Gutes Fitnessstudio: 6 Dinge, die dein Gym haben muss

Gutes Fitnessstudio: 6 Dinge, die dein Gym haben muss

1 Kommentar

Von Sean Hyson |

Schon ironisch, dass der Ort, zu dem du gehst um in Form zu kommen, vielleicht das größte Hindernis für genau dieses Vorhaben ist.

Seit Arnold Schwarzenegger im Jahr 1962 zum ersten Mal einen Schweißtropfen in einem Fitnessstudio vergossen hat, haben sich diese im Laufe der Zeit enorm verändert. Heutzutage interessiert es die meisten Betreiber der Fitnessstudios nicht, ob du deine Ziele erreichst. Solange die Mitglieder fleißig ihre Beiträge zahlen und sich beim Training nicht versehentlich selbst umbringen, sind sie zu zufrieden und kümmern sich herzlich wenig darum, ob du 5 kg abnimmst, ob du es schaffst die Ärmel deines Shirts mit einem massiven Oberarmen auszufüllen oder ob du in Polo Shirt und Jeans Bankdrücken machst.

Weil mir – im Gegensatz zu vielen Studiobetreibern – dein persönlicher Erfolg am Herzen liegt, habe ich eine Liste mit Dingen zusammengestellt, die ein Studio in jedem Fall haben sollte, damit es dir dabei hilft, deine Erfolge zu erreichen und nicht nur deine Mitgliedsbeiträge abkassiert.

Gutes Fitnessstudio: 6 Dinge, die dein Gym haben muss

Punkt #1: Qualifizierte Trainer

Auch wenn du nicht unmittelbar auf eine völlig persönliche Betreuung Wert legst, so ist es nicht gerade ratsam in einem Studio zu trainieren, das Leute anstellt, die keinen blassen Schimmer von dem haben, was sie tun. Qualifiziertes Personal sorgt für eine bessere Atmosphäre und ermöglicht es dir jederzeit Rat einzuholen, wann immer du ihn brauchst.

Ein Trainer sollte bevorzugt durch eine angesehene Organisation zertifiziert sein. Auch wenn vielleicht nicht alle Lehrinhalte solcher Organisationen vollständig zu befürworten sind, zeigen Sie dennoch, dass sich ein Trainer die Zeit für Fortbildung nimmt, Bücher liest und in der Lage ist – mit dem angeeigneten Wissen – einen Test zu bestehen. Es zeigt weiterhin, dass eine gewisse Leidenschaft für Training und Sport existiert. In der Regel wird man als Coach auch nicht steinreich, insofern kann man prinzipiell ausschließen, dass jemand sich zum Trainer fortbildet „um das schnelle Geld“ zu verdienen (z.B. indem er den Studiomitgliedern ein eigens erstelltes Training aufquatscht).

Noch wichtiger als eine Zertifizierung ist es jedoch, dass der Trainer über Erfahrung verfügt und Erfolge vorweisen kann. Wenn der Trainer eine Reihe von Klienten erfolgreich betreut hat oder – sofern er jünger ist – von einem solchen Trainer lernt bzw. gelernt hat, hast du deinen Trainer gefunden. Ein Elite-Trainer, wie z.B. Jason Ferruggia (Urheber der Renegade Diet) wirbt beispielsweise nicht mit irgendwelchen Buchstaben hinter seinem Namen, hebt sich aber dennoch von den meisten zertifizierten Personal Trainern ab. Eine kurze Unterhaltung mit ihm reicht bereits aus, um zu wissen, dass er dir zu deinem persönlichen Erfolg verhelfen kann.

Wenn du auf der Suche nach einem Trainer bist und sein Wissen testen willst, frage ihn ganz einfach, wie er ein Training periodisieren würde.

Periodisierung ist von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, das Training langfristig zu planen und auf lange Sicht Fortschritte zu gewährleisten – sowie einer der hauptsächlichen Vorteile, die die Beauftragung eines kompetenten Trainers bietet. Wenn dir der Trainer so etwas sagt wie „wir werden hier und da Sachen austauschen“ oder dich fragend anschaut, sage diesem Trainer höflich aber entschieden ab. Dasselbe gilt auch wenn du eine protzige Antwort erhältst, mit der man versucht dich mit wissenschaftlichen Floskeln zu blenden. Was du hören willst ist, dass nach einer kurzen Einschätzung deiner Person der Trainer damit beginnen wird, Phasen des Trainings mit hohem Volumen mit Phasen des Trainings mit hoher Intensität abzuwechseln.

Es gibt verschiedene Wege, das Training zu periodisieren, aber genau das ist die Basis, wenn es darum geht, Fortschritte zu erzielen – nicht das willkürliche Austauschen von Übungen in jedem Training.

Themenverwandter Artikel:
Heavy Duty Carb Backloading

Punkt #2: Gute Ausstattung

Ich werde niemals in einem Studio trainieren, das kein Rack für Kniebeugen bietet – und ich schätze du wirst genauso denken, wenn du am Aufbau von Muskelmasse und Kraft interessiert bist.

Die Bänke im Studio sollten üblicherweise mit weichem Leder ausgestattet sein, so dass es deinem oberen Rücken erlaubt dort einzusinken. Es sorgt zudem für eine gewisse Haftung auf der Bank und sie sollten in etwa 30cm breit sein, um schweres Bankdrücken überhaupt zu ermöglichen. Um zu verhindern, dass du deine Schultern beim Rausheben der Stange nach vorne rollen musst, sollten die „J-Hooks“ (Die J-förmigen Halterungen, in denen die Hantel zwischen den Sätzen abgelegt wird), nicht zu tief sein.

Wenn möglich, dann suche dir ein Studio, das im Besitz einer Vorrichtung für den Glute-Ham-Raise ist. Für diese Übung gibt es, unabhängig von deinen Zielen, keinen Ersatz. Mit Hilfe dieser Übung bist du beispielsweise in der Lage die Beinbeuger-Muskulatur – gleichzeitig – in ihren beiden Funktionen (Beugung der Knie und Streckung der Hüfte) zu trainieren (und kannst so deine Leistung in der Kniebeuge und beim Kreuzheben steigern sowie möglicherweise Schmerzen im unteren Rücken beseitigen). Hyperextension sind kein Ersatz für diese Übung!

Es gibt eine Sache, die ein Studio nicht haben sollte: 12-kantige Gewichtsscheiben. Vermutlich werden sie nur dann problematisch sein, wenn du Kreuzheben ausführst – aber genau das tust du hoffentlich, oder? – weil die Kanten bei jeder Wiederholung auf den Boden auftreffen und dich aus der Position bringen können. Daher sind runde Gewichtsscheiben absolut in Ordnung. Und sollte die Hantel aufgrund der runden Scheiben einmal so stark zu Rollen beginnen, dass du das glaubst, eckige Scheiben zu benötigen, lass mich dir einen Vorschlag machen: Hör auf die Stange quer durch den Raum zu treten.

Punkt #3: Der Einschüchterungs-Faktor

Ins Studio zu gehen sollte sich niemals so anfühlen, als würdest du deine eigenen vier Wände betreten – es soll auf keinen Fall dermaßen komfortabel sein. Natürlich mag es verführerisch sein, sich ein Studio auszusuchen, das oft leer und ruhig ist und in dem die meisten Mitglieder aussehen wie deine Großmutter. Eine solche Atmosphäre wird dich dazu verleiten einfach so durchs Training zu gleiten. Nach deinem „Workout“ wirst du dich unerkannt herausschleichen. Im Nachhinein wird man das Gebaren sicherlich nicht als ernsthaftes Training bezeichnen können.

Worst-Case- Szenario. Glaub mir: Kein Trainingsprogramm, keine Ernährungsform oder Supplement der Welt – egal wie effektiv – kann lasches Wellness-Training kompensieren. Jedes Mal, wenn du das Studio betrittst, solltest du jede Menge positive Energie verspüren. Vielleicht auch ein wenig Respekt und Angst. Das ist das Mindset, das du benötigst, um intensive Trainingseinheiten abzuliefern.

Wenn du der stärkste Typ im Gym bist, dann solltest du das Studio wechseln. Ich würde es tun. Wenn du größer und stärker werden willst, musst du dich auch mit Leuten umgeben, die größer und stärker sind als du. Diese Leute werden dich inspirieren und anspornen – und dir so das Gefühl geben, dass die Ergebnisse, die du erreichen willst auch erreichbar sind (sich aber noch etwas außer Reichweite befinden). Was du also brauchst, ist ein Ort, der dir ein wenig Angst liefert. Angst vor neuen Herausforderungen und der Tatsache, dass du zurückfällst, wenn du nicht Gas gibst! Ich will zwar nicht der Stärkste im Gym sein, aber ich werde es mir auch auf keinen Fall erlauben der Schwächste zu sein.

Halte Ausschau nach einem Studio mit harter, intensiver Musik, einer Tafel mit den Studiorekorden, mit ein wenig Staub, wenigen Spiegeln und mit Kameradschaft unter den Mitgliedern des Studios. Auch wenn es nur dein Ziel sein sollte, etwas abzunehmen oder mit gestreckten Beinen deine Füße zu berühren – an einem Ort, der sich anfühlt wie dein Wohnzimmer wirst du das nicht erreichen!

…damit landen wir auch gleich bei Punkt 4!

Themenverwandter Artikel:
Die Wissenschaft hinter dem Dehnen & Stretchen

Punkt #4: Gleichgesinnte Leute

Kameradschaft habe ich bereits erwähnt. Ohne Kameradschaft kannst du alles richtig machen und erzielst die gewünschten Resultate. Mit Kameradschaft kannst du alles falsch machen und dennoch gute Ergebnisse erzielen. Denk einfach nur mal an die Leute, die du tagtäglich im Studio siehst und die keine Ahnung davon haben, was sie da überhaupt machen. Neben schlechten Übungsausführungen und fehlendem Wissen über das Training werden diese Personen vermutlich auch nicht auf ihre Ernährung achten, sobald sie das Studio verlassen haben. Um das Ganze noch schlimmer zu machen haben diese Leute oft auch noch eine bessere Form als du.

Wieso ist das so?

Der Grund dafür ist in der Regel die Tatsache, dass sich diese Leute einfach selbst in den Arsch treten, wenn sie mit Gleichgesinnten trainieren, welche identische Ziele, eine identische Disziplin und den gleichen Hunger nach Erfolg haben. Die Kameradschaft, welche die Beziehung von Arnold Schwarzenegger zu vielen anderen Bodybuildern im Gold’s Gym ausmachte, ist legendär – doch er wäre wohl niemals so weit gekommen, wenn er eine ähnliche Kameradschaft nicht schon in der wachsenden Bodybuilding-Szene in Österreich vorgefunden hätte. Über jene Kameradschaft spricht er in seinem Buch „The Education of a Bodybuilder“:

„Jeden Monat hatte ich mindestens eine Woche, in der ich absolut keine Lust auf das Training hatte. Es waren die Tage, an denen mich mein Freund Karl aus diesem Loch gezogen hat. Er hätte beispielsweise gesagt: „Ich fühle mich heute so großartig! Ich will Bankdrücken machen. Lass uns 25 anstelle von 20 Wiederholungen machen. Wie wäre es mit einem kleinen Wettkampf? 10 Schillinge für denjenigen, der die meisten Wiederholungen schafft.“ Das hat großartig funktioniert.“

„Es wurde enorm wichtig, jemanden hinter mir stehen zu haben, der sagte: „Komm schon, Arnold, lass uns mehr machen – noch ein Satz, noch eine Wiederholung.“ Genauso wichtig wurde es aber auch, anderen zu helfen. Ich stellte fest, dass der Schlüssel zu erfolgreichen Trainingseinheiten etwas mit Wettbewerbsdenken zu tun hatte.“

Auch wenn du nicht direkt mit anderen Studiomitgliedern im Wettbewerb stehst, ist der alleinige Gedanke daran, dass irgendwo im Studio jemand ist, der sich genauso um dein Training kümmert, wie um sein eigenes, ein Ansporn. Ich habe bereits erwähnt, dass ein Studio sich nicht wie dein zu Hause anfühlen sollte – es sollte aber dennoch voll mit Leuten wie dir sein.

Punkt #5: Der richtige Mitglieder-Strom

Versuche stets zu Zeitpunkten ins Studio zu gehen, zu denen du mit vielen anderen ernsthaft Trainierenden rechnen kannst – Nicht so viele, dass du Probleme bekommst, dein benötigtes Equipment zu bekommen, aber auch nicht so wenige, dass du das Gefühl bekommst, alleine zu trainieren. Es sollte so wenig Raum vorhanden sein, dass du dir der Geräusche und Aktivitäten in deiner Umgebung bewusst bist, aber nicht so wenig, dass deine Sicherheit und Konzentration eingeschränkt ist.

In den Situationen, in denen das Studio tatsächlich überfüllt sein sollte, sollte es stets Alternativen vor Ort geben. Beispiel: Falls die Plattform fürs Kreuzheben besetzt ist, sollte ein Freiraum mit Matten vorhanden sein, wo du dennoch in der Lage bist Kreuzheben zu absolvieren, ohne dabei den Studioboden zu zerstören oder den Nachbarn, der unter dem Gym wohnt, aufzuwecken. Ist der Kabelzug belegt, sollte es entsprechende Vorrichtungen geben, um ersatzweise Bände anbringen zu können.

Punkt #6: Keine dumme Regeln

Wenn es einen Ort gibt, der es dir erlaubt den gesellschaftlichen Bestimmungen zu entkommen, sollte es das Fitnessstudio sein. Und abgesehen von Regelungen in Bezug auf Sicherheit und Mitglieder-Strom sollte es hier keine Regeln geben, welche deiner Progression im Weg stehen. Zu den notwendigen Regeln gehören etwa solche, wie das Entfernen von Schweiß von den Geräten nach dem Benutzen, das Zurückräumen der Gewichte, das Verbot von Handys oder das Verbot direkt vor der Kurzhantelablage zu trainieren.

Wenn dein Studio dir nicht erlaubt Kreuzheben auszuführen – dann such dir ein anderes Studio. Wenn die Leute in deinem Studio das Grunzen vor Anstrengung oder das Fluchen missbilligen – zur Hölle mit ihnen. Es ist nicht selbstverständlich, dass man dir erlaubt, in Socken oder Barfuß-Schuhen (Vibrams) zu trainieren, aber ein netter Bonus. Ich meine, wenn sie in einem Studio schon Leuten erlauben, in einem Kragenhemd zu trainieren, dann müssten sie erst recht Kleidung erlauben, die einen tatsächlichen Einfluss auf die Leistung haben kann. Denn das Barfuß-Training (oder Training in minimaler Fußbekleidung – mit der die Fußsohle, ohne Unterstützung von außen, nur minimalen Abstand zum Boden hat) ist sehr vorteilhaft, wenn es darum geht, Hebel zu erzeugen und bestimmte Muskeln zu aktivieren. Es kann sogar dabei helfen Knie- und Rückenschmerzen zu beseitigen.

Ein weiterer Tipp, der in vielen Artikeln genannt wird, ist der, sich ein Studio zu suchen, das auf dem Rückweg von der Arbeit liegt. Die Logik dahinter ist jene, dass du nicht vermeiden kannst, es zu sehen und so von deinem schlechten Gewissen dazu bewegt wirst es öfter aufzusuchen.

Auf keinen Fall solltest du diesem Ratschlag Beachtung schenken. Denn wenn du dein schlechtes Gewissen brauchst, um Sport zu treiben, bedeutet das nur, dass du in erster Linie gar keine Lust auf das Training und den Sport hast. Stattdessen solltest du nach Motivation suchen, bevor du ein passendes Studio suchst.

Ich habe bereits viele weite Wege auf mich genommen, um in großartigen Studios trainieren zu können. Auch wenn mein eigentliches Studio geöffnet hatte und gerade einmal einen Block entfernt war, habe ich sogar Bundesländer überquert, um in bestimmten Studios trainieren zu können. Abgesehen von der Tatsache dass das entsprechende Studio an sich großartig ist, hatte das drei weitere Vorteile.

  • Erstens hat es bewirkt, dass ich das Training mit großer Vorfreude erwartet habe – Ich war wesentlich fokussierter, weil ich wusste, dass ich mir extra Zeit nehmen musste und einen weiten Weg auf mich genommen habe, um dort zu trainieren.
  • Zweitens hat es mich dazu bewegt, wesentlich härter zu trainieren – Ich wollte den Weg nicht auf mich genommen haben, um dann ein halbherziges Training abzuliefern.
  • Drittens verlieh mir das Wissen, nur für das Training zusätzliche Kilometer gemacht zu haben, eine enorme Genugtuung. Buchstäblich habe ich mich keiner Ausrede hingegeben, die bewirkt hätte, dass das Training schlechter gewesen wäre als es hätte sein können.

An diesem Punkt gibt es keine andere Möglichkeit, als Fortschritte zu erzielen.


Opt In Image
Werde zum Fitness- & Ernährungsexperten!
Schlanker, stärker, ästhetischer, gesünder!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte - neben weiteren hochwertigen und einzigartigen Infos rund um Fitness, Gesundheit & Ernährung - regelmäßige Updates und Neuigkeiten rund um Aesir Sports.

Unser Versprechen: Kein Spam - nur 100% Aesir Sports!


Über Sean Hyson

Sean Hyson ist der Group Training Director für Men’s Fitness und das Muscle & Strength Magazine. Besuche Sean auf seiner Homepage und auf Facebook, um mehr von ihm zu lesen und zu lernen.

Besuche meine Website
Alle Beiträge ansehen

Bildquelle Titelbild: Fotolia / Alen Ajan


Teile diesen Artikel:
  • Andi

    Guter Artikel, nur das mit der Qualifikation finde ich schwachsinnig. Wieso soll ein Trainer hunderte bis tausende Euros für Zertifikate ausgeben (z. B. für eine A oder B Lizenz), wenn er bereits über wesentlich tiefer gehendes Wissen verfügt? KOMPETENZ ist das Schlüsselwort und für den Laien schwierig zu erkennen – aber Qualifikation sagt rein garnichts aus.