Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 4: Die Hautfaltenmessung (Fettzange / Caliper)

Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 4: Die Hautfaltenmessung (Fettzange / Caliper)

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Von James Krieger |

In dieser Reihe über die Körperfettmessung (Teil 1 | Teil 2 | Teil 3) hast du bereits gelernt, dass die verschiedenen Methoden – sowohl bei einer einmaligen Messung, als auch bei einer Messung über einen längeren Zeitraum – für Individuen sehr ungenau sein können.

Die vorherigen Artikel haben sich mit dem hydrostatischen Wiegen, dem Bod Pod und dem BIA beschäftigt. Im vierten Teil wird es um eine der beliebtesten (weil günstigsten) Methoden zur Schätzung des Körperfettanteils gehen, der Hautfaltenmessung mittels Fettzange / Kaliper!

Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 4: Die Hautfaltenmessung (Fettzange / Caliper)

Wie funktioniert die Hautfaltenmessung?

Bei der Hautfaltenmessung wird eine Messzange (Caliper / Kaliper) verwendet; Man kneift dann an mehreren Stellen des Körpers (in der Regel 3-7 Stellen), welche Haut und die darunterliegende Fettschicht (auch als Unterhautfett oder subkutanes Fett bekannt) zusammen, und misst dies anschließend mit der Messzange.

Die einzelnen Hautfaltendicken werden dann aufaddiert und – zusammen mit deinem Gewicht – in eine Gleichung eingesetzt. Diese Gleichung liefert dir die Dichte deines Körpers, welche angibt, wie das Verhältnis zwischen dem Volumen deines Körpers und deinem Gewicht ausfällt.

Magermasse nimmt bei gleichem Gewicht weniger Platz ein – es ist also dichter. Umso höher die Dichte deines Körpers ist, desto mehr Magermasse und desto weniger Fett hast du. Diese Dichte kann dann mit einer anderen Gleichung in einen Körperfettanteil umgerechnet werden, ähnlich der Siri-Gleichung, welche ich schon im Artikel zum Unterwasserwiegen angesprochen habe. 

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Fehlerquellen bei der Hautfaltenmessung

Bei dieser Methode gibt es viele potenzielle Fehlerquellen.

Erstens ist es entscheidend, wie gut die Messung durchgeführt wird – also wie gut die messende Person darin ist, das Fett und die Haut von der Muskulatur wegzuziehen.

Fehlerquelle #1: Eine falsche Technik führt schnell zu Fehlern im Ergebnis

Ich erinnere mich noch gut daran, als Student an der Washington State University eine Hautfaltenmessung an einer Cheerleaderin gemacht zu haben. Mein Ergebnis hat ihr nicht gefallen, weshalb sie einen der Trainer gefragt hat, den Test zu wiederholen. Er hat mir gesagt, dass man an der Zange wackeln muss (was man nicht machen sollte). Naja… er hat den Test mit seiner Technik durchgeführt und durch das Wackeln ist ein Teil der Hautfalte aus der Zange gerutscht. Natürlich kam mit dieser falschen Technik ein geringerer Körperfettanteil heraus. 

Fehlerquelle #2: Eine weitere Fehlerquelle ist die verwendete Gleichung

Meist wird die Jackson-Pollick-Gleichung angewendet [1]. Eine Gleichung kann allerdings nur valide auf Personen angewendet werden, welche den Personen gleichen, die Teil bei der Entwicklung der Gleichung waren. Beispielsweise wurde die männliche Version der Jackson-Pollick-Gleichung an Männern zwischen 18 und 61 Jahren entwickelt. Liegt man außerhalb dieses Bereiches, wird das Ergebnis ungenau.

Außerdem wurde die Jackson-Pollock Gleichung an weißen Männern und Frauen entwickelt; wie ich aber bereits im Artikel zum hydrostatischen Wiegen erwähnt habe, kann sich die Dichte der fettfreien Masse bei verschiedenen Ethnizitäten unterscheiden – deshalb erhöht sich die Fehlerrate bei der Jackson-Pollock Gleichung, wenn du nicht weiß bist.

Es ist sehr wichtig, dass du bei der Hautfaltenmessung eine Gleichung verwendest, die spezifisch für dein Alter, dein Geschlecht und deine Ethnizität entwickelt wurde.

Fehlerquelle #3: Die Hautfaltenmessung ist eine Schätzung basierend auf einer Schätzung

Ein anderes Problem ähnelt dem Problem des BIA. Die Hautfaltenmessung ist eine Schätzung basierend auf einer Schätzung. Die Gleichungen für die Hautfaltenmessung wurden auf Basis eines Experiments mit dem hydrostatischen Wiegen (welche selbst eine Schätzung mit Fehlern ist) erstellt.

Geht man von einer Fehlerrate von 5-6% bei Individuen aus, dann verschlimmert sich der Fehler der Hautfaltenmessung weiter. 

Fehlerquelle #4: Änderungen der Körperkomposition werden unzureichend erfasst

Viertens haben wir das gleiche Problem wie mit allen 2-Komponenten-Modellen… die Annahme, dass fettfreie Masse eine bestimmte Dichte hat. Wie ich schon im Artikel zum hydrostatischen Wiegen dargelegt habe, kann sich die Dichte fettfreier Masse mit einer Änderung des Körpergewichts verändern.

So entstehen weitere Fehler bei der Veränderung des Körperfetts über einen längeren Zeitraum.

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Hautfaltenmessung – Dicke Fehler

Hautfaltenmessungen haben im Vergleich zum 4-Komponenten-Modell ziemlich große Fehler, egal ob ein Durchschnittswert oder ein Individuum betrachtet wird. Eine Studie hat beispielsweise gezeigt, dass die Hautfaltenmessung (mit der Jackson-Pollock Gleichung) den Körperfettanteil bei weißen Frauen um 6% unterschätzt hat [2] – das ist der Durchschnitt für die gesamte Gruppe. Die individuellen Fehlerraten waren extrem – von einer Überschätzung von 10% bis zu einer Unterschätzung von 15%.

Für Männer waren die Fehlerraten nicht besser. Unter Anwendung der Durnin-Womersley-Gleichung [3] lagen die Fehlerraten in einem Bereich von 10-15% in beide Richtungen. 

Und wie sieht es mit der Messung von Körperfettänderungen über die Zeit aus?

Eine Studie an übergewichtigen Frauen, die Gewicht verloren haben, hat gezeigt, dass die Hautfaltenmessung durchschnittlich einigermaßen gut abschneidet [4]. Die Änderung des Körperfettanteils wird nur um etwa 1% unterschätzt – allerdings sind die individuellen Fehlerraten höher. Die Werte liegen zwischen einer Unterschätzung von etwa 5% und einer Überschätzung von etwa 3%.

Das bedeutet: Du könntest 5% Körperfett verlieren und die Hautfaltenmessung würde keine Änderung anzeigen. Oder die Hautfaltenmessung könnte dir anzeigen, dass du 6% Körperfett verloren hast, obwohl du eigentlich nur 3% verloren hast.

Ähnliche individuelle Fehlerraten wurde an einer Studie mit Bodybuildern gefunden [5]. 

Die Hautfaltenmessung: Das Urteil

Ähnlich der BIA, so kann die Hautfaltenmessung bei Individuen stark danebenliegen. Geht es darum, die Änderungen des Körperfettanteils über Zeit zu messen, eignet sich die Hautfaltenmessung recht gut, allerdings können die Fehler bei dieser Betrachtung an Individuen 3-5% betragen.

Verwendest du die Hautfaltenmessung, um den Körperfettanteil einer einzelnen Person über Zeit zu betrachten, dann sollten lange Zeitintervalle zwischen den Messungen liegen (mindestens 3 Monate, wobei 6 Monate besser wären); sonst ist die Fehlerrate höher als die Änderungen, die du sehen kannst. Ich würde sogar davon abraten, den Körperfettanteil zu berechnen. Wenn die Dicke der Hautfalten abnimmt, dann verlierst du auch Fett. 

Damit haben wir die meist verwendeten 2-Komponenten-Modelle zur Messung des Körperfettanteils besprochen. Im nächsten Teil widmen wir uns der DEXA-Methode, einem 3-Komponenten-Modell.


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Dmytro Panchenko


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