Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

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Von Lyle McDonald |

Seit die Leute in den letzten ca. 30 Jahren angefangen haben, Herzerkrankungen mit Cholesterin in Verbindung zu bringen, entstand eine Kombination aus Besorgnis und Verwirrung um das ganze Thema Fett in der Ernährung. In diesem Artikel will ich diesbezüglich auf einige Punkte eingehen und versuchen, die Verwirrung ein wenig aufzuklären.

Im ersten Teil fokussiere ich mich auf einige generellere Dinge wie die Grundkategorien der Nahrungsfette, den Unterschied zwischen Cholesterin und Triglyceriden und den Einfluss von Nahrungscholesterin auf die Blutcholesterinwerte.

Im nächsten Teil werde ich detaillierter auf die verschiedenen Triglycerid-Typen und die Kontroversen bezüglich deren Auswirkungen auf die Gesundheit eingehen.

Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

Triglyceride, Cholesterin und alles Andere

Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

Triglyceride und Cholesterin: Wie beeinflussen sie das Blutfettprofil? (Bildquelle: Fotolia / gamjai)

Viele Leute werfen mit dem Begriff „Nahrungsfett“ um sich, ohne zu bedenken, dass nicht alle Fette in unserer Ernährung gleich sind. Und ich rede hier nicht von gesättigten oder ungesättigten Fetten – nein, ich rede davon, dass Nahrungsfette bzw. Lipide ganz grundsätzlich unterschiedliche chemische Formen annehmen können.

Die zwei primären Arten von Lipiden, die wir täglich konsumieren, sind Triglyceride und Cholesterin, wobei erstere über 90% der täglich von uns konsumierten Fette ausmachen.

Zu einem kleineren Anteil konsumieren wir außerdem auch noch andere Lipid-Arten, etwa verschiedene Phospholipide und andere lipidartige Verbindungen; da diese jedoch nur einen kleinen Prozentsatz des insgesamt konsumierten Fettes ausmachen, werde ich darauf nicht näher eingehen.

Stattdessen möchte ich mich hier auf Triglyceride und Cholesterin in der Nahrung fokussieren.

Der Vollständigkeit halber sollte ich erwähnen, dass es auch Diglyceride in der Nahrung gibt (bestehend aus zwei Fettsäuren, die an ein Glycerin-Molekül gebunden sind), welche in Sachen Fettabbau möglicherweise einen Nutzen haben könnten. In der Ultimate Diet 2.0 erwähnte ich Enova-Öl (welches offenbar nicht mehr produziert wird), ein Diglycerid-Öl, welches den Fettverlust während einer Diät erhöhen kann. Diglyceride in der Nahrung machen außerdem aufgrund der Art und Weise, wie sie im Körper verarbeitet werden, wahrscheinlich satter (verglichen mit Triglyceriden); auch dies kann in einer Diät von Nutzen sein.

Es sei zudem zuletzt noch erwähnt, dass auch freie Fettsäuren möglicherweise eine potentiell appetitzügelnde Wirkung haben könnten, ich habe jedoch noch kein kommerzielles Produkt gesehen, welches diese enthält. Wie auch immer, Tryglyceride sind die wichtigsten Nahrungsfette, gefolgt von Cholesterin auf Platz 2.

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Triglyceride und Cholesterin: Was ist der Unterschied?

Jahrzehnte lang existiert schon Verwirrung, wo denn der Unterschied zwischen Triglyceriden und Cholesterin sei und viele Leute scheinen immer noch zu denken, dass die beiden identisch oder zumindest verwandt sind.

Die Verwirrung lässt sich wahrscheinlich auf den extremen Fokus auf die Cholesterinwerte im Blut (und die ihnen nachgesagte Erhöhung des Risikos für Herzerkrankungen zurückführen), der in den späten 1970ern seinen Anfang hatte. Da viele der Nahrungsmittel, die Besorgnis hervorriefen (wie zum Beispiel fettiges Fleisch und Eier), vergleichsweise viel Cholesterin beinhalten, schien es, dass die Leute die beiden Substanzen gedanklich miteinander verbanden.

Und auch wenn es stimmt, dass fettreiche, tierische Lebensmittel oft auch viel Cholesterin beinhalten, trifft das nicht immer zu; einige fettarme Nahrungsmittel enthalten zum Beispiel viel Cholesterin (zum Beispiel bestimmte Schalentiere), obwohl sie einen niedrigen Gesamtfettgehalt haben. Allgemein kann man jedoch tatsächlich sagen, dass fettreiche, tierische Lebensmittel auch meistens viel Cholesterin beinhalten – und ich nehme an, dass daher auch die meiste Verwirrung kommt.

Von der chemischen Struktur her könnten die beiden Verbindungen nämlich unterschiedlicher nicht sein.

Cholesterin ist ein sogenanntes Steroid-Molekül. Es hat eine komplexe, ringförmige Struktur und dient dem Körper vor allem als Vorläufermolekül für andere, strukturell ähnliche Verbindungen (wie zum Beispiel Testosteron, Kortisol, Östrogen, Progesteron und viele mehr).

Triglyceride hingegen, auch Triaglycerine, Tri-Acyl-Glycerine oder einfach TAGs genannt, bestehen aus jeweils drei Fettsäuren („Tri“ = drei), die an ein Glycerin-Molekül gebunden sind (daher das „Glycerid“ im Namen).

Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

Eine Triglycerid, bestehend aus dem Glycerin-Gerüst und drei Fettsäuren (als Ketten).(Bildquelle: Wikimedia.org / Wolfgang Schaefer ; Public Domain Lizenz)

In folgendem Bild kann man die chemische Struktur von Cholesterin (linke Seite) und einem Triglycerid-Molekül (rechte Seite) sehen.

Nahrungsfette – Eine Einführung – Teil 1: Triglyceride, Cholesterin & Auswirkungen auf das Blutfettprofil

Ein Cholesterin-Molekül sollte (Bild) ist was ganz anderes, als ein Triglycerid. Strukturell und Wirkungsspezifisch ähneln sich die Stoffe kein bisschen! (Bildquelle: Wikimedia.org / Wesalius ; Public Domain Lizenz)

Wie man sehen kann, ist ihre chemische Struktur gänzlich verschieden. Und wie wir sehen werden, haben die beiden auch gänzlich unterschiedliche Effekte im Körper.

Über Nahrungscholesterin und Blutcholesterin

Wie bereits erwähnt, stammt meines Erachtens ein großer Teil der Verwirrung bezüglich Nahrungsfett und Cholesterin aus dem Fokus auf den Cholesterinwerten im Blut und Herzerkrankungen, der in den 70er-Jahren losging und in den 80ern seinen Lauf nahm. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass viele der fettreichen Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Eier) gleichzeitig auch viel Cholesterin beinhalten, kann man einfach nachvollziehen, wie diese Verwirrung zustande kam.

Ich werde hier nicht auf die große Debatte/Diskussion/Kontroversen bezüglich Blutcholesterin und Herzerkrankungen eingehen. Hierfür muss es reichen, zu sagen, dass ich denke, dass beide extremen Gruppen, sowohl diejenigen, die denken, dass Cholesterin der Risikofaktor Nummer 1 sei, als auch diejenigen, die der Meinung sind, Cholesterin beinhalte gar kein Risiko, fehlgeleitet sind; dies trifft übrigens auf die allermeisten extremen Standpunkte zu. Bestenfalls denke ich, dass das Blutcholesterin einer von vielen Faktoren ist, der zur Entwicklung von Herzerkrankungen beitragen kann; aber es gibt sicherlich noch einige andere. Ich belasse dieses Thema zunächst dabei.

Was jedoch häufig vergessen wird, ist, dass der Körper selbst in der Leber mehr Cholesterin herstellt als die allermeisten Menschen an einem Tag essen könnten. Zudem ist der Körper in der Lage, sich an die Cholesterinzufuhr aus der Nahrung anzupassen. Wenn man weniger Cholesterin aus der Nahrung zuführt, stellt der Körper mehr davon selbst her; wenn man mehr zuführt, stellt er weniger her.

Und das ist auch genau der Grund, warum viele Sorgen um das Nahrungscholesterin ein wenig daneben liegen; bei den meisten Menschen hat die Zufuhr von Cholesterin aus der Nahrung einen kleinen oder gar keinen Einfluss auf die Blutcholesterinwerte. Hierbei sollte erwähnt werden, dass es tatsächlich einen gewissen Anteil an Menschen zu geben scheint, deren Blutcholesterin sensibler auf die Zufuhr von Cholesterin aus der Nahrung reagiert.

Stattdessen scheint jedoch vor allem die Zufuhr bestimmter Triglycerid-Typen einen weitaus größeren Einfluss auf die Blutcholesterinlevels zu haben; Training spielt außerdem eine Rolle, ebenso wie einige starke genetische Faktoren, welche die Blutcholesterinlevels bestimmen.

Da jedoch die Diskussion um die verschiedenen Triglycerid-Typen ziemlich lange wird, behalte ich mir diese für den zweiten Teil dieser Reihe vor.


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Über Lyle McDonald

Lyle McDonald ist ein Forscher und Coach, der bereits mit einer Vielzahl von Bodybuildern, Powerliftern und anderen Athleten hinsichtlich aller möglichen Aspekte ihres Trainings, ihrer Ernährung und Nahrungsergänzung zusammengearbeitet hat. Er kombiniert eine mehrere Jahrzehnte andauernde Obession der menschlichen Physiologie mit der Fähigkeit seine Forschung in brandaktuelle Lösungen für etliche Probleme zu liefern, mit denen sich Athleten tagtäglich konfrontiert sehen.
Mittlerweile hat Lyle mehr als sechs verschiedene Bücher verfasst, darunter die Ultimate Diet 2.0, das Rapid Fat Loss Handbook, Stubborn Fat Solution und weitere mehr. Besuche Lyle auf seiner Seite Bodyrecomposition.com.

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