Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 5: Der DEXA Scan

Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 5: Der DEXA Scan

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Von James Krieger |

In den ersten 4 Teilen der Reihe habe ich verschiedene 2-Komponenten-Modelle zum Schätzen des Körperfettanteils besprochen. Diese Modelle teilen den Körper in Fett und fettfreie Masse.

Lass uns jetzt über ein bekanntes 3-Komponenten-Modell sprechen: Die  Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DEXA).

Teile verpasst? Kein Problem:

Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 5: Der DEXA Scan

DEXA

DEXA Scan

Der DEXA-Scan ist ein 3 Komponenten Modell, der die Zusammensetzung des Körpers nach Fett, Knochenminerale und fettfreie Masse (keine Knochen) aufsplittet. (Bildquelle: Wikimedia / Nick Smith Photography ; CC Lizenz 3.0)

DEXA wurde ursprünglich verwendet, um die Dichte der Knochen zu messen – und hat sich zu einer Technik zur Körperfettmessung weiterentwickelt. Es handelt sich um ein ein 3-Komponenten-Modell zur Schätzung der Körperzusammensetzung, denn es teilt den Körper in 3 Komponenten:

  • Fett
  • Knochenminerale
  • und jegliche fettfreie Messe, die nicht aus Knochen besteht

Diese Methode ist deshalb – im Unterschied zu den 2-Komponenten-Modellen – nicht für Fehler durch Unterschiede in der Dichte der Knochen zwischen unterschiedlichen Ethnizitäten anfällig. Es gibt allerdings andere Fehlerquellen, die ich in diesem Artikel behandle.

DEXA bietet einige Vorteile

Die verbesserte Technik hat die Scanzeiten stark verkürzt (vor Jahren dauerte ein DEXA Scan noch 20-25 Minuten; heutzutage nur noch 5-10 Minuten), wodurch diese Methode praktisch und nichtinvasiv ist.

DEXA erlaubt Schätzungen zur Dichte der Knochen und lokalen Körperkompositionen (es kann also die Körperkomposition für einzelne Teile deines Körpers festgestellt werden).

Beim DEXA-Scan wird die Absorption deines Körpers von Röntgenstrahlen zweier Energien gemessen. Fett, Knochenmineral und fettfreie Masse haben verschiedene Absorptionseigenschaften. Indem wir deinen Körper komplett Scannen, können wir die Zusammenmessung deines Körpers schätzen.

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DEXA Fehlerquellen

Wie alle Methoden zur Schätzung des Körperfettanteils gibt es auch beim DEXA Scan verschiedene potenzielle Fehlerquellen.

Unterschiede in Hard- & Software

Beispielsweise variieren die Ergebnisse zwischen Maschinen unterschiedlicher Hersteller und teilweise sogar zwischen Maschinen der gleichen Hersteller. Updates der Software können den Algorithmus zur Berechnung der Körperzusammensetzung verändern. Unterschiedliche Hard- und Softwarekombinationen können in unterschiedlichen Interpolationen zwischen weichem Gewebe und Knochen resultieren, sowie Pixel anders behandeln, wovon ein kleiner Anteil Knochen ist.

Art der Röntgenstrahlung

Die Art der Röntgenstrahlung (Fächerstrahlung oder Nadelstrahl) kann auch eine Fehlerquelle darstellen; DEXA Geräte mit Fächerstrahlung können unter Strahlenverstärkung leiden (auch als parallaxe Fehler bekannt).

Hydrationsstatus der Muskulatur

Eine letzte Fehlerquelle ist die gleiche wie auch bei den 2-Komponenten-Modellen: Der Hydrationsstatus fettfreier Masse. Eine 5%-ige Änderung der Wassereinlagerungen der fettfreien Masse kann den durch den DEXA-Scan bestimmten Körperfettanteil um bis zu 3% beeinflussen [1].

Das ist vor allem ein Problem, wenn man verschiedene Ethnizitäten oder Körpertypen vergleicht, bei denen die Wassereinlagerungen der fettfreien Masse variieren können, sowie bei der Betrachtung der Änderungen des Körperfettanteils über Zeit. 

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DEXA vs. 4-Komponenten Modell

Mehrere Studien haben den DEXA-Scan mit dem 4-Komponenten Model verglichen. Betrachtet man Durchschnittswerte, dann schneidet der DEXA-Scan mit einer Fehlerrate von 1-2% gut ab. Allerdings können – wie bei allen anderen Körperfettmessungen – die individuellen Fehlerraten viel höher sein.

Individuelle Fehlerrate

Die Fehlerraten können von Studie zu Studie und von Gerät zu Gerät variieren; die Ergebnisse liegen zwischen 4% in einer Studie [2] und 8-10% in einer anderen [3]. Die Genauigkeit des DEXA-Scans kann auch durch das Geschlecht, die Größe, den Körperfettanteil und Krankheiten beeinflusst werden [4]. 

Entwicklung über Zeit

Auch bei der Betrachtung der Entwicklung über Zeit treten Probleme auf. In einer Studie haben Forscher Schmalz um die Beine der Testobjekte gewickelt, um eine Gewichtszunahme zu simulieren. Durch diesen Test wurde allerdings auch die Körpermineralien beeinflusst, weshalb die Fähigkeit des DEXA-Scans zur genauen Bestimmung der Körperkompositionen bei Gewichtsveränderungen angezweifelt wird [5].

In einer anderen Studie mit Bodybuildern war der DEXA-Scan im Durchschnitt relativ genau, führte allerdings beim Individuum zu Abweichungen bis zu 4% [6]. Du könntest also deinen Körperfettanteil um 4% reduzieren und der DEXA-Scan könnte keine Änderung anzeigen. Oder der DEXA-Scan zeigt dir eine 4%-ige Änderung an, obwohl es gar keine Veränderung gab.

Eine andere Studie hat gezeigt, dass die Verringerung des Körperfettanteils meist überschätzt, während die Erhöhung unterschätzt wird [7]. Die Überschätzungen gingen sogar bis zu 5%.

Hier ist ein Graph einer Studie, die die Änderungen des Körperfettanteils über Zeit mit dem 4-Komponenten Modell verglichen hat [8]: 

Die Tücken der Körperfettmessung – Teil 5: Der DEXA Scan

Veränderungen des Körperfettanteils: Vergleich zwischen DEXA Scan und 4-Komponenten Modell. (Bildquelle: Mahon et al, 2007)

Die X-Achse zeigt die Änderungen des Körperfettanteils mit dem DEXA-Scan und die Y-Achse die Änderungen mit dem 4-Komponenten Model. Es lässt sich erkennen, dass es wenig Überschneidungen zwischen den Methoden gibt.

Beispielsweise ergab der DEXA-Scan bei einer Person eine Reduktion um 5%, während das 4-Komponenten Modell eine Erhöhung von 5% ergab. Eine andere Person zeigte mit dem 4-Komponenten Model eine Reduktion um 10%, während der DEXA-Scan lediglich eine Reduktion von 3% anzeigte.

Diese Ergebnisse zweifeln an der Glaubwürdigkeit des DEXA-Scans bei der Messung des Körperfettanteils von Individuen. 

DEXA: Das Urteil

Obwohl DEXA ein 3-Komponenten Modell ist, sind die Fehlerraten nicht besser als beim hydrostatischen Wiegen – teilweise sogar schlechter. Wie auch die anderen Methoden liefert diese bei Durchschnittswerten relativ gute Ergebnisse, weist bei Individuen aber hohe Fehler auf. Diese Fehler pendeln sich bei etwa 5% ein, wobei einige Studien sogar Abweichungen bis zu 10% gezeigt haben.

Betrachtet man die Änderungen über Zeit bei Individuen, zeigen einige Studien eine Abweichung von etwa 5%  – allerdings schneidet der DEXA-Scan in einigen Studien viel schlechter ab. Aus diesen Gründen kann ich nicht empfehlen diese Methode für die Betrachtung der Änderungen des Körperfettanteils zu verwenden.

Wenn du DEXA für diese Art der Betrachtung verwenden möchtest, dann sollten lange Zeiträume zwischen den Test liegen (mindestens 3-6 Monate), denn es muss mindestens eine tatsächliche Änderung von 5% vorliegen, um überhaupt etwas sinnvolles anzuzeigen.

Das fasst die meist benutzten Techniken zur Feststellung der Körperzusammensetzung zusammen. Im letzten Teil dieser Serie werde ich die praktische Anwendung von allem aus dieser Reihe gelernten zusammenfassen. 


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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / adriano_cz


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