Pinien-Extrakt (Flavagenol) verhindert Gewichtsanstieg & Fettaufbau bei typischer westlicher Ernährung | Studien Review

Pinien-Extrakt (Flavagenol) verhindert Gewichtsanstieg & Fettaufbau bei typischer westlicher Ernährung | Studien Review

1 Kommentar

Von Damian Minichowski |

In den 40er Jahren des letzte Jahrhunderts fand Jacques Masquelier heraus, dass die Rinde des Pinienbaumes Polyphenole enthält, die wir heute als Proanthocyanidine (auch oligomere Proanthocyanidine, kurz: OPC) kennen.

Kurze Zeit später patentierte Masquelier ein Extraktionsverfahren, mit dessen Hilfe OPC – z.B. aus Traubenkern-Extrakt (GSE) oder Pinien-Extrakt – isolieren konnte. Vielleicht hast du schon von „Pycnogenol“ oder „Flavagenol“ gehört? Hinter dieser Verkehrsbezeichnung verbergen sich nichts anderes als Pinien-Extrakte, deren Wirkung aktuell in der Wissenschaft rege erforscht wird (u.a. zur Behandlung chronischer Erkrankungen [7] – wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck [3][4][5][6]).

Die Studie von Shimada et al. (2011), um die es heute gehen soll, zeigt, dass Pinien-Extrakt die schädlichen Effekte einer typischen westlichen Ernährung (in der Literatur auch bekannt als „western diet“ – eine fett- und kohlenhydratreiche Kost) reduziert.

Pinien-Extrakt (Flavagenol) verhindert Gewichtsanstieg & Fettaufbau bei typischer westlicher Ernährung | Studien Review

Preventive effect of pine bark extract (flavangenol) on metabolic disease in Western diet-loaded tsumura suzuki obese diabetes mice

Wie wirkt Pinien-Extrakt? (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Wie wirkt Pinien-Extrakt im Bioorganismus? (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Für ihren Tierversuch verwendeten die Forscher eine bestimmte Mäuseart [Tsumura Suzuki Obese Diabetes  mice = TSOD], die genetisch dafür prädisponiert ist fett zu werden und Diabetes Typ 2 zu entwickeln.

Wer sich ein wenig mit der Materie auskennt, der weiß, dass diese beiden Faktoren häufig in Kombination mit anderen Stoffwechselkomplikationen (Bluthochdruck, schlechtes Blutfettprofil) einhergehen (auch beim Menschen!) und zusammen das metabolische Syndrom bilden.

Für das 8-wöchige Experiment [1] teilte man die Tiere in mehrere Gruppen: Eine weitere Mausart [TSNO], die nicht zur Fettleibigkeit neigt, wurde als weitere Kontrollinstanz verwendet. Insgesamt gab es 5 Gruppen:

  • [TSOD]-WTD-Flavogenol 3%: Mäuse, die schnell fett und krank werden und eine typische westliche Ernährung, die mit 3% Flavogenol angereichert, bekamen.
  • [TSOD]-WTD-Flavogenol 5%: Mäuse, die schnell fett und krank werden und eine typische westliche Ernährung, die mit 5% Flavogenol angereichert, bekamen.
  • [TSOD]-WTD: Mäuse, die schnell fett und krank werden und eine typische westliche Ernährung bekamen.
  • [TSOD]-MF: Mäuse, die schnell fett und krank werden und ein typisches Mäusefutter bekamen.
  • [TSNO]-MF: Normale Mäuse, die nicht schnell und krank werden und ein typisches Mäusefutter bekamen.

Alle Tiere durften so viel essen und trinken, wie sie wollten (ad libitium). Die Forscher haben die Tiere wöchentlich gewogen und zu Beginn und zum Ende des Testzeitraums mehrere Tests (Glukosetoleranztest, Erhebung der Insulinwerte, des Blutdrucks und Veränderung des Körperfettanteils).

Als Pinien-Extrakt verwendete man einen patentierten Pinien-Extrakt (Flavagenol® von Toyoshinaku.co.jp).

Das Studienergebnis: Pinien-Extrakt (Flavagenol) hemmt Fettaufbau und beugt Insulinresistenz, einen abnormalen Glukose- & Fettstoffwechsel und Bluthochdruck vor

Die nachfolgende Grafik bildet die Gewichtsentwicklung innerhalb des Experimentzeitraums in den 5 Gruppen ab:

Gewichtsveränderung in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Gewichtsveränderung in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Erläuterung zur Grafik: Schwarzer Diamant = [TSNO]-MF, schwarzes Quadrat = [TSOD]-MF, schwarzes Dreieck = [TSOD]-WTD, weißes Quadrat = [TSOD]-WTD-Flavagenol 3%, weißes Dreieck = [TSOD]-WTD-Flavagenol 5%)

Wie zu erwarten war, stieg das Gewicht in den gesunden Mäusen ([TSNO]-MF) bei einer artgerechten Ernährung kaum an, während es bei den Tieren, die zur Fettleibigkeit und Stoffwechselkomplikationen ([TSOD]) neigten, massiv durch die Decke ging. Am stärksten stieg das Gewicht in der Gruppe, die eine typische westliche Ernährung – also sowohl fett- als auch kohlenhydratreich – erhielten (schwarze Dreiecke) gefolgt von der Gruppe, die eine artgerechte Ernährung (schwarze Quadrate) erhielt.

Am interessantesten sind die weißen Dreiecke und Quadrate, denn hierbei handelt es sich um die [TSOD]-Mäuse, deren Ernährung mit Flavagenol angereichert wurde. Zu sehen ist, dass diese Tiere zwar immer noch stark an Gewicht zulegten, aber bei weitem nicht so extrem, die die Mäuse, die kein Flavagenol erhielten.

Die beiden nächsten Grafiken zeigen die Veränderung des subkutanen und viszeralen Fettgewebes in den Tieren an, die ein identisches Bild zeigen:

Veränderung des viszeralen Fettgewebes in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Veränderung des viszeralen & subkutanen Fettgewebes in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Ebenfalls untersucht wurde der Effekt von Flavagenol auf die Leber: Üblicherweise führt eine chronische hyperkalorische Ernährung mit Fettzuwachs zu einer Verfettung der Leber (auch als „non-alcohol fatty liver disease“, kurz: NALFD, bekannt). Der Pinien-Extrakt negierte die schädliche Auswirkung auf die Leber vollständig:

Veränderung des Lebergewichts in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Veränderung des Lebergewichts in den Studien-Tieren bei artgerechter Ernährung [MF] und einer typischen westlichen Ernährung [WTD] mit und ohne Pinien-Extrakt (Flavagenol). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Pinen-Extrakt beugt Leberverfettung vor: (a) [TSNO]-MF; (b) [TSOD]-MF; (c) [TSOD]-WTD; (d) [TSOD]-WTD-Flavangenol 3%; (e) [TSOD]-WTD-Flavangenol 5%.). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Pinen-Extrakt beugt Leberverfettung vor: (a) [TSNO]-MF; (b) [TSOD]-MF; (c) [TSOD]-WTD; (d) [TSOD]-WTD-Flavangenol 3%; (e) [TSOD]-WTD-Flavangenol 5%.). (Bildquelle: Shimada et al, 2011)

Im Gegensatz zu den [TSOD]-WTD Mäusen konnte ein Anstieg des Blutdrucks verhindert werden, was Sinn ergibt, wenn man bedenkt, dass Pinien-Extrakt ein potenter Vasodilator ist (darüber habe bereits in dem Artikel „Natürliche NO-Booster“ geschrieben).

Weiterhin konnte durch die Gabe von Flavagenol der Anstieg von Insulin und Glukose gesenkt sowie die Konzentration von TNF-alpha, einem Marker für Entzündungsprozesse im Körper, reduziert werden.

Das abschließende Fazit der Forscher:

„The above results suggest that Flavangenol has a preventive effect on severe metabolic disease due to multiple causes that involve both genetic and environmental risk factors. The mechanism of action might involve a partial suppressive effect of meal-derived lipids on absorption.“ – Shimada et al, 2011

Abschließende Worte

Unter dem Strich bestätigt diese Studie eine Vielzahl von Effekten, die man bereits mit der Einnahme von Pinien-Extrakt in Verbindung bringt, allerdings ist und bleibt der größte Wermutstropfen, dass es sich hierbei um einen Tierversuch handelt.

In dieser Studie verwendete man einen patentierten Pinien-Extrakt namens Flavagenol, der einen Polyphenolgehalt von 72,5% (darunter 5% Proanthocyanidin B1, 2,98% Catechin und 0,23% Epicatechin) enthält.

Die typische Dosierung von Pinien-Extrakt beim Menschen liegt im Rahmen von 100 – 200 mg pro Portion (bei 2 Portionen pro Tag) zu den Mahlzeiten (z.B. morgens und abends).

Einen hochwertigen Pinien-Extrakt zur Eigendosierung (sowie Traubenkern-Extrakt, der ebenfalls polyphenolreich ist) bekommst du bei uns – nämlich hier.


Über den Autor – Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de und FurorGermanicus.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 500 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.


Quellenangaben (draufklicken)

[1] Shimada, T., et al. (2011): Preventive effect of pine bark extract (flavangenol) on metabolic disease in Western diet-loaded tsumura suzuki obese diabetes mice. In: Evid Based Complement Alternat Med. URL: https://www.hindawi.com/journals/ecam/2011/185913/.

[2] Nishioka, K., et al. (2007): Pycnogenol, French maritime pine bark extract, augments endothelium-dependent vasodilation in humans. In: Hypertens Res URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18037769.

[3] Steigerwalt, R., et al. (2009): Pycnogenol improves microcirculation, retinal edema, and visual acuity in early diabetic retinopathy. In: J Ocul Pharmacol Ther. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19916788.

[4] Pütter, M., et al. (1999): Inhibition of smoking-induced platelet aggregation by aspirin and pycnogenol. In: Thromb Res. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10498385.

[5] Liu, X., et al. (2004): French Maritime Pine Bark Extract Pycnogenol Dose-Dependently Lowers Glucose in Type 2 Diabetic Patients. In: Diabetes Care. URL: http://care.diabetesjournals.org/content/27/3/839.1.

[6] Schäfer, A. / Högger, P. (2007): Oligomeric procyanidins of French maritime pine bark extract (Pycnogenol) effectively inhibit alpha-glucosidase. In: Diabetes Res Clin Pract. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17098323.

[7] Schoonees, A., et al. (2012): Pycnogenol(®) for the treatment of chronic disorders. In: Cochrane Database Syst Rev. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22336841.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / Rainer Fuhrmann


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  • Moin Sonja,

    super aufgepasst! Sind in der Tat ein paar Fehler drin, die ich eben behoben habe.

    Bei der dritten Abbildung: Was genau meinst du? Das ich nicht alle zur Verfügung stehenden Bilder aufgeführt habe? Der Artikel soll ja nicht sämtliches Bildmaterial abbilden, da es ja auch übersichtlich bleiben soll. Wer sich für das ganze Paper interessiert, der kann es ja in den Quellen entsprechend nachschlagen.

    Vielen Dank fürs Feedback! Wenn dir in anderen Artikeln auffallen sollte, das etwas fehlt/fehlerhaft ist, kannst du es uns gerne mitteilen!