunden, dass Aspartam in Tieren in der Lage ist die Neurotransmitterspiegel im Gehirn verändern kann, doch dies war nur bei extrem hoher Dosierung (500mg pro Kilogramm Körpergewicht und mehr) der Fall [4]. Anzumerken ist, dass diese Beobachtung nicht universell gilt (d.h. dieser Effekt zeigte sich nicht in allen Studien). In der Regel tritt der Fall eher dann ein, wenn Aspartam alleine und ohne weitere Nahrung zugeführt wird, was durchaus Sinn ergibt, denn Nahrung beinhaltet oftmals andere Aminosäuren, die mit Phenylalanin um die Aufnahme ins Gehirn konkurrieren würden.

Bei Aspartam-Mengen gleich oder weniger als 50mg pro Kilogramm Körpergewicht (du erinnerst dich: Das ist die täglich zugelassene Zufuhrmenge in Form des ADI-Werts für Menschen), fallen die Veränderungen der Neurotransmitterspiegel im Gehirn ähnlich aus, wie wenn du eine ganz normale Mahlzeit verzehren würdest.

Studien am Menschen, die PET-Scans (Positronen-Emissions-Tomographie) durchgeführt haben konnten keine Veränderungen in der Aminosäureaufnahme ins Gehirn feststellen, wenn die Aspartamzufuhr unter dem ADI-Wert lag.

Was uns diese Daten sagen, ist, dass Aspartam die Fähigkeit besitzt die Neurotransmitterspiegel und die Aminosäureaufnahme im Gehirn wohlmöglich zu beeinflussen, aber nur dann, wenn es alleine verzehrt wird (anstatt begleitend mit anderen Nahrungsmitteln) und in sehr hohen Mengen. Wir reden hier von Mengen, die weitaus höher liegen als das, was ein Großteil der normalen Bevölkerung konsumiert. Wie ich im ersten Teil der Serie erwähnt habe, müsste eine ~68 kg schwere Person mehr als 19 Dosen Diät-Limo trinken, um den ADI-Wert zu überschreiten; schwere Menschen müssten selbstverständlich noch mehr zu sich nehmen.

Aspartam, Stimmung, Kognition & Verhalten

Aspartam-Kritiker haben angeführt, dass Aspartam in der Lage sein könnte die Stimmung, Kognition und das Verhalten zu beeinflussen, weil es einen potenziellen Effekt auf die Neurotransmitterspiegel gibt. Ignorieren wir mal die Tatsache, dass Aspartam unter normalen Umständen (normale Dosierung) keine Wirkung auf die Level der Neurotransmitter ausübt und schauen uns den Stand der Forschung auf diesem Gebiet einmal näher an.

Bei Doppelblind-Studien (d.h. weder Probanden, noch Wissenschaftler wissen ob jemand Aspartam oder ein Placebo erhalten hat) bei Kindern, darunter auch jene, die als „zucker-sensibel“ gelten oder unter einer Aufmerksamkeitsdefizit (ADS), konnten keine Auswirkungen auf Verhalten, Stimmung, Lernverhalten oder den Plasma-Aminosäurespiegel bzw. Neurotransmitterspiegel festgestellt werden [15]. Bei Erwachsenen konnte die Verwendung von 74 mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht über einen Zeitraum von 6 Monaten keinerlei adversen Effekt auf das Verhalten identifiziert werden [15].

In einem Crossover Doppelblindversuch (d.h. Teilnehmer erhielten zu bestimmten Zeiträumen sowohl Aspartam als auch ein Placebo) erhielten die Probanden 30mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht über einen Zeitraum von 7 Tagen [14]. Hierbei stellte man eine erhöhte Frequenz und Schwere negativer Erfahrung in den Teilnehmern fest, die Aspartam erhielten. Diese Studie weist jedoch einige Makel auf, weil die beteiligten Forscher adverse Effekte numerisch miteinander kombiniert haben, die nichts miteinander zu tun hatten – ein absolutes No-Go in der Statistik. Die Teilnehmeranzahl war ebenfalls beschränkt, da die Studie vorzeitig beendet wurde. Schließlich handelte es sich bei dem führenden Wissenschaftler um Dr. Robert Walton (das ist derselbe Robert Walton, der eine große Anzahl von Aspartam-Studie fehlinterpretiert hat, wie du im letzten Teil der Artikelserie erfahren hast).

Die „beste“ Bevölkerungsgruppe , bei der Aspartam potenzielle Auswirkungen auf das Gehirn ausüben könnte, sind jene mit einer genetischen Störung, die man Phenylketonurie (PKU) nennt; diese Personen können die Aminosäure Phenylalanin nicht richtig verstoffwechseln. Sicher, wenn Aspartam negative Effekte auf die Gehirnfunktion ausüben würde, dann würde es dies in dieser Gruppe tun. Studien zeigen jedoch, dass Aspartam keine adverse Wirkung auf Gehirnfunktion, elektrische Gehirnaktivität oder Plasma-Aminosäurespiegel in Menschen mit PKU ausübt [4]

Lediglich bei hohen Dosierungen (45 mg pro Kilogramm Körpergewicht) wurden erhöhte Phenylalaninspiegel ausgemacht, allerdings hatte dies keinerlei Effekte auf die kognitive Funktion oder elektrische Gehirnaktivität. Es sieht also ganz danach aus, als würde ein Großteil der Studien darauf hindeuten, dass Aspartam keine negativen Auswirkungen auf Stimmung, Kognition und Verhalten habe.

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Aspartam & Kopfschmerzen

Es gab unzählige Fallberichte (so wie diesen hier [16]) über Kopfschmerzen, die angeblich durch Aspartam getriggert worden sein sollen. Das Problem bei solchen Fallberichten ist jedoch, dass derartige Ereignisse in einer unkontrollierten Umgebung stattfinden, so dass der Auslöser dieser Kopfschmerzen auch etwas ganz anderes sein könnte, als Aspartam. Auch hier müssen wir einen Blick auf kontrollierte Studien werfen, um eine eindeutige Aussage treffen zu können.

In einem Crossover Doppelblindversuch erhielten beispielsweise Teilnehmer über einen Zeitraum von 7 Tagen jeweils Aspartam oder ein Placebo [12]. Die Probanden berichteten in 33% der Fälle über Kopfschmerzen im Aspartam-Versuch sowie in 24% der Fälle beim Placebo. Dies könnte uns zu der Annahme führen, dass Aspartam ein Auslöser für Kopfschmerzen sein könnte. Leider hatte diese Untersuchung eine große Ausfallrate: Sie wurde mit 32 Teilnehmern gestartet, aber nur 18 Probanden haben sie komplett durchgestanden. Ein großes Manko ist, dass die Forscher es versäumt haben die Ernährung der Studienteilnehmer zu kontrollieren.

Bei einer der am besten designten Studien zum Thema Aspartam und Kopfschmerzen erhielten Teilnehmer 30 mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht (eine äquivalente Menge von 11 Dosen Diät-Limonade für eine 68 kg schwere Person) [7]. Es handelte sich ebenfalls um einen placebo-kontrollierten Doppelblindversuch mit Crossover-Design und die Untersuchung wurde in einer Krankenhausumgebung durchgeführt und kontrolliert. Bei den Teilnehmern dieser Untersuchung handelte es sich um Menschen, die sich bereits in der Vergangenheit über Kopfschmerzen infolge des Aspartamverzehrs beklagt haben.

Die Kopfschmerzrate lag bei der Gabe von Aspartam bei 35%, während sie in der Placebo-Gruppe bei 45% lag – die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Frage, die man sich bei diesem Versuch unweigerlich stellt, ist: Wenn die Kopfschmerzen der Teilnehmer nicht durch Aspartam ausgelöst wurden … woher kamen sie dann?

Eine Frau, die häufiger Erdnüsse zu ihrer Diät-Limo verzehrte, war in Wahrheit allergisch gegen Nüsse. Ein anderes Individuum trank zu viel Koffein. Dies illustriert wieso Fallberichte unverlässlich sein können und wieso kontrollierte Versuche notwendig sind.

Ein potenzielles Manko der obigen Studien ist, dass Placebos ebenfalls in der Lage sind als Ursache für Kopfschmerzen herzuhalten, sofern darin Stoffe enthalten sind, die in der Lage sind Migräne auszulösen [9]. So enthalten Placebos häufig Gelatine, die als Auslöser für Kopfschmerzen in Frage kommt [9].Sollten Placebos tatsächlich Substanzen enthalten, die zu Migräneanfällen führen, dann könnte dies jedwede potenzielle Unterschiede, die zwischen Aspartam und Placebo existieren, maskieren.

Auch wenn die bis dato am besten designte Studie keine Beziehung zwischen Aspartam und Kopfschmerzen herstellt, so gibt es genügend kontrollierte Forschung und Fallberichte, die zumindest vermuten lassen, dass es eine kleine Gruppe von Personen mit Migräne gibt, für die Aspartam ein Kopfschmerz-Auslöser sein könnte. Daher sollte jeder Migränepatient, der vermutet, dass Aspartam ein Auslöser für seine Kopfschmerzen sei ein detailliertes Ernährungstagebuch führen [10]; dies wird ihm dabei helfen herauszufinden, ob Aspartam tatsächlich der Auslöser ist oder nicht.

Aspartam & Epilepsie

Aspartam-Kritiker haben argumentiert, dass Aspartam in Individuen mit Epilepsie der Auslöser für Anfälle sein könnte. Dr. Robert Walton (derselbe, den ich weiter oben bereits erwähnt habe) berichtet über eine Fallstudie mit 7 epileptischen Anfällen und ernsthaften Verhaltensproblemen in Frauen, die mit Antidepressiva behandelt wurden, während sie gleichzeitig hohe Mengen an Tee tranken, der mit Aspartam gesüßt war [13]. Darüber hinaus gibt es noch weitere Fallberichte von Anfällen, die möglicherweise mit dem Aspartamkonsum in Verbindung stehen [5].

Ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen: Es handelt sich um Fallberichte, die nicht zwangsweise verlässlich sein müssen. Und wieder müssen wir uns kontrollierten Experimenten zuwenden, um eine Idee davon zu bekommen, ob Aspartam wirklich in der Lage ist Anfälle hervorzurufen.

In einer älteren Studie aus 1972 verabreichte man neugeborenen Affen hohe Mengen an Aspartam (1, 3, und 4 g pro Kilogramm Körpergewicht) über einen Zeitraum von einem Jahr [2]. Epileptische Anfälle wurden nach der höchsten Menge nach einer Behandlungszeit von 218 Tagen aufgezeichnet. Diese Symptome hatten Ähnlichkeit zu jungen Affen, die mit hohen Mengen an Phenylalanin behandelt wurden.

Eine ähnliche Studie wurde 1980 durchgeführt: Man verwendete Mengen von 2 und 2,7 g Aspartam pro Kilogramm Körpergwicht pro Tag, konnte aber keine Effekte finden [17]. Behalte bei diesen Studien stets im Hinterkopf: Es wurden Mengen verwendet, die den ADI-Wert für Menschen um das 20- bis 80-fache überschreiten. Und nur die Dosierung mit 4 g zeigte einen Effekt.

In epileptischen Ratten führte die hohe Dosierung mit Aspartam zu keinerlei Anfällen [1]. Ein Großteil der Daten aus Tierversuchen stützt nicht die Beziehung zwischen Aspartam und Anfällen, doch was sagen die Humanversuche?

Eine Analyse von FDA Beschwerden bezüglich Aspartam und Anfällen konnte keinerlei Beziehung zwischen den beiden herstellen [11]. Natürlich sollte man hierbei im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine Observationsstudie – kein kontrolliertes Experiment – handelt. Wenn wir uns kontrollierte Studien mit Menschen anschauen, kommt man allerdings zu einem ähnlichen Fazit: Aspartam hat keinen Effekt auf Anfälle in epileptischen Kindern [8] oder Personen, die dachten sie hätten Anfälle, die mit Aspartam in Verbindung stehen [6].

Ausgehend aus den besten wissenschaftlichen Daten zum Thema wird klar, dass Aspartam kein Auslöser für Anfälle ist. Es ist sogar so, dass das Epilepsy Institute in der Vergangenheit ein Statement veröffentlicht hat, der klarstellt, dass es keine Verbindung zwischen (epileptischen) Anfällen und Aspartam gibt [18].

Aspartam: Neurologisch okay

Die Quintessenz dieses Teils der Serie lautet wie folgt: Es gibt sehr wenig vertrauenswürdige Daten, die Aspartam mit einer adversen Wirkung hinsichtlich Stimmung, Kognition, Verhaltensveränderungen oder epileptischen Anfälken in Verbindung stehen. Einige Daten lassen vermuten, dass Aspartam ein Auslöser für Migräne/Kopfschmerzen in einer kleinen, anfälligen Bevölkerungsgruppe sein könnte, aber auch hier gibt es inkonsistente Ergebnisse.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass Aspartam neurologisch okay ist.


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / adimas


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